Gebrauchtwagen kaufen

Bleib flexibel beim Modell und vergleiche intensiv Preise

Annika Krempel
& Co-Autor
10. August 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du nicht bereits auf ein Modell festgelegt bist, findest Du im Gebrauchtwagenreport von Tüv Süd oder GTÜ Orientierung, was Qualität und Zuverlässigkeit verschiedener Fahrzeug-Typen angeht.
  • Gebrauchtwagenhändler sind im Durchschnitt teurer, bieten aber auch mehr Sicherheit als Privatanbieter.
So gehst Du vor
  • Mit einer guten Recherche und einer gründlichen Besichtigung des Autos vor der Kaufentscheidung schützt Du Dich vor Abzocke.
  • Vermittlungsportale im Internet wie mobile.de, Autoscout24 und Autouncle helfen bei der Suche. Sie listen Angebote von Händlern und Privatleuten auf und erleichtern den Preisvergleich. Verwende für die Recherche unsere Checkliste.

Zur Checkliste

  • Wenn Du Dich für ein Fahrzeug entschieden hast und mit dem Verkäufer handelseinig geworden bist: Nutze unseren Muster-Kaufvertrag.  
     

Sobald ein neues Auto auf der Straße die erste Runde dreht, ist es schon weniger wert als direkt beim Kauf. Bereits nach drei Jahren bringen Benziner, Diesel und Elektroautos beim Verkauf im Durchschnitt nur noch gut die Hälfte des Listenpreises ein, zeigt eine Auswertung des Fahrzeugbewertungs-Unternehmens Schwacke. Für viele Autokäufer ist der Wertverlust ein guter Grund, statt eines Neuwagens einen Gebrauchten zu nehmen. Dabei gibt es aber einige Punkte zu beachten.

Warum kommt es nicht allein auf den Wertverlust an?

Die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts spiegelt wider, wie beliebt Gebrauchtwagen sind: Während 2018 rund 7 Millionen Autos gebraucht gekauft wurden, gab es nur 3,4 Millionen Neuzulassungen. Die meisten neuen Wagen kauften allerdings keine Privatleute, sondern Firmen, etwa als Dienstwagen oder für die Vermietung. Trotzdem ist es für Privatleute nicht immer günstiger, einen Gebrauchten zu kaufen.

Zwar ist der Wertverlust von Autos am Anfang tatsächlich am höchsten. So verliert ein Golf 1.6 TDI laut den Gebrauchtwagen-Preisen des ADAC innerhalb von zwei Jahren gut 47 Prozent an Wert. Nach fünf Jahren ist er gut 60 Prozent weniger wert. Doch solche Rechnungen gehen immer vom Listenpreis aus. Händler gewähren auf diesen oft kräftige Rabatte.  Auf Neuwagen-Portalen gibt es Modelle durchschnittlich knapp 20 Prozent günstiger.

Falls Du Dir einen Gebrauchten zulegen möchtest, musst Du manchmal Kompromisse bei der Ausstattung eingehen. Gibt es das gewünschte Modell nur mit teuren Extras wie Sitzheizung, Schiebedach und Sportsitzen, dann kann ein Neuwagen die bessere Wahl sein – besonders als Alternative zu noch jungen Gebrauchten. Denn diesen kannst Du als Kunde individuell konfigurieren und brauchst nur für Extras zahlen, die Du auch haben möchtest. Mehr dazu erfährst Du in unserem Ratgeber Neuwagen kaufen

Bist Du nicht ganz so wählerisch und auch bereit, zum Beispiel ein Auto zu erstehen, das schon 80.000 Kilometer oder mehr gefahren ist, kannst Du weit unter dem Neupreis kaufen und so Deinen eigenen Wertverlust mit dem Auto begrenzen. Dann allerdings kommen schneller Reparaturen und teure Wartungsarbeiten auf Dich zu, etwa der Wechsel des Zahnriemens im Motor.

Wie findest Du den passenden Autotyp?

Wenn Du nicht auf ein ganz bestimmtes Modell festgelegt bist, ist der Blick in einen aktuellen Gebrauchtwagenreport, wie den von Tüv Süd oder GTÜ zu empfehlen. Dort findest Du die zuverlässigsten und qualitativ hochwertigsten Autos.

Falls Du in der Modellfrage tatsächlich flexibel bist, solltest Du außerdem vor einem Kauf die Versicherungsbeiträge vergleichen. Denn die Beiträge können stark voneinander abweichen. 

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleiche jeden Herbst, ob Deine Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlener Weg zum günstigsten Tarif: Erst bei Verivox oder Check24 vergleichen, dann Angebot bei der Huk24 einholen.

Zum Ratgeber 

Was musst Du bei der Gebrauchtwagen-Suche im Internet beachten?

Die größte Auswahl an gebrauchten Fahrzeugen findest Du auf Online-Portalen im Internet. Es gibt Seiten, die als klassische Vermittlungsportale agieren, zum Beispiel mobile.de, Autoscout24, Ebay-Kleinanzeigen oder wirkaufendeinauto.de. Private und gewerbliche Verkäufer bieten dort Autos zum Kauf an, wobei die Händlerangebote meist deutlich in der Überzahl sind.

Andere Seiten funktionieren wie Suchmaschinen: Sie bündeln die Angebote der Vermittlungsportale und ermöglichen so die Suche bei unterschiedlichen Anbietern. Dazu zählen Autouncle und 12gebrauchtwagen.de. 

Auf solchen Portalen kannst Du gezielt nach Autos suchen. Modell, Alter und Ausstattung kannst Du einschränken und bekommst in der Ergebnis-Liste passende Angebote angezeigt. Falls Du explizit nach Privatverkäufen oder im Gegenteil nach Händlerangeboten suchst, kannst Du auch das einstellen.

Nutze für Deine Suche unsere Checkliste Autokauf.

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In einem früheren Finanztip-Test haben die Gebrauchtwagenportale mobile.de, Autoscout24 und Autouncle am besten abgeschnitten. Mobile.de und Autoscout24 listen nach eigenen Angaben 1,1 Millionen beziehungsweise 1,5 Millionen Fahrzeuge auf. Autouncle vergleicht europaweit mehr als 1.700 Online-Seiten, darunter auch die Gebrauchtwagenbörsen der Hersteller. Für Deutschland zeigt das Portal mehr als 1,2 Millionen Ergebnisse an.

Autouncle und Autoscout24 haben eine Preisbewertung entwickelt, die ähnlich einer Ampel funktioniert. Ist das Angebot nach Einschätzung der Portale entweder sehr günstig, fair oder zu teuer, zeigen Markierungen von grün nach rot eine Bewertung an. Diese Preisbewertungen ermöglichen Dir eine erste Orientierung.

Doch gänzlich darauf verlassen solltest Du Dich nicht. Denn die Portale vergleichen das Angebot nur mit dem aktuellen Marktpreis. Der individuelle Zustand des Autos fließt nicht in diese Wertung mit ein, genauso wenig wie eventuell teure Sonderausstattung oder Umbauten. Achte in der Beschreibung der Angebote und später bei der Besichtigung deshalb auf jeden Fall auf Mängel und die Ausstattung.

So ermittelst Du einen angemessenen Preis

Bist Du jemand, der/die sich nicht besonders gut mit Autos auskennt? Hast Du die Sorge, beim Gebrauchtwagenkauf über den Tisch gezogen zu werden? Dagegen hilft nur die Unterstützung durch einen kundigen Bekannten – oder eine ausführliche Recherche.

Einen ersten Eindruck, welche Preise für ein bestimmtes Modell und dessen Zustand aufgerufen werden, kannst Du Dir auf den Online-Portalen verschaffen. Sehr hilfreich für einen schnellen Marktüberblick ist auch das Gebrauchtwagenheft der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“.

Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, ein Auto bewerten zu lassen. So bietet die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) ein Bewertungstool online und gratis an. ADAC-Mitglieder erhalten diesen Service auf der Internetseite des Automobilclubs unentgeltlich. Diese Bewertungen erfolgen aber nur anhand der wichtigsten Eckdaten des Autos. Der genaue Zustand des jeweiligen Fahrzeugs kann so nicht erfasst werden.

Beim Dekra-Siegel für Gebrauchtwagen ist das anders. Dort wird das jeweilige Auto technisch geprüft. Außerdem bietet die Dekra eine Wertermittlung an. Beide Untersuchungen kosten jeweils ab etwa 125 Euro. Beide Dienstleistungen nehmen häufiger Verkäufer in Anspruch und bezahlen sie. In einigen Fällen teilen sich aber auch Kaufinteressent und Verkäufer die Kosten. Falls Du ein Dekra-Gutachten wünschst, verhandele mit dem Verkäufer darüber.

Prüfung und Probefahrt unerlässlich

Sobald ein Kauf-Kandidat feststeht, ist eine Probefahrt samt genauer Prüfung des Autos Pflicht. Wenn Du selbst kein Autoexperte bist, nimm Dir eine sachkundige Begleitung mit. Außerdem bieten Dekra und der ADAC Checklisten an, worauf Du dabei achten solltest. Untersuche beispielsweise die Karosserie auf Lackschäden oder Rost. Checke im Motorraum, ob die Leitungen dicht sind und achte beim Fahren auf ungewöhnliche Geräusche. Unbedingt solltest Du außerdem das Serviceheft und TÜV-Berichte genau anschauen. 

Kleine Mängel des Wagens, die für Dich akzeptabel sind, kannst Du beim Aushandeln des Kaufpreises nutzen. Die im Netz angegebenen Preise sind nicht in Stein gemeißelt.

Manipulierte Tachos

Immer wieder werden Gebrauchtwagen angeboten, deren Tachometer mechanisch oder elektronisch zurückgedreht wurden. Diese „Dienstleistung“ wird im Internet für wenig Geld angeboten; betrügerische Verkäufer nutzen sie gern. Dagegen kannst Du Dich schützen: Vergleiche die Einträge im Serviceheft und der Hauptuntersuchung mit den entsprechenden Daten und Kilometerständen auf Plausibilität.

Auch sollten Verschleiß und allgemeiner Zustand des Autos zum Tachostand passen. Im Zweifelsfall lässt sich oft auch der Kilometerstand aus dem Motorsteuergerät auslesen.

Was spricht für den Kauf beim Autohändler?

Nach einer Auswertung des ADAC über mehrere Jahre sind Gebrauchtwagen von privat im Durchschnitt etwa 8 Prozent günstiger als Autos vom Händler. Dafür gibt es beim Profi allerdings mehr Sicherheit: Anders als ein privater Verkäufer muss der Händler für Sachmängel haften. Deshalb unterziehen insbesondere Händler, die das Kfz-Meisterschild als Innungsbetrieb haben, Autos einer genauen Prüfung, bevor sie die Wagen zum Verkauf anbieten.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass gewerbliche Verkäufer zwei Jahre für Sachmängel haften. Diese Frist kann im Kaufvertrag auf ein Jahr verkürzt werden. Darauf solltest Du Dich nicht einlassen.

Sachmängel sind Fehler, die das Auto schon bei der Übergabe hatte. In den ersten sechs Monaten liegt die Beweislast beim Verkäufer. Ist zum Beispiel der Katalysator defekt, muss der Händler nachweisen, dass dies bei der Übergabe des Autos noch nicht der Fall war.

Für Schäden, die nicht von der Sachmängelhaftung abgedeckt sind, bieten viele Händler zusätzlich eine Gebrauchtwagengarantie. Oft ist sie schon im Kaufpreis enthalten. Der Umfang dieser Garantie ist aber sehr unterschiedlich. Achte im Vertrag auf Einschränkungen und Ausschlusskriterien. Insbesondere wenn die Garantie einen Aufpreis kostet, musst Du abwägen, ob sich das lohnt.

Bei Ärger mit dem Autokauf hilft eine gute Verkehrs-Rechtsschutzversicherung.

Wie läuft der Gebrauchtwagen-Kauf ab?

Hast Du Dich für ein Auto entschieden und den besten Preis herausgehandelt, geht es an den Kaufvertrag. Die meisten Händler verwenden Standardverträge.

Vergleiche diesen mit dem Finanztip-Mustervertrag.

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Der Verkäufer sollte den Vertrag unbedingt vollständig ausfüllen. Mängel des Fahrzeugs müssen in einer Mängelliste im Vertrag festgehalten werden. Auch die Unfallfreiheit muss schriftlich bestätigt werden.

Wie ein Gebrauchtwagen überführt und zugelassen wird

Ist das Auto bei der Übergabe noch auf den Verkäufer angemeldet, kannst Du mit dem Wagen problemlos nach Hause fahren und es dort ummelden. Die Versicherung des Verkäufers gilt noch so lange für das Auto, bis Du eine eigene abgeschlossen und der Zulassungsstelle gemeldet hast.

Ist das Auto schon abgemeldet, kannst Du es mit einem Anhänger abholen. Einfacher ist es allerdings, sich ein Kurzzeit-Kennzeichen für die Überführung zu holen. Das bekommen Du bei Deiner Zulassungsstelle, wenn Du Ausweis, Versicherungsnachweis und die Zulassungsbescheinigungen I und II vorlegen (Fahrzeugschein und -brief). Dieses Kennzeichen ist für fünf Tage und nur für Probe- und Überführungsfahrten gültig.

Für die endgültige Zulassung des Gebrauchten sind zusätzlich noch der Bericht über die Hauptuntersuchung (zum Beispiel durch den TÜV), eine Einzugsermächtigung für die Kfz-Steuer und die Kennzeichen notwendig.

Wie Du die beste und preisgünstigste Kfz-Versicherung für Deinen Gebrauchtwagen findest, erfährst Du in unserem Ratgeber zur Kfz-Versicherung.

Autokredite für Deinen Gebrauchtwagen

Auch Gebrauchtwagen kannst Du grundsätzlich auf Kredit kaufen. Weil das Auto dabei als Sicherheit dient, ist das Darlehen in der Regel günstiger als ein normaler Ratenkredit. Die Portale mobile.de und Autoscout24 verweisen in ihren Ergebnislisten mit den einzelnen Autos direkt auf die Kreditangebote auf dem Vergleichsportal Check24.

Wir empfehlen allerdings, dass Du Angebote auf mindestens zwei Kreditportalen miteinander vergleichst. Außerdem ist es sinnvoll, vorher mit dem Finanztip-Kreditrechner zu ermitteln, wie hoch die Kreditsumme sein darf, damit Du sie stemmen kannst, und welche Rate Du monatlich aufbringen musst.

Mehr dazu im Ratgeber Autokredit

Zum Ratgeber

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

Autor
Annika Krempel
& Co-Autor
Jens Tartler

10. August 2020


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