Photovoltaikanlage betreiben

Sichere Dir mehr als 20 Jahre maximale Solarerträge

Ines Rutschmann 15. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Durch regelmäßige Wartung kannst Du die Ertragsausfälle Deiner Photovoltaikanlage minimieren. Wird dabei ein Schaden entdeckt, kannst Du die Garantien der Hersteller nutzen. 
  • Gegen Unwetterschäden und Ertragsausfälle gibt es Versicherungen. Eine günstige Alternative zur Photovoltaikversicherung kann eine bereits vorhandene Wohngebäudeversicherung sein.
  • Ab 2021 sollen PV-Anlagen teurere Stromzähler erhalten – Du bestimmst dabei, wer das Gerät einbaut.
So gehst Du vor
  • Lass Deine Anlage alle vier Jahre von einem Fachmann warten.
  • Überwache die Stromproduktion, am besten mit einem Datenlogger.
  • Gegenüber dem Netzbetreiber und dem Marktstammdatenregister hast Du Mitteilungspflichten.
  • Wenn Du Strom verkaufst, musst Du Deine Einnahmen auch versteuern.

Du hast Dir eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) gekauft, sie ist in Betrieb gegangen und produziert nun fleißig Solarstrom. Damit das über mindestens 20 Jahre so bleibt, solltest Du ein paar Vorkehrungen treffen. Darüber hinaus bestehen für Dich als Anlagenbetreiber verschiedene Pflichten. Was sich ändert, wenn es für Deine Anlage nach 20 Jahren keine EEG-Förderung mehr gibt, erläutern wir im Ratgeber Einspeisevergütung.

Wie betreibst Du Deine Anlage sicher?

Eine Photovoltaikanlage sollte Wind und Wetter trotzen und Dich viele Jahre lang zuverlässig mit Strom versorgen. Trotzdem können Schäden auftreten: Der Marder beißt ein Kabel durch, Überspannung nach einem Blitzeinschlag zerstört den Wechselrichter, starker Schneefall beschädigt die Module. Wichtig ist, dass Du Schäden schnell entdeckst. Außerdem kannst Du überlegen, ob Du Dich gegen Ertragsausfälle absichern willst. 

Versicherungen für Photovoltaikanlagen

Die Photovoltaikanlage kann unterschiedlich versichert werden: Gegen Schäden an der Anlage durch Unwetter, Feuer, Überspannung oder Tierbisse. Und sehr umfassend auch gegen Diebstahl, Vandalismus sowie den Ertragsausfall, wenn die beschädigte Anlage keinen Strom mehr produzieren kann. 

Häufig zahlen auch Wohngebäudeversicherungen für Schäden an Photovoltaikanlagen. Willst Du Deine Anlage in den Versicherungsvertrag aufnehmen, dann informiere Deine Versicherung darüber. Dadurch kann die Prämie steigen: rechne mit etwa 50 Euro Mehrkosten pro Jahr. 

Etwas teurer, aber auch umfangreicher ist der Versicherungsschutz über eine Photovoltaikversicherung. Denn die Gebäudeversicherung übernimmt beispielsweise nicht die Kosten, wenn Dir aufgrund eines Unwetterschadens Solarerträge entgehen. Eine Photovoltaikversicherung beinhaltet meist eine solche Absicherung gegen Ertragsausfall. Sie kann zudem vor Diebstahl schützen und sämtlichen Schäden an der Anlage. Rund 90 Euro kostet eine solche Elektronik- und Ertragsausfallversicherung für Photovoltaikanlagen bis 10 Kilowatt Leistung. Willst Du eine solche abschließen, dann achte darauf, dass kleine Schäden bis etwa 500 Euro ohne Selbstbeteiligung versichert sind.

Voraussetzung für den Abschluss einer PV-Versicherung ist meist, dass das Solarkraftwerk fachgerecht errichtet wurde. Das kannst Du in der Regel mit dem Anlagenpass belegen, den Dir der Installateur bei Inbetriebnahme der Anlage übergeben sollte. Zur Bedingung machen viele Versicherungen auch, dass Du die Erträge überwachst und die Anlage regelmäßig warten lässt.

Darüber hinaus bieten Versicherungen eine Betreiberhaftpflicht und eine Montageversicherung während der Installation an. Auf diese beiden Policen kannst Du in der Regel verzichten, wenn Du eine kleine Dachanlage errichten lässt und der Handwerksbetrieb zuverlässig arbeitet.

Erträge überwachen

Dass mit Deiner Anlage etwas nicht stimmt, merkst Du wahrscheinlich zuerst an den Erträgen: Sinkt die Stromproduktion, obwohl das Wetter beständig ist, deutet das auf einen Defekt oder einen beginnenden Leistungsverlust der Module hin. Wenn Du Glück hast, liegt vielleicht nur zeitweise ein starker Schatten auf den Modulen. Das solltest Du auf jeden Fall überprüfen. 

Zur Überwachung von Photovoltaikanlagen gibt es Datenlogger. Das sind kleine Geräte, die direkt an den Wechselrichter geschlossen werden. Über ein Online-Portal kannst Du die Erzeugungsdaten Deiner Anlage abrufen und Dir in unterschiedlichen Grafiken anzeigen lassen. So erkennst Du, ob Deine Anlage im Verhältnis zur Sonnenstrahlung eher niedrige oder angemessene Erträge erzielt. Bei einem abrupten Ertragsabfall informiert Dich der Datenlogger per E-Mail oder SMS, so dass Du schnell der Ursache auf den Grund gehen kannst.

Ein Datenlogger erlaubt es auch, den Eigenverbrauch zu erhöhen – indem Du Deine elektrischen Geräte dann laufen lässt, wenn die Anlage viel Strom erzeugt. Die Hersteller von Datenloggern bieten zudem intelligente Steckdosen und Relais, damit Du Geräte wie Wärmepumpen oder Klimaanlagen mit so viel eigenem Solarstrom wie möglich betreiben kannst. So lässt sich der Eigenverbrauch auf mehr als 30 Prozent erhöhen, auch ohne Batteriespeicher. Umsonst ist der Datenlogger freilich nicht zu haben: 300 bis 500 Euro kosten einfachere Geräte.

Du kannst auch eine Firma damit beauftragen, Deine Stromerzeugung zu überwachen. Diese greift dann auf die Daten Deines Datenloggers zu und versucht, Deinen Eigenverbrauch zu erhöhen. Etwa 5 Euro pro Kilowatt Leistung kostet dies im Jahr. Manche Firmen bieten auch Verträge für Monitoring und Wartung zusammen an – ab rund 100 Euro im Jahr.

Hast Du keinen Datenlogger und möchtest auch keinen, kannst Du die Erträge direkt am Wechselrichter ablesen und aufschreiben. Das ist aber deutlich weniger komfortabel.

Module reinigen sich oft von selbst

Ob Solarmodule viel Strom erzeugen können, hängt von zwei Faktoren ab: Der Strahlung, die nicht durch Wolken beeinträchtigt ist. Und der Verschattung der Module, etwa durch Schnee oder starken Dreck. 

Bäume kannst Du zurückschneiden, wenn sie Schatten aufs Dach werfen sollten. Schnee sollte ab einer Neigung von 25 Prozent von selbst von den Modulen rutschen, sofern er nicht angefroren ist. Bei flacheren Dächern empfiehlt es sich, den Schnee vom Dach zu kehren – schon allein, um das Dach zu entlasten. 

Und was ist mit Staub und anderem Dreck? Viele Unternehmen bieten die Reinigung der Module an. Diesen Service brauchst Du aber nur in bestimmten Fällen.

Sind die Module um mindestens 25 Grad geneigt, funktioniert in der Regel die natürliche Reinigung durch Regen oder Schnee. Ist das Frontglas nach einer gewissen Betriebsdauer trotzdem schmutzig, beeinträchtigt das die Stromproduktion nach Erfahrungen von Forschern nur um 1 bis 2 Prozent. Das heißt: Bei einer Anlage mit 5 Kilowatt Leistung, die ohne Schmutz 5.000 Kilowattstunden produziert, büßt Du pro Jahr 50 bis 100 Kilowattstunden ein. Je nach Höhe Deiner Einspeisevergütung oder Deiner Ersparnis durch Eigenverbrauch bedeutet das für Dich einen Verlust von 5 bis 20 Euro im Jahr. Diesem stehen Kosten für die Reinigung von 50 bis 90 Euro gegenüber, wenn die Modulfläche 30 Quadratmeter beträgt (entsprechend für 15 Module mit insgesamt 5 Kilowatt Leistung). Selbst reinigen solltest Du die Module besser nicht. Vor allem solltest Du keinesfalls über die Module laufen – das kann den Zellen unter dem Glas zusetzen. 

In bestimmten Umgebungen kann eine Modulreinigung sinnvoll sein: Dort, wo die Staub- und Schmutzbelastung in der Luft hoch ist, wie nahe Kiesgruben und Zementwerken oder auf dem Land in der Nähe von Getreidesilos und von Ställen. Sind Photovoltaikanlagen im Umkreis solcher Orte installiert, kann sich der Solarertrag um 20 Prozent und mehr verringern. Auch in Küstennähe kann eine Reinigung notwendig sein, wenn sich Salz auf den Modulen ablagert.

Alle vier Jahre eine Wartung

Es empfiehlt sich, die Anlage alle vier Jahre warten zu lassen. Dabei geht es darum zu prüfen, ob alle Stecker noch feststecken oder ob die Schrauben noch festgezogen sind. Die Module untersucht ein Experte gewöhnlich mit einer Wärmebildkamera: Sie zeigt, ob es überhitzte Stellen im Modul gibt. Diese können auf Defekte in einer Zelle oder an den Lötstellen der Zellverbinder hinweisen. Kleine Risse in den Solarzellen entdeckt der Inspekteur mit einer Elektrolumineszenz-Kamera. Überhitzte Punkte (sogenannte Hot Spots), Risse oder gar Brüche in den Zellen können die Leistung des ganzen Moduls verringern. Da die Module gewöhnlich in Reihe miteinander verschaltet sind, mindert das beschädigte Modul die Leistung des ganzen Strangs. Sollte ein Glas gebrochen oder die Folie unter dem Glas verfärbt sein, sieht das der Wartungsinstallateur natürlich auch. Alle diese Defekte können einen Garantiefall auslösen.

Installationsbetriebe bieten Wartung und Monitoring oft als Servicepaket an. Es gibt aber auch eine Reihe Firmen, die sich auf die Überwachung und Wartung von Photovoltaikanlagen spezialisiert haben. Bei kleinen Anlagen musst Du etwa 10 Euro pro Kilowatt Leistung für eine einzelne Wartung einplanen, zuzüglich der Kosten für die Anfahrt des Firmenmitarbeiters. 

Wann liegt ein Garantiefall vor?

Hast Du oder ein Wartungsinstallateur ein schadhaftes Modul entdeckt, solltest Du prüfen, ob ein Garantiefall vorliegt. Gewöhnlich geben Modulhersteller zwei unterschiedliche Garantien: Eine Produktgarantie von zumeist zehn Jahren und eine Leistungsgarantie von 25 oder 30 Jahren. Die Produktgarantie greift in der Regel, wenn das Modul beschädigt ist: bei Glasbruch, Korrosion im Modul, verfärbten und sich ablösenden Folien. 

Die Leistungsgarantie kommt in Frage, wenn das Modul nicht mehr die garantierte Leistung bringt. Je nachdem, wie lange die Module bereits in Betrieb sind, garantieren die Hersteller in der Regel 80 oder 90 Prozent der auf dem Typenschild ausgewiesenen Nennleistung. Ergibt eine Messung, dass die Leistung geringer ist, sollte die Garantie greifen. Vermutest Du oder der Installateur, dass ein Modul Minderleistung aufweist, sollte die Leistung des Moduls mit einem Kennlinien-Messgerät geprüft werden. Liegt die gemessene Leistung unter der garantierten, kannst Du das Modul als Garantiefall melden.

Lies in den Garantieunterlagen des Modulherstellers nach, an wen Du Dich im Garantiefall wenden musst. Ob und wie schnell Du Ersatzmodule erhältst, sollte ebenfalls in den Unterlagen stehen. Im Falle der Leistungsgarantie nimmt der Hersteller gewöhnlich noch einmal eine eigene, genauere Messung im Labor vor und entscheidet danach, ob Minderleistung vorliegt oder nicht.

Auch für Wechselrichter gibt es Garantien, die aber wesentlich kürzer sind als die für Module. Der Grund: Wechselrichter sind vollgestopft mit Elektronik. Geht nur ein einziges Elektronikbauteil kaputt, kann der Wechselrichter defekt sein – und der Garantiefall wäre eingetreten. PV-Module enthalten dagegen lediglich in der Anschlussdose Elektronik, nämlich Dioden, die sich in der Regel austauschen lassen. Davon abgesehen gibt es keine Verschleißteile. Aus diesem Grund können Solarmodule auch locker 30 Jahre oder auch noch länger in Betrieb bleiben. Wichtig ist aber, dass sie festmontiert sind, damit sie kein Sturm vom Dach reißt.

Wechselrichter: Kostenpflichtige Garantie versus Versicherung

Viele Hersteller von Wechselrichtern geben zwei Jahre Garantie – entsprechend der ohnehin geltenden gesetzlichen Gewährleistung. Darüber hinaus bieten sie häufig gegen Entgelt eine verlängerte Garantie bis zu sieben oder zehn Jahre. Überleg Dir, ob sich die Garantieverlängerung lohnt oder ob Du lieber auf eine gute Photovoltaikversicherung setzt – manche Versicherungen ersetzen auch einen Wechselrichter, ohne dass er durch äußeren Schaden kaputt gegangen ist, wenn er nicht älter als zehn oder zwölf Jahre ist. 

Zeigt der Wechselrichter innerhalb der Garantiezeit einen Defekt an, solltest Du sofort den Kundenservice des Herstellers kontaktieren und ein Austauschgerät bestellen – Du kannst den Solarstrom vom Dach weder selbst nutzen noch ins Stromnetz speisen, wenn der Wechselrichter nicht arbeitet. Innerhalb von ein bis drei Tagen sollte ein Techniker kommen und das defekte Gerät ersetzen. Außerhalb der Garantiezeit muss der Hersteller nicht mehr auf Deine Meldung reagieren oder er berechnet Dir den Aufwand dafür, dass ein Mitarbeiter zu Dir fährt und das defekte Gerät austauscht.

Welche Pflichten hast Du als PV-Anlagen-Betreiber?

Als frischgebackener Anlagenbetreiber unterliegst Du verschiedenen gesetzlichen Pflichten. Diese sind administrativer und steuerlicher Natur.

Strommengen mitteilen – für verkauften und selbst verbrauchten Strom

  1. Ins Netz gespeister Strom mit EEG-Vergütung 

    Bis zum 28. Februar eines Jahres musst Du Deinem Netzbetreiber die im Vorjahr eingespeiste Strommenge mitteilen, wenn Du eine Förderung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz in Anspruch nimmst (§ 71 Abs. 1 EEG). Lies dazu Deinen Einspeisezähler oder die eingespeiste Menge an Deinem Zweitarifzähler ab. Wenn ein Anlagenbetreiber bereits jeden Monat die eingespeisten Strommengen übermittelt, gilt die jährliche Meldepflicht als erfüllt.

    Wer diese Pflicht nicht erfüllt, bekommt vom Netzbetreiber auch keine Einspeisevergütung (§ 52 Abs. 1 Nr. 2 EEG). Um 20 Prozent sinkt die Vergütung, wenn ein Betreiber nicht alle geforderten Daten an das Marktstammdatenregister übermittelt hat, aber dem Netzbetreiber die Strommenge meldete (§ 52 Abs. 3 EEG).
  2. EEG-Umlage auf eigenverbrauchten Strom

    Musst Du EEG-Umlage auf Eigenverbrauch zahlen, hast Du dem Netzbetreiber bis 28. Februar eines Jahres die selbst verbrauchte Strommenge mitzuteilen (§ 74a Abs. 2 EEG). Das ist der Fall, wenn Deine Solarstromanlage netzgekoppelt ist und mehr als 10 Kilowatt Leistung hat oder wenn Du mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr selbst verbrauchst. Auf den Eigenverbrauch ab der 10.001. Kilowattstunde fällt dann die EEG-Umlage an.

    Welche Kleinanlage schafft es in Deutschland, mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr zu erzeugen? Wenn ihre Leistung größer 7 Kilowatt ist, hat der Gesetzgeber auf Basis einer Empfehlung der Clearingstelle EEG/KWKG festgelegt. Daher musst Du die Meldung auch vornehmen, wenn Deine Anlage mehr als 7 und höchstens 10 Kilowatt Leistung hat. Betreibst Du mehrere solare Eigenversorgungsanlagen am öffentlichen Stromnetz, zählen Leistung und Stromproduktion von diesen hinsichtlich der Zahlung der EEG-Umlage zusammen, wenn Du die Anlagen innerhalb von zwölf aufeinanderfolgenden Monaten errichtet hast (§ 61a Punkt 4 EEG in Verbindung mit § 24 Abs. 1 S. 1 EEG). 

    Den Eigenverbrauch, auf den die EEG-Umlage zu zahlen ist, musst Du mit einem Stromzähler erfassen (§ 62b Abs. 1 EEG). Nur in Ausnahmefällen darfst Du die Strommenge schätzen. Häufig stellen die Netzbetreiber Formulare auf ihrer Internetseite bereit, die Du für die Meldung ausfüllen solltest. Wer der Meldepflicht nicht fristgerecht nachkommt, dem droht, die volle EEG-Umlage auf den selbst verbrauchten Strom zahlen zu müssen – statt nur 40 Prozent (§ 61i Abs.1 EEG). Im Jahr 2020 beträgt die Umlage 6,756 Cent pro Kilowattstunde (netto), die reduzierte Höhe für Eigenversorger 2,7024 Cent pro Kilowattstunde (netto). 2021 sinkt die EEG-Umlage auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde – Eigenverbraucher zahlen dann 2,6 Cent pro Kilowattstunde.

    Es ist geplant, weitere Anlagenbetreiber von der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch zu befreien – nämlich von Anlagen mit bis zu 20 Kilowatt Leistung. Dies steht im Entwurf zum neuen EEG, das ab 2021 gelten soll. Auf die ersten 10.000 Kilowattstunden Eigenverbrauch fällt dann keine EEG-Umlage an – ab der 10.001. Kilowattsunde aber weiterhin.

    Eine Gruppe von Anlagenbetreibern kommt um die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch hingegen nicht herum, egal wie groß die PV-Anlage ist: Die Betreiber von ausgeförderten PV-Anlagen. Ab 2021 fallen die ältesten Solarstromanlagen aus der EEG-Förderung. Gehörst Du dazu und war Deine Anlage vor August 2014 nicht schon eigenverbrauchsfähig, musst Du künftig die EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom zahlen – in Höhe von 40 Prozent der vollen Umlage.
  3. An Mieter oder andere direkte Abnehmer gelieferter Strom

    Verkaufst Du Deinen Strom an Mieter im eigenen Haus, musst Du dem Übertragungsnetzbetreiber in Deiner Region immer zum 31. Mai des Jahres die verkaufte Strommenge mitteilen (§ 74 Abs. 2 EEG). Denn als Anbieter von Mieterstrom hast Du die EEG-Umlage Deinen Abnehmern in Rechnung zu stellen und an den Übertragungsnetzbetreiber abzuführen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und Transnet BW bieten Formulare auf ihren Internetseiten, in die Du die Daten eintragen kannst.

Solarerträge versteuern

Wer Solarstrom verkauft, ist Unternehmer. Die Einnahmen aus dem Stromverkauf musst Du versteuern. Bis 31. Juli eines Jahres hast Du Zeit, Deine Einkommensteuererklärung abzugeben – inklusive einer Einnahmen-Überschussrechnung und der Anlage S für Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Was Du dabei zu beachten hast, erläutern wir im Ratgeber PV-Steuer. Du kannst bei diesem Thema aber auch einen Steuerberater kontaktieren.

Ob Du auch eine Umsatzsteuererklärung abgeben musst, hängt davon ab, ob Du die Kleinunternehmerreglung gewählt hast oder der Regelbesteuerung unterliegst. Als Kleinunternehmer musst Du keine Umsatzsteuer erheben und auch nicht abführen. Voraussetzung ist, dass Deine Einkünfte höchstens 22.000 Euro im Jahr betragen. Bei kleineren Dachanlagen ist das stets gegeben.

Unterliegst Du der Regelbesteuerung, musst Du Umsatzsteuer abführen, auch auf den selbst verbrauchten Solarstrom. Dafür kannst Du Dir aber die beim Erwerb und beim Betrieb der Photovoltaikanlage gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückholen – das senkt vor allem Deine Investitionskosten stark. Nach fünf Jahren kannst Du von der Regelbesteuerung zur Kleinunternehmerregel wechseln. Besser ist es aber, noch ein weiteres Jahr abzuwarten – dann endet der Berichtigungszeitraum und Du läufst nicht Gefahr, Vorsteuer zurückzahlen zu müssen.

Änderungen mitteilen

Willst Du Deine Photovoltaikanlage um ein paar Module erweitern, zählen die neuen Module mit den bereits installierten Modulen als eine Anlage, wenn die neuen Module innerhalb von zwölf Kalendermonaten nach der Inbetriebnahme der ersten Module die Stromproduktion aufnehmen. Bei einem größeren zeitlichen Abstand gelten die neuen Module als eigene Anlage (§ 24 Abs. 1 EEG).

Das ist wichtig für die Höhe der Einspeisevergütung. Ob die Leistung zusammenzuzählen ist oder nicht, ist bisher aber auch entscheidend dafür, ob die Pflicht zum Einbau eines intelligenten Messsystems besteht. Dieses erhalten Anlagen mit mehr als 7 Kilowatt Leistung. Ein weiteres Kriterium ist, ob die Anlage fernsteuerbar sein muss. Dies ist bei Anlagen mit mehr als 30 Kilowatt Leistung vorgeschrieben (§ 9 Abs. 2 EEG). 

Der Entwurf zum neuen EEG hält dabei erweiterte Pflichten für alle PV-Anlagen bereit: Demnach soll jede Anlage mit mehr als 1 Kilowatt Leistung mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet werden, das zudem mit einer Steuerbox zur ferngesteuerten Leistungsreduzierung verbunden ist. Fünf Jahre hast Du Zeit, Deine Anlage entsprechend nachzurüsten. Du kannst dabei den Messtellenbetreiber wechseln und Dir damit einen anderen Vertragspartner suchen. 

Erweiterst Du Deine Solaranlage oder baust Du einen Teil der Module zurück, musst Du zudem die veränderte Leistung auf Deinem Dach innerhalb eines Monats dem Marktstammdatenregister melden. 

Möchtest Du künftig auch die im Haus lebenden Mieter mit Strom beliefern oder einen Dienstleister mit dem Verkauf des Stroms beauftragen und nicht mehr ausschließlich die Einspeisevergütung für eingespeiste Mengen beziehen, musst Du dies dem Netzbetreiber mitteilen. Die Meldung muss neun Wochen vor der geplanten Veränderung erfolgen (§ 21c EEG). Willst Du beispielsweise Deine Mieter ab 1. August direkt beliefern, musst Du dies dem Netzbetreiber spätestens bis 31. Mai anzeigen – vor dem ersten Tag des Vor-Vor-Monats. Du kannst die eingespeiste Strommenge dabei auch auf die verschiedenen Vermarktungsformen aufteilen, also beispielsweise für einen Teil weiter Einspeisevergütung beziehen, einen anderen Teil direkt an Deine Mieter liefern.

Wie gehst Du bei Umzug und Außerbetriebnahme vor?

Eine Photovoltaikanlage soll mindestens 20 Jahre lang ihren Dienst leisten. Kommt es in dieser Zeit zu Veränderungen in Deinem Leben, hast Du verschiedene Optionen, was mit der Anlage passieren soll. Erreicht die Anlage das Ende ihrer Lebensdauer, musst Du Dich ebenso wenig sorgen – für die Rücknahme der Komponenten ist gesorgt.

Umzug und Hausverkauf

Ziehst Du aus Deinem Haus aus, kann die Photovoltaikanlage trotzdem auf dem Dach bleiben – die Personen, die künftig dort leben werden, können den Strom schließlich genauso nutzen. Du kannst die Anlage an die neuen Hausbewohner vermieten. Damit werden diese zu Betreibern. Für die neuen Betreiber gelten dieselben gesetzlichen Ansprüche und Pflichten wie zuvor für Dich. Muster für solche Mietverträge bietet der Bundesverband Solarwirtschaft gegen Entgelt. 

Verkaufst Du Dein Haus, kannst Du die Photovoltaikanlage gleich mit an die neuen Eigentümer verkaufen. Durch den Verkauf werden die neuen Eigentümer wiederum zu den Betreibern der Anlage. An der Höhe der Einspeisevergütung und allen anderen gesetzlichen Ansprüchen ändert sich dadurch nichts. Zu welchen Preisen installierte Photovoltaikanlagen gehandelt werden, kannst Du auf Online-Marktplätzen wie Milk the sun einsehen.

Willst Du Dich von Deiner Solaranlage nicht trennen, kannst Du sie auch umziehen. Die Höhe der Einspeisevergütung und die Vergütungsdauer von 20 Jahren ist an die Solarmodule gebunden, nicht an den Ort ihrer Installation. Lässt Du die Anlage abbauen und auf einem anderen Dach wieder installieren, musst Du dies aber wiederum dem Netzbetreiber und dem Marktstammdatenregister melden. 

Achtung: Kein Bestandsschutz nach Veränderung älterer Anlagen

Eines kann sich aber ändern, wenn Deine Anlage vor August 2014 eigenverbrauchsfähig war und Du Änderungen planst. Denn bisher genießt Du bezüglich der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch Bestandsschutz und musst nichts zahlen – auch wenn Dein System mehr als 10 Kilowatt Leistung hat oder mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr produziert (§ 61e EEG). Diesen Bestandsschutz verlierst Du, wenn Du 

  • die bestehenden Module ersetzt, ohne die Leistung zu erhöhen, oder 
  • die Anlage umziehst oder 
  • die Leistung der Anlage durch neue Module erhöhst oder,
  • wenn Du die Anlage verkaufst.

Wenn Du Module austauschst, um die Anlage in Teilen oder ganz zu erneuern, musst Du anschließend EEG-Umlage auf Eigenverbrauchin Höhe von 20 Prozent zahlen. 2020 sind das 1,3512 Cent pro Kilowattstunde. Im Falle eines Umzugs, einer Erhöhung der Anlagenleistung oder eines Eigentümerwechsels gilt der Satz von 40 Prozent. 2020 sind das 2,7024 Cent pro Kilowattstunde.

Wenn die Anlage außer Betrieb geht

Willst Du Deine Anlage außer Betrieb nehmen, musst Du die Stilllegung an das Marktstammdatenregister übermitteln. Hast Du bis dahin Strom ins Netz eingespeist und vergütet bekommen, solltest Du auch den Netzbetreiber informieren und Dein Solarstrom-Gewerbe beim Finanzamt abmelden.

Ein Installationsbetrieb demontiert Dir die Anlage. Idealerweise sollte er alle Komponenten gleich mitnehmen und zum Entsorgungshof schaffen. Du kannst Module, Wechselrichter und Kabel aber genauso gut selbst zum Entsorgungshof bringen und dort kostenlos abgeben. Die Hersteller der Geräte müssen sie auf eigene Kosten recyceln.

Sind Module und Wechselrichter noch funktionsfähig, kannst Du sie auch verkaufen. Es gibt digitale Handelsplätze für gebrauchte Solarmodule und Wechselrichter wie Second Sol. 

Autor
Ines Rutschmann

15. Oktober 2020


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