Verspätungszuschlag

Wer bei der Steu­er­er­klä­rung trödelt, zahlt drauf

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
04. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Falls Du eine Steu­er­er­klä­rung abgeben musst und das entweder verspätet oder überhaupt nicht machst, kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen.
  • Der Verspätungszuschlag ist auf 10 Prozent der festgesetzten Steuer und auf einen Betrag von 25.000 Euro beschränkt. Er wird festgesetzt, wenn Du nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres oder dem gesetzlichen Zeitpunkt die Steu­er­er­klä­rung abgegeben hast.
  • Wer seine Steu­er­er­klä­rung für 2021 erst nach dem gesetzlich festgelegten Zeitpunkt Anfang Oktober 2022 abgibt, erhält automatisch einen Verspätungszuschlag.
So gehst Du vor
  • Prüfe als erstes, ob Du eine Steu­er­er­klä­rung abgeben musst. Falls ja, dann musst Du diese grundsätzlich bis spätestens zum 31. Juli des Folgejahres abgeben. Für die Steuerjahre 2020, 2021 und 2022 gibt es coronabedingte Ausnahmen.
  • Beantrage beim Finanzamt rechtzeitig schriftlich eine Fristverlängerung. Begründe diese und nenne einen Abgabetermin. Halte diesen ein.
  • Gegen einen Verspätungszuschlag kannst Du Dich binnen eines Monats mit einem Einspruch wehren. Wird dieser abgelehnt, bleibt Dir nur die Klage vor dem Finanzgericht.

Du hast die Abgabefrist für die Steu­er­er­klä­rung verpasst – und was passiert jetzt? Ein Verspätungszuschlag, Zwangsgeld und eine Schätzung sind die unangenehmen Waffen des Finanzamts, mit denen säumige Steuerpflichtige rechnen müssen. Die Geldbußen können unterschiedlich hoch ausfallen. Dabei lässt sich manchmal eine Strafe ganz einfach vermeiden.

Wen kann ein Verspätungszuschlag treffen?

Viele Arbeitnehmer müssen keine Steu­er­er­klä­rung abgeben. Zum Beispiel ist ein lediger Arbeitnehmer, der nur Gehalt bezieht, in der Regel nicht dazu verpflichtet. Er kann freiwillig eine Steu­er­er­klä­rung erstellen – und hat dafür vier Jahre Zeit. Für das Steuerjahr 2020 ist also Luft bis Ende 2024. Eine spätere Abgabe ist nicht möglich. Bei einer freiwilligen Steu­er­er­klä­rung gibt es keinen Verspätungszuschlag.

Strenge Fristen für Abgabepflichtige

Anders ist die Situation, wenn Du dazu verpflichtet bist, eine Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung abzugeben, oder vom Finanzamt dazu aufgefordert wurdest. Dann musst Du die allgemeine Abgabefrist beachten. Für das Veranlagungsjahr 2021 hast Du vom Fiskus ein wenig mehr Zeit geschenkt bekommen. Coronabedingt endet die Abgabefrist erst am 30. September 2022 statt am 31. Juli 2022.

Verspätungszuschlag zusätzlich zur Steuer

Diese Frist solltest Du einhalten. Denn ein Verstoß kann teuer werden. Das Finanzamt kann für eine nicht oder zu spät abgegebene Erklärung einen Verspätungszuschlag verlangen – und zwar zusätzlich zur fälligen Steuer. Ein Zwangsgeld darf das Finanzamt darüber hinaus auch noch erheben, um den Steuerpflichtigen zu „motivieren“.

Eine Steu­er­er­klä­rung abgeben müssen unter anderem Selbstständige. Doch das kann auch für Rentner und Arbeitnehmer gelten. Die Abgabepflicht für Arbeitnehmer ist gesetzlich geregelt (§ 46 Einkommensteuergesetz). Im Ratgeber Abgabepflicht listen wir auf, wann Du noch eine Steu­er­er­klä­rung abgeben musst; beispielsweise, wenn Du und Dein Ehegatte Gehalt bezogen haben und Ihr beide die Steuerklassenkombination III/V habt.

Lässt sich die Abgabefrist verlängern?

Kannst Du absehen, dass Du die Frist nicht einhalten kannst, solltest Du bei Deinem zuständigen Finanzamt eine Verlängerung möglichst schriftlich und begründet vor Fristablauf beantragen. Ein nachvollziehbarer triftiger Grund wäre zum Beispiel ein Unfall mit Krankenhausbehandlung, der Tod eines nahen Angehörigen oder ein Umzug.

Warst Du in der Vergangenheit in der Regel pünktlich, dann hast Du gute Chancen, eine Fristverlängerung von bis zu vier Monaten zu erhalten. Beantragst Du nur einen zusätzlichen Monat, erhöhst Du Deine Chancen, dass das Finanzamt gnädig ist.

In Deinem Brief ans Finanzamt kannst Du zum Beispiel schreiben: „Falls ich von Ihnen nichts Gegenteiliges höre, gehe ich von der Genehmigung meines Antrags auf Fristverlängerung aus.“ Hast Du einen neuen Abgabetermin genannt und das Finanzamt antwortet nicht, kannst Du davon ausgehen, dass es Deinen Antrag gewährt. Einen Musterbrief zum Herunterladen findet Du im Ratgeber Abgabefrist.

Ein Anspruch auf Fristverlängerung besteht jedoch nicht. War jemand bereits öfter unpünktlich, tendiert das Finanzamt erfahrungsgemäß dazu, den Antrag abzulehnen.

Welche Sanktionsmöglichkeiten hat das Finanzamt?

Verspätungszuschlag, Zwangsgeld, Säumniszuschlag: Das Finanzamt hat verschiedene Möglichkeiten, säumige Steuerzahler dazu zu bringen, ihren Pflichten nachzukommen.

Verspätungszuschlag

Die Abgabefrist einfach verstreichen zu lassen und darauf zu hoffen, vom Finanzamt vergessen zu werden, ist nicht zu empfehlen. Normalerweise schickt es zunächst einen Brief und erinnert an die Abgabe der Steu­er­er­klä­rung.

Kommt dann sogar eine schriftliche „Aufforderung zur Abgabe der Steu­er­er­klä­rung unter Androhung eines Zwangsgeldes“, wird es ernst. Bereits jetzt kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen, den Du zusätzlich zu Deiner Steuerschuld zahlen musst – und gibt Dir eine neue Frist.

Zwangsgeld

Zumindest eine zusätzliche Strafe, das Zwangsgeld, kannst Du vermeiden, indem Du vor Ablauf der neuen Frist eine Steu­er­er­klä­rung abgibst. Lässt Du auch diese Frist verstreichen, wird das Finanzamt in einem Bescheid das Zwangsgeld festsetzen.

Falls Du zum ersten Mal keine Steu­er­er­klä­rung abgegeben hast, beträgt das Zwangsgeld üblicherweise zwischen 100 und 500 Euro. Es sind aber bis zu 25.000 Euro möglich. Die Höhe des Zwangsgelds ist von verschiedenen Faktoren abhängig: So spielt Deine finanzielle Situation eine Rolle. Aber auch, wie kooperativ Du Dich gegenüber der Behörde bislang verhalten hast oder ob Du Deine Steu­er­er­klä­rung schon öfter unpünktlich abgegeben hast.

Die Schätzung als letztes Mittel 

Falls Du immer noch keine Steu­er­er­klä­rung abgibst, schätzt das Finanzamt Dein zu versteuerndes Einkommen. Auch wenn diese Schätzung in der Regel zu Deinen Ungunsten ausfällt, bist Du weiterhin zur Abgabe verpflichtet. Du hast nach dem Schätzungsbescheid einen Monat Zeit, um Einspruch einzulegen. Danach wird er bestandskräftig.

Säumniszuschlag

Zahlst Du Deine Steuern zu spät, dann kann das Finanzamt dafür auch noch einen Säumniszuschlag verlangen. Außerdem können Zinsen auf Steuernachzahlungen anfallen. Der Zinslauf beginnt nach einer Karenzzeit von 15 Monaten nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist.

Die gesetzlichen Zinsen betragen derzeit noch einheitlich 0,5 Prozent für jeden Monat, also 6 Prozent für ein Jahr. Weil dieser Zinssatz jedoch nach einem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) vom 8. Juli 2021 zu hoch ist, muss der Gesetzgeber diesen bis Mitte 2022 senken.

In neuen Zinsbescheiden setzen die Finanzämter keine Nachzahlungs- und Erstattungszinsen an, korrigieren dies aber später, sobald die neue Verzinsungsregelung von voraussichtlich 0,15 Prozent pro Monat (1,8 Prozent pro Jahr) gilt. Diese wird dann rückwirkend ab dem 1. Januar 2019 angewendet (Ver­zin­sungs­zeit­raum). Weitere Steuerzinsen wie Aussetzungs-, Stundungs-, Hinterziehungs- und Prozesszinsen sind vom BVerfG-Beschluss ausgenommen.

Ein Säumniszuschlag in Höhe von 1 Prozent monatlich dürfte ebenfalls seit 2019 zu hoch sein. Das Finanzgericht Münster hat diesbezüglich verfassungsrechtliche Zweifel und deswegen einer klagenden Steuerpflichtigen Recht gegeben (Beschluss vom 16. Dezember 2021, Az. 12 V 2684/21). Nun muss der Bundesfinanzhof entscheiden. Im konkreten Fall geht es um eine zu spät gezahlte Grunderwerbsteuer.

Auf säumige Steuerzahler können zusätzlich zur Steuernachzahlung erhebliche Summen zukommen. Absetzbar ist davon nichts bei der Einkommensteuer. Anders ist das bei der Umsatzsteuer und allen anderen Steuerarten, die als Betriebsausgaben absetzbar sind. Denn dann gilt das auch für die steuerlichen Nebenleistungen wie Zinsen und Verspätungszuschlag.

Wie wird der Verspätungszuschlag berechnet?

Mit dem Steuermodernisierungsgesetz haben sich die Regeln für den Verspätungszuschlag geändert. Erstmals gilt dies für Steu­er­er­klä­rungen, die Steuerpflichtige ab 2019 einreichen müssen.

Hier ein Beispiel für die Steu­er­er­klä­rung 2018: Das Steuermodernisierungsgesetz verlängert ab dem Veranlagungszeitraum 2018 auch die Abgabefristen für die Steu­er­er­klä­rung. Statt bis Ende Mai brauchen Steuerpflichtige erst am 31. Juli 2019 ihre Erklärung für 2018 abzugeben. Wer die Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nahm oder nimmt, hatte sogar Zeit bis zum 2. März 2020.

Wer die Steu­er­er­klä­rung erst danach abgibt, muss den neuen automatischen Verspätungszuschlag auf jeden Fall zahlen. Festgesetzt wird dieser, wenn die Steu­er­er­klä­rung nicht binnen 14 Monaten nach Ablauf des Besteuerungsjahres abgegeben wurde.

Berechnungsschema

Der Verspätungszuschlag wird seit 2019 folgendermaßen ermittelt: Für jeden angefangenen Monat der Versäumnis werden 0,25 Prozent der um die Vorauszahlungen und die anzurechnenden Steuerabzugsbeträge verminderten Steuer fällig – abgerundet auf volle Euro. Als Mindestsatz setzt das Finanzamt dann für eine Jahreserklärung 25 Euro pro verspäteten Monat fest.

Beispiel: Bei einer Abgabe im März 2020 sind es ohne Fristverlängerung acht Monate Verspätung, also von August 2019 bis März 2020. Für jeden angefangenen Monat setzt das Finanzamt 25 Euro an – also insgesamt 200 Euro Verspätungszuschlag.

Etwas mehr Ermessensspielraum haben Finanzbeamte, wenn der Steuerbescheid auf 0 Euro lautet oder dem Steuerpflichtigen sogar eine Erstattung zusteht (§ 152 Abs. 2 AO). In solchen Fällen bleibt es bei einer Ermessensentscheidung.

Fristverlängerung für die Steuerjahre 2020/2021

Die Corona-Pandemie sorgt für eine immense Mehrbelastung in Steuerkanzleien. Daher gewährt der Fiskus für die Steu­er­er­klä­rung 2020 mit dem Vierten Corona-Steuerhilfegesetz eine Fristverlängerung, wenn sie von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein erstellt wird. In sogenannten Beratenen-Fällen endet die Abgabefrist erst am 31. August 2022.

Da das Gesetz erst Ende Mai und damit nach Ablauf der aktuell geltenden Abgabefrist offiziell verabschiedet wird, hat das Bundesfinanzministerium bereits im Vorfeld verschiedene Anweisungen getroffen. In einem Schreiben vom 1. April 2022 hat es klargestellt, dass Du mit Deiner Steu­er­er­klä­rung immer noch pünktlich bist, wenn sie dem Finanzamt nach dem 31. Mai und vor Inkrafttreten des Vierten Corona-Steuerhilfegesetzes vorliegt. Verspätungszuschläge für das Steuerjahr 2020 musst Du daher nicht befürchten.

Eine Tabelle mit den neuen Fristen findest Du in unserem Ratgeber Abgabefrist.

Was gilt für Rentner?

Normalerweise ist eine Rentenerhöhung ein Grund zur Freude – mehr Geld in der Tasche ist nie verkehrt, auch nicht im Alter. Ab und an führt das Plus im Portemonnaie aber dazu, dass Rentner nichtsahnend in die Steu­er­er­klä­rungspflicht rutschen.

Mögliche Gründe, warum ein Rentner unbemerkt steuerpflichtig wird:

  • eine Rentenerhöhung, die den bisherigen individuellen Rentenfreibetrag (plus Grundfreibetrag) übersteigt;
  • ein Lebenspartner stirbt;
  • er bezieht beispielsweise eine zusätzliche Rente wie eine Rürup-Rente oder dergleichen.

Daher fordern Finanzämter Rentenbeziehende immer öfter gezielt dazu auf, erstmals eine Steu­er­er­klä­rung abzugeben.

Mit Blick auf Rentner hat der Gesetzgeber eine sogenannte Verschonungsregelung (§ 152 Abs. 5 Satz 3 Abgabenordnung) eingeführt. Wer davon ausgehen konnte, nicht erklärungspflichtig zu sein, aber trotzdem vom Finanzamt aufgefordert wird, innerhalb einer bestimmten Frist Steu­er­er­klä­rungen rückwirkend einzureichen, der muss wenigstens für die Vergangenheit keine Verspätungszuschläge (§ 152 Abs. 5 Satz 3 AO) befürchten. Diejenigen, die die vom Finanzamt gesetzte Frist jedoch verstreichen lassen, zahlen automatisch einen Verspätungszuschlag – für jeden angefangenen Monat nach abgelaufener Erklärungsfrist.

Ungleiche Behandlung

Bemerkt es der Rentner selbst, dass er irgendwann abgabepflichtig geworden ist, und gibt verspätet eine Steu­er­er­klä­rung ab, greift die gesetzliche Verschonungsregelung nicht. Das Finanzamt setzt dann auch rückwirkend Verspätungszuschläge fest.

Übersieht er es hingegen und wird erst vom Finanzamt aufgefordert, muss er auch erst dann handeln. Denn erst wenn der vom Finanzamt gesetzte Termin überschritten wird, rutscht er in die Verspätung rein.

Mit anderen Worten: Bezogen auf den Verspätungszuschlag ist es besser, vom Finanzamt zur Abgabe einer Steu­er­er­klä­rung aufgefordert zu werden als die Steu­er­er­klä­rung freiwillig abzugeben.

Diese ungerechte Behandlung moniert der Deutsche Steuerberaterverband und schlägt entsprechende Anpassungen vor. In solchen kritischen Fällen könnte das Finanzamt etwa automatisch eine rückwirkende Fristverlängerung gewähren. So würden Rentner, die selbstständig ihre Steu­er­er­klä­rungen nachreichen, genauso behandelt wie diejenigen, die erst nach Aufforderung des Finanzamts tätig werden.