Heizkostenverordnung

Teuer und unverständlich? So prüfst Du Deine Heizkostenabrechnung

Ines Rutschmann 14. Januar 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Das diesjährige Ablesen der Heizungszähler steht im Zeichen der Corona-Epidemie. Wie die Messdienstleister vorgehen, liest Du hier.
  • Viele Heizkostenabrechnungen sind mangelhaft. In einer Untersuchung von Finanztip und CO2online entsprachen rund vier von fünf Abrechnungen nicht den gesetzlichen Vorgaben.
  • Wie eine korrekte Heizkostenabrechnung auszusehen hat, das schreibt die Heizkostenverordnung vor: Sie muss vor allem auch verständlich sein. Deine Kosten muss der Vermieter danach berechnen, wie viel Energie Du tatsächlich in Deinem Haushalt verbrauchst.
  • Ein Forschungsprojekt zielt darauf ab, dass Du Deine Heizkostenabrechnung mit Hilfe einer Online-Anwendung selbst prüfen kannst. Finanztip begleitet das Projekt
So gehst Du vor
  • Prüf Deine Heizkostenabrechnung, wenn Du sie erhältst. Tipps dazu findest Du hier. Ist sie fehlerhaft oder unplausibel, dann widersprich ihr und forder, die Rechnungsbelege zu sehen.
  • Verbraucherzentralen, Mietervereine und kommerzielle Dienstleister wie Mineko und Yourxpert helfen Dir, die Abrechnung zu überprüfen.

Einmal im Jahr kommt sie: die Heizkostenabrechnung. Jeder Verbraucher erhält sie, der in einem Wohnhaus mit Zentralheizung zur Miete wohnt. Kauft der Vermieter den Brennstoff ungünstig ein oder rechnet nicht vorschriftsmäßig ab, fallen die Kosten höher aus, als sie sein müssten. Es lohnt sich daher in den meisten Fällen, die Heizkostenabrechnung zu prüfen.

Wann muss die Heizkostenabrechnung vorliegen?

Als Mieter in einem Wohnhaus mit Zentralheizung hast Du wenig Einfluss auf Deine Heizkosten, im Gegensatz zu Haushalten, die direkt einen Energieliefervertrag mit dem Versorger schließen – sei es für eine Gasetagenheizung, für die Fernwärmeversorgung, für eine Elektroheizung oder für den Heizkessel im Eigenheim. Du kannst natürlich sparsam heizen. Oder aber Deine Abrechnung gründlich unter die Lupe nehmen.

Dein Vermieter muss Deine Heizkostenabrechnung einmal pro Jahr erstellen. Er hat dazu Zeit bis zum Ende des folgenden Abrechnungsjahres. Entspricht Dein Abrechnungsjahr einem vollen Kalenderjahr, kann Dir der Vermieter also beispielsweise bis 31. Dezember 2020 die Abrechnung für das Jahr 2019 schicken.

Beginnt Dein Abrechnungsjahr immer im Juli, müsste er Dir die Abrechnung für 2018/2019 bis 30. Juni 2020 zustellen. Kommt sie später, musst Du keine Nachzahlung leisten. Dann ist der Anspruch des Vermieters darauf erloschen. Das gilt jedoch nicht, wenn die Abrechnung ein Guthaben ausweist: Dieses steht Dir auch zu, wenn der Vermieter die Frist verschläft und Dir die Abrechnung zu spät zustellt.

So viel Zeit bleibt für einen Widerspruch

Stellt Dir der Vermieter die Abrechnung fristgemäß zu, hast Du ein ganzes Jahr Zeit zu widersprechen. Zugleich solltest Du Dein Recht nutzen und eine Einsicht in die Rechnungsbelege fordern. Der Vermieter muss Dir die Belege zeigen. Entweder schickt er Dir Kopien oder Du triffst Dich mit ihm oder einem Bevollmächtigten, um die Originale zu lesen. Anspruch auf den Erhalt von Kopien hast Du nicht.

Bis Du die Belege siehst, gilt Dein Widerspruch gegen die Abrechnung. Bitte dabei zugleich um Zahlungsaufschub für Kosten, die Du nachzahlen sollst. In der Regel sind Nachzahlungen innerhalb von 30 Tagen zu begleichen, nachdem Du die Abrechnung erhalten hast. Wenn Du widersprochen hast, warte ab, bis der Vermieter oder die beauftragte Wohnungsverwaltung eine korrigierte Abrechnung schickt.

Entbunden bist Du von der Pflicht zur Nachzahlung, wenn Dir der Vermieter keine gesetzeskonforme Heizkostenabrechnung schickt oder wenn er diese mehr als ein Jahr nach Ende des Abrechnungszeitraums zustellt.

Ist auf der Abrechnung ein Guthaben ausgewiesen, ist Dir das unverzüglich auszuzahlen.

Ablesung von Messgeräten wegen Corona-Epidemie mit Mundschutz 

Wegen der Gefahren durch das Coronavirus kommen die Mitarbeiter der großen Messdienstleister in Deutschland – Techem, Brunata-Metrona, Kalorimeta und Ista – nur mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen in die Wohnungen, um Heizkostenverteiler abzulesen. Sie sollten auch 1,5 Meter Abstand zu Dir einhalten. Techem schickt nur Mitarbeiter, wenn Mieter und Hauseigentümer einverstanden sind. Achte auf Aushänge in Deinem Haus und ruf die Firma an, wenn Du nicht willst, dass ein Mitarbeiter zu Dir kommt. Kontaktlos erfolgt die Datenabfrage bei fernauslesbaren Messgeräten. 

Niedrigere Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr 2020

Zwischen Juli und Dezember 2020 galt eine niedrigere Mehrwertsteuer. Dies sollte sich auch auf Deine Heizkostenabrechnung bemerkbar machen. Grundsätzlich gilt: Eine Leistung wird mit dem Mehrwertsteuersatz verrechnet, der bei Leistungserbringung gilt. Die Heizkostenabrechnung basiert auf verschiedenen anderen Abrechnungen: für den gelieferten Brennstoff, für das Ablesen und Erstellen der Abrechnung, Entgelte für Messeinrichtungen, für Wasser. Deshalb können unterschiedliche Mehrwertsteuersätze auf der Abrechnung wirken. Erfolgt die Abrechnung für ein volles Kalenderjahr, also vom 1. Januar bis 31. Dezember, sollte der geringere Satz von 16 Prozent gelten – zumindest für Wasser, Strom und Gas sowie das bis Jahresende gelieferte Heizöl. 

Untersuchung von Finanztip: Viele Abrechnungen fehlerhaft

Wie die Heizkosten in zentral beheizten Mietwohnungen zu berechnen sind, schreibt die Heizkostenverordnung (HeizkostenV) vor. Liefert die zentrale Heizanlage sowohl die Wärme für Deine Räume als auch das Warmwasser, müssen beide Posten und ihre Berechnung getrennt voneinander auf der Abrechnung ausgewiesen sein. Versorgt Dich die zentrale Heizung nur mit Raumwärme, finden sich keine Angaben zu Warmwasser auf Deiner Heizkostenabrechnung. 

Der Grundsatz des Gesetzes ist dabei: Die Abrechnung muss verständlich und nachvollziehbar sein. Ist Deine Abrechnung nicht plausibel, entspricht sie nicht dem Gesetz.

Dass Abrechnungen nicht plausibel sind, Fehler enthalten oder überhöhte Kosten zeigen, kommt häufig vor. Bei der Prüfung von 87 Abrechnungen im Herbst 2018 stellte Finanztip gemeinsam mit der Beratungsfirma CO2online fest, dass rund vier von fünf Abrechnungen Fehler zeigten oder mangelhaft waren. Die Marktwächter Energie kamen im Sommer 2018 zu ähnlichen Schlüssen.

Das waren typische Fehler

Bei unserer Prüfung der von Finanztip-Newsletter-Lesern eingesandten Rechnungen stellten wir fest, dass 60 Prozent keinen Energieverbrauch für Warmwasser enthielten. Stattdessen war dieser geschätzt oder über eine Formel (nach § 9 Abs. 2 oder Abs. 3 HeizkostenV) berechnet worden. Es kam auch vor, dass zwar ein Wärmemengenzähler installiert war, aber in der Wohnung das verbrauchte Warmwasser nicht gemessen wurde. 

Dass die Abrechnung keine Werte für den Heizenergieverbrauch zeigt, kommt auch vor, aber deutlich seltener als bei Warmwasser. In unserer Stichprobe entsprachen zwei von den 87 Abrechnungen nicht der vorgeschriebenen Verbrauchserfassung: Einmal war der Heizverbrauch geschätzt und einmal gab es gar keine Angabe zum Verbrauch – die Kosten für Raumwärme waren anteilig der Fläche der Wohnung zugeordnet.

Forschungsprojekt für automatisiertes Prüfen von Abrechnungen

Heizkostenabrechnungen könnten zukünftig noch leichter zu prüfen sein. 2019 ist ein Forschungsprojekt gestartet, in dem CO2online, der Energiedienstleister Senercon, die Universität Leipzig und das Institut für Verbraucherpolitik Conpolicy eine selbstlernende Online-Anwendung entwickeln, damit sich Heizkostenabrechnungen automatisiert prüfen lassen. Finanztip unterstützt das Projekt als einer von drei Praxispartnern. 

Geplant ist, dass Verbraucher die Online-Anwendung künftig selbst nutzen, um ihre Abrechnung besser zu verstehen und ihre Heizkosten einordnen zu können. Dazu haben mehr als 500 Verbraucher ihre letzte Abrechnung zur Verfügung gestellt. Die Universität Leipzig füttert die selbstlernende Anwendung mit diesen Daten. Ziel ist, dass die Anwendung alle wichtigen Zahlen auf einer Abrechnung selbst erkennt. Frühestens 2021 soll sie fertig entwickelt sein.

Wie muss eine Heizkostenabrechnung aussehen?

Es gibt Vermieter, die keine Heizkostenabrechnung zustellen (oder zustellen lassen), sondern diese Kosten lediglich auf der Nebenkostenabrechnung aufführen. Die Heizkosten gehören zwar auch auf die Nebenkostenabrechnung, aber es reicht nicht, lediglich einen Betrag zu nennen und mit den Kosten für Grundsteuer, Hausmeister, Müll und Versicherungen zusammenzuzählen. 

Berechnen soll der Vermieter in der Regel nur Kosten, die Deinem Verbrauch entsprechen – und zwar für die Erwärmung von Räumen und von Warmwasser separat (§ 6 HeizkostenV), sofern die zentrale Heizungsanlage beides erledigt. Fehlt auf Deiner Abrechnung eine Angabe zum Energieverbrauch für Warmwasser und für Raumwärme für das ganze Haus, entspricht sie nicht dem Gesetz. 

Abgesehen vom Energieverbrauch muss die Abrechnung aufschlüsseln, in welcher Höhe Dein Vermieter Grundkosten berechnet. Diese legt er nicht nach Verbrauch, sondern entsprechend der Größe Deiner Wohnung um. Zulässig ist dabei ein Anteil von 30 bis 50 Prozent. Die restlichen 70 bis 50 Prozent gehören dann zu den Verbrauchskosten, entsprechend Deines Bezugs von Warmwasser und Raumwärme (§ 7 HeizkostenV).

Wie hoch Dein Warmwasserverbrauch war und wie stark Du Deine Räume beheizt hast, sollte gemessen sein. Die Ablesewerte muss die Abrechnung ebenfalls enthalten.

Will Dein Vermieter die Kosten für den Betrieb und die Wartung seiner Heizungsanlage, für die Zähler und für die Abrechnung auf Dich umlegen, so sollte er diese Kosten einzeln aufführen (§ 7 Abs. 2 HeizkostenV). Nicht in Rechnung stellen darf er damit einmalige Kosten, beispielsweise für die Reparatur der Heizung. 

Erhältst Du keine Abrechnung, die diesen Vorgaben entspricht, kannst Du den Heizkosten auf Deiner Nebenkostenabrechnung widersprechen. Verweis dabei auf die Heizkostenverordnung. Stellt Dir Dein Vermieter trotzdem keine gesetzeskonforme Abrechnung zu, brauchst Du etwaige Nachforderungen nicht zu zahlen.

Aber Achtung: Es gibt Häuser mit Zentralheizung, in denen für den Mieter die Heizkostenverordnung nicht gilt.

Wann greift die Heizkostenverordnung nicht?

Lebst Du in einem Zweifamilienhaus, das auch der Eigentümer selbst bewohnt, muss er sich nicht an die Vorschriften der Verordnung halten. Es gilt dann, was in Deinem Mietvertrag vereinbart ist.

Eine verbrauchsgerechte Abrechnung und eine Aufsplittung der Heizkosten in Grund- und Verbrauchskosten ist nicht erforderlich, wenn Du in Häusern folgender Art lebst:

  • mit geringem Energiebedarf (weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – also Passivhäuser und Aktivhäuser);
  • in einem Lehrlings- oder Studentenheim (oder in vergleichbaren Gebäuden);
  • in einem Gebäude, in dem das Installieren von Verbrauchsmessgeräten zu unverhältnismäßig hohen Kosten führen würde;
  • die überwiegend durch eine Solaranlage, eine Wärmepumpe, eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage oder eine Anlage zur Abwärmenutzung beheizt werden.

Alle weiteren Vorschriften der Heizkostenverordnung muss der Vermieter in diesen zentralbeheizten Häusern aber einhalten.

Wann kannst Du Kosten pauschal kürzen?

Rechnet Dein Vermieter Deine Kosten für Warmwasser und für Heizungswärme nicht nach Deinem Verbrauch ab, darfst Du die entsprechenden Kosten pauschal um 15 Prozent kürzen (§ 12 Abs. 1 HeizkostenV). Für eine verbrauchskonforme Abrechnung muss der Hauseigentümer folgende Messgeräte installieren (§ 5 HeizkostenV):

  • einen Wärmemengenzähler, der den Energiebedarf zur Erwärmung von Warmwasser im ganzen Wohnhaus misst. Die Gesamtkosten für den Brennstoff als auch für den Betrieb der Heizungsanlage ergeben dann nach dieser Energiemenge die Warmwasserkosten des gesamten Wohnhauses;
  • einen Warmwasserzähler oder eine andere geeignete Messeinrichtung, die in Deiner Wohnung das verbrauchte Warmwasser zählt. Damit lässt sich berechnen, welchen Anteil Du an den Warmwasserkosten des gesamten Hauses hast;
  • Heizkostenverteiler an Deinen Heizkörpern, die Deinen Heizenergieverbrauch messen;
  • einen Zähler für den Brennstoffverbrauch des ganzen Wohnhauses, von dem der Energieverbrauch für Warmwasser abgezogen und so der Heizenergieverbrauch berechnet wird. Bei Heizungen mit Heizöl oder Flüssiggas müssen die Liefermengen im Abrechnungsjahr auf der Rechnung aufgeführt sein.

Stellst Du fest, dass Deine Warmwasserkosten oder Deine Heizungskosten nicht nach Energie- und Warmwasserverbrauch bestimmt sind, dann widersprich der Abrechnung. Schreib Deinem Vermieter, dass Du Dein Recht nach Paragraf 12 Heizkostenverordnung nutzt und die jeweiligen Kosten um 15 Prozent kürzt. Forder Deinen Vermieter auf, Dir eine korrigierte Abrechnung zu senden und die vorgeschriebenen Messgeräte einzubauen.

Wann ist die Heizkostenabrechnung nicht plausibel?

Fehler kann es immer auf einer Abrechnung geben. Vergleich, ob die unter den Messwerten genannten Zahlen auch bei der weiteren Berechnung von Heizkosten und Warmwasser auftauchen. Prüf, ob die ermittelten Preise je verbrauchter Einheit oder pro Quadratmeter Wohnfläche bei der Berechnung Deiner Heizkosten herangezogen wurden. Rechne den Heizenergieverbrauch mit dem Warmwasserverbrauch zusammen und kontrollier, ob die Summe dem Brennstoffbezug entspricht.

Stutzig solltest Du werden, wenn Du feststellst, dass der Energieverbrauch für Warmwasser mehr als 30 Prozent des Brennstoffverbrauchs im ganzen Haus beträgt. Das könnte darauf hindeuten, dass an einer Stelle Zahlen nicht stimmen.

Nicht plausibel ist auch, wenn Dein Anteil am Heizenergieverbrauch deutlich höher ist als Dein Anteil an der Wohnfläche im gesamten Gebäude. Möglicherweise hast Du so viel Energie verbraucht – oder aber Messgeräte zählen nicht richtig. Hast Du den Verdacht, dass Dein Warmwasserzähler oder Deine Heizkostenverteiler nicht richtig messen, dann forder Deinen Vermieter auf, die Geräte zu überprüfen. 

Damit Du leichter durch den Zahlendschungel auf der Abrechnung findest, kannst Du den kostenlosen Heizkostenrechner von CO2online nutzen. Trag in die Maske die erforderlichen Zahlen ein. Der Rechner ordnet dann ein, wie hoch der Energieverbrauch in Deinem Wohnhaus und Deiner Wohnung ist und ob die Heizkosten zu diesen Energieverbräuchen passen. Starke Abweichungen nach oben sind ein Hinweis, dass Du vielleicht mehr als nötig für die Heizung zahlst.

Ob Deine Heizkosten hoch oder niedrig sind, erfährst Du über den Heizcheck.

Zum Heizcheck

Wenn der Dienstleister Ista Deine Heizkostenabrechnung erstellt, kannst Du auch diesen bei Fragen zur Abrechnung kontaktieren. Die Firma bietet eine Mieter-Hotline an.

Wie erkennst Du erhöhte Kostenpunkte?

Häufig zeigten sich auf den im Herbst 2018 von Finanztip und CO2online geprüften Heizkostenabrechnungen auffällig hohe Kostenpunkte – beispielsweise beim Brennstoffeinkauf, bei den Betriebsstromkosten und auch bei anderen Nebenkosten. Auf die folgenden Punkte solltest Du achten:

Einsparpotenzial bei Brennstoffkosten

Den Löwenanteil an den Heizkosten verursachen in der Regel die verwendeten Brennstoffe. Es empfiehlt sich daher, ihre Höhe zu überprüfen. Sowohl die gelieferte Brennstoffmenge als auch, was sie gekostet hat, ist auf der Abrechnung aufgeführt.

Teil die Kosten durch die Brennstoffmenge – bei Gas in Kilowattstunden, bei Heizöl in Litern – und vergleich den Wert mit den im Abrechnungsjahr geltenden Preisen pro Kilowattstunde oder Liter. Auf Vergleichsportalen für Heizöl wie Esyoil und Heizoel24 findest Du durchschnittliche Preise für Deutschland als auch einzelne Städte für fast jeden einzelnen Tag der vergangenen drei Jahre. Bei Gaspreisen kannst Du Dich an den Durchschnittspreisen der folgenden Tabelle orientieren.

Gaspreis-Durchschnitt in Deutschland 2018 je nach Gesamtverbrauch

Wohnhaus mit
Gesamtverbrauch

Tarif in der
Grundversorgung

anderer Tarif beim
Grundversorger

Tarif bei
anderem Versorger

... von mehr als 55.556 kWh / Jahr6,04 Cent/kWh5,39 Cent/kWh4,88 Cent/kWh
... von 5.556 bis 55.556 kWh / Jahr6,64 Cent/kWh6,06 Cent/kWh5,71 Cent/kWh

kWh = Kilowattstunden. Es handelt sich um Zahlen zum Stichtag 1. April 2018.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 21. November 2018)

Gaspreis-Durchschnitt in Deutschland 2019 je nach Gesamtverbrauch

Wohnhaus mit
Gesamtverbrauch

Tarif in der

Grundversorgung

anderer Tarif beim

Grundversorger

Tarif bei
anderem Versorger

... von mehr als 55.556 kWh / Jahr6,34 Cent/kWh5,65 Cent/kWh5,3 Cent/kWh
... von 5.556 bis 55.556 kWh / Jahr7,28 Cent/kWh6,44 Cent/kWh6,22 Cent/kWh

kWh = Kilowattstunden. Es handelt sich um Zahlen zum Stichtag 1. April 2019.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. November 2019)

Stellst Du fest, dass Dein Vermieter die Energie zu erhöhten Preisen bezogen hat, dann forder ihn auf, günstiger einzukaufen. Bei einer Gasheizung kann der Vermieter einen anderen Versorger wählen. Sollte er das Gas aus der Grundversorgung beziehen, dann forder ihn auf, sofort einen Sondervertrag zu schließen. Die Kündigungsfrist dafür beträgt zwei Wochen. Bei Heizöl kann der Vermieter bei jeder neuen Lieferung einen anderen Händler wählen. 

Bei unserer Untersuchung im Herbst 2018 stellten wir bei mehr als 40 Prozent der Abrechnungen mit zentraler Gasheizung Preise fest, die mehr als 10 Prozent über den durchschnittlichen Preisen in Sonderverträgen lagen. Zu beachten ist dabei, dass die Preise für Gas bei hohem Verbrauch deutlich geringer sind. Eine Kilowattstunde Gas kostet in großen, zentral beheizten Mietshäusern weniger als in Einfamilienhäusern.

Bei den Preisen für Fernwärme stellten wir in unserer Untersuchung bei mehr als 50 Prozent der vorliegenden Abrechnungen erhöhte Kosten fest. Häufig liegt das an einer zu großen Anschlussleistung, für die das ganze Haus für jede Leistungseinheit zahlt. Wird die Anschlussleistung an den Bedarf des Wohnhauses angepasst, lässt sich viel einsparen. Eine Überprüfung der Anschlussleistung muss Dein Vermieter veranlassen – forder ihn dazu auf. Wechseln kann er den Versorger allerdings nicht.

Wehr Dich gegen hohe Betriebsstromkosten

Auffällig waren in unserer Untersuchung auch die Kosten für Betriebsstrom, den die Heizungsanlage für ihren Betrieb benötigt. Häufig fanden sich auf den Abrechnungen Kosten in Höhe von 3 oder 5 Prozent der Brennstoffkosten. Das bedeutet dann zumeist, dass der Vermieter den Stromverbrauch der Heizung nicht gesondert gemessen hat, sondern der Strom über einen gemeinsamen Zähler mit dem Hauslicht läuft. Die Kosten für den Betriebsstrom berechnet er dann pauschal. Anteile bis 5 Prozent gelten dabei als akzeptabel – der Vermieter muss keinen Nachweis über die verbrauchte Strommenge vorlegen. Den Teil der Stromkosten, die für das Hauslicht zu zahlen sind, findest Du dann auf der Nebenkostenabrechnung.

Findest Du auf Deiner Abrechnung einen pauschalen Preis für Betriebsstrom, dann lass Dir trotzdem die Stromrechnung zeigen. Stellst Du fest, dass der Stromtarif eher teuer ist, dann forder Deinen Vermieter auf, einen günstigeren Vertrag zu schließen. Prüf auch die Höhe der Brennstoffkosten. Denn kauft der Vermieter Gas oder Heizöl teuer ein, kann er auch höhere Kosten für Betriebsstrom in Rechnung stellen.

Bei jeder fünften Abrechnung entsprachen die Kosten für den Betriebsstrom einem höheren Anteil als 5 Prozent der Brennstoffkosten. Ist das der Fall, dann widersprich der Heizkostenabrechnung und forder, einen Beleg zu sehen. Stellst Du dabei fest, dass der Vermieter den Strom teuer bezieht, forder ihn zum Tarifwechsel auf. Entsprechen die Stromkosten nicht den auf der Abrechnung aufgeführten Betriebsstromkosten, verlang eine Korrektur der Heizkostenabrechnung. 

Wie funktioniert die Belegeinsicht?

Die auf der Heizkostenabrechnung aufgeführten Kosten für einzelne Leistungen muss Dir der Vermieter belegen können – Du hast das Recht zu prüfen, ob die aufgeführten Beträge stimmen. Erscheint ein Kostenpunkt deutlich zu hoch, dann bitte Deinen Vermieter oder die von ihm beauftragte Hausverwaltung um Belegeinsicht. Innerhalb von zwölf Monaten nach Zustellung der Abrechnung hast Du in der Regel dieses Recht. 

Der Vermieter kann Dir Kopien der Belege senden, er muss es aber nicht. Üblicherweise erhältst Du Vorschläge für einen Termin zur Einsichtnahme in den Räumen der Hausverwaltung. Nimm dann Deine Abrechnung mit und vergleich die Zahlen. Stellst Du Abweichungen fest, dann notier Dir das und forder eine Korrektur Deiner Abrechnung.

Durch eine Belegeinsicht kannst Du aber auch feststellen, welcher Gas- und Stromliefervertrag besteht und welche Kosten für einzelne Zähler entstehen. Stellst Du fest, dass einzelne Kosten hoch sind, dann forder Deinen Vermieter auf, einen günstigeren Dienstleister zu beauftragen.

Gegen hohe Kosten aus vergangenen Abrechnungsjahren kannst Du nichts mehr machen. Kommt aber der Vermieter Deiner Aufforderung nicht nach, günstigere Vertragspartner zu wählen, kannst Du bei künftigen Abrechnungen die hohen Kosten beanstanden. Schließlich muss er das Wirtschaftlichkeitsgebot einhalten.

Wer hilft, die Abrechnung zu prüfen und Deine Rechte durchzusetzen?

Die Heizkostenabrechnung zu verstehen, ist nicht einfach. Hohen Kosten zu widersprechen, kann mühselig sein. Du kannst aber die Hilfe von Mietervereinen und Verbraucherzentralen nutzen. 

Jede Verbraucherzentrale bietet einen „Basischeck“ an. Dazu kommt ein Energieberater zu Dir nach Hause und bewertet Deinen Energieverbrauch. Auf Wunsch wirft er auch einen Blick auf Deine Heizkostenabrechnung, ohne allerdings ein Gutachten zu erstellen. Der Basischeck ist kostenfrei. 

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet eine umfassende Überprüfung der Heizkostenabrechnung an. Nutzen können das Angebot alle Einwohner des Bundeslandes, die zur Miete wohnen. Du kannst die Abrechnung per Fax, E-Mail oder Post senden und erhältst anschließend eine Stellungnahme. Der Service kostet 20 Euro.

Die Prüfung von Heizkostenabrechnungen (und auch Nebenkostenabrechnungen) ist elementarer Bestandteil des Services von Mietervereinen. Die meisten Mitglieder zählt der Deutsche Mieterbund, unter dessen Dach sich 320 Mietervereine in verschiedenen Städten befinden. Daneben gibt es aber in vielen Großstädten weitere Vereine.

Um Deine Abrechnung einschätzen zu lassen, musst Du Mitglied eines solchen Vereins sein. Zwischen etwa 35 und 60 Euro im Jahr kostet die normale Mitgliedschaft. Nach Deinem Beitritt kannst Du sofort eine Beratung in Anspruch nehmen. Manche Vereine übernehmen auch den Schriftverkehr mit Deinem Vermieter, wenn die Abrechnung Fehler enthält oder nicht plausibel ist. Auch die vom Vermieter vorgelegten Rechnungsbelege prüfen manche Vereine zusammen mit Dir, so beispielsweise der Mieterschutzbund mit Sitz in Recklinghausen.

Manche Vereine bieten auch eine Rechtsschutzversicherung für Mietangelegenheiten. Dort ist der Mitgliedsbeitrag höher – mehr als 100 Euro im Jahr beträgt er dann. Dafür hilft Dir ein Rechtsanwalt aber auch, Deine Ansprüche gegenüber Deinem Vermieter durchzusetzen. Allerdings gibt es immer eine Vorlaufzeit, ehe Du den Rechtsschutz nutzen kannst – in der Regel drei Monate nach Deinem Beitritt zum Verein und Abschluss der Versicherung.

Alternativ kannst Du einen spezialisierten Rechtsdienstleister oder Fachanwalt für Mietrecht mit der Prüfung beauftragen, wenn Du ohnehin Zweifel an Deiner gesamten Nebenkostenabrechnung hast. Dieser schaut dann auch auf die Heizkosten. Wir empfehlen den Dienstleister Mineko beziehungsweise das Anwaltvermittlungsportal Youxpert. Ausführliche Informationen findest Du in unserem Ratgeber Nebenkostenabrechnung.

Mehr dazu im Ratgeber Nebenkostenabrechnung

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Zum Ratgeber

Autor
Ines Rutschmann

14. Januar 2021


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