Heizkostenverordnung

So prüfen Sie Ihre Heizkostenabrechnung und können sparen

Ines Rutschmann Stand: 12. November 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Leben Sie in einem Mietshaus mit zentral beheizter Wohnung, erhalten Sie jedes Jahr eine Heizkostenabrechnung.
  • Wie die Heizkostenabrechnung aussehen soll, schreibt die Heizkostenverordnung vor. So müssen die Kosten nach Ihrem Energieverbrauch berechnet sein. Außerdem muss die Abrechnung verständlich sein.
  • Eine Untersuchung von Finanztip und CO2online ergab, dass viele Heizkostenabrechnungen Fehler enthalten oder nicht nachvollziehbar sind.
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie Ihre Heizkostenabrechnung, wenn Sie sie erhalten. Gibt es Fehler, ist sie nicht plausibel oder entspricht sie nicht den gesetzlichen Vorschriften, dann widersprechen Sie ihr und fordern Sie, die Rechnungsbelege zu sehen.
  • Sie können bis zu zwölf Monate nach Zustellung der Abrechnung widersprechen. Machen Sie das so schnell wie möglich und bitten Sie um Zahlungsaufschub, falls Sie etwas nachzahlen sollen. In der Regel müssen Sie die Nachzahlung innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt der Abrechnung leisten.
  • Verbraucherzentralen, Mietervereine und kommerzielle Dienstleister wie Mineko und Yourxpert helfen Ihnen bei der Überprüfung der Abrechnung.

Einmal im Jahr kommt sie: die Heizkostenabrechnung. Jeder Verbraucher erhält sie, der in einem Wohnhaus mit Zentralheizung zur Miete wohnt. Kauft der Vermieter den Brennstoff ungünstig ein oder rechnet nicht vorschriftsmäßig ab, fallen die Kosten höher aus, als sie sein müssten. Es lohnt sich daher in den meisten Fällen, die Heizkostenabrechnung zu prüfen.

Wann muss die Heizkostenabrechnung vorliegen?

Als Mieter in einem Wohnhaus mit Zentralheizung haben Sie wenig Einfluss auf Ihre Heizkosten, im Gegensatz zu Haushalten, die direkt einen Energieliefervertrag mit dem Versorger schließen – sei es für eine Gasetagenheizung, für die Fernwärmeversorgung, für eine Elektroheizung oder für den Heizkessel im Eigenheim. Sie können natürlich sparsam heizen. Oder aber Ihre Abrechnung gründlich unter die Lupe nehmen.

Ihr Vermieter muss Ihre Heizkostenabrechnung einmal pro Jahr erstellen. Er hat dazu Zeit bis zum Ende des folgenden Abrechnungsjahres. Entspricht Ihr Abrechnungsjahr einem vollen Kalenderjahr, kann Ihnen der Vermieter also beispielsweise bis 31. Dezember 2019 die Abrechnung für das Jahr 2018 schicken.

Beginnt Ihr Abrechnungsjahr immer im Juli, müsste er Ihnen die Abrechnung für 2017/2018 bis 30. Juni 2019 zustellen. Kommt sie später, müssen Sie keine Nachzahlung leisten. Dann ist der Anspruch des Vermieters darauf erloschen. Das gilt jedoch nicht, wenn die Abrechnung ein Guthaben ausweist: Dieses steht Ihnen auch zu, wenn der Vermieter die Frist verschläft und Ihnen die Abrechnung zu spät zustellt.

So viel Zeit bleibt für einen Widerspruch

Stellt Ihnen der Vermieter die Abrechnung fristgemäß zu, haben Sie ein ganzes Jahr Zeit zu widersprechen. Zugleich sollten Sie Ihr Recht nutzen und eine Einsicht in die Rechnungsbelege fordern. Der Vermieter muss Ihnen die Belege zeigen. Entweder schickt er Ihnen Kopien oder Sie treffen sich mit ihm oder einem Bevollmächtigten, um die Originale zu lesen. Anspruch auf den Erhalt von Kopien haben Sie nicht.

Bis Sie die Belege sehen, gilt Ihr Widerspruch gegen die Abrechnung. Bitten Sie dabei zugleich um Zahlungsaufschub für Kosten, die Sie nachzahlen sollen. In der Regel sind Nachzahlungen innerhalb von 30 Tagen zu begleichen, nachdem Sie die Abrechnung erhalten haben. Wenn Sie widersprochen haben, warten Sie ab, bis der Vermieter oder die beauftragte Wohnungsverwaltung eine korrigierte Abrechnung schickt.

Entbunden sind Sie von der Pflicht zur Nachzahlung, wenn Ihnen der Vermieter keine gesetzeskonforme Heizkostenabrechnung schickt oder wenn er diese mehr als ein Jahr nach Ende des Abrechnungszeitraums zustellt.

Ist auf der Abrechnung ein Guthaben ausgewiesen, ist Ihnen das unverzüglich auszuzahlen.

Untersuchung von Finanztip: Viele Abrechnungen fehlerhaft

Wie die Heizkosten in zentral beheizten Mietwohnungen zu berechnen sind, schreibt die Heizkostenverordnung (HeizkostenV) vor. Liefert die zentrale Heizanlage sowohl die Wärme für Ihre Räume als auch das Warmwasser, müssen beiden Posten und ihre Berechnung getrennt voneinander auf der Abrechnung ausgewiesen sein. Versorgt Sie die zentrale Heizung nur mit Raumwärme, finden sich keine Angaben zu Warmwasser auf Ihrer Heizkostenabrechnung. 

Der Grundsatz des Gesetzes ist dabei: Die Abrechnung muss verständlich und nachvollziehbar sein. Ist Ihre Abrechnung nicht plausibel, entspricht sie nicht dem Gesetz.

Dass Abrechnungen nicht plausibel sind, Fehler enthalten oder überhöhte Kosten zeigen, kommt häufig vor. Bei der Prüfung von 87 Abrechnungen im Herbst 2018 stellte Finanztip gemeinsam mit der Beratungsfirma CO2online fest, dass rund vier von fünf Abrechnungen Fehler zeigten oder mangelhaft waren. Die Marktwächter Energie kamen im Sommer 2018 zu ähnlichen Schlüssen.

Das waren typische Fehler

Bei unserer Prüfung der von Finanztip-Newsletter-Lesern eingesandten Rechnungen stellten wir fest, dass 60 Prozent keinen Energieverbrauch für Warmwasser enthielten. Stattdessen war dieser geschätzt oder über eine Formel berechnet (nach § 9 Abs. 2 oder Abs. 3 HeizkostenV). Es kam auch vor, dass zwar ein Wärmemengenzähler installiert war, aber in der Wohnung das verbrauchte Warmwasser nicht gemessen wurde. 

Dass die Abrechnung keine Werte für den Heizenergieverbrauch zeigt, kommt auch vor, aber deutlich seltener als bei Warmwasser. In unserer Stichprobe entsprachen zwei von den 87 Abrechnungen nicht der vorgeschriebenen Verbrauchserfassung: Einmal war der Heizverbrauch geschätzt und einmal gab es gar keine Angabe zum Verbrauch – die Kosten für Raumwärme waren anteilig nach der Fläche der Wohnung zugeordnet.

Wie muss eine Heizkostenabrechnung aussehen?

Es gibt Vermieter, die keine Heizkostenabrechnung zustellen (oder zustellen lassen), sondern diese Kosten lediglich auf der Nebenkostenabrechnung aufführen. Die Heizkosten gehören zwar auch auf die Nebenkostenabrechnung, aber es reicht nicht, lediglich einen Betrag zu nennen und mit den Kosten für Grundsteuer, Hausmeister, Müll und Versicherungen zusammenzuzählen. 

Berechnen soll der Vermieter in der Regel nur Kosten, die Ihrem Verbrauch entsprechen – und zwar für die Erwärmung von Räumen und von Warmwasser separat (§ 6 HeizkostenV), sofern die zentrale Heizungsanlage beides erledigt. Fehlt auf Ihrer Abrechnung eine Angabe zum Energieverbrauch für Warmwasser und für Raumwärme für das ganze Haus, entspricht sie nicht dem Gesetz. 

Abgesehen vom Energieverbrauch muss die Abrechnung aufschlüsseln, in welcher Höhe Ihr Vermieter Grundkosten berechnet. Diese legt er nicht nach Verbrauch sondern entsprechend der Größe Ihrer Wohnung um. Zulässig ist dabei ein Anteil von 30 bis 50 Prozent. Die restlichen 70 bis 50 Prozent gehören dann zu den Verbrauchskosten, entsprechend Ihres Bezugs von Warmwasser und Raumwärme (§ 7 HeizkostenV).

Wie hoch Ihr Warmwasserverbrauch war und wie stark Sie Ihre Räume beheizt haben, sollte gemessen sein. Die Ablesewerte muss die Abrechnung ebenfalls enthalten.

Will Ihr Vermieter die Kosten für den Betrieb und die Wartung seiner Heizungsanlage, für die Zähler und für die Abrechnung auf Sie umlegen, so sollte er diese Kosten einzeln aufführen (§ 7 Abs. 2 HeizkostenV). Nicht in Rechnung stellen darf er damit einmalige Kosten, beispielsweise für die Reparatur der Heizung. 

Erhalten Sie keine Abrechnung, die diesen Vorgaben entspricht, können Sie den Heizkosten auf Ihrer Nebenkostenabrechnung widersprechen. Verweisen Sie dabei auf die Heizkostenverordnung. Stellt Ihnen Ihr Vermieter trotzdem keine gesetzeskonforme Abrechnung zu, brauchen Sie etwaige Nachforderungen nicht zu zahlen.

Aber Achtung: Es gibt Häuser mit Zentralheizung, in denen für den Mieter die Heizkostenverordnung nicht gilt.

Wann greift die Heizkostenverordnung nicht?

Leben Sie in einem Zweifamilienhaus, das auch der Eigentümer selbst bewohnt, muss er sich nicht an die Vorschriften der Verordnung halten. Es gilt dann, was in Ihrem Mietvertrag vereinbart ist.

Eine verbrauchsgerechte Abrechnung und eine Aufsplittung der Heizkosten in Grund- und Verbrauchskosten ist nicht erforderlich, wenn Sie in Häusern folgender Art leben:

  • mit geringem Energiebedarf (weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – also Passivhäuser und Aktivhäuser);
  • in einem Lehrlings- oder Studentenheim (oder in vergleichbaren Gebäuden);
  • in einem Gebäude, in dem das Installieren von Verbrauchsmessgeräten zu unverhältnismäßig hohen Kosten führen würde;
  • die überwiegend durch eine Solaranlage, eine Wärmepumpe, eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage oder eine Anlage zur Abwärmenutzung beheizt werden.

Alle weiteren Vorschriften der Heizkostenverordnung muss der Vermieter in diesen zentralbeheizten Häusern aber einhalten.

Wann können Sie Kosten pauschal kürzen?

Rechnet Ihr Vermieter Ihre Kosten für Warmwasser und für Heizungswärme nicht nach Ihrem Verbrauch ab, dürfen Sie die entsprechenden Kosten pauschal um 15 Prozent kürzen (§ 12 Abs. 1 HeizkostenV). Für eine verbrauchskonforme Abrechnung muss der Hauseigentümer folgende Messgeräte installieren (§ 5 HeizkostenV):

  • ein Wärmemengenzähler, der den Energiebedarf zur Erwärmung von Warmwasser im ganzen Wohnhaus misst. Die Gesamtkosten für den Brennstoff als auch für den Betrieb der Heizungsanlage ergeben dann nach dieser Energiemenge die Warmwasserkosten des gesamten Wohnhauses;
  • ein Warmwasserzähler (oder eine andere geeignete Messeinrichtung), der in Ihrer Wohnung das verbrauchte Warmwasser zählt. Damit lässt sich berechnen, welchen Anteil Sie an den Warmwasserkosten des gesamten Hauses haben;
  • Heizkostenverteiler an Ihren Heizkörpern, die Ihren Heizenergieverbrauch messen;
  • ein Zähler für den Brennstoffverbrauch des ganzen Wohnhauses, von dem der Energieverbrauch für Warmwasser abgezogen und so der Heizenergieverbrauch berechnet wird. Bei Heizungen mit Heizöl oder Flüssiggas müssen die Liefermengen im Abrechnungsjahr auf der Rechnung aufgeführt sein.

Stellen Sie fest, dass Ihre Warmwasserkosten oder Ihre Heizungskosten nicht nach Energieverbrauch und Warmwasserverbrauch bestimmt sind, dann widersprechen Sie der Abrechnung. Schreiben Sie Ihrem Vermieter, dass Sie Ihr Recht nach § 12 Heizkostenverordnung nutzen und die jeweiligen Kosten um 15 Prozent kürzen. Fordern Sie Ihren Vermieter auf, Ihnen eine korrigierte Abrechnung zu senden und die vorgeschriebenen Messgeräte einzubauen.

Wann ist die Heizkostenabrechnung nicht plausibel?

Fehler kann es immer auf einer Abrechnung geben. Vergleichen Sie, ob die unter den Messwerten genannten Zahlen auch bei der weiteren Berechnung von Heizkosten und Warmwasser auftauchen. Prüfen Sie, ob die ermittelten Preise je verbrauchter Einheit oder pro Quadratmeter Wohnfläche bei der Berechnung Ihrer Heizkosten herangezogen wurden. Rechnen Sie den Heizenergieverbrauch mit dem Warmwasserverbrauch zusammen und kontrollieren Sie, ob die Summe dem Brennstoffbezug entspricht.

Stutzig sollten Sie werden, wenn Sie feststellen, dass der Energieverbrauch für Warmwasser mehr als 30 Prozent des Brennstoffverbrauchs im ganzen Haus beträgt. Das könnte darauf hindeuten, dass an einer Stelle Zahlen nicht stimmen.

Nicht plausibel ist auch, wenn Ihr Anteil am Heizenergieverbrauch deutlich höher ist als Ihr Anteil an der Wohnfläche im gesamten Gebäude. Möglicherweise haben Sie so viel Energie verbraucht – oder aber Messgeräte zählen nicht richtig. Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Warmwasserzähler oder Ihre Heizkostenverteiler nicht richtig messen, dann fordern Sie Ihren Vermieter auf, die Geräte zu überprüfen. 

Damit Sie leichter durch den Zahlendschungel auf der Abrechnung finden, können Sie den kostenlosen Heizkostenrechner von CO2online nutzen. Tragen Sie in die Maske die erforderlichen Zahlen ein. Der Rechner ordnet dann ein, wie hoch der Energieverbrauch in Ihrem Wohnhaus und Ihrer Wohnung ist und ob die Heizkosten zu diesen Energieverbräuchen passen. Starke Abweichungen nach oben sind ein Hinweis, dass Sie vielleicht mehr als nötig für die Heizung zahlen.

Ob Ihre Heizkosten hoch oder niedrig sind, erfahren Sie über den Heizcheck.

Zum Heizcheck

Wenn der Dienstleister Ista Ihre Heizkostenabrechnung erstellt, können Sie auch diesen bei Fragen zur Abrechnung kontaktieren. Die Firma bietet eine Mieter-Hotline an.

Wie erkennen Sie erhöhte Kostenpunkte?

Häufig zeigten sich auf den im Herbst 2018 von Finanztip und CO2online geprüften Heizkostenabrechnungen auffällig hohe Kostenpunkte – beispielsweise beim Brennstoffeinkauf, bei den Betriebsstromkosten und auch bei anderen Nebenkosten. Auf die folgenden Punkte sollten Sie achten:

Einsparpotenzial bei Brennstoffkosten

Den Löwenanteil an den Heizkosten verursachen in der Regel die verwendeten Brennstoffe. Es empfiehlt sich daher, ihre Höhe zu überprüfen. Sowohl die gelieferte Brennstoffmenge als auch, was sie gekostet hat, ist auf der Abrechnung aufgeführt.
Teilen Sie die Kosten durch die Brennstoffmenge – bei Gas in Kilowattstunden, bei Heizöl in Litern – und vergleichen Sie den Wert mit den im Abrechnungsjahr geltenden Preisen pro Kilowattstunde oder Liter. Auf Vergleichsportalen für Heizöl wie Esyoil und Heizoel24 finden Sie durchschnittliche Preise für Deutschland als auch einzelne Städte für fast jeden einzelnen Tag der vergangenen drei Jahre. Bei Gaspreisen können Sie sich an den Durchschnittspreisen der folgenen Tabelle orientieren.

Gaspreis-Durchschnitt in Deutschland 2018 je nach Gesamtverbrauch

Wohnhaus mit
Gesamtverbrauch

Tarif in der
Grundversorgung

anderer Tarif beim
Grundversorger

Tarif bei
anderem Versorger

... von mehr als 55.556 kWh / Jahr6,04 Cent/kWh5,39 Cent/kWh4,88 Cent/kWh
...von 5.556 bis 55.556 kWh / Jahr6,64 Cent/kWh6,06 Cent/kWh5,71 Cent/kWh

kWh = Kilowattstunden. Es handelt sich um Zahlen zum Stichtag 1. April 2018.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 21. November 2018)

Gaspreis-Durchschnitt in Deutschland 2017 je nach Gesamtverbrauch

Wohnhaus mit
Gesamtverbrauch

Tarif in der

Grundversorgung

anderer Tarif beim

Grundversorger

Tarif bei
anderem Versorger

... von mehr als 55.556 kWh / Jahr6,11 Cent/kWh5,41 Cent/kWh5,08 Cent/kWh
... von 5.556 bis 55.556 kWh / Jahr6,73 Cent/kWh6,07 Cent/kWh5,78 Cent/kWh

kWh = Kilowattstunden. Es handelt sich um Zahlen zum Stichtag 1. April 2017.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 10. November 2017)

Stellen Sie fest, dass Ihr Vermieter die Energie zu erhöhten Preisen bezogen hat, dann fordern Sie ihn auf, günstiger einzukaufen. Bei einer Gasheizung kann der Vermieter einen anderen Versorger wählen. Sollte er das Gas aus der Grundversorgung beziehen, dann fordern Sie ihn auf, sofort einen Sondervertrag zu schließen. Die Kündigungsfrist dafür beträgt zwei Wochen. Bei Heizöl kann der Vermieter bei jeder neuen Lieferung einen anderen Händler wählen. 

Bei unserer Untersuchung im Herbst 2018 stellten wir bei mehr als 40 Prozent der Abrechnungen mit zentraler Gasheizung Preise fest, die mehr als 10 Prozent über den durchschnittlichen Preisen in Sonderverträgen lagen. Zu beachten ist dabei, dass die Preise für Gas bei hohem Verbrauch deutlich geringer sind. Eine Kilowattstunde Gas kostet in großen, zentral beheizten Mietshäusern weniger als in Einfamilienhäusern.

Bei den Preisen für Fernwärme stellten wir in unserer Untersuchung bei mehr als 50 Prozent der vorliegenden Abrechnungen erhöhte Kosten fest. Häufig liegt das an einer zu großen Anschlussleistung, für die das ganze Haus für jede Leistungseinheit zahlt. Wird die Anschlussleistung auf den Bedarf des Wohnhauses angepasst, lässt sich viel einsparen. Eine Überprüfung der Anschlussleistung muss Ihr Vermieter veranlassen – fordern Sie ihn dazu auf. Wechseln kann er den Versorger allerdings nicht.

Wehren Sie sich gegen hohe Betriebsstromkosten

Auffällig waren in unserer Untersuchung auch die Kosten für Betriebsstrom, den die Heizungsanlage für ihren Betrieb benötigt. Häufig fanden sich auf den Abrechnungen Kosten in Höhe von 3 oder 5 Prozent der Brennstoffkosten. Das bedeutet dann zumeist, dass der Vermieter den Stromverbrauch der Heizung nicht gesondert gemessen hat, sondern der Strom über einen gemeinsamen Zähler mit dem Hauslicht läuft. Die Kosten für den Betriebsstrom berechnet er dann pauschal. Anteile bis fünf Prozent gelten dabei als akzeptabel -  der Vermieter muss keinen Nachweis über die verbrauchte Strommenge vorlegen. Auf der Nebenkostenabrechnung finden Sie dann den zweiten Teil der Stromkosten, die dann für das Hauslicht zu zahlen sind.

Finden Sie auf Ihrer Abrechnung einen pauschalen Preis für Betriebsstrom, dann lassen Sie sich trotzdem die Stromrechnung zeigen. Stellen Sie fest, dass der Stromtarif eher teuer ist, dann fordern Sie Ihren Vermieter auf, einen günstigeren Vertrag zu schließen. Prüfen Sie auch die Höhe der Brennstoffkosten. Denn kauft der Vermieter Gas oder Heizöl teuer ein, kann er auch höhere Kosten für Betriebsstrom in Rechnung stellen.

Bei jeder fünften Abrechnung entsprachen die Kosten für den Betriebsstrom einem höheren Anteil als 5 Prozent der Brennstoffkosten. Ist das der Fall, dann widersprechen Sie der Heizkostenabrechnung und fordern Sie, einen Beleg zu sehen. Stellen Sie dabei fest, dass der Vermieter den Strom teuer bezieht, fordern Sie ihn zum Tarifwechsel auf. Entsprechen die Stromkosten nicht den auf der Abrechnung aufgeführten Betriebsstromkosten, verlangen Sie eine Korrektur der Heizkostenabrechnung. 

Wie funktioniert die Belegeinsicht?

Die auf der Heizkostenabrechnung aufgeführten Kosten für einzelne Leistungen muss Ihnen der Vermieter belegen können – Sie haben das Recht zu prüfen, ob die aufgeführten Beträge stimmen. Erscheint ein Kostenpunkt deutlich zu hoch, dann bitten Sie Ihren Vermieter oder die von ihm beauftragte Hausverwaltung um Belegeinsicht. Innerhalb von zwölf Monaten nach Zustellung der Abrechnung haben Sie in der Regel dieses Recht. 

Der Vermieter kann Ihnen Kopien der Belege senden, er muss es aber nicht. Üblicherweise erhalten Sie Vorschläge für einen Termin zur Einsichtnahme in den Räumen der Hausverwaltung. Nehmen Sie dann Ihre Abrechnung mit und vergleichen Sie die Zahlen. Stellen Sie Abweichungen fest, dann notieren Sie das und fordern Sie eine Korrektur Ihrer Abrechnung.

Durch eine Belegeinsicht können Sie aber auch feststellen, welcher Gas- und Stromliefervertrag besteht und welche Kosten für einzelne Zähler entstehen. Stellen Sie fest, dass einzelne Kosten hoch sind, dann fordern Sie Ihren Vermieter auf, einen günstigeren Dienstleister zu beauftragen.

Gegen hohe Kosten aus vergangenen Abrechnungsjahren können Sie nichts mehr machen. Kommt aber der Vermieter Ihrer Aufforderung nicht nach, günstigere Vertragspartner zu wählen, können Sie bei künftigen Abrechnungen die hohen Kosten beanstanden. Schließlich muss er das Wirtschaftlichkeitsgebot einhalten.

Wer hilft, die Abrechnung zu prüfen und Ihre Rechte durchzusetzen?

Die Heizkostenabrechnung zu verstehen, ist nicht einfach. Hohen Kosten zu widersprechen, kann mühselig sein. Sie können aber die Hilfe von Mietvereinen und Verbraucherzentralen nutzen. 

Jede Verbraucherzentrale bietet einen „Basischeck“ an. Dazu kommt ein Energieberater zu Ihnen nach Hause und bewertet Ihren Energieverbrauch. Auf Wunsch wirft er auch einen Blick auf Ihre Heizkostenabrechnung, ohne allerdings ein Gutachten zu erstellen. Der Basischeck ist kostenfrei. 

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet eine umfassende Überprüfung der Heizkostenabrechnung an. Nutzen können das Angebot alle Einwohner des Bundeslandes, die zur Miete wohnen. Sie können die Abrechnung per Fax, E-Mail oder Post senden und erhalten anschließend eine Stellungnahme. Der Service kostet 20 Euro.

Die Prüfung von Heizkostenabrechnungen (und auch Nebenkostenabrechnungen) ist elementarer Bestandteil des Services von Mietervereinen. Die meisten Mitglieder zählt der Deutsche Mieterbund, unter dessen Dach sich 320 Mietvereine in verschiedenen Städten befinden. Daneben gibt es aber in vielen Großstädten weitere Vereine.

Um Ihre Abrechnung einschätzen zu lassen, müssen Sie Mitglied eines solchen Vereins sein. Zwischen etwa 35 und 60 Euro im Jahr kostet die normale Mitgliedschaft. Nach Ihrem Beitritt können Sie sofort eine Beratung in Anspruch nehmen. Manche Vereine übernehmen auch den Schriftverkehr mit Ihrem Vermieter, wenn die Abrechnung Fehler enthält oder nicht plausibel ist. Auch die vom Vermieter vorgelegten Rechnungsbelege prüfen manche Vereine zusammen mit Ihnen, so beispielsweise der Mieterschutzbund mit Sitz in Recklinghausen.

Manche Vereine bieten auch eine Rechtsschutzversicherung für Mietangelegenheiten. Dort ist der Mitgliedsbeitrag höher – mehr als 100 Euro im Jahr beträgt er dann. Dafür hilft Ihnen ein Rechtsanwalt aber auch, Ihre Ansprüche gegenüber Ihrem Vermieter durchzusetzen. Allerdings gibt es immer eine Vorlaufzeit, ehe Sie den Rechtsschutz nutzen können – in der Regel drei Monate nach Ihrem Beitritt zum Verein und Abschluss der Versicherung.

Alternativ können Sie einen spezialisierten Rechtsdienstleister oder Fachanwalt für Mietrecht mit der Prüfung beauftragen, wenn Sie ohnehin Zweifel an Ihrer gesamten Nebenkostenabrechnung haben. Dieser schaut dann auch auf die Heizkosten. Wir empfehlen den Dienstleister Mineko beziehungsweise das Anwaltvermittlungsportal Youxpert. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Nebenkostenabrechnung.

Mehr dazu im Ratgeber Nebenkostenabrechnung

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Zum Ratgeber

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 12. November 2019


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