Strompreise

Warum Du bislang wenig durch die Energiewende sparst

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
09. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze

Der Krieg in der Ukraine hat die Preise an der Strombörse nach oben getrieben - vor allem, weil Erdgas teurer geworden ist. Gas hatte 2021 einen Anteil von 15 Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Wir halten Dich auf dem Laufenden, welche Rolle Gas künftig bei der Stromerzeugung spielen und wohin sich die Strompreise weiter bewegen werden.

  • Energie-Lieferanten haben vergleichsweise wenig Einfluss auf die Strom­kos­ten. Aber sie entscheiden, ob sie niedrigere Kosten an ihre Kunden weitergeben oder wie stark sie ihre Preise erhöhen.
  • Die Kosten für den Stromeinkauf sind 2021 stark gestiegen und mit Ausbruch des Urkraine-Krieges noch einmal stärker. Die Preise an der Strombörse sind im April 2022 rund viermal so hoch wie im April 2021. 
  • Dafür fällt die EEG-Umlage auf den Strompreis ab Juli 2022 weg. Das entlastet den Strompreis um rund 4,4 Cent pro Kilowattstunde.
So gehst Du vor
  • Vergleiche die Tarife am besten mit unserem Stromrechner, der die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig abfragt und die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien filtert.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und 100 Prozent unabhängig.

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  • Ein Anbieterwechsel kann Dich nicht ganz vor steigenden Preisen bewahren. Senke Strom­kos­ten effektiv, indem Du Strom sparst oder eigenen Solarstrom nutzt.

Bei der Stromversorgung kommt die Energiewende besser voran als in anderen Sektoren. Rund 42 Prozent des Bedarfs stammt heute aus regenerativen Quellen. Davon sind die Wärmeversorgung und der Verkehrsbereich noch weit entfernt. Dafür hat Strom heute einen stolzen Preis: 37,14 Cent kostet eine Kilowattstunde im April 2022 im Schnitt, wenn ein Haushalt 3.500 Kilowattstunden im Jahr bezieht. Im Jahr 2000 waren es noch rund 14 Cent. Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hervor. 

Was kostet eine Kilowattstunde Strom in Deutschland?

Zu Beginn des neuen Jahrtausends führte der Gesetzgeber ein neues Förderinstrument in der Stromversorgung ein: Umlagen. Sie sollen die Energiewende vorantreiben. Der Verbraucher bezahlt sie über den Strompreis, während konventionelle Energien bis heute über Subventionen aus dem Staatshaushalt gefördert werden. Insgesamt fünf Umlagen gibt es auf den Strompreis – sie machen Strom teurer. Immerhin: Ab Juli entfällt die höchste der fünf Umlagen, die EEG-Umlage. Angestiegen sind zudem die Entgelte für die Stromnetze. 

Grundsätzlich unterscheiden sich die Angaben zu den Strompreisen für Haushalte zwischen der Bundesnetzagentur und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) leicht. Während der BDEW alle Angaben für einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr macht, mittelt die Bundesnetzagentur die Preise für Kunden mit einem Jahresbezug zwischen 2.500 und 5.000 Kilowattstunden. Auf welche Daten wir jeweils Bezug nehmen, ist stets angegeben.

Ende 2021 sind die Strompreise noch einmal stärker gestiegen, weil die Beschaffung von Strom an der Börse deutlich teurer geworden ist. Darauf reagiert der Gesetzgeber und hat beschlossen, die EEG-Umlage zum 1. Juli abzuschaffen - die Kosten der Förderung Erneuerbare-Energien-Anlagen soll dann aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden. Verbraucher entlastet das um 4,4 Cent pro Kilowattstunde (brutto), denn die Bundesregierung will auch festlegen, dass die Stromlieferanten die Kostensenkung weitergeben müssen. Allerdings sind mit dem Überfall von Russland auf die Ukraine die Börsenstrompreise noch einmal nach oben geschnellt - im März kostete eine Kilowattstunde Strom mehr als 30 Cent im Einkauf; im April noch mehr als 20 Cent. 

Erneuerbare Energien haben durch die EEG-Umlage den Strompreis seit 2013 stärker erhöht, aber auf anderer Seite auch zu sinkenden Kosten beim Strom geführt: Die Strompreise an der Börse verringerten sich zwischen 2011 bis 2018 um rund 3 Cent pro Kilowattstunde. Ohne Wind- und Solarstrom wären die Handelspreise bis 2018 wohl viel teurer gewesen – und auch die Strompreise für Verbraucher. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg in einer Analyse. Sie rekonstruierten die Handelspreise für Strom, wenn dieser vor allem aus Atom-, Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken stammt, wie sie in Deutschland in Betrieb sind. Ergebnis: Die Handelspreise an der Strombörse wären seit 2013 doppelt bis dreifach so hoch gewesen und hätten den Strompreis für Verbraucher im Jahr 2018 auf mehr als 39 Cent pro Kilowattstunde katapultiert. Tatsächlich zahlten Verbraucher 2018 im Schnitt 30 Cent pro Kilowattstunde.

2021 haben die Börsenstrompreise allerdings stark angezogen und sind 2022 noch teuer geworden. Nach oben getrieben haben die Preise gestiegene Kosten für Steinkohle und Gas und höhere Kosten für Emissionszertifikate. Die Zertifikate müssen die Betreiber von Kohle- oder Gaskraftwerken in der EU kaufen. Der Preise für diese Zertifikate haben sich seit November 2020 verdreifacht. Pro Tonne Kohlendioxid, die bei der Stromproduktion anfällt, sind seit Dezember 2021 mehr als 80 Euro zu zahlen. Das ganze Jahr 2022 und auch 2023 kostet Strom an der Börse noch sehr viel; ab 2024 sinken die Börsenpreise im langfristigen Einkauf stärker, bleiben aber teurer als sie es bis 2020 waren.

Wie teuer die Beschaffung von Strom mittelfristig sein wird, hängt entscheidend davon ab, wie viel Strom Ökokraftwerke produzieren. Je schneller Kraftwerke für erneuerbare Energien ausgebaut werden, desto schneller können die Börsenstrompreise sinken. Sonnenstrom und Windstrom lassen sich viel günstiger erzeugen als Strom aus Kohle oder Erdgas. Zudem sind für Ökostrom keine Emissionszertifikate zu kaufen.

Vergleiche Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Willst Du wissen, ob Dein Strompreis dem entspricht, was der Durchschnitt zahlt, dann vergleiche aktuelle Angebote. Nutze dazu gern unseren Vergleichsrechner für Stromtarife. Zahlst Du mehr oder weniger, bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass Dein Versorger überteuerte Preise verlangt. Auch Dein Verbrauch und die Region, in der Du wohnst, spielen eine Rolle bei der Höhe des Strompreises.

Krieg in der Ukraine: Durch die Krise ist der Strompreis aktuell sehr hoch. Daher lohnt sich ein Anbieterwechsel derzeit nicht in jedem Fall, denn viele Neukundentarife sind teuer. Sobald Neukundenangebote in der Breite wieder günstiger sind, informieren wir Dich in unserem kostenlosen Newsletter. Melde Dich hier an.

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Willst Du über Verivox oder Check24 den Vertrag abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Was Du über den Strompreis alles finanzierst, kannst Du jedes Jahr Deiner Abrechnung entnehmen. Allerdings erklärt kaum ein Versorger, was sich hinter Begriffen wie „§ 19 Strom-NEV-Umlage“ oder „KWKG-Umlage“ verbirgt.

Die Kosten lassen sich in drei Blöcke aufteilen: Der größte umfasst dabei die staatlich festgelegten Umlagen, Abgaben und Steuern. Knapp dahinter folgen die Kosten für die Beschaffung und Lieferung von Strom. Der dritte Block beinhaltet die Kosten für den Transport und die Messung von Strom.

Der Stromversorger rechnet Umlagen, Steuern und Entgelte zwar beim Verbraucher ab. Aber er reicht die Einnahmen weiter – an die Staatskasse, an die Netzbetreiber und die Mess­stel­len­be­trei­ber. Lediglich der Kostenanteil für die Beschaffung und Lieferung des Stroms bleibt beim Versorger. Dieser dritte Kostenblock war viele Jahre der kleinste – 2022 ist er der größte. Rund 40 beträgt sein Anteil, besagen Daten vom BDEW.

Strom­kos­ten variieren – trotz starkem staatlichen Einfluss

Ein Blick auf die drei Kostenblöcke macht deutlich, dass der Gesetzgeber den Strompreis stark beeinflusst. Die Umlagen, Abgaben und Steuern legt er konkret fest. Die Höhe der Entgelte für den Stromtransport genehmigt er jedem einzelnen Netzbetreiber. Wie sich der Strompreis weiterentwickelt, hängt damit entscheidend von der Politik ab.

Es gibt längst Vorschläge und Forderungen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zur Reform der staatlichen Belastungen des Strompreises und für eine Reform der Berechnung der Netzentgelte. Die nächste Bundesregierung entscheidet, ob sie diese Vorschläge umsetzt. 

Möchtest Du nicht warten, bis Gesetzesänderungen greifen, hast Du drei Möglichkeiten, Deine Strom­kos­ten zu reduzieren

Wenn Du Strom sparst oder Dich teilweise selbst versorgst, verringerst Du Deine Strom­kos­ten langfristig. Durch den Wechsel des Versorgers kannst Du Deine Kosten zumindest vergleichsweise niedrig halten.

Ein Vergleich von Stromtarifen ist in regelmäßigen Abständen sinnvoll. Denn auch wenn die Lieferanten den Strompreis im Schnitt nur zu 40 Prozent bestimmen – ob ein Versorger für die Beschaffung und Lieferung von Strom 12 oder 18 Cent (netto) pro Kilowattstunde berechnet, macht je nach Bezug einen deutlichen Unterschied: Ein Haushalt mit zwei Personen und 2.000 Verbrauchseinheiten zahlt im kostengünstigeren Tarif rund 140 Euro (brutto) weniger; bei 3.500 Kilowattstunden sind es rund 250 Euro (brutto).

Strompreis im Detail: 1. Spielraum der Anbieter hoch wie nie

Der Markt spielt beim Strompreis seit Herbst 2021 die entscheidende Rolle. Wer langfristig Strom eingekauft hat, profitiert von geringeren Kosten als Lieferanten, die kurzfristig größere Mengen beschaffen müssen. 

Im Schnitt berechnen Lieferanten im Januar 2022 nach Angaben des BDEW 13,65 pro Kilowattstunde (netto) für die Beschaffung und Lieferung von Strom. Enthalten ist in dem Betrag auch der Gewinn, den die Unternehmen erzielen. Der Anteil von Beschaffung, Vertrieb und Gewinn am durchschnittlichen Strompreis ist hoch – rund 38 Prozent dessen, was Verbraucher über die Stromrechnung bezahlen, bleibt beim Versorger.

Einkaufen können die Versorger die elektrische Energie an der Strombörse EEX oder direkt beim Erzeuger. 2021 kostete eine Kilowattstunde am Spotmarkt im Schnitt 9,7 Cent. Damit gehört Deutschland in Europa immer noch zu den Ländern mit vergleichsweise niedrigen Handelspreisen, wie eine Analyse von Agora Energiewende darlegt. Am günstigsten waren diese 2021 in Schweden (mit rund 5,6 Cent pro Kilowattstunde), gefolgt von Norwegen, Finnland und Lettland; am meisten zahlten Händler in Griechenland (mit 11,6 Cent pro Kilowattstunde), Irland und Slowenien.

Wie viel der Versorger für seine Dienste berechnet, ist unterschiedlich und kann zusätzlich für Unterschiede bei den Strompreisen sorgen. Dabei gilt auch: Je mehr jemand verbraucht, desto günstiger wird es pro Einheit – schließlich sind die Vertriebskosten des Anbieters weitestgehend unabängig vom Verbrauch. Wie groß die Unterschiede je nach Verbrauch in den Vergangenheit waren, ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt – die Preise sind von Frühling 2021 und damit noch deutlich niedriger als Anfang 2022.

Kosten, die Stromversorger im Schnitt berechnen – je nach Verbrauch

Stromverbrauch
im Jahr
Tarif in der
Grundversorgung
anderer Tarif beim
Grundversorger
Tarif bei anderem
Versorger als
Grundversorger
weniger als 1.000 kWh51,36 ct/kWh48,61 ct/kWh45,20 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh37,05 ct/kWh34,55 ct/kWh35,11 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh33,80 ct/kWh31,89 ct/kWh32,70 ct/kWh
5.000 bis 10.000 kWh32,20 ct/kWh30,44 ct/kWh30,68 ct/kWh

Es handelt sich um mengengewichtete Angaben zum Stichtag 1. April 2021.
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 1. Dezember 2021)

Für 2022 dürfte sich ein etwas anderes Bild ergeben: Das Gefälle zwischen preiswerten und teuren Strompreisen ist so hoch wie nie zuvor – während Kunden in günstigen Verträgen die Kilowattstunde rund 30 Cent kostet, zahlen andere bis zu 90 Cent. Seit Herbst 2021 unterscheiden nämlich einige Grundversorger zwischen Bestands- und Neukunden und verlangen von Neukunden teilweise doppelt so hohe Strompreise wie von Bestandskunden. Zugleich können die Preise in der Grundversorgung 2022 günstiger sein als in einem Sondervertrag.  

Strompreis im Detail: 2. Hohe Umlagen, Abgaben, Steuern

Rund ein Drittel der Strom­kos­ten bestimmt bislang der Staat. Für Umlagen, Abgaben und Steuern zahlst Du im ersten Halbjahr 2022 rund 14 Cent pro Kilowattstunde – inklusive der Mehrwertsteuer. Ab Juli sind es noch rund 10 Cent pro Kilowattstunde.

Die EEG-Umlage

In der Diskussion ist seit Jahren die EEG-Umlage, auch Ökostromumlage genannt. Sie dient dazu, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gewährte Förderung von Ökostrom zu finanzieren. Ihre Höhe bestimmen die Übertragungsnetzbetreiber jedes Jahr neu. Bis einschließlich Juni 2022 beträgt sie 3,723 Cent pro Kilowattstunde und sinkt ab Juli auf 0 - bezahlt werden die Kosten für die Förderung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen dann aus dem Bundeshaushalt.

Der Bundestag hat die Abschaffung der EEG-Umlage beschlossen und verpflichtet die Stromlieferanten zugleich, die Kostenentlastung an die Kunden weiterzugeben. Für Dich bedeutet das eine Entlastung um rund 4,4 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Dein Stromanbieter muss Dich darüber nicht informieren und Du hast aufgrund der Preisänderung auch kein Son­der­kün­di­gungs­recht. Achte aber bei der nächsten Abrechnung darauf, dass ab Juli 2022 mit einem geringeren Arbeitspreis gerechnet wird. Und lies Deinen Stromzähler am 1. Juli ab und übermittle den Zählerstand dem Lieferanten.

Die EEG-Umlage dient der Finanzierung des über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderten Ökostroms; die §19-StromNEV-Umlage erlaubt den Netzbetreibern, bestimmten Stromkunden geringere Netzentgelte zu gewähren.

Die KWKG-Umlage

Die KWKG-Umlage funktioniert ähnlich wie die EEG-Umlage. Sie basiert auf dem KWK-Gesetz und finanziert nicht den Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen, sondern aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Das sind Anlagen wie Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme zugleich produzieren. Bedingung für eine Förderung ist, dass es sich um neue oder modernisierte Anlagen handelt, die effizient und umweltfreundlich arbeiten. Die Netzbetreiber schütten die Zuschläge an die Betreiber aus und holen die Mittel über die Umlage wieder herein. Diese liegt 2022 bei 0,378 Cent pro Kilowattstunde.

Umlagen für die Netzbetreiber

Es gibt drei weitere Umlagen, die an die Netzbetreiber fließen. Die Mittel sollen ihnen helfen, bestimmte Mehrkosten auszugleichen. Ihre Höhe war bis 2018 mit maximal 0,5 Cent pro Kilowattstunde (brutto) vergleichsweise gering. Seit 2019 erhöhen die drei Umlagen den Strompreis um rund 1 Cent pro Kilowattstunde (brutto).

Die §19-StromNEV-Umlage ist 2021 die zweithöchste Umlage auf den Strompreis. Sie trägt zur Finanzierung individueller Netzentgelte bei, die günstiger sind als die regulären Entgelte. Vor allem Unternehmen nehmen sie in Anspruch, die entweder einen konstant hohen Stromverbrauch haben oder dann viel Strom verbrauchen, wenn die Nachfrage gering ist. Auf diese Weise belasten sie das Stromnetz vergleichsweise wenig, und das belohnen die Netzbetreiber. Diese Vergünstigung bezahlen alle Haushalte 2022 mit 0,437 Cent pro Kilowattstunde. Unternehmen mit mehr als 100.000 Kilowattstunden Stromverbrauch zahlen seit 2022 weniger.

Durch die Offshore-Netzumlage (bis 2018 Offshore-Haftungsumlage genannt) kompensieren die Netzbetreiber die Entschädigungszahlung an die Betreiber von Windparks auf See. Einen Anspruch auf Entschädigung haben diese Betreiber, wenn ihre Anlagen noch nicht ans Stromnetz geschlossen sind und sie deswegen ihren Strom nicht einspeisen und sie deshalb die gesetzliche Vergütung nicht beziehen können. 2022 beträgt die Umlage 0,419 Cent pro Kilowattstunde.

Über die Umlage für abschaltbare Lasten bezahlen die Übertragungsnetzbetreiber vor allem Industriebetriebe, die ihnen gestatten, die Stromversorgung einzelner Maschinen zu unterbrechen. Das erlaubt den Netzbetreibern in Zeiten hoher Stromnachfrage, das Stromnetz auszubalancieren. 2022 beträgt die Umlage 0,003 Cent pro Kilowattstunde. 

Mehrwertsteuer und Stromsteuer

Die Mehrwertsteuer ist der zweithöchste Posten unter den Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom. Ihre konkrete Höhe hängt vom Netto-Strompreis ab. Im Schnitt zahlt ein Verbraucher fast 6 Cent pro Kilowattstunde an den Fiskus.

An dritter Stelle der staatlichen Belastungen steht die Stromsteuer. Pro Kilowattstunde zahlst Du 2,05 Cent. Die Steuer führte die Bundesrepublik 1999 ein. Ziel war es, Strom teurer zu machen und mit den Einnahmen die Sozialabgaben auf Löhne zu senken. 2021 betrugen die Einnahmen aus der Stromsteuer rund 6,7 Milliarden Euro. Überwiegend fließt das Geld in die Rentenkasse.

Die Konzessionsabgabe

Diese Abgabe fließt direkt den Kommunen zu. Die Konzessionsabgabe erhält eine Stadt oder Gemeinde dafür, dass Stromleitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Die Netzbetreiber zahlen die Abgabe dafür, dass sie diese Wege nutzen dürfen.

Die Höhe der Abgabe legen Kommune und Netzbetreiber vertraglich fest. Sie ist aber nicht völlig frei wählbar: Es gibt gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Diese unterscheiden sich nach der Größe der Kommune, in der jemand wohnt. Je mehr Einwohner sie zählt, desto höher ist die Abgabe.

Gewöhnlich schöpfen die Städte und Gemeinden die Preisobergrenzen aus. Das bedeutet: Du zahlst 1,32 bis 2,39 Cent pro Kilowattstunde für das Wegenutzungsrecht. Bei Verbräuchen von mehr als 30.000 Kilowattstunden im Jahr kann die Abgabe 0,11 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Strompreis im Detail: 3. Kosten für Transport und Messung

Rund ein Viertel Deiner Strom­kos­ten finanzieren den Transport und die Messung des Stroms. Verantwortlich für den Einbau, den Betrieb und die Ablesung des Stromzählers ist der Mess­stel­len­be­trei­ber. Hast Du kein Unternehmen explizit dafür beauftragt, erledigt das auch der Netzbetreiber für Dich. Die Entgelte für den Zähler sind vergleichsweise gering: Zwischen 8 und 19 Euro (brutto) zahlen die meisten Haushalte im Jahr. Die Kosten werden aber steigen: Bis 2032 müssen überall in Deutschland moderne Messgeräte installiert sein, die bis zu 20 Euro im Jahr kosten dürfen. Wer mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr benötigt, erhält ein teureres Messssystem.

Die Entgelte für den Transport über das öffentliche Stromnetz erhebt der Netzbetreiber. Diesen kannst Du nicht selbst wählen: Dein Netzbetreiber ist das Unternehmen, an dessen Stromnetz Du geschlossen bist. Von Deinem Wohnort hängt damit entscheidend die Höhe des Strompreises ab.

Denn die Netzentgelte variieren in Deutschland stark, wie die nachfolgende Karte der Bundesnetzagentur zeigt. Am meisten zahlen Verbraucher in Teilen von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Eher niedrig waren die Entgelte für Haushalte bislang in großen Städten sowie Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Wie groß die Unterschiede aktuell zwischen den höchsten und niedrigsten Netzentgelten in Deutschland sein können, ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt - in Düsseldorf etwa sind die Entgelte nur halb so hoch wie in weiten Teilen Norddeutschlands. 

Netzentgelte in Deutschland

RegionNetz-
betreiber
Grund-
preis
2022
(€/Jahr)
Arbeits-
preis
2022
(ct/kWh)

Kosten bei
2.500 kWh
Verbrauch

(ct/kWh)

Mehr-/
Minder-
kosten
zu 2021
DüsseldorfDüsseldorfer Netzgesellschaft14,285,976,55

+ 3,2 %

München und UmgebungSWM Infrastruktur50,194,347,35

+ 5,8 %

Nürnberg und Umgebung    N-ergie Netz59,505,167,54+ 11 %
BremenWesernetz61,885,167,64+ 14,6 %
Hannover und Umgebungenercity Netzgesellschaft32,136,607,89- 6,5 %
BerlinStromnetz Berlin39,706,598,18+ 1,5 %
Köln und UmgebungNetzdienste Rhein-Main23,787,50

8,46

+ 3,4 %
LeipzigNetz Leipzig71,405,608,46- 2,7 %
KielSW Kiel Netz80,685,578,80- 0,3 %
StuttgartStuttgart Netze08,848,84+ 6,8 %
Rheinland-PfalzEnergienetz Mittelrhein82,536,079,37+ 4,7 %
Schleswig-Holstein, NiedersachsenEWE Netz114,244,979,54- 0,9 %
BayernBayernwerk82,536,269,56+ 0,8 %
DortmundDortmunder Netz103,735,469,61+ 4,8 %
Sachsen und Sachsen-AnhaltMitnetz86,876,509,97+ 1,2 %
Augsburg und UmgebungLEW Netz82,536,8010,10+ 1,6 %
NRW, Rheinland-Pfalz und SaarlandWestnetz82,537,1410,44+ 4,4 %
ThüringenThüringer Energienetze83,307,1910,52+ 1,4 %
Hessen, Niedersachsen, NRW, Thüringen und Rheinland-PfalzEnergienetz Mitte104,246,3510,52+8,8 %
Niedersachsen und Sachsen-AnhaltAvacon82,537,5110,81+ 3,8 %
Paderborn und UmgebungWestfalen Weser Netz91,217,2410,88+ 2,5 %
Baden-WürttembergNetze BW47,608,9810,89+ 2,2 %
HamburgEnergienetz Hamburg71,408,8111,66+ 7,2 %
Brandenburg und Mecklenburg-VorpommernEdis82,539,4212,73+ 5,8 %
Mecklenburg-VorpommernWemag Netz112,819,1713,69+ 10,3 %
Schleswig-Holstein und NiedersachsenSchleswig-Holstein Netz86,8711,7215,20+ 6,5 %

Die Angaben sind den Preisblättern der Netzbetreiber entnommen; die Preise für 2022 sind noch vorläufig. Es handelt sich stets um Bruttopreise, die keine Entgelte für den Messstellenbetrieb beinhalten. Die Werte für die Kosten pro Kilowattstunde und die prozentuale Abweichung sind gerundet. Die Liste ist nach der Höhe der Netzentgelte aufsteigend sortiert.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 8. November 2021)

Die Entgelte können die Netzbetreiber nicht völlig frei bestimmen. Die Bundesnetzagentur prüft und genehmigt die Kosten der Unternehmen, die diese dann auf die Verbraucher an ihrem Stromnetz umlegen. Das bedeutet: Je dichter eine Region besiedelt ist, desto geringer können die Entgelte sein. Daher zahlen Haushalte in großen Städten meist weniger als jene in ländlichen Regionen.

Die Bundesnetzagentur kann diese regionalen Unterschiede nicht aufheben. Durch die Regulierung können sie aber sinken. Seit 2020 sind die Entgelte mehrheitlich in Deutschland gestiegen. Die Veränderungen zum 1. Januar 2022 sind für 25 größere Verteilnetzgebiete in der Tabelle aufgeführt.

Die höheren Kosten liegen an notwendigen Investitionen, um die Stromnetze intakt zu halten, aber auch am Umbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende. Sollte künftig Strom stärker zum Heizen und zum Antreiben von Fahrzeugen dienen, sind weitere Investitionen notwendig.

Deutsche Verbraucher zahlen mit die höchsten Strompreise in Europa

Aufgrund der teuren Umlagen, Abgaben und Steuern auf Strom zahlen Verbraucher in Deutschland hohe Strompreise. Diese gehörten im zweiten Halbjahr 2021 zu den höchsten in der Europäischen Union. Bei sehr niedrigem Verbrauch war der Strom in Spanien teurer; in den anderen Verbrauchsklassen lagen Dänemark und teilweise Irland vor Deutschland. Bei sehr hohem Verbrauch lag Deutschland an der Spitze. Das kann sich ändern, wenn 2022 die EEG-Umlage auf den Strompreis wegfällt - dann dürfte Deutschland nicht mehr zu den drei teuersten Ländern beim Strom gehören.

Durchschnittliche Strompreise für Haushalte

Jahresverbrauchin Deutschlandim Euroraumin der EU
unter 1.000 kWh47,56 ct/kWh40,80 ct/kWh38,55 ct/kWh
1.000 bis 2.500 kWh35,88 ct/kWh27,74 ct/kWh26,49 ct/kWh
2.500 bis 5.000 kWh32,34 ct/kWh24,74 ct/kWh23,69 ct/kWh
5.000 bis 15.000 kWh29,41 ct/kWh22,97 ct/kWh21,69 ct/kWh

Die Preise basieren auf Daten aus allen EU-Ländern aus dem zweiten Halbjahr 2021.
Quelle: Eurostat (Stand: 9. April 2022)

Werden nur Netzentgelte und die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb betrachtet, liegt Deutschland auf Platz 7 bis 13 der Länder mit den höchsten Preisen, je nach Verbrauchsmenge. Dass Deutschland auch ohne Steuern, Umlagen und Abgaben eher hohe Strompreise verzeichnet, geht auf das Konto der Netzentgelte. Denn Deutschland gehört zu den Ländern eher niedrigen Börsenstrompreisen.

Stärkere Lasten auf Strom als auf andere Brennstoffe

Auch im Vergleich mit anderen Energiearten hebt sich der Preis für Strom ab: Eine Kilowattstunde Strom ist 2022 rund dreimal so teuer wie eine Kilowattstunde Gas. Während 7 Cent pro Kilowattstunde (netto) allein für Umlagen und Stromsteuer anfallen, belastet der Staat Erdgas im Vergleich gering: mit 0,55 Cent (netto) pro Kilowattstunde Gassteuer sowie seit 2021 dem CO2-Preis. Dieser beträgt 2022 0,545 Cent (netto) pro Kilowattstunde. Erdgassteuer und CO2-Preis zusammen machen damit rund 1,1 Cent pro Kilowattstunde aus. Beim Heizöl erhebt der Staat die Energiesteuer in Höhe von 6,14 Cent (netto) pro Liter (oder rund 0,6 Cent pro Kilowattstunde) sowie ebenfalls den CO2-Preis – 2022 beträgt er für Heizöl rund 8 Cent (netto) pro Liter (oder 0,8 Cent pro Kilowattstunde) - insgesamt beträgt die Belastung damit 1,4 Cent pro Kilowattstunde. Die Mehrwertsteuer, die auf alle Energiearten gleichermaßen anfällt, verstärkt das Gefälle noch: Je höher die Nettokosten schon sind, desto teurer ist die Energie am Ende für den Verbraucher.

Das Ungleichgewicht kritisieren Verbraucherschützer, Umweltverbände, Industrie und auch die Energiewirtschaft seit Jahren, auch noch nach Einführung des CO2-Preises. Der CO2-Preis auf fossile Brennstoffe und Kraftstoffe steigt bis 2026 und verteuert Erdgas, Heizöl, Benzin, Diesel und auch Fernwärme, sofern der Lieferant die Wärme nicht aus erneuerbaren Energien gewinnt. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis verwendet der Staat dazu, einen Teil der EEG-Kosten zu tragen. 

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

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