Vorsorgeaufwendungen

So setzen Sie Altersvorsorge und Versicherungen von der Steuer ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Versicherungsbeiträge können Sie in Ihrer Steuererklärung als Sonderausgaben absetzen. Dadurch zahlen Sie weniger Einkommensteuer.
  • Zu diesen sogenannten Vorsorgeaufwendungen zählen insbesondere die Ausgaben für die Altersvorsorge (Basisversorgung). Begrenzt absetzbar sind Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie andere „sonstige Vorsorgeaufwendungen“.
  • Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zu einem Rürup-Vertrag gehören zu den Altersvorsorgeaufwendungen. Diese sind im größeren Umfang absetzbar.
  • Ausgaben für die private und gesetzliche Rentenversicherung und ihr gleichgestellte Aufwendungen können Sie 2017 bis zu einem Höchstbetrag von 23.362 Euro (das Doppelte für Ehepaare) von der Steuer absetzen (2018: bis 23.712 Euro). Für 2017 erkennt das Finanzamt aber nur 84 Prozent der Ausgaben an (2018: 86 Prozent, 2019: 88 Prozent).
  • Wenn Sie in die Rentenkasse einzahlen, mindert sich der absetzbare Betrag um den steuerfreien Arbeitgeberanteil.
  • Seit 2005 gibt es eine neue Berechnungsmethode für die Absetzbarkeit von Vorsorgeaufwendungen. Letztmals für das Steuerjahr 2019 macht das Finanzamt eine automatische Günstigerprüfung und wendet die für Sie günstigere Methode an.

So gehen Sie vor

  • Die Beiträge für einen Riester-Vertrag tragen Sie in der Steuererklärung in der Anlage AV ein, die meisten anderen Ausgaben für die Altersvorsorge und Versicherungsbeiträge in die Anlage Vorsorgeaufwand.
  • Ihre Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung dürfen Sie komplett absetzen – auch für Ihren Ehe- oder Lebenspartner sowie für unterhaltsberechtigte Kinder. Die Beiträge für Kinder, für die Sie Kindergeld erhalten, gehören in die Anlage Kind.
  • Wenn dadurch der jährliche Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen von 1.900 Euro für Arbeitnehmer und Beamte oder 2.800 Euro für Selbstständige noch nicht ausgeschöpft ist, können Sie die Ausgaben für weitere Versicherungen geltend machen.
  • Zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen zählen neben den Aufwendungen oberhalb der Basiskranken- und -pflegeversicherung auch die eigenen Beiträge zur Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Wegen des ausgeschöpften Höchstbetrags sind diese jedoch in vielen Fällen nicht absetzbar.
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Aufwendungen für die Altersvorsorge sowie für die Kranken- und Pflegeversicherung gehören zu den Sonderausgaben, die der Gesetzgeber steuerlich begünstigt. Möglicherweise können Sie weitere Versicherungsbeiträge absetzen. Allerdings müssen Sie dafür eventuell mehrere verschiedene Steuerformulare ausfüllen. Sie sollten sich davon nicht abschrecken lassen: Die Mühe lohnt sich.

Wie können Sie die Basisversorgung absetzen?

Versicherungsbeiträge gehören eigentlich zu den privaten Ausgaben. Im begrenzten Umfang sind sie steuerlich absetzbar. Die Vorsorgeaufwendungen unterteilen sich in zwei Bereiche:

  • Basisversorgung: Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zum berufsständischen Versorgungswerk, zur landwirtschaftlichen Alterskasse und für eine Rürup-Rente;
  • sonstige Vorsorgeaufwendungen: beispielsweise Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall-, Risikolebens- sowie private Kapitallebens- und Rentenversicherung mit Abschluss vor 2005.

Die Basisversorgung setzt sich aus Beiträgen für den Aufbau einer Altersversorgung zusammen. Darunter fällt die gesetzliche Rentenversicherung, ihr gleichgestellte Aufwendungen wie berufliche Versorgungswerke und die Rürup-Rente (Basisrentenvertrag). Diese Aufwendungen können Sie als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.

Grundsätzlich gilt dafür im Jahr 2017 ein Höchstbetrag von 23.362 Euro im Jahr – Ehepaare und Lebenspartner, die zusammen veranlagt sind, können den doppelten Betrag geltend machen, also 46.724 Euro. 2018 steigt dieser Betrag auf 23.712 Euro beziehungsweise 47.424 Euro bei einer gemeinsamen Veranlagung an. 

Allerdings können Sie erst ab dem Jahr 2025 vom vollen Höchstbetrag profitieren. In den kommenden Jahren wird der Anteil der jährlich abziehbaren Basisvorsorgeaufwendungen langsam angehoben – pro Jahr um zwei Prozentpunkte. Im Umkehrschluss werden Renteneinkünfte vollständig besteuert – allerdings erst ab 2040. Fachleute sprechen vom Prinzip der nachgelagerten Besteuerung.

Die Berechnung, was Sie absetzen können, erfolgt mehrstufig: In der Steuererklärung für 2017 berücksichtigt das Finanzamt zunächst höchstens 84 Prozent der Höchstbeträge, also 19.624 Euro für Alleinstehende und 39.248 Euro für Paare. 2018 können Sie 86 Prozent des Höchstbetrags absetzen, also 20.392 Euro als Alleinstehende und 40.784 Euro als Paar. Im Jahr 2019 steigt der absetzbare Anteil der Altersvorsorgeaufwendungen auf 88 Prozent.

Davon abzuziehen ist der steuerfreie Arbeitgeberanteil: Arbeitnehmer, die verpflichtet sind, in die Rentenversicherung einzuzahlen, bekommen ihre Vorsorgeaufwendungen um diesen Betrag gekürzt. In der folgenden Rechnung zeigen wir an einem Beispiel, wie Sie sich das vorstellen müssen:

Beispiel Altersvorsorge absetzen für 2018

Arbeitnehmerbeitrag4.650 Euro
Arbeitgeberbeitrag 4.650 Euro
Rürup-Rente3.000 Euro
insgesamt12.300 Euro
Höchstbetrag23.712 Euro
86 % von 12.300 Euro10.578 Euro
abzüglich steuerfreier Arbeitgeberanteil4.650 Euro
verbleibender Betrag5.928 Euro

In dem Beispiel für das Jahr 2018 hat der rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer ein Jahresbruttoeinkommen von 50.000 Euro. Er kann Altersvorsorgeaufwendungen in Höhe von 5.928 Euro als Sonderausgaben geltend machen. 

Ehepaare profitieren davon, dass für sie in der gemeinsamen Steuererklärung der doppelte Höchstbetrag gilt. Dabei kommt es nicht darauf an, wer von beiden die Altersvorsorgebeiträge bezahlt hat.

Ihre Aufwendungen für die Altersvorsorge gehören in der Steuererklärung (2017) in die Anlage Vorsorgeaufwand auf Seite 1 in die Zeilen 4 bis 10. Tragen Sie die gesamten Beiträge laut Lohnsteuerbescheinigung ein. Kürzungen nimmt das Finanzamt von sich aus vor.

Wann ein Minijobber seine Rentenversicherungsbeiträge absetzen sollte

Zahlen Sie als Minijobber eigene Rentenversicherungsbeiträge? Dann haben Sie Wahl: Sie können diese bei den Vorsorgeaufwendungen geltend machen, müssen es aber nicht. Die steuerfreien Arbeitgeberbeiträge werden jedoch auch beim Minijob vollständig abgezogen. Das führt bei einem gewerblichen Minijob zu einem Nachteil. Deshalb sollten Sie auf das Wahlrecht verzichten.

Ein Beispiel: Ein Minijobber erhält 12 Monate lang 450 Euro Gehalt. 2018 werden nur 86 Prozent des gesamten Rentenversicherungsbeitrags – bestehend aus dem Arbeitnehmeranteil mit dem Beitragssatz von 3,6 Prozent und dem Arbeitgeberanteil mit 15 Prozent Beitrag – berücksichtigt. Anschließend werden aber 100 Prozent des Arbeitgeberbeitrags abgezogen. Das heißt, er bleiben gerade noch 54 Euro als absetzbare Vorsorgeaufwendungen übrig. Der bezahlte Eigenbeitrag hat immerhin 194,40 Euro betragen.

Anders ist die Situation, wenn Sie als Minijobber in einem privaten Haushalt beschäftigt sind, als sogenannte Haushaltshilfe. In diesem Fall zahlen Sie 2018 als Arbeitnehmer einen Beitrag von 13,6 Prozent zur Rentenversicherung und es wird nur der 5-prozentige Beitrag des Arbeitgebers abgezogen. In diesem Fall kann sich die Angabe in der Steuererklärung lohnen. Im oben genannten Beispielsfall betragen die abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen 594 Euro.

In welcher Höhe sind Beiträge für eine Rürup-Rente absetzbar?

Genauso wie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zählen Beiträge zu einer Rürup-Rentenversicherung zur Basisversorgung. Alle Beiträge aus dieser Kategorie werden zusammengerechnet, wobei das Finanzamt diese nur bis zum Höchstbeitrag begünstigt.

Fortsetzung des Beispiels von oben: Der Angestellte kommt auf insgesamt 9.300 Euro an Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung. Um 2018 den Höchstbetrag der abzugsfähigen Altersvorsorgeaufwendungen vollständig auszunutzen, könnte er 14.412 Euro (23.712 Euro minus 9.300 Euro) in die Rürup-Rentenversicherung einzahlen.

Tipp: Insbesondere Selbstständige, die diesen Höchstbetrag noch nicht ausschöpfen, können die größtmögliche Steuerentlastung erzielen, wenn sie ihren Beitrag in einen laufenden Rürup-Vertrag dementsprechend erhöhen. Die Zahlungen müssen bis Jahresende 2018 erfolgen, damit sie sich für die Steuererklärung 2018 berücksichtigen lassen.

Für nicht rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer wie Beamte, Richter, Soldaten und Gesellschafter-Geschäftsführer, die einen vertraglichen Anspruch auf Altersvorsorge haben, gilt bezüglich ihrer Rürup-Zahlungen Folgendes: Vom Höchstbetrag wird ein fiktiver Gesamtbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung, bestehend aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, abgezogen (§ 10 Abs. 3 Satz 3 EStG).

In der Steuererklärung 2017 tragen Sie Ihre Rürup-Beiträge in Zeile 8 der Anlage Vorsorgeaufwand ein.

Anders als eine Rürup-Rente fließen die Beiträge zu einem Riester-Vertrag nicht in die Berechnung der abziehbaren Vorsorgeaufwendungen ein. Einzelheiten zu Riester lesen Sie am Ende dieses Textes  

Was bedeutet Vorwegabzug und Günstigerprüfung?

Bis 2004 wurde anders berechnet, in welchem Umfang Sie Ihre Vorsorgeaufwendungen geltend machen dürfen. Noch bis zum Veranlagungszeitraum 2019 spielt die alte Berechnungsmethodik eine Rolle. Denn das Finanzamt überprüft bis dahin automatisch, ob die alte oder die neue Berechnung für Sie günstiger ist.

Deshalb hier die Grundzüge der alten Methode: 

Zunächst addieren Sie die von Ihnen bezahlten Versicherungsbeiträge. Diese sind bis zum Vorsorgehöchstbetrag absetzbar. Er setzt sich zusammen aus dem Vorwegabzug, dem Grundhöchstbetrag und dem halben Höchstbeitrag. Bei einer Einzelveranlagung im Jahr 2017 sind dies:

900 Euro (Vorwegabzug) + 1.334 Euro (Grundhöchstbetrag) + 667 Euro (halber Höchstbetrag) = 2.901 Euro

Der Vorwegabzug ist der erste abzugsfähige Teibetrag. Er schmilzt seit 2011 jedes Jahr. 2018 beträgt er 600 Euro und im Jahr 2019 letztmals 300 Euro. Hinzu kommt, dass er bei vielen gekürzt wird – beispielsweise bei Arbeitnehmern mit steuerfreien Arbeitgeberzuschüssen zu ihrer Sozialversicherung. Die Kürzung beträgt in diesem Fall 16 Prozent des steuerpflichtigen Bruttogehalts. Dies hat zur Folge, dass der Vorwegabzug für die meisten bei null landet.

Die Vorsorgeaufwendungen werden stufenweise steuerlich berücksichtigt: In der Regel liegen sie oberhalb des Vorwegabzugs und sind zunächst bis zum Grundhöchstbetrag abziehbar. Ein übersteigender Betrag kann nur zur Hälfte abgesetzt werden, maximal bis 667 Euro. Mehr geht nicht.

Für die meisten Steuerzahler ist die andere, neue  Berechnungsmethodik günstiger, die wir weiter oben erläutert haben. Und ab 2020 ist sie die einzige.

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Was ist bei der Krankenversicherung absetzbar?

Zu den Sonderausgaben, die Sie in voller Höhe von der Steuer absetzen können, gehören auch die Beiträge für Pflegeversicherung und Krankenkasse – aber nur die, die Sie auf sozialhilfegleichem Niveau absichern. Das ist die sogenannte Basiskrankenversicherung. Der von einer Krankenkasse erhobene Zusatzbeitrag zählt auch dazu.

Ein Anspruch auf Krankengeld gehört jedoch nicht zum Basisschutz. Deshalb kürzt das Finanzamt bei Pflichtversicherten den Krankenversicherungsbeitrag pauschal um 4 Prozent.

Dieser unberücksichtigte Betrag und die Beiträge für Wahlleistungen oder eine Auslandskrankenversicherung können Sie nur als sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen. 

Auch für privat Krankenversicherte gilt, dass nur der Basisschutz ohne Krankengeldanspruch vollständig absetzbar ist.

Für manchen Steuerzahler kann es sich steuerlich lohnen, Basisbeiträge zur privaten oder freiwilligen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung vorauszuzahlen. Das Finanzamt erkennt im Zahlungsjahr Sonderausgaben bis zum 2,5-fachen des Jahresbeitrags des laufenden Jahres an (§ 10 Abs. 1 Nr. 3b Satz 4 EStG). Auf diese Weise lässt sich in den beiden Folgejahren der Höchstbetrag von 1.900 Euro beziehungsweise 2.800 Euro für andere Versicherungen nutzen.

Ihre Aufwendungen für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand ein.

Mindern Bonuszahlungen oder Prämien die Sonderausgaben?

Sowohl in der gesetzlichen wie in der privaten Krankenversicherung kann es vorkommen, dass Sie als Versicherter Geld zurückbekommen. Je nach Charakter der Zahlung reduziert diese die abzugsfähigen Ausgaben.

Private Krankenversicherung mit Selbstbeteiligung

Privat Krankenversicherte haben oft eine Selbstbeteiligung vereinbart und zahlen einen Teil der Krankheitskosten selbst. Dafür fällt der Beitrag niedriger aus. Bekommen Sie als privat Krankenversicherter eine Beitragsrückerstattung, dann müssen Sie diese von den gezahlten Beiträgen in diesem Jahr abziehen. Nur die Differenz ist als Sonderausgabe abziehbar.

Gesetzliche Krankenversicherung mit Wahltarif

Analog ist die Situation, wenn Sie als gesetzlich Krankenversicherter einen Wahltarif mit Selbstbehalt haben und eine Prämie erhalten. Die Prämienzahlung gilt als Beitragsrückerstattung, die die Vorsorgeaufwendungen mindert (Bundesfinanzhof, Urteil vom 6. Juni 2018, Az. X R 41/17). 

In dem Fall hatte der Kläger einen Wahltarif mit einem jährlichen maximalen Selbstbehalt von 550 Euro abgeschlossen, für die er im Gegenzug eine Prämie von bis zu 450 Euro erhalten konnte. Im ungünstigsten Fall hätte er 100 Euro an die Krankenkasse zahlen müssen. Im Streitjahr erhielt er 450 Euro Prämie ausgezahlt. Bei den Krankenversicherungsbeiträgen in seiner Steuererklärung hatte er die Prämie nicht berücksichtigt. Zu Unrecht, entschied der Bundesfinanzhof (BFH). Denn die Prämie ist als Beitragsrückerstattung zu bewerten.

Keine Kürzung bei Kostenerstattung von Gesundheitsmaßnahmen

Für gesetzlich Krankenversicherte, die an einem Gesundheitsprogramm ihrer Krankenkasse teilgenommen und dafür einen Bonus erhalten haben, ist die Situation hingegen anders: Sie können in der Regel die ungekürzten Beiträge für die Krankenversicherung in der Steuererklärung angeben.

Dies gilt für den Fall, wenn Versicherte selbst Kosten für bestimmte Gesundheitsmaßnahmen getragen haben, um den Bonus zu erhalten. Dann zählt dieser als Zuschuss der Krankenkasse für gesundheitsbewusstes Verhalten. Konsequenz: Der Zuschuss gilt nicht als Erstattung von gezahlten Krankenversicherungsbeiträgen. Deshalb muss der Sonderausgabenabzug nicht reduziert werden (BFH, Urteil vom 1. Juni 2016, Az. X R 17/15).

In dem Fall nahm eine Krankenversicherte am Bonusprogramm ihrer Krankenkasse teil. Die BKK zahlte im Jahr bis zu 150 Euro als Bonus an sie aus. Damit belohnte die Kasse gesundheitsbewusstes Verhalten. Denn die Versicherte verpflichtete sich, an einer Reihe von kostenfreien Vorsorgemaßnahmen teilzunehmen sowie beispielsweise Brillen, Osteopathie, Massagen oder Heilpraktiker-Behandlungen selbst zu finanzieren.

Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben vom 6. Dezember 2016 die Finanzämter angewiesen, dieses BFH-Urteil anzuwenden. Allerdings fordert die Finanzverwaltung, dass der Krankenversicherte vorab Kosten für zusätzliche Gesundheitsmaßnahmen getragen hat, die ihm seine Kasse anschließend aufgrund eines Kostennachweises erstattet hat. Dann liegt eine Kostenerstattung vor.

Das bedeutet: In Fällen, in denen die Krankenkasse mit einem Bonus Ihre Aufwendungen für zusätzliche, privat finanzierte Gesundheitsmaßnahmen erstattet, müssen Sie die Bonuszahlung nicht mehr in Ihrer Steuererklärung angeben. Denn es handelt sich dabei nicht um Beitragsrückerstattung.

Diese Prinzipien gelten auch für Einkommensteuerbescheide, die in diesem Punkt vorläufig ergangen sind. 

Pauschaler Bonus für Gesundheitsmaßnahmen

Viele Bonusprogramme von Krankenversicherungen sind jedoch anders gestaltet: Die Krankenkasse gewährt einen pauschalen Bonus entweder als Geld- oder als Sachleistung für gesundheitsbewusstes Verhalten. Manchmal muss der Krankenversicherte nicht einmal gezielte Aufwendungen dafür tragen.

Das eine Programm belohnt beispielsweise die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, ein anderes die Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Bei noch einer anderen Krankenkasse bekommen Nichtraucher einen Bonus oder es gibt ein ganzes Bündel an bonusfähigen Maßnahmen. Krankenkassen können selbst festlegen, welche Leistungen sie im Rahmen ihres Bonusprogramms belohnen wollen (§ 65a Sozialgesetzbuch V).

Einen solchen pauschalen Bonus werten die Finanzämter als Beitragsrückerstattung, und die Krankenkassen müssen das entsprechend an die Finanzverwaltung elektronisch melden. Ob diese Einschätzung richtig ist, überprüft das Sächsische Finanzgericht (FG) in einem Musterverfahren (Az. 6 K 619/17).

In einem ähnlichen Fall hat sich das Sächsische FG auf die Seite des Steuerzahlers gestellt (Urteil vom 5. April 2018, Az. 8 K 1313/17; Revision beim BFH unter dem Az. X R 16/18). Dieser erhielt von seiner Krankenkasse für die Teilnahme an allgemein gesundheitsfördernden Maßnahmen einen Bonus von 230 Euro. Der Kläger wendete ein, dass er dafür insgesamt höhere Aufwendungen getragen hätte. 

Bei ihm ging es um den Besuch eines Fitnessstudios, die Mitgliedschaft in einem Sportverein, eine im Rahmen des Basiskrankenversicherungsschutzes nicht erstattungsfähige professionelle Zahnreinigung, die Teilnahme an einer Sportveranstaltung und sein gesundes Körpergewicht. Diese Aktivitäten hat er in einem Bonusheft seiner Krankenkasse dokumentieren lassen, die aber keine Kostennachweise verlangte. Das Finanzamt hatte die Sonderausgaben um 230 Euro gekürzt.

Zu Unrecht, meinten die Richter. Die Zahlung einer Krankenkasse an den Versicherten sei nur dann eine Beitragsrückerstattung, die seine wirtschaftliche Belastung mindert, wenn sie unmittelbar mit dem Basiskrankenversicherungsschutz zusammenhängt. Das betrifft nicht eine pauschale Geldprämie, die die Kasse im Rahmen eines Bonusprogramms überwiegend für allgemein gesundheitsfördernde Aktivitäten zahlt und für die sie vom Versicherten keine Kostenbelege anfordert. Diese Bonuszahlung mindert daher nicht den Sonderausgabenabzug des Versicherten für seine Krankenversicherungsbeiträge.

Sind Sie in einer vergleichbaren Situation, dann sollten Sie sich gegen eine Kürzung der Sonderausgaben wehren. Legen Sie innerhalb eines Monats Einspruch gegen den Steuerbescheid ein und verweisen Sie auf das Revisionsverfahren beim BFH. Dann ruht Ihr Verfahren, bis der BFH entschieden hat (§ 363 Abs. 2 Satz 2 Abgabenordnung). Die Urteile zeigen jedoch, dass es immer auf die konkreten Bestimmungen des Bonusmodells ankommt.

Zählen auch die Versicherungen Ihres Kindes dazu?

Haben Sie ein unterhaltsberechtigtes Kind, können Sie auch die Kranken- und Pflegeversicherung Ihres Kindes als Sonderausgaben geltend machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie selbst der Versicherungsnehmer sind oder Ihr Kind. Das gilt zum Beispiel auch dann, wenn Ihr Kind Auszubildender ist und der Arbeitgeber die Krankenversicherungsbeiträge vom Lohn einbehalten hat. Sie müssen jedoch die Beiträge getragen haben, entweder indem Sie diese Ihrem Kind erstatten oder die Beiträge zahlen (BFH, Urteil vom 13. März 2018, Az. X 25/15). Sie müssen also Geld überweisen.

Analog gilt dies auch für den Fall, wenn Sie Unterhaltspflichten für Ihre Eltern haben. Dann können Sie ebenfalls die Krankenversicherung für sie übernehmen und als Sonderausgaben absetzen. Eine solche Kostenübernahme kann aus Familienperspektive zu einer Steuerentlastung führen. Denn oft zahlen die unterhaltsberechtigten Kinder oder Eltern aufgrund ihres niedrigen Einkommens gar keine Steuern. Ein Sonderausgabenabzug bringt ihnen dann nichts.

Beiträge können nicht zweimal abgesetzt werden: Wenn Sie die Beiträge übernommen haben, dann dürfen nur Sie diese in Ihrer Steuererklärung berücksichtigen.

Falls Sie einen Anspruch auf Kindergeld haben, dann tragen Sie die für Ihr Kind übernommenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in der Anlage Kind, Seite 2 ein. 

Falls Sie keinen Anspruch auf Kindergeld haben und als Versicherungsnehmer die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge übernehmen – zum Beispiel für Ihre Kinder –, dann können Sie diese in der Anlage Vorsorgeaufwand, Seite 2 ab Zeile 40 eintragen. Sie benötigen auch die Steuer-Identifikationsnummer der anderen Person.

Welche sonstigen Vorsorgeaufwendungen können Sie absetzen?

Als sonstige Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden neben den Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen oberhalb der Basisvorsorge auch alle Beiträge zur Absicherung von Arbeitslosigkeit, Erwerbs- und Berufsunfähigkeit sowie Unfall-, Haftpflicht- und Risikolebensversicherungen. Bei Renten- und Kapitallebensversicherungen zählen nur Altverträge. Der Abschluss muss vor dem Jahr 2005 erfolgt sein, ebenso die erste Einzahlung. 

Für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer, Beamte und die meisten Rentner gilt der Höchstbetrag von 1.900 Euro, Selbstständige können hingegen bis 2.800 Euro geltend machen. Der Betrag ist höher, weil Selbstständige ihre Krankenversicherung vollständig selbst bezahlen. Davon profitiert auch der nicht berufstätige Ehepartner eines privat krankenversicherten Arbeitnehmers, wenn er selbst freiwillig gesetzlich versichert ist.

Ihre Aufwendungen tragen Sie in die Anlage Vorsorgeaufwand unter „weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen“ ein.

Das entlastet aber nur wenige Steuerzahler. Wer die Beiträge für Basiskranken- und gesetzliche Pflegeversicherung abgesetzt hat, behält von seinem Höchstbetrag meist nicht mehr viel oder gar nichts übrig. Ein Teil der Vorsorgeaufwendungen wirkt sich deshalb in vielen Fällen steuerlich nicht aus

Wie wird ein Riester-Vertrag berücksichtigt?

Das Riester-Sparen fördert der Fiskus vor allem durch staatliche Zulagen. Diese werden dem Altersvorsorgevertrag gutgeschrieben. Für Gutverdiener ist zusätzlich eine Steuerersparnis von einigen Hundert Euro möglich aufgrund des Sonderausgabenabzugs.

Gehören Sie zum förderberechtigten Kreis der Sparer, die Zulagen für die Riester-Rente erhalten, können Sie im günstigsten Fall bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Dieser Höchstbetrag steht jedem förderberechtigten Ehegatten zu.

Als Sonderausgaben zählen Ihre eigenen Beiträge und Ihr Anspruch auf die staatlichen Zulagen. Sie reduzieren das zu versteuernde Einkommen. 

Die Beiträge zu einem Riester-Vertrag fließen nicht in die Berechnung der abziehbaren Vorsorgeaufwendungen ein.

Damit Sie die volle staatliche Förderung erhalten, müssen Sie 4 Prozent Ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens abzüglich der Zulagen sparen. Die Zulagen betragen im Einzelnen:

  • bis zu 175 Euro (bis 2017: 154 Euro) pro Jahr Grundzulage,
  • einmalig 200 Euro Zuschuss für junge Sparer, wenn sie einen neuen Vertrag abschließen, bevor sie 25 Jahre alt werden,
  • für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, gibt es 185 Euro Kinderzulage, für später geborene 300 Euro. Das gilt aber nur für Kinder, für die ein Kindergeldanspruch besteht.

Aufwendungen für die Riester-Rente tragen Sie in der Steuererklärung in der Anlage AV ein. Das Finanzamt berechnet dann automatisch, was für Sie vorteilhafter ist: Zulagen oder Sonderausgabenabzug.  

Bei seiner Günstigerprüfung bezieht es immer Ihren Anspruch auf Ihre Zulage ein, unabhängig davon, ob Sie diese tatsächlich erhalten haben. Deshalb sollten Sie unbedingt dauerhaft die Zulage bei Ihrem Anbieter beantragen, der diese dann Ihrem Vertrag gutschreibt.

Der Sonderausgabenanzug kann einen zusätzlichen finanziellen Vorteil bringen. Im Steuerbescheid stellt das Finanzamt dies folgendermaßen dar: Es ermittelt zunächst den Steuervorteil aufgrund des Sonderausgabenabzugs und zieht dann die Zulagen ab. Die Zulagen erhöhen ja bereits ihr Vertragsguthaben und müssen deshalb abgezogen werden. Die Differenz stellt dann den zusätzlichen Steuervorteil dar, den das Finanzamt an Sie auszahlt.

Insbesondere kinderlose Steuerzahler und Besserverdiener profitieren eher vom Sonderausgabenabzug als von der Zulage. Familien mit mehreren Kindern kommen hingegen mit den Zulagen besser weg.

Achtung: Lösen Sie den Riester-Vertrag vorzeitig auf und verwenden das Geld nicht für die Altersvorsorge, müssen Sie sowohl die Zulagen als auch die Steuerersparnis zurückzahlen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.