Gesetzliche Unfallversicherung

Gratis-Schutz für Arbeitnehmer im Job und unterwegs

Julia Rieder 30. Juli 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt, wenn ein Unfall am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Universität oder auf dem Weg dorthin passiert ist.
  • Das Gleiche gilt für anerkannte Berufskrankheiten.
  • Auch ehrenamtlich Tätige, Blutspender, Zeugen vor Gericht und Ersthelfer sind während dieser Arbeiten gesetzlich unfallversichert.
  • Den Schutz bezahlt komplett der Arbeitgeber.
  • Die Versicherung übernimmt vergleichsweise hohe Renten für Menschen, die durch einen Arbeits- oder Wegeunfall bleibende Schäden erlitten haben.
So gehst Du vor
  • Für den Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung brauchst Du zunächst nichts zu tun. Arbeitgeber, Schulen und Vereine müssen sich beim zuständigen Unfallversicherungsträger anmelden und die Beiträge bezahlen.
  • Hattest Du einen Unfall auf der Arbeit oder auf dem Weg dorthin, musst Du Dich von einem sogenannten Durchgangsarzt untersuchen lassen.
  • Informiere außerdem Deinen Arbeitgeber, damit dieser der Versicherung den Unfall melden kann.

Ein Dachdecker fällt von der Leiter, ein Schüler verletzt sich beim Bockspringen, eine IT-Spezialistin rutscht auf dem Weg zur Arbeit aus und bricht sich ein Bein: All diese Ereignisse haben eines gemein – sie sind ein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung.

Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung ist es, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Versicherten nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit wiederherzustellen. Ist das nicht möglich, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung dem Geschädigten oder seinen Hinterbliebenen eine Rente.

Wer ist versichert?

Gesetzlich unfallversichert sind Arbeitnehmer und Auszubildende, aber auch Kindergartenkinder, Schüler und Studenten. Wenn Du zu Hause Angehörige pflegst, genießt Du ebenfalls den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Wenn Großeltern auf ihre Enkel aufpassen, greift die gesetzliche Unfallversicherung hingegen nicht. Das hat das Bundessozialgericht entschieden (Urteil vom 19. Juni 2018, Az. B 2 U 2/17 R). Für beim Jugendamt registrierte Tagesmütter und -väter sowie die von ihnen betreuten Kinder gilt der Versicherungsschutz hingegen.

Versichert sind außerdem Menschen, die im Interesse der Allgemeinheit tätig sind, wie Blutspender, Zeugen oder Schöffen bei Gerichtsverfahren sowie Helfer bei Unglücksfällen. Eine vollständige Übersicht, für wen die gesetzliche Unfallversicherung einspringt, findest Du im Siebten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VII, §§ 2, 3 und 6).

Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler können sich und ihren im Unternehmen mitarbeitenden Ehepartner freiwillig versichern, sofern sie nicht in der Firma angestellt und damit ohnehin gesetzlich pflichtversichert sind. Beamte sind nicht über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt, sie erhalten stattdessen eine sogenannte Unfallfürsorge.

Für Dich als Arbeitnehmer ist der gesetzliche Unfallschutz kostenlos. Denn Dein Arbeitgeber muss seinen Betrieb beim zuständigen Versicherungsträger anmelden und den kompletten Beitrag begleichen.

Wann gilt der Schutz?

Die gesetzliche Unfallversicherung tritt ein, sofern ein Unfall im Kindergarten, in der Schule, in der Universität, am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin passiert ist. Als Arbeitsunfall kann auch gelten, wenn sich jemand beim Betriebssport, auf einer Firmenfeier oder auf einer Dienstreise verletzt. Versichert sind in einigen Fällen sogar Umwege, beispielsweise wenn Du Deinen Nachwuchs zum Kindergarten bringst oder mit Kollegen eine Fahrgemeinschaft bildest. Wer für die Verletzung verantwortlich ist, spielt für die Versicherung dabei keine Rolle.

Als Unfall gelten laut Gesetz „zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen“. Knapp 2,4 Millionen meldepflichtiger Unfälle ereigneten sich 2016 laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Wenn Du Dich ehrenamtlich in einem Verein oder der Kommune engagierst, genießt Du ebenfalls gesetzlichen Unfallschutz. Die Versicherung greift auch, wenn Du unentgeltlich eine arbeitnehmerähnliche Tätigkeit erbringst, also Aufgaben übernimmst, die üblicherweise von einem Angestellten erledigt werden und einen Wert auf dem Arbeitsmarkt haben. Selbstverständliche Gefallen unter Freunden und Verwandten sind hingegen nicht versichert.

Darüber, ob es sich tatsächlich um einen Arbeitsunfall gehandelt hat, müssen häufig Gerichte entscheiden. Sie befinden auch darüber, wo im Einzelfall die Grenze zwischen einem Freundschaftsdienst oder einer arbeitnehmerähnlichen Tätigkeit verläuft.

Nicht versichert sind zudem Gesundheitsschäden, die ohne äußere Einwirkung nur zufällig während der versicherten Tätigkeit entstehen: beispielsweise wenn ein Arbeitnehmer am Schreibtisch einen Herzinfarkt erleidet.

Grundsätzlich gilt: Bei Unfällen im Haushalt oder während der Freizeit (auch während Arbeitspausen) springt die gesetzliche Unfallversicherung nicht ein. In diesen Situationen greift nur eine private Unfallversicherung. Sinnvoller ist allerdings der Schutz durch eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung. Denn sie zahlt unabhängig von der Ursache, sobald der Versicherte seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Mehr dazu im Ratgeber Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung

  • Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus, eine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist für fast jeden sinnvoll.
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Zum Ratgeber 

Wann werden Berufskrankheiten anerkannt?

Geld von der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es auch bei Erkrankungen, die durch den Beruf verursacht wurden. Welche Leiden als solche anerkannt sind, ist der Berufskrankheiten-Verordnung (BVK) der Bundesregierung zu entnehmen. Sie umfasst 77 Erkrankungen (Stand: Februar 2017).

Ist eine Krankheit nicht in der Liste aufgeführt, kann sie im Einzelfall trotzdem als Berufskrankheit anerkannt werden. Allerdings müssen medizinische Erkenntnisse belegen, dass in einem bestimmten Beruf ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zur übrigen Bevölkerung besteht. Der Nachweis, dass jemand an einer Berufskrankheit leidet, ist sehr schwierig.

Beispiele: Hat das nachlassende Hörvermögen eines Arbeiters etwas mit dem Lärm in der Fabrikhalle zu tun? Wie kann eine Arbeiterin ihre rissige Haut an den Händen behandeln, wenn sie dauerhaft im Feuchtbereich arbeitet? Sind Schwäche und Unwohlsein Folgen von häufigen Dienstreisen in bestimmte Gebiete?

Insgesamt zahlt die Unfallversicherung für Berufskrankheiten recht selten. Von rund 80.000 Verdachtsfällen wurde im Jahr 2016 nur in jedem vierten Fall eine Berufskrankheit anerkannt.

Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung hat eine Vielzahl an Aufgaben. Sie zahlt unter anderem:

Heilbehandlungen - Die Unfallversicherung übernimmt nach einem Arbeits- oder Wegeunfall statt der Kran­ken­kas­se die Kosten für die ärztliche Behandlung, für die erforderlichen Arzneien, Verbands- und Heilmittel sowie für Aufenthalte im Krankenhaus oder Reha-Einrichtungen, Physio- und Psychotherapie.

Verletztengeld - Das Verletztengeld soll den Einkommensausfall ausgleichen, bis der Versicherte wieder arbeiten kann. Es beträgt 80 Prozent des entgangenen Bruttoentgelts bis zur Höhe des Nettolohns und wird für höchstens 78 Wochen gezahlt. Damit ist das Verletztengeld höher als das Krankengeld: Dieses beträgt nicht mehr als 70 Prozent des Bruttolohns.

Pflegegeld - Wer nach einem Unfall pflegebedürftig ist, hat im Jahr 2018 Anspruch auf Hilfe durch eine Pflegekraft oder ein Pflegegeld in Höhe von 341 bis 1.445 Euro monatlich.

Rente - Bei einem Gesundheitsschaden, der mindestens 26 Wochen lang andauert, kann eine Rente gezahlt werden. Deren Höhe hängt vom bisherigen Einkommen und dem Grad der Beeinträchtigung des Versicherten ab. Mindestens muss die Erwerbsfähigkeit aber um 20 Prozent gemindert sein.

Hinterbliebenenleistungen - Stirbt der Ehepartner oder ein Elternteil durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit, gewährt die gesetzliche Unfallversicherung eine Hinterbliebenenrente und übernimmt einen Teil der Kosten für die Beerdigung.

Wie hoch ist die Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung?

Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt eine Rente, falls nach einem Arbeitsunfall oder aufgrund einer anerkannten Berufskrankheit ein dauerhafter Schaden zurückbleibt.

Sofern der Grad der Erwerbsunfähigkeit geringer ist als 100 Prozent, wird die Unfallrente anteilig gekürzt. Wer beispielsweise zu 50 Prozent erwerbsgemindert ist, bekommt von der gesetzlichen Unfallversicherung die halbe Rente, also Bezüge in Höhe von einem Drittel seines letzten Jahresverdienstes.

Wie genau sich der Anspruch auf Unfallrente bei teilweiser Erwerbsunfähigkeit berechnet, findest Du auf der Website der DGUV. Dort gibt es auch zahlreiche weitere Infos rund um die gesetzliche Unfallversicherung.

Einen Anspruch auf Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung haben nur Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent gemindert ist – und das für mehr als 26 Wochen. In welchem Maße die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist, entscheidet der Unfallversicherungsträger auf Basis eines ärztlichen Gutachtens.

Wie beantrage ich Leistungen der Unfallversicherung?

Wenn Du auf der Arbeit oder auf dem Weg dorthin verunglückst, solltest Du möglichst schnell einen sogenannten Durchgangsarzt aufsuchen. Die speziell geschulten Mediziner schreiben einen Bericht für den Träger der Unfallversicherung und koordinieren die weitere Behandlung.

Die Adresse eines Durchgangsarztes bekommst Du von Deinem Hausarzt. Alternativ kannst Du die Suche der DGUV nutzen.

Informiere außerdem Deinen Arbeitgeber über den Unfall. Er ist verpflichtet, den Arbeitsunfall beim zuständigen Unfallversicherungsträger zu melden, falls Du mehr als drei Tage arbeitsunfähig sind. Die Versicherung prüft dann, ob Du Anspruch auf Leistungen hast. Dazu kann sie Zeugen befragen und ein ärztliches Gutachten einholen.

Falls Du der Ansicht bist, an einer Berufskrankheit zu leiden, solltest Du zunächst zu Deinem Hausarzt oder einem Arbeitsmediziner gehen. Dieser kann die Symptome abklären und eine erste Einschätzung zu den möglichen Krankheitsursachen geben. Ist er der Meinung, dass es sich um eine Berufskrankheit handeln könnte, schickt er eine Meldung an die zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.

Auch Erkrankte selbst können sich formlos an ihren Unfallversicherungsträger wenden. Hat der Arbeitgeber Anhaltspunkte für eine mögliche Berufskrankheit, muss er ebenfalls die Unfallversicherung informieren.

Sollte die Unfallversicherung Leistungen ablehnen, kannst Du dem innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids widersprechen – das geht formlos per Einschreiben. Zusätzlich solltest Du Dir Unterstützung holen, zum Beispiel bei einem Sozialverband oder einem Fachanwalt für Sozialrecht. Ist der Widerspruch erfolglos, können Betroffene vor dem Sozialgericht klagen.

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