Flugänderung Pauschalreise

Bei verschobenem Flug Geld zurückfordern

Das Wichtigste in Kürze

  • Reiseveranstalter dürfen die Flugzeiten nur in einem gewissen Rahmen einseitig verändern.
  • Verschiebt der Reiseveranstalter bei einer Pauschalreise den Flug um mehr als vier Stunden auf eine unzumutbare Uhrzeit, so ist das ein Reisemangel.
  • Vor Reiseantritt können Urlauber in einem solchen Fall die Reise kostenfrei kündigen.
  • Reisende können auch den Reisepreis mindern oder einen Ersatzflug buchen.
  • Bis zu 600 Euro sind nach der EU-Fluggastrechteverordnung drin, sofern die Fluggesellschaft den Abflug um mehrere Stunden verschiebt.

So gehen Sie vor

  • Verlegt der Reiseveranstalter die Abflugzeit so, dass es für Sie nicht zumutbar ist, verlangen Sie einen Ersatzflug zu einer angemessenen Zeit.
  • Kommt Ihnen der Veranstalter nicht entgegen, stornieren Sie die Reise.
  • Alternativ können Sie sich selbst einen Ersatzflug buchen und die Kosten vom Veranstalter zurückverlangen.
  • Sie können auch den Reisepreis mindern, falls der Veranstalter den Flug um mehr als vier Stunden verschiebt, und zwar um 5 Prozent.
  • Außerdem können Sie unter Umständen eine Entschädigung verlangen. Ob Sie einen Anspruch haben, können Sie von einem Unternehmen prüfen lassen, das auf Fluggastrechte spezialisiert ist.
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Sonne, Strand, Meer – wer den Urlaub im Warmen verbringen will, entscheidet sich oft für eine Pauschalreise: Flug, Transfer und Hotel regelt der Reiseveranstalter. Der Urlauber muss sich selbst um nichts mehr kümmern. Manchmal gibt es nach der Buchung aber böse Überraschungen: zum Beispiel, wenn der Veranstalter plötzlich die Flugzeiten ändert.

Welche Änderung der Flugzeiten ist erlaubt?

Reisende entscheiden sich meist ganz bewusst für einen Flug zu einer bestimmten Tageszeit und planen die Anreise zum Flughafen mit ein. Wird dann der Abflug verschoben, kann es schnell Ärger geben. So ist oft ein komplett bezahlter Urlaubstag verloren, wenn zum Beispiel ein Heimflug statt spätabends auf einmal morgens um neun Uhr stattfinden soll.

In den Buchungsunterlagen steht meist, dass die angegebenen Flugzeiten unverbindlich seien. Das ist grundsätzlich auch in Ordnung. Dennoch darf der Reiseveranstalter die Zeiten nur insoweit ändern, wie es für den Reisenden noch zumutbar ist. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Urteile vom 10. Dezember 2013, Az. X ZR 24/13; 16. September 2014, Az. X ZR 1/14).

Entscheidend ist dabei immer der Einzelfall. Die Reisedauer spielt eine große Rolle bei der Frage, was zumutbar ist: Bei einem 14-tägigen Strandurlaub müssen Reisende es eher hinnehmen, dass ihr Flug nach vorne verschoben wird als bei einem kurzen Städtetrip. Auch die individuelle Familiensituation ist wichtig. Für Familien, die mit kleinen Kindern reisen, ist ein später Abendflug eher unzumutbar (LG Hannover, Urteil vom 27. April 2017, Az. 8 S 46/16).

Wie können Sie sich beim Veranstalter gegen verlegte Flüge wehren?

Wenn Ihre Flüge bei einer Pauschalreise vor Urlaubsbeginn verschoben werden, haben Sie verschiedene Rechte.

Kündigung der Reise

Erfahren Sie von neuen Flugzeiten vor Urlaubsbeginn, können Sie unter Umständen von der Reise zurücktreten und den schon gezahlten Reisepreis zurückverlangen. Dazu müssen sich die Flugzeiten erheblich und zugleich unzumutbar verschieben. „Erheblich“ bedeutet, dass der Flug mindestens vier Stunden früher oder später startet. Das allein reicht aber nicht, denn nicht jede derartige Änderung ist automatisch „unzumutbar“. Zwei Beispiele dazu:

Verlegung von 16 Uhr auf 12 Uhr mittags - Das ist zwar erheblich, aber noch zumutbar, da Sie zwar früher am Flughafen sein müssen, aber zu einer vernünftigen Tageszeit.

Verlegung von 9 Uhr auf 5 Uhr morgens - Das ist erheblich und unzumutbar, da Sie mitten in der Nacht am Flughafen sein müssten.

Ab dem 1. Juli 2018 gelten neue Regeln zum Pauschalreiserecht. Die Möglichkeit, den Vertrag kostenfrei zu kündigen, besteht weiterhin (§ 651l BGB). Ist die Verlegung der Flugzeit zumutbar, ist das kein Mangel. Sie können die Reise dann zwar ebenfalls stornieren, müssen aber für die Stornierung zahlen (§ 651h BGB).

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Ersatzflug buchen

Ändern sich die Flugzeiten erheblich, können Sie auch selbst einen Ersatzflug buchen. Das setzt voraus, dass die neuen Zeiten unzumutbar sind und Sie den Veranstalter gebeten haben, Ihnen einen Ersatzflug zu buchen. Weigert sich der Veranstalter, können Sie selbst einen Ersatzflug buchen und verlangen, dass er die Kosten ersetzt (§ 651c Abs. 3 a.F.  BGB; § 651k Abs. 2 BGB).

Es kommt nicht darauf an, ob die Kosten für den Ersatzflug um ein Vielfaches höher sind als das, was der Veranstalter bei einer Minderung hätte zahlen müssen. So urteilte das Landgericht Hannover. In dem konkreten Fall musste der Reiseveranstalter mehr als 600 Euro für den Ersatzflug zahlen, weil die Änderung der Abflugzeit um knapp sechs Stunden nicht zumutbar war. Eine Familie mit Kleinkind sollte statt zur Mittagszeit in den Abendstunden fliegen (Urteil vom 27. April 2017, Az. 8 S 46/16).

Reisepreis mindern

Lässt sich der Flug nicht umbuchen, sollten Sie sich zügig mit dem Veranstalter in Verbindung setzen, um über eine Preisminderung zu verhandeln. Schreiben Sie ihn am besten innerhalb von vier Wochen nach der Reise an. Die Preisminderung beträgt nach der sogenannten Frankfurter Tabelle 5 Prozent des Reisepreises pro Tag, falls der Flug sich um mehr als vier Stunden verschoben hat. Für jede weitere Stunde erhalten Sie weitere 5 Prozent des durchschnittlichen Tagespreises der Reise zurück.

Wie können Sie gegen die Airline vorgehen?

Ist die Airline verantwortlich dafür, dass sich der Flug verschoben hat, können Sie laut EU-Fluggastrechte-Verordnung (EG 261/2004) bis zu 600 Euro als Entschädigung bekommen. Das hat der Bundesgerichtshof im Juni 2015 entschieden (Az. X ZR 59/14). Verschiebt sich der Flug um mehrere Stunden, kommt das einer Annullierung gleich, bei der Kunden ebenfalls Anspruch auf eine Entschädigung haben.

Allerdings wurde in dem Fall kein Urteil gesprochen, da die Fluglinie nach der mündlichen Verhandlung gezahlt hat. Dennoch ist die Entscheidung wegweisend für Kunden, die sich in Zukunft ihr Geld zurückholen wollen. Die Entschädigung, die die Fluggesellschaft aufgrund der EU-Verordnung zahlen muss, ist im Zweifel sehr viel höher als das, was der Reiseveranstalter als Minderung nach der Frankfurter Tabelle zahlen muss.

Keine Einigung in Sicht? Schlichter anrufen oder klagen

Ist der Reiseveranstalter nicht bereit, Sie finanziell zu entschädigen, bleiben Ihnen noch andere Möglichkeiten, wie Sie an Ihr Geld kommen können. Der bekannteste, wohl aber auch teuerste und arbeitsintensivste Weg ist der Gang zu einem Gericht. Ohne Rechtsschutzversicherung kann das unter Umständen extrem teuer werden, ohne dass Sie wissen, ob Sie am Ende Recht bekommen.

Eine Alternative dazu sind Schlichtungsstellen. Diese arbeiten für den Verbraucher immer kostenlos. Für Beschwerden gegen Flugunternehmen ist die Schlichtungsstellen öffentlicher Personenverkehr (SÖP) zuständig.

Richtet sich die Beschwerde allerdings gegen den Reiseveranstalter, ist die SÖP nicht zuständig, sondern die allgemeine Schlichtungsstelle. Diese kommt immer dann ins Spiel, wenn keine branchenspezifische Schlichtungsstelle existiert. Ein Nachteil bei den Schlichtungsstellen ist, dass die Unternehmen nicht verpflichtend an dem Schlichtungsverfahren teilnehmen müssen und auch das Ergebnis nicht verbindlich ist. Dann bleibt aber immer noch der Gang vor ein Gericht.

Sogenannte Fluggasthelfer-Portale fordern die Entschädigung in Ihrem Namen von der Fluggesellschaft zurück. Bei Erfolg behalten die Portale 25 bis 30 Prozent der Entschädigung ein. Damit die Helfer aktiv werden können, müssen Sie die Fluggesellschaft und nicht den Reiseveranstalter verklagen.

Mehr dazu im Ratgeber Fluggasthelfer

Dr. Britta Schön
Finanztip-Rechtsexpertin

Fluggastrechte nach EU-Verordnung

  • Bei Flugverspätung von mehr als 3 Stunden können Sie Entschädigung verlangen.
  • Bis zu 600 Euro sind möglich.
  • Fluggasthelfer-Portale setzen Ihre Rechte durch.

» Zum Ratgeber

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.

Eric Brandmayer

Redakteur bei Finanztip (bis Januar 2017)

Eric Brandmayer hat bei Finanztip volontiert. Er kümmerte sich als Redakteur im Versicherungsteam vor allem um die Themen Hausrat und Haftpflicht. Praktische Erfahrungen sammelte er zuvor in verschiedenen Redaktionen und in der Pressestelle des Deutschen Olympischen Sportbundes.