Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung

Gut gewappnet bei Reiseabbrüchen

Max Mergenbaum
Finanztip-Experte für Reise

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung springt ein, wenn Du Deine Reise nicht wie geplant antreten kannst, etwa weil Du unerwartet schwer krank wirst, einen Unfall hattest oder Deine Wohnung abgebrannt ist.
  • In anderen Fällen zahlt die Ver­si­che­rung dagegen nicht, zum Beispiel, wenn Du eine chronische Erkrankung hast, die sich verschlechtert hat, oder Du Deine Reise aus Angst vor dem Coronavirus stornierst. 
  • Eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung lohnt sich vor allem bei teuren Reisen sowie für Senioren oder Familien mit kleinen Kindern.

So gehst Du vor

  • Eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung solltest Du immer separat von Deiner Reise- oder Flugbuchung abschließen. Oft ist ein Jahresvertrag günstiger als ein Einzelvertrag. 
  • Entscheide Dich für einen Kombi-Tarif aus Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherung.
  • Du kannst die Ver­si­che­rung bis zu 30 Tage vor Reisebeginn abschließen. Wenn Du die Frist verpasst, musst Du noch am Tag Deiner Reisebuchung die Ver­si­che­rung erwerben.
  • Empfehlenswerte Tarife für Singles und Familien gibt es bei der Travelsecure (Tarif Topschutz oder Reisekarte4you Basispaket). Für Einzelreisen empfehlen wir alternativ die Allianz Travel (Tarif Reiserücktritt-Vollschutz) und die Signal Iduna (Tarif Reiserücktritts- und Ab­bruchs­kos­ten­ver­si­che­rung).

Neueste Entwicklung bei der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung: Seit unserem letzten Vergleich 2020 haben sich die Kosten für Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rungen leicht erhöht.

Corona-Schutz: Unsere drei Emp­feh­lungen leisten auch, wenn Du schwer an Covid-19 erkrankst. Die persönliche Quarantäne behandeln sie unterschiedlich. 

Wenn der lang ersehnte Urlaub doch noch ins Wasser fällt, ist nicht nur die erhoffte Erholung dahin. Oft ist auch Dein Geld für die Reise futsch, weil Du kurzfristig stornieren musstest. Mit einer Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung bekommst Du zumindest in einigen Fällen Dein Geld zurück.

Am besten schaust Du Dich unabhängig von Deiner Urlausbuchung nach einem guten Tarif um – und versicherst gleich den Fall mit, dass Du am Urlaubsort Deine Reise abbrechen musst. In diesem Ratgeber zeigen wir Dir, worauf Du achten musst – und in welchen Fällen die Ver­si­che­rungen auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zahlen.

Wann zahlt die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung?

Die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung (oder: Rei­se­rück­tritts­kos­ten­ver­si­che­rung) zahlt, wenn Du Deine Reise absagen musst. Als Grund akzeptieren die Anbieter meist eine plötzlich auftretende Krankheit, einen schweren Unfall oder den Tod eines Angehörigen. Gute Ver­si­che­rungen decken noch mehr Fälle ab, beispielsweise den Bruch von Prothesen oder wenn Du eine wichtige Prüfung an einer Schule oder Universität nachholen musst (siehe Tabelle unten). Gute Ver­si­che­rungen leisten auch, wenn das öffentliche Verkehrsmittel, mit dem Du zum Bahnhof oder Flughafen fährst, verspätet ist und Du deshalb Deinen Anschluss verpasst. Oft muss es sich aber um eine erhebliche Verspätung von mindestens zwei, manchmal auch vier Stunden handeln.

Verpasst Du dagegen Deinen Flieger, weil die Schlange am Check-In zu lange ist oder sich die Sicherheitskontrollen hinauszögern, ist das kein Fall für die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung – Du hast aber womöglich Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft. Dafür musst Du jedoch rechtzeitig, gemäß der Emp­feh­lung Deiner Airline, am Flughafen sein und Dich am besten auch schon online eingecheckt haben. 

Auch Flugangst oder Stau auf der Autobahn sind kein Fall für die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung. 

Welche Fälle die Ver­si­che­rung abdeckt

immer versichert

nur in manchen Tarifen versichert

unerwartete, schwere ErkrankungBruch von Prothesen
Todesfall in der FamilieAusfall eines Herzschrittmachers
schwerer Unfall unerwarteter Termin zur Organspende
unerwartete ImpfunverträglichkeitEinreichung der Scheidung
SchwangerschaftWiederholung einer Prüfung in Schule oder Uni
schwerer Schaden am Eigentum (zum Beispiel Haus abgebrannt)unerwartete Adoption eines Kindes
unerwarteter Verlust des Arbeitsplatzes erhebliche Verspätung eines öffentlichen Verkehrsmittels
Arbeitsplatzwechsel 

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Februar 2022)

Üblicherweise muss der Ver­si­che­rungsfall zwei Eigenschaften aufweisen: Einerseits muss das Ereignis so schwerwiegend sein, dass Dir die Reise nicht zugemutet werden kann, und anderseits muss es unerwartet auftreten. Wann diese Voraussetzungen als erfüllt gelten, ist in den Ver­si­che­rungs­be­din­gungen oft nicht eindeutig definiert. So ist es häufig Auslegungssache, ob eine Krankheit schwer ist und nicht vorhersehbar war. Deshalb gibt es oft Streit mit der Ver­si­che­rung.

Zahlt die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung auch bei Corona? 

Seit Beginn der Corona-Pandemie fragen sich viele Urlauber, ob sie sich für den Fall versichern können, dass ihre Reise aufgrund von Corona beeinträchtigt wird. Intuitiv scheint die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung dafür ideal zu sein. Die Praxis sieht aber anders aus.

Schutz bei Corona-Infektion

Gute Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rungen leisten auch im Falle einer Infektion mit Covid-19. Aber nicht alle. Nach wie vor enthalten einige Reiseversicherungen eine Klausel, die Leistungen im Fall einer Pandemie, wie bei Covid-19, ausschließt: Reiserücktritt oder Reiseabbruch wegen Corona sind dann nicht versichert. Das ist zum Beispiel bei der von uns untersuchten ERGO Reiseversicherung so, zumindest im Basistarif. Damit eine schwere Erkrankung am Coronavirus ebenfalls zu den versicherten Gründen zählt, musst Du eine Zusatzversicherung abschließen.

Die von uns emp­foh­lenen Tarife von Travelsecure, Allianz Travel und Signal Iduna haben entweder keine Pandemieklausel oder behandeln Covid-19 als Ausnahme. Alle drei Anbieter haben uns gegenüber bestätigt zu leisten, wenn Du unerwartet und schwer am Coronavirus erkranken solltest. Mehr Infos zu jeder einzelnen unserer Emp­feh­lungen findest Du weiter unten im Ratgeber.

Schutz bei persönlicher Quarantäne

Gute Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rungen leisten auch, wenn Du in persönliche Quarantäne musst, weil Du zuletzt Kontakt mit einer Person hattest, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Die genauen Regelungen sind von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich, so auch bei unseren Emp­feh­lungen: Bei der Travelsecure kannst Du die persönliche Quarantäne per Schutzbrief extra versichern und bei der Allianz Travel ist dieser Ver­si­che­rungsfall bei Neuverträgen miteingeschlossen. Nur bei der dritten Emp­feh­lung, der Signal Iduna, kannst Du die persönliche Quarantäne derzeit überhaupt nicht versichern (Stand: 1. Februar 2022). Mehr Infos dazu findest Du bei unseren Emp­feh­lungen.

Wann die Ver­si­che­rung nicht zahlt

In vielen Situationen, in denen die Corona-Pandemie Deine Reise beeinträchtigt, leistet die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung nicht. Hier die drei wichtigsten Fälle:

  1. Die Angst davor, am Virus zu erkranken, reicht bei keiner Ver­si­che­rung aus, um bei einer Stornierung die Gebühren erstattet zu bekommen.
  2. Auch eine wegen Covid-19 ausgesprochene Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist kein Ver­si­che­rungsfall. Allerdings können dann zumindest Pauschalreisende unter Umständen nach dem Reiserecht kostenlos stornieren. 
  3. Regionale und überregionale Quarantänemaßnahmen sind ebenfalls nicht in der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abgesichert – ob zuhause oder am Reiseort. Wenn Du nicht reisen kannst, weil Dein ganzer Wohnblock unter Quarantäne gestellt wird, ist das kein Ver­si­che­rungsfall. Ebenso wenig, wenn ein Bundesland in Deutschland oder Dein Zielland im Ausland eine Einreise nur erlaubt, wenn Du Dich danach in Quarantäne begibst. Diese Fälle gelten als „höhere Gewalt“, die vom Ver­si­che­rungs­schutz ausgenommen sind. Das gleiche gilt für Einreisesperren.

Wann lohnt sich eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung?

Falls Du eine gebuchte Reise nicht antrittst, musst Du in der Regel einen Teil des Reisepreises trotzdem bezahlen. Wie hoch diese Stornokosten genau sind, steht in den Allgemeinen Reisebedingungen (ARB) des Reiseveranstalters. Sie richten sich meist danach, wie lange vor dem Reisebeginn Du die Reise abgesagt hast, oft sind die Gebühren gestaffelt. Wenn Du beispielsweise eine Pauschalreise 30 Tage vor Reisebeginn stornierst, liegen die Kosten im Schnitt bei 40 Prozent, kurz vor Reisebeginn können sie schon bei 90 Prozent liegen. Bei teuren Reisen kann sich eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung daher lohnen. In einigen Ausnahmefällen kannst Du als Pauschalreisender auch kostenlos von Deiner Reise zurücktreten. Welche das sind, erfährst Du in unserem Ratgeber zum Thema Reiserücktritt.

Stellst Du Deine Reise dagegen individuell zusammen, hast Du unter Umständen niedrigere Stornokosten. So erlauben einige Hotelketten ihren Gästen, bis einen Tag vor der Anreise oder am Anreisetag zu stornieren.

Allein für Flüge ist eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung oft unnötig. Sofern Du Deinen Flug ausfallen lässt, kannst Du von der Fluggesellschaft in jedem Fall Steuern und Gebühren zurückverlangen. Es besteht sogar die Chance, die gesamten Ticketkosten erstattet zu bekommen, wenn die Fluggesellschaft nicht nachweist, wie hoch der Schaden tatsächlich ist, der durch die Stornierung entstanden ist. Dabei spielt es keine Rolle, warum Du nicht geflogen bist. Je früher Du den Flug stornierst, desto größer ist außerdem die Chance, dass die Airline den Sitzplatz noch anderweitig vergeben kann.

Laut Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen lagen die durchschnittlichen Kosten für eine Auslandsreise im Jahr 2019 bei etwa 1.400 Euro. Ein Verlust in dieser Höhe bedroht zwar nicht Deine Existenz, kann aber ein großes Loch in Deine Haushaltskasse reißen. Eine einzelne Reise für eine vierköpfige Familie in dieser Höhe abzusichern, würde gerade einmal 50 bis 60 Euro kosten. Andererseits: Wer sein „Reiseleben“ lang auf die Ver­si­che­rung verzichtet und dann vielleicht einmal die Stornokosten selbst trägt, dürfte insgesamt günstiger fahren.

Fazit: Eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung macht vor allem bei teuren Reisen Sinn. Zum Beispiel bei einer Traumreise, auf die Du sehr lange gespart hast. Ebenfalls sinnvoll ist die Ver­si­che­rung für Personen, die ein höheres Stornorisiko haben, zum Beispiel Familien mit kleinen Kindern oder Senioren.

Als Schutz vor hohen Stornokosten, falls Deine Reise wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fällt, eignet sich die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung dagegen nur bedingt. Überlege Dir lieber, ob Du während der Corona-Pandemie eine teure Reise lieber verschiebst oder etwas mehr Geld für einen Flextarif zahlst, mit dem Du zum Beispiel Deine Unterkunft bis kurz vor Reiseantritt stornieren kannst. 

Wann Du Geld zurück bekommst, wenn Deine Reise wegen des Coronavirus ausfällt und was Du bei Deiner Urlaubsplanung während der Corona-Pandemie berücksichtigen solltest, kannst Du in unserem Ratgeber Coronavirus und Reisen nachlesen.

Was solltest Du beim Abschluss beachten?

Reiseversicherungen werden Dir oft als Extra bei Buchungsportalen, Fluggesellschaften oder Kreditkarten angeboten. Solche Policen haben aber selten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die Betreiber setzen darauf, dass die Kunden aus einem schnellen Impuls heraus die Option anklicken.

Nicht immer lässt sich sofort erkennen, dass die Ver­si­che­rung gleich für ein ganzes Jahr läuft und sich dann automatisch Jahr für Jahr verlängert, wenn Du nicht kündigst. Viele Tarife beinhalten außerdem eine Selbstbeteiligung und nehmen nicht am Schlich­tungs­ver­fahr­en des Ver­si­che­rungs­om­buds­manns teil. Bekommst Du dann Probleme mit Deiner Ver­si­che­rung, kannst Du nicht von der kostenlosen Vermittlung durch den Ombudsmann profitieren.

Bei Kreditkarten greift die Ver­si­che­rung oft nur, wenn Du die Reiseleistungen damit bezahlt hast. Nicht immer sind Partner oder Familienmitglieder mitversichert. Zudem musst Du Dir auch eine neue Ver­si­che­rung suchen, wenn Du Deine Kreditkarte kündigst.

Wir raten daher davon ab, Reiseversicherungen im Paket zu buchen. Nimm Dir lieber einen Moment Zeit, um Deine Ver­si­che­rung getrennt von Deiner Reise abzuschließen.

Wenn für Dich eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung infrage kommt, solltest Du beim Abschluss auf folgende Punkte achten:

Reiseabbruch mitabsichern

Wer das Geld für eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung ausgibt, sollte sich gleich gegen alle Notfälle wappnen und auch den Reiseabbruch versichern. Falls Du Deine Reise vorzeitig abbrechen musst, erstattet die Ver­si­che­rung die Kosten für nicht genutzte Reiseleistungen wie gebuchte Ausflüge. Außerdem kommt sie für zusätzliche Kosten bei der Rückreise oder bei einem längeren Aufenthalt auf.

In folgenden Fällen hast Du in der Regel Anspruch, diese Kosten erstattet zu bekommen:

  • unerwartete schwere Erkrankung oder schwere Unfallverletzung
  • Tod eines Angehörigen oder der versicherten Person
  • Impfunverträglichkeit oder Bruch einer Prothese
  • erheblicher Schaden an Deinem Eigentum (zum Beispiel durch einen Wohnungsbrand oder Sturmschäden)

Preise von Jahresverträgen prüfen

Ein Jahresvertrag sichert alle Reisen innerhalb eines Jahres ab – jede einzelne maximal bis zu dem beim Abschluss angegebenen Reisepreis. Bei Familientarifen sind auch die Reisen einzelner Familienmitglieder versichert. Wenn Du oft verreist, solltest Du daher einen Jahresvertrag in Betracht ziehen. Häufig kann sich sogar bei teureren Einzelreisen ein Jahresabo lohnen.

Kosten1 bei einem versicherten Reisepreis von ... Euro je Reise

für Familien3.500 €6.000 €
Einzelreise158 €330 €
Jahresvertrag137 €187 €

Tarif Travelsecure Tarif „Topschutz“ für Einzelreisen und Jahrestarif „Reisekarte4you Basispaket“, Reiseziel weltweit, ohne Selbstbehalt, zwei Personen unter 64 Jahren und zwei Kinder unter 18 Jahren
Quelle: Würzburger Ver­si­che­rung (Stand: 4. Februar 2022)

Ab einem Reisewert von etwa 3.500 Euro war in der Finanztip-Stichprobe im Juli 2020 ein Jahresvertrag günstiger als die Einzelreise-Versicherung. Vor dem Abschluss solltest Du daher alle Möglichkeiten durchprobieren und Preise vergleichen.

Achtung: Ein Jahresvertrag verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn Du ihn nicht rechtzeitig kündigst. Es zählt der Tag, an dem die Kündigung beim Versicherer eingeht. Bei unserer ersten Emp­feh­lung, dem Jahrestarif „Reisekarte4you Basispaket“ der Travelsecure, musst Du drei Monate vor Ende des Ver­si­che­rungsjahres kündigen, damit sich Dein Vertrag nicht automatisch verlängert. Sowohl den Vollschutz-Jahrestarif der Allianz Travel als auch die Jahres-Reiserücktritts- und Ab­bruchs­kos­ten­ver­si­che­rung der Signal Iduna kannst Du bis einen Monat vor Ablauf des Ver­si­che­rungs­schutzes kündigen – wir empfehlen diese beiden Verträge als Alternative zu unserer ersten Emp­feh­lung.

Als Paar oder Familie den Familientarif wählen

Für Paare und Familien lohnen sich meist Familientarife. Doch jeder Anbieter definiert anders, wer noch zur Familie gehört oder wer als Paar gezählt wird. So gelten bei der Travelsecure Paare als Familie, die einen gemeinsamen Wohnsitz haben. Manche Anbieter bestehen beim Familientarif dagegen weder auf ein Verwandtschaftsverhältnis noch auf einen gemeinsamen Wohnsitz.

Besonders groß ist der Vorteil von Familientarifen allerdings für Familien mit Kindern. Denn Kinder sind auch dann versichert, wenn sie ohne die Eltern Urlaub machen.

Sollen ältere Kinder mitversichert werden, lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte. Bei der Travelsecure sind Kinder bis zum 25. Geburtstag mitversichert. Dagegen brauchen Kinder bei der Allianz Travel und der Signal Iduna bereits ab dem 21. Geburtstag einen eigenen Vertrag.

Auf Ausschlüsse achten

Gerade was die Corona-Leistungen angeht, solltest Du genau ins Kleingedruckte schauen. Die meisten Versicherer leisten nicht, wenn zum Zeit­punkt der Buchung oder der Einreise eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Dein Urlaubsland gilt. Viele Anbieter machen für wegen Covid-19 ausgesprochene Reisewarnungen aber eine Ausnahme. Das gleiche gilt für die bereits erwähnte Pandemieklausel. Deine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung sollten in diesem Fall eine Ausnahme für die Covid-19-Infektion machen, auch wenn die WHO das Virus als pandemisch eingestuft hat. Auch für den Fall, dass Dein Anbieter die persönliche Quarantäne versichert, gelten oft bestimmte Voraussetzungen. 

Was für unsere Emp­feh­lungen gilt, kannst Du weiter unten im Text zu jedem Anbieter nachlesen. 

Versicherer nehmen, der beim Schlich­tungs­ver­fahr­en mitmacht

Oft ist in den Ver­si­che­rungs­ver­trägen nicht eindeutig definiert, was zum Beispiel unter einer unerwarteten schweren Krankheit zu verstehen ist. Daher kommt es immer wieder zum Streit, wenn die Ver­si­che­rung zahlen soll. In solchen Fällen kann der Ver­si­che­rungs­om­buds­mann helfen. Er spricht im Rahmen eines kostenlosen Schlich­tungs­ver­fahr­ens eine Emp­feh­lung aus. Der Versicherer muss sich an die Emp­feh­lung halten, wenn der Streitwert unter 10.000 Euro liegt. Das ist bei der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung zumeist der Fall.

Wenn Du keine Rechts­schutz­ver­si­che­rung besitzt und Dich nicht im Streitfall auf eine Auseinandersetzung einlassen willst, solltest Du möglichst einen Anbieter wählen, der am Schlich­tungs­ver­fahr­en teilnimmt. Die Namen der teilnehmenden Anbieter findest Du auf der Internetseite des Ombudsmanns

Allerdings nehmen einige bekannte Anbieter nicht am Ombudsmann-Verfahren teil. Dazu gehört auch die von uns untersuchte ERGO Reiseversicherung, weshalb sie nicht zu unseren Emp­feh­lungen zählt.

Emp­feh­lungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Eine passende Rechts­schutz­ver­si­che­rung findest Du am besten über ein Vergleichsportal. Von Mai bis Juli 2021 haben wir diese untersucht. Unsere Emp­feh­lungen aus diesem Test sind:

Zum Ratgeber

Möglichst viele Personen sollten abgesichert sein

Der Ver­si­che­rungs­schutz sollte sich nicht nur auf die Reisenden erstrecken, sondern auch andere Personen miteinbeziehen. Denn wenn einem Angehörigen etwas zustößt, ist dies ebenfalls ein Grund, die Reise zu stornieren.

Bei der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung gibt es daher einen Kreis von sogenannten Risikopersonen, die neben der versicherten Person ebenfalls den Ver­si­che­rungsfall auslösen können. In der Regel handelt es sich dabei um die nächsten Angehörigen. In guten Tarifen bekommst Du so zum Beispiel die Stornokosten erstattet, wenn Dein Enkelkind einen Unfall hat oder Deine Tante stirbt. Risikopersonen können aber auch Menschen sein, die von Dir gepflegt werden, privates Pflegepersonal oder das Kindermädchen. Je größer der Kreis dieser Risikopersonen, desto besser. 

Wichtig: Natürlich bekommen nur die versicherten Personen die Reisekosten im Ver­si­che­rungsfall erstattet. 

Möglichst keine Selbstbeteiligung akzeptieren

Viele Tarife beinhalten eine Selbstbeteiligung, beispielsweise von 20 Prozent des Schadens. Das widerspricht dem Grundgedanken der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung. Wir finden: Wenn Du schon Geld für einen solchen Vertrag ausgibst, sollten im Fall des Falles die Stornokosten vollständig abgedeckt sein. 

Den vollen Reisepreis angeben

Die Höhe des Beitrags richtet sich nach dem versicherten Reisepreis. Gib daher beim Abschluss die volle Höhe Deiner Reisekosten an. Bei Jahresverträgen musst Du eventuell schätzen, wie viel die teuerste Reise im jeweiligen Jahr kosten wird. Du kannst diese Angabe ändern lassen, falls sich herausstellt, dass Deine Ver­si­che­rungs­sum­me zu niedrig ist. Teile Deiner Ver­si­che­rung rechtzeitig mit, dass Du Deine Ver­si­che­rungs­sum­me erhöhen möchtest, wenn Du eine konkrete Reise im Auge hast. Das sollte mindestens 30 Tage vor Reiseantritt passieren. Eine Senkung der Ver­si­che­rungs­sum­me ist nur jährlich möglich.

Abschluss- und Meldefristen beachten

Üblicherweise lässt sich eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung bis zu 30 Tage vor Beginn der Reise abschließen. Wenn Du später buchst, musst Du meist am Tag der Buchung selbst noch die Ver­si­che­rung abschließen, damit der Schutz für Deine Reise gilt. 

Welche Tarife empfiehlt Finanztip?

Wenn Du Dich dafür entscheidest, eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abzuschließen, solltest Du nicht nur auf den Preis achten, sondern auch auf die Konditionen. Wir haben uns im Juni 2020 fünf der von der Stiftung Warentest (03/2018) besonders gut bewerteten Kombi-Tarife aus Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung näher angesehen und drei Tarife ausgewählt, die wir für empfehlenswert halten. Für diese Tarife fragten wir am 15. Juli 2020 die Preise für Einzel- und Jahresverträge sowie für Einzelpersonen und Familien ab. 

Würzburger (Travelsecure Topschutz/Reisekarte4you Basispaket)
Bestes Preis-Leistungsverhältnis
  • nimmt am Ombudsmann-Verfahren teil
  • Note 1,6 im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 3/2018)
  • im Schnitt die günstigsten Preise über alle Tarife hinweg
Zum Anbieter

Die Angebote von Travelsecure für Einzelreisen (Tarif Topschutz) und Jahresverträge (Tarif Reisekarte4you Basispaket) bieten ein umfangreiches Paket an Ver­si­che­rungsleistungen. Wir teilen die Einschätzung der Stiftung Warentest, die die Leistungen der Verträge als sehr gut bewertete (viermal die Note 1,6). So ist etwa konjunkturbedingte Kurzarbeit ein möglicher Ver­si­che­rungsfall. Auch für Haustiere sind Erkrankung, Unfall und Impfunverträglichkeit abgedeckt. Kinder sind bis zum 25. Lebensjahr mitversichert. Bei gemeinsam gebuchten Reisen können bis zu sechs Personen mitversichert werden.

In unserer Preisabfrage schnitten die Travelsecure-Tarife bis auf wenige Ausnahmen am besten ab. Travelsecure ist der Reiseversicherer der Würzburger Ver­si­che­rung. Auf der Website der Travelsecure findest Du einen Online-Tarifrechner, der Dir standardmäßig die Tarife für einzelne Reisen anzeigt.

Wenn Du bei der Würzburger den Preis des Jahresvertrags abfragen möchtest, musst Du oben im Webseiten-Menü unter Reiseversicherungen und Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung die Option „Reiserücktritt für ein Jahr“ auswählen.

Schutzbrief bietet Corona-Extraleistungen

Ohne Zusatzversicherung ist in den Tarifen der Travelsecure nur die schwere Erkrankung an Covid-19 versichert. Das heißt: Ein positiver Test ohne Symptome reicht nicht aus. Ein Arzt muss Dir bescheinigen, dass Du aufgrund von Beschwerden nicht reisefähig bist. 

Mit dem „Reiseschutzbrief Corona“ bist Du ebenfalls versichert, wenn 

  • der Verdacht einer Corona-Infektion besteht und Du deshalb in persönliche Quarantäne musst und
  • Dir die Beförderung oder Einreise in ein Land wegen des Verdachts oder einer tatsächlichen Corona-Infektion verweigert wird.

Die Zusatzversicherung gibt es in zwei Varianten: Im Basistarif ist nur der Reiserücktritt versichert, also wenn Du zum Beispiel vor Beginn Deiner Reise in Quarantäne musst. Im Premiumtarif ist auch der Reiseabbruch enthalten. Dann leistet die Ver­si­che­rung auch, wenn die versicherten Ereignisse am Reiseort auftreten.

Bedingung für den Zusatzschutz ist eine bestehende Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung bei der Travelsecure. Ob es sich dabei um einen Vertrag für nur einen Urlaubstrip oder einen Jahrestarif für mehrere Reisen im Jahr handelt, spielt keine Rolle. Aber: Die Zusatzversicherung gilt immer nur für eine Reise. Falls Du also einen Jahrestarif hast, musst Du trotzdem für jede Reise den Schutzbrief extra dazubuchen.

Da wir grundsätzlich empfehlen, eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abzuschließen, die auch den Reiseabbruch mitversichert, haben wir uns den Reiseschutzbrief in der Premiumvariante genauer angesehen. Unsere Preisabfrage im Februar 2022 ergab, dass die Zusatzkosten moderat ausfallen. Wenn Du als Single für eine dreiwöchige Reise im Wert von 1.500 Euro eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung bei der Travelsecure abschließt, zahlst Du 68 Euro. Mit der Corona-Zusatzpolice kommen nochmal 13 Euro dazu, sodass Du insgesamt 81 Euro berappen musst. Bei teuren Reisen mit Familie und Kindern kommen nochmal 47 Euro für den Schutzbrief dazu. 

So ärgerlich es ist, dass die Extraversicherung zu jeder einzelnen Reise dazugebucht und bezahlt werden muss: Der „Schutzbrief Corona Premium“ der Travelsecure bietet den umfangreichsten Corona-Schutz unserer drei Emp­feh­lungen.

Allianz Travel (Reiserücktritt-Vollschutz)
Mögliche Alternative bei Einzelreisen für junge Familien mit Kindern
Nutzer-Erfahrungen
  • nimmt am Ombudsmann-Verfahren teil
  • zweimal Note 2,0 (Einzelpersonen) und Note 2,1 (Familientarife) im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 3/2018)
  • Kinder nur bis zum 21. Geburtstag mitversichert
Zum Anbieter

Auch die Allianz-Vollschutz-Tarife wurden von der Stiftung Warentest als gut (zweimal 2,0, zweimal 2,1) bewertet. Unserer Einschätzung nach schneidet die Allianz Travel beim Leistungsspektrum etwas schlechter ab als die Travelsecure. So sind etwa Kinder nur bis zum 21. Lebensjahr mitversichert. Eine chronische psychische Erkrankung gilt nur dann als Ver­si­che­rungsfall, wenn sie in den letzten drei Jahren nicht behandelt wurde. Bei der Travelsecure und der Signal Iduna beträgt diese Frist nur sechs Monate. 

Unser Vergleich 2020 ergab, dass die Allianz Travel mit dem Tarif Reiserücktritt-Vollschutz ohne Selbstbeteiligung bei eher teuren Einzelreisen (konkret bei Ver­si­che­rungs­sum­men von 3.000 bis 6.000 Euro) günstiger abschnitt als die anderen beiden Anbieter Travelsecure und Signal Iduna.

Beim Online-Tarifrechner der Allianz Travel musst Du gleich die Geburtsdaten aller versicherten Personen eintragen. Nach der Preisabfrage wird Dir der von uns emp­foh­lene Vollschutztarif in den Varianten Einzelvertrag und als Jahrestarif angezeigt. Entscheide Dich für eine der beiden Möglichkeiten. Ignoriere dann den Basisschutz und wähle im rechten Kasten die Option „Ohne Selbstbeteiligung“ aus.

Neuverträge bieten Quarantäne-Schutz

Du bist auch versichert, falls Du an Covid-19 erkranken solltest – ein Arzt muss Dir den Reiserücktritt oder Abbruch empfehlen.

Für alle Neukunden gilt: Sie sind für Einmalreisen (seit 1. September 2020) und im Jahrestarif (seit 9. Dezember 2020) auch dann versichert, wenn Du wegen eines Krankheitsverdachts in Quarantäne musst. Eine solche persönliche Quarantäne kann das Gesundheitsamt zum Beispiel anordnen, wenn Dein bester Freund positiv getestet wurde und angibt, dass er am Tag zuvor gemeinsam mit Dir essen war. Du musst namentlich in der Anordnung genannt werden.

Signal Iduna (Reiserücktritts- und Reiseabbruchkostenversicherung)
Alternative bei Einzelreisen für Einzelpersonen
  • nimmt am Ombudsmann-Verfahren teil
  • gute Bewertungen im Test der Stiftung Warentest („Finanztest“ Ausgabe 3/2018 – Note 1,9 und 2,1 bei Einzelpersonen, Note 2,0 und 2,1 für Familientarife)
  • Kinder nur bis zum 21. Geburtstag mitversichert
  • bei Familientarifen deutlich teurer

Auch die Reiserücktritts- und Abbruchkostenversicherung der Signal Iduna gehörte zu den stärksten Tarifen im letzten Test der Stiftung Warentest (Note 1,9 und 2,1 bei Einzelpersonen sowie Note 2,0 und 2,1 für die Familientarife).

Unserer Einschätzung nach ist das Leistungsspektrum der Einzel- und Jahrestarife der Signal Iduna ebenso umfangreich wie das der beiden anderen Emp­feh­lungen. Größer ist der Abstand bei den Preisen: In keiner unserer Fallkonstellationen gehörten die Tarife der Signal Iduna zu den preisgünstigsten. Bei Familientarifen war die Signal Iduna sogar deutlich teurer als unsere beiden anderen Emp­feh­lungen. 

Wir empfehlen die Signal Iduna dennoch, weil die Tarife unserer Einschätzung nach insgesamt ein sehr gutes Leistungsspektrum haben. Der Anbieter erfüllt unsere Mindestanforderungen (Ombudsmann-Verfahren und Online-Rechner). Verbraucher, die bei der Signal Iduna eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abschließen, sind insbesondere bei den Tarifen für Einzelpersonen gut und preiswert versichert. Entsprechende Familientarife findest Du dagegen anderswo günstiger.

Beim Online-Tarifrechner der Signal Iduna musst Du die detailliertesten Angaben machen. Wähle zunächst aus, ob Du den Schutz für eine einzelne Reise oder einen Jahrestarif abschließen möchtest. Neben den Reisedaten musst Du aktuell auch das Zielland Deiner nächsten Reise angeben. Damit will der Anbieter sicher gehen, dass Du kein Land auswählst, für das es gerade eine Reisewarnung gibt. Wähle bei der Reiseart „Pauschal-/Individualreise“. Gib anschließend an, ob Du Dich als Einzelperson oder als Familie versichern willst. Danach musst Du noch die Geburtsdaten und Namen der versicherten Personen angeben.

Nur persönliche Erkrankung an Covid-19 ist versichert

Seit Anfang Mai 2021 gilt sowohl für den Einmaltarif als auch für den Jahrestarif der Signal Iduna, dass Du versichert bist, falls Du unerwartet und schwer an Covid-19 erkranken solltest. Bedingung: Zum Zeit­punkt der Einreise in das jeweilige Gebiet oder in die jeweilige Reiseregion darf keine Reisewarnung wegen Covid-19 des Auswärtigen Amtes Deutschland vorliegen. Sonst ist zumindest die Corona-Infektion kein Reiserückritts- oder Reiseabbruchsgrund. Erfolgt die Reisewarnung nach der Einreise, gilt der Ver­si­che­rungs­schutz nur noch für 14 Tage. Die persönliche Quarantäne decken die von uns emp­foh­lenen Tarife der Signal Iduna nicht ab. Derzeit kannst Du auch keine Zusatzversicherung für diesen Fall abschließen (Stand: 4. Februar 2022).

Vergleiche am besten alle drei Anbieter

Unser Tipp: Auf der Suche nach dem passenden Tarif kannst Du bei allen drei Ver­si­che­rungen die Preise abfragen. Besonders bei teureren Reisen ist ein Jahresvertrag manchmal günstiger als der für eine einzelne Reise. Variiere daher Deine Anfrage. Paare prüfen am besten sowohl Einzelverträge als auch Familientarife.

Worauf musst Du im Schadensfall achten?

Informiere umgehend die Ver­si­che­rung, sobald Du Deine Reise stornieren willst. Denn bei einer Stornierung ist Zeit Geld und Du bist verpflichtet, die Stornokosten möglichst niedrig zu halten. Einige Anbieter bieten eine telefonische Storno-Beratung an. Diese kann klären, ob Du bei einer Krankheit noch auf Besserung warten solltest oder sofort stornierst.

Wenn Du zum Beispiel zwei Wochen vor der Reise schwer krank wirst, aber erst eine Woche vorher stornierst, wäre das grob fahrlässig. Der Versicherer muss dann nur die Kosten ersetzen, die bei einer Stornierung zwei Wochen vor Reisebeginn angefallen wären.

Reiche alle erforderlichen Unterlagen ein. Kannst Du nicht reisen, weil Du krank geworden bist, benötigst Du in der Regel ein ärztliches Attest mit Diagnose und Behandlungsdaten. Das gilt auch, wenn Du Deine Reise aufgrund einer Erkrankung nicht mehr fortsetzen kannst. 

Außerdem musst Du im Ver­si­che­rungsfall standardmäßig Deinen Ver­si­che­rungsnachweis und die Buchungsunterlagen einreichen. Falls sich Deine Reise ungeplant verlängert, solltest Du Dir vor Ort alle notwendigen Belege aushändigen lassen, zum Beispiel eine Bestätigung des Hotels über nicht genutzte Reiseleistungen oder die Mehrkosten für Übernachtung und Verpflegung.

Sprich sowohl mit dem Reiseveranstalter als auch der Reiseversicherung, bevor Du bei einem Reiseabbruch eine Rückreise planst. Beide Stellen können für Dich eine Rückreise organisieren. Kläre zuerst ab, wer zuständig ist und ob die Ver­si­che­rung die Kosten übernimmt, wenn der Reiseanbieter die Rückreise organisiert. Falls Du die Reiseabbruchversicherung in Anspruch nimmst, solltest Du der Ver­si­che­rung das Datum der Rückreise nennen und die Kostenbelege für alle nicht mehr genutzten Reiseleistungen einreichen.

Die Ver­si­che­rung kann Dir teilweise oder vollständig die Leistungen kürzen, falls Du Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortest oder grob fahrlässig handelst.

Welche Reiseversicherungen gehören noch ins Gepäck?

Wichtiger als eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung ist eine Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung. Sie übernimmt die Behandlungskosten, die nicht über die gesetzliche und eventuell auch nicht über die private Kran­ken­ver­si­che­rung abgedeckt sind. Die Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung ist daher ein Muss, eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung nur eine Kann-Option. Auch die Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung solltest Du unabhängig von der Reisebuchung abschließen.

Eine Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung ist dagegen überflüssig. Meist sichert die Hausratversicherung Dein Gepäck auf Reisen ab.

So haben wir ausgewählt

Vergleich Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rungen 2020

Die Stiftung Warentest hat zum letzten Mal im März 2018 Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rungen in Kombination mit Reiseabbruch untersucht. Dieser Test diente als Grundgesamtheit für unsere Untersuchung. Aus allen untersuchten Tarifen wählten wir diejenigen aus, die in einem der vier Vergleiche (Einzelperson oder Familie, Einzel- oder Jahresvertrag) mindestens die Note „gut“ (2,0) erreicht hatten.

Aus dieser Auswahl schlossen wir wiederum diejenigen Anbieter aus, die keinen Online-Rechner hatten, mit dessen Hilfe sich eine Preisabfrage durchführen ließ. Für uns war wichtig, dass Du als Kunde die Möglichkeit hast, verschiedene Tarifoptionen zu vergleichen und im Anschluss bequem einen Vertrag online abschließen kannst.

Ein weiteres Kriterium war für uns die Teilnahme des Anbieters am Schlich­tungs­ver­fahr­en des Ver­si­che­rungs­om­buds­mannes. Da es über die Auslegung der Ver­si­che­rungs­be­din­gung zum Streit mit dem Anbieter kommen kann, war uns wichtig, dass Du im Streitfall kostenlose Unterstützung bekommen kannst. Übrig blieben die drei in der untenstehenden Tabelle aufgeführten Tarife. 

Untersuchte Anbieter

Anbieter1EinzelreiseJahresvertrag
TravelsecureTopschutzReisekarte4you Basispaket
Allianz Travel

Reiserücktritt-Vollschutz

Reiserücktritt-Vollschutz
Signal Iduna

Reise-Rücktritts- und -abbruchkostenversicherung

Jahres-Reiserücktrittskosten- und Abbruchkostenversicherung

1 alle Tarife ohne Selbstbeteiligung abgefragt 
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Juni 2020)

Im Anschluss haben wir überprüft, ob die Ver­si­che­rungen seit dem Test der Stiftung ihre Ver­si­che­rungs­be­din­gungen angepasst hatten. Dies war nur bei der Allianz Travel der Fall. Diese hat sich unserer Einschätzung nach bei den Leistungen seit 2018 leicht verschlechtert. Allerdings waren die Veränderungen nicht so gravierend, dass sie zu einer Abwertung geführt hätten.

Außerdem überprüften wir, ob die Anbieter eine Pandemieklausel in ihren Ver­si­che­rungs­be­din­gungen stehen haben, die damit eine Übernahme einer Erkrankung am Coronavirus ausschließt. Keiner der drei Anbieter Travelsecure, Allianz Travel und Signal Iduna hat derzeit eine solche Klausel in den Bedingungen zu den Reiserücktritts- und -abbruchversicherungen stehen. Das heißt, die Anbieter leisten, wenn Du als versicherte Person oder ein Angehöriger schwer am Coronavirus erkranken. Wir gehen davon aus, dass diese Frage für Urlauber, trotz der Fortschritte beim Impfen, weiterhin relevant sein wird.

Anschließend fragten wir bei allen drei Anbietern für vier Musterkunden Preise ab (Ergebnisse in der Tabelle unten). Dabei haben wir Alter und Familienstand der Kunden variiert, sowie das Alter von deren Kindern. Bei Einzelpersonen haben wir für eine Reisedauer von drei und acht Wochen Preise abgefragt, bei den Familientarifen nur dreiwöchige Reisen. Wir gingen davon aus, dass Familien seltener längere Reisen unternehmen. Als Reisepreis haben wir 1.500 und 3.000 Euro für Alleinreisende angenommen und 3.500 und 6.000 Euro für Familien. Für alle Musterprofile haben wir sowohl für Einzel- als auch für Jahresverträge die Preise ermittelt. 

Außerdem fragten wir alle Tarife für weltweite Reisen (inklusive USA und Kanada) und ohne Selbstbeteiligung ab.

Preisvergleich für Einzelreisen und Jahresabo

Profil

Reise-

dauer in

Wochen

Reise-

preis

Versiche-

rungstyp

Würz-

burger

/Travel-
secure

Allianz

Travel

Signal

Iduna

1 Erwachsener unter 64, keine Kinder31.500 €Einzelreise52 €63 €69 €
 31.500 €Jahres-vertrag67 €65 €69 €
 83.000 €Einzelreise110 €103 €130 €
 83.000 €Jahres-vertrag105 €112 €125 €
1 Erwachsener
über 67, 
keine Kinder
31.500 €Einzelreise52 €100 €69 €
 31.500 €Jahres-vertrag145 €139 €140 €
 83.000 €Einzelreise110 €163 €130 €
 83.000 €Jahres-vertrag175 €229 €190 €

2 Erwachsene
unter 64,

2 Kinder unter 18

33.500 €Einzelreise140 €151 €160 €
 33.500 €Jahres-vertrag137 €136 €190 €
 36.000 €Einzelreise270 €221 €300 €
 36.000 €Jahres-vertrag187 €186 €260 €
2 Erwachsene
über 64, 
2 Kinder über 18
33.500 €Einzelreise140 €164 €160 €
 33.500 €Jahres-vertrag137 €164 €190 €
 36.000 €Einzelreise270 €240 €300 €
 36.000 €Jahres-vertrag187 €231 €260 €

Zahlen gerundet
Manche Ver­si­che­rungen erhöhen ab 65 Jahren die Preise, andere ab 68 Jahren. Daher fragten wir die Preise für Erwachsene jeweils unter/über 64 und unter/über 67 Jahren ab, um eventuelle Preissteigerungen in unserer Abfrage zu erfassen.
Quelle: Online-Rechner der Anbieter (Stand: 15. Juli 2020)

Warum die Travelsecure unsere erste Emp­feh­lung ist

In den vier Kategorien Familie/Einzelperson und Jahresvertrag/Einzelpolice bieten die Travelsecure-Tarife ein umfangreiches Paket an Ver­si­che­rungsleistungen. Dies hat die Stiftung Warentest bestätigt (viermal die Note 1,6) und dies ergab auch unsere Beobachtung. So ist etwa die konjunkturbedingte Kurzarbeit ein möglicher Ver­si­che­rungsfall. Auch für Haustiere sind Erkrankung, Unfall und Impfunverträglichkeit abgedeckt. Kinder sind bis zum 25. Lebensjahr mitversichert. Bei gemeinsam gebuchten Reisen können bis zu sechs Personen mitversichert werden. 

Darüber hinaus haben die Travelsecure-Tarife bis auf wenige Ausnahmen über alle Profile hinweg die günstigsten Preise. Im Prinzip kann man sagen: Mit der Travelsecure liegt man als Verbraucher immer richtig.

Ebenfalls empfehlenswert ist die Allianz Travel. Auch diese wurde von der Stiftung Warentest als gut (zweimal 2,0, zweimal 2,1) bewertet. Auch wenn sich die Ver­si­che­rungs­be­din­gungen unserer Einschätzung nach leicht verschlechtert haben, sind wir der Auffassung, dass sich an dieser Wertung nichts gravierend ändern würde. Bei unserer Preisabfrage schnitt die Allianz bei Einzeltarifen in einigen Fallkonstellationen günstiger ab als die beiden anderen Anbieter. Tendenziell ist die Allianz Travel bei teuren Einzelreisen für junge Familien mit Kindern günstiger. Preisbewusste Verbraucher sind also gut beraten, vor dem Abschluss bei der Travelsecure und der Allianz Travel die Preise abzufragen. 

Deutlich dahinter liegt unsere dritte Emp­feh­lung, die Signal Iduna. Auch diese gehört zu den leistungsstärksten Tarifen im Test der Stiftung Warentest (Note 1,9 und 2,1 bei Einzelpersonen sowie Note 2,0 und 2,1 bei Familientarifen). Die aktuelle Fassung der Ver­si­che­rungs­be­din­gungen weist keine Unterschiede zu der Version auf, welche zum Zeit­punkt des Tests der Stiftung Warentest galt. Unserer Einschätzung nach ist das Leistungsspektrum der Einzel- und Jahrestarife der Signal Iduna ebenso umfangreich wie das der beiden anderen Emp­feh­lungen. Größer ist der Abstand bei den Preisen: In keiner unserer Fallkonstellationen gehörten die Tarife der Signal Iduna zu den preisgünstigsten. Bei Familientarifen schnitt die Signal Iduna sogar tendenziell deutlich teurer ab als unsere beiden anderen Emp­feh­lungen. Wir empfehlen die Signal Iduna dennoch, weil es sich insgesamt um Tarife mit einem unserer Meinung nach sehr guten Leistungsspektrum handelt. Der Anbieter nimmt am Ombudsmann-Verfahren teil und hat einen Online-Rechner. Verbraucher, die bei der Signal Iduna eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung abschließen, sind insbesondere bei den Tarifen für Einzelpersonen gut und preiswert versichert, könnten aber insbesondere bei den Familientarifen noch sparen.

Autoren
Max Mergenbaum
Julia Rieder

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