Unfallversicherung

Für manche wichtig, für viele verzichtbar

Martin Klotz
Finanztip-Experte für Vorsorge
22. September 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Es gibt zwei Arten der Unfallversicherung: die gesetzliche Unfallversicherung und die private Unfallversicherung.
  • Bei der gesetzlichen Unfallversicherung bist Du als Arbeitnehmerin in der Regel automatisch versichert. Um eine private Unfallversicherung musst Du Dich dagegen selbst kümmern.
  • Die private Unfallversicherung zahlt Dir einen Einmalbetrag (Invaliditätsleistung), wenn Du durch einen Unfall bleibende Schäden davonträgst.
So gehst Du vor
  • Prüfe, wie sinnvoll eine private Unfallversicherung für Dich ist. 
  • Grundsätzlich relevant ist sie für Kinder, Rentner, Hausmänner und Sportlerinnen sowie für Menschen, die keine BU abschließen können.
  • Achte besonders darauf, dass Dein Vertrag die wichtigsten Merkmale und Leistungen enthält.

Viele Arbeitnehmer sind über die gesetzliche Unfallversicherung einen Großteil des Tages abgesichert. Sie leistet unter anderem bei Unfällen bei der Arbeit beziehungsweise im Homeoffice sowie auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeitsstelle.

Wenn Du aber keinen gesetzlichen Schutz hast oder Dich darüber hinaus absichern möchtest, kannst Du eine private Unfallversicherung abschließen.

Ist eine Unfallversicherung sinnvoll?

Für viele ist eine private Unfallversicherung nicht notwendig. Grundsätzlich gibt es deutlich wichtigere Absicherungen, um die Du Dich zuerst kümmern solltest. Es gibt dennoch einige Menschen und Berufsgruppen, für die eine Unfallversicherung relevant und sinnvoll ist. Eine Unfallversicherung soll vor allem zusätzliche Kosten nach einem Unfall abdecken und zahlt Dir einmalig einen bestimmten Geldbetrag. Große Summen brauchst Du in der Regel nur, wenn Du Dich so schwer verletzt, dass Du Dein Haus oder Auto behindertengerecht umbauen musst (zum Beispiel mit einem Treppenlift) oder um zusätzliche Therapien zu finanzieren. Bei weniger gravierenden Verletzungen sind meist keine Umbauten nötig.

Die Unfallversicherung zahlt das Geld aber nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Die wichtigste Bedingung ist, dass die körperliche Beeinträchtigung, die sogenannte Invalidität, von Dauer ist. Als dauerhaft gilt ein Gesundheitsschaden, wenn er voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen wird und keine Besserung zu erwarten ist.

Das bedeutet: Selbst wenn Du nach einem Motorradunfall wochenlang im Krankenhaus liegst, kann es sein, dass die Unfallversicherung nicht zahlt – weil Du wieder vollständig gesund wirst. Kannst Du beispielweise Dein Knie allerdings auch nach der Reha nicht beugen, bekommst Du einen Teil der versicherten Summe.

Grundsätzlich gibt es bei schweren Unfällen unter bestimmten Voraussetzungen auch staatliche Hilfen. So zahlt die gesetzliche Ren­ten­ver­si­che­rung in vielen Fällen Reha-Maßnahmen, bei Schwerbehinderung gibt es zudem Zuschüsse von sogenannten Integrationsämtern. Die Arztkosten werden ohnehin wie üblich von Deiner Kran­ken­kas­se getragen. Notwendige Hilfsmittel wie Rollstühle, Prothesen oder Stützgriffe fürs Bad zahlt sie in einer Grundausstattung ebenfalls. Bessere Modelle musst Du allerdings selbst bezahlen oder Du bekommst nur einen Teil der Kosten erstattet.

Oft überschätzen Menschen das Risiko, einen schweren Unfall mit daraus folgender Behinderung zu haben. Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen, sind nur 2 Prozent aller Schwerbehinderungen Folge eines Unfalls, die allermeisten (85 Prozent) entstehen durch Krankheiten.

Wann greift welche Unfallversicherung?

Verunglückst Du bei der Arbeit, in der Universität, beim Ehrenamt oder auf dem Weg dorthin, springt die gesetzliche Unfallversicherung ein. Sie übernimmt Kosten für Reha und Einkommensausfall. Sie zahlt außerdem eine kleine Rente, falls Deine Arbeitsfähigkeit langfristig beeinträchtigt ist.

Bei einer privaten Unfallversicherung gibt es solche Einschränkungen nicht. Hier bist Du grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der ganzen Welt abgesichert. Es gibt nur einige wenige Ausnahmen, zum Beispiel Kriegsgebiete.

Bei einigen Gewerkschaften wie Verdi und dem DGB ist im Mitgliedsbeitrag auch eine Freizeit-Unfallversicherung enthalten. Auch Mitglieder in einem Sportverein sind bei Vereinsaktivitäten in geringem Umfang abgesichert, über die Sportversicherung des jeweiligen Landessportbundes.

Unfallversicherung oder Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung?

Im Gegensatz zur privaten Unfallversicherung gehört die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zu den wichtigen Versicherungen, die jeder haben sollte. Sie zahlt Dir monatlich Geld, falls Du Deinen letzten Job für voraussichtlich mindestens sechs Monate nicht mehr ausüben kannst. Die Ursache dafür ist nicht entscheidend: Sie zahlt sowohl nach Unfällen als auch bei körperlichen und psychischen Krankheiten.

Damit bietet die Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung einen deutlich umfangreicheren Schutz als eine Unfallversicherung und ist daher auch deutlich teurer. Worauf Du beim Abschluss eines BU-Vertrags achten musst, liest Du in unserem Ratgeber Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung.

Wer allerdings keine bezahlbare BU bekommt, beispielsweise aufgrund von Vorerkrankungen oder körperlicher Arbeit, kann über eine Unfallversicherung als minimale Alternative nachdenken. Weitere Optionen sind eine Er­werbs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung, eine Multi-Risk-Police, eine Dread-Disease-Versicherung oder eine Grundfähigkeitsversicherung. Ein gleichwertiger Ersatz sind solche Produkte nicht. Wie die Unfallversicherung bieten sie nur einen – in unterschiedlichem Maße – abgespeckten Schutz.

Der Vorteil einer Unfallversicherung: Sie ist auch für Menschen mit einem Risikoberuf verhältnismäßig günstig. Eine gute Unfallversicherung kostet 100 bis 250 Euro im Jahr. Und viele Anbieter stellen nicht sonderlich umfangreiche Gesundheitsfragen.

Wer braucht eine Unfallversicherung?

Rentner

Ältere Menschen haben im Ruhestand keine Absicherung über die gesetzliche Unfallversicherung. Gleichzeitig sind die Folgen eines Unfalls bei Senioren oftmals schwerwiegender. Eine Unfallversicherung kann helfen, die Einschränkungen Deines Lebens so gering wie möglich zu halten. Denn viele Versicherer zahlen nicht nur Geld, sondern bieten auch sogenannte Assistance-Leistungen für die notwendige Unterstützung im Alltag (Haushaltshilfe, Fahrdienst, Besorgungen und so weiter). Besonders sinnvoll kann das sein, wenn es niemanden gibt, der sich nach einem Unfall um Dich kümmern könnte.

Eine Unfallversicherung abzuschließen, ist allerdings für Rentnerinnen nicht gerade einfach. Die Beiträge sind im hohen Alter teuer, zudem haben einige Anbieter eine Altersobergrenze. Eine Alternative können daher reine Assistance-Tarife sein. Diese sind preiswerter und beinhalten nur die Hilfsleistungen nach einem Unfall.

Hausmänner

Wer sich zuhause um den Haushalt und/oder die Kinder kümmert, ist bei Unfällen nicht abgesichert. Im Gegensatz zu Arbeitnehmern, die einen Großteil des Tages über den Arbeitgeber durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert sind, fehlt ihnen dieser Schutz.

Als Hausmann ist es zudem schwer, eine BU zu bekommen. Eine private Unfallversicherung kann daher in diesem Fall sinnvoll sein.

Kinder

Bevor Du Dein Kind gegen Berufsunfähigkeit versichern kannst, können zwei Alternativen sinnvoll sein: eine Kinderunfallversicherung oder eine Kin­der­in­va­li­di­täts­ver­si­che­rung. Diese zahlt auch bei krankheitsbedingter Invalidität und ist daher umfassender als ein reiner Unfallschutz. Sie ist allerdings auch teurer.

In der Regel erholen sich Kinder schneller von Unfällen und tragen nur selten bleibende Schäden davon. Unfälle verursachen bei Kindern laut Statistischem Bundesamt noch seltener eine schwere Behinderung als bei Erwachsenen.

Eltern haben bei einer Behinderung ihres Kindes in den meisten Fällen Anspruch auf verschiedene Unterstützungsleistungen. Allerdings ist eine Unfallversicherung für Kinder auch relativ günstig, gute gibt es für 50 bis 100 Euro im Jahr. Invaliditätsversicherungen kosten etwa 100 bis 400 Euro pro Jahr.

Hobby-Sportler

Machst Du in Deiner Freizeit Sport, kann die Unfallversicherung in einigen Fällen ebenfalls eine kluge Wahl sein. Allerdings werden Unfälle bei Sportarten, die Du bereits ausübst, manchmal vom Schutz ausgeschlossen. Vergleiche daher, in welchem Tarif Deine Sportart abgesichert ist. 

Wenn Du planst, in der nächsten Zeit mit einem potenziell gefährlichen Hobby zu starten (Skifahren, Reiten, Klettern, Mountainbiking, Tauchen), schließe die Unfallversicherung am besten vorher ab. Achte darauf, dass Deine Sportart aber nicht grundsätzlich von der Leistung ausgeschlossen ist. Das ist oft bei Luft- und Flugsport (zum Beispiel Segel- und Gleitschirmfliegen) und auch bei Motorsport (zum Beispiel Auto- und Motorradrennen) der Fall.

Worauf musst Du bei der Unfallversicherung achten?

Wenn Du Dich für eine private Unfallversicherung entscheidest, dann heißt es wie bei den meisten Versicherungen: Spare nicht am falschen Ende. Gerade für den Fall, dass Du nach dem Unfall stark beeinträchtigt bist, solltest Du ausreichende Versicherungsleistungen vereinbaren.

Hohe Versicherungssumme 

Die wichtigste Leistung der Unfallversicherung ist die Kapitalzahlung, wenn Du aufgrund eines Unfalls dauerhaft invalide bist. Damit die im Ernstfall ausreicht, ist es wichtig, eine angemessen hohe Versicherungssumme (auch Grundinvaliditätssumme) zu wählen. Sie gibt an, wie viel Geld Du bei 100 Prozent Invalidität (Vollinvalidität) bekommen würdest.

Nach einem Unfall wird je nach Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung ein Teil der Versicherungssumme ausgezahlt. Bei 20 Prozent Invalidität also 20 Prozent der Versicherungssumme. Geringe Beeinträchtigungen kommen häufiger vor als schwere. Deshalb sollte die Versicherung schon ab 1 Prozent Invalidität zahlen.

Hohe Progression

Wir empfehlen außerdem, eine sogenannte Progression (ansteigende Leistungskurve) zu vereinbaren. Sie sorgt dafür, dass Du bei schweren Beeinträchtigungen ein Vielfaches der Versicherungssumme bekommst. Das ist sinnvoll, da in solchen Fällen der Kapitalbedarf oft immens ansteigt. Wir empfehlen eine Progression von 225 oder 350 Prozent.

Im Fall einer Vollinvalidität (also einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent) würdest Du in einem Tarif mit 350 Prozent Progression das 3,5-fache der versicherten Grundsumme bekommen: Bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro wären das also 350.000 Euro. Bist du nicht 100 Prozent Invalide, ist der Faktor allerdings geringer als 3,5. Bei vielen Tarifen beginnt der überproportionale Anstieg der Auszahlung ab 25 Prozent Invaliditätsgrad.

Welche Versicherungssumme und Progression für Deine persönliche Situation angemessen ist, klärst Du am besten im Rahmen der Beratung bei einem Honorarberater oder Versicherungsmakler. Dabei gilt es drei Fragen zu beantworten:

  • Welche laufenden Kosten kämen auf Dich zu, zum Beispiel durch unfallbedingten Lohnausfall oder eine Haushaltshilfe?
  • Welche einmaligen Kosten könnten entstehen, beispielsweise durch Umbauten am Haus (Treppenlift), Auto oder durch Anschaffungen (elektrischer Rollstuhl)?
  • Welche Rücklagen und zusätzliche Absicherungen hast Du?

Wenn Du keine Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung hast, solltest Du außerdem bedenken, dass das ausgezahlte Geld schlimmstenfalls bis an Dein Lebensende reichen muss. Eine Versicherungssumme von mehreren Hunderttausend Euro ist dann durchaus sinnvoll.

Todesfallsumme vereinbaren 

Für Menschen, die ihre Hinterbliebenen für den Fall des eigenen Todes absichern wollen, ist eine separate Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung die beste Wahl. Trotzdem ist es auch in der Unfallversicherung sinnvoll, eine Todesfallsumme zu vereinbaren, denn sie hat auch eine Funktion, wenn der Versicherte nicht stirbt.

Der Versicherer zahlt nach einem Unfall einen Vorschuss, wenn sicher ist, dass Beeinträchtigungen zurückbleiben, aber noch nicht klar ist, wie schwer sie sein werden. Dieser Vorschuss ist auf den Betrag begrenzt, der als Todesfallsumme im Vertrag steht. Ist keine Leistung für den Todesfall vereinbart, gibt es in der Regel auch keinen Vorschuss. Um Mehrkosten zu bewältigen, bis das Ausmaß der Invalidität feststeht, empfehlen wir eine Todesfallsumme zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Bei Kindern dürfen – gesetzlich vorgeschrieben – nur maximal 8.000 Euro Todesfallsumme vereinbart werden.

Mehr dazu im Ratgeber Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­rung

  • Familien mit einem Alleinverdiener oder einem Immobilienkredit brauchen eine Absicherung für den Todesfall.
  • Wir empfehlen HannoverscheHuk24, Europa und Cosmosdirekt. Letztere solltest Du aber immer mit einem zweiten Anbieter vergleichen, um Preisausreißer zu vermeiden.

Zum Ratgeber 

Welche Leistungen machen einen guten Tarif aus?

Viele Versicherer bieten Unfallversicherungen an, meist in mehreren Abstufungen von Preis und Leistung. Daher gibt es sehr viele Tarife am Markt. Die folgenden Merkmale halten wir bei der Auswahl Deines Tarifs für wichtig:

Gute Gliedertaxe 

Auf die Gliedertaxe solltest Du bei der Wahl eines Tarifs besonders genau achten. Denn diese bestimmt, wie viel Geld Du bei Funktionsverlust eines bestimmten Körperteils erhältst. Das funktioniert so: Für jedes Körperteil legt die Versicherung fest, welchen Grad der Beeinträchtigung sie annimmt, falls Du das entsprechende Körperteil verlierst oder nicht mehr benutzen kannst.

Sind mehrere Körperteile durch den Unfall betroffen, werden die einzelnen Invaliditätsgrade addiert. Die Werte gelten allerdings immer nur bei vollständiger Funktionsunfähigkeit. Bei einer teilweisen Beeinträchtigung wird der prozentuale Wert nur anteilig berücksichtigt. Damit ist die Gliedertaxe zusammen mit der Progressionskurve entscheidend dafür, wie viel Geld die Versicherung auszahlt.

Ein Beispiel: Ein Mann hat in seinem Vertrag eine Versicherungssumme von 100.000 Euro vereinbart. Die Gliedertaxe seines Tarifs legt für eine Hand einen Wert von 55 Prozent fest. Verliert er bei einem Unfall eine Hand, erhält er 55.000 Euro von der Versicherung. Ist eine Progression vereinbart, bekommt er eine höhere Summe.

Die Gliedertaxe kann sich je nach Tarif erheblich unterscheiden. Zwar gibt es Richtwerte des Versicherungsverbands GDV für die Gliedertaxe, gute Tarife leisten aber deutlich mehr. Auch Schäden an inneren Organen sind in vielen Tarifen nicht klar bemessen, sollten aber unbedingt mitversichert sein. Deshalb lohnt sich ein Vergleich.

Eine gute Orientierung bietet eine Übersicht des Analysehauses Ascore. Das Unternehmen hat die Gliedertaxe von 105 Unfall-Tarifen untersucht und ausgewertet, welche Invaliditätsgrade die Versicherungen im Mittel festschreiben. Die Gliedertaxe eines leistungsstarken Tarifs sollte mindestens die genannten Mit­tel­werte erreichen und sie im besten Fall übertreffen. Besonders eklatant ist der Unterschied beim Verlust der Stimme, bei dem manche Versicherer überhaupt nicht leisten und andere eine Vollinvalidität feststellen.

Vergleich der Gliedertaxe verschiedener Tarife in Prozent

KörperteilEmpfehlung
des GDV
Mit­tel­werteTarif mit der
höchsten
Gliedertaxe
Stimme080100
ein Auge506080
Gehör auf einem Ohr304080
Geruchssinn101525
Geschmackssinn51525
kompletter Arm7080100
Arm oberhalb Ellenbogen6575100
Arm unterhalb Ellenbogen6070100
komplette Hand5570100
Daumen203060
Zeigefinger102060
anderer Finger51020
Bein über Mitte Oberschenkel7080100
Bein bis Mitte Oberschenkel6070100
Bein bis unterhalb Knie5065100
Bein bis Mitte Unterschenkel4560100
kompletter Fuß4055100
großer Zeh51020
anderer Zeh2510

Quelle: Ascore Analyse, GDV-Musterbedingungen (Finanztip-Recherche vom 15. September 2021)

Mitwirkung von Erkrankungen

Falls Du eine Krankheit hast, die für die gesundheitlichen Folgen eines Unfalls mitverantwortlich ist, kann die Versicherung ihre Leistung kürzen. Das wäre etwa der Fall, wenn Dir eine Sehne reißt, die bereits vorgeschädigt war oder eine Diabetes-Erkrankung den Heilungsprozess verschlechtert.

Ein guter Tarif mindert die Leistung erst, wenn eine Erkrankung die Beeinträchtigung zu mindestens 50 Prozent mitverursacht hat. Einige Tarife verzichten auch ganz auf den Mitwirkungsanteil. Das kann insbesondere für Menschen mit vielen Vorerkrankungen hilfreich sein.

Darüber, ob und wie stark bestehende Krankheiten oder Vorschäden am Unfallausgang mitgewirkt haben, gibt es oft Streit. Altersbedingte Einschränkungen darf die Versicherung übrigens nicht als Argument nutzen, um weniger Geld zu zahlen.

Eigenbewegung und erhöhte Kraftanstrengung

Versicherungen definieren einen Unfall als ein von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. Manchmal passieren Verletzungen aber auch durch Eigenbewegung oder erhöhte Kraftanstrengung, wie zum Beispiel beim Heben eines schweren Möbelstücks oder beim Sport. Reißt Dir beim Fußballspielen ohne Fremdeinwirkung die Achillessehne und kannst Du das Bein anschließend nur noch eingeschränkt bewegen, bekommst Du ohne Eigenbewegungsklausel kein Geld von der Versicherung.

Herzinfarkt, Schlaganfall und Alkohol

Gute Tarife zahlen auch, wenn ein Unfall durch eine Bewusstseinsstörung ausgelöst wird. Dazu zählen neben Ohnmacht, Sekundenschlaf und epileptischen Anfällen auch Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Versicherung sollte möglichst viele dieser Ursachen abdecken. Ebenfalls wichtig ist die Leistung bei Unfällen unter dem Einfluss von Alkohol oder Medikamenten. Allerdings gelten in der Regel gewisse Promillegrenzen, ab denen es keinen Ver­si­che­rungs­schutz mehr gibt.

Infektionen und Zeckenbiss

Achte darauf, dass auch Beeinträchtigungen nach Infektionen sowie nach Krankheiten durch einen Insektenstich als Unfall gelten. Dann ist auch eine durch Zeckenbiss übertragene Borreliose versichert.

Bergungskosten und kosmetische Operationen

Viele Anbieter beteiligen sich an den Kosten für Rettungseinsätze, beispielsweise wenn Du nach einem Skiunfall mit einem Hubschrauber gerettet werden musst. Ist nach einem Unfall das Aussehen des Betroffenen dauerhaft beeinträchtigt, übernehmen viele Versicherer zudem die Kosten für kosmetische Eingriffe. Beide Optionen sollten jeweils mit mindestens 10.000 Euro abgesichert sein. Bei guten Tarifen ist beides automatisch eingeschlossen.

Welche Zusatzleistungen sind überflüssig?

Im Wettbewerb um Kunden locken die Anbieter mit zahlreichen Extras, die in den Vertrag eingeschlossen werden können. Viele dieser Zusatzleistungen sind nicht sinnvoll und machen die Versicherung nur unnötig teuer.

Finger weg von Tarifen mit Beitragsrückgewähr

Tarife, bei denen Kunden am Ende der Laufzeit die eingezahlten Beiträge zurückbekommen, falls sie keinen Unfall haben, lohnen sich vor allem für die Versicherung. Was gut klingt, ist eine Mogelpackung: Die Beiträge sind um ein Vielfaches höher als die normaler Unfallversicherungen und bringen wenig.

Auf Krankenhaus-Tagegeld verzichten

Viele Versicherungen bieten weitere Zusatzoptionen wie ein Unfall-Krankenhaustagegeld an. Damit erhalten Versicherte eine vereinbarte Summe für jeden Tag, den sie aufgrund eines Unfalls im Krankenhaus verbringen. Genesungsgeld gibt es für die gleiche Anzahl an Tagen nach dem Krankenhausaufenthalt. Solche Extras sind unnötig. Falls Du bei längerer Krankheit eine Versorgungslücke durch den Gehaltsausfall befürchtest, solltest Du das lieber separat durch eine Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung absichern.

Unfallrente selbst finanzieren

Eine weit verbreitete Zusatzoption im Vertrag ist die Unfallrente. Sie wird meist erst ab einer Invalidität von 50 Prozent gezahlt und ist sehr teuer. Besser fährst Du, indem Du einen Teil der Kapitalauszahlung der Versicherung anlegst und Dir regelmäßig selbst etwas auszahlst.

Besser keine Dynamik

Mit einer sogenannten Dynamik erhöht sich die versicherte Summe jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz – und auch Dein Beitrag. Was für eine BU-Rente sinnvoll ist, gilt für die Unfallversicherung nicht: Denn im Gegensatz zur BU erhältst Du bei einer Unfallversicherung die Leistung auf einen Schlag. Zudem sinkt mit dem Alter in der Regel der Absicherungsbedarf. Daher solltest Du von Anfang an eine ausreichend hohe Versicherungssumme wählen und keine Dynamik in Deinen Vertrag einschließen. Fällt Dein Bedarf mit der Zeit tatsächlich geringer aus, etwa weil Dein Vermögen gewachsen ist, kannst Du die Versicherungssumme und damit den Beitrag sogar reduzieren.

Wie lässt sich eine Unfallversicherung kündigen?

Bevor Du eine bestehende Unfallversicherung kündigst, solltest Du sicher sein, dass Du anderweitig abgesichert bist und den Vertrag nicht mehr brauchst. Lass Dich im Zweifel dazu beraten. Kündigen kannst Du jährlich mit einer Frist von drei Monaten (auch wenn der Vertrag mehrere Jahre läuft). Der Kündigungstermin ist dabei die sogenannte Hauptfälligkeit. Diese steht im Versicherungsschein und ist der Termin, an dem bei jährlicher Zahlweise der Beitrag abgebucht wird. Falls Dein Tarif außerplanmäßig teurer wird, hast Du zudem ein Son­der­kün­di­gungs­recht.

Wenn Du eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr kündigst, verlierst Du unter Umständen einen Teil des angesparten Kapitals. Frage Deinen Versicherer daher vorher nach möglichen Abzügen. Anstatt einen solchen Vertrag zu kündigen, kannst Du prüfen, ob Du ihn beitragsfrei stellen lassen kannst. Das bedeutet, Du zahlst nichts mehr ein und der Vertrag wird quasi stillgelegt.

Übrigens: Auch die Versicherung darf Dir kündigen. Und zwar ohne besonderen Grund zum Ende jedes Versicherungsjahres. Von diesem Recht machen Anbieter in der Regel nur dann Gebrauch, wenn sich der Vertrag für sie nicht lohnt. Nach einem Versicherungsfall darf der Anbieter genauso wie Du innerhalb eines Monats außerordentlich kündigen.

Die wichtigsten Fragen zusammengefasst

Wie funktioniert eine Unfallversicherung?

Wann zahlt die Unfallversicherung?

Ist eine Unfallversicherung sinnvoll?

Worauf musst Du bei der Unfallversicherung achten?

Welche Leistungen machen einen guten Tarif aus?

Welche Zusatzleistungen sind überflüssig?

* Was der Stern bedeutet:

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