Bezugsdauer Arbeitslosengeld

Wie lange bekomme ich Arbeitslosengeld?

Dr. Britta Beate Schön Stand: 17. Juni 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wie lange Sie Arbeitslosengeld (ALG I) bekommen, hängt von Ihrem Alter ab und davon, wie lange Sie vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt waren.
  • Haben Sie innerhalb der letzten 30 Monate mindestens zwölf Monate gearbeitet, können Sie sechs Monate Arbeitslosengeld bekommen.
  • Sind Sie jünger als 50, gibt es höchstens zwölf Monate Arbeitslosengeld. Für Ältere gibt es bis zu 24 Monate lang Geld.
So gehen Sie vor
  • Melden Sie sich umgehend nach Erhalt Ihrer Kündigung oder sobald Sie wissen, dass Ihr Arbeitsverhältnis endet, bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend.
  • Wenn Sie arbeitslos sind, melden Sie sich persönlich bei der Agentur und stellen Sie einen Antrag auf ALG I.
  • Stehen Sie kurz vor Ihrem 50., 55. oder 58. Geburtstag, sollten Sie prüfen, ob Sie den Antrag nicht erst nach Ihrem Geburtstag stellen. Sie bekommen dann eventuell länger Arbeitslosengeld.

Wer seinen Job verliert, steht oft erst einmal unter Schock. Trotzdem müssen Sie sofort aktiv werden. Melden Sie sich spätestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses persönlich arbeitssuchend. Ein Telefonanruf reicht nicht (Sächsisches LSG, Urteil vom 17. August 2014, Az. L 3 AL 1/13 B PKH).

Erfahren Sie von Ihrem Jobverlust weniger als drei Monate vorher, müssen Sie sich innerhalb von drei Tagen melden. Sie riskieren ansonsten eine Sperrzeit von einer Woche bei Ihrem Arbeitslosengeld.

Beziehen Sie bereits Arbeitslosengeld, kann sich Ihr Anspruch auf Unterstützung einmalig um drei Monate verlängern. Der Gesetzgeber will durch diese Sonderregelung Folgen der Corona-Pandemie abmildern.

Wie lange zahlt die Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld I?

Wie lange Sie Arbeitslosengeld I bekommen, hängt davon ab, wie lange Sie vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt waren und in welchem Alter Sie arbeitslos werden (§ 147 SGB III). Waren Sie innerhalb der sogenannten Rahmenfrist zwölf Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt, haben Sie die Anwartschaftszeit erfüllt. Seit dem 1. Januar 2020 beläuft sich die Rahmenfrist auf 30 Monate. Sie bekommen dann sechs Monate Arbeitslosengeld gezahlt.

Haben Sie innerhalb der letzten fünf Jahre länger als zwölf Monate versicherungspflichtig gearbeitet, kann sich Ihr Anspruch auf bis zu zwölf Monate verlängern. Wer unter 50 Jahre alt ist, erhält höchstens zwölf Monate lang Arbeitslosengeld.

Anspruchsdauer für Arbeitslose unter 50 Jahren

mindestens versicherungspflichtig

beschäftigt in Monaten

Anspruchsdauer
in Monaten

126
168
2010
2412

Quelle: § 147 Abs. 2 SGB III

Wer 50 Jahre oder älter ist und länger als 24 Monate gearbeitet hat, kann länger Arbeitslosengeld beziehen. Arbeitslose ab 58 Jahren erhalten höchstens 24 Monate Arbeitslosengeld. Ihre Anspruchsdauer entsprechend Ihrem Alter und der Dauer Ihrer Beschäftigung entnehmen Sie dieser Tabelle:

Anspruchsdauer für Arbeitslose über 50 Jahren

vollendetes

Lebensjahr

mindestens versicherungspflichtig

beschäftigt in Monaten

Anspruchsdauer

in Monaten

50.3015
55.3618
58.4824

Quelle: § 147 Abs. 2 SGB III

Beispiel 1: Arbeitnehmerin, 52 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 36 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf 15 Monate Arbeitslosengeld, nicht auf 18 Monate, da sie das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Beispiel 2: Arbeitnehmer, 57 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 38 Monate beschäftigt. Er hat einen Anspruch auf 18 Monate Arbeitslosengeld.

Beispiel 3: Arbeitnehmerin, 58 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 20 Monate beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf zehn Monate Arbeitslosengeld. Denn wer weniger als 24 Monate gearbeitet hat, für den gilt immer die Tabelle für unter 50-Jährige weiter oben.

Länger Arbeitslosengeld während der Corona-Pandemie

Wer schon vor der Corona-Pandemie arbeitslos geworden ist, hat es aktuell schwerer, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Deshalb zahlt die Agentur für Arbeit vorübergehend länger Arbeitslosengeld. Würde Ihr Anspruch zwischen dem 1. Mai 2020 und dem 31. Dezember 2020 enden, zahlt Ihnen die Agentur einmalig drei Monate länger Arbeitslosengeld (§ 421d SGB III). Dazu müssen Sie keinen gesonderten Antrag stellen. Das hat der Gesetzgeber im Sozialschutzpaket II festgelegt.

Zeitpunkt für den Antrag clever wählen

In bestimmten Fällen kann es von Vorteil sein, den Antrag auf ALG I etwas verzögert zu stellen. Stehen Sie zu Beginn der Arbeitslosigkeit zum Beispiel kurz vor Ihrem 58. Geburtstag, sollten Sie den Antrag erst nach Ihrem Geburtstag stellen. Sie können dann 24 Monate Arbeitslosengeld beziehen. Stellen Sie den Antrag noch vor Ihrem 58. Geburtstag, bekommen Sie nur 18 Monate lang Arbeitslosengeld.

Gibt es verkürzte Anwartschaften?

Selbst wenn Sie in den letzten 30 Monaten weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig tätig waren, haben Sie unter Umständen Anspruch auf Arbeitslosengeld (§ 142 Abs. 2 SGB III). Diese verkürzte Anwartschaftszeit kann erfüllt sein, wenn

  1. Sie in den letzten 30 Monaten vor der Arbeitslosmeldung mindestens sechs Monate in Versicherungspflichtverhältnissen gestanden haben und
  2. es sich überwiegend um Beschäftigungsverhältnisse gehandelt hat, die von Vornherein auf nicht mehr als 14 Wochen befristet waren, sowie
  3. Ihr Bruttoarbeitsentgelt in den letzten zwölf Monaten das 1,5-fache der Bezugsgröße von derzeit 38.220 Euro in den alten Bundesländern und 36.120 Euro in den neuen Bundesländern nicht überstiegen hat. Sie dürfen also nicht mehr als 57.330 Euro in den alten beziehungsweise 54.180 Euro in den neuen Bundesländern verdient haben (§ 18 SGB IV, Stand: Januar 2020).

Die Regelung zur kurzen Anwartschaftszeit soll vor allem Beschäftigte im Kulturbereich absichern, etwa  Schauspieler oder Musiker, die nur kurzfristige Engagements haben. Davon profitieren aber auch andere Personen wie Aushilfen und Saisonkräfte, die kurzfristig beschäftigt werden. Die Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2022.

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die verkürzte Anwartschaftszeit, ist die Zeit, für die Sie Arbeitslosengeld erhalten können, davon abhängig, wie lange Sie in den letzten 30 Monaten insgesamt beschäftigt waren (§ 147 Abs. 3 SGB III). Die Anspruchsdauer ergibt sich aus dieser Tabelle:

Anspruchsdauer bei verkürzter Anwartschaft

mindestens versicherungspflichtig

beschäftigt in Monaten

Anspruchsdauer

in Monaten

63
84
105

Quelle: § 147 Abs. 3 SGB III

Kann sich die Anspruchsdauer auf ALG I verlängern?

Haben Sie in den letzten fünf Jahren schon einmal einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben und die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft, dann erhöht sich Ihr neuer Anspruch um diesen unverbrauchten Rest. Jedoch nur bis maximal auf die Höchstdauer des neuen Anspruchs (§ 147 Abs. 4 SGB III). Darauf sollten Sie die Agentur unbedingt hinweisen.

Beispiel: Arbeitnehmer, 44 Jahre alt, erhält ab 1. Juni 2014 erstmals Arbeitslosengeld für zwölf Monate. Nach zehn Monaten nimmt er eine neue Beschäftigung an. Ihm steht ein Restanspruch von zwei Monaten zu. Wird er nach zwölf Monaten wieder arbeitslos, hat er einen neuen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld. Zu diesen sechs Monaten werden die zwei Monate Restanspruch hinzugerechnet. Die aktuelle Anspruchsdauer beläuft sich also auf acht Monate.

Der erworbene Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt Ihnen nach seiner Entstehung vier Jahre lang erhalten. Das bedeutet, dass Sie innerhalb dieser Frist auf eine nicht verbrauchte Anspruchsdauer zurückgreifen können, falls Sie durch eine neue Beschäftigung nicht erneut die Anwartschaftszeit erfüllen.

Alle wichtigen Informationen zum Bestandsschutz und zu den Auswirkungen auf die Höhe des Arbeitslosengelds finden Sie in unserem Artikel Bestandsschutz.

Wann kann die Agentur die Anspruchsdauer verkürzen?

Ob Sie tatsächlich einen vollständigen Anspruch auf ALG I haben, hängt davon ab, ob die Anspruchsdauer nicht gemindert wird (§ 148 SGB III). Wichtigster Grund für eine Minderung ist eine von der Arbeitsagentur verhängte Sperrzeit.

Die kann eine Woche, aber auch drei Monate dauern. Bei einer Sperrzeit von zwölf Wochen mindert sich die Dauer des ALG I um mindestens ein Viertel. Hat ein Arbeitnehmer, der 58 Jahre alt ist, grundsätzlich einen Anspruch von 24 Monaten ALG I, dann kürzt sich sein Anspruch um sechs Monate, falls die Agentur eine Sperrzeit von zwölf Wochen verhängt hat.

Die Minderung wird direkt von der Anspruchsdauer abgezogen. Wie Sie eine Sperrzeit vermeiden können, lesen Sie in unserem Ratgeber Sperrzeit.

Sperrzeiten und deren Gründe

Grund

Dauer der Sperrzeit

Eigenkündigung,  Aufhebungsvertrag, 

selbstverschuldete Kündigung

12 Wochen

Arbeitsablehnung,
Ablehnung/Abbruch 

Eingliederungsmaßnahme

1. Verstoß: 3 Wochen, 

2. Verstoß: 6 Wochen, 

dann 12 Wochen

unzureichende Eigenbemühung2 Wochen
Meldeversäumnis, verspätete
Arbeitssuchendmeldung
1 Woche

Quelle: § 148 Abs. 1 Nr. 3 SGB III

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 17. Juni 2020


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