Auszahlung der Direktversicherung

Wie Krankenkassenbeiträge Ihre Betriebsrente schmälern

Sara Zinnecker Stand: 14. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Basisfall, Verträge ab 2005: Wer noch in eine Direktversicherung anspart und gesetzlich krankenversichert ist, zahlt auf die spätere Betriebsrente oder Einmalauszahlung durchschnittlich 15,5 Prozent an Krankenkassenbeiträgen.
  • Variante 1: Wer eine Direktversicherung nach Ausscheiden aus dem Job privat bespart, zahlt später nur auf die echte Betriebsrente Krankenkassenbeiträge.
  • Variante 2: Wer eine Betriebsrente von rund 155 Euro oder weniger im Monat erwartet, zahlt wahrscheinlich keine Krankenkassenbeiträge auf die spätere Betriebsrente.
  • Fall Altvertrag: Wer seit 2004 oder früher monatlich in eine Direktversicherung einzahlt, zahlt Krankenkassenbeiträge auf die heutigen Beiträge und auf die spätere Rente.
  • Rente wie Einmalauszahlung müssen Sparer mit ihren persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern.
So gehen Sie vor
  • Basisfall, Verträge ab 2005: Damit sich die Direktversicherung trotz der Abgaben auf die Rente lohnt, fordern Sie mindestens 15 Prozent Zuschuss auf Ihre heutigen Beiträge von Ihrem Chef.
  • Variante 1: Lassen Sie sich vom Direktversicherer spätestens zu Rentenbeginn aufschlüsseln, welcher Teil Ihrer Rente eine private Leibrente ist. Berücksichtigen Sie als Rentner beides entsprechend in der Steuererklärung.
  • Variante 2: Fragen Sie bei der Krankenkasse nach der Höhe Ihrer Versorgungsbezüge. Wenn Sie als Rentner auf weniger als 155,75 Euro im Monat kommen (Stand 2019), zahlen Sie keine Abgaben.
  • Fall Altvertrag: Wägen Sie bei Rentenbeginn ab, ob Sie die steuerfreie Einmalauszahlung oder eine monatliche Rente beziehen wollen. Bei geringen Renten fallen keine Kassenbeiträge an. Die Steuer ist zu vernachlässigen.

Die Betriebsrente kann helfen, die gesetzliche Rente aufzustocken. Betriebliche Altersvorsorge in Deutschland ist gefördert: Wer Teile seines Bruttoeinkommens in eine Direktversicherung (Vertrag von 2005 oder jünger) einzahlt, spart sich auf diese Beiträge Steuern und Sozialabgaben (Entgeltumwandlung). Dafür werden bei der Rente oder Einmalauszahlung Steuern und Abgaben fällig.

Viele trifft es unerwartet: Von der späteren Betriebsrente gehen in aller Regel auch Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab. Und zwar in voller Höhe – also auch für den Teil, den während der Erwerbstätigkeit der Chef übernommen hatte. Sparer sollten die wichtigsten Regeln kennen.

Welche Abgaben fallen auf die Betriebsrente an?

Sparer sollten zwischen Sozialabgaben und Steuern unterscheiden. Wir betrachten Direktversicherungen, die von 2005 an geschlossen wurden.

Sozialabgaben

Rentner, die Mitglied in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert oder freiwillig versichert sind, zahlen auf die Betriebsrente den vollen Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) samt Zusatzbeitrag. 2019 sind das im Bundesdurchschnitt 15,5 Prozent.

Der Direktversicherer ist verpflichtet, Ihrer Krankenkasse zu Beginn der Rentenauszahlung Bescheid zu geben. In der Regel werden auch Sie aufgefordert, eine Erklärung abzugeben. Die Beiträge werden automatisch an die Krankenkasse abgeführt.

Dazu kommen in aller Regel noch 3,05 Prozent Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung für Rentner mit Kindern. 3,3 Prozent sind es für Rentner, die keine Kinder haben.

Die Abgaben fallen auch dann an, wenn Rentner sich ihr Guthaben aus der Direktversicherung auf einen Schlag auszahlen lassen. Die Abgaben werden dann über 10 Jahre gestreckt.

Steuern

Auf die Betriebsrente zahlen Sparer Einkommenssteuer. Weil der persönliche Einkommenssteuersatz im Alter meist niedriger als während des Berufslebens, sparen sich Rentner Steuern. Betriebsrenten aus einem neuen Direktversicherungsvertrag kommen in der Anlage R der Steuererklärung in Zeile 31.

Sie können sich das angesparte Kapital auch auf einmal auszahlen lassen, sofern Ihr Vertrag dieses Wahlrecht vorsieht. Sie müssen es dann jedoch voll versteuern. Der Bundesfinanzhof hat eine Steuerermäßigung ausgeschlossen (Az. X R 23/15). Bei der Kapitalauszahlung handelt es sich um sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nummer 5 Einkommensteuergesetz.

Sonderfall Abfindung

Wer früh aus dem Unternehmen ausscheidet und nur einen geringen Anspruch auf Betriebsrente erworben hat, kann sich für seine Ansprüche auch sofort abfinden lassen. Die spätere Betriebsrente darf 31,15 Euro (West) und 28,70 Euro (Ost) nicht überschreiten (Stand 2019). Die einschlägigen gesetzlichen Regelungen dafür sind sind § 3 BetrAVG und § 18 SGB IV.

Haben Sie geringe Rentenansprüche, doch liegen diese über den obigen Höchstbeträgen, fragen Sie bei der Personalabteilung oder beim Versicherer nach, ob Sie eine Ausnahmeregelung treffen können.

Wann lohnt die Direktversicherung?

Die hohen Sozialabgaben sind nicht der einzige Posten, der die spätere Auszahlung aus der Direktversicherung belastet. Verdienen Sie heute weniger als 6.700 Euro brutto im Monat (Stand 2019) und zahlen Sie Teile Ihres Gehalts steuer- und abgabenfrei in die Direktversicherung ein, müssen Sie später Einbußen bei der gesetzlichen Rente hinnehmen.

Damit sich die Betriebsrente aus einer Direktversicherung als Ganzes dennoch lohnt und Vergünstigungen Ihrer Beiträge heute nicht durch die Belastung (Abgaben und Einkommensteuer) der späteren Rente aufgefressen werden, sollten Sie Ihren Chef ins Boot holen. Er sollte Ihre Beiträge mit mindestens 15 Prozent bezuschussen, besser mehr. 

Zögert der Arbeitgeber, dann argumentieren Sie, dass er sich für jeden Euro, den Sie von Ihrem Gehalt umwandeln, ebenfalls Sozialabgaben spart. Zudem ist der Chef für bestehende Verträge ab 2022 ohnehin verpflichtet, 15 Prozent Zuschuss auf Ihre Beiträge zu geben. Das regelt das Betriebsrentengesetz von 2018.

Details und Rechnungen dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV).

In welchen Ausnahmefällen zahlen Sie weniger?

Zwar fällt auf die Betriebsrente aus der Direktversicherung der volle Krankenkassenbeitrag an. Doch gibt es einige Fälle, bei denen die Abgaben anders gehandhabt werden. Stellen Sie sicher, dass Sie alle wichtigen Punkte kennen, um aus Ihrer jeweiligen Situation das Beste herauszuholen.

Sie haben Ihre Direktversicherung privat weiter bespart

Führen Sie einen Direktversicherungsvertrag nach einem Jobwechsel privat weiter, zahlen Sie später nur auf die „echte“ Betriebsrente Sozialabgaben, also nur auf den Teil der Rente, den Sie während Ihrer Zeit beim Arbeitgeber angespart haben. Das hat das Bundesverfassungsgericht 2010 beschlossen (Az. 1 BvR 1660/08).

Wichtig dabei ist, dass Sie nach dem Jobwechsel den Versicherungsvertrag auf sich umschreiben lassen, also Sie selbst und nicht länger der Arbeitgeber Vertragsnehmer sind. Bleibt hingegen der ehemalige Arbeitgeber eingetragen, so bleibt es auch bei Ihrer Kassenbeitragspflicht – selbst wenn Sie als Arbeitnehmer die Beiträge privat bezahlen.

Um die anteiligen Krankenkassenbeiträge zu berechnen, müssen Sie sich vom Direktversicherer bescheinigen lassen, ab wann Sie die Versicherung selbst bezahlt haben und bis wann Ihr Arbeitgeber daran beteiligt war. Die Versicherungen haben diese Daten gespeichert.

Betriebsrente versus private Leibrente

Die Unterscheidung zwischen Betriebsrente und privater Leibrente ist auch für die Steuererklärung relevant. Betriebsrenten werden voll mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Sie gehören in der Anlage R in das Feld 31. Bei privaten Leibrenten hingegen ist nur der sogenannte Ertragsanteil steuerpflichtig. Wenn Sie mit 67 Jahren in Rente gehen, sind das 17 Prozent. Die private Rente gehört in Feld 15 der Anlage R.

Sie erwarten nur eine kleine Betriebsrente

Wenn Ihre künftigen monatlichen Versorgungsbezüge unter 155,75 Euro liegen (Stand 2019), zahlen Sie darauf keine Beiträge zur Krankenkasse und Pflegeversicherung.

Versorgungsbezüge sind offiziell alle Bezüge und Vorteile aus einem früheren Dienstverhältnis (§ 19 Abs. 2 EstG). Neben der Betriebsrente gehören dazu zum Beispiel auch Ruhegeld aus einem früheren Beamtenverhältnis, Hinterbliebenenrenten oder Renten aus verminderter Erwerbsfähigkeit. Bei den allermeisten Sparern dürften aber die Betriebsrenten der wichtigste Bestandteil der Versorgungsbezüge sein.

Welche Untergrenze für die Versorgungsbezüge gilt, richtet sich nach dem durchschnittlichen Bruttolohn aller Mitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 18 SGB IV). Die Grenze steigt in der Regel jedes Jahr ein wenig an. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob Ihre (voraussichtlichen) Versorgungsbezüge geringer sind als die gültige Untergrenze. Ist das der Fall, zahlen Sie keine Abgaben.

Welche Abgaben gibt es bei einem alten Vertrag?

Die Gesundheitsreform aus dem Jahr 2004 hat allen zugesetzt, die zu dem Zeitpunkt bereits mit einer Direktversicherung betrieblich vorsorgten: Damals hat der Gesetzgeber beschlossen, dass auf Betriebsrenten ab 2005 der volle Krankenkassenbeitrag anfällt. Das Problem: Sparer mit Verträgen, die sie vor 2005 geschlossen haben, bezahlen auf ihr umgewandeltes Gehalt bereits den Arbeitnehmeranteil an Sozialabgaben. Man spricht auch von Doppelverbeitragung.

Viel tun können Sparer mit solchen Altverträgen nicht. Lassen sie sich das angesparte Kapital auf einmal zum Rentenbeginn auszahlen, ist es nach wie vor steuerfrei. Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung – fast 20 Prozent – werden aber verteilt über zehn Jahre monatlich fällig und vom Konto eingezogen. Wer also beispielsweise 30.000 Euro aus seiner Direktversicherung erwartet, muss seine Abgabenpflicht zehn Jahre lang in Raten von etwa 50 Euro abstottern.

Sparer, die mur eine kleinere Summe angespart haben, fallen womöglich keine Abgaben an. Dazu müsste die angesparte Summe gerechnet auf zehn Jahre eine monatliche Betriebsrente von weniger als 155,75 Euro ergeben (Stand 2019). 

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

Zum Ratgeber

Autor
Sara Zinnecker

Stand: 14. Juni 2019


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