Photovoltaikanlage betreiben

Holen Sie über 20 Jahre maximale Solarerträge raus

Ines Rutschmann Stand: 19. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Durch eine regelmäßige Wartung Ihrer Photovoltaikanlage stellen Sie Schäden rasch fest. So nutzen Sie auch die Garantien der Hersteller optimal. 
  • Achtung: Wirft Ihre Anlage trotz guten Wetters weniger Erträge ab, kann das auf einen Defekt hinweisen. Handeln Sie dann schnell.
  • Eine regelmäßige professionelle Reinigung der Module braucht nicht jeder.
  • Gegen Unwetterschäden und Ertragsausfälle gibt es Versicherungen. Eine günstige Alternative zur Photovoltaikversicherung kann eine bereits vorhandene Wohngebäudeversicherung sein.
So gehen Sie vor
  • Lassen Sie Ihre Anlage alle vier Jahre warten.
  • Überwachen Sie die Stromproduktion. Datenlogger helfen Ihnen dabei.  
  • Halten Sie sich an die Mitteilungspflichten gegenüber dem Netzbetreiber und dem Marktstammdaten-Register. 
  • Versteuern Sie Ihre Einnahmen, wenn Sie Strom verkaufen.

Sie haben eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) gekauft, sie ist in Betrieb gegangen und produziert fleißig Solarstrom. Damit das über mindestens 20 Jahre so bleibt, sollten Sie ein paar Vorkehrungen treffen. Darüber hinaus bestehen für Sie als Anlagenbetreiber verschiedene Pflichten.

Wie betreiben Sie Ihre Anlage sicher?

Eine Photovoltaikanlage ist dafür gemacht, Wind und Wetter zu trotzen und Sie zuverlässig mit Strom zu versorgen. Trotzdem können auch Schäden auftreten: Der Marder beißt ein Kabel durch, Überspannung nach einem Blitzeinschlag zerstört den Wechselrichter, starker Schneefall beschädigt die Module. Wichtig ist, dass Sie Schäden schnell entdecken und sich überlegen, ob Sie sich gegen Ertragsausfälle absichern wollen. 

Versicherungen für Photovoltaikanlagen

Die Photovoltaikanlage kann unterschiedlich stark versichert werden: Gegen Schäden an der Anlage durch Unwetter, Feuer, Überspannung oder Tierbisse. Und sehr umfassend auch gegen Diebstahl, Vandalismus sowie den Ertragsausfall, wenn die beschädigte Anlage keinen Strom mehr produzieren kann. 

Häufig zahlen auch Wohngebäudeversicherungen, wenn Schäden an Photovoltaikanlagen entstehen. Wollen Sie Ihre Anlage in Ihren Versicherungsvertrag aufnehmen, müssen Sie Ihre Versicherung informieren. Dadurch kann die Prämie steigen: rechnen Sie mit etwa 50 Euro Mehrkosten pro Jahr. 

Etwas teurer, aber auch umfangreicher ist der Versicherungsschutz über eine Photovoltaikversicherung. Nicht gedeckt ist über die Gebäudeversicherung, wenn die Anlage nach einem Unwetter defekt ist und Ihnen Solarerträge entgehen. Eine Photovoltaikversicherung beinhaltet meist eine solche Absicherung gegen Ertragsausfall. Sie kann zudem zusätzlich vor Diebstahl schützen sowie sämtlichen Schäden, an der Anlage. Rund 90 Euro kostet eine Elektronik- und Ertragsausfallversicherung für Photovoltaikanlagen bis 10 Kilowatt Leistung. Achten Sie darauf, dass kleine Schäden bis etwa 500 Euro ohne Selbstbeteiligung versichert sind.

Voraussetzung für den Abschluss ist häufig, dass das Solarkraftwerk fachgerecht respektive nach Anlagenpass errichtet wurde. Zur Bedingung machen viele Versicherungen auch, dass Sie die Erträge überwachen und die Anlage regelmäßig warten lassen.

Darüber hinaus bieten Versicherungen eine Betreiber-Haftpflicht und eine Montageversicherung während der Installation an. Auf beide Policen können Sie in der Regel verzichten, wenn Sie eine kleine Dachanlage errichten und der Handwerksbetrieb zuverlässig arbeitet.

Erträge überwachen

Dass mit Ihrer Anlage etwas nicht stimmt, merken Sie wahrscheinlich zuerst an den Erträgen: Sinkt die Stromproduktion, obwohl das Wetter beständig ist, deutet das auf einen Defekt oder einen beginnenden Leistungsverlust der Module hin. Wenn Sie Glück haben, liegt vielleicht auch nur ein starker Schatten zeitweise auf den Modulen. Sie sollten das auf jeden Fall überprüfen. 

Zur Überwachung von Photovoltaikanlagen gibt es Datenlogger. Das sind kleine Geräte, die direkt an den Wechselrichter geschlossen werden. Über ein Online-Portal können Sie die Erzeugungsdaten Ihrer Anlage abrufen und sich in unterschiedlichen Grafiken anzeigen lassen. Beistarkem Ertragsabfall informiert Sie der Datenlogger per E-Mail oder SMS, so dass Sie schnell der Ursache auf den Grund gehen können.

Ein Datenlogger erlaubt es auch, den Eigenverbrauch zu erhöhen – indem Sie Ihre elektrischen Geräte dann laufen lassen, wenn die Anlage viel Strom erzeugt. Die Hersteller von Datenloggern bieten zudem intelligente Steckdosen und Relais, damit Sie Geräte, wie Wärmepumpen oder Klimaanlagen, mit so viel eigenem Solarstrom wie möglich betreiben können. So lässt sich der Eigenverbrauch auf mehr als 30 Prozent erhöhen, auch ohne Batteriespeicher. Umsonst ist der Datenlogger freilich nicht zu haben: 300 bis 500 Euro kosten einfachere Geräte.

Sie können auch Firmen damit beauftragen, Ihre Stromerzeugung zu überwachen. Dann greifen diese auf die Daten Ihres Datenloggers zu und versuchen, Ihren Eigenverbrauch zu erhöhen. Etwa fünf Euro pro Kilowatt Leistung kostet dies im Jahr. Manche Firmen bieten auch Verträge für Monitoring und Wartung zusammen an – ab rund 100 Euro im Jahr.
Haben Sie keinen Datenlogger, können Sie die Erträge auch direkt am Wechselrichter ablesen und aufschreiben. Das ist aber deutlich weniger komfortabel.

Module richtig reinigen

Damit Solarmodule viel Strom erzeugen können, müssen zwei Dinge gegeben sein: Direkte Strahlung, ohne dass Wolken die Sonne verdecken. Und die Module dürfen nicht verschattet oder verdeckt sein, etwa durch Schnee oder starken Dreck. 

Bäume können Sie zurückschneiden, wenn Sie Schatten aufs Dach werfen sollten. Schnee sollte ab einer Neigung von 25 Prozent von selbst von den Modulen rutschen, sofern er nicht angefroren ist. Bei flacheren Dächern empfiehlt es sich, den Schnee vom Dach zu kehren, allein, um das Dach zu entlasten. 

Die Reinigung von Modulen bieten verschiedene Unternehmen an. Aber nurin bestimmten Fällen brauchen Sie diesen Service.

Sind die Module um mindestens 25 Grad geneigt, funktioniert in der Regel die natürliche Reinigung durch Regen oder Schnee. Zeigt sich das Frontglas nach einer gewissen Betriebsdauer trotzdem schmutzig, beeinträchtigt das die Stromproduktion nach Erfahrungen von Forschern um ein bis zwei Prozent. Das heißt bei einer Anlage mit 5 Kilowatt Leistung, die ohne Schmutz 5.000 Kilowattstunden produziert, büßen Sie pro Jahr 50 bis 100 Kilowattstunden beziehungsweise etwa 5 bis 10 Euro ein. Dem stehen Kosten für die Reinigung von 50 bis 90 Euro gegenüber, wenn die Modulfläche 30 Quadratmeter beträgt (entsprechend für 16 Module mit insgesamt 5 Kilowatt Leistung). Alternativ können Sie die Module auch selbst reinigen, etwa mit einem Schlauch. Vermeiden sollten Sie, über die Module zu laufen – das kann den Zellen unter dem Glas zusetzen. 

Anzuraten ist eine Modulreinigung aber in bestimmter Umgebung: Dort, wo die Staub- und Schmutzbelastung in der Luft hoch ist, wie nahe Kiesgruben und Zementwerken oder auf dem Land in der Nähe von Getreidesilos und von Ställen. Sind Photovoltaikanlagen im Umkreis solcher Orte installiert, kann sich der Solarertrag um 20 Prozent und mehr verringern.

Alle vier Jahre eine Wartung

Es empfiehlt sich, die Anlage alle vier Jahre warten zu lassen. Dabei geht es etwa darum zu prüfen, ob alle Stecker noch feststecken oder ob die Schrauben noch festgezogen sind. Die Module prüft ein Experte gewöhnlich mit einer Wärmebildkamera: Sie zeigt, ob es überhitzte Stellen im Modul gibt. Diese deuten auf Defekte in einer Zelle oder an den Lötstellen der Zellverbinder hin. Kleine Risse in den Solarzellen entdeckt der Inspekteur mit einer Elektrolumineszenz-Kamera. Überhitzte Punkte (sogenannte Hot Spots), Risse oder gar Brüche in den Zellen können die Leistung des ganzen Moduls verringern. Da die Module gewöhnlich in Reihe miteinander verschaltet sind, zieht das beschädigte Modul die Leistung des ganzen Strangs herunter. Sollte ein Glas gebrochen oder die Folie unter dem Glas verfärbt sein, sieht das der Wartungsinstallateur natürlich auch. Alle diese Defekte können einen Garantiefall auslösen.

Installationsbetriebe bieten Wartung und Monitoring oft als Servicepaket an. Es gibt auch eine Reihe Firmen, die sich nur auf die Überwachung und Wartung von Photovoltaikanlagen spezialisiert haben. Bei kleinen Anlagen müssen Sie etwa 10 Euro pro Kilowatt Leistung für eine einzelne Wartung einplanen, zuzüglich der Kosten für die Anfahrt des Firmenmitarbeiters. 

Wann liegt ein Garantiefall vor?

Haben Sie oder ein Wartungsinstallateur ein schadhaftes Modul entdeckt, sollten Sie prüfen, ob ein Garantiefall vorliegt. Gewöhnlich geben Modulhersteller zwei unterschiedliche Garantien: Eine Produktgarantie von zumeist zehn Jahren und eine Leistungsgarantie von 25 oder 30 Jahren. Die Produktgarantie greift in der Regel, wenn das Modul beschädigt ist: bei Glasbruch, Korrosion im Modul, verfärbten und sich ablösenden Folien. 

Die Leistungsgarantie kommt in Frage, wenn das Modul nicht mehr die garantierte Leistung bringt. Je nachdem, wie lange die Module bereits in Betrieb sind, garantieren die Hersteller in der Regel 80 oder 90 Prozentder auf dem Typenschild ausgewiesenen Nennleistung. Ergibt eine Messung, dass die Leistung geringer ist, sollte die Garantie greifen. Vermuten Sie oder der Wartungs-Installateur, dass ein Modul Minderleistung aufweist, sollte er die Leistung des Moduls mit einem Kennlinien-Messgerät prüfen. Liegt die gemessene Leistung unter der garantierten, sollten Sie das Modul als Garantiefall melden.

Lesen Sie dazu in den Garantieunterlagen des Modulherstellers, wohin Sie sich im Garantiefall wenden müssen. Ob und wie schnell Sie Ersatzmodule erhalten, sollte ebenfalls in den Unterlagen stehen. Im Falle der Leistungsgarantie nimmt der Hersteller gewöhnlich noch einmal eine eigene, genauere Messung im Labor vor und entscheidet danach, ob Minderleistung vorliegt oder nicht.

Auch für Wechselrichter gibt es Garantien, die aber wesentlich kürzer sind als die für Module. Der Grund: Wechselrichter sind vollgestopft mit Elektronik. Geht nur ein einziges Elektronik-Bauteil kaputt, kann der Wechselrichter defekt sein – der Garantiefall ist eingetreten. PV-Module enthalten dagegen lediglich in der Anschlussdose Elektronik, nämlich Dioden, die sich austauschen lassen. Davon abgesehen gibt es keine Verschleißteile. Aus diesem Grund können Solarmodule auch locker 30 Jahre in Betrieb bleiben. Wichtig ist aber, dass sie festmontiert sind, damit sie kein Sturm vom Dach reißt.

Wechselrichter: Kostenpflichtige Garantie versus Versicherung

Viele Hersteller von Wechselrichtern geben zwei Jahre Garantie – entsprechend der ohnehin geltenden gesetzlichen Gewährleistung. Darüber hinaus bieten sie häufig gegen Entgelt eine verlängerte Garantie bis zu sieben oder zehn Jahre. Überlegen Sie, ob sich die Garantieverlängerung lohnt oder ob Sie lieber auf eine gute Photovoltaikversicherung setzen – manche Versicherungen ersetzen auch einen Wechselrichter, ohne dass er durch äußeren Schaden kaputt gegangen ist, wenn er nicht älter als zehn oder zwölf Jahre ist. 

Zeigt der Wechselrichter innerhalb der Garantiezeit einen Defekt an, sollten Sie sofort den Kundenservice des Herstellers kontaktieren und ein Austauschgerät bestellen – Sie können den Solarstrom vom Dach weder selbst nutzen noch ins Stromnetz speisen, wenn der Wechselrichter nicht arbeitet. Innerhalb von ein bis drei Tagen sollte ein Techniker kommen und das defekte Gerät ersetzen. Außerhalb der Garantiezeit muss der Hersteller nicht mehr auf Ihre Meldung reagieren oder er berechnet Ihnen den Aufwand dafür, dass ein Mitarbeiter zu Ihnen fährt und das defekte Gerät ersetzt.

Welche Pflichten haben Sie als PV-Anlagen-Betreiber?

Ein frischgebackener Anlagenbetreiber unterliegt verschiedenen gesetzlichen Pflichten. Diese sind administrativer und meist auch steuerlicher Natur.

Strommengen mitteilen – für verkauften und selbst verbrauchten Strom

  1. Ins Netz gespeister Strom mit EEG-Vergütung 

    Bis zum 28. Februar eines Jahres müssen Sie Ihrem Netzbetreiber die im Vorjahr eingespeiste Strommenge mitteilen, wenn Sie eine Förderung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz in Anspruch nehmen (§ 71 Abs. 1 EEG). Lesen Sie dazu Ihren Einspeisezähler oder die eingespeiste Menge an Ihrem Zweitarifzähler ab. Wenn ein Anlagenbetreiber bereits jeden Monat die eingespeisten Strommengen übermittelt, gilt die jährliche Meldepflicht als erfüllt.

    Wer die Pflicht nicht erfüllt, dem braucht der Netzbetreiber keine Einspeisevergütung zahlen (§ 52 Abs. 1 Nr. 2 EEG). Um 20 Prozent sinkt die Vergütung, wenn ein Betreiber nicht alle geforderten Daten an das Marktstammdatenregister übermittelt hat, aber dem Netzbetreiber die Strommenge meldete (§ 52 Abs. 3 EEG).
  2. EEG-Umlage auf eigenverbrauchten Strom

    Müssen Sie EEG-Umlage auf Eigenverbrauch zahlen, haben Sie dem Netzbetreiber bis 28. Februar eines Jahres die selbst verbrauchte Strommenge mitzuteilen (§ 74a Abs. 2 EEG). Das ist der Fall, wenn Ihre Solarstromanlage netzgekoppelt ist und mehr als 10 Kilowatt Leistung hat oder mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt. Auf den Eigenverbrauch ab der 10.001. Kilowattstunde fällt dann EEG-Umlage an.

    Welche Kleinanlage schafft in Deutschland über 10.000 Kilowattstunden im Jahr? Wenn ihre Leistung größer 7 Kilowatt ist, hat der Gesetzgeber auf Basis einer Empfehlung der Clearingstelle EEG/KWKG festgelegt. Daher müssen Sie die Meldung auch vornehmen, wenn Ihre Anlage mehr als 7 und höchstens 10 Kilowatt Leistung hat. Betreiben Sie mehrere solare Eigenversorgungsanlagen am öffentlichen Stromnetz, zählen Leistung und Stromproduktion von diesen hinsichtlich der Zahlung der EEG-Umlage zusammen. 

    Den Eigenverbrauch, auf den EEG-Umlage zu zahlen ist, müssen Sie mit einem Stromzähler erfassen (§ 62b Abs. 1 EEG). Nur in Ausnahmefällen dürfen Sie die Strommenge schätzen. Häufig stellen die Netzbetreiber Formulare auf ihrer Internetseite bereit, die Sie für die Meldung ausfüllen sollten. Wer der Meldepflicht nicht fristgerecht nachkommt, dem droht, die volle EEG-Umlage auf den selbst verbrauchten Strom zahlen zu müssen – statt nur 40 Prozent (§ 61i Abs.1 EEG). Im Jahr 2019 beträgt die Umlage 6,405 Cent pro Kilowattstunde (netto), die reduzierte Höhe für Eigenversorger 2,562 Cent pro Kilowattstunde (netto).
  3. An Mieter oder andere direkte Abnehmer gelieferter Strom

    Verkaufen Sie Ihren Strom an Mieter im eigenen Haus, müssen Sie dem Übertra-gungsnetzbetreiber in Ihrer Region immer zum 31. Mai eines Jahres die verkaufte Strommenge mitteilen (§ 74 Abs. 2 EEG). Denn als Anbieter von Mieterstrom müssen Sie die EEG-Umlage Ihren Abnehmern in Rechnung stellen und an den Übertragungsnetzbetreiber abführen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und Transnet BW bieten Formulare auf ihrer Internetseite, in die Sie die Daten eintragen können.

Solarerträge versteuern

Wer Solarstrom verkauft, ist Unternehmer. Die Einnahmen aus dem Stromverkauf müssen Sie versteuern. Bis 31. Juli eines Jahres haben Sie Zeit, Ihre Einkommensteuererklärung abzugeben – inklusive einer Einnahmenüberschussrechnung und der Anlage S für Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Was Sie bei der Erklärung der PV-Steuer zu beachten haben, erfahren Sie, wenn Sie auf den Link klicken. Sie können bei diesem Thema aber auch einen Steuerberater aufsuchen.

Ob Sie auch eine Umsatzsteuererklärung abgeben müssen, hängt davon ab, ob Sie bei Anmeldung Ihrer gewerblichen Tätigkeit die Kleinunternehmerreglung gewählt haben oder der Regelbesteuerung unterliegen. Als Kleinunternehmermüssen Sie keine Umsatzsteuer erheben und auch nicht abführen. Voraussetzung ist, dass Ihre Einkünfte höchstens 17.500 Euro im Jahr betragen. Bei kleineren Dachanlagen ist das stets gegeben.

Unterliegen Sie der Regelbesteuerung, müssen Sie Umsatzsteuer abführen, auch auf den selbst verbrauchten Solarstrom. Dafür können Sie sich aber die beim Erwerb und beim Betrieb der Photovoltaikanlage gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückholen – das senkt vor allem Ihre Investitionskosten stark. Nach fünf Jahren können Sie aus der Regelbesteuerung in die Kleinunternehmerregel wechseln. Besser ist es aber, noch ein weiteres Jahr abzuwarten – dann endet der Berichtigungszeitraum und Sie laufen nicht Gefahr, Vorsteuer zurückzahlen zu müssen.

Änderungen mitteilen

Wollen Sie Ihre Photovoltaikanlage um ein paar Module erweitern, zählen die neuen Module mit den bereits installierten Modulen als eine Anlage, wenn die neuen Module innerhalb von zwölf Kalendermonaten nach der Inbetriebnahme der ersten Module die Stromproduktion aufnehmen. Bei einem größeren Abstandgelten die neuen Module als eigene Anlage (§24 Abs. 1 EEG). Das ist wichtig, wenn es darum geht, ob die Pflicht zum Einbau eines intelligenten Messsystems besteht. Dieses erhalten Anlagen größer 7 Kilowatt Leistung. Oder ob die Anlage fernsteuerbar sein muss. Dies ist bei Anlagen größer 30 Kilowatt Leistung vorgeschrieben (§9 Abs. 2 EEG). Oder, ob Sie auf Ihren Eigenverbrauch EEG-Umlage zahlen müssen. Ausgenommen sind davon Betreiber von Systemen bis maximal 10 Kilowatt Leistung bis zu einer Stromproduktion von 10.000 Kilowattstunden im Jahr.

Erweitern Sie Ihre Solaranlage oder bauen Sie einen Teil der Module zurück, müssen Sie zudem die veränderte Leistung auf Ihrem Dach innerhalb eines Monats dem Marktstammdatenregister melden. 

Möchten Sie künftig auch den im Haus lebenden Mieter mit Strom beliefern oder einen Dienstleister mit dem Verkauf des Stroms beauftragen und nicht mehr ausschließlich die Einspeisevergütung für eingespeiste Mengen beziehen, müssen Sie dies dem Netzbetreiber mitteilen. Die Meldung müssen Sie rund fünf Wochen vor der geplanten Veränderung machen (§21c EEG). Wollen Sie beispielsweise Ihren Mieter ab 1. August direkt beliefern, müssen Sie dies dem Netzbetreiber spätestens bis zum 30. Juni anzeigen – bis zum letzten Tag des Vor-Vor-Monats. Sie können die eingespeiste Strommenge dabei auch die verschiedenen Vermarktungsformen aufteilen, also beispielsweise für einen Teil weiter Einspeisevergütung beziehen, einen anderen Teil direkt an Ihren Mieter liefern.

Wie gehen Sie bei Umzug und Außerbetriebnahme vor?

Eine Photovoltaikanlage soll mindestens 20 Jahre Ihren Dienst leisten. Wollen Sie in dieser Zeit Ihren Lebensmittelpunkt verändern, haben Sie viele Optionen, was Sie mit der Anlage machen können. Erreicht die Anlage das Ende ihrer Lebensdauer, müssen Sie sich ebensowenig sorgen – für die Rücknahme der Komponenten ist gesorgt.

Umzug und Hausverkauf

Ziehen Sie aus Ihrem Haus aus, kann die Photovoltaikanlage trotzdem auf dem Dach bleiben – die Personen, die künftig dort leben, können den Strom schließlich genauso nutzen. Sie können die Anlage an die künftigen Hausbewohner vermieten. Damit werden diese zu ihren Betreibern. Für die neuen Betreiber gelten dieselben gesetzlichen Ansprüche und Pflichten wie zuvor für Sie. Muster für solche Mietverträge bietet der Bundesverband Solarwirtschaft gegen Entgelt. 

Verkaufen Sie Ihr Haus, können Sie die Photovoltaikanlage gleich mit an die neuen Eigentümer verkaufen. Durch den Verkauf werden die neuen Eigentümer wiederum zu den Betreibern der Anlage. An der Höhe der Einspeisevergütung und allen anderen gesetzlichen Ansprüchen ändert sich dadurch ebenfalls nichts. Zu welchen Preisen installierte Photovoltaikanlagen gehandelt werden, können Sie auf Online-Marktplätzen wie Milk the sun einsehen.

Wollen Sie sich von Ihrer Solaranlage nicht trennen, können Sie sie auch umziehen. Die Höhe der Einspeisevergütung und die Vergütungsdauer von 20 Jahren ist an die Solarmodule gebunden, nicht an den Ort ihrer Installation. Lassen Sie die Anlage abbauen und auf einem anderen Dach wieder installieren, müssen Sie dies aber wiederum dem Netzbetreiber melden als auch dem Marktstammdatenregister

Achtung: Kein Bestandsschutz nach Veränderung älterer Anlagen

Eines kann sich ändern, wenn Ihre Anlage vor August 2014 eigenverbrauchsfähig war und Sie Änderungen planen. Denn bisher genießen Sie bezüglich der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch Bestandsschutz und müssen nichts zahlen – auch wenn Ihr System mehr als 10 Kilowatt Leistung hat oder mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr produziert (§61e EEG). Diesen Bestandsschutz verlieren Sie, wenn Sie 

  • die bestehenden Module ersetzen, ohne die Leistung zu erhöhen, oder 
  • die Anlage umziehen oder 
  • die Leistung der Anlage durch neue Module erhöhen oder,
  • wenn die Anlage den Eigentümer wechselt.

Wenn Sie Module austauschen, um die Anlage in Teilen oder ganz zu erneuern, müssen Sie anschließend EEG-Umlage auf Eigenverbrauch in Höhe von 20 Prozent zahlen. 2019 sind das 1,281 Cent pro Kilowattstunde. Im Falle eines Umzugs, einer Erhöhung der Anlagenleistung oder Eigentümerwechsels gilt der Satz von 40 Prozent. 2019 sind das 2,562 Cent pro Kilowattstunde.

Wenn die Anlage außer Betrieb geht

Wollen Sie Ihre Anlage außer Betrieb nehmen, müssen Sie die Stilllegung an das Marktstammdatenregister übermitteln. Haben Sie bis dahin Strom ins Netz eingespeist und vergütet bekommen, müssen Sie auch den Netzbetreiber informieren und Ihr Solarstrom-Gewerbe beim Finanzamt abmelden.

Ein Installationsbetrieb demontiert Ihnen die Anlage. Idealerweise sollte er alle Komponenten gleich mitnehmen und zum Entsorgungshof schaffen. Sie können Module, Wechselrichter und Kabel aber genauso zum Entsorgungshof bringen und dort kostenlos abgeben. Die Hersteller der Geräte müssen sie auf eigene Kosten recyceln.

Sind Module und Wechselrichter noch funktionsfähig, können Sie sie auch verkaufen. Es gibt digitale Handelsplätze für gebrauchte Solarmodule und Wechselrichter wie Second Sol. 

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 19. August 2019


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