Mietrechtsschutz

Wann eine Mietrechtsschutzversicherung für Dich sinnvoll ist

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
30. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wohn- oder auch Mietrechtsschutz über eine Versicherung erhältst Du nur in Verbindung mit einer Privatrechtsschutzversicherung. Der Baustein „Wohnen“ verteuert Deine Rechts­schutz­ver­si­che­rung um etwa 30 Prozent.
  • Die Versicherung unterstützt Dich finanziell bei Streit rund ums Wohnen – als Mieter oder wenn Du im Eigenheim wohnst. Als Vermieter brauchst Du eine andere Versicherung.
  • Beim Mietrechtsschutz besteht üblicherweise eine Wartezeit von drei Monaten. Wenn er sofort oder rückwirkend gelten soll, wird es teuer.
  • Willst Du Dich nur gegen Rechtstreit als Mieter schützen, gibt es günstigere Alternativen, wie die Mitgliedschaft in einem Mieterschutzbund.
So gehst Du vor
  • Wenn Du eine private Rechts­schutz­ver­si­che­rung abschließen möchtest und zur Miete oder im Eigenheim wohnst, kannst Du den Baustein „Wohnen“ mitversichern.
  • Bei der Tarifauswahl sind die gesamten Leistungen in allen Bereichen wichtig.
  • Rechts­schutz­ver­si­che­rungen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis findest Du auf einem Vergleichsportal. Wir empfehlen Mr-Money und Check24.

Der Vermieter kündigt Eigenbedarf an, die Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung ist ungewöhnlich hoch oder Du hast Streit mit den Nachbarn. All diese Konflikte können viel Geld kosten, vor allem, wenn sie vor Gericht landen. Schön, wenn Du dafür nicht aufkommen musst, sondern Deine Rechts­schutz­ver­si­che­rung einspringt. Doch bist Du mit einer Mietrechtsschutzversicherung wirklich gut beraten?

Ist eine Mietrechtsschutzversicherung sinnvoll?

Viele Mieter haben im Laufe der Zeit einmal Probleme mit ihrem Vermieter. Einige Konflikte lassen sich schnell lösen, für andere brauchst Du professionellen Rat. Im schlimmsten Fall kann ein Mietrechtsstreit auch vor Gericht landen. Laut Deutschem Mieterbund gibt es in den örtlichen Beratungsstellen pro Jahr mehr als eine Million Beratungsfälle rund um die Mietwohnung. 3 Prozent davon landen vor Gericht.

Die fünf häufigsten Beratungs- und Prozessthemen in Mietervereinen 2020

 Beratungsthemen
Betriebskosten35,2 Prozent
Wohnungsmängel16,5 Prozent
Mieterhöhung12,7 Prozent

Allgemeine

Vertragsangelegen-

heiten

12,0 Prozent
Vermieterkündigung5,9 Prozent
 Mietrechtsprozesse
Vertragsverletzungen29,9 Prozent
Betriebskosten17,4 Prozent
Mietkaution16,9 Prozent
Mieterhöhung16,2 Prozent
Eigenbedarf7,6 Prozent

Quelle: Deutscher Mieterbund (Stand: 29. Dezember 2020)

Eine Mietrechtsschutzversicherung verspricht Dir, die Kosten, die durch einen solchen Streit verursacht werden, zu übernehmen. Jedoch kannst Du eine Mietrechtsschutzversicherung nicht einzeln abschließen, sondern nur in Verbindung mit einer Privatrechtsschutzversicherung.

Das macht sich natürlich auch bei der Beitragshöhe bemerkbar. Zunächst solltest Du also klären, ob eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung für Dich überhaupt sinnvoll ist. Mehr darüber erfährst Du in unserem Ratgeber zur Rechts­schutz­ver­si­che­rung.

Wenn Du eine Privatrechtsschutzversicherung abschließen möchtest, kann auch der Baustein „Wohnen“ für Dich interessant sein.

Was umfasst der Mietrechtsschutz?

Mit Mietrechtsschutz können sich Mieter, Pächter oder Wohnungseigentümer gegen die Kosten rechtlicher Streitigkeiten mit dem Vermieter oder den Nachbarn schützen. Zu den versicherten Streitfällen, die Dich als Mieter betreffen können, gehören:

  • Mieterhöhung
  • Eigenbedarfsanspruch / Kündigung des Mietvertrages
  • Mängel in der Wohnung
  • Probleme mit der Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung
  • Kautionsrückzahlung und Probleme beim Auszug
  • Streit mit Nachbarn (Ruhestörung)

Aber auch als Besitzer einer Wohnung oder eines Hauses, kann Ärger auf Dich zukommen. Als Eigentümer erhältst Du von der Wohnrechtsschutzversicherung ebenfalls Unterstützung bei Streit mit den Nachbarn, zum Beispiel wegen Grundstücksgrenzen beim Eigenheim oder auch hier wegen Ruhestörungen. Ebenfalls abgedeckt sind Streitigkeiten mit dem Finanzamt (zum Beispiel über Abfallgebühren). Abhängig vom Tarif können Streitigkeiten um Immobilien im Ausland, Streit mit Verwaltungsbehörden (Baugenehmigungen) oder Konflikte um Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen mitversichert sein.

Die Rechts­schutz­ver­si­che­rung übernimmt dabei gerichtliche und außergerichtliche Kosten:

  • Mietrechtsberatung (auch telefonisch)
  • Mediation (wenn vereinbart)
  • Anwaltsschreiben
  • Anwaltskosten
  • Gerichtskosten
  • Kosten für Gutachter oder Zeugen

Bevor Du einen Anwalt beauftragst, musst Du eine Deckungszusage einholen. Mit dieser bestätigt Dir die Versicherung, dass sie die notwendigen Kosten für den Rechtsstreit übernimmt.

Was ist im Mietrechtsschutz nicht mitversichert?

Nicht versichert sind zunächst Streitigkeiten, die Du als Vermieter hast. Dafür benötigst Du eine sogenannte Ver­mie­ter­rechts­schutz­ver­si­che­rung.

Hat Deine Versicherung die Deckungszusage abgelehnt, kannst Du dagegen zwar vorgehen, aber es kann passieren, dass die Kosten mit der Begründung geringer Erfolgschancen oder wegen Mutwilligkeit nicht übernommen werden. Auch wenn Du einen Anwalt beauftragst, bevor Du eine Deckungszusage erhalten hast, kann sich die Versicherung weigern zu zahlen.

Welche weiteren Leistungen im Einzelnen nicht enthalten sind, hängt vom Vertrag ab und ist in den Ver­si­che­rungs­be­din­gungen genau erklärt.

Ob die Versicherung zahlt, hängt vor allem davon ab, wann dieser Streit begann. Bei Mietrechtsschutz gilt generell eine Wartezeit von drei Monaten. Das heißt, die Versicherung übernimmt die Kosten erst dann, wenn der Streit frühestens drei Monate nach Vertragsabschluss entstand. Mietrechtsschutz ohne Wartezeit gibt es nur, wenn Du lückenlos von einem Vertrag in einen neuen gewechselt bist.

Einzelne Versicherer bieten „Sofort-Schutz“ an. Dabei musst Du jedoch einer Laufzeit von drei Jahren zustimmen und auch die Kosten sind mit 300 bis 650 Euro sehr hoch.

Was kostet eine Mietrechtsschutzversicherung?

Wieviel Du für Deinen Rechtsschutzvertrag zahlen musst, hängt ab von den vereinbarten Leistungen für die gesamte Versicherung. Der Baustein „Wohnen“ verteuert eine private Rechts­schutz­ver­si­che­rung um etwa ein Drittel. Aber auch Deine Lebensbedingungen, Alter, Berufsstand und Wohnort spielen eine Rolle.

Rechtsschutztarife mit Wohnrecht gibt es ab etwa 155 Euro pro Jahr für einen 30-jährigen Single in Leipzig. Familien zahlen etwa 18 Euro mehr. Wer in Berlin wohnt, muss als Alleinstehender 173 Euro zahlen, Familien sogar mindestens 192 Euro. Noch teurer kann es sein, wenn Du älter bist.

Da sich die Tarife in ihren Leistungen zum Teil stark unterscheiden, lohnt sich ein genauer Vergleich. Der Tarif, der die meisten Leistungen beinhaltet, muss nicht der teuerste sein, aber im günstigsten Angebot fehlen eventuell für Dich wichtige Leistungen, die ja auch andere Aspekte als den Bereich Wohnen betreffen können.

Welche Versicherung bietet guten Mietrechtsschutz?

Rechtsschutztarife sind sehr individuell. Daher gibt es nicht den einen sehr guten Tarif für alle. Um den passenden Tarif für Dich zu finden, empfehlen wir Mr- Money oder Check24 zu nutzen. Achte beim Vergleich darauf, dass der Tarif folgende Mindestkriterien erfüllt:

  • Telefonische Beratung ist kein kündigungsrelevanter Schadensfall
  • Mediation
  • Wenn Du eine Zweitwohnung hast, sollte auch die versichert sein

Darüber hinaus sollte der Tarif im Bereich Privatrecht noch weitere Kriterien erfüllen, die wir ausführlich im Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung erläutern. Hier erfährst Du auch, wie wir Vergleichsportale getestet haben.

Ist ein Mieterschutzbund besser als eine Versicherung?

Wenn Du nur Mietrechtsschutz absichern möchtest, lohnt sich eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung für mindestens 150 Euro pro Jahr eher nicht. Hinzu kommt, dass Du sie erst nach Ablauf der Wartezeit nutzen kannst. Hast Du zwei Rechtsschutzfälle in zwölf Monaten, kann Dir die Versicherung den Vertrag kündigen.

Statt umfangreichen Privatrechtsschutz abzuschließen, kann die Mitgliedschaft in einem Mieterschutzbund eine gute Alternative sein. Mit Beginn der Mitgliedschaft kannst Du direkt Leistungen in Anspruch nehmen, also ohne Wartezeit! Die Beiträge sind zudem günstiger als die einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung. Die Höhe hängt von Deinem Wohnort ab, liegt aber ungefähr zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr (für Menschen mit wenig Einkommen gibt es vergünstigte Beiträge). Flattert Dir eine dubiose Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung ins Haus oder eine Mieterhöhung, kannst Du Dir also direkt Hilfe holen. Mitglied wirst Du für ein oder zwei Jahre, danach kannst Du fristgerecht zum Ende des Vertragsjahres kündigen.

Als Mitglied erhältst Du persönliche Mietrechtsberatung von einer Anwältin, telefonische Erstberatung, Energieberatung oder Beratung bei Nachbarschaftskonflikten. Außerdem wirst Du beim Schriftverkehr mit Vermieter, Verwaltern und Behörden unterstützt. Du erhältst also alle außergerichtlichen Leistungen (außer Mediation), die Du bei der Wohnrechtsschutz bekommst.

Für die Unterstützung in Gerichtsprozessen, musst Du unter Umständen einen kleinen Mehrbetrag leisten, oft ist der aber bereits in den regulären Mitgliedsbeiträgen enthalten. Für diese Leistung gilt dann eine Wartezeit von drei Monaten.

Wenn Du akut und schnell Rechtshilfe benötigst und keine regelmäßigen Beiträge zahlen möchtest, kannst Du Dich auch an einen Rechtsdienstleister wenden. Hier wirst Du bei Streit rund um eine Kündigung, Kautionsrückzahlung oder Mieterhöhung unterstützt, sowie bei der Durchsetzung der Mietpreisbremse. Dafür musst Du zunächst gar nichts zahlen, eine Wartezeit gibt es auch nicht. Dafür prüfen Dienstleister wie wenigermiete.de zunächst die Erfolgsaussichten Deines Anliegens und verlangen am Ende ein Honorar, dessen Höhe von Deiner Ersparnis abhängt. Eine Empfehlung findest Du in unserem Ratgeber zur Mietpreisbremse.

Empfehlungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Wir haben von Mai bis Juli 2021 Vergleichsportale für Rechts­schutz­ver­si­che­rungen untersucht und verglichen, wo Du am besten einen passenden Tarif findest. Unsere Empfehlungen aus diesem Test sind:
 

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.