Elternzeit

Für die Familie befristet zuhause bleiben

Dr. Britta Beate Schön 17. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Arbeitnehmer hast Du einen Anspruch, für die Kinderbetreuung unbezahlt von der Arbeit freigestellt zu werden – die Elternzeit.
  • Beide Elternteile können bei jedem Kind gleichzeitig oder nacheinander bis zu drei Jahre zu Hause bleiben. Während der ersten 14 Monate gibt es in der Regel Elterngeld als staatliche Sozialleistung.
  • Während der Elternzeit bist Du vor Kündigungen geschützt.
  • Bis zu 30 Stunden in der Woche kannst Du arbeiten, ohne dass die Elternzeit dadurch endet.
  • Im Anschluss an die Elternzeit hast Du das Recht, auf Deine alte oder eine vergleichbare Stelle zurückzukehren.
So gehst Du vor
  • Überleg Dir, wer sich um die Kinderbetreuung kümmern soll und wie lange Du zu Hause bleiben möchtest.
  • Falls Du Elternzeit beanspruchen willst, musst Du dies dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn schriftlich mitteilen. Fax oder E-Mail reicht nicht.
  • Zur Anmeldung der Elternzeit kannst Du unser Musterschreiben „Antrag auf Elternzeit“ verwenden.

Zum Download

  • Überleg Dir, ob Du während der Elternzeit mit reduzierter Stundenzahl arbeiten möchtest.
  • Klär auch, wie Du finanziell abgesichert bist während der Elternzeit. Beantrag dazu rechtzeitig Elterngeld. Weitere Informationen dazu findest Du in unserem Ratgeber Elterngeld.

Familie und Beruf zu vereinen ist oft nicht einfach. Die Elternzeit soll es Arbeitnehmern ermöglichen, sich um ihr Kind zu kümmern und gleichzeitig den Kontakt zur Arbeitswelt zu halten. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) regelt diese besondere Form des Urlaubs, die der Betreuung und Erziehung eigener oder – unter bestimmten Umständen – auch fremder Kinder dient.

Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Alle Mütter und Väter, die abhängig beschäftigt sind, haben einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit (§ 15 Abs. 1 BEEG). Dabei ist es egal, ob das Arbeitsverhältnis befristet ist oder nur eine Teilzeit-Stelle. Allerdings wird ein befristeter Job durch die Elternzeit nicht etwa verlängert. Auch Auszubildende und Beamte können Elternzeit verlangen (MuSchEltZV).

Elternzeit können nicht nur die leiblichen Eltern beanspruchen, wenn sie ein Kind betreuen. Das ausschlaggebende Kriterium ist vielmehr das Sorgerecht. Fehlt dieses bei einem Partner, kann er oder sie dennoch Elternzeit beantragen, wenn der sorgeberechtigte Elternteil dem zustimmt. Väter, deren Vaterschaft noch nicht anerkannt wurde, benötigen die Zustimmung der sorgeberechtigten Mutter.

Verwandte des Kindes können Elternzeit nehmen, wenn die leiblichen Eltern schwer erkrankt, behindert oder gestorben sind und sie sich nunmehr um das Kind kümmern müssen. 

Großeltern können Elternzeit nehmen

Auch Großeltern können sich für die Erziehung eines Enkelkindes für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren freistellen lassen (§ 15 Abs. 1a BEEG). Die Elternzeit für Großväter und -mütter ist jedoch an drei Voraussetzungen geknüpft:

  1. Das Enkelkind lebt mit dem Großelternteil in einem Haushalt.
  2. Der Vater oder die Mutter des Kindes ist minderjährig oder befindet sich in einer Ausbildung, die vor seinem oder ihrem 18. Geburtstag begonnen hat.
  3. Beide leiblichen Eltern nehmen selbst keine Elternzeit.

Aus dem Anspruch auf Elternzeit folgt nicht automatisch der Bezug von Elterngeld. So erhalten Großeltern kein Elterngeld, auch wenn sie in Elternzeit gehen.

Wie lange kann ich in Elternzeit gehen?

Beide Elternteile können bei jedem Kind gleichzeitig oder nacheinander bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen. Du kannst aber auch einen kürzeren Zeitraum wählen.

Aufteilung der Elternzeit

Die drei Jahre Elternzeit kannst Du in den ersten drei Lebensjahren Deines Kindes zusammenhängend nehmen oder aber die Zeit in Abschnitte aufteilen. Auf die Elternzeit angerechnet wird die Frist nach dem Mutterschutzgesetz, also die zwei Monate nach der Geburt des Kindes. Die Mutterschutzfrist verlängert die Elternzeit deshalb nicht über das dritte Jahr hinaus.

Wie flexibel Du bei der individuellen Festlegung Deiner Elternzeitmonate bist, hängt davon ab, wann das Kind geboren ist. Ist Dein Kind vor dem 1. Juli 2015 auf die Welt gekommen, kannst Du die Elternzeit in zwei Abschnitte aufteilen.

Mit Zustimmung des Chefs können Mütter und Väter auch bis zu zwölf Monate ihrer Elternzeit aufsparen und noch bis zum achten Geburtstag des Kindes nehmen, zum Beispiel im ersten Grundschuljahr. 

Ist Dein Kind nach dem 1. Juli 2015 geboren, kannst Du die Elternzeit auf drei Abschnitte verteilen. Außerdem kannst Du als Arbeitnehmer bis zu zwei Jahre Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nehmen. Es nicht nötig, dass der Arbeitgeber dem zustimmt. Die Mitteilungsfrist beträgt in diesem Fall 13 Wochen vor Beginn der Elternzeit. Ablehnen kann der Arbeitgeber die Elternzeit nach dem dritten Lebensjahr nur noch aus dringenden betrieblichen Gründen. 

Ein Jobwechsel während der Elternzeit mischt die Karten neu: Der neue Arbeitgeber ist nicht an die Zustimmung zur Elternzeit des vorherigen Betriebs gebunden.

Wie beantrage ich Elternzeit?

Informier Deinen Arbeitgeber rechtzeitig darüber, wie lange Du in Elternzeit gehen möchtest. Die Elternzeit innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes musst Du spätestens sieben Wochen vor deren Beginn schriftlich bei der Personalabteilung beantragen (§ 16 Abs. 1 BEEG).

Wenn Du als Mutter die Elternzeit direkt im Anschluss an die acht Wochen Mutterschutz nehmen möchtest, musst Du den Antrag auf Elternzeit spätestens eine Woche nach der Geburt stellen. Du kannst die Elternzeit aber auch schon vor der Geburt beantragen, indem Du den voraussichtlichen Geburtstermin angibst.

Für Elternzeit, die Du zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes nehmen möchtest, beträgt die Frist zur Anmeldung beim Arbeitgeber 13 Wochen vor deren Beginn.

In der Mitteilung musst Du gegenüber Deinem Arbeitgeber erklären, von wann bis wann Du die Elternzeit nach der Geburt des Kindes in den nächsten zwei Jahren nehmen willst. Bitte Deinen Arbeitgeber darum, dass er Dir das schriftlich bestätigt.

Der Arbeitgeber kann Deinen Antrag übrigens nicht ablehnen: Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit.

Achtung: Schriftlich bedeutet mit der Hand unterschrieben. Du solltest die Elternzeitmitteilung auf keinen Fall allein per E-Mail oder Fax schicken. Das genügt der strengen Schriftform nicht und ist damit nichtig, hat das Bundesarbeitsgericht entschieden (BAG, Urteil vom 10. Mai 2016, Az. 9 AZR 145/15). Du hast wegen des Formfehlers dann keinen Kündigungsschutz nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (§ 18 BEEG).

Für den Antrag auf Elternzeit kannst Du unser Musterschreiben Elternzeit nutzen.

Hier kannst Du Dir unser Musterschreiben „Antrag auf Elternzeit“ herunterladen:

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Kündigungsschutz während der Elternzeit

Während der Elternzeit darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis prinzipiell nicht kündigen. Dieser besondere Kündigungsschutz beginnt bereits, wenn der Mitarbeiter die Elternzeit verlangt hat – höchstens jedoch acht Wochen vor Beginn der Elternzeit (§ 18 BEEG). Wer die Elternzeit nach dem dritten Geburtstag des Kindes nimmt, für den beginnt der Kündigungsschutz frühestens 14 Wochen vorher. Es ist daher ratsam, die Elternzeit nicht sehr viel früher anzumelden, als es die gesetzlichen Fristen verlangen.

In allen Fällen endet der Kündigungsschutz mit Ablauf der Elternzeit. Der Arbeitnehmer kann das Arbeitsverhältnis zum Ende der Elternzeit kündigen, wenn er eine Kündigungsfrist von drei Monaten einhält.

Darf ich während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten?

Während der Elternzeit haben Mütter und Väter Anspruch auf eine reduzierte Wochenarbeitszeit. Von dem Argument, es gebe keine passende Stelle, brauchen sich Betroffene nicht abspeisen lassen: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, ihnen den Teilzeitwunsch zu erfüllen. Dafür müssen die Eltern lediglich die gewünschte Arbeitszeit und den Zeitraum mitteilen.

Erlaubt ist eine Erwerbstätigkeit von bis zu 30 Stunden wöchentlich. In Unternehmen mit weniger als 15 Beschäftigten besteht allerdings kein Anspruch auf Teilzeit. Dort müssen sich beide Seiten einigen.  

Insgesamt darfst Du als Arbeitnehmer zweimal verlangen, dass sich Deine Arbeitszeit verringert. Ein drittes Mal kannst Du nicht reduzieren (LAG Hamburg, Urteil vom 18. Mai 2011, Az. 5 Sa 93/10).

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Habe ich einen Urlaubsanspruch während der Elternzeit?

Der Arbeitgeber kann den Jahresurlaub, der Dir zusteht, für jeden vollen Kalendermonat der Elternzeit um ein Zwölftel kürzen. Den restlichen Urlaub muss er im laufenden Urlaubsjahr oder im Folgejahr nach der Elternzeit gewähren (§ 17 Abs. 1 BEEG).

Arbeitest Du während der Elternzeit in Teilzeit, hast Du denselben Urlaubsanspruch wie Deine Kollegen ohne Elternzeit. Endet das Arbeitsverhältnis in der Elternzeit oder wird es im Anschluss nicht fortgesetzt, muss der Betrieb Urlaubstage ausbezahlen, die Du nicht genommen hast.

Wie bin ich während der Elternzeit kranken- und pflegeversichert?

Mitglieder einer gesetzlichen Kran­ken­ver­si­che­rung sind während der Elternzeit beitragsfrei versichert, sofern sie pflichtversichert sind. Freiwillig gesetzlich Versicherte bleiben während der Elternzeit zwar Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse; sie müssen allerdings weiterhin Beiträge bezahlen, gegebenenfalls den Mindestbeitrag.

Privat Krankenversicherte in Elternzeit müssen dagegen ihren vollen Beitrag zahlen: Der Beitragszuschuss des Arbeitgebers zur Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung entfällt in der Elternzeit. Der Wechsel eines Elternteils in die kostenfreie Familienversicherung ist während der Elternzeit nicht möglich. 

Mehr zu diesem Thema erfährst Du in unserem Ratgeber zur Kran­ken­ver­si­che­rung in der Elternzeit.

Was passiert nach der Elternzeit?

Nach dem Ablauf der vereinbarten Elternzeit haben Mütter wie Väter ein Anrecht auf die Rückkehr auf ihren alten – oder einen vergleichbaren – Arbeitsplatz. Das gilt auch für Beamte. Der Dienstherr darf sie nach der Elternzeit nicht niedriger einstufen (EuGH, Urteil vom 7. September 2017, Az. C-174/16).

Ein vorzeitiges Ende der Elternzeit musst Du allerdings mit Deinem Arbeitgeber abstimmen. Dieser muss der Bitte aber entsprechen, wenn ihr keine betrieblichen Belange entgegenstehen. Das vorzeitige Ende wegen der Geburt eines weiteren Kindes oder eines besonderen Härtefalls – zum Beispiel, weil die wirtschaftliche Existenz der Eltern gefährdet ist –, kann der Arbeitgeber nur aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.

Arbeitslosengeld nach der Elternzeit

Wenn Du nach einer langen Elternzeit arbeitslos wirst, bekommst Du unter Umständen keine oder nur eine geringe finanzielle Unterstützung. So setzt der Bezug von Arbeitslosengeld voraus, dass in den letzten zwei Jahren in mindestens zwölf Monaten ein Versicherungsverhältnis mit der Agentur für Arbeit bestand. Das ist der Fall, wenn Du ein Kind erziehst, das jünger als drei Jahre ist. Wenn Du die Elternzeit dagegen zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nimmst, bist Du nicht arbeitslosenversichert. Das kann den Bezug von Arbeitslosengeld gefährden. 

Auch wenn Du die zwölfmonatige Anwartschaftszeit erfüllst, musst Du mit Abschlägen beim Arbeitslosengeld rechnen. Denn die Höhe der Leistung richtet sich keineswegs immer nach dem letzten Gehalt vor der Elternzeit: Hast Du in den zwei Jahren zuvor an weniger als 150 Kalendertagen gearbeitet, kann die Agentur für Arbeit stattdessen ein fiktives Arbeitsentgelt ansetzen.

Das Bundessozialgericht hat das bestätigt (Urteil vom 25. August 2011, Az. B 11 AL 19/10 R). Die Klägerin hatte nach vier Jahren Elternzeit ihre Arbeit verloren. Weil sie danach nur rund drei Monate lang beschäftigt war, berechnete die Behörde ihr Arbeitslosengeld auf Basis eines fiktiven Einkommens.

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