Erbschein beantragen So sicherst Du Dir Deine Erbschaft

Dr. Britta Beate Schön
Dr. Britta Beate Schön •
Expertin Recht

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Erbschein kannst Du gegenüber Banken und Behörden nachweisen, dass Du Erbe oder Erbin bist und welcher Anteil Dir am Nachlass zusteht.
  • Das Nachlassgericht stellt Dir einen Erbschein aus, wenn Du ihn beantragst. Du kannst dazu unseren Musterantrag nutzen.

Antrag Erbschein

  • Für das Erbscheinverfahren fallen Gerichtsgebühren an, die sich nach dem Wert der Erbschaft richten.
  • Gehören Immobilien zum Nachlass, brauchst Du einen Erbschein, um das Grundbuch berichtigen zu lassen, wenn Du nicht aufgrund eines notariellen Testaments Erbe geworden bist.
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Wann brauchst Du einen Erbschein?

Du benötigst einen vom Gericht ausgestellten Erbschein immer dann, wenn Du Dich als Erbe ausweisen musst und keine anderen Dokumente wie zum Beispiel ein notarielles Testament zum Nachweis vorhanden sind. 

Bist Du nach gesetzlicher Erbfolge Erbe geworden, weil es kein Testament gibt, brauchst Du immer einen Erbschein. Oder wenn es Unstimmigkeiten zwischen den Angehörigen darüber gibt, wer tatsächlich Erbe geworden ist (OLG Düsseldorf, 22.10.2021, Az. 7 U 139/21).

Ohne Erbschein bekommst Du über den Nachlass der verstorbenen Person keine Auskunft und kannst auf die Konten des Erblassers nicht zugreifen.

Übrigens: Hat der Verstorbene eine Lebensversicherung abgeschlossen und jemanden benannt, der die Versicherungssumme bekommen soll, ist kein Erbschein erforderlich. Diese Summe fällt gar nicht erst in den Nachlass.

Wie helfen Dir Vollmachten statt eines Erbscheins?

Eine Kontovollmacht oder Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus kann Dir ohne Erbschein den Zugriff auf Konten ermöglichen.

Solche Vollmachten sind sinnvoll: So kannst Du zum Beispiel den Bestatter schon aus dem Nachlass bezahlen, ohne dass Du das Gericht einschalten musst.

Allerdings akzeptieren nicht alle Banken und Depotanbieter eine Vorsorgevollmacht. Es kann daher sein, dass Du eine besondere Form der Vollmacht brauchst. Erkundige Dich dazu bei den entsprechenden Banken. Im Finanztip Depotvergleich findest Du Hinweise darauf, welcher Anbieter eine Vorsorgevollmacht akzeptiert.

Wann brauchst Du keinen Erbschein?

Du brauchst keinen Erbschein, wenn Du Deine Erbenstellung mit anderen Dokumenten wie zum Beispiel einem notariellen Testament und dem gerichtlichen Eröffnungsprotokoll nachweisen kannst. 

Hatte die verstorbene Person ein handschriftliches Testament beim Nachlassgericht hinterlegt, kann nach dem Tod auch ein solches Testament mit einem Eröffnungsvermerk als Nachweis ausreichen (BGH, 05.04.2016, Az. XI ZR 440/15). Ein Erbschein ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Banken dürfen in diesen Fällen nicht darauf bestehen, dass Du als Erbe einen Erbschein vorlegst. Behauptet die Bank etwas anderes, kannst Du sie auf die Rechtsprechung hinweisen. Die Kosten für einen überflüssigen Erbschein muss die Bank übernehmen.

Auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen dürfen Banken nicht festlegen, dass sie ausschließlich einen Erbschein als Nachweis für die Erbenstellung akzeptieren. Als Erbe musst Du Dein Erbrecht gegenüber Banken immer auch auf anderem Weg nachweisen können (BGH, 08.10.2013, Az. XI ZR 401/12).

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Brauchst Du für das Grundbuchamt einen Erbschein?

Grundsätzlich ja. Du brauchst einen Erbschein, wenn Du eine geerbte Immobilie im Grundbuch auf Dich umschreiben lassen willst und die Erbfolge nicht auf einem notariellen Testament beruht (§ 35 Abs. 1 GBO).

Hast Du die Immobilie durch ein handschriftliches Testament oder nach gesetzlicher Erbfolge geerbt, kommst Du um einen Erbschein nicht herum. Das Grundbuchamt kann sogar ein Zwangsgeld festsetzen, wenn Du keinen vorlegst.

Wer seinen Erben die Gebühren für einen Erbschein ersparen will, geht deshalb in ein Notariat und errichtet ein notarielles Testament, das auch öffentliches Testament genannt wird.

Übrigens: Es kann berechtigte Gründe dafür geben, warum Du als Erbe das Grundbuch nicht berichtigen lässt (§ 82 S. 2 GBO). Zum Beispiel wenn Du das Haus verkaufen möchtest. Dann kann das Grundbuchamt die neuen Eigentümer direkt ins Grundbuch eintragen. Die Grundbuchberichtigung kannst Du Dir in einem solchen Fall sparen.

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Was ist ein Erbschein?

Der Erbschein ist ein vom Gericht ausgestellter Nachweis darüber, wer Erbe ist. Erben mehrere Personen gemeinsam, dann steht im Erbschein auch, wie hoch der Anteil eines jeden Erben am Nachlass ist (§ 2353 BGB). Dementsprechend gibt es den Erbschein für den Alleinerben oder die Alleinerbin und einen gemeinschaftlichen Erbschein, in dem alle Personen einer Erbengemeinschaft aufgeführt sind (§ 352a FamFG).

Das Nachlassgericht hält im Erbschein auch fest, falls ein Testamentsvollstrecker eingesetzt wird. Vermächtnisse, Auflagen und Pflichtteilsansprüche vermerkt das Gericht hingegen nicht.

Hier findest Du ein Beispiel für einen gemeinschaftlichen Erbschein.

Was kostet ein Erbschein?

Die Kosten des Erbscheins hängen vom Wert des Nachlasses ab. Hatte der Erblasser Schulden, sind diese abzuziehen.

Verlangt das Nachlassgericht ein Nachlassverzeichnis, wird Dir in der Regel ein Vordruck zur Verfügung gestellt, mit dem Du die gesamte Erbschaft erfassen kannst. Einige Bundesländer bieten dazu einfache Muster an, andere zumindest beschreibbare PDF-Formulare. Die Muster zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses haben wir für Dich in der folgenden Übersicht zusammengestellt.

Vordrucke Wertermittlung Nachlass

Etwas komfortabler ist das kostenpflichtige Tool des Erblotsen für ein digitales Nachlassverzeichnis zur Erbaufteilung.

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Wie bestimmst Du den Wert von Immobilien im Nachlass?

Für im Nachlass enthaltene Grundstücke musst Du beim Erbscheinsantrag den Verkehrswert angeben – also den Wert, den Du bei einem Verkauf erzielen könntest. Du kannst Dich aber ersatzweise auch auf Bodenrichtwerte stützen (§ 46 GNotKG). 

Die meist günstigeren Bodenrichtwerte bilden anhand der Lage den durchschnittlichen Wert für das unbebaute Grundstück ab. Die Abfrage der Bodenrichtwerte ist in vielen Bundesländern kostenlos über Online-Portale möglich. Eine Tabelle mit den Links zu den Landesportalen findest Du im Ratgeber Boris und Bodenrichtwert.

Ansonsten erteilt Dir der entsprechende Gutachterausschuss der Stadt oder Gemeinde Auskunft, meist gegen eine geringe Gebühr. 

Bei vermieteten Immobilien kannst Du den Ertragswert angeben. Was das bedeutet, erfährst Du im Ratgeber zur Immobilienbewertung.

Wie hoch sind die Gerichtsgebühren für den Erbschein?

Die Gerichtsgebühren für den Erbschein richten sich nach der Gebührentabelle B zum Gerichts- und Notarkostengesetz. Sie verdoppeln sich praktisch, weil neben der Erteilungsgebühr auch eine Gebühr für die eidesstattliche Versicherung anfällt, die Du bei einem Erbscheinsantrag immer gegenüber dem Gericht abgeben musst.

Wert der Erbschaft bis …Gerichtsgebührtatsächliche Kosten1
10.000 €75 €150 €
50.000 €165 €330 €
110.000 €273 €546 €
200.000 €435 €870 €
500.000 €935 €1.870 €
1.000.000 €1.735 €3.470 €
1.500.000 €2.535 €5.070 €
2.000.000 €3.335 €6.670 €

1Antrag beim Nachlassgericht, Nr. 12210 Kostenverzeichnis (KV) GNotKG; Vorbemerkung 1 Abs. 2 und Nr. 23300  KV GNotKG
Quelle: Auszug aus Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG), Anlage 2, Tabelle B, Finanztip-Recherche (Stand: Oktober 2026)

Drei Beispiele dafür, was ein Erbschein kosten kann:

  1. Beträgt der Wert der Erbschaft 10.000 Euro, kostet der Erbschein rund 150 Euro; eine Gebühr für den Erbschein von 75 Euro sowie eine weitere Gebühr für die eidesstattliche Versicherung.
  2. Wer 110.000 Euro erbt, zahlt für einen Erbschein insgesamt 546 Euro.
  3. Beläuft sich das Erbe auf eine halbe Million Euro, fallen für den Erbschein 1.870 Euro an.

Wer muss den Erbschein bezahlen?

Die Kosten für den Erbschein muss grundsätzlich derjenige zahlen, der den Antrag gestellt hat. Stellt die Erbengemeinschaft gemeinsam einen Antrag auf Erteilung des Erbscheins, müssen sich alle an den Kosten beteiligen.

Hermann Tenhagen
Hermann TenhagenChefredakteur

Wenn Pflege Thema wird: Orga, Antrag, bezahlen

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Wie beantragst Du einen Erbschein?

Du beantragst den Erbschein, indem Du als Erbe persönlich beim Nachlassgericht einen Antrag stellst und eine eidesstattliche Versicherung abgibst. Bei einigen Nachlassgerichten musst Du einen Termin vereinbaren.

Wer falsche Angaben im Erbscheinsverfahren macht, macht sich strafbar (§ 156 StGB). 

Erbst Du mit mehreren Personen gemeinsam, könnt ihr gemeinsam den Antrag stellen, müsst es aber nicht. Beantragt nur ein Miterbe den Erbschein, ist es sinnvoll, dem Nachlassgericht Vollmachten der anderen Miterben vorzulegen. Erklären diese ihr Einverständnis mit dem Antrag, geht es schneller, denn ansonsten muss das Nachlassgericht die anderen Personen anschreiben, damit sie zu dem Antrag Stellung nehmen können. Einige Gerichte stellen auf ihrer Webseite ein Muster für die Vollmacht der Miterben zur Verfügung, wie etwa das Nachlassgericht Düsseldorf.

Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigte dürfen keinen Erbscheinsantrag stellen.

Welches Gericht ist für Deinen Erbscheinsantrag zuständig?

Für Deinen Erbscheinsantrag ist immer das Amtsgericht als Nachlassgericht am letzten Wohnsitz der verstorbenen Person zuständig (§ 343 FamFG). 

Wie formulierst Du den Erbscheinsantrag?

Willst Du Dir den Weg zum Nachlassgericht sparen, kannst Du einen schriftlichen Antrag stellen. Dazu kannst Du das folgende Muster zum Download für Deinen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins nutzen. Der Antrag muss konkret die Erben benennen, die entweder aufgrund von gesetzlicher Erbfolge oder durch ein Testament oder einen Erbvertrag Erben geworden sind.

Muster Antrag Erbschein

Welche Unterlagen brauchst Du für den Erbscheinsantrag?

Diese Dokumente benötigt das Gericht, wenn Du als Erbe einen Erbschein beantragst:

  • Deinen Personalausweis oder Reisepass
  • Sterbeurkunde der verstorbenen Person
  • falls vorhanden: Testament oder Erbvertrag im Original; eine Kopie kann nur ausnahmsweise reichen, wenn es keine Zweifel an der Errichtung des Testaments gibt (OLG Zweibrücken, 07.08.2025, Az. 8 W 66/24)
  • Geburtsurkunden aller Erben sowie die Sterbeurkunden von Erben, die bereits verstorben sind
  • Anschriften aller Erben

Erbst Du als Ehepartner, musst Du die Heiratsurkunde vorlegen. 

Zum Nachweis der erforderlichen Angaben im Antrag musst Du eidesstattlich versichern, dass Dir nichts bekannt ist, was der Richtigkeit Deiner Angaben entgegensteht (§ 352 Abs. 3 FamFG). 

Kann ein Notariat den Erbscheinsantrag für Dich übernehmen?

Ein Notariat kann den gesamten Erbscheinsantrag für Dich übernehmen, das verursacht aber zusätzliche Kosten. Du bekommst dann zwei Rechnungen: eine vom Notariat und eine vom Gericht für die Erteilung des Erbscheins. 

Welche rechtlichen Folgen musst Du beachten, wenn Du einen Erbschein beantragst?

Mit dem Erbscheinsantrag nimmst Du die Erbschaft an und übernimmst so auch etwaige Schulden. Du kannst die Erbschaft dann nicht mehr ausschlagen. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig einen guten Überblick über den Nachlass zu verschaffen.

Bis wann musst Du einen Erbschein beantragen?

Du kannst einen Erbschein ohne gesetzliche Frist auch noch Jahre nach dem Erbfall beantragen.

Einige Ansprüche können in der Zwischenzeit allerdings verfallen sein. So verjährt ein Pflichtteilsanspruch nach drei Jahren. Lehnt das Nachlassgericht die Erteilung eines Erbscheins ab, kannst Du innerhalb von einem Monat Beschwerde einlegen.

Wie lange musst Du auf den Erbschein warten?

Du musst in der Regel mindestens vier Wochen auf den Erbschein warten. Die genaue Bearbeitungsdauer hängt aber vom Nachlassgericht und der Schwierigkeit des Falls ab.

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Was passiert, wenn der Erbschein falsch ist?

Ist ein erteilter Erbschein falsch, muss ihn das Nachlassgericht einziehen (§ 2361 BGB). Gutgläubige Dritte, die auf den falschen Erbschein vertraut haben, bleiben geschützt (§ 2365 BGB). 

Ein Erbschein kann sich als falsch herausstellen, weil zum Beispiel ein jüngeres Testament auftaucht, das die Erbfolge anders bestimmt, als es im Erbschein steht.

Dazu zwei Beispiele: Kauft jemand von einem Erben laut Erbschein zum Beispiel das Auto des Verstorbenen, gilt der Inhalt des Erbscheins (§ 2366 BGB). Ist aber jemand anders der richtige Eigentümer, so kann er das Auto nicht zurückverlangen.

Das Gleiche gilt bei einer Leistung an den Erben, der sich durch einen Erbschein ausgewiesen hat. Wer ein Darlehen bei einem nun Verstorbenen aufgenommen hatte, ist gut beraten, das Geld nicht einfach an die mutmaßlichen Erben ohne Vorlage eines Erbscheins zurückzuzahlen. Sonst riskiert er, zweimal zahlen zu müssen.

Wann ist ein europäischer Erbschein sinnvoll?

Ein europäischer Erbschein ist sinnvoll, wenn sich Nachlasswerte in anderen EU-Staaten  befinden und ein deutscher Erbschein dort nicht ausreicht.

In einer solchen Situation kannst Du ein europäisches Nachlasszeugnis beim Gericht beantragen. Seit 17. August 2015 besteht durch die EU-Erbrechtsverordnung die Möglichkeit, einen europäischen Erbschein zu beantragen, der in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gilt – außer in Irland und Dänemark.

Anders als beim deutschen Erbschein bekommt der Antragsteller nur eine beglaubigte Kopie des Zeugnisses, die grundsätzlich nur sechs Monate ab Ausstellung gültig ist. Nach Ablauf der Frist verliert die beglaubigte Kopie ihre Wirkung. Weitere Informationen und einen Antrag für den europäischen Erbschein findest Du bei der Europäischen Kommission.

Erhebt jemand Einwände gegen die Erbenstellung, verhindert das die Erteilung eines Europäischen Nachlasszeugnisses (OLG Frankfurt, 03.12.2025, Az. 21 W 96/23).

Wie hat Finanztip das digitale Nachlass-Tool untersucht?

Wir haben das kostenpflichtige Tool des Erblotsen zur digitalen Erstellung eines Nachlassverzeichnisses geprüft und halten es für nutzerfreundlich, fachlich passend und vielseitig einsetzbar.

Uns hat das Tool für die Erstellung eines digitalen Nachlassverzeichnisses überzeugt. Es entspricht erbschaftssteuerlichen Grundsätzen, bietet einen plastischen Überblick über die gesamte Erbschaft und deren Aufteilung und enthält gute Hinweise und Erläuterungen. Weitere Informationen zur Untersuchung des Angebots findest Du im Ratgeber Erbengemeinschaft.

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