Kreditkarten für Studenten

Die passende Kreditkarte für Studenten

Josefine Lietzau Stand: 07. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Studenten können eine Kreditkarte bekommen, auch wenn sie wenig oder kein Geld verdienen.
  • Bei den Angeboten für Studenten können Gebühren anfallen. Wir empfehlen gute kostenlose Kreditkarten für Studenten.
  • Einige Studenten-Kreditkarten kosten nach Ende des Studiums Geld. Unsere Empfehlungen bleiben hingegen kostenfrei.
Finanztip empfiehlt diese Kreditkarten für Studenten
  • mit monatlicher Abbuchung: DKB (kostenlos Abheben in der Eurozone, ab 700 Euro monatlichem Geldeingang weltweit kostenlos)
  • mit sofortiger oder zeitnaher Abbuchung: ING (kostenloses Abheben in der Eurozone)
  • mit optionaler Ratenzahlung: 1Plus Card von Santander oder Barclaycard (weltweit kostenloses Abheben, aber teure Ratenzahlung)

Ob im Auslandssemester, während einer Reise in den Semesterferien oder einfach zum Bestellen in Online-Shops — auch für Studenten können Kreditkarten praktisch sein. Bei einigen Banken bekommen Studenten die Kreditkarte kostenlos.

Bekommen Studenten eine Kreditkarte?

Nicht jeder bekommt eine Kreditkarte, bei einigen winken die Banken ab. Entscheidend ist, wie gut es um die Finanzen der jeweiligen Kunden steht, die sogenannte Bonität. Ist die Bank von ihrer Finanzkraft nicht überzeugt, lehnt sie den Antrag auf eine Kreditkarte ab. Schließlich gewährt die Bank über die Karte einen kurzen Kredit, wenn sie das Geld erst einen Monat später abbucht. Erklären muss sie die Absage nicht.

Trotzdem können auch Studenten ohne regelmäßiges Einkommen eine Kreditkarte bekommen. Denn falls es mit der „echten“ Kreditkarte nicht klappt, gibt es weitere Karten, die etwas anders funktionieren, sich aber trotzdem zum Bezahlen und Geldabheben im In- und Ausland eignen.

Wir erklären die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kartenarten:

Charge - Charge-Karten gehören zu den „echten“ Kreditkarten. Das bedeutet, die Bank sammelt die Umsätze und bucht sie auf einen Schlag ab, meist einmal im Monat. Über diesen Zeitraum erhalten Sie also einen kostenlosen Kredit. So lässt sich zum Beispiel der Dispo umgehen, indem Sie statt der Girocard die Kreditkarte nutzen, wenn das Geld auf dem Konto knapp wird. Allerdings klappt das nur, wenn Sie pünktlich zum Buchungszeitpunkt wieder genug Geld auf dem Konto haben.

Revolving - Auch bei Revolving-Kreditkarten bekommen Sie einen kurzen Kredit. Sie können den Kartenumsatz in Raten zurückzahlen. Finanztip empfiehlt, diese Möglichkeit nicht zu nutzen, denn die Anbieter verlangen hohe Zinsen. So wird die Ratenzahlung schnell teuer. Zahlen Sie die Kartenschulden besser immer auf einen Schlag zurück. Einige Anbieter buchen den Umsatz auf Wunsch automatisch ab, bei anderen müssen Sie selbst aktiv werden und das Geld überweisen.

Bei Revolving- und Charge-Karten achten die Banken eher auf die Zahlungskraft Ihrer Kunden als bei Debit- oder Prepaid-Karten. Sollten Sie also Probleme haben, eine „echte“ Kreditkarte zu bekommen, stehen Ihnen noch die folgenden Möglichkeiten offen:

Debit - Bei diesen Karten wird das Geld zeitnah vom Konto abgebucht, so wie Sie es von der Girocard (früher: EC-Karte) kennen. Das hilft, die Umsätze im Blick zu behalten. Allerdings kann es beim Buchen von Hotels und Mietwagen zu Problemen kommen, da solche Unternehmen Debit-Karten nicht immer akzeptieren.

Prepaid - Bei Prepaid-Karten müssen Sie Geld auf das Kartenkonto überweisen, bevor Sie die Karte nutzen können. Sie können dann auch nur den Betrag ausgeben, den Sie vorab aufgeladen haben. Wie bei Debit-Karten akzeptieren Mietwagenfirmen und Hotels die Karten unter Umständen nicht.

Welche Kreditkarten empfiehlt Finanztip für Studenten?

Im Juni 2019 haben wir 29 Kreditkarten untersucht, die laut den Anbietern auch Studenten bekommen. Wie wir dabei vorgegangen sind, lesen Sie weiter unten im Text. Unser Vergleich zeigte, mit einer guten kostenlosen Kreditkarte fahren Studenten besser als mit speziell auf sie zugeschnittenen Angeboten. Die folgenden vier Kreditkarten halten wir für empfehlenswert:

DKB: Karte mit monatlicher Abbuchung

Bei der DKB erhalten Studenten und Studentinnen ein kostenloses Girokonto samt Kreditkarte. Sie können mit der Kreditkarte in der Eurozone kostenlos Geld abheben, im Rest der Welt fällt dafür eine Gebühr von 1,75 Prozent an. Das gilt auch beim Bezahlen in einer anderen Währung als dem Euro.

Sofern monatlich mindestens 700 Euro auf dem Konto eingehen, bekommen Sie bessere Konditionen. Sie können dann weltweit kostenlos Geldabheben und das Bezahlen mit der Kreditkarte ist auch außerhalb der Eurozone kostenfrei. Falls nicht genug Geld auf Ihrem Konto eingeht, erhalten Sie diese Vergünstigungen nur im ersten Jahr nach der Kontoeröffnung.

Im ersten Jahr bekommen Sie außerdem einen Gutschein für eine virtuelle ISIC-Karte, eine Art internationaler Studentenausweis. Mit dem Ausweis gibt es Rabatte, zum Beispiel bei Flixbus, Microsoft oder Babbel.

Deutsche Kreditbank (DKB)
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • monatliche Abrechnung
  • bessere Konditionen im ersten Jahr und ab 700 Euro Geldeingang im Monat (Aktivkunden)
  • kostenlos Bargeld abheben in der Eurozone (Aktivkunden: weltweit)
  • 1,75 Prozent Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen und Abheben (Aktivkunden: keine Gebühr)
  • Bargeldabhebungen erst ab 50 Euro

ING: Karte mit sofortiger Abbuchung

Mit der kostenlosen Visa-Karte zum Girokonto können Sie kostenlos in der Eurozone Geld abheben und bezahlen. Sind Sie außerhalb der Eurozone unterwegs, verlangt die Bank dafür 1,75 Prozent Gebühren.

Wer viel reist, sollte bedenken, dass Debit-Karten beim Buchen von Hotels und Mietwagen Probleme machen. Es kann sich also lohnen, vor dem Buchen schriftlich nachzufragen, ob die Karte vor Ort angenommen wird und die ausgedruckte Antwort bei der Reise mitzunehmen.

ING
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • kostenloses Abheben in der Eurozone
  • Deferred-Debit-Karte: Abbuchung erst nach drei Tagen
  • 1,75 Prozent Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen und Abheben
  • Bargeldabhebungen erst ab 50 Euro

Santander: Karte mit optionaler Ratenzahlung

Mit der kostenfreien 1plus Visa-Karte der Santander können Sie kostenlos weltweit Geld abheben und bezahlen. Die Währung spielt dabei keine Rolle. Zudem zahlt Santander das Automatenentgelt zurück, wenn Sie das beantragen. Dabei handelt es sich um eine Gebühr, die manche Betreiber von Geldautomaten im Ausland verlangen. In Ländern wie den USA oder Thailand kommt das häufiger vor. Andere Banken erstatten ihren Kunden diese Gebühren nicht.

Sie können Ihre Kreditkartenschulden bei dieser Karte in hoch verzinsten Raten zurückzahlen. Das ist teuer. Verzichten Sie besser darauf und überweisen Sie zum Buchungstermin den kompletten Umsatz an die Bank.

Santander
1plus-Visa-Card
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Bank bucht Schulden in Raten ab
  • Kunden müssen ganzen Betrag überweisen, um Zinsen zu vermeiden

Barclaycard: Karte mit optionaler Ratenzahlung

Barclaycard bietet unterschiedliche Kreditkarten an, darunter auch eine Karte für Studenten. Für diese verlangt die Bank allerdings Jahresgebühren. Wir empfehlen stattdessen die kostenlose Barclaycard Visa. Geld abheben und bezahlen ist mit der Karte weltweit kostenlos.

Wie bei der Santander können Sie auch bei der Barclaycard den Umsatz nicht automatisch abbuchen lassen. Stattdessen sollten Sie zum Buchungszeitpunkt selbst aktiv werden und das Geld überweisen. Tun Sie dies nicht, fallen hohe Zinsen an.

Barclaycard
Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Bank bucht Schulden in Raten ab
  • Kunden müssen ganzen Betrag überweisen, um Zinsen zu vermeiden
Nur beim Anbieter abschließbar

Neben den genannten Anbietern haben auch Sparkassen und Volksbanken gute Konten und Karten im Programm. Seien Sie sich aber bewusst, dass die Banken die Gebühren ab einem bestimmten Alter oder ab Studienende erhöhen. Wir haben diese Karten nicht in den Test genommen, da es sich um regionale Anbieter handelt. So können sich die Konditionen für die Karten von Sparkasse zu Sparkasse unterscheiden, dies gilt auch für die Volksbanken. Die jeweilige Karte wird immer nur in einer bestimmten Region ausgegeben, wir empfehlen aber nur Karten, die alle Studenten beantragen können.

Sollten Sie keine der genannten Kreditkarten erhalten, weil die Banken Ihre Bonität als schlecht einschätzen, können Sie auch eine der von uns empfohlenen Prepaid-Kreditkarten wählen.

Auf welche Punkte sollten Studenten bei Kreditkarten achten?

Kreditkarten sind einfach zu handhaben. Trotzdem gibt es paar Dinge, die Sie wissen sollten.

Mastercard oder Visa

Die bekanntesten Kreditkartenunternehmen sind wohl Mastercard und Visa. Beide werden weltweit akzeptiert, große Unterschiede gibt es dabei nicht.  Deshalb spielt die Wahl zwischen Mastercard oder Visa keine große Rolle. Schwieriger wird es bei den Kreditkarten von American Express oder Diners Club, diese werden seltener akzeptiert. Deshalb empfehlen wir keine Karten dieser Anbieter.

Übrigens: Bei Problemen mit Ihrer Kreditkarte wenden Sie sich nicht an Mastercard oder Visa, sondern an die Bank, von der Sie die Karte haben. Anders sieht es aus bei American Express und Diners Club. Diese geben ihre Karten selbst aus und sind in der Regel der richtige Ansprechpartner bei Problemen.

Die richtige Währung wählen

Beim Geldabheben außerhalb der Eurozone sollten Sie vorsichtig sein. Denn Sie können dabei oft wählen, ob der Automat das Geld beim Abbuchen vom Konto schon in Euro umrechnen soll. Verzichten Sie darauf, die Anbieter nutzen dafür in der Regel schlechtere Wechselkurse als Ihre Bank. Auch beim Abheben sollten Sie immer auf die lokale Währung bestehen.

Geld zurückholen

Sollte etwas beim Bezahlen mit der Kreditkarte schiefgehen, können Sie Ihr Geld zurückholen. Das klappt zum Beispiel, wenn ein Händler das Geld doppelt abbucht oder einen zu hohen Betrag. Auch bei Betrügereien oder Insolvenzen können Sie Kartenzahlungen reklamieren. Sie müssen dafür lediglich ein Formular ausfüllen und zusammen mit den Nachweisen für den jeweiligen Reklamationsgrund an die Bank schicken. Wie das genau funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber zum sogenannten Chargeback-Verfahren.

So haben wir getestet

Vergleich Kreditkarten für Studenten 2019

Wir haben uns im Juni 2019 über Google mit dem Suchbegriff „Kreditkarten für Studenten“ einen Überblick über den Markt für Studenten-Kreditkarten verschafft. In unsere Analyse miteinbezogen haben wir sowohl die gefundenen Anbieter als auch Karten, die auf den gefundenen Portalen vertreten waren.

Wir haben folgende Karten aus der weiteren Analyse ausgeschlossen:

  • Karten mit Jahresgebühren;
  • Karten, die von regionalen Anbietern ausgegeben werden;
  • Businesskarten.

So blieben 29 Kreditkarten übrig. Alle Karten, bei denen das Abheben in der Eurozone (inklusive Deutschland) kostenpflichtig war, haben wir nicht weiter beachtet. Dazu gehören auch Karten, bei denen Verbraucher ein paar Mal im Monat kostenlos abheben können und danach Gebühren zahlen müssen. Außerdem haben wir Karten ausgeschlossen, bei denen die Mindestabhebesumme höher als 50 Euro ist. Auch Karten, bei denen Kunden niedrige Summen abheben können, dafür aber Gebühren zahlen müssen, haben wir nicht weiter untersucht.

Die verbleibenden Karten haben wir auf folgende Punkte hin analysiert:

  • Gebühren für das Abheben
  • Gebühren für das Bezahlen
  • Rabatte für Studenten
  • Abschlussmöglichkeiten
  • Gebühren nach dem Studium

Wir haben die Karten von Barclaycard, Santander, DKB, ING, Apobank und MLP näher untersucht. Am besten abgeschnitten haben in unserem Vergleich die Karten der DKB, ING, Barclaycard und die Santander 1Plus Card. Diese vier Angebote halten wir für empfehlenswert.

Das Angebot der Apobank richtet sich an Studierende medizinischer Berufe, zudem verlangt die Bank nach Abschluss des Studiums Gebühren für die Karte. Bei MLP ist es nicht möglich, die Karte komplett online zu beantragen, Kunden müssen immer in eine Filiale. Zudem fallen nach dem Studium Jahresgebühren an. Deshalb empfehlen wir diese Karten nicht.

Für einige Studenten können sie trotzdem eine Alternative sein, falls sie keine Karten bei den von uns empfohlenen Banken bekommen. Grund dafür ist, dass sich die Anbieter mit den Karten gezielt an Studenten richten. Während des Studiums kosten die Karten keine Jahresgebühr und Studenten können kostenlos weltweit Geld abheben.

Autor
Josefine Lietzau

Stand: 07. August 2019


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