Photovoltaik-Steuer auf Solarstrom

Diese Steuern zahlst Du auf Deinen eigenen Sonnenstrom

Ines Rutschmann 05. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du eine Photovoltaikanlage betreibst und den Strom mit Gewinn verkaufst, bist Du Unternehmer und damit steuerpflichtig.
  • Auf Deinen Gewinn zahlst Du Einkommensteuer. Beträgt er maximal 410 Euro im Jahr, kann für Dich die Härtefallregelung gelten – dann muss Du keine Einkommensteuer zahlen.
  • Ob Du Umsatzsteuer abführen musst, hängt vor allem davon ab, wie viel Umsatz Du machst. Bei bis zu 22.000 Euro kannst Du nach der Kleinunternehmerregel davon absehen.
  • Umsatzsteuer zahlst Du nicht nur auf verkauften Strom, sondern auch auf Deinen Eigenverbrauch.
So gehst Du vor
  • In der Regel lohnt es sich, erst einmal Umsatzsteuer abzuführen. Im Gegenzug kannst Du dann Vorsteuer geltend machen.
  • Wäge ab, ob Du einen Batteriespeicher zusammen mit der PV-Anlage kaufst und den Vorsteuerabzug nutzt. Rüstest Du einen Speicher nach, bekommst Du die Mehrwertsteuer in der Regel nicht zurückerstattet.
  • Für Deine Steu­er­er­klä­rung mit PV-Anlage benötigst Du ein Steuerprogramm aus der Kategorie "Alleskönner". In unserem Test überzeugt haben Wiso Steuersparbuch 2021, Tax 2021 Professional und Steuersparerklärung Plus 2021.

Betreibst Du eine Photovoltaikanlage auf Deinem privaten Hausdach, kannst Du verschiedenen Steuerpflichten unterliegen. Entscheidend ist, ob Du den erzeugten Solarstrom selbst verbrauchst oder ob Du ihn verkaufst und wie viel Gewinn Du dabei machst. Finanztip hat darüber hinaus für Dich kalkuliert, in welchen Fällen es für Dich als Anlagenbetreiber günstiger ist, von Anfang an die Kleinunternehmerregel zu nutzen. Und wann nicht.

Wann musst Du Deinen Solarstrom versteuern?

Sobald Du einen bestimmten Teil Deiner selbst erzeugten Energie anderen lieferst und dafür Geld nimmst, bist Du unternehmerisch tätig. Erzielst Du dabei Gewinn, fällt auf diesen Einkommensteuer an. Nutzt Du einen Teil Deines Stroms selbst, zählt auch dieser Teil zu Deinem Einkommen, das Du insgesamt versteuern musst. Führst Du auf verkauften Strom auch Umsatzsteuer ab, fällt die Steuer ebenfalls auf den Strom an, den Du selbst nutzt – in Höhe von 19 Prozent. Für den Zeitraum von Juli bis Dezember 2020 galt ein Satz von 16 Prozent.

Du kannst auch von allen Steuerpflichten befreit sein. Nämlich wenn Du Deinen Strom nicht verkaufst, sondern ausschließlich selbst verbrauchst. Deine Anlage ist dann Deine rein private Angelegenheit. Hohe Eigenverbrauchsquoten sind dabei auch ohne Batteriespeicher möglich, wenn die Photovoltaikanlage klein ist und nur einen Bruchteil Deines Strombedarfs überhaupt decken kann. Betreibst Du die Anlage als Inselsystem – also ohne sie mit dem Stromnetz zu verbinden – besteht nicht einmal die Möglichkeit, Strom über das öffentliche Netz zu verkaufen.

Keine Einkommensteuer zahlst Du, wenn Dein Gewinn aus dem Betrieb der Photovoltaikanlage maximal 410 Euro im Jahr beträgt – dann gilt der Härteausgleich. Teilweise Einkommensteuer fällt bei Einkünften von bis zu 810 Euro an. Voraussetzung ist jeweils, dass Du hauptberuflich angestellt bist und die Photovoltaikanlage nebenberuflich betreibst. Hast Du eine weitere Nebeneinkunft, sind die Gewinne aus den verschiedenen Bereichen zusammenzufassen. Unter 410 Euro Gewinn bleibst Du in der Regel mit einer 2021 installierten Anlage, wenn diese bis zu 5 Kilowatt Leistung hat.

Auch mit einer größeren Anlage kannst Du um das Zahlen von Einkommensteuer herumkommen. Nämlich, wenn Du Deinem Finanzamt glaubhaft machst, dass Du die Anlage als Liebhaberei betreibst. Du musst dann darlegen, dass Du über einen längeren Zeitraum keinen Gewinn mit ihr erwirtschaftest. Das ist der Fall, wenn Deine Investitions- und Betriebskosten hoch sind und Du einen größeren Teil Deines Stroms selbst verbrauchst.

Verkaufst Du dagegen Deinen Strom komplett an den Netzbetreiber oder an Mieter im eigenen Haus, kannst Du den Betrieb der Anlage nicht als Liebhaberei darstellen. Belieferst Du direkt Verbraucher mit Solarstrom, dann Mieterstrom genannt, wirst Du zudem Energieversorger.

Wann musst Du Einkommensteuer abführen?

Wer in Deutschland Solarstrom aus kleineren Photovoltaikanlagen ins Stromnetz speist, hat einen Anspruch auf eine Vergütung. Das ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Die Bedingungen sind dabei, dass Du die Anlage spätestens einen Monat nach Inbetriebnahme der Bundesnetzagentur meldest (§ 5 MaStRV). Und dass Du dem Netzbetreiber jedes Jahr die eingespeiste Strommenge nachweist (§ 71 Abs. 1 EEG). Jede Kilowattstunde, die ins Stromnetz fließt, vergütet Dir der Netzbetreiber dann zu einem festen Satz – 20 Jahre lang (§ 19 Abs. 1 EEG und § 25 EEG). Zusätzlich zum Förderzeitraum zählt das Inbetriebnahmejahr. Der eingespeiste Strom wird an der Strombörse verkauft.

Alternativ kannst Du Dich auch selbst um einen Abnehmer kümmern – indem Du einen Vermarkter beauftragst, den Strom möglichst gewinnbringend für Dich zu verkaufen. Das fördert der Gesetzgeber mit der sogenannten Marktprämie (§ 20 EEG). Oder Du lieferst den Strom an Nachbarn oder Mieter, ohne das Stromnetz zu nutzen. Wenn Du Mieter im eigenen Haus mit Strom versorgst, kannst Du zudem den Mieterstromzuschlag in Anspruch nehmen (§ 21 Abs. 3 EEG). Beachte aber: Lieferst Du anderen Verbrauchern direkt Strom, bist Du nicht nur unternehmerisch tätig, sondern sogar ein Energieversorger. Damit verbunden sind rechtliche Pflichten wie das Abführen der EEG-Umlage auf den gelieferten Strom.

Doch egal, ob Du Einspeisevergütung, Marktprämie oder direkt Geld von Verbrauchern erhältst – Erlöse aus dem verkauften Solarstrom unterliegen der Einkommensteuer, so lange Du dabei Gewinn erwirtschaftest. Auch der Solarstrom, den Du nicht verkaufst, sondern selbst nutzt, zählt dann als Einnahme im steuerrechtlichen Sinn.

Zusammen mit Deinen übrigen Einkünften wie Gehalt, Rente oder Honorare gibst Du diese gewerblichen Einnahmen in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung an. Diese musst Du als Betreiber einer gewerblichen PV-Anlage jedes Jahr beim Finanzamt einreichen.

Ob Du tatsächlich Einkommensteuer zahlen musst, hängt einmal von der Höhe Deiner gesamten Einkünfte ab: Bis 9.000 Euro fällt keine Einkommensteuer an; bei Ehepaaren und Menschen in Lebenspartnerschaft verdoppelt sich die Freibetragsgrenze. Zum anderen gibt es den Härteausgleich, wenn Du Dein Einkommen überwiegend aus nichtselbstständiger Arbeit bestreitest und der Gewinn aus der PV-Anlage maximal 410 Euro pro Jahr beträgt.

Ab wann musst Du für die PV-Anlage ein Gewerbe anmelden?

Wenn Du eine Photovoltaikanlage in Betrieb nimmst und den Strom verkaufen willst, stellt sich zunächst die Frage nach einer Gewerbeanmeldung.

Betreiber kleiner Anlagen an oder auf Gebäuden bis 10 Kilowatt Leistung sind dabei seit 2020 von der Gewerbesteuer befreit (§ 3 Punkt 32 GewStG). Sie müssen damit auch kein Gewerbe anmelden. Dies gilt nicht nur, wenn Du seit 2020 eine PV-Anlage errichtet hast oder errichten wolltest, sondern auch rückwirkend, wenn Du 2019 investiert hast. Mit der Befreiung von der Gewerbesteuer entfällt auch die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Deiner Region.

Hat die Anlage mehr als 10 Kilowatt Leistung, musst Du Deiner Stadt oder Gemeinde in der Regel mitteilen, dass Du Solarstrom ins Netz speist – am besten innerhalb von vier Wochen (§ 138 AO). Fülle das erforderliche Formular zur Gewerbeanmeldung aus. Zumeist kannst Du das Dokument auf der Internetseite der Kommune herunterladen oder auch die Meldung direkt elektronisch übermitteln. Innerhalb von drei Tagen solltest Du eine Bestätigung der Anmeldung erhalten – in der Regel kommt diese vom Finanzamt, der die Kommune die Daten weitergegeben hat.

Dass Du Solarstrom erzeugen und verkaufen willst, dürfen die Behörden nicht ablehnen – es handelt sich nicht um eine Tätigkeit, für die Du eine besondere Genehmigung brauchst. Aufgrund der Anmeldung eines Gewerbes schreibt Dich vermutlich die IHK Deiner Region an und begrüßt Dich als Mitglied.

Wenn Du Solarstrom vom eigenen Dach verkaufst, ist dafür in der Regel kein Handelsgewerbe anzumelden. Das ist erst bei größeren Anlagen wie Solarparks erforderlich, die in kaufmännischer Weise geführt werden. Ein „Handelsgewerbe“ unterscheidet sich von einem einfachen Gewerbe durch zahlreiche Vorschriften etwa zur Buchführung und zur Erstellung einer Bilanz. Darüber hinaus hat ein solches Unternehmen bei einem Gewinn von mehr als 24.500 Euro im Jahr Gewerbesteuer zu zahlen.

Wie Du zu Deinen Steuernummern kommst

Wenn Du mit einer Photovoltaikanlage Geld verdienst, brauchst Du eine unternehmerische Steuernummer. Diese teilt Dir das Finanzamt zu, wenn es Deine Gewerbeanmeldung bestätigt. Zugleich fordert Dich die Behörde dazu auf, den bundesweit einheitlichen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ auszufüllen. Du kannst das Formular aber auch auf dieser Seite des Bundesfinanzministeriums selbst herunterladen, ausfüllen und mit der Anmeldung übermitteln.

Zusätzlich kannst Du eine Umsatzsteuernummer beantragen. Diese teilt Dir das Bundeszentralamt für Steuern zu. Einen Antrag musst Du nicht direkt bei der Behörde stellen. Du kannst auch an entsprechender Stelle ein Kreuzchen im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ machen.

Im Fragebogen gibst Du an, welchen Umsatz Du voraussichtlich erzielst und womit. Darüber hinaus kannst Du angeben, ob Du Umsatzsteuer entrichten willst oder nicht. Als Kleinunternehmer hast Du die Wahl.

Die sogenannte Kleinunternehmerregelung gilt für alle Unternehmer, deren Umsatz bei maximal 22.000 Euro brutto im Jahr liegt oder voraussichtlich liegen wird. Die Umsatzgrenze gilt seit dem Jahr 2020 und damit für Steu­er­er­klä­rungen, die Du für das Jahr 2019 oder später abgibst. Zuvor lag die Umsatzgrenze bei 17.500 Euro.

Bist Du aber außer als Stromerzeuger noch anderweitig unternehmerisch tätig – beispielsweise als Freiberufler – musst Du den Umsatz aus dieser Tätigkeit mit dem Stromgeschäft zusammenzählen. Die Grenze gilt für die gesamte selbstständige oder gewerbliche Tätigkeit.

Maximal 22.000 Euro Umsatz erzielen Betreiber von neueren Hausdachanlagen, solange sie keine weiteren Einkünfte aus selbstständiger, gewerblicher oder landwirtschaftlicher Tätigkeit erzielen. Einen höheren Umsatz im Jahr erwirtschaftet ein Betreiber einer neu installierten Anlage nur mit Kraftwerken mit mehr als 100 Kilowatt Leistung – dafür sollte ein Dach mehr als 300 Quadratmeter groß sein, um Platz für alle Solarmodule zu bieten.

Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer

Verkaufst Du Strom aus Deiner PV-Anlage, bist Du Unternehmer und kannst Mitglied der Industrie- und Handelskammer (IHK) Deiner Region werden. Solange der Gewinn aus Deinem Stromgeschäft bei maximal 5.200 Euro im Jahr liegt, ist aber die Mitgliedschaft in einer IHK kostenlos. Betreiber von kleinen bis mittelgroßen, neu installierten Dachanlagen unterschreiten diese Gewinnschwelle. Schreibt Dich Deine Kammer an und begrüßt Dich als neues Mitglied, dann nenne einfach Deine Geschäftszahlen. Zugleich solltest Du Dich über die Angebote der IHK informieren – Du kannst davon profitieren, auch wenn Du keinen Mitgliedsbeitrag zahlst.

Wann ist für Photovoltaik Umsatzsteuer zu entrichten?

Entscheidest Du Dich für den Status als Kleinunternehmer, bedeutet das, dass Du keine Umsatzsteuer auf Deine Erlöse abführen musst (§ 19 Abs. 1 UStG). Damit ersparst Du Dir, jedes Jahr Deine Umsatzsteuer zu erklären. Dir steht dann aber auch kein Vorsteuerabzug zu. Das bedeutet: Du kannst Dir die Mehrwertsteuer nicht zurückholen, die Du für Planung, Anschaffung und Installation der Anlage gezahlt hast.

Nach sechs Jahren zum Status als Kleinunternehmer wechseln

Schlägst Du die Kleinunternehmerregel aus, zahlst Du Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent – auf den verkauften Strom, aber auch auf den selbst verbrauchten und zwar ab der Inbetriebnahme zunächst fünf Jahre lang (§ 19 Abs. 2 UStG), wenn die Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert ist. Auch wenn Du eine Anlage mitten im Jahr angeschafft hast, zählt das Inbetriebnahmejahr als volles Kalenderjahr.

Achtung: Zwischen Juli und Dezember 2020 galt ein geringerer Umsatzsteuersatz von 16 Prozent. Für die Umsatzsteuererklärung 2020 musst Du das für die entsprechenden sechs Monate berücksichtigen. Den Satz von 16 Prozent musst Du dabei einheitlich anwenden: Für den Vorsteuerabzug auf Deine Investitions- und Betriebskosten, aber auch bei der Berechnung der Umsatzsteuer auf verkauften wie selbst genutzten Strom.

So lange Du der Regelbesteuerung unterliegst, musst Du jährlich eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Du bist dann aber berechtigt, Vorsteuer geltend zu machen: Die Mehrwertsteuer, die Du beim Kauf der Photovoltaikanlage und für die Planung und Installation ausgegeben hast, kannst Du mit der zu zahlenden Umsatzsteuer verrechnen. Im Betrieb fallen Kosten für den Stromzähler an; aber auch für die Anlagenüberwachung, für Wartung oder den Steuerberater musst Du Mehrwertsteuer zahlen. Auf Versicherungen fällt hingegen Versicherungssteuer an, die Du nicht als Vorsteuer geltend machen kannst.

Fünf Jahre nach der Inbetriebnahme einer Solarstromanlage kannst Du beim Finanzamt beantragen, künftig als Kleinunternehmer behandelt zu werden. Ein Beispiel: Ging Deine Anlage im Mai 2020 in Betrieb, kannst Du erstmals zum 1. Januar 2025 von der Regelbesteuerung in die Kleinunternehmerregel wechseln. Der Statuswechsel ist immer zum Ersten eines Jahres nach Ablauf der Fünf-Jahres-Frist möglich. Voraussetzung ist dabei, dass Dein Umsatz im Vorjahr höchstens 22.000 Euro betrug und Du im kommenden Jahr höchstens 50.000 Euro erzielen wirst. Achtung: Bei Steu­er­er­klä­rungen für das Jahr 2018 und früher gilt noch ein Umsatz von 17.500 Euro als Grenze, um die Kleinunternehmerregel nutzen zu können.

Sinnvoller ist es aber, noch mindestens ein weiteres volles Jahr mit der Statusänderung zu warten, um geltend gemachte Vorsteuer nicht möglicherweise zurückzahlen zu müssen. Denn der sogenannte Berichtigungszeitraum endet erst nach vollen fünf Jahren des Anlagenbetriebs. Solange diese Zeit nicht verstrichen ist, kann das Finanzamt bei Aufdachanlagen den gewährten Vorsteuerabzug berichtigen und Geld zurückfordern. Hast Du eine Indachanlage installiert, beträgt der Berichtigungszeitraum sogar volle zehn Jahre. 

Es empfiehlt sich daher, bei Aufdachanlagen nach Ablauf von fünf vollen Kalenderjahren nach dem Inbetriebnahmejahr den Status zu wechseln und bei Indachanlagen nach Ablauf von zehn vollen Kalenderjahren nach dem Inbetriebnahmejahr. Im Beispiel ist diese Frist im Falle einer Aufdachanlage ab 1. Januar 2026 zu Ende. Schreibe dann einen Dreizeiler an die Behörde und erkläre, ab 2025 die Kleinunternehmerregelung nutzen zu wollen. Betreibst Du eine Indachanlage, bist Du auf der sicheren Seite, wenn Du Dich zum 1. Januar 2031 zum Kleinunternehmer erklärst.

Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch 

So verwirrend es klingen mag: Energie, die Du selbst erzeugst und verbrauchst, kann auch der Umsatzsteuer unterliegen. Zwei Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein: Du nutzt die eigene Energie nicht ausschließlich selbst, sondern verkaufst auch einen Teil davon – indem Du zum Beispiel Überschüsse, die Du nicht selbst benötigst, ins Stromnetz speist. Beträgt dieser Teil mindestens 10 Prozent der erzeugten Strommenge, kannst Du umsatzsteuerpflichtig sein.

Ob Du aber tatsächlich Umsatzsteuer abführen musst oder nicht, kannst Du selbst entscheiden – zumindest, wenn Dein Umsatz aus dem Stromverkauf höchstens 22.000 Euro im Jahr beträgt. Erwirtschaftest Du mehr, auch aus anderer selbstständiger Tätigkeit, musst Du in der Regel auf selbstverbrauchten Solarstrom Umsatzsteuer zahlen. Liegst Du unter der Grenze, hast Du die Wahl: Nutzt Du die Kleinunternehmerregel, bist Du von Zahlungen befreit. Dann kannst Du aber auch keine Vorsteuer geltend machen. Optierst Du nicht für den Kleinunternehmerstatus, musst Du Umsatzsteuer auf jede Kilowattstunde abführen, die Du erzeugst und verkaufst oder die Du selbst verbrauchst.

Wer mehr als 90 Prozent der in der Anlage erzeugten Energie selbst verbraucht, ist nicht umsatzsteuerpflichtig – selbst wenn es der Stromerzeuger wollte. Das hat das Bundesfinanzministerium in einem Anwendungserlass festgelegt, an dem sich alle deutschen Finanzämter orientieren müssen.

Umsatzsteuer bei gefördertem Eigenverbrauch

Sofern Du Deine Photovoltaikanlage zwischen Januar 2009 und März 2012 in Betrieb genommen hast und Deinen Strom seither auch selbst verbrauchst, stellt sich die Lage aber anders dar. Schätzungsweise 100.000 Betreiber betrifft das. Sie haben Anspruch auf eine Vergütung nach Paragraf 33 Abs. 2 EEG 2009 für jede selbst genutzte Kilowattstunde.

Die Abrechnung der Vergütung für den Eigenverbrauch erfolgt in zwei Schritten: Du stellst dem Netzbetreiber den Eigenverbrauch zusammen mit dem eingespeisten Strom in Rechnung und kaufst den Eigenverbrauch anschließend zurück. Der Preis ist die Differenz aus der Vergütung für eingespeisten Strom und selbst genutzten Strom. Auf diesen Rechnungsbetrag schlägt der Netzbetreiber noch Umsatzsteuer. Als Vorsteuer darfst Du diese aber nicht geltend machen, weil Du den Strom privat nutzt. Und diese Steuer entfällt auch nicht, wenn Du die Kleinunternehmerregelung nutzt. Aus diesem Grund lohnt es sich für Dich nicht, in den Kleinunternehmerstatus zu wechseln. Denn dann könntest Du keine Vorsteuer auf die Umsatzsteuer auf eingespeisten Strom mehr geltend machen, müsstest aber weiterhin Umsatzsteuer auf selbstverbrauchten Strom an den Netzbetreiber zahlen.

Darüber hinaus musst Du die Einnahmen aus der EEG-Förderung für selbstverbrauchten Strom gemeinsam mit den Zahlungen für eingespeisten Strom in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung berücksichtigen.

Welchen Vorteil hat die Umsatzsteuerpflicht?

Es kann sich lohnen, umsatzsteuerpflichtig zu sein – weil sich dann Vorsteuer geltend machen lässt. Das trifft auf alle Betreiber älterer, aber auch neuer Photovoltaikanlagen zu, die ihren Strom komplett oder zu einem sehr großen Teil ins Stromnetz einspeisen oder an Dritte verkaufen und nicht selbst nutzen. Du kannst Dir auf diese Weise die Mehrwertsteuer auf Messstellenbetrieb, Wartung oder Reparatur der Anlage anrechnen lassen und senkst damit Deine Betriebskosten.

Aber auch, wenn Du das System neu anschaffst und einen Teil des Stroms selbst verbrauchen willst, rechnet es sich zumeist, Umsatzsteuer zu zahlen. Angenommen Du lässt Dir eine Fünf-Kilowatt-Anlage installieren, mit der Du rund 5.000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugst und davon 1.500 Kilowattstunden selbst verbrauchen kannst. Bei einem Anschaffungspreis von 1.200 Euro netto pro Kilowatt Leistung, zahlst Du mehr als 1.000 Euro Mehrwertsteuer. Als Unternehmer kannst Du Dir den Betrag als Vorsteuer beim Finanzamt zurückholen. Auch die Mehrwertsteuer auf die Planung, den Wartungsvertrag und den Einspeisezähler kannst Du geltend machen.

Zu verrechnen ist die Vorsteuer mit der Umsatzsteuer, die Du zahlen musst – sowohl auf den selbst verbrauchten als auch auf den verkauften Solarstrom. Auf die Verkaufserlöse erhebst Du dabei gegenüber Deinen direkten Abnehmern oder dem Netzbetreiber Mehrwertsteuer und reichst diese ans Finanzamt weiter. Die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch erstattet Dir dagegen keiner. Diese Steuer zu zahlen, lohnt sich deswegen häufig nur, um die Mehrwertsteuer auf den Anschaffungspreis zurückzuholen. Hast Du die Mehrwertsteuer zurückerstattet bekommen, kehrt sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis gewöhnlich ab dem zweiten Jahr ins Gegenteil um: Die Umsatzsteuerpflicht wird zur Belastung.

In welchen Fällen lohnt es sich, Umsatzsteuer zu zahlen?

Verbrauchst Du Deinen Solarstrom auch selbst, lohnt es sich praktisch nur im Jahr der Inbetriebnahme, Umsatzsteuer zu zahlen. Aufgrund der Anschaffungskosten für die Anlage kannst Du in der Regel mehr Vorsteuer geltend machen, als Du Umsatzsteuer auf Deinen Eigenverbrauch zahlst. In den Folgejahren kehrt sich das um. 

Wenn Du Dich aber bei der steuerlichen Erfassung gegen den Kleinunternehmerstatus entschieden hast, bist Du nicht nur für das Jahr der Inbetriebnahme, sondern auch die vier Folgejahre an die Regelbesteuerung gebunden. Erst nach Ablauf dieser Frist kannst Du in den Kleinunternehmerstatus wechseln und zahlst dann keine Umsatzsteuer mehr. Besser ist es, noch ein weiteres Jahr abzuwarten, um keine Vorsteuer zurückzahlen zu müssen. 

Schon bei Inbetriebnahme der Anlage die Kleinunternehmerregel zu wählen, rechnet sich bislang nur bei hohen Eigenverbrauchsquoten. In der Regel fährst Du am besten, wenn Du bei Kauf der Anlage die Regelbesteuerung wählst und nach sechs Jahren die Kleinunternehmerregel nutzt. Das haben wir durch eine eigene Berechnung geprüft: Wir haben die Vorsteuer bestimmt, die Du bei Regelbesteuerung geltend machen kannst, und der zu zahlenden Umsatzsteuer auf den selbst verbrauchten Strom gegenübergestellt – über einen Zeitraum von sechs Jahren nach der Inbetriebnahme im Jahr 2021.

So kannst Du Dich anhand der folgenden Tabelle orientieren, indem Du die Zeile mit Deinen Investitionskosten suchst und zur Spalte mit den Kosten für Deinen Strombezug wanderst. Prüfe dann, inwieweit die genannten Eigenverbrauchsquote auf Dich zutrifft.

  • Fall 1: Deine Eigenverbrauchsquote liegt in dem in der Tabelle genannten Bereich – dann solltest Du nach sechs Jahren Regelbesteuerung in den Kleinunternehmerstatus wechseln. 
  • Fall 2: Dein Eigenverbrauch liegt unter dem Mindestanteil in der Tabelle – dann solltest Du über die gesamte Betriebsdauer Deiner Anlage bei der Regelbesteuerung bleiben. 
  • Fall 3: Du verbrauchst Du mehr Solarstrom selbst, als in der Tabelle maximal genannt ist – dann solltest Du von Anbeginn die Kleinunternehmerregel nutzen und nie Umsatzsteuer abführen. Nutzt Du mehr als 90 Prozent Deines Stroms selbst, kannst Du die Regelbesteuerung ohnehin nicht wählen.

Befristete Regelbesteuerung bei diesen Eigenverbrauchsquoten

 Strombezug 
28 ct/kWh
Strombezug 
30 ct/kWh
Strombezug 
32 ct/kWh
Strombezug
34 ct/kWh
Investition 1.000 Euro/kW19 - 72 % Eigenverbrauch18 - 68 % Eigenverbrauch17 - 65 % Eigenverbrauch16 - 62 % Eigenverbrauch
Investition 1.200 Euro/kW18 - 81 % Eigenverbrauch17 - 77 % Eigenverbrauch16 - 73 % Eigenverbrauch 15 - 70 % Eigenverbrauch
Investition 1.400 Euro/kW17 - 90 %
Eigenverbrauch
16 - 86 % Eigenverbrauch15 - 82 % Eigenverbrauch14 - 78 % Eigenverbrauch
Investition 1.600 Euro/kW15 - 90 % Eigenverbrauch15 - 90 % Eigenverbrauch14 - 90 % Eigenverbrauch13 - 86 % Eigenverbrauch

Beim Bezugspreis handelt es sich um den Brutto-Strompreis des über das Stromnetz gelieferten Reststroms. Die Investition umfasst die Netto-Kosten für Planung, Kauf und Installation der Photovoltaikanlage. Der Berechnung liegen folgende Annahmen zugrunde: Betriebskosten in Höhe von 2 Prozent der Investitionskosten, Solarstromleistung von 5 Kilowatt, produzierte Strommenge von 5.000 Kilowattstunden im Jahr und Wert des eingespeisten Stroms von rund 8 Cent pro Kilowattstunde im Februar 2021. Alle Prozentangaben sind gerundet. 
Quelle: eigene Berechnung (Stand: 1. Februar 2021)

Ob und wann sich der Kleinunternehmerstatus lohnt, hängt bei neu zu installierenden Anlagen vor allem von zwei Faktoren ab: Was kostet die Anlage und was zahlst Du für den Reststrom, mit dem Du Dich versorgst, wenn kein Solarstrom vorhanden ist. Je teurer der bezogene Reststrom aus dem Netz, desto mehr Umsatzsteuer musst Du für jede selbst genutzte Kilowattstunde abführen. Und je günstiger Du die Anlage gekauft hast, desto weniger lohnt sich der Vorsteuerabzug für Dich.

Bei älteren Photovoltaikanlagen spielt noch ein dritter Faktor eine wichtige Rolle: die Höhe der Einspeisevergütung. Hast Du Deine Anlage vor 2021 errichtet, treffen die Zahlen in der Tabelle nicht exakt auf Dich zu. Je höher die Einspeisevergütung, desto mehr Vorsteuer kannst Du geltend machen – wenn Du entsprechend hohe Betriebskosten jedes Jahr hast, bedingt etwa durch eine Reparatur oder eine aufwendige Wartung. Prüfe nach fünf Jahren Regelbesteuerung, ob Du weiterhin Umsatzsteuer abführen solltest oder sich die Kleinunternehmerregel für Dich rechnet. Ein Wechsel zurück in die Regelbesteuerung ist möglich – aber Du bindest Dich dann wieder fünf Jahre an das Zahlen von Umsatzsteuer.

Wie führst Du die Steuern ab?

Einmal im Jahr musst Du als Unternehmer eine Steu­er­er­klä­rung abgeben. Seit dem Steuerjahr 2017 ist nur noch eine elektronische Übermittlung erlaubt. Die Frist zur Abgabe ist seit 2019 der 31. Juli des Folgejahres. Im Elster-Portal der Finanzverwaltung findest Du alle notwendigen Vordrucke, die Du online ans Finanzamt übermitteln kannst, wenn Du im Portal registriert bist.

In der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung (ESt) gibst Du alle Deine Einkünfte an – sei es aus einer Anstellung, aus freiberuflicher Tätigkeit oder der Vermietung einer Wohnung. Mit der Photovoltaikanlage kommen noch gewerbliche Einnahmen dazu. Dazu musst Du zusätzlich die Anlage G ausfüllen. Das ist recht schnell gemacht: Du gibst Deinen Umsatz aus dem Verkauf von Solarstrom, Deine Betriebskosten, den Wertverlust der Anlage und den Wert des selbst verbrauchten Stroms an. Am günstigsten fährst Du, wenn Du die Erzeugungskosten pro Kilowattstunde heranziehst, um den Wert des Eigenverbrauchs zu bestimmen. Alternativ kannst Du den Marktwert des Solarstroms nutzen – dieser entspricht der Einspeisevergütung zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme.

Feiner aufzuschlüsseln sind alle Angaben zu Einnahmen und Ausgaben Deiner gewerblichen Tätigkeit bei der Gewinnermittlung. Für Betreiber kleiner PV-Anlagen bietet sich eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) an. Auch dafür gibt es ein Elster-Formular, das separat von den Einkommensteuer-Dokumenten aufzurufen ist. In der EÜR sind die Ausgaben bestimmten Kategorien zuzuordnen. Es empfiehlt sich dabei, die Einnahmen und Ausgaben zuerst in ein Excel-Dokument zu schreiben und dann zu übertragen.

Auch der Wertverlust der Anlage ist in die EÜR einzutragen: Teile die Netto-Investition durch die Anzahl der Betriebsjahre – für Photovoltaikanlagen 20 Jahre – und trage den Wert als „Absetzung für Abnutzung“ (AfA) für jedes Jahr ein. Handelt es sich bei Deinem System um eine Indachanlage, bei der die Module das Haus teilweise abdecken, galten bis Mitte 2010 andere Regeln bei der Abschreibung – die Anlage zählt nicht als selbstständige Einheit, sondern als Teil des Gebäudes. Seit dem 5. August 2010 in Betrieb genommene Indachanlagen sind Aufdachsystemen gleichgestellt und gelten als selbstständige, bewegliche Wirtschaftsgüter. Das hat das Bayerische Landesamt für Steuern mit Verfügung S 2190.1.1-1/3 St32 festgelegt. Das bedeutet, dass Du die Investition in die Photovoltaikanlage über die gewöhnliche Nutzungsdauer von 20 Jahren abschreiben kannst, nicht aber Kosten, die am Dach selbst entstehen.

Hast Du nicht die Kleinunternehmerregelung gewählt und zahlst Umsatzsteuer, musst Du jedes Jahr auch eine Umsatzsteuererklärung (USt) machen. Das notwendige Formular steht ebenfalls im Elster-Portal zum Abruf bereit. Innerhalb von zehn Minuten ist es ausgefüllt: Du nennst Deine Netto-Einkünfte – analog zur Angabe in der EÜR – und Deine geleisteten Vorsteuerbeträge. Automatisch erscheint dann, welchen Steuerbetrag das Finanzamt noch erhält.

In den ersten beiden Jahren des Anlagenbetriebs musst Du zudem eine Vorsteueranmeldung machen, und zwar jeden Monat. Das Formular steht im Elster-Portal ebenfalls bereit. Du trägst dort jeden Monat ein, welche Mehrwertsteuer Du gezahlt hast, um die Anlage zu betreiben. Ab dem dritten Jahr entfällt die Voranmeldung. Dann brauchst Du nur noch einmal im Jahr die Umsatzsteuer erklären.

Du kannst Dir beim Ausfüllen der Steuerdokumente Hilfe holen: Entweder wendest Du Dich an einen Steuerberater. Die Kosten für den Berater kannst Du in der Steu­er­er­klä­rung auch geltend machen. Oder aber Du nutzt eine Steuersoftware: In unserer Untersuchung von 2020 empfehlen wir mehrere Programme – für einfachere und komplexere Steuerfälle. Achte darauf, dass Du mit dem Programm Deiner Wahl die benötigten Formulare ans Finanzamt übermitteln kannst.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

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Wie berechnet sich die Umsatzsteuer?

Der Umsatzsteuersatz auf Strom ist immer gleich hoch, unabhängig von der Nutzung. Er betrug bis Juni 2020 und seit Januar 2021 erneut 19 Prozent. Von Juli bis Dezember 2020 lag der Satz bei 16 Prozent.

Umsatzsteuer auf verkauften Strom 

Die Umsatzsteuer auf verkauften Strom reichst Du einfach nur weiter: Da die Einspeisevergütung ein Netto-Betrag ist, stellst Du dem Netzbetreiber die Umsatzsteuer in Rechnung. Lies dazu am 31. Dezember den Zählerstand Deines Einspeisezählers ab und übermittele diesen an den Netzbetreiber. Du bist verpflichtet, dies bis zum 28. Februar zu erledigen (§ 71 Abs. 1 EEG). 

Mit dem Zählerwert kann der Netzbetreiber die Endabrechnung über die eingespeiste Strommenge erstellen. Warte auf die Endabrechnung und nimm den dort aufgeführten Erlös, um die Umsatzsteuer zu berechnen. Schicke dem Netzbetreiber anschließend eine Rechnung über die Umsatzsteuer.

In Deiner Umsatzsteuererklärung gibst Du dieselben Zahlen an: den Erlös aus der Stromeinspeisung und die Umsatzsteuer darauf. Zusätzlich kannst Du noch Vorsteuer geltend machen; also die Mehrwertsteuer, die Du bezahlt hast, um Deine Photovoltaikanlage ordentlich betreiben zu können. Zu beachten ist lediglich, ob Du den vollen Steuersatz von 19 Prozent (beispielsweise für Versicherung oder Wartung der Anlage) oder den ermäßigten von 7 Prozent (beispielsweise für Fachliteratur) gezahlt hast. Rechne die einzelnen Posten je nach Steuersatz zusammen und trage die Werte im entsprechenden Feld ein.

Erstmals Kontakt hast Du mit dem Netzbetreiber in der Regel, wenn es um den Anschluss der Photovoltaikanlage ans Stromnetz geht. Im Zuge des Netzanschlusses kannst Du dem Unternehmen gleich erklären, ob Du Umsatzsteuer abführst oder nicht. Auch einen Statuswechsel solltest Du dem Netzbetreiber mitteilen.

Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch 

Der Anwendungserlass des Bundesfinanzministeriums regelt auch, wie die Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch zu berechnen ist. Strittig war vor Veröffentlichung des Papiers, wie der Selbstverbrauch zu messen ist. Dabei reicht es bei kleinen Anlagen mit bis zu 10 Kilowatt Leistung, die zur eigenen Versorgung in der Regel ausreichen, zwei Werte pro Kalenderjahr zu erfassen: die über den Einspeisezähler ins Stromnetz abgegebene Energie und die insgesamt erzeugte Strommenge, die der Wechselrichter anzeigt. Ziehe dann die eingespeiste Strommenge von der ab, die den Wechselrichter passiert hat. Die Differenz entspricht Deinem Eigenverbrauch, auf den Du den Steuersatz von 19 Prozent (oder zwischen Juli und Dezember 2020 von 16 Prozent) anwenden kannst.

Wenn Du willst, kannst Du auch einen zweiten Zähler installieren lassen, der den gesamten Solarstrom misst. Davon kannst Du dann die eingespeiste Energiemenge abziehen. Damit ermittelst Du Deinen Eigenverbrauch exakt. Ein weiterer Zähler ist aber teurer als die vom Finanzministerium abgesegnete Lösung.

Liegt die Leistung der Photovoltaikanlage bei mehr als 30 Kilowatt, musst Du auf jeden Fall einen geeichten Zähler installieren lassen, um die gesamte Stromproduktion zu messen (§ 61b EEG). Betreibst Du mehrere Eigenversorgungsanlagen auf einem Grundstück, zählen diese als eine Anlage, wenn Du sie innerhalb von zwölf Monaten in Betrieb genommen hast. Vorrangig geht es bei dieser Regelung um die EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom, die ab dieser Anlagengröße zu zahlen ist. Du solltest den Erzeugungszähler dann aber auch nutzen, um die Umsatzsteuer auf Deinen Eigenverbrauch zu ermitteln. 

Bleibt die Frage, welchen Wert eine selbst erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde hat. Das Bundesfinanzministerium hat für die Umsatzsteuer festgelegt, den Netto-Strompreis des Energieversorgers zu nehmen, von dem Du zusätzlich Strom beziehst. Du musst sowohl den Arbeitspreis pro Kilowattstunde als auch den monatlichen Grundpreis dabei berücksichtigen. Am einfachsten entnimmst Du die Kosten pro Kilowattstunde Deiner Stromrechnung. Hast Du vom aktuellen Versorger noch keine Abrechnung erhalten, dann berechnest Du Deinen Brutto-Strompreis anhand seines Grund- und Arbeitspreises. Falls Dir niemand Reststrom liefert, Du aber Deinen Solarstrom anderen verkaufst, solltest Du die Netto-Entgelte des Grundversorgers in der Region anlegen.

Ziehe vom anzulegenden Preis zunächst 19 Prozent Mehrwertsteuer ab und verrechne den Netto-Preis mit dem gemessenen Eigenverbrauch. Auf diesen Wert des eigenen Solarstroms berechne wiederum 19 Prozent Umsatzsteuer – das ist der Betrag, den Du auch in der Umsatzsteuererklärung angeben musst und von dem Du die Vorsteuer abziehen kannst. Das, was übrigbleibt, ist die Umsatzsteuer, die das Finanzamt einzieht. Für Deinen Eigenverbrauch zwischen Juli und Dezember 2020 verfährst Du analog, rechnest aber mit einem Steuersatz von 16 Prozent.

Eine Beispielrechnung mit 19 Prozent Mehrwertsteuer:

  • Eigenverbrauch von 600 Kilowattstunden zwischen Januar und Juni 2020 und Reststrombezug von 1.300 Kilowattstunden zu Kosten von 390 Euro 
  • Berechnung Brutto-Preis Bezugsstrom je Kilowattstunde: 390 Euro : 1.300 kWh = 30 Cent/kWh
  • Berechnung Netto-Preis Bezugsstrom: 30 Cent/kWh : 1,19 = 25,21 Cent/kWh
  • Berechnung des Werts des Eigenverbrauchs: 600 kWh x 25,21 Cent/kWh = 151,26 Euro
  • Berechnung Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch: 151,26 Euro x 0,19 = 28,74 Euro

Eine Beispielrechnung mit 16 Prozent Mehrwertsteuer:

  • Eigenverbrauch von 600 Kilowattstunden zwischen Juli und Dezember 2020 und Reststrombezug von 1.300 Kilowattstunden zu Kosten von 379 Euro
  • Berechnung Brutto-Preis Bezugsstrom je Kilowattstunde: 379 Euro : 1.300 kWh = 29,15 Cent/kWh
  • Berechnung Netto-Preis Bezugsstrom: 29,15 Cent/kWh : 1,16 = 25,13 Cent/kWh
  • Berechnung des Werts des Eigenverbrauchs: 600 kWh x 25,13 Cent/kWh = 150,78 Euro
  • Berechnung Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch: 150,78 Euro x 0,16 = 24,12 Euro

Was gilt bei einem Batteriespeicher für Solarstrom?

Ein Batteriespeicher ist steuerrechtlich anders zu behandeln als eine Photovoltaikanlage. Die Umsatzsteuer auf den Speicher kannst Du nur dann als Vorsteuer geltend machen, wenn Du den Speicher zusammen mit der PV-Anlage kaufst.

Umsatzsteuer bei Batteriespeichern

Schaffst Du zusammen mit der Photovoltaikanlage auch einen Batteriespeicher an, solltest Du auf jeden Fall die Kleinunternehmerregel ausschlagen und zunächst die Regelbesteuerung wählen. Denn zeitgleich gekauft zählen beide Anlagen steuerrechtlich zu einem System, wenn Du sie gewerblich betreibst und Strom ins Netz speist oder an Abnehmer direkt lieferst.

Da ein kleiner Batteriespeicher mehrere Tausend Euro kostet, erhöht sich Deine Investition deutlich – die Vorsteuer ist dann so hoch, dass sie die Umsatzsteuer auf selbst verbrauchten Strom in den ersten fünf Jahren deutlich aufwiegt. Je nachdem, wie hoch die Betriebskosten für Speicher und PV-Anlage sind, musst Du nach Ablauf der Fünf-Jahres-Frist abwägen, ob Du in den Kleinunternehmerstatus wechseln solltest.

Willst Du einen Batteriespeicher zu Deiner bestehenden Photovoltaikanlage nachrüsten, werten die Finanzbehörden den Speicher als neue Investition und damit als ein eigenes „Zuordnungsobjekt“. Beide Anlagen werden damit steuerrechtlich getrennt voneinander behandelt. Du musst den Speicher ebenfalls dem Finanzamt melden, wenn er denn Deinem Gewerbe dienen soll.

Aber: Du betreibst den Speicher nur dann gewerblich, wenn mindestens 10 Prozent des gespeicherten Stroms in den Verkauf gehen. In der Regel dient der Speicher aber dazu, den Eigenverbrauch zu erhöhen. Ein gewerblicher Betrieb ist dann nicht gegeben. Die Mehrwertsteuer auf das Gerät kannst Du dann auch nicht als Vorsteuer geltend machen.

Einkommensteuer bei Batteriespeichern

Bei der Einkommensteuer kannst Du den Speicher nur berücksichtigen, wenn mehr als 10 Prozent des gespeicherten Stroms ins öffentliche Netz wandern und Deinen Umsatz erhöhen. Nutzt Du den Speicher mehrheitlich zur Stromeinspeisung, musst Du ihn dem Betriebsvermögen zuordnen. Ein Geschäftsmodell hierzu ist das Vermarkten von Regelleistung aus kleinen Heimspeichern, die zu einem virtuellen Großspeicher zusammengeschlossen sind.

Schaffst Du den Speicher gemeinsam mit der PV-Anlage an, kannst Du die Investitionskosten für beide Anlagen über 20 Jahre abschreiben. Rüstest Du den Speicher zu Deiner bestehenden Solarstromanlage nach, beläuft sich der Abschreibungszeitraum auf 10 Jahre – gestückelt in gleich große Teile in Höhe von 10 Prozent der Investitionskosten. Dient der Speicher einzig der Erhöhung Deines privaten Eigenverbrauchs, kannst Du die Investitionskosten aber nicht über die Einkommensteuer absetzen.

Speicherverlust ist kein Eigenverbrauch

Betreibst Du Deine Photovoltaikanlage gewerblich und nutzt nicht die Kleinunternehmerregel, musst Du auf den selbst verbrauchten Strom Umsatzsteuer entrichten. Die Höhe des Eigenverbrauchs erhältst Du, indem Du die eingespeiste Strommenge von der insgesamt produzierten Strommenge abziehst. Betreibst Du nun auch noch einen Speicher, würde nach dieser Berechnung auch der Verlust, der beim Speichern entsteht, als Eigenverbrauch zählen – Du würdest auf Strom Umsatzsteuer zahlen, der nicht Deiner elektrischen Versorgung diente, sondern den die Batterie vor allem in Wärme gewandelt hat. Egal ist dabei, ob Du den Speicher Deinem Privatvermögen oder Deinem Unternehmen zugeordnet hast.

Wird der unternehmerisch produzierte Strom nicht als solcher zur eigenen Versorgung genutzt, liegt aber keine unternehmensfremde Verwendung vor. Daher musst Du auf den bei der Speicherung entstehenden Verlust keine Umsatzsteuer zahlen. Dies ist die Auffassung des Bayerischen Landesamts für Steuern. Wohnst Du in einem anderen Bundesland als Bayern, kannst Du Dich ebenfalls auf die Handhabung dort beziehen. Oder Du fragst Dein Finanzamt, ob es mit der bayerischen Auffassung konform geht.

Und wie rechnest Du den Speicherverlust aus dem Eigenverbrauch heraus? Möglich ist, die Angaben des Herstellers des Speichergeräts zu nutzen. Der maximale Gesamtwirkungsgrad (oder Round-trip-Wirkungsgrad) gibt an, wie viel des eingespeicherten Stroms wieder ausgespeichert wird. In der Regel liegt der Wert bei etwa 90 Prozent – der Batterieverlust beträgt also mindestens rund zehn Prozent. Multipliziere den Gesamtwirkungsgrad mit der eingespeicherten Strommenge. Diese erfasst das Speichergerät selbst.

Exakt kannst Du Deinen Eigenverbrauch abzüglich Batterieverlust bestimmen, wenn Du einen zusätzlichen Stromzähler installieren lässt. Dieser Unterzähler ist hinter den Speicherausgang zu setzen und zwar so, dass er sowohl die direkt genutzte Solarstrommenge als auch die zwischengespeicherte zählt.

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