Verspätungszuschlag

Wer bei der Steuererklärung trödelt, muss draufzahlen

Udo Reuß Stand: 16. September 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Falls Sie eine Steuererklärung abgeben müssen und das entweder verspätet oder überhaupt nicht machen, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen. Diesen müssen Sie zusätzlich zur Steuer zahlen.
  • Der Verspätungszuschlag ist auf 10 Prozent der festgesetzten Steuer und auf einen Betrag von 25.000 Euro beschränkt. Bis Ende 2018 haben Finanzbeamte einen großen Ermessensspielraum.
  • Ab 2019 gelten neue Regeln: Ein Verspätungszuschlag wird auf jeden Fall festgesetzt, wenn Sie nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres die Steuererklärung abgegeben haben.
  • Wer seine Steuererklärung für 2018 erst im März 2020 oder danach abgibt, erhält automatisch einen Verspätungszuschlag. Er beträgt dann pro angefangenem Säumnis-Monat 0,25 Prozent der um die Vorauszahlungen und die anzurechnenden Steuerabzugsbeträge verminderten Steuer, mindestens aber 25 Euro monatlich.
  • Weitere Sanktionsmöglichkeiten des Finanzamts sind das Zwangsgeld, die Schätzung, der Säumniszuschlag für verspätete Steuerzahlungen sowie Zinsen auf Steuernachzahlungen.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie als erstes, ob Sie eine Steuererklärung abgeben müssen. Falls ja, dann müssen Sie die für das Jahr 2018 bis spätestens zum 31. Juli 2019 abgeben.
  • Beantragen Sie beim Finanzamt rechtzeitig schriftlich eine Fristverlängerung.
  • Begründen Sie diese und nennen einen Abgabetermin.
  • Halten Sie diesen ein, um einen Verspätungszuschlag zu vermeiden.
  • Gegen einen Verspätungszuschlag können Sie sich binnen eines Monats mit einem Einspruch wehren. Wird dieser abgelehnt, bleibt Ihnen nur die Klage vor dem Finanzgericht.

Sie haben die Abgabefrist für die Steuererklärung verpasst – und was passiert jetzt? Ein Verspätungszuschlag, Zwangsgeld und eine Schätzung sind die unangenehmen Waffen des Finanzamts, mit denen säumige Steuerpflichtigen rechnen müssen. Die Geldbußen können unterschiedlich hoch ausfallen, und manchmal lässt sich eine Strafe doch ganz einfach vermeiden.

Wen kann ein Verspätungszuschlag treffen?

Viele Arbeitnehmer müssen keine Steuererklärung abgeben. Zum Beispiel ist ein lediger Arbeitnehmer, der nur Gehalt bezieht, in der Regel nicht dazu verpflichtet. Er kann freiwillig eine Steuererklärung erstellen – und hat dafür vier Jahre Zeit. Für das Steuerjahr 2018 ist also Luft bis Ende 2022. Eine spätere Abgabe ist nicht möglich. Bei einer freiwilligen Steuererklärung gibt es keinen Verspätungszuschlag.

Anders ist die Situation, wenn Sie hingegen zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind oder vom Finanzamt dazu aufgefordert wurden. Dann müssen Sie die allgemeine Abgabefrist beachten. Für das Veranlagungsjahr 2017 endete die Abgabefrist am 31. Mai 2018. Ab dem Veranlagungsjahr 2018 haben Sie zwei Monate mehr Zeit. Dann endet die Abgabefrist am 31. Juli des Folgejahres.

Und diese Frist sollten Sie einhalten. Denn ein Verstoß kann teuer werden. Das Finanzamt kann für eine nicht oder zu spät abgegebene Erklärung einen Verspätungszuschlag verlangen – und zwar zusätzlich zur fälligen Steuer. Ein Zwangsgeld darf das Finanzamt darüber hinaus auch noch erheben, um den Steuerpflichtigen zu „motivieren“.

Abgabepflichtig sind unter anderem Selbstständige. Doch das kann auch für Rentner und Arbeitnehmer gelten. Die Abgabepflicht für Arbeitnehmer ist gesetzlich geregelt (§ 46 Einkommensteuergesetz). Im Ratgeber Abgabepflicht listen wir auf, in welchen Situationen Sie eine Steuererklärung abgeben müssen; beispielsweise, wenn sowohl Sie als auch Ihr Ehegatte Gehalt bezogen und Sie beide die Steuerklassenkombination III/V haben.

Lässt sich die Abgabefrist verlängern?

Können Sie absehen, dass Sie die Abgabefrist nicht einhalten können, sollten Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt eine Verlängerung möglichst schriftlich und begründet vor Fristablauf beantragen. Gehen Sie davon aus, dass eine bloße Arbeitsüberlastung als Grund nicht ausreicht. Ein nachvollziehbarer Grund wäre zum Beispiel ein Unfall mit Krankenhausbehandlung.

Waren Sie in der Vergangenheit in der Regel pünktlich, dann haben Sie gute Chancen, eine Fristverlängerung bis zu vier Monaten zu erhalten. Sie können in Ihrem Brief schreiben: „Falls ich von Ihnen nichts Gegenteiliges höre, gehe ich von der Genehmigung meines Antrags auf Fristverlängerung aus.“ Haben Sie einen neuen Abgabetermin genannt und das Finanzamt antwortet nicht, dann können Sie davon ausgehen, dass es Ihren Antrag gewährt.

Ein Anspruch auf Fristverlängerung besteht jedoch nicht. War jemand bereits öfter unpünktlich, tendiert das Finanzamt erfahrungsgemäß dazu, den Antrag abzulehnen.

Welche Sanktionsmöglichkeiten hat das Finanzamt?

Das Finanzamt hat verschiedene Möglichkeiten, säumige Steuerzahler dazu zu bringen, ihren Pflichten nachzukommen.

Verspätungszuschlag

Die Abgabefrist einfach verstreichen zu lassen und darauf zu hoffen, vom Finanzamt vergessen zu werden, ist nicht zu empfehlen. Normalerweise schickt es zunächst einen Brief und erinnert an die Abgabe der Steuererklärung.

Kommt dann sogar eine schriftliche „Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung unter Androhung eines Zwangsgeldes“, wird es ernst. Bereits jetzt kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen, den Sie zusätzlich zu Ihrer Steuerschuld zahlen müssen – und gibt Ihnen eine neue Frist.

Zwangsgeld

Zumindest eine zusätzliche Strafe, das Zwangsgeld, können Sie vermeiden, indem Sie vor Ablauf der neuen Frist eine Steuererklärung abgeben. Lassen Sie auch diese Frist tatenlos verstreichen, wird das Finanzamt in einem Bescheid das Zwangsgeld festsetzen.

Falls Sie zum ersten Mal keine Steuererklärung abgegeben haben, beträgt das Zwangsgeld üblicherweise zwischen 100 und 500 Euro. Es sind aber bis zu 25.000 Euro möglich. Ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit soll bei der Bemessung eine Rolle spielen.

Die Schätzung als letztes Mittel 

Falls Sie immer noch keine Steuererklärung abgeben, schätzt das Finanzamt Ihr zu versteuerndes Einkommen. Auch wenn diese Schätzung der Besteuerungsgrundlagen (steuerpflichtige Einnahmen und abzugsfähige Ausgaben) in der Regel zu Ihren Ungunsten ausfällt, sind Sie weiterhin zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Sie haben nach dem Schätzungsbescheid definitiv nur noch einen Monat Zeit, um Einspruch einzulegen. Danach wird der Schätzungsbescheid bestandskräftig.

Zahlen Sie eine Steuer zu spät, dann kann das Finanzamt dafür auch noch einen Säumniszuschlag verlangen. Außerdem können noch hohe Zinsen auf Steuernachzahlungen anfallen. Der Zinslauf beginnt nach einer Karenzzeit von 15 Monaten nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist. Die Zinsen betragen 0,5 Prozent für jeden Monat, also 6 Prozent für ein Jahr.

Auf säumige Steuerzahler können zusätzlich zur Steuernachzahlung erhebliche Summen zusammenkommen. Absetzbar ist davon nichts – bei der Einkommensteuer. Anders ist das bei der Umsatzsteuer und allen anderen Steuerarten, die als Betriebsausgaben absetzbar sind. Wenn die Steuer selbst absetzbar ist, dann gilt das auch für die steuerlichen Nebenleistungen wie Zinsen und Verspätungszuschlag.

Welchen Spielraum hat das Finanzamt?

Bis Ende 2018 haben Finanzbeamte noch einen großen Spielraum. Sie entscheiden, ob und in welcher Höhe der Verspätungszuschlag anfällt. Folgende Kriterien sollen dabei als Richtschnur gelten:

  • Dauer und Häufigkeit der Fristüberschreitung,
  • das Verschulden des Steuerpflichtigen,
  • Höhe des Zahlungsanspruchs,
  • potenzielle Vorteile aus der verspäteten Abgabe und
  • die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Weil viele Steuerpflichtige meinen, sie seien zu hart bestraft worden, legen sie oft binnen eines Monats Einspruch dagegen ein. Häufig lehnt die Behörde diesen ab, und der Streit wird vor dem Finanzgericht fortgesetzt. Um dem Herr zu werden, hat der Fiskus den Verspätungszuschlag im Steuermodernisierungsgesetz detaillierter geregelt und sogar verschärft (§ 152 Abgabenordnung (AO)).

Ab 2019 gibt es einen automatischen Mindest-Verspätungszuschlag. Säumige Steuerzahler müssen ihn auf jeden Fall zahlen, Finanzbeamte haben dann nur noch einen sehr begrenzten Ermessensspielraum. Unverändert bleibt die Obergrenze des Verspätungszuschlags bei 10 Prozent der festgesetzten Steuer, höchstens 25.000 Euro. 

Wie wird der Verspätungszuschlag berechnet?

Mit dem Steuermodernisierungsgesetz haben sich die Regeln für den Verspätungszuschlag geändert. Erstmals gilt dies für Steuererklärungen, die Steuerpflichtige ab 2019 einreichen müssen.

Hier ein Beispiel für die Steuererklärung 2018: Das Steuermodernisierungsgesetz verlängert ab dem Veranlagungszeitraum 2018 auch die Abgabefristen für die Steuererklärung. Statt bis Ende Mai brauchen Steuerpflichtige erst am 31. Juli 2019 ihre Erklärung für 2018 abzugeben. Wer die Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nimmt, hat sogar Zeit bis zum 2. März 2020.

Nach der Neuregelung wäre eigentlich nur bis Ende Februar des übernächsten Jahres Zeit. Weil 2020 jedoch ein Schaltjahr ist und der 29. Februar auf einen Samstag fällt, ist der darauffolgende Montag der Stichtag.

Wer die Steuererklärung erst danach abgibt, muss den neuen automatischen Verspätungszuschlag auf jeden Fall zahlen. Festgesetzt wird dieser, wenn die Steuererklärung nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres abgegeben wurde.

Der Verspätungszuschlag wird ab 2019 folgendermaßen ermittelt: Für jeden angefangenen Monat der Versäumnis werden 0,25 Prozent der um die Vorauszahlungen und die anzurechnenden Steuerabzugsbeträge verminderten Steuer fällig – abgerundet auf volle Euro. Als Mindestsatz setzt das Finanzamt dann für eine Jahreserklärung 25 Euro pro verspätetem Monat fest.

Beispiel: Bei einer Abgabe im März 2020 sind es ohne Fristverlängerung acht Monate Verspätung, also von August 2018 bis März 2019. Für jeden angefangenen Monat setzt das Finanzamt 25 Euro an – also insgesamt 200 Euro Verspätungszuschlag.

Für Steuerpflichtige, die keinen Berater zu Hilfe nehmen, haben die Finanzämter im Zeitraum August 2019 bis Ende Februar 2020 noch einen Ermessensspielraum, danach nicht mehr. Eine grundsätzliche Ausnahme gilt, wenn der Steuerbescheid auf 0 Euro lautet oder dem Steuerpflichtigen sogar eine Steuererstattung zusteht (§ 152 Abs. 2 AO). In solchen Fällen bleibt es bei einer Ermessensentscheidung.

Was gilt für Rentner?

Viele Rentner gehen irrtümlicherweise davon aus, dass sie mit ihren Einkünften keine Steuern zahlen müssen. Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass bezogen auf die Steuererklärung 2018 rund fünf Millionen Rentner Steuern entrichten müssen. Noch mehr müssen eine Steuererklärung abgeben.

Weil die Rentenversicherungsträger die Finanzverwaltung über ausgezahlte Renten informieren, fordern Finanzämter Rentenbezieher immer öfter gezielt dazu auf, erstmals eine Steuererklärung zu erstellen. Dazu setzen sie eine Frist. Versäumt ein Rentner oder ein anderer erstmals dazu aufgeforderter Steuerpflichtiger diesen Zeitpunkt, dann fällt der Verspätungszuschlag nur für die Monate an, die begonnen haben, nachdem die in der Aufforderung bezeichnete Erklärungsfrist abgelaufen ist.

Fazit: Die Neuregelung des Verspätungszuschlags bringt eine Verschärfung der bisherigen Rechtslage. Die Finanzverwaltung erhofft sich davon eine pünktlichere Abgabe von Steuererklärungen. 

Autor
Udo Reuß

Stand: 16. September 2019


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