Photovoltaik-Steuer auf Solarstrom

Einkommen- und Umsatzsteuer auf Ihren Sonnenstrom

Ines Rutschmann Stand: 24. Juni 2019

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie eine Photovoltaik-Anlage betreiben und den Strom mit Gewinn verkaufen, sind Sie im steuerrechtlichen Sinn unternehmerisch tätig und damit steuerpflichtig.
  • Auf Ihren Erlös müssen Sie Einkommensteuer abführen und dazu eine entsprechende Steuererklärung abgeben.
  • Ob Sie auch Umsatzsteuer abführen müssen, können Sie selbst entscheiden – wenn Ihr Umsatz aus gewerblicher Tätigkeit höchstens 17.500 Euro im Jahr beträgt.
  • Zahlen Sie keine Umsatzsteuer, können Sie auch keine Vorsteuer geltend machen und sich auch nicht die Mehrwertsteuer beim Erwerb der Anlage vom Finanzamt zurückholen.
  • Entscheiden Sie sich für die Umsatzsteuer, müssen Sie in der Regel auch für selbst verbrauchten Solarstrom Umsatzsteuer zahlen – ab Inbetriebnahme mindestens fünf Jahre lang. 
So gehen Sie vor
  • Wenn Sie Solarstrom verkaufen, müssen Sie Ihre gewerbliche Tätigkeit dem Finanzamt melden. Bei kleineren Anlagen können Sie wählen, ob Sie Umsatzsteuer abführen wollen oder nicht.
  • Sind Ihre Investitionskosten eher gering und Ihr Eigenverbrauch hoch, sollten Sie von Anbeginn die Kleinunternehmerregel nutzen, um keine Umsatzsteuer zu zahlen.
  • Andernfalls sollten Sie die Regelbesteuerung wählen und Umsatzsteuer abführen. Fünf volle Kalenderjahre nach dem Jahr der Inbetriebnahme sollten Sie in den Kleinunternehmerstatus wechseln - zum 1. Januar des 7. Kalenderjahres nach Anschaffung der Anlage.
  • Verkaufen Sie Ihren Strom nahezu komplett, fahren Sie mit der Regelbesteuerung über die gesamte Betriebsdauer der Anlage am besten. Sie verringern durch den Vorsteuerabzug Ihre Betriebskosten.
  • Die Steuererklärung müssen Sie bis 31. Juli des Folgejahres abgeben.

Wenn Sie eine Photovoltaik-Anlage auf Ihrem privaten Hausdach betreiben, können Sie verschiedenen Steuerpflichten unterliegen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei, ob Sie den erzeugten Solarstrom selbst verbrauchen oder ob Sie ihn verkaufen. Finanztip hat kalkuliert, in welchen Fällen Sie als Anlagenbetreiber von Anfang an die sogenannte Kleinunternehmerregel nutzen sollten, um dadurch eine Steuerpflicht zu vermeiden, und wann nicht.

In welchen Fällen müssen Sie selbst erzeugten Solarstrom versteuern?

Sobald Sie einen bestimmten Teil Ihrer selbst erzeugten Energie anderen liefern und dafür Geld nehmen, sind Sie unternehmerisch tätig – schließlich erwirtschaften Sie Erlöse. Auf den Gewinn fällt auf jeden Fall Einkommensteuer an. Nutzen Sie einen Teil Ihres Stroms selbst, zählt auch dieser Teil zu Ihrem Einkommen, das Sie insgesamt versteuern müssen. Führen Sie auf verkauften Strom auch Umsatzsteuer ab, fällt die Steuer ebenfalls auf den Strom an, den Sie selbst nutzen – in Höhe von 19 Prozent.

Sie können auch von allen Steuerpflichten befreit sein. Nämlich wenn Sie Ihren Strom nicht verkaufen, sondern ausschließlich selbst verbrauchen. Ihre Anlage ist dann Ihre rein private Angelegenheit. Hohe Eigenverbrauchsquoten sind dabei auch ohne Batteriespeicher möglich, wenn die Photovoltaikanlage klein ist und nur einen Bruchteil Ihres Strombedarfs überhaupt decken kann. Betreiben Sie die Anlage als Inselsystem – also ohne sie mit dem Stromnetz zu verbinden – besteht nicht einmal die Möglichkeit, Strom über das öffentliche Netz zu verkaufen. 

Keine Einkommensteuer zahlen Sie auch, wenn Sie Ihrem Finanzamt glaubhaft machen, dass Sie die Anlage als Liebhaberei betreiben. Sie müssen dann darlegen, dass Sie über einen längeren Zeitraum keinen Gewinn mit ihr erwirtschaften. Beispiele dazu finden Sie hier.

Grundsätzlich funktioniert das eher dann, wenn Sie einen erklecklichen Teil Ihres Stroms selbst verbrauchen. Verkaufen Sie dagegen Ihren Strom komplett an den Netzbetreiber oder an Mieter im eigenen Haus, können Sie den Betrieb der Anlage nicht als Liebhaberei darstellen. Beliefern Sie direkt Verbraucher mit Mieterstrom, werden Sie zudem Energieversorger.

Wann müssen Sie Einkommensteuer abführen?

Wer in Deutschland Solarstrom aus kleineren Photovoltaik-Anlagen ins Stromnetz speist, hat einen Anspruch auf eine Vergütung. Das ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Die Bedingungen sind dabei, dass Sie die Anlage spätestens einen Monat nach Inbetriebnahme der Bundesnetzagentur melden (§ 5 MaStRV). Und dass Sie dem Netzbetreiber jedes Jahr die eingespeiste Strommenge nachweisen (§ 71 Abs. 1 EEG). Jede Kilowattstunde, die ins Stromnetz fließt, vergütet Ihnen der Netzbetreiber dann zu einem festen Satz – 20 Jahre lang (§ 19 Abs. 1 EEG und § 25 EEG). Bei Anlagen, die vor 2017 in Betrieb gingen, zählt das Inbetriebnahmejahr zusätzlich zum Förderzeitraum. Den eingespeisten Strom verkauft der Netzbetreiber an der Strombörse.

Alternativ können Sie sich auch selbst um einen Abnehmer kümmern: Sie können einen Vermarkter beauftragen, den Strom möglichst gewinnbringend für Sie zu verkaufen. Das fördert der Gesetzgeber mit der sogenannten Marktprämie (§ 20 EEG). Oder Sie liefern den Strom an Nachbarn oder Mieter, ohne das Stromnetz zu nutzen. Wenn Sie Mieter im eigenen Haus mit Strom versorgen, können Sie zudem den Mieterstromzuschlag in Anspruch nehmen (§ 21 Abs. 3 EEG).

Doch egal, ob Sie Einspeisevergütung, Marktprämie oder direkt Geld von Verbrauchern erhalten – auf Erlöse aus dem verkauften Solarstrom ist Einkommensteuer zu entrichten, so lange Sie dabei Gewinn erwirtschaften. Auch der Solarstrom, den Sie nicht verkaufen, sondern selbst nutzen, zählt dann als Einnahme im steuerrechtlichen Sinn, auf die Sie die Einkommensteuer entrichten müssen.

Zusammen mit Ihren übrigen Einkünften wie Gehalt, Rente oder Honorare geben Sie diese gewerblichen Einnahmen in der Einkommensteuererklärung an. Diese müssen Sie als Betreiber einer gewerblichen PV-Anlage jedes Jahr beim Finanzamt einreichen. Ob Sie tatsächlich Einkommensteuer zahlen müssen, hängt von der Höhe Ihrer gesamten Einkünfte ab: Bis 9.000 Euro fällt keine Einkommensteuer an; bei Ehepaaren und Menschen in Lebenspartnerschaft verdoppelt sich die Freibetragsgrenze.

Hinweis: Bei der unmittelbaren Belieferung von Abnehmern sollten Sie einen Vertrag vereinbaren. Beachten Sie dabei: Liefern Sie anderen Verbrauchern direkt Strom, sind Sie nicht nur unternehmerisch tätig, sondern sogar ein Energieversorger. Damit gehen viele rechtliche Pflichten einher, beispielsweise das Abführen der EEG-Umlage auf jede gelieferte Kilowattstunde.

Ab wann müssen Sie für die PV-Anlage ein Gewerbe anmelden?

Wenn Sie eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb nehmen und den Strom verkaufen wollen, stellt sich zunächst die Frage nach einer Gewerbeanmeldung. In der Regel gilt: Sobald Sie Solarstrom ins Stromnetz einspeisen, müssen Sie dies Ihrer Stadt oder Gemeinde mitteilen (§ 138 AO) – am besten innerhalb von vier Wochen. In manchen Kommunen besteht die Pflicht erst ab einer gewissen Leistung der Anlage.

Füllen Sie das erforderliche Formular zur Gewerbeanmeldung aus. Zumeist können Sie das Dokument auf der Internetseite der Kommune herunterladen oder auch die Meldung direkt elektronisch übermitteln. Innerhalb von drei Tagen sollten Sie eine Bestätigung der Anmeldung erhalten - in der Regel kommt diese vom Finanzamt, der die Kommune die Daten weitergegeben hat. Dass Sie Solarstrom erzeugen und verkaufen wollen, dürfen die Behörden nicht ablehnen – es handelt sich nicht um eine Tätigkeit, für die Sie eine besondere Genehmigung brauchen. 

Wenn Sie Solarstrom vom eigenen Dach verkaufen, ist dafür in der Regel kein Handelsgewerbe anzumelden. Das ist erst bei größeren Anlagen wie Solarparks erforderlich, die in kaufmännischer Weise geführt werden, ist dies notwendig. Ein „Handelsgewerbe“ unterscheidet sich von einem einfachen Gewerbe durch zahlreiche Vorschriften etwa zur Buchführung und zur Erstellung einer Bilanz. Darüber hinaus hat ein solches Unternehmen bei einem Gewinn von mehr als 24.500 Euro im Jahr Gewerbesteuer zu zahlen.

Wie Sie zu Ihren Steuernummern kommen

Wenn Sie mit einer Photovoltaik-Anlage Geld verdienen, brauchen Sie eine unternehmerische Steuernummer. Diese teilt Ihnen das Finanzamt zu, wenn es Ihre Gewerbeanmeldung bestätigt. Zugleich fordert sie die Behörde dazu auf, den bundesweit einheitlichen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ auszufüllen. Sie können das Formular aber auch auf dieser Seite des Bundesfinanzministeriums selbst herunterladen, ausfüllen und mit der Anmeldung übermitteln.

Zusätzlich können Sie eine Umsatzsteuernummer beantragen. Diese teilt Ihnen das Bundeszentralamt für Steuern zu. Einen Antrag müssen Sie nicht direkt bei der Behörde stellen. Sie können auch an entsprechender Stelle ein Kreuzchen im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ machen.

Im Fragebogen geben Sie an, welchen Umsatz Sie voraussichtlich erzielen und womit. Darüber hinaus können Sie angeben, ob Sie Umsatzsteuer entrichten wollen oder nicht. Als Kleinunternehmer haben Sie die Wahl. Die sogenannte Kleinunternehmerregelung gilt dabei für alle Unternehmer, deren Umsatz aus dem Stromverkauf bei maximal 17.500 Euro brutto im Jahr liegt oder voraussichtlich liegen wird. Sie müssen keine Umsatzsteuer zahlen.

Dieses Kriterium trifft auf alle Betreiber von neueren Hausdachanlagen zu, so lange sie keine weiteren Einkünfte aus selbstständiger, gewerblicher oder landwirtschaftlicher Tätigkeit erzielen. Mehr als 17.500 Euro im Jahr erwirtschaftet ein Betreiber heute nur noch mit Kraftwerken mit mehr als 100 Kilowatt Leistung - dafür sollte ein Dach mehr als 300 Quadratmeter groß sein, um Platz für alle Solarmodule zu bieten.

Sind Sie aber außer als Stromerzeuger noch anderweitig unternehmerisch tätig – beispielsweise als Freiberufler – müssen Sie den Umsatz aus dieser Tätigkeit mit dem Stromgeschäft zusammenzählen. Die Grenze von 17.500 Euro gilt für die gesamte selbstständige oder gewerbliche Tätigkeit.

Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer

Verkaufen Sie Ihren Solarstrom, sind Sie Unternehmer und können Mitglied der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ihrer Region werden. So lange der Gewinn aus Ihrem Stromgeschäft bei maximal 5.200 Euro im Jahr liegt, ist aber die Mitgliedschaft in einer IHK kostenlos. Betreiber von kleinen bis mittelgroßen, neu installierten Dachanlagen unterschreiten diese Gewinnschwelle. Schreibt Sie Ihre Kammer an und begrüßt Sie als neues Mitglied, dann nennen Sie einfach Ihre Geschäftszahlen. Zugleich sollten Sie sich über die Angebote der IHK informieren – Sie können davon profitieren, auch wenn Sie keinen Mitgliedsbeitrag zahlen.

Wann ist für Photovoltaik Umsatzsteuer zu entrichten?

Entscheiden Sie sich für den Status als Kleinunternehmer, bedeutet das, dass Sie keine Umsatzsteuer auf Ihre Erlöse abführen müssen (§ 19 Abs. 1 UStG). Damit ersparen Sie sich, jedes Jahr Ihre Umsatzsteuer zu erklären. Ihnen steht dann aber auch kein Vorsteuerabzug zu. Das bedeutet: Sie können sich die Mehrwertsteuer nicht zurückholen, die Sie für Planung, Anschaffung und Installation der Anlage gezahlt haben.

Nach sechs Jahren zum Status als Kleinunternehmer wechseln

Schlagen Sie die Kleinunternehmerregel aus, zahlen Sie Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent – auf den verkauften Strom, aber auch auf den selbst verbrauchten und zwar ab der Inbetriebnahme zunächst fünf Jahre lang (§ 19 Abs. 2 UStG), wenn die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach montiert ist. Auch wenn Sie eine Anlage mitten im Jahr angeschafft haben, zählt das Inbetriebnahmejahr als volles Kalenderjahr.

In dieser Zeit müssen Sie jährlich eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Sie sind dann aber berechtigt, Vorsteuer geltend zu machen: Die Mehrwertsteuer, die Sie beim Kauf der Photovoltaik-Anlage und für die Planung und Installation ausgegeben haben, können Sie mit der zu zahlenden Umsatzsteuer verrechnen. Im Betrieb fallen Kosten für den Stromzähler an; aber auch für die Anlagenüberwachung, für Wartung, Versicherungen oder den Steuerberater müssen Sie Mehrwertsteuer zahlen.

Fünf Jahre nach der Inbetriebnahme einer Solarstromanlage können Sie beim Finanzamt beantragen, künftig als Kleinunternehmer behandelt zu werden. Der Statuswechsel ist immer zum Ersten eines Jahres nach Ablauf der Fünf-Jahres-Frist möglich. Voraussetzung ist dabei, dass Ihr Umsatz im Vorjahr höchstens 17.500 Euro betrug und Sie im kommenden Jahr höchstens 50.000 Euro erzielen werden. Ein Beispiel: Ging Ihre Anlage im Mai 2019 in Betrieb, können Sie erstmals zum 1. Januar 2024 von der Regelbesteuerung in die Kleinunternehmerregel wechseln.

Sinnvoller ist es aber, noch mindestens ein weiteres volles Jahr mit der Statusänderung zu warten, um geltend gemachte Vorsteuer nicht möglicherweise zurückzahlen zu müssen. Bei Aufdachanlagen kann das Finanzamt bis zu sechs Jahre den gewährten Vorsteuerabzug berichtigen und Geld zurückfordern. Haben Sie eine Indachanlage installiert, ist dies sogar bis zu elf Jahre möglich. 

Es empfiehlt sich daher, bei Aufdachanlagen nach Ablauf von fünf vollen Kalenderjahren nach dem Inbetriebnahmejahr den Status zu wechseln und bei Indachanlagen nach Ablauf von zehn vollen Kalenderjahren nach dem Inbetriebnahmejahr - dann ist der sogenannte Berichtigungszeitraum für die Vorsteuer abgelaufen. Im Beispiel ist diese Frist im Falle einer Aufdachanlage ab 1. Januar 2025 zu Ende. Schreiben Sie dann einen Dreizeiler an die Behörde und erklären Sie, ab 2025 die Kleinunternehmerregelung nutzen zu wollen. Betreiben Sie eine Indachanlage sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie sich zum 1. Januar 2030 zum Kleinunternehmer erklären.

Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch 

So verwirrend es klingen mag: Energie, die Sie selbst erzeugen und verbrauchen, kann auch der Umsatzsteuer unterliegen. Zwei Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein: Sie nutzen die eigene Energie nicht ausschließlich selbst, sondern verkaufen auch einen Teil davon – indem Sie zum Beispiel Überschüsse, die Sie nicht selbst benötigen, ins Stromnetz speisen. Beträgt dieser Teil mindestens 10 Prozent der erzeugten Strommenge, können Sie umsatzsteuerpflichtig sein.

Ob Sie aber tatsächlich Umsatzsteuer abführen müssen oder nicht, können Sie selbst entscheiden – zumindest, wenn Ihr Umsatz aus dem Stromverkauf höchstens 17.500 Euro im Jahr beträgt. Erwirtschaften Sie mehr, auch aus anderer selbstständiger Tätigkeit, müssen Sie in der Regel auf selbstverbrauchten Solarstrom Umsatzsteuer zahlen. Liegen Sie unter der Grenze, haben Sie die Wahl: Nutzen Sie die Kleinunternehmerregel, sind Sie von Zahlungen befreit. Dann können Sie aber auch keine Vorsteuer geltend machen. Optieren Sie nicht für den Kleinunternehmerstatus, müssen Sie Umsatzsteuer auf jede Kilowattstunde abführen, die Sie erzeugen und verkaufen oder die Sie selbst verbrauchen.

Wer mehr als 90 Prozent der in der Anlage erzeugten Energie selbst verbraucht, ist nicht umsatzsteuerpflichtig – selbst wenn es der Stromerzeuger wollte. Das hat das Bundesfinanzministerium in einem Anwendungserlass festgelegt, an dem sich alle deutschen Finanzämter orientieren müssen.

Umsatzsteuer bei gefördertem Eigenverbrauch

Sofern Sie Ihre Photovoltaik-Anlage zwischen Januar 2009 und März 2012 in Betrieb genommen haben und Ihren Strom seither auch selbst verbrauchen, stellt sich die Lage aber anders dar. Schätzungsweise 100.000 Betreiber betrifft das. Sie haben Anspruch auf eine Vergütung nach § 33 Abs. 2 EEG 2009 für jede selbstgenutzte Kilowattstunde.

Die Abrechnung der Vergütung für den Eigenverbrauch erfolgt in zwei Schritten: Sie stellen dem Netzbetreiber den Eigenverbrauch zusammen mit dem eingespeisten Strom in Rechnung und kaufen den Eigenverbrauch anschließend zurück. Der Preis ist die Differenz aus der Vergütung für eingespeisten Strom und selbst genutzten Strom. Auf diesen Rechnungsbetrag schlägt der Netzbetreiber noch Umsatzsteuer. Als Vorsteuer dürfen Sie diese aber nicht geltend machen, weil Sie den Strom privat nutzen. Und diese Steuer entfällt auch nicht, wenn Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen. Aus diesem Grund lohnt es sich für Sie nicht, in den Kleinunternehmerstatus zu wechseln. Denn dann könnten Sie keine Vorsteuer auf die Umsatzsteuer auf eingespeisten Strom mehr geltend machen, müssten aber weiterhin Umsatzsteuer auf selbstverbrauchten Strom an den Netzbetreiber zahlen.

Darüber hinaus müssen Sie die Einnahmen aus der EEG-Förderung für selbstverbrauchten Strom gemeinsam mit den Zahlungen für eingespeisten Strom in der Einkommensteuererklärung berücksichtigen.

Welchen Vorteil hat die Umsatzsteuerpflicht?

Es kann sich lohnen, umsatzsteuerpflichtig zu sein – weil sich dann Vorsteuer geltend machen lässt. Das trifft auf alle Betreiber älterer, aber auch neuer Photovoltaik-Anlagen zu, die ihren Strom komplett ins Stromnetz einspeisen oder an Dritte verkaufen und nicht selbst nutzen. Sie können sich auf diese Weise die Mehrwertsteuer auf Versicherung, Wartung oder Reparatur der Anlage anrechnen lassen und senken damit ihre Betriebskosten.

Aber auch, wenn Sie das System neu anschaffen und einen Teil des Stroms selbst verbrauchen wollen, rechnet es sich zumeist, Umsatzsteuer zu zahlen. Angenommen Sie lassen sich eine Fünf-Kilowatt-Anlage installieren, mit der Sie rund 5.000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen und davon 1.500 Kilowattstunden selbst verbrauchen können. Bei einem Anschaffungspreis von 1.200 Euro netto pro Kilowatt Leistung, zahlen Sie mehr als 1.000 Euro Mehrwertsteuer. Als Unternehmer können Sie sich den Betrag als Vorsteuer beim Finanzamt zurückholen. Auch die Mehrwertsteuer auf die Planung, für die Versicherung, den Wartungsvertrag und den Einspeisezähler können Sie geltend machen.

Zu verrechnen ist die Vorsteuer mit der Umsatzsteuer, die Sie zahlen müssen – sowohl auf den selbst verbrauchten als auch auf den verkauften Solarstrom. Auf die Verkaufserlöse erheben Sie dabei gegenüber Ihren direkten Abnehmern oder dem Netzbetreiber Mehrwertsteuer und reichen diese ans Finanzamt weiter. Die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch erstattet Ihnen dagegen keiner. Diese Steuer zu zahlen, lohnt sich deswegen häufig nur, um die Mehrwertsteuer auf den Anschaffungspreis zurückzuholen. Haben Sie die Mehrwertsteuer zurückerstattet bekommen, kehrt sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis gewöhnlich ab dem 2. Jahr ins Gegenteil um: Die Umsatzsteuerpflicht wird zur Belastung.

In welchen Fällen lohnt es nicht, Umsatzsteuer zu zahlen?

Verbrauchen Sie Ihren Solarstrom auch selbst, lohnt es sich praktisch nur im Jahr der Inbetriebnahme, Umsatzsteuer zu zahlen. Aufgrund der Anschaffungskosten für die Anlage können Sie in der Regel mehr Vorsteuer geltend machen, als Sie Umsatzsteuer auf Ihren Eigenverbrauch zahlen. In den Folgejahren kehrt sich das um. 

Wenn Sie sich aber bei der steuerlichen Erfassung gegen den Kleinunternehmerstatus entschieden haben, sind Sie nicht nur für das Jahr der Inbetriebnahme, sondern auch die vier Folgejahre an die Regelbesteuerung gebunden. Erst nach Ablauf dieser Frist können Sie in den Kleinunternehmerstatus wechseln und zahlen dann keine Umsatzsteuer mehr. Besser ist es, noch ein weiteres Jahr abzuwarten, um keine Vorsteuer zurückzuzahlen zu müssen. 

Schon bei Inbetriebnahme der Anlage den Kleinunternehmerstatus zu wählen, kann sich bislang nur bei hohen Eigenverbrauchsquoten rechnen. Wir haben die Vorsteuer bestimmt, die Sie bei Regelbesteuerung geltend machen können, und der zu zahlenden Umsatzsteuer auf den selbst verbrauchten Strom gegenübergestellt – über einen Zeitraum von fünf Jahren nach Inbetriebnahme, entsprechend der Bindefrist an die Regelbesteuerung. Beträgt die Vorsteuer unterm Strich mehr, lohnt sich die Regelbesteuerung für Sie. Überwiegen die Umsatzsteuerzahlungen die Vorsteuerbeträge, fahren Sie mit der Regelbesteuerung schlechter und sollten von Anbeginn die Kleinunternehmerregelung nutzen – auch wenn Sie die Mehrwertsteuer auf Ihre Anlage dann nicht zurückerhalten.

Die Frage, wann sich der Kleinunternehmerstatus von Anfang an lohnt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Wie viel hat die Anlage gekostet und was zahlen Sie für den Reststrom, mit dem Sie sich versorgen, wenn kein Solarstrom vorhanden ist. Denn der Netto-Arbeitspreis Ihres Versorgers bestimmt, welchen Wert Ihr selbst verbrauchter Strom hat, um die Umsatzsteuer zu berechnen. Das bedeutet: Je höher der Preis, desto mehr Umsatzsteuer müssen Sie für jede selbst genutzte Kilowattstunde abführen.

Trotzdem lohnt es sich meist, zunächst Umsatzsteuer zu zahlen. Allein die Ersparnis im Jahr der Inbetriebnahme ist so groß, dass sie in der Regel die Umsatzsteuer auffängt, die Sie für selbst genutzten Strom in den folgenden fünf Jahren zahlen müssen.

Finanztip hat dennoch kalkuliert, in welchen Fällen ein Anlagenbetreiber von Anfang an die Kleinunternehmerregel nutzen sollte und in welchen Fällen es sich lohnt, über die gesamte Betriebsdauer der Anlage der Regelbesteuerung zu unterliegen. Angegeben ist in den nachfolgenden Tabellen stets, wie viel Solarstrom in die Eigenversorgung geht.

Wann Sie den Kleinunternehmerstatus von Anbeginn wählen sollten 

 Strombezug
24 Cent/kWh
Strombezug
26 Cent/kWh
Strombezug
28 Cent/kWh
Strombezug
30 Cent/kWh
Investition 800 €/kW≥ 77 % Eigenverbrauch≥ 71 % Eigenverbrauch≥ 66 % Eigenverbrauch≥ 61 % Eigenverbrauch
Investition 1.000 €/kW

≥ 96 % Eigenverbrauch1

≥ 89 % Eigenverbrauch≥ 82 % Eigenverbrauch≥ 77 % Eigenverbrauch
Investition 1.200 €/kW

reguläre Besteuerung2

reguläre Besteuerung2

≥ 99 % Eigenverbrauch1

≥ 93 % Eigenverbrauch1

1 Bei einem Eigenverbrauch von mehr als 90 Prozent ist ohnehin keine Regelbesteuerung möglich. Der Anlagenbetreiber ist nicht umsatzsteuerpflichtig.
2 Hier sollte die Regelbesteuerung gewählt werden, sofern der Eigenverbrauch nicht bei mehr als 90 Prozent liegt.
Beim Bezugspreis handelt es sich um den Netto-Strompreis des über das Stromnetz gelieferten Reststroms. Die Investition umfasst die Netto-Kosten für Planung, Kauf und Installation der Photovoltaik-Anlage. Der Berechnung liegen folgende Annahmen zugrunde: Betriebskosten in Höhe von 3 Prozent der Investitionskosten, Solarstromleistung von 5 Kilowatt, produzierte Strommenge von 5.000 Kilowattstunden im Jahr und Wert des eingespeisten Stroms von 10,79 Cent pro Kilowattstunde. Alle Prozentangaben sind gerundet. 
Quelle: eigene Berechnung (Stand: 30. Mai 2019)

Wie sich der Tabelle entnehmen lässt, sollten Sie sich bei Anlagenpreisen von 1.000 Euro netto (also ohne Mehrwertsteuer) oder weniger pro installiertem Kilowatt Leistung überlegen, ob Sie die Kleinunternehmerregel von Anfang an wählen. Sie sollten dann aber mindestens 60 Prozent Ihres Solarstroms selbst nutzen. Bei Eigenverbrauchsquoten von mehr als 90 Prozent, zählen Sie ohnehin nicht mehr als gewerbetreibend. Zahlen Sie mindestens 1.200 Euro pro Kilowatt Leistung, sollten Sie mindestens für die ersten fünf Jahre die Regelbesteuerung wählen.

Auf den Vorsteuerabzug zu verzichten, rechnet sich Mitte 2019 stärker als noch ein Jahr zuvor – die Anschaffungspreise sind auf der einen Seite gesunken. Auf der anderen Seite sind die Preise für Bezugsstrom aus dem Netz seit Januar 2019 in vielen Regionen gestiegen. Sinken die Anlagenpreise weiter, lohnt sich der Kleinunternehmerstatus für immer mehr Eigenverbraucher von Anbeginn.

Bei geringem Eigenverbrauch immer Umsatzsteuer zahlen

Wer sehr wenig seines eigenen Stroms nutzt oder hohe Betriebskosten hat, sollte von Anbeginn die Regelbesteuerung wählen und dabeibleiben. Auch für diesen Fall haben wir in Abhängigkeit des Eigenverbrauchs gerechnet – diesmal aber mit der Maßgabe, wie hoch der Anteil des selbst genutzten Stroms sein darf, damit sich die Zahlung von Umsatzsteuer trotzdem für Sie rechnet.

Das ist der Fall, wenn über einen Zeitraum von 20 Jahren die Vorsteuer auf den Kauf und die Betriebskosten der Anlage größer ist als die Umsatzsteuer, die Sie für den selbst verbrauchten Strom zahlen. Wichtig ist neben der Investitionssumme die Höhe der Betriebskosten pro Jahr. Weniger entscheidend ist die Höhe des Bezugsstroms aus dem Netz. In der Tabelle haben wir mit 25,2 Cent pro Kilowattstunde netto (entspricht 30 Cent brutto) gerechnet.

Wann Sie immer Umsatzsteuer zahlen sollten

 

Betriebskosten in Höhe von

2 % der Investitionskosten

Betriebskosten in Höhe von

3 % der Investitionskosten

Investition von

800 Euro/kW

≤ 6 % Eigenverbrauch≤ 10 % Eigenverbrauch
Investition von 1.000 Euro/kW≤ 8 % Eigenverbrauch≤ 12 % Eigenverbrauch
Investition von 1.200 Euro/kW≤ 10 % Eigenverbrauch≤ 14 % Eigenverbrauch
Investition von 1.400 Euro/kW≤ 11 % Eigenverbrauch≤ 17 % Eigenverbrauch
Investition von 1.600 Euro/kW≤ 13 % Eigenverbrauch≤ 19 % Eigenverbrauch
Investition von 1.800 Euro/kW≤ 14 % Eigenverbrauch≤ 21 % Eigenverbrauch
Investition von 2.000 Euro/kW≤ 16 % Eigenverbrauch≤ 24 % Eigenverbrauch

Die Tabelle zeigt bis zu welcher Eigenverbrauchsquote es sich lohnt, über die gesamte Betriebsdauer Umsatzsteuer zu zahlen. Der Berechnung liegen folgende Annahmen zu Grunde: Solarstromleistung von 5 Kilowatt, produzierte Strommenge von 5.000 Kilowattstunden im Jahr, Wert des eingespeisten Stroms von 10,79 Cent pro Kilowattstunde, Wert der selbst genutzten Kilowattstunde Strom von 25,2 Cent pro Kilowattstunde netto (oder 30 Cent pro Kilowattstunde brutto) und eine Betriebsdauer von 20 Jahren. Die Investitionskosten sind Netto-Preise. Die Prozentsätze in der Tabelle sind gerundet.
Quelle: eigene Berechnung (Stand: 31. Mai 2019)

Wechsel nach fünf Jahren in Kleinunternehmerstatus

Die meisten Nutzer eigenen Solarstroms nutzen 20 bis 60 Prozent Ihres Stroms selbst. Sollten auch Sie sich mit Ihrer Eigenverbrauchsquote nicht in den beiden Tabellen wiederfinden, so sollten Sie zunächst die Regelbesteuerung wählen und nach den ersten Jahren den Status wechseln. In vielen Fällen dürfte der richtige Zeitpunkt dafür sein, wenn fünf Kalenderjahre nach dem Jahr der Inbetriebnahme verstrichen sind.

Für manche kann es aber auch später sein, wenn Sie beispielsweise eine teurere Reparatur haben, die weder die Versicherung noch der Hersteller trägt. Oder wenn Sie einen Teil Ihrer Solarmodule austauschen. Ein Wechsel zurück in die Regelbesteuerung ist ebenfalls möglich - aber Sie binden sich dann wieder fünf Jahre an das Zahlen von Umsatzsteuer.

Wie führen Sie die Steuern ab?

Einmal im Jahr müssen Sie als Unternehmer eine Steuererklärung abgeben. Seit dem Steuerjahr 2017 ist nur noch eine elektronische Übermittlung erlaubt. Die Frist zur Abgabe ist seit 2019 der 31. Juli des Folgejahres. Im Elster-Portal der Finanzverwaltung finden Sie alle notwendigen Vordrucke, die Sie online ans Finanzamt übermitteln können, wenn Sie im Portal registriert sind.

In der Einkommensteuererklärung (ESt) geben Sie alle Ihre Einkünfte an – sei es aus einer Anstellung, aus freiberuflicher Tätigkeit oder der Vermietung einer Wohnung. Mit der Photovoltaik-Anlage kommen noch gewerbliche Einnahmen dazu. Dazu müssen Sie zusätzlich die Anlage G ausfüllen. Das ist recht schnell gemacht: Sie geben Ihren Umsatz aus dem Verkauf von Solarstrom, Ihre Betriebskosten, den Wertverlust der Anlage und den Wert des selbst verbrauchten Stroms an. Am günstigsten fahren Sie, wenn Sie die Erzeugungskosten pro Kilowattstunde heranziehen, um den Wert des Eigenverbrauchs zu bestimmen. Alterativ können Sie den Marktwert des Solarstroms nutzen – dieser entspricht der Einspeisevergütung zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme.

Feiner aufzuschlüsseln sind alle Angaben zu Einnahmen und Ausgaben Ihrer gewerblichen Tätigkeit bei der Gewinnermittlung. Für Betreiber kleiner PV-Anlagen bietet sich eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) an. Auch dafür gibt es ein Elster-Formular, das separat von den Einkommensteuer-Dokumenten aufzurufen ist. In der EÜR sind die Ausgaben bestimmten Kategorien zuzuordnen. Es empfiehlt sich dabei, die Einnahmen und Ausgaben zuerst in ein Excel-Dokument zu schreiben und dann zu übertragen.

Auch der Wertverlust der Anlage ist in die EÜR einzutragen: Teilen Sie die Netto-Investition durch die Anzahl der Betriebsjahre – für Photovoltaik-Anlagen 20 Jahre – und tragen Sie den Wert als „Absetzung für Abnutzung“ (AfA) für jedes Jahr ein. Handelt es sich bei Ihrem System um eine Indachanlage, bei der die Module das Haus teilweise abdecken, galten bis Mitte 2010 andere Regeln bei der Abschreibung – die Anlage zählt nicht als selbstständige Einheit sondern als Teil des Gebäudes. Seit dem 5. August 2010 in Betrieb genommene Indachanlagen sind Aufdachsystemen gleichgestellt und gelten als selbstständige, bewegliche Wirtschaftsgüter. Das hat das Bayerische Landesamt für Steuern mit Verfügung S 2190.1.1-1/3 St32 festgelegt. Das bedeutet, dass Sie die Investition in die Photovoltaik-Anlage über die gewöhnliche Nutzungsdauer von 20 Jahren abschreiben können, nicht aber Kosten, die am Dach selbst entstehen.

Haben Sie nicht die Kleinunternehmerregelung gewählt und zahlen Umsatzsteuer, müssen Sie jedes Jahr auch eine Umsatzsteuererklärung (USt) machen. Das notwendige Formular steht ebenfalls im Elster-Portal zum Abruf bereit. Innerhalb von zehn Minuten ist es ausgefüllt: Sie nennen Ihre Netto-Einkünfte – analog zur Angabe in der EÜR – und Ihre geleisteten Vorsteuerbeträge. Automatisch erscheint dann, welchen Steuerbetrag das Finanzamt noch erhält.

In den ersten beiden Jahren des Anlagenbetriebs müssen Sie zudem eine Vorsteueranmeldung machen, und zwar jeden Monat. Das Formular steht im Elster-Portal ebenfalls bereit. Sie tragen dort jeden Monat ein, welche Mehrwertsteuer Sie gezahlt haben, um die Anlage zu betreiben. Ab dem dritten Jahr entfällt die Voranmeldung. Dann brauchen Sie nur noch einmal im Jahr die Umsatzsteuer erklären.

Sie können sich beim Ausfüllen der Steuerdokumente Hilfe holen: Entweder wenden Sie sich an einen Steuerberater. Die Kosten für den Berater können Sie in der Steuererklärung auch geltend machen. Oder aber Sie nutzen eine Steuersoftware: In unserer Untersuchung von 2018 empfehlen wir mehrere Programme - für einfachere und komplexere Steuerfälle. Achten Sie darauf, dass Sie mit dem Programm Ihrer Wahl die benötigten Formulare ans Finanzamt übermitteln können.

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Wie berechnet sich die Umsatzsteuer?

Der Umsatzsteuersatz auf Strom ist immer gleich hoch, unabhängig von der Nutzung. Er beträgt stets 19 Prozent.

Umsatzsteuer auf verkauften Strom 

Die Umsatzsteuer auf verkauften Strom reichen Sie einfach nur weiter: Da die Einspeisevergütung ein Netto-Betrag ist, stellen Sie dem Netzbetreiber die Umsatzsteuer in Rechnung. Lesen Sie dazu am 31. Dezember den Zählerstand Ihres Einspeisezählers ab und übermitteln Sie diesen an den Netzbetreiber. Sie sind verpflichtet, das bis 28. Februar zu erledigen (§ 71 Abs. 1 EEG). 

Mit dem Zählerwert kann der Netzbetreiber die Endabrechnung über die eingespeiste Strommenge erstellen. Warten Sie auf die Endabrechnung und nehmen Sie den dort aufgeführten Erlös, um die Umsatzsteuer zu berechnen. Schicken Sie dem Netzbetreiber anschließend eine Rechnung über die Umsatzsteuer.

In Ihrer Umsatzsteuererklärung geben Sie dieselben Zahlen an: den Erlös aus der Stromeinspeisung und die Umsatzsteuer darauf. Zusätzlich können Sie noch Vorsteuer geltend machen; also die Mehrwertsteuer, die Sie bezahlt haben, um Ihre Photovoltaik-Anlage ordentlich betreiben zu können. Zu beachten ist lediglich, ob Sie den vollen Steuersatz von 19 Prozent (beispielsweise für Versicherung oder Wartung der Anlage) oder den ermäßigten von 7 Prozent (beispielsweise für Fachliteratur) gezahlt haben. Rechnen Sie die einzelnen Posten je nach Steuersatz zusammen und tragen Sie die Werte im entsprechenden Feld ein.

Erstmals Kontakt haben Sie mit dem Netzbetreiber in der Regel, wenn es um den Anschluss der Photovoltaik-Anlage ans Stromnetz geht. Im Zuge des Netzanschlusses können Sie dem Unternehmen gleich erklären, ob Sie Umsatzsteuer abführen oder nicht. Auch einen Statuswechsel sollten Sie dem Netzbetreiber mitteilen.

Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch 

Der Anwendungserlass des Bundesfinanzministeriums regelt auch, wie die Umsatzsteuer auf Eigenverbrauch zu berechnen ist. Strittig war vor Veröffentlichung des Papiers, wie der Selbstverbrauch zu messen ist. Dabei reicht es bei kleinen Anlagen mit bis zu 10 Kilowatt Leistung, die zur eigenen Versorgung in der Regel ausreichen, zwei Werte pro Kalenderjahr zu erfassen: die über den Einspeisezähler ins Stromnetz abgegebene Energie und die insgesamt erzeugte Strommenge, die der Wechselrichter anzeigt. Ziehen Sie dann die eingespeiste Strommenge von der ab, die den Wechselrichter passiert hat. Die Differenz entspricht Ihrem Eigenverbrauch, auf den Sie den Steuersatz von 19 Prozent anwenden können.

Wenn Sie wollen, können Sie auch einen zweiten Zähler installieren lassen, der den gesamten Solarstrom misst. Davon können Sie dann die eingespeiste Energiemenge abziehen. Damit ermitteln Sie Ihren Eigenverbrauch exakt. Ein weiterer Zähler ist aber teurer als die vom Finanzministerium abgesegnete Lösung.

Liegt die Leistung der Photovoltaik-Anlage bei mehr als 10 Kilowatt, müssen Sie auf jeden Fall einen geeichten Zähler installieren lassen, um die gesamte Stromproduktion zu messen (§ 61h EEG). Vorrangig geht es dabei um die EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom, die ab dieser Anlagengröße zu zahlen ist. Sie sollten den Erzeugungszähler dann aber auch nutzen, um die Umsatzsteuer auf Ihren Eigenverbrauch zu ermitteln. 

Bleibt die Frage, welchen Wert eine selbst erzeugte und verbrauchte Kilowattstunde hat. Das Bundesfinanzministerium hat für die Umsatzsteuer festgelegt, den Netto-Strompreis des Energieversorgers zu nehmen, von dem Sie zusätzlich Strom beziehen. Sie müssen sowohl den Arbeitspreis pro Kilowattstunde als auch den monatlichen Grundpreis dabei berücksichtigen. Am einfachsten entnehmen Sie die Kosten pro Kilowattstunde Ihrer Stromrechnung. Haben Sie vom aktuellen Versorger noch keine Abrechnung erhalten, dann berechnen Sie Ihren Brutto-Strompreis anhand seines Grund- und Arbeitspreises. Falls Ihnen niemand Reststrom liefert, Sie aber Ihren Solarstrom anderen verkaufen, sollten Sie die Netto-Entgelte des Grundversorgers in der Region anlegen.

Ziehen Sie vom anzulegenden Preis zunächst 19 Prozent Mehrwertsteuer ab und verrechnen Sie den Netto-Preis mit dem gemessenen Eigenverbrauch. Auf diesen Wert des eigenen Solarstroms berechnen Sie wiederum 19 Prozent Umsatzsteuer – das ist der Betrag, den Sie auch in der Umsatzsteuererklärung angeben müssen und von dem Sie die Vorsteuer abziehen können. Das, was übrigbleibt, ist die Umsatzsteuer, die das Finanzamt einzieht.

Dazu eine Beispielrechnung mit folgenden Annahmen:

  • Eigenverbrauch von 1.230 Kilowattstunden pro Jahr und Reststrombezug von 2.570 Kilowattstunden zu Kosten von 769,72 Euro im Jahr 
  • Berechnung des Brutto-Preises Strombezug: 769,72 Euro/Jahr : 2.570 kWh = 29,95 Cent/kWh 
  • Berechnung des Netto-Preises vom Strombezug: 29,95 Cent/kWh : 1,19 = 25,17 Cent/kWh
  • Berechnung des Werts des selbst verbrauchten Stroms: 1.230 kWh x 25,17 Cent/kWh = 309,59 Euro
  • Berechnung der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch: 309,59 Euro x 0,19 = 58,82 Euro

Was gilt bei einem Batteriespeicher für Solarstrom?

Schaffen Sie zusammen mit der Photovoltaik-Anlage auch einen Batteriespeicher an, sollten Sie auf jeden Fall die Kleinunternehmerregel ausschlagen und zunächst die Regelbesteuerung wählen. Denn zeitgleich gekauft zählen beide Anlagen steuerrechtlich zu einem System, wenn Sie sie gewerblich betreiben und Strom ins Netz speisen oder an Abnehmer direkt liefern.

Da ein kleiner Batteriespeicher mehrere Tausend Euro kostet, erhöht sich Ihre Investition deutlich – die Vorsteuer ist dann so hoch, dass sie die Umsatzsteuer auf selbst verbrauchten Strom in den ersten fünf Jahren deutlich aufwiegt. Je nachdem, wie hoch die Betriebskosten für Speicher und PV-Anlage sind, müssen Sie nach Ablauf der Fünf-Jahres-Frist abwägen, ob Sie in den Kleinunternehmerstatus wechseln sollten.

Wollen Sie einen Batteriespeicher zu Ihrer bestehenden Photovoltaik-Anlage nachrüsten, werten die Finanzbehörden den Speicher als neue Investition und damit als ein eigenes „Zuordnungsobjekt“. Beide Anlagen werden damit steuerrechtlich getrennt voneinander behandelt. Sie müssen den Speicher ebenfalls dem Finanzamt melden, wenn er denn Ihrem Gewerbe dienen soll.

Aber: Sie betreiben den Speicher nur dann gewerblich, wenn mindestens 10 Prozent des gespeicherten Stroms in den Verkauf gehen. In der Regel dient der Speicher aber dazu, den Eigenverbrauch zu erhöhen; keine einzige gespeicherte Kilowattstunde wandert direkt aus dem Speicher ins Stromnetz. Ein gewerblicher Betrieb ist dann nicht gegeben. Die Mehrwertsteuer auf das Gerät können Sie dann auch nicht als Vorsteuer geltend machen.

Speicherverlust ist kein Eigenverbrauch

Betreiben Sie Ihre Photovoltaikanlage gewerblich und nutzen nicht die Kleinunternehmerregel, müssen Sie auf den selbst verbrauchten Strom Umsatzsteuer entrichten. Die Höhe des Eigenverbrauchs erhalten Sie, indem Sie die eingespeiste Strommenge von der insgesamt produzierten Strommenge abziehen. Betreiben Sie nun auch noch einen Speicher, würde nach dieser Berechnung auch der Verlust, der beim Speichern entsteht, als Eigenverbrauch zählen – Sie würden auf Strom Umsatzsteuer zahlen, der nicht Ihrer elektrischen Versorgung diente, sondern den die Batterie vor allem in Wärme gewandelt hat. Egal ist dabei, ob Sie den Speicher Ihrem Privatvermögen oder Ihrem Unternehmen zugeordnet haben.

Wird der unternehmerisch produzierte Strom nicht als solcher zur eigenen Versorgung genutzt, liegt aber keine unternehmensfremde Verwendung vor. Daher müssen Sie auf den bei der Speicherung entstehenden Verlust keine Umsatzsteuer zahlen. Dies ist die Auffassung des Bayerischen Landesamts für Steuern. Wohnen Sie in einem anderen Bundesland als Bayern, können Sie sich ebenfalls auf die Handhabung dort beziehen. Oder Sie fragen Ihr Finanzamt, ob es mit der bayerischen Auffassung konform geht.

Bleibt die Frage, wie man den Speicherverlust aus dem Eigenverbrauch herausrechnet. Möglich ist, die Angaben des Herstellers des Speichergeräts zu nutzen. Der maximale Gesamtwirkungsgrad (oder Round-trip-Wirkungsgrad) gibt an, wie viel des eingespeicherten Stroms wieder ausgespeichert wird. In der Regel liegt der Wert bei etwa 90 Prozent – der Batterieverlust beträgt also mindestens rund zehn Prozent. Multiplizieren Sie den Gesamtwirkungsgrad mit der eingespeicherten Strommenge. Diese erfasst das Speichergerät selbst.

Exakt können Sie Ihren Eigenverbrauch abzüglich Batterieverlust bestimmen, wenn Sie einen zusätzlichen Stromzähler installieren lassen. Dieser Unterzähler ist hinter den Speicherausgang zu setzen und zwar so, dass er sowohl die direkt genutzte Solarstrommenge als auch die zwischengespeicherte zählt.

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 24. Juni 2019


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