Konto kündigen

Abschied nehmen vom Girokonto

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit
07. September 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Sowohl Du als auch Deine Bank dürfen Dein Girokonto kündigen.
  • Kündigst Du, darf die Frist dafür nicht länger als ein Monat sein. Kündigt Dir die Bank, muss sie Dir eine angemessene Frist von mindestens zwei Monaten einräumen.
  • Den Dispokredit können Banken jederzeit mit einer Frist von 30 Tagen kündigen.
So gehst Du vor
  • Wenn Du Dein Konto kündigst, solltest Du das alte und das neue Konto eine Weile gleichzeitig führen.
  • Du kannst zum Wechseln die gesetzliche Kontowechselhilfe in Anspruch nehmen, aber auch den digitalen Wechselservice. Mit unserer Checkliste behältst Du alles im Blick.

Zum Download

  • Falls die Bank Dir das Konto kündigt, solltest Du zeitnah reagieren und das Guthaben auf ein neues Konto überweisen.

Das Girokonto ist der Dreh- und Angelpunkt unseres finanziellen Lebens: Das Gehalt kommt rein, Strom und Miete gehen raus und auch beim Bezahlen mit der Karte spielt es eine Rolle. Wenn die Bank das Konto kündigt, muss recht schnell viel neu geordnet werden. Auch wenn Du selbst das Konto kündigst, solltest Du einiges im Blick behalten.

Wie kündigst Du Dein Girokonto?

Wenn Du Dein Konto kündigen möchtest, musst Du laut Gesetz (§ 675h BGB) keine Kündigungsfrist beachten. Deine Bank hat aber womöglich eine Frist in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt. Die darf nicht länger als ein Monat sein, eine anderweitige Regelung ist unwirksam.

Bevor Du das Konto kündigst, solltest Du schon ein neues eröffnet haben. Beim Wechseln vom alten zum neuen Konto müssen Dir die Banken inzwischen helfen. Willst Du nicht die gesetzliche Kontowechselhilfe nutzen, bieten Dir viele Banken inzwischen einen digitalen Wechselservice an.

Bei beiden Möglichkeiten werden Deine Zahlungspartner über das neue Konto informiert, zum Beispiel der Arbeitergeber oder der Vermieter. Deine Kreditkartendaten bei Unternehmen wie Amazon oder Netflix musst Du allerdings selbst ändern. Führe das neue und das alte Girokonto besser etwa zwei Monate parallel. So kannst Du Fehlbuchungen und Irrläufer vermeiden.

Willst Du selbst die unterschiedlichen Zahlungspartner informieren oder die Arbeit Deiner Bank überprüfen, kannst Du Dich an unserer Checkliste orientieren.

Checkliste Girokontowechsel

Hier kannst Du Dir unsere Checkliste für den Girokontowechsel herunterladen:

Zum Download

Mehr dazu im Ratgeber Girokonto

  • Mit dem richtigen Girokonto kannst Du Gebühren sparen und bekommst gute Leistungen.
  • Gute Konten: DKB, ING, Comdirect

Zum Ratgeber

Kann Deine Bank Dir das Girokonto einfach kündigen?

Deine Bank kann Dein Girokonto jederzeit kündigen. Der Vertrag für das Konto darf zwar kein Enddatum haben und die Kündigungsmöglichkeit muss vertraglich vorgesehen sein (§ 675h Abs. 2 BGB), aber das ist in den meisten Fällen gegeben. Die Kündigungsfrist darf zwei Monate nicht unterschreiten.

Die Bank muss Deine Interessen bei einer ordentlichen Kündigung nicht berücksichtigen (BGH, Urteil vom 15. Januar 2013, Az. XI ZR 22/12). Sie kann also auch ohne erkennbaren Grund kündigen. Sie muss Dir auch nicht den Grund nennen, die meisten Banken tun dies auch nicht. Gründe könnten zum Beispiel sein, dass Du ein privates Konto für geschäftliche Zwecke genutzt hast, der Bank in Bezug auf Geldwäsche-Themen Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind oder sie einfach nicht genug an Dir als Kunden verdient. Einige Banken kündigten Kunden auch, nachdem die nach dem BGH-Urteil zu Änderungen an den Geschäftsbedingungen Geld zurückgefordert haben. Ob Deine Bank so vorgeht,kannst Du über unsere Datenbank herausfinden.

Etwas schwieriger sind solche Kündigungen für Sparkassen, in einigen Bundesländern zwingen die Sparkassengesetze sie dazu, Konten für Jedermann zu führen. Eine weitere Ausnahme sind Basiskonten, die kann Deine Bank Dir nicht einfach kündigen. Außerdem muss sie Dir auf Nachfrage die Gründe nennen. Dabei gelten nur wenige Ausnahmen.

Außerordentliche Kündigung durch die Bank

Die Banken können Dir auch außerordentlich kündigen. Es greifen dann die allgemeinen Grundsätze zur Kündigung aus wichtigem Grund gemäß Paragraf 314 BGB. Für die Bank muss die Fortführung des Girokontos unter Berücksichtigung der berechtigten Belange des Kunden unzumutbar sein. Meist enthalten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken eine beispielhafte Auflistung solcher Gründe.

Ein wichtiger Grund liegt zum Beispiel vor, wenn Du unrichtige Angaben über Deine Vermögensverhältnisse gemacht hast oder diese sich gravierend verschlechtern. Auch wenn das Girokonto für strafbare oder verbotene Aktivitäten genutzt wird, ist eine Kündigung zulässig (OLG Hamm, Beschluss vom 13. Oktober 2008, Az. 31 W 38/08).

Verletzt Du Deine vertraglichen Pflichten und gleichst zum Beispiel das Konto nach Aufforderung nicht aus, ist die Kündigung erst nach Ablauf einer angemessenen Frist oder nach erfolgloser Abmahnung zulässig. Vor einer Kündigung muss die Bank die eigenen Interessen und die des Kunden abwägen.

Sommerloch in Deinem Geldbeutel?

7 Spartipps, wie Du ganz einfach über 500 Euro im Jahr sparen kannst

Zu den Tipps

Ombudsmann einschalten

Hat Deine Bank das Girokonto gekündigt, kannst Du Dich nach dem Grund erkundigen, auch wenn die Bank für eine ordentliche Kündigung keinen Grund braucht. Bist Du ins Minus gerutscht und war das mit entscheidend, schlage vor, das Konto auf Guthabenbasis weiterzuführen – außer natürlich, Du bekommst ein günstiges Konto bei einer anderen Bank.

Im Einzelfall kann eine Kündigung treuwidrig oder schikanös sein. Die Hürden dafür sind aber sehr hoch. Vermutest Du einen solchen Fall, solltest Du der Kündigung widersprechen und Dich an den zuständigen Ombudsmann oder an einen Fachanwalt für Bankrecht wenden.

Nach der Kontokündigung

Wenn Deine Bank Dir kündigt, solltest Du so schnell wie möglich ein neues Konto eröffnen und das Guthaben überweisen. Nicht nur, weil die Suche nach dem richtigen Konto vielleicht etwas dauert, sondern auch, weil sich Banken hin und wieder nicht an die Kündigungsfristen halten und das Konto und die Karte sperren. Dann wird es schwieriger, wieder an das Guthaben zu kommen.

Ähnlich sieht es aus, wenn Du überhaupt nicht auf die Kündigung reagierst. Deine Bank wird das Geld nicht ewig aufbewahren. Dann überweist sie es womöglich an ein Amtsgericht und Du musst dort erst einmal nachweisen, dass das Geld auch Dir gehört.

Kündigung des Dispokredits durch die Bank

Allgemein gilt: Banken können einen eingeräumten Dispokredit jederzeit mit einer Frist von 30 Tagen kündigen. Fristlos ist das darüber hinaus möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Das ist in der Regel nur dann der Fall, wenn gegen den Kontoinhaber die Zwangsvollstreckung eingeleitet wurde oder eine wesentliche Verschlechterung seiner Vermögensverhältnisse eintritt.

Hat Deine Bank Dir den Dispo gekündigt, musst Du das Geld zeitnah zurückzahlen. Die Bank wird Dir dafür eine Abwicklungsfrist einräumen.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Kann die Bank das Girokonto einfach kündigen?

Wie kündige ich mein Girokonto?

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.