Einspeisevergütung

So nutzt Du Deine alte Solaranlage weiter

Ines Rutschmann 18. Dezember 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Fällt Deine Photovoltaikanlage aus der EEG-Förderung, musst Du sie nicht vom Netz trennen: Du darfst weiterhin Strom einspeisen.

  • Der Netzbetreiber oder ein Abnehmer Deiner Wahl kaufen Dir den eingespeisten Strom ab. Du kannst mit 2 bis 4 Cent pro Kilowattstunde rechnen.

  • Nutze Deinen Solarstrom auch selbst, wenn möglich – er kostet Dich nur einen Bruchteil des Stroms aus dem Netz.

So gehst Du vor
  • Hast Du keinen anderen Abnehmer für eingespeisten Strom, nimmt ihn Dein Netzbetreiber ab. Er zahlt Dir den Marktwert.

  • Alternativ kannst Du Deinen Strom an andere Unternehmen oder direkt an Verbraucher verkaufen, etwa andere Mieter im Haus. Unser Ratgeber liefert Dir dazu einen Überblick.

  • Am günstigsten ist es, wenn Du Deinen Strom selbst nutzt. Die Umrüstung auf Eigenverbrauch ist schnell gemacht und kostet Dich etwa 100 Euro.

Bis zu 21 Jahre lang hast Du eine feste Vergütung für Deinen Solarstrom erhalten – zumindest, wenn Du ihn ins öffentliche Stromnetz speist. Im April 2000 trat das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft, kurz EEG. Für die ältesten Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) in Deutschland endet der zuverlässige Geldfluss Silvester 2020. Und jedes Jahr fallen weitere Solaranlagen aus der Förderung; ihre Betreiber können damit nicht mehr die bisherige Einspeisevergütung oder eine andere Förderung nach EEG erhalten.

Wenn Deine Anlage noch sicher und gut arbeitet, lohnt es sich für Dich, sie weiter am Stromnetz zu betreiben. Du kannst den Strom selbst nutzen, aber auch weiterhin einspeisen – das EEG enthält dafür neue Regelungen, die ab 2021 gelten sollen. Notwendig ist dafür noch die Zustimmung der Europäischen Kommission. Mit welchen Einnahmen oder Ersparnissen Du dann rechnen kannst und auf was Du beim weiteren Betrieb der ausgeförderten Anlage zu achten hast, erklären wir hier.

Wie lange bekommst Du für Solarstrom die Einspeisevergütung?

Die EEG-Förderung kannst Du für 20 Jahre sowie für das Jahr der Inbetriebnahme beziehen. Maximal können das ganze 21 Jahre sein, wenn Deine Anlage am 1. Januar eines Jahres erstmals Solarstrom einspeiste. Dein Anspruch auf Einspeisevergütung endet genau zu Silvester, 20 Jahre nachdem Deine Anlage in Betrieb gegangen ist (§ 9 EEG 2000, § 12 Abs. 3 EEG 2004, § 21 EEG 2009, § 21 EEG 2012, § 22 EEG 2014, § 25 EEG 2017, § 25 EEG 2021).

Befristet ist dabei nicht nur der Anspruch auf die bisherige Höhe der Einspeisevergütung, sondern auch auf die sogenannte Marktprämie, die es seit April 2012 gibt. Den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom nimmt dabei nicht der Netzbetreiber ab, sondern ein von Dir bestimmter Direktvermarkter, der Dir auch die Erlöse zahlt. Einspeisevergütung und Marktprämie sind zwei unterschiedliche EEG-Förderungen, die beide identisch befristet sind. Die Marktprämie kann Dich natürlich nur betreffen, wenn Deine Anlage ab April 2012 in Betrieb ging und Du diese Vergütungsform gewählt hast.

Bis 2030 fallen mehr als 400.000 Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung. Die meisten davon sind kleine Anlagen auf Wohnhäusern mit maximal 10 Kilowatt Leistung. Wie viele Anlagen es jedes Jahr exakt sind, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Die Zahlen in unserer Grafik beruhen auf den im Marktstammdatenregister gemeldeten PV-Anlagen. Es gibt aber vermutlich deutlich mehr Altanlagen, als das Register anzeigt.

Was gilt bei Auslaufen der Einspeisevergütung?

Hat Deine PV-Anlage ihr Förderende erreicht, bedeutet das noch lange nicht, dass sie nicht weiter Strom produzieren kann. Das Förderende hat der Gesetzgeber nach 20 Jahren festgelegt, damit Anlagenbetreiber über diesen Zeitraum mit stabilen Einnahmen rechnen und sich für die Investition in eine Photovoltaikanlage entscheiden konnten. In der Regel sollte Deine Anlage ihre Investition locker wieder eingespielt haben, wenn die Einspeisevergütung nach EEG wegfällt.

Die 20 Jahre Förderende haben dagegen nicht zwingend etwas mit der Lebensdauer einer Photovoltaikanlage zu tun. Die ältesten Systeme sind heute 30 Jahre in Betrieb. Vielleicht hat Deine Anlage im Laufe der Jahre einen neuen Wechselrichter gebraucht. Das ist aber kein Grund, die ganze Anlage stillzulegen. Wenn Deine Solaranlage noch gut funktioniert, kannst Du sie auch weiter am Stromnetz betreiben. Dabei hast Du weiterhin das Recht

  1. auf Einspeisung des erzeugten Solarstroms ins öffentliche Stromnetz. Das bedeutet, der Netzbetreiber darf Dir nicht verbieten, Strom einzuspeisen oder Deine Anlage einfach vom Netz trennen (§ 11 EEG 2021).
  2. auf Einspeisevorrang für Deine Photovoltaikanlage. Das bedeutet, Deine Anlage darf gemeinsam mit anderen Erneuerbare-Energien-Anlagen ins Stromnetz einspeisen. Herrscht ein Überangebot an Strom, regeln die Netzbetreiber zuerst die verzichtbaren konventionellen Kraftwerke ab.

Dagegen ändert sich die kaufmännische Abnahme von Strom mit dem Förderende – der Netzbetreiber muss Dir lediglich bis 2027 den eingespeisten Solarstrom abnehmen und vergüten. Alternativ kannst Du Dir selbst einen Abnehmer suchen. Unbenommen bleibt Dir, Deinen Strom auch selbst zu verbrauchen und lediglich Überschüsse ins Netz abzugeben.

Was, wenn Du nach Förderende weiter Strom einspeist?

Vor einem Szenario hat die Bundesnetzagentur bereits Anfang 2019 gewarnt: Wenn EEG-Anlagen nach dem Ende der Förderung weiter Strom einspeisen, ohne dass diese Strommengen einem Abnehmer zugeordnet sind, dann verlieren die Netzbetreiber wohl den Überblick über die Stromflüsse. Damit es nicht zum „wilden Einspeisen“ von Solarstrom kommt, will die Bundesregierung die Netzbetreiber wieder in die Pflicht nehmen.

Endet die EEG-Förderung Deiner Anlage und Du lässt den Jahreswechsel einfach an Dir vorbeiziehen, ordnet der Netzbetreiber Deine Anlage zum 1. Januar automatisch den ausgeförderten Photovoltaikanlagen zu (§ 21 Abs. 1 Nr. 3 EEG 2021). Damit hast Du gegenüber dem Netzbetreiber wieder einen Anspruch auf Einspeisevergütung – in Höhe des Jahresmarktwerts für Solarstrom (§ 23b EEG 2021). Dieser lag in den vergangenen Jahren zwischen 2,7 und 4,5 Cent pro Kilowattstunde. Davon darf der Netzbetreiber noch 0,4 Cent pro Kilowattstunde für seinen Vermarktungsaufwand abziehen (§ 53 Abs. 2 EEG 2021). Für Dich blieben damit etwa 2 bis 4 Cent für jede eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom. Ab 2022 gelten Entgelte, die per Verordnung noch festgelegt werden.

Zählt ein intelligentes Messsystem den ins Netz eingespeisten Solarstrom, zieht der Netzbetreiber nur 0,2 Cent pro Kilowattstunde ab. Die Investition in ein solches Messsystem ist aber hoch: Der freiwillige Einbau kostet etwa 300 Euro und jedes Jahr fällt ein Entgelt von etwa 100 Euro an. Die Kosten variieren je nachdem, für welchen Messstellenbetreiber Du Dich entscheidest. Photovoltaikanlagen mit mehr als 7 Kilowatt Leistung erhalten verpflichtend ein intelligentes Messsystem. Dann gelten Höchstpreise: 100 Euro pro Jahr sind es bei bis zu 15 Kilowatt Leistung und 130 Euro bei bis zu 30 Kilowatt Leistung.

Diese Regelung der weiteren Abnahme des Sonnenstroms durch den Netzbetreiber soll für alle ausgeförderten Anlagen bis einschließlich 100 Kilowatt Leistung bis Ende 2027 gelten (§ 25 Abs. 2 Nr. 1 EEG 2021) – unabhängig davon, wann Deine Anlage aus der Förderung fällt. Ab 2028 musst Du Dich um einen anderen Käufer für Deinen Strom kümmern. Andernfalls gilt dies als „schwarz einspeisen“ – und ist nicht erlaubt.

Willst Du Deine PV-Anlage weiter betreiben, solltest Du sie nach Ablauf von 20 Jahren einer sicherheitstechnischen Kontrolle unterziehen. Das kostet bis zu 200 Euro. Außerdem solltest Du Deine Stromerträge weiter überwachen. Hinzu kommen Kosten für den Einspeisezähler, für die Versicherung und eventuell für Reparaturen. Deine Betriebskosten liegen damit bei 100 bis 150 Euro pro Jahr. Die Einnahmen aus der Stromeinspeisung können diese Kosten decken, wenn die Anlage mindestens 4 Kilowatt Leistung hat. Aber auch dann erwirtschaftest Du nicht viel Gewinn mit dem weiteren Betrieb, wenn Du Deinen Strom komplett einspeist.

Warum solltest Du Deinen Solarstrom selbst nutzen?

Am günstigsten ist es, den eigenen Solarstrom direkt selbst zu nutzen. Das gilt nicht nur, wenn Du eine neue PV-Anlage kaufen willst, sondern erst recht für eine ausgeförderte Anlage. Ist Deine Anlage refinanziert, produzierst Du den Strom praktisch nur zu den Betriebskosten – schließlich musst Du für Deinen „Brennstoff“, das Sonnenlicht, nichts zahlen.

In eher seltenen Fällen kann neben den Betriebskosten noch die EEG-Umlage auf Dich als Eigenverbraucher zukommen – wenn Deine Anlage mehr als 30 Kilowatt Leistung hat und Du mehr als 30.000 Kilowattstunden selbst verbrauchst. Befreit bist Du von der Zahlung aber, wenn Deine Anlage schon vor August 2014 eigenverbrauchsfähig war. Hat Deine Anlage mehr als 30 Kilowatt und rüstest Du sie erst zum Ende der EEG-Förderung um, musst Du die EEG-Umlage in Höhe von 40 Prozent bei mehr als 30.000 Kilowattstunden Eigenverbrauch zahlen (§ 61 Abs. 2 EEG 2021). 2021 beträgt die EEG-Umlage 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Dein Anteil liegt damit bei 2,6 Cent. Deinen Eigenverbrauch musst Du mit einem Zähler erfassen, damit die EEG-Umlage berechnet werden kann.

Deinen Strom selbst zu nutzen, ist lukrativ. Ein Beispiel: Deine Drei-Kilowatt-Anlage erzeugt im Jahr rund 2.400 Kilowattstunden Strom. Ist Deine Anlage noch gut in Schuss, hast Du eine einmalige Investition von etwa 100 Euro, um die Anlage vom Installateur Deiner Wahl umklemmen zu lassen. Daneben fallen Betriebskosten an: das Messstellenentgelt für den Einspeisezähler, die Versicherung der Anlage und ihre regelmäßige Wartung. Rund 150 Euro sind dafür im Schnitt pro Jahr einzuplanen. Diese Kosten vorausgesetzt produzierst Du Solarstrom für 5 Cent pro Kilowattstunde, wenn Deine Anlage noch weitere zehn Jahre in Betrieb bleibt.

Zu diesem Preis kannst Du den Strom eher schwer am Markt verkaufen. Aber wenn Du Deinen Strom selbst nutzt, sparst Du richtig viel. Schließlich liegt der Strompreis für Energie aus dem öffentlichen Netz bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde – und ist damit sechsmal so teuer wie Dein eigener Strom.

Wie viel Du von Deinem eigenen Strom verbrauchen kannst, hängt davon ab, wie groß die PV-Anlage ist und wie hoch Dein Strombedarf ist. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Anlage und je größer Dein Bedarf, desto mehr eigenen Strom kannst Du nutzen.

Wenn wir beim Beispiel der Drei-Kilowatt-Anlage bleiben und Du im Jahr 4.000 Kilowattstunden benötigst, kannst Du von Deinen 2.400 Kilowattstunden Solarstrom rund 1.250 selbst nutzen. Das kostet Dich rund 63 Euro. Für die gleiche Strommenge aus dem Netz zahlst Du hingegen ein Mehrfaches – 325 Euro sind es bei einem Arbeitspreis von 26 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus dem Netz. Durch Deinen Eigenverbrauch sparst Du damit rund 260 Euro im Jahr. Zusätzlich verdienst Du mit dem eingespeisten Strom von 1.150 Kilowattstunden ein wenig – 20 bis 50 Euro können es sein.

Eigenverbrauch bei 3.000 Kilowattstunden Strombedarf pro Jahr

Leistung der PV-AnlageEigenverbrauch
1 Kilowatt63 Prozent
2 Kilowatt45 Prozent
3 Kilowatt36 Prozent
4 Kilowatt29 Prozent
5 Kilowatt24 Prozent

Eigenverbrauch bei 4.000 Kilowattstunden Strombedarf pro Jahr

Leistung der PV-AnlageEigenverbrauch
1 Kilowatt82 Prozent
2 Kilowatt63 Prozent
3 Kilowatt53 Prozent
4 Kilowatt46 Prozent
5 Kilowatt40 Prozent

Quelle: Finanztip-Abfrage des Unabhängigkeitsrechners der HTW Berlin (Stand: 22. September 2020)

Der Unabhängigkeitsrechner der HTW nimmt einen Stromertrag von 1.024 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung an. Da Altanlagen eher weniger Strom erzeugen als neu installierte, haben wir die Eigenverbrauchsquoten auf einen Ertrag von 800 Kilowattstunden pro Kilowatt Leistung umgerechnet.

Den Eigenverbrauch erhöhen kannst Du noch mit einem Batteriespeicher. Die Geräte sind noch eher teuer, aber in Sachsen, Schleswig-Holstein und München gibt es Förderprogramme für Stromspeicher, wenn diese den Strom aus bestehenden PV-Anlagen speichern. Allerdings kannst Du für einen Speicher keine Vorsteuer geltend machen, wenn Du den Speicher zur PV-Anlage nachrüstest. Das bedeutet: Du kannst Dir die Mehrwertsteuer auf den Speicher nicht zurückerstatten lassen. Da die Geräte netto mehrere Tausend Euro kosten, beträgt die Mehrwertsteuer allein schon locker 1.000 Euro.

Wichtig ist zudem, dass Du steuerrechtlich die Kleinunternehmerregelung wählst. Andernfalls zahlst Du Umsatzsteuer auf Deinen Eigenverbrauch. Schreibe daher Deinem Finanzamt, dass Du im laufenden oder kommenden Jahr in die Kleinunternehmerregel wechseln willst.

Ob Du Einkommensteuer zahlst, hängt davon ab, ob Du mit dem Betrieb Deiner ausgeförderten Anlage Gewinn erwirtschaftest. Als Wert musst Du für die gesamte Energiemenge – also selbst verbrauchten und eingespeisten Strom – den Jahresmarktwert für Solarstrom ansetzen. Sind Deine Betriebskosten höher, fällt keine Steuer an.

Direktvermarkter für kleine, ausgeförderte PV-Anlagen

Vorgeschrieben ist die Direktvermarktung bislang für Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt Leistung. Ab dieser Größe lohnt sich die Vermarktung des Solarstroms auch erst stärker. Die Unternehmen, die sich mit der Vermarktung von Ökostrom beschäftigen, haben daher bislang auch eher wenig mit kleinen Systemen auf Wohnhäusern zu tun, die ab 2021 zu Tausenden aus der EEG-Förderung fallen. Die Zahl der Anbieter ist deshalb überschaubar. Aber: Weitere Unternehmen arbeiten an Konzepten und warten teilweise nur noch, bis das neue EEG verabschiedet ist und in Kraft tritt. Wir werden Dir berichten, wenn es neue Angebote gibt.

Direktvermarktung unabhängig von der Anlagenleistung

Der Ökostromanbieter Grünpower beziehungsweise das Mutterunternehmen Inpower nimmt jede Photovoltaikanlage unabhängig von ihrer Größe in die Direktvermarktung auf. Den so eingekauften Strom liefert Grünpower an Kunden, die sich in einer Community zusammengeschlossen haben. Erste Anlagen, deren EEG-Förderung Ende 2020 ausläuft, befinden sich bereits in der Direktvermarktung von Inpower.

Für eingespeisten Strom zahlt das Unternehmen den Marktwert für Solarstrom des jeweiligen Monats. Für den Aufwand erhebt die Firma einen monatlichen Beitrag von 9,75 Euro. Lässt Du Dir den Reststrom von Grünpower liefern, sinkt der Monatsbeitrag für die Direktvermarktung auf 4,75 Euro. Interessenten finden weitere Informationen direkt bei Grünpower.

Direktvermarktung für Anlagen ab 3 Kilowatt Leistung

Seit 2015 betreibt der Speicherhersteller Sonnen eine Community für Ökostrom. Zur Community gehören Betreiber von Photovoltaikanlagen, Windkraftanlagen oder Biogasanlagen. Den Strom, den diese einspeisen, vermarktet Sonnen und liefert ihn an andere Mitglieder der Community – rein bilanziell versteht sich. Das heißt, Du bezahlst für Strom, den andere Community-Mitglieder erzeugen, aber tatsächlich geliefert wird der Strom aus einem Kraftwerk bei Dir in der Nähe.

Nun öffnet Sonnen die Community für ausgeförderte Anlagen, wenn diese mindestens 3 Kilowatt Leistung haben und wenn sich die Anlagenbetreiber einen Batteriespeicher von Sonnen zulegen. Kostenpunkt: rund 7.000 Euro für das kleinste Gerät mit 5,5 Kilowattstunden Speicherkapazität. Dafür installiert Sonnen das für die Direktvermarktung notwendige Messsystem auf eigene Kosten.

Für den eingespeisten Strom bekommst Du einen Teil Deines Strombezugs aus dem Netz kostenlos geliefert. Darüber hinaus kannst Du mit dem Speicher Teil eines virtuellen Kraftwerks von Sonnen werden und sogenannte Regelleistung bereitstellen. Diese rufen Netzbetreiber kurzfristig ab, um das Stromnetz zu stabilisieren. Das vergüten die Netzbetreiber und Du kannst mit dem Speicher Einnahmen erzielen – 77 Euro sind es bei einem 5,5-Kilowattstunden-Gerät. Da Du mit dem Speicher Umsatz erwirtschaftest, kann Du ihn auch Deiner unternehmerischen Tätigkeit zuordnen und Dir beispielsweise die Mehrwertsteuer auf den Speicherpreis vom Finanzamt zurückholen.

Mitglied der Community zu sein, bedeutet aber nicht nur, den eigenen Strom ins Netz zu speisen, sondern auch, über die Community benötigten Strom aus dem Netz zu beziehen. Das heißt, dass Du als Community-Mitglied einen Stromliefervertrag mit Sonnen abschließt. Die Grundgebühr pro Monat beträgt 9,90 Euro. Je nach eingespeister Strommenge erhältst Du ein Kontingent für Freistrom. Ist dieses aufgebraucht, berechnet Sonnen 26 Cent pro Kilowattstunde. Interessenten können online Kontakt aufnehmen.

Direktvermarktung für Anlagen ab 10 Kilowatt Leistung

Die Firma Lumenaza ist spezialisiert auf die Direktvermarktung von Ökostrom und hat bislang mehr als 1.000 Photovoltaikanlagen im Portfolio sowie andere Erneuerbare-Energien-Anlagen. Mindestens 10 Kilowatt Leistung sollte eine Solarstromanlage haben, damit sie Lumenaza in die Vermarktung aufnimmt. Die Firma entscheidet jedoch von Fall zu Fall, ob sich der Verkauf der eingespeisten Strommengen wirklich lohnt. Für den Einbau des notwendigen Messsystems und den Messstellenbetrieb zahlst Du. Kostenpunkt: etwa 300 Euro einmalig für den Einbau und rund 100 Euro im Jahr für den Messstellenbetrieb.

Direktvermarktung für bestimmte Anlagenbetreiber

Die Stadtwerke Tübingen nehmen den Solarstrom aus ausgeförderten Anlagen, wenn diese mit dem Stromnetz der Stadtwerke verbunden sind. Zweite Voraussetzung ist, dass sich Anlagenbetreiber ihren Reststrom von den Stadtwerken liefern lassen. Den eingespeisten Solarstrom vergüten die Stadtwerke mit 6 Cent pro Kilowattstunde. Die Erlöse verrechnen sie direkt mit den Kosten für gelieferten Strom. Interessenten können sich online melden.

Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) haben ein Angebot für die eigenen Ökostromkunden: EWS kauft die ins Netz gespeisten Strommengen ausgeförderter Anlagen auf und zahlt höhere Erlöse als marktüblich – 6 Cent pro Kilowattstunde, wenn die Anlage bis zu 15 Kilowatt Leistung hat; 5 Cent pro Kilowattstunde bei größeren Systemen bis 100 Kilowatt Leistung. Notwendig ist noch der Einbau eines intelligenten Messsystems. Die Netto-Kosten für den Einbau übernimmt EWS. Anlagenbetreiber haben das jährliche Messstellenentgelt von mindestens 100 Euro netto zu tragen. Das Angebot ist begrenzt – annehmen können es insgesamt 250 Stromkunden von EWS und zwar online.

Direktverkauf an Mieter oder Nachbarn

Lebst Du in einem Mehrfamilienhaus, kannst Du Deinen Solarstrom auch direkt an Deine Mieter oder Nachbarn im Haus verkaufen – als Mieterstrom. Das ist auch eine Form der Direktvermarktung. Dabei musst Du die Mieter oder Nachbarn nicht komplett mit Strom versorgen. Du kannst ihnen auch lediglich Deine Überschüsse anbieten. Ihren restlichen Bedarf decken sie dann mit Strom aus dem Netz.

Interessant kann Dein Strom für die anderen sein, weil Du ihn deutlich günstiger anbieten kannst als jeder Lieferant, der die Energie über das Stromnetz transportiert. Nutzt Du nicht das Stromnetz für die Lieferung, fallen nur drei Kosten an: die EEG-Umlage, die Kosten für den gelieferten Solarstrom und die Kosten, die Dir als Energieversorger entstehen. Führst Du Umsatzsteuer ab, ist noch die Mehrwertsteuer zu berechnen. Du kannst Deinen Solarstrom also für etwa 15 bis 18 Cent anbieten.

Wie funktioniert der Wechsel in die Direktvermarktung?

Den Wechsel in die Direktvermarktung musst Du Deinem Netzbetreiber anzeigen (§ 21b Abs. 1 EEG 2017 beziehungsweise § 21b Abs. 1 EEG 2021). In der Regel erledigt das der Direktvermarkter für Dich. Ein Wechsel ist dabei von Monat zu Monat möglich, muss aber spätestens im Vor-Vor-Monat des Wechsels angezeigt werden. Das bedeutet: Schließt Du im Januar 2021 einen Vertrag mit einem Direktvermarkter, kann dieser Deinen Strom ab März verkaufen.

Du kannst mit Deiner PV-Anlage auch aus der Direktvermarktung wieder heraus und in die Einspeisevergütung für ausgeförderte Anlagen hineinwechseln. Die Einspeisevergütung auf Basis des Jahresmarktwerts für Solarstrom sollen die Netzbetreiber schließlich bis 2027 zahlen.

Deine Pflichten als Betreiber einer ausgeförderten PV-Anlage

Als Betreiber einer Photovoltaikanlage hast Du auch weiterhin Pflichten gegenüber dem Netzbetreiber und dem Staat zu erfüllen.

  1. Beziehst Du Einspeisevergütung auf Basis des Jahresmarktwertes, musst Du bis 28. Februar eines Jahres dem Netzbetreiber übermitteln, wie viel Solarstrom Du im Vorjahr eingespeist hast. Dann erstellt er seine Abrechnung.
  2. Verbrauchst Du Deinen Strom auch selbst, musst Du dem Netzbetreiber einmalig mitteilen, dass Du Eigenverbraucher bist und unter die Bagatellgrenze von 30 Kilowatt Leistung zur Zahlung der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch fällst. Sollte Deine Anlage größer sein, musst Du dem Netzbetreiber bis zum 28. Februar eines Jahres mitteilen, wie hoch Dein Eigenverbrauch war. Dann berechnet er, wie viel EEG-Umlage Du zu zahlen hast.
  3. Hast Du Deine Anlage noch nicht dem Marktstammdatenregister gemeldet, solltest Du dies bis 31. Januar 2021 nachholen – dann endet die Frist für noch nicht gemeldete Photovoltaikanlagen. Vergrößerst oder verkleinerst Du Deine Anlage, musst Du die neue Leistung auch dem Marktstammdatenregister mitteilen.
  4. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Solarstrom musst Du in der Steuererklärung berücksichtigen. Wie das geht, erklären wir im Ratgeber PV-Steuer.
  5. Nimmst Du Deine Anlage außer Betrieb, musst Du dies auch dem Marktstammdatenregister mitteilen.

Hat Deine alte PV-Anlage ausgedient, kannst Du das Dach erneut belegen und eine neue PV-Anlage kaufen. Der Installationsbetrieb für die neue Anlage kann die alte Anlage womöglich gleich abbauen. Module, Wechselrichter und alle anderen Komponenten der Anlage nehmen die Entsorgungshöfe kostenlos zurück.

Autor
Ines Rutschmann

18. Dezember 2020


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