Minderung wegen Reisemängel

Ihre Rechte, wenn das Hotel überbucht ist

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist das reservierte Hotel in Ihrer Pauschalreise überbucht und müssen Sie deshalb auf ein anderes Hotel ausweichen, stehen Ihnen bis zu 25 Prozent Erstattung zu – auch falls das neue Hotel gleichwertig ist.
  • Müssen Sie umziehen, steht Ihnen zusätzlich eine Entschädigung für die Zeit zu, die Sie mit dem Umzug verbracht haben.
  • Hat der Veranstalter der Pauschalreise keinen gleichwertigen Ersatz angeboten, kann der Urlauber den Vertrag vor Reiseantritt kündigen oder den Urlaub abbrechen. Der Veranstalter muss den Reisepreis voll erstatten.
  • Zusätzlich zur Erstattung können Reisende auch eine Entschädigung für die verlorenen Urlaubstage verlangen.

So gehen Sie vor

  • Lassen Sie sich vom Veranstalter schriftlich bestätigen, dass das gebuchte Zimmer nicht zur Verfügung steht und Sie deshalb umziehen müssen. Sie können dazu unser Muster Mängelanzeige vor Ort nutzen.
  • Unterschreiben Sie keinen Verzicht auf Ihre Rechte.
  • Fordern Sie nach dem Urlaub eine Erstattung von 25 Prozent des Reisepreises, sofern das angebotene Hotel gleichwertig war. War die Unterkunft schlechter, können Sie eine größere Erstattung verlangen.
  • Machen Sie Ihre Rechte schriftlich geltend. Dazu können Sie unseren Musterbrief Reisemängel verwenden.
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Endlich am Ziel Ihrer Reise angekommen. Und dann ist das Hotel überbucht. Das bedeutet: kein Zimmer mehr für Sie frei – Stress statt Erholung. Sie sprechen mit den Leuten vom Hotel und dem Reiseleiter und sollen in ein schönes Ersatzhotel ziehen. Vor Ort entpuppt sich die Unterkunft aber als viel schlechter, weil etwa der Meerblick fehlt oder der Tennisplatz. Eine andere Unterkunft als die gebuchte müssen Reisende grundsätzlich nicht akzeptieren. Als Pauschalreisender haben Sie besondere Rechte.

Durch das neue Pauschalreiserecht gelten für Buchungen seit dem 1. Juli 2018 neue Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Wer seinen Urlaub vor diesem Stichtag gebucht hat, muss bei Mängeln das bisher geltende Recht beachten. In diesem Ratgeber beschreiben wir sowohl die alten als auch die neuen Regeln.

Bei Hotelüberbuchung Reisepreis mindern

Können Sie wegen Überbuchung nicht in das im Reisevertrag festgelegte Hotel einziehen, liegt immer ein Reisemangel vor (§ 651c Abs. 1 a.F. BGB, § 651i Abs. 2 BGB). Sie haben deshalb das Recht, einen Teil des Reisepreises erstattet zu bekommen (§ 651d Abs. 1 a.F. BGB, § 651m BGB). Wie viel Sie zurückverlangen können, hängt davon ab, ob das Ersatzhotel den gleichen Standard hat und die Lage und die Angebote vergleichbar waren.

Bei gleichwertiger Ersatzunterkunft

Manche Gerichte gestatten Reisenden, den Preis um 10 bis 25 Prozent bei gleichwertiger Ersatzunterkunft zu mindern. Das sieht zumindest die Frankfurter Tabelle vor. Je weiter das Ersatzhotel vom ursprünglich gebuchten entfernt ist, desto mehr können Urlauber mindern. Die Kemptener Tabelle listet verschiedene Urteile auf, die jeweils zu anderen Ergebnissen kommen.

Das Amtsgericht Stuttgart erlaubte bei einem gleichwertigen Ersatzhotel eine Minderung von 15 Prozent (Urteil vom 23. März 1995, Az. 9 C 12733/94). Lediglich um 10 Prozent durfte ein Reisender nach einem Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf mindern (Urteil vom 8. April 2004, Az. 28 C 8239/01).

Wichtig: Sie können nur dann nach der Reise Geld zurückverlangen, sofern Sie keinen Verzicht auf weitergehende Ansprüche unterzeichnet haben. Also vor Ort erstmal nichts unterschreiben. Sie müssen den Mangel vor Ort anzeigen – am besten schriftlich. Wie Sie Reisemängel am besten geltend machen, lesen Sie in unserem Ratgeber Reisemängel reklamieren, in dem Sie entsprechende Musterschreiben finden.

Bei schlechterer Ersatzunterkunft

Schwierig wird es meist da, wo der Reiseveranstalter das Ersatzhotel nur als gleichwertig anpreist, es aber an die Qualität des tatsächlich gebuchten nicht herankommt. Entsprach das Ersatzhotel nicht annähernd dem gebuchten, können Sie auch mehr Geld zurückverlangen. Bietet die Ersatzunterkunft etwa weder Animation noch Pool und Sportanlage, hielt das Landgericht Frankfurt eine Minderung von 45 Prozent des Reisepreises für gerechtfertigt (Urteil vom 28. März 2008, Az. 2-24 S 139/07).

Bietet das Hotel keinen Meerblick wie ursprünglich gebucht und gibt es zudem noch Hygienemängel, können Sie um 70 bis 100 Prozent den Preis für die Tage mindern, die Sie in diesem Hotel untergebracht waren (BGH, Urteil vom 21. November 2017, Az. X ZR 111/16).

Die Tabellen geben nur eine Orientierung. Wählen Sie im Zweifel den höheren Betrag, aber seien Sie kompromissbereit, falls der Veranstalter sich mit seinem Angebot innerhalb einer der Tabellen bewegt.

Wichtig: Listen Sie genau auf, warum das Ersatzhotel dem gebuchten nicht entspricht. Machen Sie Fotos und dokumentieren Sie die Unterschiede, um die Höhe der Erstattung gut begründen zu können.

Reiseveranstalter muss informieren

Steht bereits vor Antritt der Reise fest, dass das Hotel am Urlaubsort überbucht ist, muss der Reiseveranstalter den Kunden umgehend informieren. Nur dann kann er entscheiden, ob er trotz der Überbuchung anreisen oder von der Reise Abstand nehmen will.

Informiert der Veranstalter den Urlauber nicht, kann er allein deshalb den Reisepreis um 15 Prozent mindern. Diese Erstattung kommt zur Minderung wegen anderer Mängel noch hinzu. Das Landgericht Frankfurt hielt in einem Fall deshalb eine Minderung von insgesamt 60 Prozent für angemessen (Urteil vom 28. März 2008, Az. 2-24 S 139/07).

Umzug am Urlaubsort

Für einen verlorenen Urlaubstag durch den Umzug in ein anderes Hotel steht Ihnen eventuell zusätzlich eine anteilige Reisepreisminderung zu, insbesondere wenn Sie Kinder dabeihaben (AG Düsseldorf, Urteil vom 21. Januar 1997, Az. 38 C 17568/96). Etwaige Taxikosten muss der Veranstalter ebenfalls ersetzen.

Bei schlechter Unterbringung dürfen Sie kündigen

Die Unterbringung in einem minderwertigen Ersatzhotel kann auch ein erheblicher Mangel sein. Reisende können dann den gesamten Vertrag kündigen (§ 651e a.F. BGB, § 651l BGB). So urteilte das Landgericht Frankfurt (Urteil vom 19. November 2012, Az. 2-24 S 199/11).

Erscheint eine Fortsetzung des Urlaubs in dem minderwertigen Ersatzhotel nicht zumutbar, kann der Urlauber die Reise abbrechen. Das ist in der Regel der Fall, falls er in Höhe von 30 Prozent mindern könnte. Der Veranstalter muss dann den gesamten Reisepreis erstatten. Der Reisende muss sich aber die erbrachten Leistungen anrechnen lassen (§ 651 Abs. 3 Satz 2 a.F. BGB, § 651l Abs. 2 BGB).

Nicht vorschnell Ersatzangebot ablehnen

Bietet der Reiseveranstalter eine gleich- oder höherwertige Unterkunft an, müssen Sie das Angebot zwar nicht annehmen. Sie sollten es aber auch nicht vorschnell ablehnen und den Heimweg antreten. Das birgt ein Risiko.

Wollen Reisende nach Kündigung den Reisepreis zurück, kontern Veranstalter oft, der Reisende habe „treuwidrig“ gehandelt. Die Überbuchung sei nur Anlass oder der Joker, um die Reise vorzeitig zu beenden. Der Reisende verfolge mit der Kündigung eigentlich andere, nicht schutzwürdige Motive – wie die zusätzliche Forderung von Entschädigungsleistungen oder schlicht Reue, den Vertrag abgeschlossen zu haben.

Aber: Lassen Sie sich nicht verunsichern. Dieser Einwand ist nur ausnahmsweise begründet. Ist das Hotel nicht gleichwertig, können Sie den Urlaub abbrechen, ohne dass Ihnen der Vorwurf der Treuwidrigkeit gemacht werden kann (BGH, Urteil vom 11. Januar 2005, Az. X ZR 118/03).

Sie können zusätzlich eine Entschädigung verlangen

Zusätzlich zur Minderung oder Kündigung kann dem Urlauber eine Entschädigung zustehen, weil er seinen Urlaub aufgrund des Mangels nicht nutzen konnte (§ 651 Abs. 2 a.F. BGB, § 651n Abs. 2 BGB). Ein solcher Anspruch setzt voraus, dass nicht nur einzelne Reiseleistungen oder Tage vereitelt sind. Die Reise muss insgesamt erheblich beeinträchtigt sein. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Veranstalter auch dann eine Entschädigung zahlen muss, wenn der Reisende vier von zehn Reisetagen in einem unzumutbaren Hotel verbringen musste. Als Entschädigung musste der Veranstalter 600 Euro zahlen (BGH, Urteil vom 21. November 2017, Az. X ZR 111/16).

Bei Überbuchung des gewählten Urlaubsziels ist die Reise vereitelt, sofern der Kunde das Ersatzangebot ablehnt. Dem Kunden steht dann grundsätzlich ein Entschädigungsanspruch zu.

Wie hoch die Entschädigung ausfällt, richtet sich nach dem Preis der Reise und den verlorenen Urlaubstagen. Bleibt ein Urlauber wegen Überbuchung zu Hause, kann sich die Entschädigung auf die Hälfte des Reisepreises belaufen (BGH, Urteil vom 11. Januar 2005, Az. X ZR 118/03).

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So kommen Sie an Ihr Recht

Sie müssen schon vor Ort die Überbuchung angezeigt haben – am besten schriftlich, auch wenn Ihnen das etwas formalistisch vorkommt. Sie können dazu unseren Musterbrief Mängelanzeige vor Ort verwenden.

Haben Sie vor dem 1. Juli 2018 Ihre Reise gebucht, müssen Sie nach der Rückkehr innerhalb eines Monats wegen der Überbuchung schriftlich einen Teil des Reisepreises zurückfordern. Diese Ausschlussfrist gilt für Buchungen nach dem neuen Pauschalreiserecht nicht mehr.

Fordern Sie einen konkreten Betrag, bei dem Sie sich an der Frankfurter und Kemptener Tabelle orientieren. Für das Schreiben können Sie unseren Musterbrief Reisemängel Minderung verwenden und auf Ihre konkrete Reise anpassen.

Weigert sich der Veranstalter, einen Teil des Reisepreises zu erstatten, brauchen Sie Hilfe. Dazu können Sie sich an eine Verbraucherzentrale wenden, die nach einer Beratung auch den Schriftverkehr mit dem Unternehmen übernimmt.

Eine spezielle Anlauf- oder Schlichtungsstelle für Beschwerden zu Reiseverträgen gibt es nicht. Zuständig ist vielmehr die allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle

Sie können auch einen Rechtsanwalt beauftragen, der auf Reiserecht spezialisiert sein sollte. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, klären Sie vorab, ob sie die Kosten für den Anwalt und eventuell ein Gerichtsverfahren übernimmt.

Mehr dazu im Ratgeber Reisemängel reklamieren

Dr. Britta Schön
Finanztip-Rechtsexpertin

So reklamieren Sie Reisemängel

  • Zeigen Sie die Mängel unbedingt vor Ort an.
  • Sammeln Sie Beweise. Fotos und Zeugen sind hilfreich.
  • Beachten Sie die Monats-Frist, wenn Sie Erstattung verlangen.

» Zum Ratgeber

Zur Höhe der Erstattung

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.