Vorsorgeaufwendungen

Versicherungen richtig von der Steuer absetzen

Udo Reuß Stand: 03. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Du kannst viele Beiträge für Deine Versicherungen als Sonderausgaben absetzen, nämlich als Vorsorgeaufwendungen. 
  • Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu einem Rürup-Vertrag gehören zu den Altersvorsorgeaufwendungen. Diese sind im größeren Umfang in der Steuererklärung absetzbar.
So gehst Du vor
  • Deine Beiträge für einen Riester-Vertrag musst Du in Anlage AV eintragen. Die meisten anderen Ausgaben für die Altersvorsorge und Versicherungen kommen in die Anlage Vorsorgeaufwand.
  • Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung darfst Du komplett absetzen – auch für Deinen Ehepartner sowie für unterhaltsberechtigte Kinder. 
  • Unter bestimmten Voraussetzungen kannst Du zudem Ausgaben für weitere Versicherungen geltend machen.
  • In Frage kommen dann beispielsweise Beiträge zur Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Wegen des ausgeschöpften Höchstbetrags sind diese jedoch in vielen Fällen nicht absetzbar.
  • Umfassende Steuertipps und Ausfüllhinweise enthält unser kostenloses 20-seitiges Steuer-E-Book für die Steuererklärung 2019. Hier kannst Du es herunterladen:

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Aufwendungen für die Altersvorsorge sowie für die Kranken- und Pflegeversicherung gehören zu den Sonderausgaben, die der Gesetzgeber steuerlich begünstigt. Möglicherweise kannst Du weitere Versicherungsbeiträge absetzen. Allerdings musst Du dafür eventuell mehrere verschiedene Steuerformulare ausfüllen. Lass Dich davon nicht abschrecken: Die Mühe lohnt sich.

Wie kannst Du die Basisversorgung absetzen?

Versicherungsbeiträge gehören eigentlich zu den privaten Ausgaben. Im begrenzten Umfang sind sie steuerlich absetzbar. Die Vorsorgeaufwendungen unterteilen sich in zwei Bereiche:

  1. Basisversorgung: Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zum berufsständischen Versorgungswerk, zur landwirtschaftlichen Alterskasse und für eine Rürup-Rente;
  2. sonstige Vorsorgeaufwendungen: beispielsweise Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall-, Risikolebens- sowie private Kapitallebens- und Rentenversicherung mit Abschluss vor 2005.

Die Basisversorgung setzt sich aus Beiträgen für den Aufbau einer Altersversorgung zusammen. Darunter fällt die gesetzliche Rentenversicherung, ihr gleichgestellte Aufwendungen wie berufliche Versorgungswerke und die Rürup-Rente (Basisrentenvertrag). Diese Aufwendungen kannst Du als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.

Grundsätzlich gilt dafür im Jahr 2019 ein Höchstbetrag von 24.305 Euro – Ehepaare und Lebenspartner, die zusammen veranlagt sind, können den doppelten Betrag geltend machen, also 48.610 Euro. Diese Beträge steigen jedes Jahr. 2020 liegt der Höchstbetrag bei 25.046 Euro (50.092 Euro für Verheiratete).

Allerdings wirst Du erst ab dem Jahr 2025 vom vollen Höchstbetrag profitieren. In den kommenden Jahren wird der Anteil der jährlich abziehbaren Basisvorsorgeaufwendungen langsam angehoben. Im Umkehrschluss werden Renteneinkünfte vollständig besteuert – allerdings erst ab 2040. Fachleute sprechen vom Prinzip der nachgelagerten Besteuerung.

Die Berechnung, was Du als Sonderausgaben absetzen kannst, erfolgt mehrstufig: In der Steuererklärung für 2019 berücksichtigt das Finanzamt 88 Prozent, also maximal 21.388 Euro für Alleinstehende und 39.248 Euro für Paare.

Im Jahr 2020 steigt der absetzbare Anteil der Altersvorsorgeaufwendungen auf 90 Prozent. Folglich können dann höchstens 22.541 Euro als Sonderausgaben geltend gemacht werden; bei Verheirateten 45.082 Euro.

Davon abzuziehen ist der steuerfreie Arbeitgeberanteil: Arbeitnehmer, die verpflichtet sind, in die Rentenversicherung einzuzahlen, bekommen ihre Vorsorgeaufwendungen um diesen Betrag gekürzt. In der folgenden Rechnung zeigen wir an einem Beispiel, wie das funktioniert:

Beispiel Altersvorsorge absetzen für 2020

Arbeitnehmerbeitrag4.650 Euro
Arbeitgeberbeitrag4.650 Euro
Rürup-Rente3.000 Euro
insgesamt12.300 Euro
Höchstbetrag25.064 Euro
90 Prozent von 12.300 Euro11.070 Euro
abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil4.650 Euro
verbleibender Betrag6.420 Euro

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 3. September 2020)

In dem Beispiel für das Jahr 2020 hat der rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer ein Jahresbruttoeinkommen von zirka 50.000 Euro. Er kann Altersvorsorgeaufwendungen in Höhe von 6.420 Euro als Sonderausgaben geltend machen. 

Ehepaare profitieren davon, dass für sie in der gemeinsamen Steuererklärung der doppelte Höchstbetrag gilt. Dabei kommt es nicht darauf an, wer von beiden die Altersvorsorgebeiträge bezahlt hat.

Deine Aufwendungen für die Altersvorsorge gehören in der Steuererklärung in die Anlage Vorsorgeaufwand in die Zeilen 4 bis 10. Die Beiträge entnimmst Du Deiner Lohnsteuerbescheinigung.

Die meisten Steuerzahler können es sich beim Ausfüllen der Anlage Vorsorgeaufwand leicht machen. Denn sehr viele Informationen liegen dem Finanzamt bereits als E-Daten vor. Nutzer von Elster oder einer Steuersoftware können diese Daten über den Service „Abruf von Bescheinigungen“ (sogenannter Belegabruf) dort abrufen und in ihre eigene elektronische Steuererklärung übernehmen. Im Papierformular können die dunkelgrünen Felder unausgefüllt bleiben, wenn die übermittelten Daten korrekt sind. 

Minijobber können auch Rentenversicherungsbeiträge absetzen

Zahlst Du als Minijobber eigene Rentenversicherungsbeiträge? Dann solltest Du die Anlage Vorsorgeaufwand ausfüllen. Allerdings werden auch hier die steuerfreien Arbeitgeberbeiträge vollständig abgezogen. 

Ein Beispiel: Du bist Arbeitnehmer mit einem gewerblichen Minijob und erhältst zwölf Monate lang 450 Euro Gehalt. 2020 werden 90 Prozent des gesamten Rentenversicherungsbeitrags – bestehend aus dem Arbeitnehmeranteil mit dem Beitragssatz von 3,6 Prozent und dem Arbeitgeberanteil mit 15 Prozent Beitrag – berücksichtigt. Anschließend werden aber 100 Prozent des Arbeitgeberbeitrags abgezogen. Das heißt, es bleiben noch knapp 94 Euro als absetzbare Vorsorgeaufwendungen übrig. Der bezahlte Eigenbeitrag beläuft sich immerhin auf 194,40 Euro. (2018 hättest Du bei denselben Zahlen sogar nur 54 Euro absetzen können.)

Anders ist die Situation, wenn Du als Minijobber in einem privaten Haushalt beschäftigt bist, als sogenannte Haushaltshilfe. In diesem Fall zahlst Du 2020 als Arbeitnehmer einen Beitrag von 13,6 Prozent zur Rentenversicherung und es wird nur der 5-prozentige Beitrag des Arbeitgebers abgezogen. Im oben genannten Beispielsfall betragen die abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen im Steuerbescheid 2020 sogar 634 Euro. In diesem Fall hast Du selbst über 734 Euro an Rentenversicherungsbeiträgen eingezahlt und der Arbeitgeber weitere 270 Euro.

Grundsätzlich kannst Du selbst entscheiden, ob Du Vorsorgeaufwendungen bei einem Minijob in Deiner Steuererklärung einträgst oder nicht. Es gibt nämlich eine Fallkonstellation, in der Du darauf verzichten solltest: wenn Du einen gewerblichen Minijob mit Befreiung von der Rentenversicherungspflicht neben einer Hauptbeschäftigung hast. Hier trägst Du am besten nur die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge aus dem Hauptberuf in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Andernfalls würde der 100-prozentige Abzug der Arbeitgeberanteile aus beiden Jobs dazu führen, dass Deine insgesamt abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen geringer ausfallen.

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In welcher Höhe sind Beiträge für eine Rürup-Rente absetzbar?

Genauso wie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zählen Beiträge zu einer Rürup-Rentenversicherung zur Basisversorgung. Alle Beiträge aus dieser Kategorie werden zusammengerechnet, wobei das Finanzamt diese nur bis zum Höchstbeitrag begünstigt.

Fortsetzung des Beispiels von oben: Der Angestellte kommt auf insgesamt 9.300 Euro an Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung. Um 2020 den Höchstbetrag der abzugsfähigen Altersvorsorgeaufwendungen vollständig auszunutzen, könnte er 15.746 Euro (25.046 Euro minus 9.300 Euro) in die Rürup-Rentenversicherung einzahlen.

Tipp: Insbesondere Selbstständige, die diesen Höchstbetrag noch nicht ausschöpfen, können die größtmögliche Steuerentlastung erzielen, wenn sie ihren Beitrag in einen laufenden Rürup-Vertrag dementsprechend erhöhen. Die Zahlungen müssen bis Jahresende 2020 erfolgen, damit sie für die Steuererklärung 2020 berücksichtigt werden können.

Für nicht rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer wie Beamte, Richter, Soldaten und Gesellschafter-Geschäftsführer, die einen vertraglichen Anspruch auf Altersvorsorge haben, gilt bezüglich ihrer Rürup-Zahlungen Folgendes: Vom Höchstbetrag wird ein fiktiver Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, bestehend aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, abgezogen (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG).

In der Steuererklärung 2019 trägst Du Deine Rürup-Beiträge (im Formular: Beiträge zu zertifizierten Basisrentenverträgen) in Zeile 8 der Anlage Vorsorgeaufwand ein.

Anders als eine Rürup-Rente fließen die Beiträge zu einem Riester-Vertrag nicht in die Berechnung der abziehbaren Vorsorgeaufwendungen ein. Einzelheiten zu Riester liest Du am Ende dieses Textes.

Was bedeutet Vorwegabzug und Günstigerprüfung?

Bis 2004 wurde anders berechnet, in welchem Umfang Du Deine Vorsorgeaufwendungen geltend machen darfst. Noch bis zum Veranlagungszeitraum 2019 spielt die alte Berechnungsmethodik eine Rolle. Denn das Finanzamt überprüfte bis dahin automatisch, ob die alte oder die neue Berechnung für Dich günstiger ist (Günstigerprüfung).

Deshalb hier die Grundzüge der alten Methode: Zunächst addiere die von Dir bezahlten Versicherungsbeiträge. Diese sind bis zum Vorsorgehöchstbetrag absetzbar. Er setzt sich zusammen aus dem Vorwegabzug, dem Grundhöchstbetrag und dem halben Höchstbetrag.

Bei einer Einzelveranlagung im Jahr 2019 sind dies: 300 Euro (Vorwegabzug) + 1.334 Euro (Grundhöchstbetrag) + 667 Euro (halber Höchstbetrag) = 2.301 Euro als Vorsorgehöchstbetrag.

Der Vorwegabzug ist der erste abzugsfähige Teibetrag. Er schmilzt seit 2011 jedes Jahr. 2019 gibt es diesen letztmals; er beträgt dann 300 Euro (2018: 600 Euro). Hinzu kommt, dass er bei vielen gekürzt wird – beispielsweise bei Arbeitnehmern mit steuerfreien Arbeitgeberzuschüssen zu ihrer Sozialversicherung. Die Kürzung beträgt in diesem Fall 16 Prozent des steuerpflichtigen Bruttogehalts. Dies hat zur Folge, dass der Vorwegabzug für die meisten bei null landet.

Die Vorsorgeaufwendungen werden stufenweise steuerlich berücksichtigt: In der Regel liegen sie oberhalb des Vorwegabzugs und sind zunächst bis zum Grundhöchstbetrag abziehbar. Ein übersteigender Betrag kann nur zur Hälfte abgesetzt werden, maximal bis 667 Euro. Mehr geht nicht.

Für die meisten Steuerzahler ist die andere neue Berechnungsmethodik günstiger, die wir weiter oben erläutert haben. Und ab 2020 ist sie die einzige.

Was ist bei der Krankenversicherung absetzbar?

Zu den Sonderausgaben, die Du in voller Höhe von der Steuer absetzen kannst, gehören auch die Beiträge für Pflegeversicherung und Krankenkasse – aber nur die, die Dich auf sozialhilfegleichem Niveau absichern. Das ist die sogenannte Basiskrankenversicherung. Der von einer Krankenkasse erhobene Zusatzbeitrag zählt auch dazu.

Ein Anspruch auf Krankengeld gehört jedoch nicht zum Basisschutz. Deshalb kürzt das Finanzamt bei Pflichtversicherten den Krankenversicherungsbeitrag pauschal um 4 Prozent. Dieser unberücksichtigte Betrag und die Beiträge für Wahlleistungen oder eine Auslandskrankenversicherung kannst Du nur dann als sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen, wenn der Höchstbetrag von 1.900 Euro noch nicht ausgeschöpft ist. 

Auch für privat Krankenversicherte gilt, dass nur der Basisschutz ohne Krankengeldanspruch vollständig absetzbar ist.

Für manchen Steuerzahler kann es sich steuerlich lohnen, Basisbeiträge zur privaten oder freiwilligen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung vorauszuzahlen. Das Finanzamt erkennt im Zahlungsjahr Sonderausgaben bis zum 2,5-fachen des Jahresbeitrags des laufenden Jahres an (§ 10 Abs. 1 Nr. 3b Satz 4 EStG). Auf diese Weise lässt sich in den beiden Folgejahren der Höchstbetrag von 1.900 Euro beziehungsweise 2.800 Euro (gilt zum Beispiel für Selbstständige) für andere Versicherungen nutzen.

Übrigens: Für ab 2020 vorausgezahlte Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge dürfen bis zum Dreifachen des laufenden Jahresbeitrags sofort als Sonderausgaben abgesetzt werden.

Deine Aufwendungen für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung trägst Du in die Anlage Vorsorgeaufwand ein.

Mindern Bonuszahlungen oder Prämien die Sonderausgaben?

Sowohl in der gesetzlichen wie in der privaten Krankenversicherung kann es vorkommen, dass Du als Versicherter Geld zurückbekommst. Je nach Charakter der Zahlung reduziert diese die abziehbaren Sonderausgaben.

Private Krankenversicherung mit Selbstbeteiligung

Privat Krankenversicherte haben oft eine Selbstbeteiligung vereinbart und zahlen einen Teil der Krankheitskosten selbst. Dafür fällt der Beitrag niedriger aus. Bekommst Du als privat Krankenversicherter eine Beitragsrückerstattung, dann musst Du diese von den gezahlten Beiträgen in diesem Jahr abziehen. Nur die Differenz ist als Sonderausgabe abziehbar.

Gesetzliche Krankenversicherung mit Wahltarif

Analog ist die Situation, wenn Du als gesetzlich Krankenversicherter einen Wahltarif mit Selbstbehalt hast und eine Prämie bekommst. Die Prämienzahlung gilt als Beitragserstattung, die die Vorsorgeaufwendungen mindert (Bundesfinanzhof, Urteil vom 6. Juni 2018, Az. X R 41/17). 

In dem Fall hatte der Kläger einen Wahltarif mit einem jährlichen maximalen Selbstbehalt von 550 Euro abgeschlossen, für die er im Gegenzug eine Prämie von bis zu 450 Euro erhalten konnte. Im ungünstigsten Fall hätte er 100 Euro an die Krankenkasse zahlen müssen. Im Streitjahr erhielt er 450 Euro Prämie ausgezahlt. Bei den Krankenversicherungsbeiträgen in seiner Steuererklärung hatte er die Prämie nicht berücksichtigt. Zu Unrecht, entschied der Bundesfinanzhof (BFH). Denn die Prämie ist als Beitragsrückerstattung zu bewerten. Sie reduziert die abzugsfähigen Sonderausgaben. 

Keine Kürzung bei Kostenerstattung von Gesundheitsmaßnahmen

Für gesetzlich Krankenversicherte, die an einem Gesundheitsprogramm ihrer Krankenkasse teilgenommen und dafür einen Bonus erhalten haben, ist die Situation hingegen anders: Sie können in vielen Fällen die ungekürzten Beiträge für die Krankenversicherung in der Steuererklärung angeben.

Dies gilt für den Fall, wenn Versicherte selbst Kosten für bestimmte Gesundheitsmaßnahmen getragen haben, um den Bonus zu erhalten. Dann zählt dieser als Kostenerstattung der Krankenkasse. Konsequenz: Der Zuschuss gilt nicht als Erstattung von gezahlten Krankenversicherungsbeiträgen. Deshalb muss der Sonderausgabenabzug nicht reduziert werden (BFH, Urteil vom 1. Juni 2016, Az. X R 17/15).

In dem Fall nahm eine Krankenversicherte am Bonusprogramm ihrer Krankenkasse teil. Die BKK zahlte im Jahr bis zu 150 Euro als Bonus an sie aus. Damit belohnte die Kasse gesundheitsbewusstes Verhalten. Denn die Versicherte verpflichtete sich, an einer Reihe von kostenfreien Vorsorgemaßnahmen teilzunehmen sowie beispielsweise Brillen, Osteopathie, Massagen oder Heilpraktiker-Behandlungen selbst zu finanzieren. Für den Zuschuss von 150 Euro war entscheidend, dass sie vorher Kosten für weitere Gesundheitsmaßnahmen selbst getragen hat.

Die Leitlinie dieses BFH-Urteils akzeptieren die Finanzämter. Allerdings fordert die Finanzverwaltung, dass der Krankenversicherte vorab Kosten für zusätzliche Gesundheitsmaßnahmen getragen hat, die ihm seine Kasse anschließend aufgrund eines Kostennachweises erstattet hat. Außerdem soll es sich um zusätzliche Gesundheitsmaßnahmen handeln, die nicht im regulären Leistungsumfang der Krankenkasse enthalten sind (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 24. Mai 2017, Rz. 88 und 89). Dann liegt eine Kostenerstattung vor.

Das bedeutet: In Fällen, in denen die Krankenkasse mit einem Bonus Deine Aufwendungen für zusätzliche, privat finanzierte Gesundheitsmaßnahmen erstattet, musst Du die Bonuszahlung nicht mehr in Deiner Steuererklärung angeben. Denn es handelt sich dabei nicht um eine Beitragsrückerstattung.

Pauschaler Bonus für Gesundheitsmaßnahmen

Viele Bonusprogramme von Krankenversicherungen sind jedoch anders gestaltet: Die Krankenkasse gewährt einen pauschalen Bonus entweder als Geld- oder als Sachleistung für gesundheitsbewusstes Verhalten. Manchmal muss der Krankenversicherte nicht einmal gezielte Aufwendungen dafür tragen.

Das eine Programm belohnt beispielsweise die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, ein anderes die Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Bei noch einer anderen Krankenkasse bekommen Nichtraucher einen Bonus oder es gibt ein ganzes Bündel an bonusfähigen Maßnahmen. Krankenkassen können selbst festlegen, welche Leistungen sie im Rahmen ihres Bonusprogramms belohnen wollen (§ 65a Sozialgesetzbuch V).

Einen solchen pauschalen Bonus werten die Finanzämter bislang in voller Höhe als Beitragsrückerstattung, und die Krankenkassen müssen das entsprechend an die Finanzverwaltung elektronisch melden

Tatsächlich kann jedoch auch bei einer pauschalen Ausgestaltung ein Bonus (teilweise) steuerfrei sein, sofern damit konkret der der Gesundheitsmaßnahme zuzuordnende finanzielle Aufwand ganz oder teilweise ausgeglichen wird (BFH, Urteil vom 6. Mai 2020, Az. X R 16/18). Ein pauschaler Bonus muss demnach oft zweigeteilt werden – in Kostenerstattung versus Beitragserstattung:  

  1. Beispiele für Kostenerstattung der Krankenkasse: Das Bonusmodell einer Krankenkasse honoriert pauschal mit 50 Euro eine professionelle Zahnreinigung; jeweils 20 Euro für eine Glaukomuntersuchung, einen PSA-Test und einen Haut-Check. Jeweils 30 Euro erhält der Versicherte für seine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio und in einem Sportverein. 20 Euro bekommt er, weil er eine Teilnahmegebühr für einen Laufwettbewerb gezahlt hat.

    Der Versicherte hat die Kosten für diese Gesundheitsmaßnahmen selbst getragen und kann sie nachweisen. Die Krankenkasse zahlt hierfür eine Geldprämie von insgesamt 190 Euro aus. Diese mindert letztlich die zusätzlichen Gesundheitsaufwendungen des Versicherten und stellt damit eine Kostenerstattung dar. Die Sonderausgaben müssen nicht reduziert werden. 

    Nach Ansicht des BFH kann die Krankenkasse den finanziellen Aufwand des Versicherten für eine Maßnahme sogar etwas überkompensieren, wenn der pauschale Bonus bei überschlägiger Betrachtung realitätsgerecht ist. Würde sie beispielsweise einen pauschalen Bonus von 80 Euro für die professionelle Zahnreinigung gewähren und der Versicherte hat tatsächlich nur 70 Euro ausgegeben, müssten auch dann die Sonderausgaben nicht gemindert werden. 
  2. Beispiele für Beitragserstattung: Ganz anders ist die Situation zu bewerten, wenn bestimmte Vorsorgemaßnahmen bonifiziert werden, für die der Versicherte keinen eigenen finanziellen Aufwand hatte. Bekommt er zum Beispiel einen Bonus von je 10 Euro für einen Gesundheits-Check-up und für eine zahnärztliche Untersuchung und die Krankenkasse hat die Kosten hierfür getragen, fehlt es am eigenen Aufwand. Das gilt für alle Vorsorgemaßnahmen, die vom Basiskrankenversicherungsschutz umfasst werden, beispielsweise für die Krebsvorsorge und Schutzimpfungen. Ebenfalls keinen Aufwand hat der Versicherte, wenn die Kasse ein bestimmtes Verhalten belohnt, zum Beispiel den Nichtraucherstatus oder ein bestimmtes Körpergewicht. 

    Im Beispiel zählen hier die ausgezahlten 20 Euro als Beitragserstattung. Die Sonderausgaben werden dementsprechend reduziert.

Ein Gesamtbonus muss nach diesen Maßstäben aufgeteilt werden. Für die Praxis ist das BFH-Urteil herausfordernd. Faktisch müsste die Krankenkasse genau aufschlüsseln, für welche Maßnahme sie welchen Teilbonus gewährt. Und um die Aufwendungen zu erstatten, benötigt sie in der Regel Kostennachweise des Versicherten. Wenn sie den pauschalen Bonus aufgesplittet hat, dürfte sie nur noch den Teil für die Beitragserstattung als Bonus an das Finanzamt melden. Nur dieser reduziert dann Deine abzugsfähigen Sonderausgaben.

Du solltest Dir das Bonusprogramm Deiner Krankenkasse vor diesem Hintergrund genau anschauen. Wenn Du Kosten für zusätzliche Gesundheitsmaßnahmen hast, lass Dir hierfür Rechnungen oder Kostennachweise ausstellen und hebe sie auf. Deine Krankenkasse muss dem Finanzamt Deine absetzbaren Krankenversicherungsbeiträge sowie einen ausgezahlten Bonus melden. Überprüfe diese Daten kritisch. Stellst Du fest, dass Deine Kasse fehlerhafte Daten übermittelt hat, informiere sie darüber und fordere sie auf, die Meldung zu korrigieren. In Deiner Steuererklärung setzt Du die korrekten Werte an. 

Kürzt das Finanzamt Deine Sonderausgaben zu Unrecht, dann lege innerhalb eines Monats Einspruch gegen den Steuerbescheid ein und verweise auf das BFH-Urteil. Die Urteile zeigen jedoch, dass es immer auf die konkreten Bestimmungen des Bonusmodells ankommt.

Zählen auch die Versicherungen Deines Kindes dazu?

Hast Du ein unterhaltsberechtigtes Kind, kannst Du auch die Kranken- und Pflegeversicherung Deines Kindes als Sonderausgaben geltend machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du selbst der Versicherungsnehmer bist oder Dein Kind. Das gilt zum Beispiel auch dann, wenn Dein Kind Auszubildender ist und der Arbeitgeber die Krankenversicherungsbeiträge vom Lohn einbehalten hat. Du musst jedoch die Beiträge getragen haben, entweder indem Du diese Deinem Kind erstattest oder die Beiträge zahlst (BFH, Urteil vom 13. März 2018, Az. X R 25/15). Der Gesetzgeber hat jedoch klargestellt: Entscheidend ist, dass Du die Krankenversicherungsbeiträge entweder in Form von Bar- oder Sachleistungen getragen hast.

Analog gilt dies auch für den Fall, wenn Du Unterhaltspflichten für Deine Eltern hast. Dann kannst Du ebenfalls die Krankenversicherung für sie übernehmen und als Sonderausgaben absetzen. Eine solche Kostenübernahme kann aus Familienperspektive zu einer Steuerentlastung führen. Denn oft zahlen die unterhaltsberechtigten Kinder oder Eltern aufgrund ihres niedrigen Einkommens gar keine Steuern. Ein Sonderausgabenabzug bringt ihnen dann nichts.

Beiträge können nicht zweimal abgesetzt werden: Wenn Du die Beiträge übernommen hast, dann darfst nur Du diese in Deiner Steuererklärung berücksichtigen.

Falls Du einen Anspruch auf Kindergeld hast, dann trage die für Dein Kind übernommenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in der Anlage Kind, Seite 2, ein. 

Falls Du keinen Anspruch auf Kindergeld hast und als Versicherungsnehmer die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge übernimmst – zum Beispiel für Deine Kinder –, dann kannst Du diese in der Anlage Vorsorgeaufwand (ab Zeile 40) eintragen. Du benötigst auch die Steuer-Identifikationsnummer der anderen Person.

Welche sonstigen Vorsorgeaufwendungen kannst Du noch absetzen?

Als sonstige Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden neben den Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen oberhalb der Basisvorsorge auch alle Beiträge zur Absicherung von Arbeitslosigkeit, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit sowie Unfall-, Haftpflicht- (auch Kfz-Haftpflicht) und Risikolebensversicherungen. Bei Renten- und Kapitallebensversicherungen zählen nur Altverträge. Der Abschluss muss vor dem Jahr 2005 erfolgt sein, ebenso die erste Einzahlung. 

Für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, Beamte und die meisten Rentner gilt der Höchstbetrag von 1.900 Euro, Selbstständige können hingegen bis 2.800 Euro geltend machen. Der Betrag ist höher, weil Selbstständige ihre Krankenversicherung vollständig selbst bezahlen. Davon profitiert auch der nicht berufstätige Ehepartner eines privat krankenversicherten Arbeitnehmers, wenn er selbst freiwillig gesetzlich versichert ist.

Deine Aufwendungen trägst Du in die Anlage Vorsorgeaufwand unter „weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen“ ein.

Das entlastet aber nur wenige Steuerzahler. Wer die Beiträge für Basiskranken- und gesetzliche Pflegeversicherung abgesetzt hat, behält von seinem Höchstbetrag meist nicht mehr viel oder gar nichts übrig. Ein Teil der Vorsorgeaufwendungen wirkt sich deshalb in vielen Fällen steuerlich nicht aus

Hier kannst Du Dir unser kostenloses 20-seitiges
E-Book für die Steuererklärung 2019 herunterladen:

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Wie wird ein Riester-Vertrag berücksichtigt?

Das Riester-Sparen fördert der Fiskus vor allem durch staatliche Zulagen. Diese werden dem Altersvorsorgevertrag gutgeschrieben. Für Gutverdiener ist zusätzlich eine Steuerersparnis von einigen Hundert Euro möglich aufgrund des Sonderausgabenabzugs.

Gehörst Du zum förderberechtigten Kreis der Sparer, die Zulagen für die Riester-Rente erhalten, kannst Du im günstigsten Fall bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Dieser Höchstbetrag steht jedem förderberechtigten Ehegatten zu.

Als Sonderausgaben zählen Deine eigenen Beiträge und Dein Anspruch auf die staatlichen Zulagen. Sie reduzieren das zu versteuernde Einkommen. 

Die Beiträge zu einem Riester-Vertrag fließen nicht in die Berechnung der abziehbaren Vorsorgeaufwendungen mit ein.

Damit Du die volle staatliche Förderung erhältst, musst Du 4 Prozent Deines rentenversicherungspflichtigen Einkommens abzüglich der Zulagen sparen. Die Zulagen betragen im Einzelnen:

  • bis zu 175 Euro (bis 2017: 154 Euro) pro Jahr Grundzulage,
  • einmalig 200 Euro Zuschuss für junge Sparer, wenn sie einen neuen Vertrag abschließen, bevor sie 25 Jahre alt werden,
  • für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, gibt es 185 Euro Kinderzulage, für später geborene 300 Euro. Das gilt aber nur für Kinder, für die ein Kindergeldanspruch besteht.

Aufwendungen für die Riester-Rente trägst Du in der Steuererklärung in der Anlage AV ein. Das Finanzamt berechnet dann automatisch, was für Dich vorteilhafter ist: Zulagen oder Sonderausgabenabzug.  

Bei seiner Günstigerprüfung bezieht es immer Deinen Anspruch auf Deine Zulage ein – unabhängig davon, ob Du diese tatsächlich erhalten hast. Deshalb solltest Du unbedingt dauerhaft die Zulage bei Deinem Anbieter beantragen, der diese dann Deinem Vertrag gutschreibt.

Der Sonderausgabenanzug kann einen zusätzlichen finanziellen Vorteil bringen. Im Steuerbescheid stellt das Finanzamt dies folgendermaßen dar: Es ermittelt zunächst den Steuervorteil aufgrund des Sonderausgabenabzugs und zieht dann die Zulagen ab. Die Zulagen erhöhen ja bereits Dein Vertragsguthaben und müssen deshalb abgezogen werden. Die Differenz stellt dann den zusätzlichen Steuervorteil dar, den das Finanzamt an Dich auszahlt.

Insbesondere kinderlose Steuerzahler und Besserverdiener profitieren eher vom Sonderausgabenabzug als von der Zulage. Familien mit mehreren Kindern kommen hingegen mit den Zulagen besser weg.

Achtung: Löst Du den Riester-Vertrag vorzeitig auf und verwendest das Geld nicht für die Altersvorsorge, musst Du sowohl die Zulagen als auch die Steuerersparnis zurückzahlen.

Neben den Vorsorgeaufwendungen kannst Du eine Reihe weiterer Sonderausgaben absetzen. Unsere herunterladbare Checkliste gibt Dir einen Überblick, welche das sind und wo Du diese in der Steuererklärung eintragen musst.

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Autor
Udo Reuß

Stand: 03. September 2020


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