Flugzeitenänderung bei Pauschalreisen

Bei verschobenem Flug Geld zurückfordern

Dr. Britta Beate Schön
&Co-Autor
14. Juni 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Reiseveranstalter dürfen die Flugzeiten nur in einem gewissen Rahmen einseitig verändern.
  • Verschiebt der Reiseveranstalter bei einer Pauschalreise den Flug um mehr als vier Stunden auf eine unzumutbare Uhrzeit, so ist das ein Reisemangel.
  • Vor Reiseantritt können Urlauber in einem solchen Fall die Reise kostenfrei kündigen.
  • Reisende können auch den Reisepreis mindern oder einen Ersatzflug buchen.
  • Bis zu 600 Euro sind nach der EU-Fluggastrechteverordnung drin, sofern die Fluggesellschaft den Abflug um mehrere Stunden verschiebt.
So gehst Du vor
  • Verlegt der Reiseveranstalter die Abflugzeit so, dass es für Dich nicht zumutbar ist, verlang einen Ersatzflug zu einer angemessenen Zeit.
  • Kommt Dir der Veranstalter nicht entgegen, stornier die Reise.
  • Alternativ kannst Du Dir selbst einen Ersatzflug buchen und die Kosten vom Veranstalter zurückverlangen.
  • Du kannst auch den Reisepreis mindern, falls der Veranstalter den Flug um mehr als vier Stunden verschiebt, und zwar um 5 Prozent.
  • Außerdem kannst Du unter Umständen eine Entschädigung verlangen. Ob Du einen Anspruch hast, kannst Du mit unserem Rechner herausfinden oder von einem Unternehmen prüfen lassen, das auf Fluggastrechte spezialisiert ist.

Sonne, Strand, Meer – wer den Urlaub im Warmen verbringen will, entscheidet sich oft für eine Pauschalreise: Flug, Transfer und Hotel regelt der Reiseveranstalter. Der Urlauber muss sich selbst um nichts mehr kümmern. Manchmal gibt es nach der Buchung aber böse Überraschungen: zum Beispiel, wenn der Veranstalter plötzlich die Flugzeiten ändert.

Welche Änderung der Flugzeiten ist erlaubt?

Reisende entscheiden sich meist ganz bewusst für einen Flug zu einer bestimmten Tageszeit und planen die Anreise zum Flughafen mit ein. Wird dann der Abflug verschoben, kann es schnell Ärger geben. So ist oft ein komplett bezahlter Urlaubstag verloren, wenn zum Beispiel ein Heimflug statt spätabends auf einmal morgens um neun Uhr stattfinden soll.

In den Buchungsunterlagen steht meist, dass die angegebenen Flugzeiten unverbindlich seien. Das ist grundsätzlich auch in Ordnung. Dennoch darf der Reiseveranstalter die Zeiten nur insoweit ändern, wie es für den Reisenden noch zumutbar ist. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Urteile vom 10. Dezember 2013, Az. X ZR 24/13; 16. September 2014, Az. X ZR 1/14).

Entscheidend ist dabei immer der Einzelfall. Die Reisedauer spielt eine große Rolle bei der Frage, was zumutbar ist: Bei einem 14-tägigen Strandurlaub müssen Reisende es eher hinnehmen, dass ihr Flug nach vorne verschoben wird als bei einem kurzen Städtetrip. Auch die individuelle Familiensituation ist wichtig. Für Familien, die mit kleinen Kindern reisen, ist ein später Abendflug eher unzumutbar (LG Hannover, Urteil vom 27. April 2017, Az. 8 S 46/16).

Wie kannst Du Dich beim Veranstalter gegen verlegte Flüge wehren?

Wenn Deine Flüge bei einer Pauschalreise vor Urlaubsbeginn verschoben werden, hast Du verschiedene Rechte.

Kündigung der Reise

Erfährst Du von neuen Flugzeiten vor Urlaubsbeginn, kannst Du unter Umständen von der Reise zurücktreten und den schon gezahlten Reisepreis zurückverlangen. Dazu müssen sich die Flugzeiten erheblich und zugleich unzumutbar verschieben. „Erheblich“ bedeutet, dass der Flug mindestens vier Stunden früher oder später startet. Das allein reicht aber nicht, denn nicht jede derartige Änderung ist automatisch „unzumutbar“. Zwei Beispiele dazu:

Verlegung von 16 Uhr auf 12 Uhr mittags - Das ist zwar erheblich, aber noch zumutbar, da Du zwar früher am Flughafen sein musst, aber zu einer vernünftigen Tageszeit.

Verlegung von 9 Uhr auf 5 Uhr morgens - Das ist erheblich und unzumutbar, da Du mitten in der Nacht am Flughafen sein müsstest.

Ab dem 1. Juli 2018 gelten neue Regeln zum Pauschalreiserecht. Die Möglichkeit, den Vertrag kostenfrei zu kündigen, besteht weiterhin (§ 651l BGB). Ist die Verlegung der Flugzeit zumutbar, ist das kein Mangel. Du kannst die Reise dann zwar ebenfalls stornieren, musst aber für die Stornierung zahlen (§ 651h BGB).

Ersatzflug buchen

Ändern sich die Flugzeiten erheblich, kannst Du auch selbst einen Ersatzflug buchen. Das setzt voraus, dass die neuen Zeiten unzumutbar sind und Du den Veranstalter gebeten hast, Dir einen Ersatzflug zu buchen. Weigert sich der Veranstalter, kannst Du selbst einen Ersatzflug buchen und verlangen, dass er die Kosten ersetzt (§ 651c Abs. 3 a.F.  BGB; § 651k Abs. 2 BGB).

Es kommt nicht darauf an, ob die Kosten für den Ersatzflug um ein Vielfaches höher sind als das, was der Veranstalter bei einer Minderung hätte zahlen müssen. So urteilte das Landgericht Hannover. In dem konkreten Fall musste der Reiseveranstalter mehr als 600 Euro für den Ersatzflug zahlen, weil die Änderung der Abflugzeit um knapp sechs Stunden nicht zumutbar war. Eine Familie mit Kleinkind sollte statt zur Mittagszeit in den Abendstunden fliegen (Urteil vom 27. April 2017, Az. 8 S 46/16).

Reisepreis mindern 

Lässt sich der Flug nicht umbuchen, solltest Du Dich zügig mit dem Veranstalter in Verbindung setzen, um über eine Preisminderung zu verhandeln. Schreib ihn am besten innerhalb von vier Wochen nach der Reise an. Die Preisminderung beträgt nach der sogenannten Frankfurter Tabelle 5 Prozent des Reisepreises pro Tag, falls der Flug sich um mehr als vier Stunden verschoben hat. Für jede weitere Stunde erhältst Du weitere 5 Prozent des durchschnittlichen Tagespreises der Reise zurück.

Wie kannst Du gegen die Airline vorgehen?

Ist die Airline verantwortlich dafür, dass sich der Flug verschoben hat, kannst Du laut EU-Fluggastrechte-Verordnung (EG 261/2004) bis zu 600 Euro als Entschädigung bekommen. Das hat der Bundesgerichtshof im Juni 2015 entschieden (Az. X ZR 59/14). Verschiebt sich der Flug um mehrere Stunden, kommt das einer Annullierung gleich, bei der Kunden ebenfalls Anspruch auf eine Entschädigung haben.

Allerdings wurde in dem Fall kein Urteil gesprochen, da die Fluglinie nach der mündlichen Verhandlung gezahlt hat. Dennoch ist die Entscheidung wegweisend für Kunden, die sich in Zukunft ihr Geld zurückholen wollen. Die Entschädigung, die die Fluggesellschaft aufgrund der EU-Verordnung zahlen muss, ist im Zweifel sehr viel höher als das, was der Reiseveranstalter als Minderung nach der Frankfurter Tabelle zahlen muss.

Nutz unseren eigens entwickelten Rechner, um einschätzen zu können, was Dir bei einem Flugausfall zusteht. Am Ende erhältst Du einen kurzen Überblick, welche Ansprüche Du wahrscheinlich hast. Du kannst ein PDF-Dokument mit dem ausführlichen Ergebnis und einem angepassten Musterschreiben herunterladen.

Fluggastrechner

Keine Einigung in Sicht? Schlichter anrufen oder klagen

Ist der Reiseveranstalter nicht bereit, Dich finanziell zu entschädigen, bleiben Dir noch andere Möglichkeiten, wie Du an Dein Geld kommen kannst. Der bekannteste, wohl aber auch teuerste und arbeitsintensivste Weg ist der Gang zu einem Gericht. Ohne Rechts­schutz­ver­si­che­rung kann das unter Umständen extrem teuer werden, ohne dass Du  weißt, ob Du am Ende Recht bekommst.

Eine Alternative dazu sind Schlichtungsstellen. Diese arbeiten für den Verbraucher immer kostenlos. Für Beschwerden gegen Flugunternehmen ist die Schlichtungsstellen öffentlicher Personenverkehr (SÖP) zuständig.

Richtet sich die Beschwerde allerdings gegen den Reiseveranstalter, ist die SÖP nicht zuständig, sondern die allgemeine Schlichtungsstelle. Diese kommt immer dann ins Spiel, wenn keine branchenspezifische Schlichtungsstelle existiert. Ein Nachteil bei den Schlichtungsstellen ist, dass die Unternehmen nicht verpflichtend an dem Schlichtungsverfahren teilnehmen müssen und auch das Ergebnis nicht verbindlich ist. Dann bleibt aber immer noch der Gang vor ein Gericht.

Sogenannte Fluggasthelfer-Portale fordern die Entschädigung in Deinem Namen von der Fluggesellschaft zurück. Bei Erfolg behalten die Portale 25 bis 30 Prozent der Entschädigung ein. Damit die Helfer aktiv werden können, musst Du die Fluggesellschaft und nicht den Reiseveranstalter verklagen.

Mehr dazu im Ratgeber Fluggasthelfer

  • Fluggäste können bis zu 600 Euro Entschädigung verlangen bei großen Verspätungen und Annullierungen.
  • Von uns empfohlener Anbieter für eine Sorfortzahlung: EUFlight. Du kannst Dich auch an Compensation2go wenden.
  • Von uns empfohlene Inkasso-Dienstleister: flug-verspaetet.de. Du kannst Dich auch an SOS Flugverspätung, EUClaim, Claim Flights wenden.

Zum Ratgeber

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