Familienversicherung Einkommensgrenze

So viel dürfen mitversicherte Familienmitglieder verdienen

Julia Rieder
Finanztip-Expertin für Versicherungen
24. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Deine Kinder, Deinen Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner kannst Du in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung unter bestimmten Voraussetzungen beitragsfrei mitversichern.
  • Das Gesamteinkommen des mitversicherten Kindes oder Partners darf monatlich aber nicht höher als 553,33 Euro (Stand 2021) sein.
  • Für Stief- und Enkelkinder gelten besondere Regelungen.
So gehst Du vor
  • Prüfe, ob Dein Kind oder Partner alle Voraussetzungen für eine Familienversicherung erfüllt.
  • Beantrage bei Deiner Kran­ken­kas­se die Familienversicherung. Ein Formular dafür haben die meisten Kassen auf ihrer Website.
  • Kran­ken­kas­sen prüfen meist jährlich das Familieneinkommen. Dafür musst Du einen Fragebogen ausfüllen.

Kinder oder Partner sind in der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung kostenfrei mitversichert, sofern sie kein oder nur ein geringes eigenes Einkommen haben – ein großer Vorteil gegenüber der privaten Kran­ken­ver­si­che­rung, in der jeder Familienangehörige extra kostet. Das gilt aber nur, solange ihr Einkommen innerhalb bestimmter Grenzen liegt. Sonst müssen Angehörige sich selbst versichern. Zum Einkommen zählen zum Beispiel auch Mieteinnahmen oder Zinsen. Eltern müssen daher bei der Geldanlage für ihre Sprösslinge auf gewisse Einkommensgrenzen achten.

Wie hoch sind die Verdienstgrenzen für Kinder und Partner?

Familienversicherte Angehörige dürfen nur ein geringes Einkommen haben, sonst müssen sie sich selbst um Ver­si­che­rungs­schutz kümmern. Das gilt sowohl für den mitversicherten Partner als auch für die Kinder.

Die Einkommensgrenze für die Familienversicherung liegt 2021 bei 470 Euro im Monat. Allerdings handelt es sich bei dem maßgeblichen Gesamteinkommen um die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts (§ 16 SGB IV). Deshalb können regulär Angestellte von ihren Bruttoeinnahmen noch ihre Werbungskosten oder den entsprechenden Pauschbetrag abziehen.

Das führt dazu, dass sich ein Gesamteinkommen bis zu 553,33 Euro im Monat (Stand: 2021) nicht negativ auf die Familienversicherung auswirkt. Dieser Wert setzt sich zusammen aus der Einkommensgrenze für die Familienversicherung von 470 Euro und der Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le von monatlich 83,33 Euro (1.000 Euro im Jahr). Das Höchsteinkommen liegt somit bei rund 6.640 Euro jährlich

Wie das regelmäßige monatliche Einkommen berechnet wird, das für die Familienversicherung relevant ist, hängt vom Einzelfall und der Einkommensart ab. Arbeitseinkommen wird in der Regel für die Monate betrachtet, in denen es erzielt wurde. Regelmäßige Zahlungen einmal im Jahr, etwa Weihnachts­geld, werden durch zwölf geteilt, also anteilig für jeden Monat angerechnet. Bei schwankenden Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit schätzt die Kran­ken­kas­se basierend auf dem gezwölftelten Jahreseinkommen des letzten Einkommensteuerbescheids die Einkünfte für die Zukunft. Details dazu hat der Spitzenverband der Kran­ken­kas­sen geregelt.

Was noch zum Gesamteinkommen zählt

Das Gesamteinkommen ergibt sich nicht nur aus Lohn- und Gehaltszahlungen. Auch Renten, zum Beispiel die Hinterbliebenenrente, sowie Miet- und Pachteinnahmen gehören dazu. 

Ebenfalls eingerechnet werden Kapitalerträge, etwa Zinsen und Renditen auf Sparbücher und Aktienfonds. Für diese gibt es allerdings einen Sparerfreibetrag von 801 Euro pro Jahr. Einkünfte bis zu diesem Betrag haben daher keinen Einfluss auf das Gesamteinkommen. 

Wann können Stief- und Enkelkinder mitversichert werden?

Auch Stief- und Enkelkinder können kostenfrei familienversichert werden (§ 10 Abs. 4 SGB V). Bisher gab es dafür besondere Voraussetzungen. Die hat die Bundesregierung mit Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) im Mai 2019 jedoch gelockert. Stief- und Enkelkinder dürfen nun zu den gleichen Bedingungen wie leibliche Kinder in die Familienversicherung – sofern sie bei dem Kran­ken­kas­senmitglied wohnen, über das sie versichert werden sollen. 

Wohnen der Versicherte und das Stief- oder Enkelkind nicht in einem Haushalt, gilt die Regel: Derjenige, bei dem das Kind mitversichert werden soll, muss für den Großteil des Unterhaltsbedarfs des Kindes aufkommen. Ob das Kind selbst über Einkünfte verfügt oder andere Unterhaltszahlungen erhält, spielt für die Berechnung seit der Gesetzesänderung keine Rolle mehr.

Der Unterhaltsbedarf richtet sich nunmehr ausschließlich nach dem gesetzlich definierten Existenzminimum und der Mindestunterhaltsverordnung (§ 1612a BGB). Im Jahr 2020 sind die folgenden Werte maßgeblich:

  • bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres 393 Euro;
  • bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres 451 Euro;
  • bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres 528 Euro.

Beispiel: Ein Versicherter möchte sein zehnjähriges Stiefkind familienversichern, dieses wohnt jedoch nicht in seinem Haushalt. Er zahlt dem Kind jeden Monat 250 Euro Unterhalt. Da dies mehr als die Hälfte des Bedarfs von 451 Euro ist, kann der Versicherte das Kind mitversichern.

Was tun, wenn das Einkommen zu hoch ist?

Überschreitet Dein Nachwuchs oder Partner die Einkommensgrenze, bist Du verpflichtet, das der Kran­ken­kas­se zu melden. Dein Angehöriger muss sich dann selbst versichern – zum Beispiel als freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung. 

Meist verschickt die Kran­ken­kas­se einmal pro Jahr einen Fragebogen, auf dem Familien ihre Einkommensverhältnisse angeben müssen. Mit Hilfe dieser Informationen prüft die Kasse dann, ob noch alle Voraussetzungen für die Familienversicherung erfüllt sind. Trotzdem ist es sinnvoll, sich selbst bei der Kasse zu melden, sobald das Einkommen die festgelegten Grenzen übersteigt. Hast Du die Änderung verschwiegen, kann es passieren, dass die Kasse die Familienversicherung rückwirkend beendet und Beiträge nachfordert
 

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.