Strompreise

Warum Du bislang wenig durch die Energiewende sparst

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
01. Juli 2022
Das Wichtigste in Kürze

Der Krieg in der Ukraine hat die Preise an der Strombörse nach oben getrieben – vor allem, weil Erdgas teurer geworden ist. Gas hatte 2021 einen Anteil von 15 Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Bis zum Herbst will die Bundesregierung den Anteil reduzieren. Wir halten Dich auf dem Laufenden, welche Rolle Gas künftig bei der Stromerzeugung spielen wird und wohin sich die Strompreise weiter bewegen werden.

  • Energie-Lieferanten haben vergleichsweise wenig Einfluss auf die Strom­kos­ten. Aber sie entscheiden, ob sie niedrigere Kosten an ihre Kunden weitergeben oder wie stark sie ihre Preise erhöhen.
  • Die Kosten für den Stromeinkauf sind 2021 stark gestiegen und mit Ausbruch des Ukraine-Krieges noch einmal stärker. Im Sommer 2022 sind die Preise an der Strombörse im Vergleich zum Vorjahr rund viermal so hoch.
  • Dafür ist die EEG-Umlage auf den Strompreis zum 1. Juli weggefallen. Das entlastet den Strompreis um rund 4,4 Cent pro Kilowattstunde.
So gehst Du vor
  • Vergleiche die Tarife am besten mit unserem Stromrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100 Prozent unabhängig.

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  • Ein Anbieterwechsel kann Dich nicht ganz vor steigenden Preisen bewahren. Senke Strom­kos­ten effektiv, indem Du Strom sparst oder eigenen Solarstrom nutzt.

Strom ist der teuerste „Brennstoff” in Deutschland, wenn er über das öffentliche Netz fließt. Woran das liegt und wohin sich die Preise in den nächsten Jahren vermutlich entwickeln, erläutern wir in diesem Ratgeber.

Was kostet eine Kilowattstunde Strom?

Strom hat in Deutschland einen stolzen Preis: 37,14 Cent kostete eine Kilowattstunde im April 2022, wenn Du 3.500 Kilowattstunden im Jahr beziehst. Im Jahr 2000 waren es noch rund 14 Cent. Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor.

Die hohen Preise haben vor allem zwei Ursachen: Seit dem Jahr 2000 hat der Gesetzgeber den Strompreis durch zusätzliche Kosten belastet, nämlich fünf Umlagen. Und 2021 sind die Preise an der Strombörse stark gestiegen – Kohle und Gas sind im Einkauf teurer geworden, aber auch die Emissionszertifikate, die Kraftwerksbetreiber in der EU kaufen müssen, weil sie bei der Verbrennung Treibhausgase freisetzen. Rund 40 Prozent der deutschen Stromproduktion basiert bislang auf Braunkohle, Steinkohle und Erdgas.

Dass Gas wieder günstiger wird, ist angesichts des Krieges in der Ukraine und der gedrosselten Lieferungen aus Russland unwahrscheinlich. Die Bundesregierung setzt daher darauf, künftig mehr Kohle anstelle von Gas zu verbrennen. Zum stärkeren Einsatz wird dabei vermutlich Braunkohle kommen, die im Gegensatz zu Steinkohle in Deutschland abgebaut wird und nicht importiert werden muss. Nachteil: Braunkohle setzt noch mehr Kohlendioxid bei der Verbrennung frei als Steinkohle oder Erdgas. Die Preise für Emissionszertifikate haben sich dabei seit November 2020 verdreifacht. Pro Tonne Kohlendioxid, die bei der Stromproduktion anfällt, sind seit Dezember 2021 mehr als 80 Euro zu zahlen.

Die hohen Kosten für Strom aus fossilen Kraftwerken beeinflusst dabei auch Ökostrom, der in Deutschland einen Anteil von mehr als 40 Prozent am Strommix hat. Für Wind- und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen müssen weder Brennstoffe eingekauft noch Emissionszertifikate gezahlt werden. Die Produktion von Wind- und Sonnenstrom aus neuen Anlagen kostet 2022 nur 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde. Trotzdem zahlen Energielieferanten an der Strombörse seit Mitte 2021 im Schnitt das Dreifache, wenn sie für ihre Kunden Strom einkaufen.

Dass der günstige Ökostrom nur kleinen Einfluss auf die durchschnittlichen Preise an der Börse hat, liegt am Marktdesign der Stromhandelsplätze in der Europäischen Union: Dabei bestimmt das teuerste Kraftwerk im jeweiligen Marktgebiet den Preis im Handel – das sind seit 2021 die fossilen Kraftwerke. In den Keller fallen die Preise an der Strombörse nur dann, wenn der erzeugte Ökostrom die Nachfrage in bestimmten Stunden komplett deckt. Das ist an sonnigen und windigen Tagen vor allem an Wochenenden und Feiertagen der Fall.

Damit die Strompreise in Deutschland fallen, hat der Gesetzgeber erst einmal die EEG-Umlage auf den Strompreis zum 1. Juli abgeschafft. Das entlastet Verbraucher um 4,4 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Stromlieferanten müssen die sinkenden Kosten weitergeben. Darüber hinaus kurbelt die Politik den Ausbau von Sonnen- und Windkraftanlagen an. Denn je größer der Anteil von günstigem Ökostrom in Deutschland ist, desto weniger müssen Kohlekraftwerke befeuert werden. Das schont das Klima und trägt zu sinkenden Preisen an der Strombörse bei.

Der Bau einer Vielzahl neuer Ökostromkraftwerke braucht aber seine Zeit. So wird Strom an der Börse 2023 noch sehr teuer sein. Ab 2024 sinken die Börsenpreise vermutlich im langfristigen Einkauf allmählich, bleiben aber – Stand Juni 2022 – teurer als sie es bis 2020 waren.

Vergleiche Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Willst Du wissen, ob Dein Strompreis dem entspricht, was der Durchschnitt zahlt, dann vergleiche aktuelle Angebote. Nutze dazu gern unseren Vergleichsrechner für Stromtarife. Zahlst Du mehr oder weniger, bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass Dein Versorger überteuerte Preise verlangt. Auch Dein Verbrauch und die Region, in der Du wohnst, spielen eine Rolle bei der Höhe des Strompreises.

Krieg in der Ukraine: Durch die Krise ist der Strompreis aktuell sehr hoch. Daher lohnt sich ein Anbieterwechsel derzeit nicht in jedem Fall, denn viele Neukundentarife sind teuer. Sobald Neukundenangebote in der Breite wieder günstiger sind, informieren wir Dich in unserem kostenlosen Newsletter. Melde Dich hier an.

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Willst Du über Verivox oder Check24 den Vertrag abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Was Du über den Strompreis alles finanzierst, kannst Du jedes Jahr Deiner Abrechnung entnehmen. Allerdings erklärt kaum ein Versorger, was sich hinter Begriffen wie „§ 19 Strom-NEV-Umlage“ oder „KWKG-Umlage“ verbirgt.

Die Kosten lassen sich in drei Blöcke aufteilen: Der größte umfasst dabei die Kosten für Beschaffung und Vertrieb von Strom. Dahinter folgen die Kosten für Steuern, Umlagen und Abgaben. Der dritte Block beinhaltet die Kosten für den Transport und die Messung von Strom.

Der Stromversorger rechnet Umlagen, Steuern und Entgelte zwar beim Verbraucher ab. Aber er reicht die Einnahmen weiter – an die Staatskasse, an die Netzbetreiber und die Mess­stel­len­be­trei­ber. Lediglich der Kostenanteil für die Beschaffung und Lieferung des Stroms bleibt beim Versorger. Dieser dritte Kostenblock war viele Jahre der kleinste – 2022 ist er der größte. Mehr als 40 Prozent beträgt sein Anteil.

Strom­kos­ten variieren deutlich – trotz starkem staatlichen Einfluss

Ein Blick auf die drei Kostenblöcke macht deutlich, dass der Gesetzgeber den Strompreis stark beeinflusst. Die Umlagen, Abgaben und Steuern legt er konkret fest. Die Höhe der Entgelte für den Stromtransport genehmigt er jedem einzelnen Netzbetreiber. Wie sich der Strompreis weiterentwickelt, hängt auch entscheidend von der Politik ab.

Es gibt längst Vorschläge und Forderungen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zur Reform der staatlichen Belastungen des Strompreises und für eine Reform der Berechnung der Netzentgelte. Möchtest Du nicht warten, bis Gesetzesänderungen erst auf den Weg gebracht werden, hast Du drei Möglichkeiten, Deine Strom­kos­ten zu reduzieren:

Wenn Du Strom sparst oder Dich teilweise selbst versorgst, verringerst Du Deine Strom­kos­ten langfristig. Durch den Wechsel des Versorgers kannst Du Dich vor unverhältnismäßigen Preissteigerungen schützen.

Ein Vergleich von Stromtarifen ist in regelmäßigen Abständen sinnvoll. Denn ob ein Versorger für die Beschaffung und Lieferung von Strom 14 oder 20 Cent (netto) pro Kilowattstunde berechnet, macht je nach Bezug einen deutlichen Unterschied: Ein Haushalt mit zwei Personen und 2.000 Verbrauchseinheiten zahlt im kostengünstigeren Tarif rund 140 Euro (brutto) weniger; bei 3.500 Kilowattstunden sind es rund 250 Euro (brutto).

Strompreis im Detail: 1. Spielraum der Anbieter hoch wie nie

Der Markt spielt beim Strompreis seit Herbst 2021 die entscheidende Rolle. Wer langfristig Strom eingekauft hat, profitiert von geringeren Kosten als Lieferanten, die kurzfristig größere Mengen beschaffen müssen.

Im Schnitt berechnen Lieferanten im April 2022 nach Angaben des BDEW 14,46 pro Kilowattstunde (netto) für die Beschaffung und Lieferung von Strom. Enthalten ist in dem Betrag auch der Gewinn, den die Unternehmen erzielen. Der Anteil von Beschaffung, Vertrieb und Gewinn am durchschnittlichen Strompreis ist hoch – rund 44 Prozent dessen, was Verbraucher über die Stromrechnung bezahlen, bleibt beim Versorger.

Einkaufen können die Versorger die elektrische Energie an der Strombörse EEX oder direkt beim Erzeuger. 2021 kostete eine Kilowattstunde am Spotmarkt im Schnitt 9,7 Cent. Damit gehört Deutschland in Europa immer noch zu den Ländern mit vergleichsweise niedrigen Handelspreisen, wie eine Analyse von Agora Energiewende darlegt. Am günstigsten waren diese 2021 in Schweden (mit rund 5,6 Cent pro Kilowattstunde), gefolgt von Norwegen, Finnland und Lettland; am meisten zahlten Händler in Griechenland (mit 11,6 Cent pro Kilowattstunde), Irland und Slowenien.

Wie viel der Versorger für seine Dienste berechnet, ist unterschiedlich und kann zusätzlich für Unterschiede bei den Strompreisen sorgen. Dabei gilt auch: Je mehr jemand verbraucht, desto günstiger wird es pro Einheit – schließlich sind die Vertriebskosten des Anbieters weitestgehend unabhängig vom Verbrauch. Wie groß die Unterschiede je nach Verbrauch in der Vergangenheit waren, ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt – die Preise sind von Frühling 2021 und damit noch deutlich niedriger als Anfang 2022.

Kosten, die Stromversorger im Schnitt berechnen – je nach Verbrauch

Stromverbrauch
im Jahr
Tarif in der
Grundversorgung
anderer Tarif beim
Grundversorger
Tarif bei anderem
Versorger als
Grundversorger
weniger als 1.000 kWh51,36 ct/kWh48,61 ct/kWh45,20 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh37,05 ct/kWh34,55 ct/kWh35,11 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh33,80 ct/kWh31,89 ct/kWh32,70 ct/kWh
5.000 bis 10.000 kWh32,20 ct/kWh30,44 ct/kWh30,68 ct/kWh

Es handelt sich um mengengewichtete Angaben zum Stichtag 1. April 2021.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 1. Dezember 2021)

Für 2022 dürfte sich ein etwas anderes Bild ergeben: Das Gefälle zwischen preiswerten und teuren Strompreisen ist so hoch wie nie zuvor – während Kunden in günstigen Verträgen die Kilowattstunde rund 30 Cent kostet, zahlen andere 50 Cent. Zudem sind viele Grundtarife 2022 günstiger als Sondertarife. Wie in der Tabelle zu erkennen ist, war 2021 (und die Jahre zuvor) das Gegenteil der Fall.

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Strompreis im Detail: 2. Hohe Umlagen, Abgaben, Steuern

Rund ein Drittel der Strom­kos­ten bestimmt bislang der Staat. Für Umlagen, Abgaben und Steuern zahlst Du seit Juli 2022 rund 10 Cent pro Kilowattstunde – inklusive der Mehrwertsteuer.

Die EEG-Umlage

In der Diskussion war jahrelang die EEG-Umlage, auch Ökostromumlage genannt. Sie dient dazu, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gewährte Förderung von Ökostrom zu finanzieren. Ihre Höhe bestimmen die Übertragungsnetzbetreiber jedes Jahr neu. 2022 beträgt sie 3,723 Cent pro Kilowattstunde, wird aber seit Juli aus dem Bundeshaushalt bezahlt und nicht mehr auf den Strompreis umgelegt.

Der Bundestag hat mit der Abschaffung der EEG-Umlage auf den Strompreis die Stromlieferanten verpflichtet, die Kostenentlastung an die Kunden weiterzugeben. Für Dich bedeutet das eine Entlastung um rund 4,4 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Dein Stromanbieter muss Dich darüber nicht informieren und Du hast aufgrund der Preisänderung auch kein Son­der­kün­di­gungs­recht. Achte aber bei der nächsten Abrechnung darauf, dass ab Juli 2022 mit einem geringeren Arbeitspreis gerechnet wird. Und lies Deinen Stromzähler am 1. Juli ab und übermittle den Zählerstand dem Lieferanten.

Die KWKG-Umlage

Die KWKG-Umlage funktioniert ähnlich wie die EEG-Umlage. Sie basiert auf dem KWK-Gesetz und finanziert nicht den Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, sondern aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Das sind Anlagen wie Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme zugleich produzieren. Bedingung für eine Förderung ist, dass es sich um neue oder modernisierte Anlagen handelt, die effizient und umweltfreundlich arbeiten. Die Netzbetreiber schütten die Zuschläge an die Betreiber aus und holen die Mittel über die Umlage wieder herein. Diese liegt 2022 bei 0,378 Cent pro Kilowattstunde.

Umlagen für die Netzbetreiber

Es gibt drei weitere Umlagen, die an die Netzbetreiber fließen. Die Mittel sollen ihnen helfen, bestimmte Mehrkosten auszugleichen. Ihre Höhe war bis 2018 mit maximal 0,5 Cent pro Kilowattstunde (brutto) vergleichsweise gering. Seit 2019 erhöhen die drei Umlagen den Strompreis um rund 1 Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Die §19-StromNEV-Umlage ist 2021 die zweithöchste Umlage auf den Strompreis. Sie trägt zur Finanzierung individueller Netzentgelte bei, die günstiger sind als die regulären Entgelte. Vor allem Unternehmen nehmen sie in Anspruch, die entweder einen konstant hohen Stromverbrauch haben oder dann viel Strom verbrauchen, wenn die Nachfrage gering ist. Auf diese Weise belasten sie das Stromnetz vergleichsweise wenig, und das belohnen die Netzbetreiber. Diese Vergünstigung bezahlen alle Haushalte 2022 mit 0,437 Cent pro Kilowattstunde. Unternehmen mit mehr als 100.000 Kilowattstunden Stromverbrauch zahlen seit 2022 weniger.

Durch die Offshore-Netzumlage (bis 2018 Offshore-Haftungsumlage genannt) kompensieren die Netzbetreiber die Entschädigungszahlung an die Betreiber von Windparks auf See. Einen Anspruch auf Entschädigung haben diese Betreiber, wenn ihre Anlagen noch nicht ans Stromnetz geschlossen sind und sie deswegen ihren Strom nicht einspeisen und sie deshalb die gesetzliche Vergütung nicht beziehen können. 2022 beträgt die Umlage 0,419 Cent pro Kilowattstunde.

Über die Umlage für abschaltbare Lasten bezahlen die Übertragungsnetzbetreiber vor allem Industriebetriebe, die ihnen gestatten, die Stromversorgung einzelner Maschinen zu unterbrechen. Das erlaubt den Netzbetreibern in Zeiten hoher Stromnachfrage, das Stromnetz auszubalancieren. 2022 beträgt die Umlage 0,003 Cent pro Kilowattstunde. 

Mehrwertsteuer und Stromsteuer

Die Mehrwertsteuer ist der höchste Posten unter den Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom. Ihre konkrete Höhe hängt vom Netto-Strompreis ab. Im Schnitt zahlt ein Verbraucher 5 Cent pro Kilowattstunde an den Fiskus.

An zweiter Stelle der staatlichen Belastungen steht die Stromsteuer. Pro Kilowattstunde zahlst Du 2,05 Cent. Die Steuer führte die Bundesrepublik 1999 ein. Ziel war es, Strom teurer zu machen und mit den Einnahmen die Sozialabgaben auf Löhne zu senken. 2021 betrugen die Einnahmen aus der Stromsteuer rund 6,7 Milliarden Euro. Überwiegend fließt das Geld in die Rentenkasse.

Die Konzessionsabgabe

Diese Abgabe fließt direkt den Kommunen zu. Die Konzessionsabgabe erhält eine Stadt oder Gemeinde dafür, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Die Netzbetreiber zahlen die Abgabe dafür, dass sie diese Wege nutzen dürfen.

Die Höhe der Abgabe legen Kommune und Netzbetreiber vertraglich fest. Sie ist aber nicht völlig frei wählbar: Es gibt gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Diese unterscheiden sich nach der Größe der Kommune, in der jemand wohnt. Je mehr Einwohner sie zählt, desto höher ist die Abgabe.

Gewöhnlich schöpfen die Städte und Gemeinden die Preisobergrenzen aus. Das bedeutet: Du zahlst 1,32 bis 2,39 Cent pro Kilowattstunde für das Wegenutzungsrecht. Bei einem Verbrauch von mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr kann die Abgabe 0,11 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Strompreis im Detail: 3. Kosten für Transport und Messung

Rund ein Viertel Deiner Strom­kos­ten finanzieren den Transport und die Messung des Stroms. Verantwortlich für den Einbau, den Betrieb und die Ablesung des Stromzählers ist der Mess­stel­len­be­trei­ber. Hast Du kein Unternehmen explizit dafür beauftragt, erledigt das auch der Netzbetreiber für Dich. Die Entgelte für den Zähler sind vergleichsweise gering: Zwischen 8 und 19 Euro (brutto) zahlen die meisten Haushalte im Jahr. Die Kosten werden aber steigen: Bis 2032 müssen überall in Deutschland moderne Messgeräte installiert sein, die bis zu 20 Euro im Jahr kosten dürfen. Wer mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr benötigt, erhält ein teureres Messssystem.

Die Entgelte für den Transport über das öffentliche Stromnetz erhebt der Netzbetreiber. Diesen kannst Du nicht selbst wählen: Dein Netzbetreiber ist das Unternehmen, an dessen Stromnetz Du geschlossen bist. Von Deinem Wohnort hängt damit entscheidend die Höhe des Strompreises ab.

Denn die Netzentgelte variieren in Deutschland stark, wie die nachfolgende Karte der Bundesnetzagentur zeigt. Am meisten zahlen Verbraucher in Teilen von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Eher niedrig waren die Entgelte für Haushalte bislang in großen Städten sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Wie groß die Unterschiede aktuell zwischen den höchsten und niedrigsten Netzentgelten in Deutschland sein können, ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt – in Düsseldorf etwa sind die Entgelte nur halb so hoch wie in weiten Teilen Norddeutschlands. 

Netzentgelte in Deutschland

RegionNetz-
betreiber
Grund-
preis
2022
(€/Jahr)
Arbeits-
preis
2022
(ct/kWh)

Kosten bei
2.500 kWh
Verbrauch

(ct/kWh)

Mehr-/
Minder-
kosten
zu 2021
DüsseldorfDüsseldorfer Netzgesellschaft14,285,976,55

+ 3,2 %

München und UmgebungSWM Infrastruktur50,194,347,35

+ 5,8 %

Nürnberg und UmgebungN-ergie Netz59,505,167,54+ 11 %
BremenWesernetz61,885,167,64+ 14,6 %
Hannover und Umgebungenercity Netzgesellschaft32,136,607,89- 6,5 %
BerlinStromnetz Berlin39,706,598,18+ 1,5 %
Köln und UmgebungNetzdienste Rhein-Main23,787,50

8,46

+ 3,4 %
LeipzigNetz Leipzig71,405,608,46- 2,7 %
KielSW Kiel Netz80,685,578,80- 0,3 %
StuttgartStuttgart Netze08,848,84+ 6,8 %
Rheinland-PfalzEnergienetz Mittelrhein82,536,079,37+ 4,7 %
Schleswig-Holstein, NiedersachsenEWE Netz114,244,979,54- 0,9 %
BayernBayernwerk82,536,269,56+ 0,8 %
DortmundDortmunder Netz103,735,469,61+ 4,8 %
Sachsen und Sachsen-AnhaltMitnetz86,876,509,97+ 1,2 %
Augsburg und UmgebungLEW Netz82,536,8010,10+ 1,6 %
NRW, Rheinland-Pfalz und SaarlandWestnetz82,537,1410,44+ 4,4 %
ThüringenThüringer Energienetze83,307,1910,52+ 1,4 %
Hessen, Niedersachsen, NRW, Thüringen und Rheinland-PfalzEnergienetz Mitte104,246,3510,52+8,8 %
Niedersachsen und Sachsen-AnhaltAvacon82,537,5110,81+ 3,8 %
Paderborn und UmgebungWestfalen Weser Netz91,217,2410,88+ 2,5 %
Baden-WürttembergNetze BW47,608,9810,89+ 2,2 %
HamburgEnergienetz Hamburg71,408,8111,66+ 7,2 %
Brandenburg und Mecklenburg-VorpommernEdis82,539,4212,73+ 5,8 %
Mecklenburg-VorpommernWemag Netz112,819,1713,69+ 10,3 %
Schleswig-Holstein und NiedersachsenSchleswig-Holstein Netz86,8711,7215,20+ 6,5 %

Die Angaben sind den Preisblättern der Netzbetreiber entnommen; die Preise für 2022 sind noch vorläufig. Es handelt sich stets um Bruttopreise, die keine Entgelte für den Messstellenbetrieb beinhalten. Die Werte für die Kosten pro Kilowattstunde und die prozentuale Abweichung sind gerundet. Die Liste ist nach der Höhe der Netzentgelte aufsteigend sortiert.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 8. November 2021)

Die Entgelte können die Netzbetreiber nicht völlig frei bestimmen. Die Bundesnetzagentur prüft und genehmigt die Kosten der Unternehmen, die diese dann auf die Verbraucher an ihrem Stromnetz umlegen. Das bedeutet: Je dichter eine Region besiedelt ist, desto geringer können die Entgelte sein. Daher zahlen Haushalte in großen Städten meist weniger als jene in ländlichen Regionen.

Die Bundesnetzagentur kann diese regionalen Unterschiede nicht aufheben. Durch die Regulierung können sie aber sinken. Seit 2020 sind die Entgelte mehrheitlich in Deutschland gestiegen. Die Veränderungen zum 1. Januar 2022 sind für 25 größere Verteilnetzgebiete in der Tabelle aufgeführt.

Die höheren Kosten liegen an notwendigen Investitionen, um die Stromnetze intakt zu halten, aber auch am Umbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende. Sollte künftig Strom stärker zum Heizen und zum Antreiben von Fahrzeugen dienen, sind weitere Investitionen notwendig.

Deutsche Verbraucher zahlen mit die höchsten Strompreise in Europa

Vor allem aufgrund der hohen Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom zahlten Verbraucher in Deutschland bis 2021 hohe Strompreise. Im zweiten Halbjahr 2021 gehörten sie zu den höchsten in der Europäischen Union. Bei sehr niedrigem Verbrauch war der Strom in Spanien teurer; in den anderen Verbrauchsklassen lagen Dänemark und teilweise Irland vor Deutschland. Bei sehr hohem Verbrauch lag Deutschland an der Spitze. Durch den Wegfall der EEG-Umlage zur Jahresmitte 2022 dürfte Deutschland nicht mehr zu den drei teuersten Ländern beim Strom gehören. Daten dazu werden aber erst im Frühling 2023 veröffentlicht.

Durchschnittliche Strompreise für Haushalte

Jahresverbrauchin Deutschlandim Euroraumin der EU
unter 1.000 kWh47,56 ct/kWh40,80 ct/kWh38,55 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh35,88 ct/kWh27,74 ct/kWh26,49 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh32,34 ct/kWh24,74 ct/kWh23,69 ct/kWh
5.000 bis 15.000 kWh29,41 ct/kWh22,97 ct/kWh21,69 ct/kWh

Die Preise basieren auf Daten aus allen EU-Ländern aus dem zweiten Halbjahr 2021.
Quelle: Eurostat (Stand: 9. April 2022)

Werden nur Netzentgelte und die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb betrachtet, liegt Deutschland bislang auf Platz 7 bis 13 der Länder mit den höchsten Preisen, je nach Verbrauchsmenge.

Stärkere Lasten auf Strom als auf andere Brennstoffe

Auch im Vergleich mit anderen Energiearten hebt sich der Preis für Strom ab: Eine Kilowattstunde Strom ist 2022 mehr als doppelt so teuer wie eine Kilowattstunde Gas. Während auch nach Wegfall der EEG-Umlage noch 5 Cent pro Kilowattstunde (netto) für Umlagen, Konzessionsabgabe und Stromsteuer anfallen, belastet der Staat Erdgas im Vergleich gering: mit 0,55 Cent (netto) pro Kilowattstunde Gassteuer, 0,03 Cent pro Kilowattstunde Konzessionsabgabe sowie seit 2021 mit dem CO2-Preis. Dieser beträgt 2022 0,545 Cent (netto) pro Kilowattstunde. Erdgassteuer, Abgabe und CO2-Preis zusammen machen damit rund 1,1 Cent pro Kilowattstunde aus. Beim Heizöl erhebt der Staat die Energiesteuer in Höhe von 6,14 Cent (netto) pro Liter (oder rund 0,6 Cent pro Kilowattstunde) sowie ebenfalls den CO2-Preis – 2022 beträgt er für Heizöl rund 8 Cent (netto) pro Liter (oder 0,8 Cent pro Kilowattstunde) – insgesamt beträgt die Belastung damit 1,4 Cent pro Kilowattstunde. Die Mehrwertsteuer, die auf alle Energiearten gleichermaßen anfällt, verstärkt das Gefälle noch: Je höher die Nettokosten schon sind, desto teurer ist die Energie am Ende für den Verbraucher.

Das Ungleichgewicht kritisieren Verbraucherschützer, Umweltverbände, Industrie und auch die Energiewirtschaft seit Jahren, auch noch nach Einführung des CO2-Preises. Der CO2-Preis auf fossile Brennstoffe und Kraftstoffe steigt mindestens bis 2026 und verteuert Erdgas, Heizöl, Benzin, Diesel und auch Fernwärme, sofern der Lieferant die Wärme nicht aus erneuerbaren Energien gewinnt. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis verwendet der Staat dazu, einen Teil der EEG-Kosten zu tragen.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

  • Den Stromanbieter zu wechseln, zahlt sich häufig aus.
  • Wie Du vorgehen solltest, erfährst Du in unserem Ratgeber.

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