Strompreise

Warum Sie bislang wenig durch die Energiewende sparen

Ines Rutschmann 27. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Im Zuge der Corona-Pandemie sind die Handelspreise an der Strombörse gesunken. Das liegt jedoch nicht nur an der Krise.
  • Ob sich die gefallenen Preise auch auf die Strompreise für Verbraucher niederschlagen werden, bleibt abzuwarten.
  • 2021 sinkt die EEG-Umlage. Auch das entlastet die Kosten für Strom.
  • Immer weniger Einfluss auf den Strompreis haben die Energie-Lieferanten selbst.
So gehen Sie vor
  • Vergleichen Sie die Tarife am besten mit unserem Stromrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Sie Ihren Tarif direkt abschließen können. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100 Prozent unabhängig.

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  • Ein Anbieterwechsel kann Sie nicht ganz vor steigenden Preisen bewahren. Senken Sie Stromkosten effektiv, indem Sie Strom sparen oder eigenen Solarstrom nutzen.

Bei der Stromversorgung kommt die Energiewende gut voran. Mehr als 40 Prozent des Bedarfs stammt heute aus regenerativen Quellen. Davon sind die Wärmeversorgung und der Verkehrsbereich noch weit entfernt. Dafür hat Strom heute einen stolzen Preis: 30,91 Cent kostet eine Kilowattstunde im Juli 2020 im Schnitt (bei 16 Prozent Mehrwertsteuer), wenn ein Haushalt 3.500 Kilowattstunden im Jahr bezieht. Im Jahr 2000 waren es noch rund 14 Cent. Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft hervor.

Handelspreise gering, Verbraucherpreise hoch

Zu Beginn des neuen Jahrtausends führte der Gesetzgeber ein neues Förderinstrument in der Stromversorgung ein: Umlagen. Sie sollen die Energiewende vorantreiben. Der Verbraucher bezahlt sie über den Strompreis, während konventionelle Energien bis heute über Subventionen aus dem Staatshaushalt gefördert werden. Insgesamt fünf Umlagen gibt es auf den Strompreis – und sie haben ihn in die Höhe getrieben. Angestiegen sind auch die Entgelte für die Stromnetze. Je stärker die einzelnen Posten wachsen, desto mehr Mehrwertsteuer fällt am Ende an. Das ist schön für den Haushalt der Bundesrepublik, aber weniger schön für jeden Verbraucher.

Dafür sind die Strompreise an der Börse gesunken – dank der erneuerbaren Energien. Seit 2011 verringerten sich die Beschaffungskosten um insgesamt rund 3 Cent pro Kilowattstunde. Diesen Vorteil haben aber die gestiegenen Umlagen – allen voran die sogenannte EEG-Umlage zur Vergütung von Ökostrom – und die entsprechend höheren Mehrwertsteuerkosten mehr als aufgefressen.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Angaben zu den Strompreisen für Haushalte zwischen der Bundesnetzagentur und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht. Während der BDEW alle Angaben für einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr macht, mittelt die Bundesnetzagentur die Preise für Kunden mit einem Jahresbezug zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden. Weiter unten nehmen wir stets auf die Daten der Bundesnetzagentur Bezug.

Möglicherweise ist die Preisspitze beim Strom 2020 erreicht, denn ab 2021 sinken die Kosten für Strom in vielen Regionen Deutschlands. Für die ältesten EEG-Anlagen läuft Ende 2020 die Förderung aus. Je mehr Anlagen in den Folgejahren aus der Förderung fallen, desto stärker sinkt die EEG-Umlage – ab 2025 wohl deutlich, prognostiziert die Denkwerkstatt Agora Energiewende. Bereits in den Jahren 2021 und 2022 dämpft der Staat die die Höhe der EEG-Umlage: Mit Mitteln aus dem Haushalt und Einnahmen aus dem CO2-Preis auf Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel wird die Umlage zwei Jahre in Folge sinken. Ob geringere Kosten weitergegeben werden, entscheiden aber am Ende die Stromanbieter.

Beim Verbraucher kam von den niedrigeren Großhandelspreisen wenig bis gar nichts an. In der Corona-Krise haben die Handelspreise noch einmal nachgegeben: Sie lagen zwischen Februar und Mai 2020 bei rund 2 Cent pro Kilowattstunde und im Sommer 2020 weiterhin unter den Preisen vom Vorjahr. Erst im September kletterten die Preise wieder über 4 Cent pro Kilowattstunde. Für die niedrigen Börsenstrompreise gibt es drei Gründe: Die Stromnachfrage hat sich aufgrund der Krise leicht verringert. Weil der Preis für Erdgas stark gesunken ist, produzieren Gaskraftwerke zu deutlich niedrigeren Kosten Strom. Und Windräder und Photovoltaik-Anlagen waren im Frühling und Sommer produktiv und generierten viel Strom. 

Ohne Wind- und Solarstrom wären die Handelspreise heute wohl viel teurer – und auch die Strompreise für Verbraucher. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg in einer Analyse. Sie rekonstruierten die Handelspreise für Strom, wenn dieser vor allem aus Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken stammt, wie sie in Deutschland in Betrieb sind. Ergebnis: Die Handelspreise an der Strombörse wären seit 2013 doppelt bis dreifach so hoch gewesen und hätten den Strompreis für Verbraucher im Jahr 2018 auf mehr als 39 Cent pro Kilowattstunde katapultiert. Tatsächlich zahlten Verbraucher 2018 im Schnitt 30 Cent pro Kilowattstunde.

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Wollen Sie wissen, ob Ihr Strompreis dem entspricht, was der Durchschnitt zahlt, dann vergleichen Sie aktuelle Angebote. Nutzen Sie dazu gern unseren Vergleichsrechner für Stromtarife. Zahlen Sie mehr oder weniger, bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass Ihr Versorger überteuerte Preise verlangt. Auch Ihr Verbrauch und die Region, in der Sie wohnen, spielen eine Rolle bei der Höhe des Strompreises.

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der größte Teil des Strompreises geht an Staat und Netzbetreiber

Was Sie über den Strompreis alles finanzieren, können Sie jedes Jahr Ihrer Abrechnung entnehmen. Allerdings erklärt kaum ein Versorger, was sich hinter Begriffen wie „§ 19 Strom-NEV-Umlage“ oder „KWKG-Umlage“ verbirgt.

Die Kosten lassen sich in drei Blöcke aufteilen: Der größte umfasst dabei die staatlich festgelegten Umlagen, Abgaben und Steuern. Dahinter folgen die Kosten für den Transport und die Messung von Strom. Der Stromversorger rechnet diese beiden Kostenblöcke zwar beim Verbraucher ab. Aber er reicht die Einnahmen weiter – an die Staatskasse, an die Netzbetreiber und die Messstellenbetreiber.

Lediglich der Kostenanteil für die Beschaffung und Lieferung des Stroms bleibt beim Versorger. Dieser dritte Kostenblock ist heute der kleinste: Rund 25 Prozent des Preises einer Kilowattstunde nimmt der Stromversorger im Schnitt selbst ein, besagen die Daten der Bundesnetzagentur für das Jahr 2019.

Stromkosten variieren deutlich – trotz starkem staatlichen Einfluss

Ein Blick auf die drei Kostenblöcke macht deutlich, dass der Gesetzgeber den Strompreis stark beeinflusst. Die Umlagen, Abgaben und Steuern legt er konkret fest. Die Höhe der Entgelte für den Stromtransport genehmigt er jedem einzelnen Netzbetreiber. Wie sich der Strompreis weiterentwickelt, hängt damit entscheidend von der Politik ab.

Es gibt längst Vorschläge und Forderungen aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Reform der staatlichen Belastungen des Strompreises und für eine Reform der Berechnung der Netzentgelte. Zumindest ab 2021 will der Gesetzgeber die EEG-Umlage entlasten.

Möchten Sie nicht warten, bis Gesetzesänderungen greifen, haben Sie drei Möglichkeiten, Ihre Stromkosten zu reduzieren

Wenn Sie Strom sparen oder sich teilweise selbst versorgen, verringern Sie Ihre Stromkosten langfristig. Durch den Wechsel des Versorgers können Sie Ihre Kosten zumindest vergleichsweise niedrig halten - allein im Juni 2020 sind Neukundentarife deutlich günstiger geworden. Steigenden Strompreisen und damit steigenden Kosten für elektrische Energie können Sie auf diese Weise aber nicht dauerhaft ausweichen – erhöhen sich Umlagen oder Netzentgelte, wird Strom für alle Verbraucher teurer

Dennoch ist ein Vergleich von Stromtarifen in regelmäßigen Abständen sinnvoll. Denn auch wenn die Lieferanten den Strompreis im Schnitt nur zu einem Viertel bestimmen – ob ein Versorger für die Beschaffung und Lieferung von Strom 6 oder 8 Cent (netto) pro Kilowattstunde verlangt, macht je nach Bezug einen deutlichen Unterschied: Bei 2.000 Verbrauchseinheiten für einen Haushalt mit zwei Personen beträgt die Ersparnis rund 50 Euro (brutto); bei 3.500 Kilowattstunden sind es rund 83 Euro (brutto).

Strompreise im Detail: 1. Spielraum der Versorger bei wenigen Cent

Der Markt spielt beim Strompreis eine untergeordnete Rolle. Der Staat und die Netzbetreiber dominieren seine Höhe. Den Stromversorgern bleibt damit nur ein kleiner Spielraum, die Preise zu gestalten. Im Schnitt berechneten sie im April 2019 nach Angaben der Bundesnetzagentur 7,61 Cent pro Kilowattstunde (netto) für die Beschaffung und Lieferung von Strom. Enthalten ist in dem Betrag auch der Gewinn, den die Unternehmen erzielen. Der Anteil am durchschnittlichen Strompreis ist gering – rund 25 Prozent dessen, was Verbraucher über die Stromrechnung bezahlen, bleibt beim Versorger.

Einkaufen können die Versorger die elektrische Energie an der Strombörse EEX oder direkt beim Erzeuger. 2019 sind die Handelspreise gefallen: Eine Kilowattstunde kostete im Schnitt 3,76 Cent. In Europa gehört Deutschland damit zu den Ländern mit den niedrigsten Handelspreisen, wie eine Analyse von Agora Energiewende darlegt. In den meisten Monaten 2020 lagen die Handelspreise sogar noch unter den Preisen von 2019.

Wie viel der Versorger für seine Dienste berechnet, entscheidet, wie günstig ein Stromtarif sein kann. Grundsätzlich verlangen Unternehmen in der Grundversorgung das meiste: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt haben in ihrem Monitoringbericht für das Jahr 2019 zwischen 8,23 und 12,72 Cent pro Kilowattstunde (netto) angegeben, abhängig vom Stromverbrauch des Haushalts. Je mehr jemand verbraucht, desto günstiger wird es pro Einheit. Rund 2 Cent weniger pro Kilowattstunde berechnen dagegen Unternehmen für ihre Dienste, die nicht der Grundversorger in einer Region sind – nämlich zwischen 6,27 und 10,93 Cent pro Kilowattstunde. 

Kosten, die Stromversorger im Schnitt berechnen – je nach Verbrauch

Stromverbrauch
im Jahr
Tarif in der
Grundversorgung
anderer Tarif beim
Grundversorger
Tarif bei anderem
Versorger als
Grundversorger
weniger als 1.000 kWh48,92 ct/kWh44,65 ct/kWh43,71 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh34,69 ct/kWh32,68 ct/kWh32,91 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh31,94 ct/kWh30,46 ct/kWh30,46 ct/kWh
5.000 bis 10.000 kWh

30,60 ct/kWh

29,08 ct/kWh28,18 ct/kWh

Es handelt sich um mengengewichtete Angaben für das Jahr 2019.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. November 2019)

Strompreise im Detail: 2. Steigende Umlagen, Abgaben, Steuern

Rund 52 Prozent der Stromkosten bestimmt der Staat. Für Umlagen, Abgaben und Steuern zahlen Sie heute rund 16 Cent pro Kilowattstunde – inklusive der Mehrwertsteuer. Der Betrag hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdreifacht. Die Finanzierung des nationalen Großprojekts „Energiewende“ hat der Gesetzgeber mehrfach gelöst, indem er Kosten auf die Stromverbraucher umlegte.

Die EEG-Umlage

In der Diskussion ist seit einigen Jahren die EEG-Umlage, auch Ökostromumlage genannt. Sie dient dazu, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gewährte Förderung von Ökostrom zu finanzieren. Ihre Höhe bestimmen die Übertragungsnetzbetreiber jedes Jahr neu. Sie ist seit ihrer Einführung im Jahr 2000 beinahe stetig gestiegen. 2020 beträgt sie 6,756 Cent pro Kilowattstunde. 

Dass die Umlage seit ihrer Einführung stark gestiegen ist, liegt nicht allein daran, dass mehr und mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen ans Netz gingen. Den eingespeisten Ökostrom nehmen die Netzbetreiber ab und verkaufen ihn an der Börse. Aus diesen Einnahmen und den Mitteln aus der EEG-Umlage bezahlen sie die Erzeuger.

Je weniger dabei der Strom an der Börse wert ist, desto mehr Geld muss über die Umlage fließen. Gerade aber Wind- und Sonnenstrom haben dafür gesorgt, dass die Börsenpreise ab 2012 stark gesunken sind – in der Europäischen Union gehört Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten Großhandelspreisen für Strom. Lägen die Preise an der Strombörse dagegen höher, ließe sich mit Ökostrom am Markt mehr verdienen und dann müssten die Verbraucher weniger zubuttern, damit die gesetzlich garantierten Fördertarife an die Erzeuger fließen können. 

Dass die EEG-Umlage so hoch ist, hängt aber auch von allen Stromverbrauchern ab. Bestimmte Unternehmen brauchen nur anteilig EEG-Umlage zahlen. 2017 nutzten rund 2.100 Firmen das Privileg und sparten so nach Berechnung des Leipziger Instituts für Energie mehr als 4 Milliarden Euro. 2018 profitieren mit rund 1.900 weniger Firmen von der Regelung; 2019 kletterte die Zahl wieder auf mehr als 2.000 Unternehmen. Gegen die Privilegierung der Industrie klagte der Verein Sonneninitiative. Die Verfassungsbeschwerde lehnte das Bundesverfassungsgericht im Juli 2020 ab.

2021 und 2022 sinkt die EEG-Umlage: Der Staat wird einen Teil der Umlage mit Mitteln zahlen, die über den CO2-Preis auf Erdgas, Heizöl und Sprit an den Staat fließen. So sinkt die Umlage 2021 auf 6,5 Cent; 2022 soll sie weiter auf 6 Cent fallen. Das entlastet den Strompreis um 0,3 beziehungsweise 0,9 Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Ab 2024 sollte die Umlage von allein Jahr um Jahr fallen, prognostiziert die Denkwerkstatt Agora Energiewende. Denn ab 2021 endet die Förderung für die ältesten Ökostrom-Kraftwerke, die zugleich die höchsten Fördertarife erhalten – je mehr Anlagen aus der Förderung fallen, desto geringer sind die EEG-Kosten.

Die EEG-Umlage dient der Finanzierung des über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderten Ökostroms; die §19-StromNEV-Umlage erlaubt den Netzbetreibern, bestimmten Stromkunden geringere Netzentgelte zu gewähren.

Die KWKG-Umlage

Die KWKG-Umlage funktioniert ähnlich wie die EEG-Umlage. Sie basiert auf dem KWK-Gesetz und finanziert nicht den Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, sondern aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Das sind Anlagen wie Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme zugleich produzieren. Bedingung für eine Förderung ist, dass es sich um neue oder modernisierte Anlagen handelt, die effizient und umweltfreundlich arbeiten. Die Netzbetreiber schütten die Zuschläge an die Betreiber aus und holen die Mittel über die Umlage wieder herein. Diese liegt 2020 bei 0,226 und steigt 2021 leicht auf 0,254 Cent pro Kilowattstunde.

Umlagen für die Netzbetreiber

Es gibt drei weitere Umlagen, die an die Netzbetreiber fließen. Die Mittel sollen ihnen helfen, bestimmte Mehrkosten auszugleichen. Ihre Höhe war bis 2018 mit maximal 0,5 Cent pro Kilowattstunde (brutto) vergleichsweise gering. Seit 2019 erhöhen die drei Umlagen den Strompreis um fast 1 Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Die §19-StromNEV-Umlage ist 2021 die zweithöchste Umlage auf den Strompreis. Sie trägt zur Finanzierung individueller Netzentgelte bei, die günstiger sind als die regulären Entgelte. Vor allem Unternehmen nehmen sie in Anspruch, die entweder einen konstant hohen Stromverbrauch haben oder dann viel Strom verbrauchen, wenn die Nachfrage gering ist. Auf diese Weise belasten sie das Stromnetz vergleichsweise wenig, und das belohnen die Netzbetreiber. Diese Vergünstigung bezahlen alle Haushalte 2020 mit 0,358 Cent pro Kilowattstunde. 2021 sind es 0,432 Cent pro Kilowattstunde.

Durch die Offshore-Netzumlage (bis 2018 Offshore-Haftungsumlage genannt) kompensieren die Netzbetreiber die Entschädigungszahlung an die Betreiber von Windparks auf See. Einen Anspruch auf Entschädigung haben diese Betreiber, wenn ihre Anlagen noch nicht ans Stromnetz geschlossen sind und sie deswegen ihren Strom nicht einspeisen und sie deshalb die gesetzliche Vergütung nicht beziehen können. 2020 beträgt die Umlage 0,416 Cent pro Kilowattstunde. 2021 fällt sie auf 0,395 Cent pro Kilowattstunde.

Über die Umlage für abschaltbare Lasten bezahlen die Übertragungsnetzbetreiber vor allem Industriebetriebe, die ihnen gestatten, die Stromversorgung einzelner Maschinen zu unterbrechen. Das erlaubt den Netzbetreibern in Zeiten hoher Stromnachfrage, das Stromnetz auszubalancieren. 2021 beträgt die Umlage 0,009 Cent pro Kilowattstunde.

Mehrwertsteuer und Stromsteuer

Die Mehrwertsteuer ist der zweithöchste Posten unter den Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom. Ihre konkrete Höhe hängt vom Netto-Strompreis ab. Im Schnitt zahlt ein Verbraucher rund 5 Cent pro Kilowattstunde an den Fiskus.

Von Juli bis Dezember 2020 beträgt die Mehrwertsteuer nur 16 Prozent, steigt aber zu Neujahr 2021 wieder auf 19 Prozent. Das verringert die Kosten für Strom zumindest für sechs Monate um 2,5 Prozent. Die Lieferanten senken deswegen in bestehenden Verträgen nicht die Brutto-Preise, sondern wollen die niedrigere Mehrwertsteuer je nach Verbrauch auf der Stromrechnung ausweisen. Liegt Ihr Verbrauch auf dem Vorjahresniveau, sollten Sie dadurch eine Gutschrift erhalten. Kommt Ihre nächste Abrechnung erst 2021, ist es wichtig, dass Sie Ihren Stromzähler am 30. Juni und am 31. Dezember ablesen und die Werte dem Lieferanten übermitteln. Andernfalls schätzt er und das kann zu Ihrem Nachteil sein. Endet Ihr Abrechnungszeitraumim zweiten Halbjahr 2020, gilt der niedrigere Steuersatz für den gesamten Abrechnungszeitraum.

An dritter Stelle der staatlichen Belastungen steht die Stromsteuer. Pro Kilowattstunde zahlen Sie 2,05 Cent. Die Steuer führte die Bundesrepublik 1999 ein. Ziel war es, Strom teurer zu machen und mit den Einnahmen die Sozialabgaben auf Löhne zu senken. 2018 betrugen die Einnahmen aus der Stromsteuer rund 7 Milliarden Euro. Überwiegend fließt das Geld in die Rentenkasse.

Die Konzessionsabgabe

Diese Abgabe fließt direkt den Kommunen zu. Die Konzessionsabgabe erhält eine Stadt oder Gemeinde dafür, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Die Netzbetreiber zahlen die Abgabe dafür, dass sie diese Wege nutzen dürfen.

Die Höhe der Abgabe legen Kommune und Netzbetreiber vertraglich fest. Sie ist aber nicht völlig frei wählbar: Es gibt gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Diese unterscheiden sich nach der Größe der Kommune, in der jemand wohnt. Je mehr Einwohner sie zählt, desto höher ist die Abgabe.

Gewöhnlich schöpfen die Städte und Gemeinden die Preisobergrenzen aus. Das bedeutet: Sie zahlen 1,32 bis 2,39 Cent pro Kilowattstunde für das Wegenutzungsrecht. Bei Verbräuchen von mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr kann die Abgabe 0,11 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Strompreise im Detail: 3. Kosten für Stromtransport und Messung

Rund 23 Prozent Ihrer Stromkosten finanzieren den Transport und die Messung des Stroms. Verantwortlich für den Einbau, den Betrieb und die Ablesung des Stromzählers ist der Messstellenbetreiber. Haben Sie kein Unternehmen explizit dafür beauftragt, erledigt das auch der Netzbetreiber für Sie. Die Entgelte für den Zähler sind vergleichsweise gering: Zwischen 8 und 19 Euro (brutto) zahlen die meisten Haushalte im Jahr. Die Kosten werden aber steigen: Bis 2032 müssen überall in Deutschland moderne Messgeräte installiert sein, die bis zu 20 Euro im Jahr kosten dürfen.

Die Entgelte für den Transport über das öffentliche Stromnetz erhebt der Netzbetreiber. Diesen können Sie nicht selbst wählen: Ihr Netzbetreiber ist das Unternehmen, an dessen Stromnetz Sie geschlossen sind. Von Ihrem Wohnort hängt damit entscheidend die Höhe des Strompreises ab.

Denn die Netzentgelte variieren in Deutschland stark, wie die nachfolgende Karte der Bundesnetzagentur zeigt. Am meisten zahlen Verbraucher in Teilen von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Eher niedrig waren die Entgelte für Haushalte bislang in großen Städten sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Wie groß die Unterschiede aktuell zwischen den höchsten und niedrigsten Netzentgelten in Deutschland sein können, ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. 

Netzentgelte in Deutschland

RegionNetz-
betreiber
Grund-
preis
2021
(€/Jahr)
Arbeits-
preis
2021
(ct/kWh)

Kosten bei
2.500 kWh
Verbrauch

(ct/kWh)

Mehr-/
Minder-
kosten
zu 2020
DüsseldorfDüsseldorfer Netzgesellschaft14,285,776,34

0 %

BremenWesernetz57,124,386,66- 7,3 %
Nürnberg und Umgebung    N-ergie Netz47,604,896,79- 4 %
München und UmgebungSWM Infrastruktur50,194,956,96- 8,2 %
BerlinStromnetz Berlin39,706,478,06+ 2,5 %
StuttgartStuttgart Netze08,288,28+ 7,8 %
Hannover und Umgebungenercity Netzgesellschaft32,137,158,44+ 2,9 %
Köln und UmgebungNetzdienste Rhein-Main23,787,22

8,66

- 5,6 %
LeipzigNetz Leipzig65,456,078,69+ 2,9 %
KielSW Kiel Netz80,685,598,82- 1,5 %
Rheinland-PfalzEnergienetz Mittelrhein78,185,828,95+ 3 %
DortmundDortmunder Netz92,685,469,17+ 1,3 %
BayernBayernwerk82,536,199,49- 7,9 %
Hessen, Niedersachsen, NRW, Thüringen und Rheinland-PfalzEnergienetz Mitte99,905,689,68- 6 %
Sachsen und Sachsen-AnhaltMitnetz86,876,389,85+ 1,4 %
Augsburg und UmgebungLEW Netz78,186,829,95+ 4,3 %
NRW, Rheinland-Pfalz und SaarlandWestnetz78,186,8810,00+ 8,5 %
ThüringenThüringer Energienetze83,307,0410,37+ 1,8 %
Niedersachsen und Sachsen-AnhaltAvacon78,187,2810,41- 3,5 %
Paderborn und UmgebungWestfalen Weser Netz91,216,9710,62- 3,4 %
Baden-WürttembergNetze BW47,608,7510,65+ 2,0 %
HamburgEnergienetz Hamburg71,408,0210,88+ 3,2 %
Brandenburg und Mecklenburg-VorpommernEdis78,188,912,3+ 1,1 %
Mecklenburg-VorpommernWemag Netz91,398,7612,42+ 6,7 %
Schleswig-Holstein und NiedersachsenSchleswig-Holstein Netz82,5310,9714,27- 1,4 %

Die Angaben sind den Preisblättern der Netzbetreiber entnommen, die Preise für 2021 sind noch vorläufig. Es handelt sich stets um Bruttopreise. Die Werte für die Kosten pro Kilowattstunde und die prozentuale Abweichung sind gerundet. Die Liste ist nach der Höhe der Netzentgelte aufsteigend sortiert.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 15. Oktober 2020)

Die Entgelte können die Netzbetreiber nicht völlig frei bestimmen. Die Bundesnetzagentur prüft und genehmigt die Kosten der Unternehmen, die diese dann auf die Verbraucher an ihrem Stromnetz umlegen. Das bedeutet: Je dichter eine Region besiedelt ist, desto geringer können die Entgelte sein. Daher zahlen Haushalte in großen Städten meist weniger als jene in ländlichen Regionen.

Die Bundesnetzagentur kann diese regionalen Unterschiede nicht aufheben. Durch die Regulierung können sie aber sinken. 2019 sind die Entgelte mehrheitlich in Deutschland gestiegen. Auch 2020 wird das so sein. In wenigen Regionen sinken die Entgelte zum Jahreswechsel 2020. Die Veränderungen sind ebenfalls in der Tabelle aufgeführt.

Die höheren Kosten liegen an notwendigen Investitionen, um die Stromnetze intakt zu halten, aber auch am Umbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende. Sollte künftig Strom stärker zum Heizen und zum Antreiben von Fahrzeugen dienen, sind weitere Investitionen notwendig.

Deutsche Verbraucher zahlen höchste Strompreise in Europa

Aufgrund der hohen Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom zahlen Verbraucher in Deutschland hohe Strompreise. Diese sind 2020 mit Abstand die höchsten in der Europäischen Union – sowohl bei niedrigem, als auch bei hohem Verbrauch. 

Im Schnitt zahlen Verbraucher in den 27 Mitgliedsländern für jede Kilowattstunde 8 bis 10 Cent weniger als Haushalte in Deutschland. Gegenüber dem Land mit den zweithöchsten Strompreisen – Dänemark – liegen die Preise in Deutschland um 2 bis 6 Cent pro Kilowattstunde höher, bei niedrigem Verbrauch sogar um 12 Cent pro Kilowattstunde.

Durchschnittliche Strompreise für Haushalte

Jahresverbrauchin Deutschlandim Euroraumin der EU
unter 1.000 kWh47,52 ct/kWh43,17 ct/kWh39,79 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh34,30 ct/kWh25,69 ct/kWh24,23 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh30,43 ct/kWh22,47 ct/kWh21,26 ct/kWh
5.000 bis 15.000 kWh28,63 ct/kWh20,77 ct/kWh19,57 ct/kWh

Die Preise basieren auf Daten aus allen EU-Ländern aus dem ersten Halbjahr 2020.
Quelle: Eurostat (Stand: 28. Oktober 2020)

Werden nur Netzentgelte und die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb betrachtet, liegt Deutschland auf Platz 4 bis 6 der Länder mit den höchsten Preisen, je nach Verbrauchsmenge. Dass Deutschland auch ohne Steuern, Umlagen und Abgaben eher hohe Strompreise verzeichnet, geht auf das Konto der Netzentgelte. Denn die Vertriebsspanne von Stromlieferanten ist nicht hoch und die Handelspreise für Strom sind in Deutschland sehr günstig: 2019 verzeichnete Deutschland die niedrigsten Börsenstrompreise in Europa, hat Agora Energiewende ermittelt.

Stärkere Lasten auf Strom als auf andere Brennstoffe

Auch im Vergleich mit anderen Energiearten hebt sich der Preis für Strom ab: Eine Kilowattstunde Strom ist 2020 rund viermal so teuer wie eine Kilowattstunde Gas. Während 9,8 Cent pro Kilowattstunde (netto) nur für Umlagen und Stromsteuer anfallen, kommen beim Gaspreis "nur" 0,55 Cent (netto) pro Kilowattstunde hinzu. Beim Heizöl erhebt der Staat die Energiesteuer in Höhe von 6,14 Cent (netto) pro Liter (oder rund 0,6 Cent pro Kilowattstunde). Die Mehrwertsteuer, die auf alle Energiearten gleichermaßen anfällt, verstärkt das Gefälle noch: Je höher die Nettokosten schon sind, desto teurer ist die Energie am Ende für den Verbraucher.

Das Ungleichgewicht kritisieren Verbraucherschützer, Umweltverbände, Industrie und auch die Energiewirtschaft seit Jahren. 2021 führt Deutschland einen CO2-Preis auf fossile Brennstoffe und Kraftstoffe ein. Dieser verteuert Erdgas, Heizöl, Benzin, Diesel und auch Fernwärme, sofern der Lieferant die Wärme nicht aus erneuerbaren Energien gewinnt. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis verwendet der Staat dazu, einen Teil der EEG-Kosten zu tragen, so dass die EEG-Umlage 2021 sinkt. 

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

  • Den Stromanbieter zu wechseln, zahlt sich häufig aus.
  • Wie Sie vorgehen sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Zum Ratgeber

Autor
Ines Rutschmann

27. Oktober 2020


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