Konto kündigen

Abschied nehmen vom Girokonto

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Stand: 01. Juli 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Sowohl Sie als auch Ihre Bank dürfen Ihr Girokonto kündigen.
  • Kündige Sie, darf die Frist dafür nicht länger als ein Monat sein. Kündigt Ihnen die Bank, muss sie Ihnen eine angemessene Frist von mindestens zwei Monaten einräumen.
  • Den Dispokredit können Banken jederzeit mit einer Frist von 30 Tagen kündigen.
So gehen Sie vor
  • Wenn Sie Ihr Konto kündigen, sollten Sie das alte und das neue Konto eine Weile gleichzeitig führen.
  • Sie können zum Wechseln die gesetzliche Kontowechselhilfe in Anspruch nehmen, aber auch den digitalen Wechselservice. Mit unserer Checkliste behalten Sie alles im Blick.

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  • Falls die Bank Ihnen das Konto kündigt, sollten Sie nach den Gründen fragen. Antworten muss Ihre Bank jedoch nicht.

Das Girokonto ist der Dreh- und Angelpunkt unseres finanziellen Lebens: Das Gehalt kommt rein, Strom und Miete gehen raus und auch beim Bezahlen mit der Karte spielt es eine Rolle. Die Kündigung des Kontos durch die Bank kann also Probleme mit sich bringen. Auch wenn Sie selbst das Konto kündigen, sollten Sie einiges im Blick behalten.

Wie kündige ich mein Girokonto?

Sie müssen beim Kündigen Ihres Girokontos keine Kündigungsfrist beachten, so sieht es jedenfalls das Gesetz vor (§ 675h BGB). Ihre Bank hat aber womöglich eine Frist in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt. Die darf dann aber nicht länger als ein Monat sein. Eine anderweitige Regelung ist unwirksam.

Das Wechseln des Girokontos ist inzwischen leichter geworden als noch vor ein paar Jahren. Denn zum einen müssen die Banken Ihnen helfen, das machen sie über die gesetzliche Kontowechselhilfe. Zum anderen wollen viele Banken möglichen Neukunden den Weg leichter machen und bieten deshalb einen digitalen Wechselservice an.

Bei beiden Möglichkeiten werden Ihre Zahlungspartner über das neue Konto informiert, zum Beispiel der Arbeitergeber oder der Vermieter. Trotzdem sollten Sie das neue und das alte Girokonto etwa zwei Monate parallel führen. So können Sie Fehlbuchungen und Irrläufer vermeiden. Wollen Sie selbst die unterschiedlichen Zahlungspartner informieren oder die Arbeit Ihrer Bank überprüfen, können Sie sich an unserer Checkliste orientieren.

Hier können Sie sich unsere Checkliste für den Girokontowechsel herunterladen:

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Kann die Bank das Girokonto einfach kündigen?

Ihre Bank kann Ihr Girokonto jederzeit kündigen. Dafür darf jedoch der Vertrag für das Konto kein Enddatum haben und die Kündigungsmöglichkeit muss vertraglich vorgesehen sein (§ 675h Abs. 2 BGB). Das ist in den meisten Fällen gegeben. Die Kündigungsfrist darf zwei Monate nicht unterschreiten.

Bei einer ordentlichen Kündigung muss die Bank die Interessen des Kunden nicht berücksichtigen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil klargestellt (15. Januar 2013, Az. XI ZR 22/12). Sie kann also auch ohne erkennbaren Grund kündigen. Etwas schwieriger sind solche Kündigungen für Sparkassen, da sie Anstalten des öffentlichen Rechtes sind.

Sollten Sie ein Basiskonto haben, kann Ihre Bank Sie nicht einfach kündigen. Außerdem muss Sie Ihnen auf Nachfrage die Gründe nennen. Dabei gelten nur wenige Ausnahmen.

Außerordentliche Kündigung durch die Bank

Die Banken können Sie auch außerordentlich kündigen. Es greifen dann die allgemeinen Grundsätze zur Kündigung aus wichtigem Grund gemäß Paragraf 314 BGB. Für die Bank muss die Fortführung des Girokontos unter Berücksichtigung der berechtigten Belange des Kunden unzumutbar sein. Meist enthalten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken eine beispielhafte Auflistung solcher Gründe.

Ein wichtiger Grund liegt zum Beispiel vor, wenn Sie unrichtige Angaben über Ihre Vermögensverhältnisse gemacht haben oder diese sich gravierend verschlechtern. Auch wenn das Girokonto für strafbare oder verbotene Aktivitäten genutzt wird, ist eine Kündigung zulässig (OLG Hamm, Beschluss vom 13. Oktober 2008, Az. 31 W 38/08).

Verletzen Sie Ihre vertraglichen Pflichten und gleichen zum Beispiel das Konto nach Aufforderung nicht aus, ist die Kündigung erst nach Ablauf einer angemessenen Frist oder nach erfolgloser Abmahnung zulässig. Vor einer Kündigung muss die Bank die eigenen Interessen und die des Kunden abwägen.

Ombudsmann einschalten

Hat Ihre Bank das Girokonto gekündigt, sollten Sie sich nach dem Grund erkundigen, auch wenn die Bank für eine ordentliche Kündigung keinen Grund braucht. Sind Sie ins Minus gerutscht und war das mit entscheidend, schlagen Sie vor, das Konto auf Guthabenbasis weiterzuführen – außer natürlich, Sie bekommen ein günstiges Konto bei einer anderen Bank.

Im Einzelfall kann eine Kündigung treuwidrig oder schikanös sein. Die Hürden dafür sind aber sehr hoch. Vermuten Sie einen solchen Fall, sollten Sie der Kündigung widersprechen und sich an den zuständigen Ombudsmann oder an einen Fachanwalt für Bankrecht wenden.

Kündigung des Dispokredits durch die Bank

Allgemein gilt: Banken können einen eingeräumten Dispokredit jederzeit mit einer Frist von 30 Tagen kündigen. Fristlos ist das darüber hinaus möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Das ist in der Regel nur dann der Fall, wenn gegen den Kontoinhaber die Zwangsvollstreckung eingeleitet wurde oder eine wesentliche Verschlechterung seiner Vermögensverhältnisse eintritt.

Hat Ihre Bank Ihnen den Dispo gekündigt, müssen Sie das Geld zeitnah zurückzahlen. Die Bank wird Ihnen dafür eine Abwicklungsfrist einräumen.

Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Dr. Manuel Kayl

Stand: 01. Juli 2020


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