Bezugsdauer Ar­beits­lo­sen­geld

So lange bekommst Du Ar­beits­lo­sen­geld

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
22. April 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Wie lange Du Ar­beits­lo­sen­geld (ALG 1) bekommst, hängt von Deinem Alter ab und davon, wie lange Du vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt warst.
  • Hast du innerhalb der letzten 30 Monate mindestens zwölf Monate gearbeitet, kannst Du sechs Monate lang Ar­beits­lo­sen­geld bekommen.
  • Bist Du jünger als 50, gibt es höchstens zwölf Monate Ar­beits­lo­sen­geld. Für Ältere gibt es bis zu 24 Monate lang Geld.
So gehst Du vor
  • Melde Dich umgehend nach Erhalt Deiner Kündigung oder sobald Du weißt, dass Dein Arbeitsverhältnis endet, bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend.
  • Nach Deinem letzten Arbeitstag meldest Du Dich arbeitslos und stellst einen Antrag auf ALG 1.
  • Stehst Du kurz vor Deinem 50., 55. oder 58. Geburtstag, solltest Du prüfen, ob Du den Antrag nicht erst nach Deinem Geburtstag stellst. Du bekommst dann eventuell länger Ar­beits­lo­sen­geld.

Wer seinen Job verliert, steht oft erst einmal unter Schock. Wie soll es beruflich weitergehen? In einer solchen Situation bist Du zumindest finanziell durch das Ar­beits­lo­sen­geld abgesichert. Du bekommst aus der Arbeitslosenversicherung etwa 60 Prozent Deines bisherigen Nettogehalts oder 67 Prozent, falls Du Kinder hast. Aber wie lange zahlt die Agentur für Arbeit eigentlich ALG 1 und von welchen Voraussetzungen hängt das ab? Antworten auf diese Fragen findest Du in diesem Ratgeber.

Wie lange gibt es Ar­beits­lo­sen­geld 1?

Um Ar­beits­lo­sen­geld zu bekommen, musst Du Dich an die Agentur für Arbeit wenden. Und zwar umgehend, nachdem Du erfahren hast, dass Du Deine Arbeit verlierst. Melde Dich spätestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses arbeitssuchend. Das geht am einfachsten online oder telefonisch unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800/4 555500.

Erfährst Du von Deinem Jobverlust weniger als drei Monate vorher, musst Du dich innerhalb von drei Tagen arbeitssuchend melden. Du riskierst ansonsten eine Sperrzeit von einer Woche bei Deinem Ar­beits­lo­sen­geld.

Nach Deinem letzten Arbeitstag musst Du Dich erneut bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden und ALG 1 beantragen. Die Behörde prüft Deinen Antrag und bescheinigt Dir, wieviel Geld Du bekommst und wie lange. Mit dem Ar­beits­lo­sen­geld-Rechner der Bundesagentur für Arbeit kannst Du die Höhe Deines Ar­beits­lo­sen­gelds vorab ausrechnen.

Bezugsdauer Ar­beits­lo­sen­geld

Wie lange Dir Ar­beits­lo­sen­geld 1 gezahlt wird, hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Wie lange Du vor der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt warst und
  2. in welchem Alter Du arbeitslos wirst (§ 147 SGB III). 

Warst Du innerhalb der sogenannten Rahmenfrist zwölf Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt, hast Du die Anwartschaftszeit erfüllt. Die meisten Arbeitnehmer sind pflichtversichert mit Ausnahme von Minijobbern. Die haben keinen Anspruch auf ALG 1, wenn sie arbeitslos werden. Seit 1. Januar 2020 beläuft sich die Rahmenfrist auf 30 Monate.

Hast Du mindestens zwölf Monate innerhalb der letzten 30 Monate gearbeitet und von Deinem Lohn Beiträge in die Arbeitslosenversicherung gezahlt, dann bekommst Du sechs Monate Ar­beits­lo­sen­geld gezahlt. Die zwölf Monate musst Du nicht zusammenhängend gearbeitet haben, mehrere Beschäftigungen kannst Du zusammenrechnen.

Hast Du innerhalb der letzten fünf Jahre länger als zwölf Monate versicherungspflichtig gearbeitet, kann sich Dein Anspruch auf bis zu zwölf Monate verlängern. Wer unter 50 Jahre alt ist, bekommt höchstens zwölf Monate lang Ar­beits­lo­sen­geld – danach ist Schluss.

1. Anspruchsdauer für Arbeitslose unter 50 Jahren

min. versicherungs-

pflichtig beschäftigt

Anspruchsdauer
 

12 Monate6 Monate
16 Monate8 Monate
20 Monate10 Monate
24 Monate12 Monate

Quelle: § 147 Abs. 2 SGB III (Stand: April 2022)

Wer 50 Jahre oder älter ist und länger als 24 Monate gearbeitet hat, kann länger Ar­beits­lo­sen­geld beziehen. Arbeitslose ab 58 Jahren erhalten höchstens 24 Monate Ar­beits­lo­sen­geld. Deine Anspruchsdauer entsprechend Deinem Alter und der Dauer Deiner Beschäftigung kannst Du der Tabelle entnehmen:

2. Anspruchsdauer für Arbeitslose über 50 Jahren

Alter

min. versicherungs-

pflichtig beschäftigt

Anspruchsdauer

 

min. 50 Jahre alt30 Monate15 Monate
min. 55 Jahre alt36 Monate18 Monate
min. 58 Jahre alt48 Monate24 Monate

Quelle: § 147 Abs. 2 SGB III (Stand: April 2022)

Beispiel 1: Agnes, 52 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 36 Monate versicherungspflichtig beschäftigt. Sie kann 15 Monate Ar­beits­lo­sen­geld beziehen.

Beispiel 2: Bernhard, 57 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung insgesamt 38 Monate beschäftigt. Er hat einen Anspruch auf 18 Monate Ar­beits­lo­sen­geld.

Beispiel 3: Christiane, 58 Jahre alt, war in den letzten fünf Jahren vor Arbeitslosmeldung 20 Monate beschäftigt. Sie hat einen Anspruch auf zehn Monate Ar­beits­lo­sen­geld. Denn wer weniger als 30 Monate gearbeitet hat, für den gilt die 1. Tabelle für unter 50-Jährige weiter oben.

Zeitpunkt für den Antrag clever wählen

In bestimmten Fällen kann es von Vorteil sein, den Antrag auf ALG 1 etwas verzögert zu stellen. Stehst Du zu Beginn der Arbeitslosigkeit zum Beispiel kurz vor Deinem 58. Geburtstag, solltest Du den Antrag erst nach Deinem Geburtstag stellen. Du kannst dann 24 Monate Ar­beits­lo­sen­geld beziehen. Stellst Du den Antrag noch vor Deinem 58. Geburtstag, bekommst Du nur 18 Monate lang Ar­beits­lo­sen­geld.

Von verkürzten Anwartschaften profitieren

Selbst wenn Du in den letzten 30 Monaten weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt warst, hast Du unter Umständen Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld (§ 142 Abs. 2 SGB III). Diese verkürzte Anwartschaftszeit kann erfüllt sein, wenn

  1. Du in den letzten 30 Monaten vor der Arbeitslosmeldung mindestens sechs Monate in Ver­si­che­rungs­pflicht­ver­hält­niss­en gestanden hast und
  2. es sich überwiegend um Beschäftigungsverhältnisse gehandelt hat, die von vornherein auf nicht mehr als 14 Wochen befristet waren, sowie
  3. Dein Bruttoarbeitsentgelt in den letzten zwölf Monaten das 1,5-fache der Bezugsgröße von derzeit 39.480 Euro in den alten Bundesländern und 37.800 Euro in den neuen Bundesländern nicht überstiegen hat. Du darfst also nicht mehr als 59.220 Euro in den alten beziehungsweise 56.700 Euro in den neuen Bundesländern verdient haben (§ 18 SGB IV, Stand: April 2022).

Die Regelung zur kurzen Anwartschaftszeit soll vor allem Beschäftigte im Kulturbereich absichern, Schauspieler oder Musiker, die nur kurzfristige Engagements haben. Davon profitieren aber auch andere Personen wie Aushilfen und Saisonarbeitskräfte, die kurzfristig beschäftigt werden. Die Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2022.

Erfüllst Du die Voraussetzungen für die verkürzte Anwartschaftszeit, ist die Zeit, für die Du Ar­beits­lo­sen­geld erhalten kannst, davon abhängig, wie lange Du in den letzten 30 Monaten insgesamt beschäftigt warst (§ 147 Abs. 3 SGB III). Die Anspruchsdauer ergibt sich aus dieser Tabelle:

3. Anspruchsdauer bei verkürzter Anwartschaft

min. versicherungs-

pflichtig beschäftigt

Anspruchsdauer

 

6 Monate3 Monate
8 Monate4 Monate
10 Monate5 Monate

Quelle: § 147 Abs. 3 SGB III (Stand: April 2022)

Wann kannst Du länger ALG 1 bekommen?

Hast Du in den letzten fünf Jahren schon einmal einen Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld erworben und die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft, dann erhöht sich Dein neuer Anspruch um diesen unverbrauchten Rest. Jedoch nur bis auf die Höchstdauer des neuen Anspruchs (§ 147 Abs. 4 SGB III). Darauf solltest Du die Agentur unbedingt hinweisen.

Beispiel: Dirk, 44 Jahre alt, erhält ab 1. Juni 2020 erstmals Ar­beits­lo­sen­geld für zwölf Monate bewilligt. Nach zehn Monaten nimmt er eine neue Beschäftigung an. Ihm steht ein Restanspruch von zwei Monaten zu. Wird er nach zwölf Monaten wieder arbeitslos, hat er einen neuen Anspruch auf sechs Monate Ar­beits­lo­sen­geld. Zu diesen sechs Monaten werden aber die zwei Monate Restanspruch hinzugerechnet. Die aktuelle Anspruchsdauer beläuft sich also auf acht Monate.

Der erworbene Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld bleibt Dir nach seiner Entstehung vier Jahre lang erhalten. Das bedeutet, dass innerhalb dieser Frist die nicht verbrauchten Monate erhalten bleiben, falls Du durch eine neue Beschäftigung nicht erneut die Anwartschaftszeit erfüllst.

Alle wichtigen Informationen zum Bestandsschutz und zu den Auswirkungen auf die Höhe des Ar­beits­lo­sen­gelds findest Du in unserem Ratgeber Bestandsschutz beim Ar­beits­lo­sen­geld.

Wann verkürzt sich Dein Anspruch auf ALG 1?

Ob Du tatsächlich einen vollständigen Anspruch auf ALG 1 hast, hängt davon ab, ob Du der Agentur keinen Grund bietest, um die Dauer zu kürzen (§ 148 SGB III). Wichtigster Grund für eine Minderung ist die Sperrzeit.

Die kann eine Woche, aber auch drei Monate dauern. Bei einer Sperrzeit von zwölf Wochen mindert sich die Bezugsdauer um mindestens ein Viertel.

Beispiel: Elke, 58 Jahre alt, hat grundsätzlich einen Anspruch auf 24 Monate Ar­beits­lo­sen­geld 1. Sie hat ihren Arbeits­vertrag ohne wichtigen Grund gekündigt und bekommt deshalb eine Sperrzeit von zwölf Wochen. Die Bezugsdauer ihres Anspruchs aus ALG 1 wird um ein Viertel gekürzt, also um sechs Monate.

Die Minderung wird direkt von der Anspruchsdauer abgezogen. Wie Du eine Sperrzeit vermeiden kannst, liest Du in unserem Ratgeber Sperrzeit. In der Übersicht findest Du alle Gründe, die zu einer Sperrzeit führen, und die entsprechende Dauer der Sperre in Wochen.

Sperrzeiten und deren Gründe

Grund

Dauer der Sperrzeit

Eigenkündigung, Aufhebungsvertrag, 

selbstverschuldete Kündigung

12 Wochen

Arbeitsablehnung,
Ablehnung/Abbruch 

Eingliederungsmaßnahme

1. Verstoß: 3 Wochen, 

2. Verstoß: 6 Wochen, 

dann 12 Wochen

unzureichende Eigenbemühung2 Wochen
Meldeversäumnis, verspätete
Arbeits­suchend­meldung
1 Woche

Quelle: § 148 Abs. 1 Nr. 3 SGB III (Stand: April 2022)

Wenn das ALG 1 ausläuft – was dann?

Endet Dein Anspruch auf Ar­beits­lo­sen­geld demnächst, und hast Du noch keinen neuen Job gefunden, kannst Du Ar­beits­lo­sen­geld 2 beantragen. Diese Sozialleistung bekommst Du nur, wenn Du hilfsbedürftig bist. Damit wird nur Dein Existenzminimum abgesichert.

Für den Antrag auf Grundsicherung für Arbeitsuchende kannst Du Dich an das zuständige Jobcenter wenden. Die beraten Dich bei allen Fragen rund um ALG 2 und prüfen, ob Du weiter eine finanzielle Unterstützung bekommst.

Wichtig: An das Ar­beits­lo­sen­geld 1 schließt sich nicht automatisch das Ar­beits­lo­sen­geld 2 an. Du solltest deshalb unbedingt etwa einen Monat vor Ende des ALG 1 einen Antrag auf ALG 2 stellen.

Empfehlungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Eine passende Rechts­schutz­ver­si­che­rung findest Du am besten über ein Vergleichsportal. Von Mai bis Juli 2021 haben wir diese untersucht. Unsere Empfehlungen aus diesem Test sind:

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Die wichtigsten Fragen für Dich zusammengefasst

Wie lange gibt es ALG 1?

Wann bekommst Du länger ALG 1?

Wann kann die Agentur die Anspruchsdauer verkürzen?