Strompreise

Warum Verbraucher wenig durch die Energiewende sparen

Ines Rutschmann Stand: 06. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Seit 2000 hat sich der Strompreis für Haushalte mehr als verdoppelt.
  • Das liegt an steigenden Steuern und Umlagen. Zudem ist der Transport über die Stromnetze wieder teurer geworden.
  • Der Einfluss der Lieferanten auf den Strompreis ist geschrumpft. Sie bestimmen nur noch zu einem kleinen Teil seine Höhe.
So gehen Sie vor
  • Welche Kosten Anbieter berechnen, variiert stärker.
  • Vergleichen Sie Stromtarife deshalb - am einfachsten mit unserem Stromrechner.

Zum Stromrechner

  • Ein Anbieterwechsel schützt Sie nicht vor steigenden Stromkosten. Senken können Sie diese, indem Sie Strom sparen oder eigenen Solarstrom nutzen.

Bei der Stromversorgung kommt die Energiewende gut voran. Mehr als 40 Prozent des Bedarfs stammt heute aus regenerativen Quellen. Davon sind die Wärmeversorgung und der Verkehrsbereich noch weit entfernt. Dafür hat Strom heute einen stolzen Preis: 30,43 Cent kostet eine Kilowattstunde im Juli 2019 im Schnitt, wenn ein Haushalt 3.500 Kilowattstunden im Jahr bezieht. Im Jahr 2000 waren es noch rund 14 Cent. Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft hervor.

Handelspreise für Strom geringer, aber Preise für Verbraucher steigen

Seit Beginn des neuen Jahrtausends führte der Gesetzgeber fünf Umlagen auf Strom ein. Sie dienen allesamt dazu, die Energiewende voranzutreiben. Jeder Verbraucher finanziert sie über den Strompreis. Angestiegen sind auch die Entgelte für die Stromnetze. Je stärker die einzelnen Posten wachsen, desto mehr Mehrwertsteuer fällt am Ende an. Das ist schön für den Haushalt der Bundesrepublik, aber weniger schön für jeden Verbraucher.

Dafür sind die Strompreise an der Börse gesunken – dank der erneuerbaren Energien. Seit 2011 verringerten sich die Beschaffungskosten um insgesamt rund 3 Cent pro Kilowattstunde. Diesen Vorteil haben aber die gestiegenen Umlagen – allen voran die sogenannte EEG-Umlage zur Vergütung von Ökostrom – und die entsprechend höheren Mehrwertsteuerkosten mehr als aufgefressen. Beim Verbraucher kam von den niedrigeren Großhandelspreisen wenig bis gar nichts an.

Ohne Wind- und Solarstrom wären die Strompreise heute aber wohl teurer.Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg in einer Analyse. Sie rekonstruierten die Handelspreise für Strom, wenn dieser vor allem aus Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken stammt, wie sie in Deutschland in Betrieb sind. Ergebnis: Die Handelspreise an der Strombörse wären seit 2013 doppelt bis dreifach so hoch gewesen und hätten den Strompreis für Verbraucher im Jahr 2018 auf mehr als 39 Cent pro Kilowattstunde katapultiert. Tatsächlich zahlten Verbraucher 2018 im Schnitt 30 Cent pro Kilowattstunde. 2019 sind es im Schnitt 31 Cent pro Kilowattstunde.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Angaben zu den Strompreisen für Haushalte zwischen der Bundesnetzagentur und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht. Während der BDEW alle Angaben für einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr macht, mittelt die Bundesnetzagentur die Preise für Kunden mit einem Jahresbezug zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden. Weiter unten nehmen wir stets auf die Daten der Bundesnetzagentur Bezug.

Vergleichen Sie Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Wollen Sie wissen, ob Ihr Strompreis dem entspricht, was der Durchschnitt zahlt, dann vergleichen Sie aktuelle Angebote. Nutzen Sie dazu gern unseren Vergleichsrechner für Stromtarife. Zahlen Sie mehr oder weniger, bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass Ihr Versorger überteuerte Preise verlangt. Auch Ihr Verbrauch und die Region, in der Sie wohnen, spielen eine Rolle bei der Höhe des Strompreises.

Wie lautet Ihre Postleitzahl?
Bitte geben Sie Ihre Postleitzahl an
Kennen Sie Ihren Stromverbrauch im Jahr?
Wie hoch ist Ihr jährlicher Verbrauch?
Bitte geben Sie Ihren Stromverbrauch an
Wie oft wollen Sie Ihren Tarif wechseln?
Wünschen Sie nur Ökostromtarife?
Optional: Was zahlen Sie derzeit?

Der Finanztip-Stromrechner basiert auf Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Sie ein verbraucherfreundliches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien bekommen. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der CHECK24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2019 CHECK24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2019). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Schließen Sie über Verivox oder Check24 den Vertrag ab, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt aber in der Regel erst zustande, wenn Sie der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Der größte Teil des Strompreises geht an Staat und Netzbetreiber

Was Sie über den Strompreis alles finanzieren, können Sie jedes Jahr Ihrer Abrechnung entnehmen. Allerdings erklärt kaum ein Versorger, was sich hinter Begriffen wie „§ 19 Strom-NEV-Umlage“ oder „KWKG-Umlage“ verbirgt.

Die Kosten lassen sich in drei Blöcke aufteilen: Der größte umfasst dabei die staatlich festgelegten Umlagen, Abgaben und Steuern. Dahinter folgen die Kosten für den Transport und die Messung von Strom. Der Stromversorger rechnet diese beiden Kostenblöcke zwar beim Verbraucher ab. Aber er reicht die Einnahmen weiter – an die Staatskasse, an die Netzbetreiber und die Messstellenbetreiber.

Lediglich der Kostenanteil Preisanteil für die Beschaffung und Lieferung des Stroms bleibt beim Versorger. Dieser dritte Kostenblock ist heute der kleinste: Rund 25 Prozent des Preises einer Kilowattstunde nimmt der Stromversorger im Schnitt selbst ein, besagen die Daten der Bundesnetzagentur für das Jahr 2019.

Stromkosten variieren deutlich – trotz starken staatlichen Einflusses

Ein Blick auf die drei Kostenblöcke macht deutlich, dass der Gesetzgeber den Strompreis stark beeinflusst. Die Umlagen, Abgaben und Steuern legt er konkret fest. Die Höhe der Entgelte für den Stromtransport genehmigt er jedem einzelnen Netzbetreiber. Wie sich der Strompreis weiterentwickelt, hängt damit entscheidend von der Politik ab.

Es gibt längst Vorschläge und Forderungen aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Reform der staatlichen Belastungen des Strompreises. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat wiederholt vorgeschlagen, die Stromsteuer auf ein Minimum zu senken und die teilweise Befreiung der Industrie von der Zahlung der EEG-Umlage aus Steuermitteln zu finanzieren. Auf diese Weise könnten sich die Stromkosten um mehr als 4 Cent pro Kilowattstunde verringern.

Möchte Sie nicht auf dazu notwendige Gesetzesänderungen warten, haben Sie drei Möglichkeiten, Ihre Stromkosten zu reduzieren

Wenn Sie Strom sparen oder sich teilweise selbst versorgen, verringern Sie Ihre Stromkosten langfristig. Durch den Wechsel des Versorgers können Sie Ihre Kosten zumindest vergleichsweise niedrig halten. Steigenden Strompreisen und damit steigenden Kosten für elektrische Energie können Sie auf diese Weise aber nicht ausweichen – erhöhen sich Umlagen oder Netzentgelte, wird Strom für alle Verbraucher teurer

Dennoch ist ein Vergleich von Stromtarifen in regelmäßigen Abständen sinnvoll. Denn auch wenn die Lieferanten den Strompreis im Schnitt nur zu einem Viertel bestimmen – ob ein Versorger für die Beschaffung und Lieferung von Strom 6 oder 8 Cent (netto) pro Kilowattstunde verlangt, macht je nach Bezug einen deutlichen Unterschied: Bei 2.000 Verbrauchseinheiten für einen Haushalt mit zwei Personen beträgt die Ersparnis rund 50 Euro (brutto); bei 3.500 Kilowattstunden sind es rund 83 Euro (brutto).

Strompreise im Detail: 1. Spielraum der Versorger bei wenigen Cent

Der Markt spielt beim Strompreis eine untergeordnete Rolle. Der Staat und die Netzbetreiber dominieren seine Höhe. Den Stromversorgern bleibt damit nur ein kleiner Spielraum, die Preise zu gestalten. Im Schnitt berechneten sie im April 2019 nach Angaben der Bundesnetzagentur 7,61 Cent pro Kilowattstunde (netto) für die Beschaffung und Lieferung von Strom. Enthalten ist in dem Betrag auch der Gewinn, den die Unternehmen erzielen. Der Anteil am durchschnittlichen Strompreis ist gering – rund 25 Prozent dessen, was Verbraucher über die Stromrechnung bezahlen, bleibt beim Versorger.

Einkaufen können die Versorger die elektrische Energie an der Strombörse EEX oder direkt beim Erzeuger. 2018 kostete eine Kilowattstunde am Spotmarkt der Strombörse rund 4,5 Cent. 2019 sind die Preise an der Börse leicht gesunken.

Wie viel der Versorger für seine Dienste berechnet, entscheidet, wie günstig ein Stromtarif sein kann. Grundsätzlich verlangen Unternehmen in der Grundversorgung das meiste: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt haben in ihrem Monitoringbericht für das Jahr 2019 zwischen 8,23 und 12,72 Cent pro Kilowattstunde (netto) angegeben, abhängig vom Stromverbrauch des Haushalts. Je mehr jemand verbraucht, desto günstiger wird es pro Einheit. Rund 2 Cent weniger pro Kilowattstunde berechnen dagegen Unternehmen für ihre Dienste, die nicht der Grundversorger in einer Region sind – nämlich zwischen 6,27 und 10,93 Cent pro Kilowattstunde. 

Kosten, die Stromversorger im Schnitt berechnen - je nach Verbrauch

Stromverbrauch
im Jahr
Tarif in der
Grundversorgung
anderer Tarif beim
Grundversorger
Tarif bei anderem
Versorger als
Grundversorger
weniger als 1.000 kWh48,92 Ct/kWh44,65 Ct/kWh43,71 Ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh34,69 Ct/kWh32,68 Ct/kWh32,91 Ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh31,94 Ct/kWh30,46 Ct/kWh30,46 Ct/kWh
5.000 bis 10.000 kWh30,60 Ct/kWh29,08 Ct/kWh28,18 Ct/kWh

Es handelt sich um mengengewichtete Angaben für das Jahr 2019.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. November 2019)

Strompreise im Detail: 2. Steigende Umlagen, Abgaben, Steuern

Rund 52 Prozent der Stromkosten bestimmt der Staat. Für Umlagen, Abgaben und Steuern zahlen Sie heute rund 16 Cent pro Kilowattstunde – inklusive der Mehrwertsteuer. Der Betrag hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdreifacht. Die Finanzierung des nationalen Großprojekts „Energiewende“ hat der Gesetzgeber mehrfach gelöst, indem er Kosten auf die Stromverbraucher umlegte.

Die EEG-Umlage

In der Diskussion ist seit einigen Jahren die EEG-Umlage, auch Ökostromumlage genannt. Sie dient dazu, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gewährte Förderung von Ökostrom zu finanzieren. Ihre Höhe bestimmen die Übertragungsnetzbetreiber jedes Jahr neu. Sie ist seit ihrer Einführung im Jahr 2000 beinahe stetig gestiegen. 2019 beträgt sie 6,405 Cent pro Kilowattstunde. 2020 klettert sie auf 6,756 Cent pro Kilowattstunde.

Dass die Umlage seit ihrer Einführung stark gestiegen ist, liegt nicht allein daran, dass mehr und mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen ans Netz gingen. Den eingespeisten Ökostrom nehmen die Netzbetreiber ab und verkaufen ihn an der Börse. Aus diesen Einnahmen und den Mitteln aus der EEG-Umlage bezahlen sie die Erzeuger.

Je weniger dabei der Strom an der Börse wert ist, desto mehr Geld muss über die Umlage fließen. Gerade aber Wind- und Sonnenstrom haben dafür gesorgt, dass die Börsenpreise von 2012 bis 2017 stark gesunken sind. Erzielt Ökostrom dagegen höhere Preise am Markt, müssen die Verbraucher weniger zubuttern, damit die gesetzlich garantierten Fördertarife an die Erzeuger fließen können. Dass nun die EEG-Umlage zum Jahreswechsel 2020 steigt, obwohl die Börsenstrompreise wieder angezogen haben, liegt vor allem daran, dass sich auf dem EEG-Konto wieder größere Reserven sammeln sollen, um die Vergütungszahlungen für Ökostrom jederzeit zu gewährleisten. Um Reserven zu erhöhen, braucht es eine höhere Umlage.

Einen dritten Einflussfaktor stellen alle Stromverbraucher selbst dar. Bestimmte Unternehmen brauchen nur anteilig EEG-Umlage zahlen. 2017 nutzten rund 2.100 Firmen das Privileg und sparten so nach Berechnung des Leipziger Instituts für Energie mehr als 4 Milliarden Euro. 2018 profitieren mit rund 1.900 weniger Firmen von der Regelung; 2019 kletterte die Zahl wieder auf mehr als 2.000 Unternehmen. Gegen die Privilegierung der Industrie läuft eine Klage des Vereins Sonneninitiative e.V.

In den 20er Jahren soll die EEG-Umlage abschmelzen, prognostiziert die Denkwerkstatt Agora Energiewende. Für 2021 erwartet sie, dass die Umlage ein letztes Mal steigt und ab 2022 langsam aber stetig sinkt. Ab 2021 endet die Förderung für die ältesten Ökostrom-Kraftwerke, die zugleich die höchsten Fördertarife erhalten. Fallen mehr und mehr alte Anlagen aus der Förderung, senkt das die EEG-Umlage. Zusätzlich plant der Gesetzgeber, die EEG-Umlage ab 2021 im Rahmen des Klimapakets zu entlasten.

Die EEG-Umlage dient der Finanzierung des über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderten Ökostroms; die KWKG-Umlage finanziert die Förderung von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG).

Die KWKG-Umlage

Die KWKG-Umlage funktioniert ähnlich wie die EEG-Umlage. Sie basiert auf dem KWK-Gesetz und finanziert nicht den Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, sondern aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Das sind Anlagen wie Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme zugleich produzieren. Bedingung für eine Förderung ist, dass es sich um neue oder modernisierte Anlagen handelt, die effizient und umweltfreundlich arbeiten. Die Netzbetreiber schütten die Zuschläge an die Betreiber aus und holen die Mittel über die Umlage wieder herein. Diese liegt 2019 bei 0,28 Cent pro Kilowattstunde und fällt 2020 auf 0,226 Cent pro Kilowattstunde.

Mehrwertsteuer und Stromsteuer

Die Mehrwertsteuer ist der zweithöchste Posten unter den Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom. Ihre konkrete Höhe hängt vom Netto-Strompreis ab. Im Schnitt zahlt ein Verbraucher rund 5 Cent pro Kilowattstunde an den Fiskus.

An dritter Stelle steht die Stromsteuer. Pro Kilowattstunde zahlen Sie 2,05 Cent. Die Steuer führte die Bundesrepublik 1999 ein. Ziel war es, Strom teurer zu machen und mit den Einnahmen die Sozialabgaben auf Löhne zu senken. 2018 betrugen die Einnahmen aus der Stromsteuer rund 7 Milliarden Euro. Überwiegend fließt das Geld in die Rentenkasse.

Die Konzessionsabgabe

Diese Abgabe fließt direkt den Kommunen zu. Die Konzessionsabgabe erhält eine Stadt oder Gemeinde dafür, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Die Netzbetreiber zahlen die Abgabe dafür, dass sie diese Wege nutzen dürfen.

Die Höhe der Abgabe legen Kommune und Netzbetreiber vertraglich fest. Sie ist aber nicht völlig frei wählbar: Es gibt gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Diese unterscheiden sich nach der Größe der Kommune, in der jemand wohnt. Je mehr Einwohner sie zählt, desto höher ist die Abgabe.

Gewöhnlich schöpfen die Städte und Gemeinden die Preisobergrenzen aus. Das bedeutet: Sie zahlen 1,32 bis 2,39 Cent pro Kilowattstunde für das Wegenutzungsrecht. Bei Verbräuchen von mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr kann die Abgabe 0,11 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Umlagen für die Netzbetreiber

Es gibt drei weitere Umlagen, die an die Netzbetreiber fließen. Die Mittel sollen ihnen helfen, bestimmte Mehrkosten auszugleichen. Ihre Höhe war bis 2018 mit maximal einem halben Cent pro Kilowattstunde (brutto) vergleichsweise gering. Seit 2019 erhöhen die drei Umlagen den Strompreis um fast einen Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Durch die Offshore-Netzumlage (bis 2018 Offshore-Haftungsumlage genannt) kompensieren die Netzbetreiber die Entschädigungszahlung an die Betreiber von Windparks auf See. Einen Anspruch auf Entschädigung haben diese Betreiber, wenn ihre Anlagen noch nicht ans Stromnetz geschlossen sind und sie deswegen ihren Strom nicht einspeisen und sie deshalb die gesetzliche Vergütung nicht beziehen können. 2019 und 2020 beträgt die Umlage 0,416 Cent pro Kilowattstunde.

Über die Umlage für abschaltbare Lasten bezahlen die Übertragungsnetzbetreiber vor allem Industriebetriebe, die ihnen gestatten, die Stromversorgung einzelner Maschinen zu unterbrechen. Das erlaubt den Netzbetreibern in Zeiten hoher Stromnachfrage, das Stromnetz auszubalancieren. 2018 beträgt die Umlage 0,005 Cent pro Kilowattstunde. 2020 sind es 0,007 Cent pro Kilowattstunde.

Die §-19-Strom-NEV-Umlage trägt zur Finanzierung individueller Netzentgelte bei, die günstiger sind als die regulären Entgelte. Vor allem Unternehmen nehmen sie in Anspruch, die entweder einen konstant hohen Stromverbrauch haben oder dann viel Strom verbrauchen, wenn die Nachfrage gering ist. Auf diese Weise belasten sie das Stromnetz vergleichsweise wenig, und das belohnen die Netzbetreiber. Diese Vergünstigung bezahlen alle Haushalte 2019 mit 0,305 Cent pro Kilowattstunde. 2020 sind es 0,358 Cent pro Kilowattstunde.

Strompreise im Detail: 3. Kosten für Stromtransport und Messung

Rund 23 Prozent Ihrer Stromkosten finanzieren den Transport und die Messung des Stroms. Verantwortlich für den Einbau, den Betrieb und die Ablesung des Stromzählers ist der Messstellenbetreiber. Haben Sie kein Unternehmen explizit dafür beauftragt, erledigt das auch der Netzbetreiber für Sie. Die Entgelte für den Zähler sind vergleichsweise gering: Zwischen 8 und 19 Euro (brutto) zahlen die meisten Haushalte im Jahr. Die Kosten werden aber steigen: Bis 2032 müssen überall in Deutschland moderne Messgeräte installiert sein, die bis zu 20 Euro im Jahr kosten dürfen.

Die Entgelte für den Transport über das öffentliche Stromnetz erhebt der Netzbetreiber. Diesen können Sie nicht selbst wählen: Ihr Netzbetreiber ist das Unternehmen, an dessen Stromnetz Sie geschlossen sind. Von Ihrem Wohnort hängt damit entscheidend die Höhe des Strompreises ab.

Denn die Netzentgelte variieren in Deutschland stark, wie die nachfolgende Karte der Bundesnetzagentur zeigt. Am meisten zahlen Verbraucher in Teilen von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Eher niedrig waren die Entgelte für Haushalte bislang in großen Städten sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Wie groß die Unterschiede aktuell zwischen den höchsten und niedrigsten Netzentgelten in Deutschland sein können, ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. 

Netzentgelte in Deutschland

RegionNetz-
betreiber
Grund-
preis
2020
(€/Jahr)
Arbeits-
preis
2020
(Ct/kWh)
Kosten bei
2.500 kWh
Verbrauch
Mehr-/
Minder-
kosten
zu 2019
DüsseldorfDüsseldorfer Netzgesellschaft14,285,776,34 Ct/kWh

+ 0,19%

Nürnberg u. UmgebungMain-Donau-Netzgesellschaft47,65,187,08 Ct/kWh-0,17%
BremenWesernetz61,884,717,19 Ct/kWh+0,5%
BerlinStromnetz Berlin39,75,857,44 Ct/kWh+4,86%
München u. UmgebungSWM Infrastruktur50,195,577,58 Ct/kWh+0,32%
StuttgartStuttgart Netze07,687,68 Ct/kWh+ 9,32%
Hannover u. Umgebungenercity Netzgesellschaft32,136,918,2  Ct/kWh+1,47%
LeipzigNetz Leipzig59,56,068,44 Ct/kWh+1,43%
Köln u. UmgebungNetzdienste Rhein-Main23,787,71

8,66

Ct/kWh

+2,68%
Rheinland-PfalzEnergienetz Mittelrhein74,045,728,69 Ct/kWh+4,99%
DortmundDortmunder Netz89,615,469,05 Ct/kWh+9,0%
NRW, Rheinland-Pfalz u. SaarlandWestnetz74,046,269,22 Ct/kWh+8,59%
KielSW Kiel Netz80,686,259,47 Ct/kWh-4,78%
Augsburg u. UmgebungLEW Netz74,046,589,54  Ct/kWh+2,65%
Sachsen u. Sachsen-AnhaltMitnetz86,876,259,72 Ct/kWh+0,99%
NiedersachsenEWE Netz114,245,5310,1 Ct/kWh+5,33%
ThüringenThüringer Energienetze83,36,8510,19 Ct/kWh+2,64%
Hessen, Niedersachsen, NRW, Thüringen u. Rheinland-PfalzEnergienetz Mitte95,826,4610,29 Ct/kWh+4,1%
BayernBayernwerk82,757,0010,31 Ct/kWh+7,36%
Baden-WürttembergNetze BW47,68,5310,44 Ct/kWh+9,49%
HamburgEnergienetz Hamburg71,47,6910,54 Ct/kWh+7,79%
SaarlandEnergienetz Saar82,757,3710,68 Ct/kWh+13,25%
Niedersachsen u. Sachsen-AnhaltAvacon78,47,6510,79 Ct/kWh+11,07%
Paderborn u. UmgebungWestfalen Weser Netz91,217,3410,99 Ct/kWh+6,45%
Mecklenburg-VorpommernWemag Netz91,397,9811,64 Ct/kWh-0,1%
Brandenburg u. Mecklenburg-VorpommernEdis74,048,9411,9 Ct/kWh+0,47%
Schleswig-Holstein u. NiedersachsenSchleswig-Holstein Netz82,7511,1714,48 Ct/kWh+10,43%

Die Angaben sind aus den Preisblättern der Netzbetreiber entnommen, die Preise für 2020 sind noch vorläufig. Es handelt sich stets um Brutto-Preise. Die Werte für die Kosten pro Kilowattstunde und die prozentuale Abweichung sind gerundet. Die Liste ist nach der Höhe der Netzentgelte aufsteigend sortiert.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 16. Oktober 2019)

Die Entgelte können die Netzbetreiber nicht völlig frei bestimmen. Die Bundesnetzagentur prüft und genehmigt die Kosten der Unternehmen, die diese dann auf die Verbraucher an ihrem Stromnetz umlegen. Das bedeutet: Je dichter eine Region besiedelt ist, desto geringer können die Entgelte sein. Daher zahlen Haushalte in großen Städten meist weniger als jene in ländlichen Regionen.

Die Bundesnetzagentur kann diese regionalen Unterschiede nicht aufheben. Durch die Regulierung können sie aber sinken. 2019 sind die Entgelte mehrheitlich in Deutschland gestiegen. Auch 2020 wird das so sein. In wenigen Regionen sinken die Entgelte zum Jahreswechsel 2020. Die Veränderungen sind ebenfalls in der Tabelle aufgeführt.

Die höheren Kosten liegen an notwendigen Investitionen, um die Stromnetze intakt zu halten, aber auch am Umbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende. Sollte künftig Strom stärker zum Heizen und zum Antreiben von Fahrzeugen dienen, sind weitere Investitionen notwendig.

Deutsche Verbraucher zahlen höchste Strompreise in Europa

Aufgrund der hohen Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom zahlen Verbraucher in Deutschland hohe Strompreise. Diese sind 2019 die höchsten in der Europäischen Union – sowohl bei niedrigem, als auch bei mittlerem und hohem Verbrauch.

Im Schnitt zahlen Verbraucher in den 28 Mitgliedsländern für jede Kilowattstunde neun bis zehn Cent weniger als Haushalte in Deutschland. Gegenüber dem Land mit den zweithöchsten Strompreisen – Dänemark – liegen die Preise in Deutschland um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde höher (bei Verbräuchen bis maximal 5.000 Kilowattstunden).

Durchschnittliche Strompreise für Haushalte

Jahresverbrauchin Deutschlandim Euroraumin der EU
unter 1.000 kWh49,85 ct/kWh44,34 ct/kWh39,48 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh34,53 ct/kWh25,82 ct/kWh24,36 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh30,88 ct/kWh22,7 ct/kWh21,47 ct/kWh
5.000 bis 15.000 kWh28,76 ct/kWh20,99 ct/kWh19,64 ct/kWh

Die Preise basieren auf Daten aus allen EU-Ländern aus dem ersten Halbjahr 2019.
Quelle: Eurostat (Stand: 17. Oktober 2019)

Anders sieht es aus, werden nur Netzentgelte und die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb betrachtet: Dann liegt Deutschland zwar bei den teuren Ländern, aber "nur" auf Platz 5 bis 7 (je nach Verbrauchsmenge). Dass Deutschland auch ohne Steuern, Umlagen und Abgaben eher hohe Strompreise verzeichnet, geht auf das Konto der Netzentgelte. Denn die Vertriebsspanne von Stromlieferanten ist nicht hoch und die Handelspreise für Strom sind in Deutschland EU-weit sehr günstig: Nur in Bulgarien und Rumänien (sowie Norwegen) kostete 2018 elektrische Energie im Einkauf geringfügig weniger als in Deutschland.

Stärker Lasten auf Strom als auf andere Brennstoffe

Auch im Vergleich mit anderen Energiearten hebt sich der Preis für Strom ab: Eine Kilowattstunde Strom ist 2019 rund viermal so teuer wie eine Kilowattstunde Gas. Während 9,46 Cent pro Kilowattstunde (netto) nur für Umlagen und Stromsteuer anfallen, kommen beim Gaspreis nur 0,55 Cent (netto) pro Kilowattstunde hinzu. Beim Heizöl erhebt der Staat die Energiesteuer in Höhe von 6,14 Cent (netto) pro Liter. Die Mehrwertsteuer, die auf alle Energiearten gleichermaßen anfällt, verstärkt das Gefälle noch: Je höher die Netto-Kosten schon sind, desto teurer ist die Energie am Ende für den Verbraucher.

Das Ungleichgewicht kritisieren Verbraucherschützer, Umweltverbände, Industrie und die Energiewirtschaft selbst. Sie fordern seit mehreren Jahren eine Reform der staatlichen Belastungen auf Strom und regen an, Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas mit einem CO2-Preis zu belegen. Nur so komme die Energiewende auch im Verkehr und in der Wärmeversorgung voran. Ab 2021 erhebt Deutschland einen CO2-Preis auf fossile Brennstoffe und Kraftstoffe, besiegelt durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

  • Vergleichen Sie Stromtarife und wechseln Sie den Anbieter, wenn es sich lohnt.
  • Unsere Empfehlung: Finanztip-Stromrechner

Zum Ratgeber

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 06. Dezember 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und anzeigenfrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.