Strompreise

Warum Verbraucher wenig durch die Energiewende sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise für private Haushalte mehr als verdoppelt.
  • Das liegt vorrangig an steigenden Steuern, Abgaben und Umlagen. Sie machen heute mehr als die Hälfte des Preises für Haushaltsstrom aus.
  • Auch die Entgelte für den Transport elektrischer Energie über die Stromnetze steigen – aber nicht bundesweit einheitlich. So gibt es Regionen, in denen Strom deutlich mehr kostet als in anderen.
  • Der Einfluss der Versorger auf den Strompreis ist dagegen geschrumpft. Im Schnitt bestimmen sie noch zu einem Fünftel seine Höhe.
  • Um die Strompreise zu senken, diskutieren die im Bundestag vertretenen Parteien über eine Reform der staatlichen Preisbestandteile.

So gehen Sie vor

  • Auch wenn nur ein kleiner Teil des Strompreises an den Versorger fließt: Welche Kosten er für den Vertrieb berechnet, variiert je nach Anbieter stark.
  • In der Grundversorgung sind die Tarife für Haushaltsstrom an einem Ort am höchsten. Aber auch alternative Angebote können um mehrere Cent pro Kilowattstunde voneinander abweichen.
  • Deshalb sollten Sie Stromtarife vergleichen. Wir empfehlen dazu unseren Vergleichsrechner.
  • Sagt Ihnen ein Angebot zu, so wechseln Sie den Stromanbieter.
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Bei der Stromversorgung kommt die Energiewende gut voran. Ein Drittel des Bedarfs stammt heute aus regenerativen Quellen. Davon sind die Wärmeversorgung und der Verkehrsbereich noch weit entfernt.

Dafür hat Strom heute einen stolzen Preis: 29,4 Cent kostet eine Kilowattstunde im Schnitt, wenn ein Haushalt 3.500 Kilowattstunden im Jahr bezieht. Im Jahr 2000 waren es noch rund 14 Cent. Seither führte der Gesetzgeber fünf Umlagen ein. Sie dienen allesamt dazu, die Energiewende voranzutreiben. Jeder Verbraucher finanziert sie über den Strompreis. Angestiegen sind auch die Entgelte für die Stromnetze. Je stärker die einzelnen Posten wachsen, desto mehr Mehrwertsteuer fällt am Ende an. Das ist schön für den Haushalt der Bundesrepublik, aber weniger schön für jeden Verbraucher.

Gesunken sind dafür die Strompreise an der Börse, dank der erneuerbaren Energien. Diesen Vorteil haben aber die gestiegenen Umlagen und Steuern mehr als aufgefressen, beim Verbraucher kommt davon wenig bis gar nichts an.

Die Angaben gelten für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Angaben zu den Strompreisen für Haushalte zwischen der Bundesnetzagentur und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht. Während der BDEW alle Angaben für einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr macht, mittelt die Bundesnetzagentur die Preise für Kunden mit einem Jahresbezug zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden.

Weiter unten wird stets auf die Daten der Bundesnetzagentur Bezug genommen.

 

Der größte Teil des Strompreises geht an Staat und Netzbetreiber

Was Sie über den Strompreis alles finanzieren, können Sie jedes Jahr Ihrer Abrechnung entnehmen. Allerdings erklärt kaum ein Versorger, was sich hinter Begriffen wie „§ 19 Strom-NEV-Umlage“ oder „KWKG-Umlage“ verbirgt.

Die Kosten lassen sich in drei Blöcke aufteilen: Der größte umfasst dabei die staatlich festgelegten Umlagen, Abgaben und Steuern. Dahinter folgen die Kosten für den Transport und die Messung von Strom. Der Stromversorger rechnet diese beiden Kostenblöcke zwar beim Verbraucher ab. Aber er reicht die Einnahmen weiter – an die Staatskasse, an die Netzbetreiber und die Messstellenbetreiber. Lediglich der Kostenanteil Preisanteil für die Beschaffung und Lieferung des Stroms bleibt beim Versorger. Dieser dritte Kostenblock ist heute der kleinste: Rund 22 Prozent des Preises einer Kilowattstunde nimmt der Stromversorger im Schnitt selbst ein.

Die Angaben gelten für Haushalte mit 2.500 bis 5.000 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr. Sie sind gemittelt über alle Vertragskategorien hinweg, also umfassen sowohl Tarife in der Grundversorgung als auch außerhalb der Grundversorgung.

Stromkosten variieren deutlich – trotz starken staatlichen Einflusses

Ein Blick auf die drei Kostenblöcke macht deutlich, dass der Gesetzgeber den Strompreis stark beeinflusst. Die Umlagen, Abgaben und Steuern legt er konkret fest. Die Höhe der Entgelte für den Stromtransport genehmigt er jedem einzelnen Netzbetreiber. Wie sich der Strompreis weiterentwickelt, hängt damit entscheidend von der Politik ab.

Es gibt längst Vorschläge und Forderungen aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Reform der staatlichen Belastungen des Strompreises. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat wiederholt vorgeschlagen, die Stromsteuer auf ein Minimum zu senken und die teilweise Befreiung der Industrie von der Zahlung der EEG-Umlage aus Steuermitteln zu finanzieren. Auf diese Weise könnten sich die Stromkosten um mehr als 4 Cent pro Kilowattstunde verringern.

Wer nicht auf dazu notwendige Gesetzesänderungen warten will, kann seine Ausgaben durch den Wechsel des Versorgers reduzieren. Auch wenn die Lieferanten den Strompreis im Schnitt nur zu einem Fünftel bestimmen – ob ein Versorger für die Beschaffung und Lieferung von Strom 5 oder 7 Cent (netto) pro Kilowattstunde verlangt, macht je nach Bezug einen deutlichen Unterschied: Bei 2.000 Verbrauchseinheiten für einen Haushalt mit zwei Personen beträgt die Ersparnis rund 50 Euro (brutto); bei 3.500 Kilowattstunden sind es rund 83 Euro (brutto).

Der Wettbewerb unter den Lieferanten ist überaus lebendig. Ein Vergleich von Stromtarifen lohnt sich jederzeit. Damit Sie gute Angebote finden, empfehlen wir unseren Finanztip-Stromrechner. Er ist nach unseren verbraucherfreundlichen Kriterien voreingestellt.

Strompreise im Detail: 1. Spielraum der Versorger bei wenigen Cent

Der Markt spielt beim Strompreis eine untergeordnete Rolle. Der Staat und die Netzbetreiber dominieren seine Höhe. Den Stromversorgern bleibt damit nur ein kleiner Spielraum, die Preise zu gestalten. Im Schnitt berechneten sie 2017 nach Angaben der Bundesnetzagentur 6,42 Cent pro Kilowattstunde (netto) für die Beschaffung und Lieferung von Strom. Enthalten ist in dem Betrag auch der Gewinn, den die Unternehmen erzielen. Der Anteil am durchschnittlichen Strompreis ist gering – rund 21,5 Prozent dessen, was Verbraucher über die Stromrechnung bezahlen, bleibt beim Versorger.

Dieser Betrag von 6,42 Cent pro Kilowattstunde könnte 2018 wieder steigen. Denn die Handelspreise für Strom sind nach einem Tief im Jahr 2016 wieder leicht gestiegen. Im Schnitt kostete 2017 eine Kilowattstunde am Spotmarkt der Strombörse wieder mehr als 3 Cent. Auch die Preise für Strom, den ein Energieversorger erst 2018 liefert, sind auf deutlich über 3 Cent pro Kilowattstunde gestiegen.

Wie viel der Versorger für seine Dienste berechnet, entscheidet, wie günstig ein Stromtarif sein kann. Grundsätzlich verlangen Unternehmen in der Grundversorgung das meiste: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt haben in ihrem Monitoringbericht für das Jahr 2017 zwischen 7,32 und 10,42 Cent pro Kilowattstunde (netto) angegeben, abhängig vom Stromverbrauch des Haushalts. Je mehr jemand verbraucht, desto günstiger wird es pro Einheit. Deutlich weniger stellten Unternehmen in Rechnung, die nicht der Grundversorger in einer Region sind – nämlich zwischen 5,58 und 7,71 Cent pro Kilowattstunde.

Kosten, die Stromversorger im Schnitt berechnen - je nach Verbrauch

Stromverbrauch im JahrTarif in der Grundversorgung anderer Tarif beim GrundversorgerTarif bei anderem Versorger als Grundversorger
weniger als 1.000 kWh 45,58 Ct/kWh 40,75 Ct/kWh 37,87 Ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh 33,23 Ct/kWh 30,97 Ct/kWh 31,38 Ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh 30,94 Ct/kWh 29,61 Ct/kWh 29,12 Ct/kWh

Es handelt sich um mengengewichtete Angaben für das Jahr 2017.

Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: November 2017)

Strompreise im Detail: 2. Steigende Umlagen, Abgaben, Steuern

Rund 54 Prozent der Stromkosten bestimmt der Staat. Für Umlagen, Abgaben und Steuern zahlen Sie heute rund 16 Cent pro Kilowattstunde (netto). Der Betrag hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdreifacht. Die Finanzierung des nationalen Großprojekts „Energiewende“ hat der Gesetzgeber mehrfach gelöst, indem er Kosten auf die Stromverbraucher umlegte.

Die EEG-Umlage

In der Diskussion ist seit einigen Jahren die EEG-Umlage, auch Ökostromumlage genannt. Sie dient dazu, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gewährte Förderung von Ökostrom zu finanzieren. Ihre Höhe bestimmen die Übertragungsnetzbetreiber jedes Jahr neu. Sie ist seit ihrer Einführung im Jahr 2000 beinahe stetig angestiegen. 2018 beträgt sie 6,792 Cent pro Kilowattstunde. 2019 fällt sie - das zweite Jahr in Folge - auf 6,405 Cent pro Kilowattstunde.

Dass die Umlage seit ihrer Einführung stark gestiegen ist, liegt nicht allein daran, dass mehr und mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen ans Netz gingen. Den eingespeisten Ökostrom nehmen die Netzbetreiber ab und verkaufen ihn an der Börse. Aus diesen Einnahmen und den Mitteln aus der EEG-Umlage bezahlen sie die Erzeuger.

Je weniger dabei der Strom an der Börse wert ist, desto mehr Geld muss über die Umlage fließen. Gerade aber Wind- und Sonnenstrom haben dafür gesorgt, dass die Börsenpreise von 2012 bis 2017 stark gesunken sind. Dass die EEG-Umlage zum Jahreswechsel 2019 fällt, beruht aber vor allem darauf, dass die Preise an der Strombörse 2018 wieder gestiegen sind - erzielt Ökostrom höhere Preise am Markt, müssen die Verbraucher weniger zubuttern, damit die gesetzlich garantierten Fördertarife an die Erzeuger fließen können.

Einen dritten Einflussfaktor stellen alle Stromverbraucher selbst dar. Bestimmte Unternehmen brauchen nur anteilig EEG-Umlage zahlen. 2017 nutzten rund 2.100 Firmen das Privileg und sparten so nach Berechnung des Leipziger Instituts für Energie mehr als 4 Milliarden Euro. 2018 profitieren mit rund 1.900 weniger Firmen von der Regelung. Gegen die Privilegierung der Industrie läuft eine Klage des Vereins Sonneninitiative e.V.

In den 20er Jahren soll die EEG-Umlage weiter abschmelzen, prognostiziert das Öko-Institut. Ab 2021 endet die Förderung für die ältesten Ökostrom-Kraftwerke. Mehr und mehr Anlagenbetreiber erhalten dann keine EEG-Vergütung für ihren Strom mehr.

Quelle: Übertragungsnetzbetreiber (Stand: 21. Dezember 2017)

Die KWKG-Umlage

Die KWKG-Umlage funktioniert ähnlich wie die EEG-Umlage. Sie basiert auf dem KWK-Gesetz und finanziert nicht den Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, sondern aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Das sind Anlagen wie Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme zugleich produzieren. Bedingung für eine Förderung ist, dass es sich um neue oder modernisierte Anlagen handelt, die effizient und umweltfreundlich arbeiten. Die Netzbetreiber schütten die Zuschläge an die Betreiber aus und holen die Mittel über die Umlage wieder herein. Diese liegt 2018 bei 0,345 Cent pro Kilowattstunde.

Mehrwertsteuer und Stromsteuer

Die Mehrwertsteuer ist der zweithöchste Posten unter den Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom. Ihre konkrete Höhe hängt vom Netto-Strompreis ab. Im Schnitt zahlt ein Verbraucher 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde an den Fiskus.

An dritter Stelle steht die Stromsteuer. Pro Kilowattstunde zahlen Sie 2,05 Cent. Die Steuer führte die Bundesrepublik 1999 ein. Ziel war es, Strom teurer zu machen und mit den Einnahmen die Sozialabgaben auf Löhne zu senken. 2017 betrugen die Einnahmen aus der Stromsteuer rund 6,6 Milliarden Euro. Überwiegend fließt das Geld in die Rentenkasse.

Die Konzessionsabgabe

Diese Abgabe fließt direkt den Kommunen zu. Die Konzessionsabgabe erhält eine Stadt oder Gemeinde dafür, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Die Netzbetreiber zahlen die Abgabe dafür, dass sie diese Wege nutzen dürfen.

Die Höhe der Abgabe legen Kommune und Netzbetreiber vertraglich fest. Sie ist aber nicht völlig frei wählbar: Es gibt gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Diese unterscheiden sich danach, ob sich ein Haushalt in der Grundversorgung befindet oder einen alternativen Liefervertrag hat. Wer in der Grundversorgung ist, zahlt umso mehr, je mehr Einwohner seine Gemeinde zählt.

Gewöhnlich schöpfen die Städte und Gemeinden die Preisobergrenzen aus. Das bedeutet dann: In der Grundversorgung zahlen Sie 1,32 bis 2,39 Cent pro Kilowattstunde für das Wegenutzungsrecht. Mit jedem anderen Liefervertrag beträgt die Abgabe 0,11 Cent pro Kilowattstunde.

Dieser erhebliche Unterschied ist ein Grund dafür, dass die Tarife in der Grundversorgung teurer sind. Wenn Sie Ihren aktuellen Stromversorger nicht bewusst gewählt haben, sondern in Ihre Wohnung eingezogen sind und Strom genutzt haben, ohne zuvor einen Lieferanten zu beauftragen, befinden Sie sich in der Grundversorgung. Dann sollten Sie schnell den Liefervertrag wechseln.

Umlagen für die Netzbetreiber

Es gibt drei weitere Umlagen, die an die Netzbetreiber fließen. Die Mittel sollen ihnen helfen, bestimmte Mehrkosten auszugleichen. Ihre Höhe war bis 2018 vergleichsweise gering. Ab 2019 ändert sich das: Vermutlich erhöhen die drei Umlagen den Strompreis um rund einen Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Durch die Offshore-Netzumlage (bis 2018 Offshore-Haftungsumlage genannt) kompensieren die Netzbetreiber die Entschädigungszahlung an die Betreiber von Windparks auf See. Einen Anspruch auf Entschädigung haben diese Betreiber, wenn ihre Anlagen noch nicht ans Stromnetz geschlossen sind und sie deswegen ihren Strom nicht einspeisen und sie deshalb die gesetzliche Vergütung nicht beziehen können. 2019 beträgt die Umlage 0,416 Cent pro Kilowattstunde - sie erhöht sich um Faktor elf.

Über die Umlage für abschaltbare Lasten bezahlen die Übertragungsnetzbetreiber vor allem Industriebetriebe, die ihnen gestatten, die Stromversorgung einzelner Maschinen zu unterbrechen. Das erlaubt den Netzbetreibern in Zeiten hoher Stromnachfrage, das Stromnetz auszubalancieren. 2018 steigt die Umlage auf 0,011 Cent pro Kilowattstunde.

Die §-19-Strom-NEV-Umlage trägt zur Finanzierung individueller Netzentgelte bei, die günstiger sind als die regulären Entgelte. Vor allem Unternehmen nehmen sie in Anspruch, die entweder einen konstant hohen Stromverbrauch haben oder dann viel Strom verbrauchen, wenn die Nachfrage gering ist. Auf diese Weise belasten sie das Stromnetz vergleichsweise wenig, und das belohnen die Netzbetreiber. Diese Vergünstigung bezahlen alle Haushalte 2018 mit 0,37 Cent pro Kilowattstunde.

Strompreise im Detail: 3. Kosten für Stromtransport und Messung

Mit rund einem Viertel Ihrer Stromkosten finanzieren Sie den Transport und die Messung des Stroms. Verantwortlich für den Einbau, den Betrieb und die Ablesung des Stromzählers ist der Messstellenbetreiber. Haben Sie kein Unternehmen explizit dafür beauftragt, erledigt das auch der Netzbetreiber für Sie. Die Entgelte für den Zähler sind vergleichsweise gering: Zwischen 8 und 16 Euro zahlen die meisten Haushalte heute im Jahr. Die Kosten dürften aber steigen: Bis 2032 müssen überall in Deutschland moderne Messgeräte installiert sein, die teurer sein können.

Die Entgelte für den Transport über das öffentliche Stromnetz erhebt der Netzbetreiber. Diesen können Sie nicht selbst wählen: Ihr Netzbetreiber ist das Unternehmen, an dessen Stromnetz Sie geschlossen sind. Von Ihrem Wohnort hängt damit entscheidend die Höhe des Strompreises ab.

Denn die Netzentgelte variieren in Deutschland stark, wie die nachfolgende Karte der Bundesnetzagentur zeigt. Am meisten zahlen Verbraucher in Teilen von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Eher niedrig waren die Entgelte für Haushalte bislang in großen Städten sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Grafik: Bundesnetzagentur (Stand: 1. Januar 2016)

Wie groß die Unterschiede aktuell zwischen den höchsten und niedrigsten Netzentgelten in Deutschland sein können, ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. 

Netzentgelte unterschiedlicher Netzbetreiber

RegionNetzbetreiber Grundpreis 2017 in Euro/JahrArbeitspreis 2017 in Cent/kWh Grundpreis 2018 in Euro/Jahr Arbeitspreis 2018 in Cent/kWh
Stadt Bremen Wesernetz Bremen 58,00 3,59 50,00 2,85
Stadt Düsseldorf Düsseldorfer Netzgesellschaft 12,00 4,54 12,00 4,80
Stadt Münster Münster Netz 48,00 3,83 60,00 3,88
Köln und Umgebung Rheinische Netzgesellschaft 80,00 3,85 95,00 3,20
Stadt Hamburg Stromnetz Hamburg 36,00 5,73 48,00 5,26
Norden von Niedersachsen EWE Netz 70,00 6,36 96,00 4,83
große Teile von Bayern Bayernwerk 60,00 6,22 62,05 5,50
Stadt Berlin Stromnetz Berlin 33,36 5,35 33,36 4,69
Stadt München und Umgebung SWM Infrastruktur 42,18 5,92 42,17 5,03
große Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland Westnetz 51,10 5,00 54,75 5,05
Süden von Niedersachsen und Norden von Sachsen-Anhalt Avacon Netz 60,00 6,71 62,05 5,98
große Teile von Baden-Württemberg Netze BW - 7,49 28,00 7,31
Westen von Mecklenburg-Vorpommern Wemag Netz 76,80 9,17 76,80 8,35
Osten von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Edis Netz 58,40 9,88 62,05 7,51
große Teile von Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Netz 60,00 6,84 62,05 8,20

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 18. Oktober 2017). Die Angaben sind aus den Preisblättern der Netzbetreiber entnommen, die Preise für 2018 sind noch vorläufig. Es handelt sich stets um Netto-Preise. Die Liste ist nach der Höhe der Netzentgelte aufsteigend sortiert.

Die Entgelte können die Netzbetreiber nicht völlig frei bestimmen. Die Bundesnetzagentur prüft und genehmigt die Kosten der Unternehmen, die diese dann auf die Verbraucher an ihrem Stromnetz umlegen. Das bedeutet: Je dichter eine Region besiedelt ist, desto geringer können die Entgelte sein. Daher zahlen Haushalte in großen Städten im Schnitt weniger als jene in ländlichen Regionen.

Die Bundesnetzagentur kann diese regionalen Unterschiede nicht aufheben. Durch die Regulierung können sie aber sinken. So verringerten sich die Entgelte 2018 in weiten Teilen Deutschlands, nachdem sie 2017 in vielen Regionen Höchstwerte erreicht hatten.

Die höheren Kosten liegen an notwendigen Investitionen, um die Stromnetze intakt zu halten, aber auch am Umbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende. Sollte künftig Strom stärker zum Heizen und zum Antreiben von Fahrzeugen dienen, sind weitere Investitionen notwendig.

Deutsche Verbraucher zahlen höchste Strompreise in Europa

Vor allem aufgrund der wachsenden Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom zahlen Verbraucher in Deutschland heute die höchsten Strompreise in der Europäischen Union. Bis Ende 2016 lag Dänemark vorn.

Im Schnitt zahlen Verbraucher in den 28 Mitgliedsländern mindestens 10 Cent pro Kilowattstunde weniger als Haushalte in Deutschland. Ohne Steuern, Umlagen und Abgaben liegt Deutschland je nach Verbrauchsmenge auf Platz 6 oder 8 der EU-Länder mit den höchsten Preisen für Haushalte.

Durchschnittliche Strompreise für Haushalte

Jahresverbrauchin Deutschlandim Euroraumin der EU
unter 1.000 kWh47,42 ct/kWh39,03 ct/kWh34,75 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh33,62 ct/kWh24,44 ct/kWh22,75 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh30,48 ct/kWh21,96 ct/kWh20,41 ct/kWh
5.000 bis 15.000 kWh28,76 ct/kWh20,63 ct/kWh18,82 ct/kWh
Quelle: Eurostat (Stand: 23. Januar 2018)

Die Preise basieren auf Daten aus allen EU-Ländern aus dem ersten Halbjahr 2017.

Auch im Vergleich mit anderen Energiearten hebt sich der Preis für Strom ab: Eine Kilowattstunde Strom ist 2018 mehr als dreimal so teuer als eine Kilowattstunde Gas. Während 11,2 Cent pro Kilowattstunde (netto) für Umlagen, Abgaben und die Ökosteuer beim Strom anfallen, sind es beim Gas 0,63 Cent pro Kilowattstunde (netto). Beim Heizöl erhebt der Staat lediglich die Energiesteuer - und belastet den Brennstoff damit am geringsten. Die Mehrwertsteuer, die auf alle Energiearten gleichermaßen anfällt, verstärkt das Gefälle noch: Je höher die Kosten, desto teurer ist die Energie am Ende für den Verbraucher.

Das Ungleichgewicht kritisieren Verbraucherschützer wie auch die Energiewirtschaft selbst und fordern eine Reform der staatlichen Belastungen auf Strom.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

Finanztip-Redaktion

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.