Energieeffizienzklasse

Energielabel A+ reicht nicht immer aus

Max Mergenbaum
& Co-Autor
Stand: 08. Februar 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Energieeffizienzlabels und -klassen sollen den Verbraucher in die Lage versetzen, energiesparende Geräte zu erwerben und die Umwelt zu schonen.
  • Seit der Einführung des Energieeffizienzlabels vor 20 Jahren wurde das Kennzeichensystem laufend angepasst.
  • Aktuell wird die Energieeffizienz mit den Klassen A (hohe Effizienz) bis G (niedrige Effizienz) bezeichnet. Zusätzlich wird in der Kategorie A zwischen A+ bis A+++ unterschieden.
  • Ab 2020 sollen Geräte im Handel nur noch anhand der Bezeichnung A bis G bewertet werden.
So gehen Sie vor
  • Die Energieeffizienzklassen unterscheiden sich je nach Produktgruppe. Auch innerhalb der einzelnen Stufen gibt es teils erhebliche Unterschiede. Finden Sie vor dem Kauf heraus, welche Effizienzklasse für die jeweilige Geräteart die beste ist, beispielsweise über die Internetplattform Ecotopten des Ökoinstituts.
  • Achten Sie beim Kauf neben dem Energielabel noch auf weitere Geräteeigenschaften wie Lebensdauer und zusätzlichen Ressourcenverbrauch.

Ein neuer Gerätekauf steht an, und Sie wollen Energie und damit Geld sparen? Energieeffizienzlabel können Ihnen die Kaufentscheidung erleichtern und sollen den Absatz energiesparender Produkte erhöhen.

Welche Energieeffizienzklassen gibt es?

Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es Energielabels für Haushaltsgeräte. Den Ausgangspunkt bildete eine EU-Richtlinie. Zunächst wurde der Energieverbrauch mit den Buchstaben A bis G gekennzeichnet. Die Kategorie A bekamen Geräte mit dem niedrigsten Energieverbrauch. Energiefresser landeten in der schlechtesten Kategorie G.

Unterschiede im Energieverbrauch wurden auch farblich kenntlich gemacht. Angelehnt an eine Verkehrsampel hat die beste Energieklasse A bis heute die Farbe Dunkelgrün, die schlechteste mit dem Buchstaben G die Farbe Rot.

Um zu bestimmen, welche Produkte der Kategorie A zugeordnet werden, wurde 1998 ein Referenzgerät festgelegt. Die mit dem Energielabel ausgezeichneten Produkte müssen seitdem einen geringeren Energieverbrauch als das Referenzgerät aufweisen. Da aufgrund des technischen Fortschritts bald viele Produkte die höchste Effizienzklasse erreichten, wurden diese schrittweise um die Einstufungen A+ bis A+++ ergänzt.

Darunter litt die Übersichtlichkeit des Energielabels. Denn für Verbraucher ist der Unterschied zwischen den einzelnen A-Niveaus nicht deutlich zu erkennen. Zusätzlich für Verwirrung sorgt, dass bei einzelnen Gerätegruppen die schlechten Energieklassen nicht mehr vorkommen. Bei Waschmaschinen beispielsweise gibt es nur noch die A-Labels.

Am 1. August 2017 trat die neue EU-Energielabel-Verordnung in Kraft, die eine Rückkehr zur A- bis G-Kennzeichnung vorsieht. Für Verbraucher werden diese Änderungen voraussichtlich erst Anfang 2020 im Handel sichtbar.

Muster eines Energieeffizienzlabels für Waschmaschinen

Welche Produkte sind mit Energieeffizienzklassen gekennzeichnet?

In Deutschland regeln das Energieverbrauchskennzeichnungsgesetz (EnVKG) und die Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVKV) die Vorgaben aus den EU-Richtlinien. Wichtig: Die Effizienzklassen werden für jede Gerätegruppe einzeln festgelegt.

Je geringer der Verbrauch im Vergleich zum jeweiligen Referenzgerät ausfällt, desto höher ist die Energieeffizienzklasse, in die das Gerät eingestuft wird. Verbraucher können dadurch Geräte innerhalb einer Produktgruppe miteinander vergleichen. Die Energieeffizienz verschiedener Gerätetypen lässt sich dagegen nicht miteinander ins Verhältnis setzen.

Außer der Energieeffizienzklasse enthält das Energielabel noch weitere Informationen über das betreffende Produkt. Neben der Angabe des jährlichen Stromverbrauchs sind meist auch Größe und Geräuschentwicklung ausgewiesen. Braucht das Gerät neben Strom noch weitere Energieträger wie Gas oder Wasser, ist deren Verbrauch ebenfalls aufgeführt.

Vergleichen lohnt sich daher immer. Für einen Stromvergleich empfehlen wir den folgenden Finanztip-Stromrechner:

Zum Stromrechner

Welche Haushaltsgeräte mit Energieeffizienzklassen gekennzeichnet werden, haben wir in der folgenden Tabelle für Sie zusammengefasst.

Energieeffizienzklassen Haushaltsgeräte

HaushaltsgerätEffizienzklassenZusatzinformationen
auf den Labels
WaschmaschineA+ bis A+++Wasserverbrauch, maximale Beladung, Schleuderwirkung, Geräuschentwicklung
WäschetrocknerA+++ bis DStromverbrauch pro Jahr, Gasverbrauch (bei Gasbetrieb), maximale Beladung, Geräuschentwicklung
KühlschrankA+++ bis GStromverbrauch pro Jahr, Kühl- bzw. Gefriervolumen, Geräuschentwicklung
Gefriertruhe, GefrierschrankA+++ bis Gjährlicher Stromverbrauch, Gefriervolumen, Geräuschentwicklung
GeschirrspülerA+++ bis Djährlicher Stromverbrauch, Trockenwirkungsklasse, Wasserverbrauch, Standardbeladung, Geräuschentwicklung
ElektrobacköfenA+++ bis DGröße des Garraumes, durchschnittlicher Energieverbrauch pro Zyklus (Umluft oder konventionelle Beheizung)
DunstabzugshaubenA++ bis E,
ab 2019: A++ bis D
jährlicher Stromverbrauch in kWh, Fettabscheidegrad, Geräuschentwicklung
Staubsaugerbis Januar 2019: A bis G,
ab Februar 2019: ohne Kennzeichnung
jährlicher Stromverbrauch, Staubemissionsklasse, Staubaufnahmeklasse (Hartboden und Teppichboden), Geräuschentwicklung
FernseherA++ bis Ejährlicher Stromverbrauch in kWh, echter Ausschalter vorhanden, Leistung in Watt, Bildschirmdiagonale
HeizgeräteA+ bis G,
ab 2019: A+++ bis D
Energieeinsatz, Heizleistung, Geräuschentwicklung
Warmwasserbereiter und -speicherVerbundanlage: A+++ bis G, (Solar-) Warmwasserbereiter A bis G, Warmwasserspeicher A+ bis Gjährlicher Stromverbrauch, Geräuschentwicklung, Eignung für den ausschließlichen Betrieb zu Schwachlastzeiten
elektrische Lampen und LeuchtenA++ bis ELeuchtmittel (Fachbegriff: Lampe): Stromverbrauch bei 1.000 Stunden Nutzungsdauer; Lampe (Fachbegriff: Leuchte): Einsatzzweck, Fassung für Leuchtmittel und deren Energieeffizienzklasse, wenn mitgeliefert.
Wohnraumlüftungsgeräte / RaumklimageräteA+++ bis GKühl- und Heizleistung Geräuschentwicklung Stromverbrauch bei 60 Minuten Volllastbetrieb

Quellen: Umweltbundesamt (Stand: 2013 bis 2018), Dena-Broschüre Das EU-Energielabel (Stand: November 2015)

Staubsauger vorerst ohne Energielabel im Handel

Seit Ende Januar 2019 kommen Staubsauger ohne Energielabel in den Handel. Grund dafür ist ein Rechtsstreit der EU-Kommission mit dem Unternehmen Dyson, welches beutellose Staubsauger herstellt. Die britische Firma hatte gegen das Testverfahren für die Vergabe des Energie-Labels Einspruch erhoben. Dabei wurden die Staubsauger mit leerem Beutel gemessen. Der Energieverbrauch der Geräte sei mit vollem Beutel höher, argumentierte Dyson und sah sich dadurch im Nachteil. Das Gericht der Europäischen Union gab dem Hersteller im November Recht.

Da die EU-Kommission darauf verzichtet hat, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen, ist die Verordnung, die die Kennzeichnung von Staubsaugern mit einem Energielabel vorsieht, Ende Januar ausgelaufen. Bis eine Neuregelung gefunden wird, können ab sofort auch Geräte ohne eine Kennzeichnung in den Handel kommen. Verbrauchern bleibt nichts anderes übrig, als Geräte mittels der vorhandenen Herstellerangaben zu vergleichen oder sich anhand von Produkttests im Internet zu informieren.

Auch Gebäude, Heizungen und Pkw werden gekennzeichnet

Das Energielabel findet sich nicht nur auf Haushaltsgeräten, sondern mittlerweile auch in anderen Bereichen. So sieht die Energieeinsparverordnung (EnEV) in bestimmten Fällen vor, dass die Energieeffizienz von Gebäuden anhand eines Energieausweises bewertet wird. Den brauchen Sie zum Beispiel, wenn Sie Ihr Haus verkaufen wollen. Ausstellen lassen müssen Sie sich den Ausweis auch nach einer Modernisierung – etwa im Zuge einer energetischen Sanierung. Durch einen solchen Umbau lassen sich langfristig Energieverbrauch und Kosten senken.

Seit Herbst 2015 gibt es außerdem Energielabels für Heizungen. Die meisten neuen Anlagen müssen ein Label tragen. Falls Sie sich zu einer neuen Heizanlage beraten lassen, sollte Sie Ihr Ansprechpartner auf die Energieeffizienzklasse der Anlage hinweisen.

Mittlerweile werden auch Kraftfahrzeuge mit dem Energielabel versehen. Kriterien für sparsame und klimaschonende Pkw sind der Kohlendioxid-Ausstoß (CO2-Ausstoß) und das Gewicht des Fahrzeugs. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert, dass das Label schwere Fahrzeuge bevorzuge und damit für Verbraucher als Informationsquelle ungeeignet sei.

Händler stufen Geräte selbst ein

Das EU-Energielabel wird nicht durch eine unabhängige Institution vergeben, sondern die Hersteller stufen die Geräte selbst ein. Die Verbraucherzentralen stellen regelmäßig Mängel bei der Kennzeichnung fest, wenn sie diese stichprobenartig überprüfen. Und die Stiftung Warentest fand 2017 heraus, dass das Energielabel bei Waschmaschinen nur die Effektivität des Eco-Programms angebe. Dabei unterschreiten viele Maschinen im Sparprogramm die angegebene Temperatur von 60 Grad und erreichen so gute Verbrauchswerte. Als erste Orientierungshilfe im Hinblick auf den Energieverbrauch ist das EU-Energielabel dennoch sinnvoll.

Worauf sollte ich beim Kauf eines neuen Gerätes achten?

Durch den technischen Fortschritt erreichen inzwischen immer mehr Geräte die höchste Effizienzklasse. Mit der Erweiterung der Kategorie A um die Stufen A+ bis A+++ verbesserte sich kaum etwas, da vielen Verbrauchern nicht bewusst ist, dass zwischen den einzelnen Stufen teils erhebliche Unterschiede im Energieverbrauch bestehen. Ein Kühlgerät der Klasse A+ verbraucht beispielsweise höchstens 41 Prozent der Energie des Referenzgerätes, ein Kühlgerät der Stufe A+++ nur höchstens 21 Prozent – fast halb so viel Energie.

Auch innerhalb der einzelnen Klassen gibt es eine Spannweite hinsichtlich des Energieverbrauchs. Ein Fernseher der Effizienzklasse B kann etwa zwischen 30 und 41 Prozent der Energie des Referenzgerätes verbrauchen.

Wenn Sie sich ein neues Gerät anschaffen wollen, achten Sie unbedingt auf ein sehr gutes Energieeffizienzlabel innerhalb der jeweiligen Produktgruppe. Wenn ein sparsames Gerät etwas mehr kostet als ein weniger sparsames, lohnt sich die Mehrausgabe über die Jahre in den meisten Fällen, weil Sie ja weniger Energiekosten haben – und nebenbei leisten Sie noch einen Beitrag zum Klimaschutz. Auf der Internetplattform Ecotopten des Öko-Instituts finden Sie Empfehlungen für besonders energiesparende Geräte.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Kaufentscheidung am besten auch noch andere Faktoren wie die Lebensdauer und den Verbrauch weiterer Energieträger beim Betrieb des Produktes. Auch die Herstellungsweise kann eine Rolle spielen, etwa, ob recycelte Materialien zum Einsatz gekommen sind.

Doch die effizienteste Technik hilft nichts, wenn sie nicht auch umweltbewusst genutzt wird. Wie Sie nicht nur durch den Kauf von Haushaltsgeräten, sondern auch bei deren Gebrauch im Alltag Stromkosten sparen können, haben wir in unseren Stromspartipps zusammengefasst.

Was ändert sich in den nächsten Jahren?

Seit die neue EU-Energielabel-Verordnung Anfang 2017 in Kraft trat, werden die Energieeffizienzklassen überarbeitet. Zunächst sollen die Einstufungen von Waschmaschinen, Kühlschränken, Geschirrspülern, TV-Geräten und Lampen und Leuchtmittel angepasst werden. Nach und nach kehren dann alle Produktgruppen zur alten A- bis G-Kennzeichnung zurück. Ziel ist, Ihnen als Verbraucher wieder eine übersichtliche Orientierungshilfe für Ihre Kaufentscheidung zu geben.

Ab 2019 sollen alle gekennzeichneten Produkte in eine von der EU-Kommission eingerichtete und gepflegte Online-Produktdatenbank eingetragen werden. Auf einen öffentlichen Teil der Datenbank können alle Verbraucher zugreifen. Das dürfte es Verbrauchern erleichtern, die Energieeffizienz von Produkten zu vergleichen – und die Behörden können damit die Produktlabels einfacher überwachen.

Autor
Max Mergenbaum
& Co-Autor
Jens Tartler

Stand: 08. Februar 2019


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