Einspeisevergütung

So nutzt Du Deine alte Solaranlage weiter

Benjamin Weigl
Finanztip-Experte für Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • Fällt Deine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge aus der EEG-Förderung, musst Du sie nicht vom Netz trennen: Du darfst weiterhin Strom einspeisen.

  • Der Netzbetreiber oder ein Abnehmer Deiner Wahl kaufen Dir den eingespeisten Strom ab. 2022 gibt es 7,55 Cent pro Kilowattstunde.

  • Nutze Deinen Solarstrom auch selbst, wenn möglich – er kostet Dich nur einen Bruchteil des Stroms aus dem Netz.

So gehst Du vor

  • Am günstigsten ist es, wenn Du Deinen Strom selbst nutzt. Die Umrüstung auf Eigenverbrauch ist schnell gemacht und kostet Dich etwa 100 Euro.

  • Überschüsse kannst Du an andere Unternehmen oder direkt an Verbraucher verkaufen, etwa Mieter im Haus. Unser Ratgeber liefert Dir dazu einen Überblick.

  • Beauftragst Du kein Unternehmen, Dir eingespeisten Strom abzunehmen, kauft ihn Dein Netzbetreiber. Dafür zahlt er Dir den Marktwert.

Bis zu 21 Jahre lang hast Du eine feste Vergütung für Deinen Solarstrom erhalten – zumindest, wenn Du ihn ins öffentliche Stromnetz speist. Im April 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft, kurz EEG. Für die ältesten Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen (PV-Anlagen) in Deutschland endete der zuverlässige Geldfluss Silvester 2020. Jedes Jahr fallen weitere Solaranlagen aus der Förderung; ihre Betreiber können damit nicht mehr die bisherige Einspeisevergütung oder eine andere Förderung nach EEG erhalten. Neujahr 2022 sind es rund 21.000 Anlagen; zu Jahresbeginn 2023 rund 18.000 PV-Systeme.

Wenn Deine Ü-20-Anlage noch sicher und gut arbeitet, lohnt es sich für Dich, sie weiter am Stromnetz zu betreiben. Du kannst den Strom selbst nutzen, aber auch weiterhin einspeisen – das EEG enthält dazu seit 2021 bestimmte Regeln. Mit welchen Einnahmen oder Ersparnissen Du rechnen kannst und auf was Du beim weiteren Betrieb der ausgeförderten Anlage zu achten hast, erklären wir hier.

Wie lange gibt's für Solarstrom die Einspeisevergütung?

Die EEG-Förderung kannst Du für 20 Jahre sowie für das Jahr der Inbetriebnahme beziehen. Maximal können das ganze 21 Jahre sein, wenn Deine Anlage am 1. Januar eines Jahres erstmals Solarstrom einspeiste. Dein Anspruch auf Einspeisevergütung endet genau zu Silvester, 20 Jahre nachdem Deine Anlage in Betrieb gegangen ist (§ 9 EEG 2000, § 12 Abs. 3 EEG 2004, § 21 EEG 2009, § 21 EEG 2012, § 22 EEG 2014, § 25 EEG 2017, § 25 EEG 2021).

Befristet ist dabei nicht nur der Anspruch auf die bisherige Höhe der Einspeisevergütung, sondern auch auf die sogenannte Marktprämie, die es seit April 2012 gibt. Den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom nimmt dabei nicht der Netzbetreiber ab, sondern ein von Dir bestimmter Direktvermarkter, der Dir auch die Erlöse zahlt. Einspeisevergütung und Marktprämie sind zwei unterschiedliche EEG-Förderungen, die beide identisch befristet sind. Die Marktprämie ist für Dich natürlich nur relevant, wenn Deine Anlage ab April 2012 in Betrieb ging und Du diese Vergütungsform gewählt hast.

Bis 2030 fallen mehr als 600.000 Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen aus der EEG-Förderung. Die meisten dieser Ü-20-Anlagen sind kleine Systeme auf Wohnhäusern, Ställen oder anderen kleineren Gebäuden mit maximal 10 Kilowatt Leistung. Wie viele Anlagen es jedes Jahr exakt sind, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die Zahlen in unserer Grafik beruhen auf den im Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter gemeldeten und noch in Betrieb befindlichen PV-Anlagen. Es gibt vermutlich aber noch mehr Altanlagen, als dem Register gemeldet wurden.

Was gilt bei Auslaufen der Einspeisevergütung?

Hat Deine PV-Anlage ihr Förderende erreicht, bedeutet das noch lange nicht, dass sie nicht weiter Strom produzieren kann. Das Förderende hat der Gesetzgeber nach 20 Jahren festgelegt, damit Anlagenbetreiber über diesen Zeitraum mit stabilen Einnahmen rechnen und sich für die Investition in eine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge entscheiden konnten. In der Regel sollte Deine Anlage ihre Investition locker wieder eingespielt haben, wenn die Einspeisevergütung nach EEG wegfällt.

Die 20 Jahre Förderende haben dagegen nicht zwingend etwas mit der Lebensdauer einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge zu tun. Die ältesten Systeme sind heute mehr als 30 Jahre in Betrieb. Vielleicht hat Deine Anlage im Laufe der Jahre einen neuen Wechselrichter gebraucht. Das ist aber kein Grund, die ganze Anlage stillzulegen. Wenn Deine Solaranlage noch gut funktioniert, kannst Du sie auch weiter am Stromnetz betreiben. Dabei hast Du weiterhin das Recht

  1. auf Einspeisung des erzeugten Solarstroms ins öffentliche Stromnetz. Das bedeutet, der Netzbetreiber darf Dir nicht verbieten, Strom einzuspeisen oder Deine Anlage einfach vom Netz trennen (§ 11 EEG 2021).
  2. auf Einspeisevorrang für Deine Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge. Das bedeutet, Deine Anlage darf bevorzugt mit anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen ins Stromnetz einspeisen. Herrscht ein Überangebot an Strom, regeln die Netzbetreiber zuerst die verzichtbaren konventionellen Kraftwerke ab.

Dagegen ändert sich die kaufmännische Abnahme von Strom mit dem Förderende – der Netzbetreiber muss Dir lediglich bis 2027 den eingespeisten Solarstrom abnehmen und vergüten. Alternativ kannst Du Dir selbst einen Abnehmer suchen. Unbenommen bleibt Dir, Deinen Strom auch selbst zu verbrauchen und lediglich Überschüsse ins Netz abzugeben.

Was, wenn Du nach Förderende weiter Strom einspeist?

Vor einem Szenario hat die Bundesnetzagentur bereits Anfang 2019 gewarnt: Wenn EEG-Anlagen nach dem Ende der Förderung weiter Strom einspeisen, ohne dass diese Strommengen einem Abnehmer zugeordnet sind, dann verlieren die Netzbetreiber wohl den Überblick über die Stromflüsse. Damit es nicht zum „wilden Einspeisen“ von Solarstrom kommt, nimmt der Gesetzgeber wieder die Netzbetreiber in die Pflicht.

Endet die EEG-Förderung Deiner Anlage und Du lässt den Jahreswechsel einfach an Dir vorbeiziehen, ordnet der Netzbetreiber Deine Anlage zum 1. Januar automatisch den ausgeförderten Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen zu (§ 21 Abs. 1 Nr. 3 EEG 2021). Damit hast Du gegenüber dem Netzbetreiber wieder einen Anspruch auf Einspeisevergütung – in Höhe des Jahresmarktwerts für Solarstrom (§ 23b EEG 2021). 2022 zahlen die Netzbetreiber 7,552 Cent pro Kilowattstunde.

Der Jahresmarktwert wird immer zu Beginn eines Jahres für selbiges bekannt gegeben und orientiert sich an den Monatsmittelwerten der Vergangenheit. Bis Anfang 2021 lag der Monatsmittelwert zwischen 2,7 und 4,5 Cent pro Kilowattstunde und stieg im zweiten Halbjahr 2021 auf mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde an – ähnlich zu den seit Herbst 2021 allgemein hohen Preisen an der Strombörse. 2022 ist der Monatsmittelwert weiterhin hoch.

Monatsmittelwert für Solarstrom im Jahr 

Monat

Wert in

Cent/kWh

Januar 20215,5
Februar 20215,0
März 20214,1
April 20214,6
Mai 20214,2
Juni 20216,9
Juli 20217,4
August 20217,7
September 202111,7
Oktober 202112,8
November 202118,3
Dezember 202127,1
Januar 202217,8
Februar 202211,9
März 202220,7
April 202214,6

Quelle: Übertragungsnetzbetreiber (Stand: 9. Mai 2022)
Es handelt sich um Marktwerte an der Strombörse Epex Spot. Die Werte sind auf eine Stelle nach dem Komma gerundet.

Vom Jahresmarktwert 2022 darf der Netzbetreiber noch 0,184 Cent pro Kilowattstunde für seinen Vermarktungsaufwand abziehen (§ 53 Abs. 2 EEG 2021). Für Dich bleiben damit immer noch mehr als 7 Cent für jede eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom.

Zählt ein intelligentes Messsystem den ins Netz eingespeisten Solarstrom, berechnet der Netzbetreiber nur die Hälfte des jeweils geltenden Abzugsbetrags. 2022 sind das 0,092 Cent pro Kilowattstunde. Die Investition in ein solches Messsystem ist aber hoch: Der freiwillige Einbau kostet etwa 300 Euro, und jedes Jahr fällt ein Entgelt von etwa 100 Euro an. Die Kosten variieren je nachdem, für welchen Mess­stel­len­be­trei­ber Du Dich entscheidest.

Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen mit mehr als 7 Kilowatt Leistung erhalten dabei ohnehin ein intelligentes Messsystem – es besteht eine Einbaupflicht für Anlagen dieser Größe. Dann gelten Höchstpreise: 100 Euro pro Jahr sind es bei bis zu 15 Kilowatt Leistung und 130 Euro bei bis zu 30 Kilowatt Leistung. Allerdings hat der Pflichteinbau intelligenter Messsystem bei PV-Anlagen im Frühling 2022 noch nicht begonnen. Dazu bedarf es noch einer Freigabe durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Die Regelung der weiteren Abnahme des Sonnenstroms durch den Netzbetreiber gilt für alle ausgeförderten Anlagen bis einschließlich 100 Kilowatt Leistung bis Ende 2027 (§ 25 Abs. 2 Nr. 1 EEG 2021) – unabhängig davon, wann Deine Anlage aus der Förderung fällt. Ab 2028 musst Du Dich um einen anderen Käufer für Deinen Strom kümmern. Andernfalls gilt dies als „schwarz einspeisen“ – und ist nicht erlaubt. Hast Du einen Vermarkter für Deinen Solarstrom, sollten die Erlöse etwa den Monatsmittelwerten entsprechen. Beauftragst Du 2022 einen Direktvermarkter, könntest Du auch mehr als 8 Cent pro Kilowattstunde verdienen. Wie Du einen solchen Vermarkter findest, erklären wir weiter unten.

Willst Du Deine PV-Anlage weiter betreiben, solltest Du sie nach Ablauf von 20 Jahren einer sicherheitstechnischen Kontrolle unterziehen. Das kostet bis zu 200 Euro. Außerdem solltest Du Deine Stromerträge weiter überwachen. Hinzu kommen Kosten für den Einspeisezähler, für die Ver­si­che­rung und eventuell für Reparaturen. Deine Betriebskosten liegen damit bei 100 bis 150 Euro pro Jahr. Die Einnahmen aus der Stromeinspeisung können diese Kosten decken, wenn die Anlage mindestens 3 Kilowatt Leistung hat. Aber auch dann erwirtschaftest Du nicht so viel Gewinn durch das Einspeisen, als Du durch den Eigenverbrauch des Stroms einsparst. 

Warum solltest Du Deinen Solarstrom selbst nutzen?

Am günstigsten ist es, den eigenen Solarstrom direkt selbst zu nutzen. Das gilt nicht nur, wenn Du eine neue PV-Anlage kaufen willst, sondern erst recht für eine ausgeförderte Anlage. Ist Deine Anlage refinanziert, produzierst Du den Strom praktisch nur zu den Betriebskosten – schließlich musst Du für Deinen „Brennstoff“, das Sonnenlicht, nichts zahlen.

Deinen Strom selbst zu nutzen, ist daher lukrativ. Ein Beispiel: Deine Drei-Kilowatt-Anlage erzeugt im Jahr rund 2.400 Kilowattstunden Strom. Ist Deine Anlage noch gut in Schuss, hast Du eine einmalige Investition von etwa 150 Euro, um die Anlage vom Installateur Deiner Wahl umklemmen zu lassen. Manche Kommunen, wie etwa Aachen, fördern die Umstellung auf Eigenverbrauch.

Daneben fallen Betriebskosten an: das Messstellenentgelt für den Einspeisezähler, die Ver­si­che­rung der Anlage und ihre regelmäßige Wartung. Rund 150 Euro sind dafür im Schnitt pro Jahr einzuplanen. Mit diesen vorausgesetzten Kosten würdest Du Solarstrom für 5 Cent pro Kilowattstunde produzieren, wenn Deine Anlage noch weitere zehn Jahre in Betrieb bleibt.

Wenn Du Deinen Strom selbst nutzt, sparst Du richtig viel. Schließlich liegt der Strompreis für Energie aus dem öffentlichen Netz bei rund 37 Cent pro Kilowattstunde – und ist damit siebenmal so teuer wie Dein eigener Strom.

Wie viel Du von Deinem eigenen Strom verbrauchen kannst, hängt davon ab, wie groß die PV-Anlage ist und wie hoch Dein Strombedarf ist. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Anlage und je größer Dein Bedarf, desto mehr eigenen Strom kannst Du nutzen.

Wenn wir beim Beispiel der Drei-Kilowatt-Anlage bleiben und Du im Jahr 4.000 Kilowattstunden benötigst, kannst Du von Deinen 2.400 Kilowattstunden Solarstrom rund 1.250 selbst nutzen. Das kostet Dich rund 63 Euro. Für die gleiche Strommenge aus dem Netz zahlst Du hingegen ein Mehrfaches – rund 440 Euro sind es bei einem Arbeitspreis von etwa 35 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus dem Netz. Durch Deinen Eigenverbrauch sparst Du damit mehr als 300 Euro im Jahr. Zusätzlich verdienst Du mit dem eingespeisten Strom von 1.150 Kilowattstunden etwas – rund 90 Euro sind es 2022.

Eigenverbrauch bei 3.000 Kilowattstunden Strombedarf pro Jahr

Leistung der

PV-Anlage

Eigenverbrauch
1 Kilowatt63 Prozent
2 Kilowatt45 Prozent
3 Kilowatt36 Prozent
4 Kilowatt29 Prozent
5 Kilowatt24 Prozent

Eigenverbrauch bei 4.000 Kilowattstunden Strombedarf pro Jahr

Leistung der

PV-Anlage

Eigenverbrauch
1 Kilowatt82 Prozent
2 Kilowatt63 Prozent
3 Kilowatt53 Prozent
4 Kilowatt46 Prozent
5 Kilowatt40 Prozent

Quelle: Finanztip-Abfrage des Unabhängigkeitsrechners der HTW Berlin (Stand: 22. September 2020)
Der Unabhängigkeitsrechner der HTW nimmt einen Stromertrag von 1.024 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung an. Da Altanlagen eher weniger Strom erzeugen als neu installierte, haben wir die Eigenverbrauchsquoten auf einen Ertrag von 800 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung umgerechnet.

Mit einem Batteriespeicher kannst Du den Eigenverbrauch noch erhöhen. Die Geräte sind aber bislang eher teuer. In München gibt es ein Förderprogramm für Stromspeicher, wenn diese den Strom aus bestehenden PV-Anlagen speichern. Allerdings kannst Du für einen Speicher keine Vorsteuer geltend machen, wenn Du den Speicher zur PV-Anlage nachrüstest. Das bedeutet: Du kannst Dir die Mehrwertsteuer auf den Speicher nicht zurückerstatten lassen. Da die Geräte netto mehrere Tausend Euro kosten, beträgt die Mehrwertsteuer allein schon locker 1.000 Euro.

Wichtig ist zudem, dass Du steuerrechtlich die Kleinunternehmerregelung wählst. Andernfalls zahlst Du Umsatzsteuer auf Deinen Eigenverbrauch. Schreibe daher Deinem Finanzamt, dass Du im laufenden oder kommenden Jahr in die Kleinunternehmerregel wechseln willst.

Ob Du Einkommensteuer zahlst, hängt davon ab, ob Du mit dem Betrieb Deiner ausgeförderten Anlage Gewinn erwirtschaftest. Als Wert musst Du für die gesamte Energiemenge – also selbst verbrauchten und eingespeisten Strom – den Jahresmarktwert für Solarstrom ansetzen. Sind Deine Betriebskosten höher, fällt keine Steuer an.

Für PV-Anlagen, die ab 2004 in Betrieb gingen und damit Ende 2024 aus der regulären EEG-Förderung fallen, besteht seit dem Jahr 2021 ein Wahlrecht hinsichtlich der Einkommensteuer. Neben dem Jahr der Inbetriebnahme müssen weitere Bedingungen erfüllt sein. Ist das bei Dir der Fall, behandelt das Finanzamt Deine Anlage als Liebhaberei, wenn Du es möchtest. Du musst dann die Solarerträge nicht in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung berücksichtigen und zahlst darauf auch keine Einkommensteuer.

Direktvermarkter für kleine, ausgeförderte PV-Anlagen

Vorgeschrieben ist die Direktvermarktung bislang für Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt Leistung. Ab dieser Größe lohnt sich die Vermarktung des Solarstroms auch erst stärker. Die Unternehmen, die sich mit der Vermarktung von Ökostrom beschäftigen, haben daher bislang auch eher wenig mit kleinen Systemen auf Wohnhäusern zu tun, die seit 2021 aus der EEG-Förderung fallen. Die Zahl der Anbieter, die es trotzdem macht, ist überschaubar. Weitere Unternehmen arbeiten an Konzepten.

Direktvermarktung unabhängig von der Anlagenleistung

Der Ökostromanbieter Grünpower beziehungsweise das Mutterunternehmen Inpower hat ein Konzept, jede ausgeförderte Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge unabhängig von ihrer Größe in die Direktvermarktung aufzunehmen. Den so eingekauften Strom liefert Grünpower an Kunden, die sich in einer Community zusammengeschlossen haben. Aber: Die im EEG vorgeschriebene Messtechnik macht es bei Kleinanlagen schwer, diese wirtschaftlich zu betreiben. Daher hat Grünpower sein Konzept vorerst auf Eis gelegt. Du kannst dennoch bei der Firma vorstellig werden – sie hält Dich dann auf dem Laufenden, wann die Direktvermarktung von Solarstrom aus Altanlagen startet.

Direktvermarktung für Anlagen ab 3 Kilowatt Leistung

Seit 2015 betreibt der Speicherhersteller Sonnen eine Community für Ökostrom. Zur Community gehören Betreiber von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen, Windkraftanlagen oder Biogasanlagen. Den Strom, den diese einspeisen, vermarktet Sonnen und liefert ihn an andere Mitglieder der Community – rein bilanziell versteht sich. Das heißt, Du bezahlst für Strom, den andere Community-Mitglieder erzeugen, aber tatsächlich geliefert wird der Strom aus einem Kraftwerk bei Dir in der Nähe.

Sonnen hat die Community für ausgeförderte Anlagen geöffnet, wenn diese mindestens 3 Kilowatt Leistung haben und wenn sich die Anlagenbetreiber einen Batteriespeicher von Sonnen zulegen. Kostenpunkt: rund 7.000 Euro für das kleinste Gerät mit 5,5 Kilowattstunden Speicherkapazität. Dafür installiert Sonnen das für die Direktvermarktung notwendige Messsystem auf eigene Kosten.

Für den eingespeisten Strom bekommst Du einen Teil Deines Strombezugs aus dem Netz kostenlos geliefert. Darüber hinaus kannst Du mit dem Speicher Teil eines virtuellen Kraftwerks von Sonnen werden und sogenannte Regelleistung bereitstellen. Diese rufen Netzbetreiber kurzfristig ab, um das Stromnetz zu stabilisieren. Das vergüten die Netzbetreiber und Du kannst mit dem Speicher Einnahmen erzielen – 77 Euro sind es bei einem 5,5-Kilowattstunden-Gerät. Da Du mit dem Speicher Umsatz erwirtschaftest, kann Du ihn auch Deiner unternehmerischen Tätigkeit zuordnen und Dir beispielsweise die Mehrwertsteuer auf den Speicherpreis vom Finanzamt zurückholen.

Mitglied der Community zu sein, bedeutet aber nicht nur, den eigenen Strom ins Netz zu speisen, sondern auch, über die Community benötigten Strom aus dem Netz zu beziehen. Das heißt, dass Du als Community-Mitglied einen Stromliefervertrag mit Sonnen abschließt. Die Grundgebühr pro Monat beträgt 9,90 Euro. Je nach eingespeister Strommenge erhältst Du ein Kontingent für Freistrom. Ist dieses aufgebraucht, berechnet Sonnen 26 Cent pro Kilowattstunde. Interessenten können online Kontakt aufnehmen.

Direktvermarktung durch Stadtwerke und andere Stromlieferanten

Die Stadtwerke Tübingen übernehmen den Solarstrom von ausgeförderten Anlagen, wenn diese mit dem Stromnetz der Stadtwerke verbunden sind. Zweite Voraussetzung ist, dass sich Anlagenbetreiber ihren Reststrom von den Stadtwerken liefern lassen. Den eingespeisten Solarstrom vergüten die Stadtwerke mit 7,5 Cent pro Kilowattstunde. Die Erlöse verrechnen sie direkt mit den Kosten für gelieferten Strom. Interessenten können sich online melden.

Weitere Stromlieferanten nehmen Ü-20-Anlagen in die Direktvermarktung auf, auch kleine Systeme, die nur Überschussstrom ins Stromnetz speisen. Exakte Konditionen erfährst Du bei diesen erst auf Anfrage, so etwa bei EWE oder den Städtischen Werken Kassel. Du kannst auch prüfen, ob Dein Stadtwerk vor Ort Strom von ausgeförderten PV-Anlagen vermarktet.

Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) hatten Ende 2020 ein Angebot für die eigenen Ökostromkunden. Insgesamt 250 Kunden konnten dieses nutzen – ihre Anlagen werden seither von EWS direkt vermarktet. Der Stromanbieter will künftig weitere PV-Anlagen in die Direktvermarktung aufnehmen. Dafür kannst Du Dich schon online registrieren.

Direktverkauf an Mieter oder Nachbarn

Lebst Du in einem Mehr­fa­mi­lien­haus, kannst Du Deinen Solarstrom auch direkt an Deine Mieter oder Nachbarn im Haus verkaufen – als Mieterstrom. Das ist auch eine Form der Direktvermarktung. Dabei musst Du die Mieter oder Nachbarn nicht komplett mit Strom versorgen. Du kannst ihnen auch lediglich Deine Überschüsse anbieten. Ihren restlichen Bedarf decken sie dann mit Strom aus dem Netz.

Interessant kann Dein Strom für die anderen sein, weil Du ihn deutlich günstiger anbieten kannst als jeder Lieferant, der die Energie über das Stromnetz transportiert. Nutzt Du nicht das Stromnetz für die Lieferung, fallen nur zwei Kosten an: für den gelieferten Solarstrom und für Deinen Aufwand. Führst Du Umsatzsteuer ab, ist noch die Mehrwertsteuer zu berechnen. Du kannst Deinen Solarstrom also für etwa 13 bis 16 Cent anbieten. Bis 30. Juni 2022 musst Du Deinen Kunden noch die EEG-Umlage berechnen und an den Übertragungsnetzbetreiber abführen.

Die Firma Pionierkraft bietet hierzu einen Service: Sie verbindet die Stromkreise Deiner Wohnung mit der Wohnung Deiner Mieter im Haus und installiert eine Box, die die Stromflüsse analysiert, steuert und grafisch aufbereitet. Produziert die PV-Anlage mehr Strom, als Du gerade benötigst, wandert der Strom nicht ins öffentliche Stromnetz, sondern zu den Nachbarn. Zusätzlich installierte Zähler messen, wie viel Solarstrom jeder Nachbar nutzt. Um die Abrechnung, das Abführen der EEG-Umlage und die Kommunikation mit der Bundesnetzagentur kümmert sich die Firma. Der Service kostet 50 Euro im Jahr sowie einmalig 2.000 Euro (netto) für die Box. Reststrom kommt weiterhin aus dem Netz von einem selbst gewählten Lieferanten. Auf Wunsch verlegt Pionierkraft auch ein Kabel von Deinem Haus zum Nachbarhaus – die Investition ist für Dich dann aber deutlich teurer.

Wie funktioniert der Wechsel in die Direktvermarktung?

Den Wechsel in die Direktvermarktung musst Du Deinem Netzbetreiber anzeigen (§ 21b Abs. 1 EEG 2017 bzw. § 21b Abs. 1 EEG 2021). In der Regel erledigt das der Direktvermarkter für Dich. Ein Wechsel ist dabei von Monat zu Monat möglich, muss aber spätestens zwei volle Kalendermonate vorher angezeigt werden. Das bedeutet: Schließt Du im Mai 2022 einen Vertrag mit einem Direktvermarkter, kann dieser Deinen Strom ab August 2022 verkaufen.

Du kannst mit Deiner PV-Anlage auch aus der Direktvermarktung wieder heraus und in die Einspeisevergütung für ausgeförderte Anlagen hineinwechseln. Die Einspeisevergütung auf Basis des Jahresmarktwerts für Solarstrom sollen die Netzbetreiber schließlich bis 2027 zahlen.

Deine Pflichten als Betreiber einer ausgeförderten PV-Anlage

Als Betreiber einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge hast Du auch weiterhin Pflichten gegenüber dem Netzbetreiber und dem Staat zu erfüllen.

  1. Beziehst Du Einspeisevergütung auf Basis des Jahresmarktwertes, musst Du bis 28. Februar eines Jahres dem Netzbetreiber übermitteln, wie viel Solarstrom Du im Vorjahr eingespeist hast. Dann erstellt er seine Abrechnung.
  2. Verbrauchst Du Deinen Strom auch selbst und fällt bis Ende Juni 2022 EEG-Umlage auf Eigenverbrauch an, musst Du dem Netzbetreiber bis zum 28. Februar eines Jahres mitteilen, wie hoch Dein Eigenverbrauch war. Dann berechnet er, wie viel EEG-Umlage Du zahlen musst. Letztmals musst Du das bis 28. Februar 2023 machen, da die EEG-Umlage ab Juli 2022 aus dem Bundeshaushalt bezahlt wird.
  3. Vergrößerst oder verkleinerst Du Deine Anlage, musst Du die neue Leistung ins Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter eintragen.
  4. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Solarstrom musst Du in der Steu­er­er­klä­rung berücksichtigen. Wie das geht, erklären wir im Ratgeber PV-Steuer.
  5. Nimmst Du Deine Anlage außer Betrieb, musst Du dies auch dem Markt­stamm­da­ten­re­gis­ter mitteilen.

Das Dach kannst Du erneut belegen und eine neue PV-Anlage kaufen. Der Installationsbetrieb für die neue Anlage kann die alte Anlage womöglich gleich abbauen. Module, Wechselrichter und alle anderen Komponenten der Anlage nehmen die Entsorgungshöfe kostenlos zurück.

Autor
Ines Rutschmann