Gebrauchtwagen kaufen

Bleiben Sie flexibel beim Modell und vergleichen Sie intensiv Preise

Annika Krempel
& Co-Autor
Stand: 24. Juli 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie nicht bereits auf ein Modell festgelegt sind, finden Sie im Dekra-Gebrauchtwagenreport Orientierung, was Qualität und Zuverlässigkeit verschiedener Fahrzeug-Typen angeht.
  • Gebrauchtwagenhändler sind im Durchschnitt teurer, bieten aber auch mehr Sicherheit als Privatanbieter.
So gehen Sie vor
  • Mit einer guten Recherche und einer gründlichen Besichtigung des Autos vor der Kaufentscheidung schützen Sie sich vor Abzocke.
  • Vermittlungsportale im Internet wie mobile.de, Autoscout24 und Autouncle helfen bei der Suche. Sie listen Angebote von Händlern und Privatleuten auf und erleichtern den Preisvergleich. Verwenden Sie für die Recherche unsere Checkliste.

Zur Checkliste

  • Wenn Sie sich für ein Fahrzeug entschieden haben und mit dem Verkäufer handelseinig geworden sind: Nutzen Sie unseren Muster-Kaufvertrag.  
     

Sobald ein neues Auto auf der Straße die erste Runde dreht, ist es schon weniger wert als direkt beim Kauf. Bereits nach drei Jahren bringen Benziner, Diesel und Elektroautos beim Verkauf im Durchschnitt nur noch gut die Hälfte des Listenpreises ein, zeigt eine Auswertung des Fahrzeugbewertungs-Unternehmens Schwacke. Für viele Autokäufer ist der Wertverlust ein guter Grund, statt eines Neuwagens einen Gebrauchten zu nehmen. Dabei gibt es aber einige Punkte zu beachten.

Warum kommt es nicht allein auf den Wertverlust an?

Die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts spiegelt wider, wie beliebt Gebrauchtwagen sind: Während 2018 rund 7 Millionen Autos gebraucht gekauft wurden, gab es nur 3,4 Millionen Neuzulassungen. Die meisten neuen Wagen kauften allerdings keine Privatleute, sondern Firmen, etwa als Dienstwagen oder für die Vermietung. Trotzdem ist es für Privatleute nicht immer günstiger, einen Gebrauchten zu kaufen.

Zwar ist der Wertverlust von Autos am Anfang tatsächlich am höchsten. So verliert ein Golf 1.6 TDI laut den Gebrauchtwagen-Preisen des ADAC innerhalb von zwei Jahren gut 47 Prozent an Wert. Nach fünf Jahren ist er gut 60 Prozent weniger wert. Doch solche Rechnungen gehen immer vom Listenpreis aus. Händler gewähren auf diesen oft kräftige Rabatte.  Auf Neuwagen-Portalen gibt es Modelle durchschnittlich knapp 20 Prozent günstiger.

Falls Sie sich einen Gebrauchten zulegen möchten, müssen Sie manchmal Kompromisse bei der Ausstattung eingehen. Gibt es das gewünschte Modell nur mit teuren Extras wie Sitzheizung, Schiebedach und Sportsitzen, dann kann ein Neuwagen die bessere Wahl sein – besonders als Alternative zu noch jungen Gebrauchten. Denn diesen können Sie als Kunde individuell konfigurieren und brauchen nur für Extras zahlen, die Sie auch haben möchten. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber Neuwagen kaufen

Sind Sie nicht ganz so wählerisch und auch bereit, zum Beispiel ein Auto zu erstehen, das schon 80.000 Kilometer oder mehr gefahren ist, können Sie weit unter dem Neupreis kaufen und so Ihren eigenen Wertverlust mit dem Auto begrenzen. Dann allerdings kommen schneller Reparaturen und teure Wartungsarbeiten auf Sie zu, etwa der Wechsel des Zahnriemens im Motor.

Wie finden Sie den passenden Autotyp?

Wenn Sie nicht auf ein ganz bestimmtes Modell festgelegt sind, sollten Sie sich den aktuellen Dekra-Gebrauchtwagenreport genau anschauen. Dort finden Sie die zuverlässigsten und qualitativ hochwertigsten Autos.

Ebenfalls lohnend: Die Wert-Ermittler von Schwacke küren gemeinsam mit der Zeitschrift „Auto Bild“ jedes Jahr die „Wertmeister“. Das sind die Autos mit dem geringsten Wertverlust – eine gute Entscheidungshilfe bei der Wahl des richtigen Modells.

Falls Sie in der Modellfrage tatsächlich flexibel sind, sollten Sie außerdem vor einem Kauf die Versicherungsbeiträge vergleichen. Denn die Beiträge können stark voneinander abweichen. 

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleichen Sie jeden Herbst, ob Ihre Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter: Verivox, Check24, Huk24

Zum Ratgeber 

Was müssen Sie bei der Gebrauchtwagen-Suche im Internet beachten?

Die größte Auswahl an gebrauchten Fahrzeugen finden Sie auf Online-Portalen im Internet. Es gibt Seiten, die als klassische Vermittlungsportale agieren, zum Beispiel mobile.de, Autoscout24, Ebay-Kleinanzeigen oder wirkaufendeinauto.de. Private und gewerbliche Verkäufer bieten dort Autos zum Kauf an, wobei die Händlerangebote meist deutlich in der Überzahl sind.

Andere Seiten funktionieren wie Suchmaschinen: Sie bündeln die Angebote der Vermittlungsportale und ermöglichen so die Suche bei unterschiedlichen Anbietern. Dazu zählen Autouncle und 12gebrauchtwagen.de. 

Auf solchen Portalen können Sie gezielt nach Autos suchen. Modell, Alter und Ausstattung können Sie einschränken und bekommen in der Ergebnis-Liste passende Angebote angezeigt. Falls Sie explizit nach Privatverkäufen oder im Gegenteil nach Händlerangeboten suchen, können Sie auch das einstellen.

Nutzen Sie für Ihre Suche unsere Checkliste Autokauf.

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In einem früheren Finanztip-Test haben die Gebrauchtwagenportale mobile.de, Autoscout24 und Autouncle am besten abgeschnitten. Mobile.de und Autoscout24 listen nach eigenen Angaben 1,1 Millionen beziehungsweise 1,5 Millionen Fahrzeuge auf. Autouncle vergleicht europaweit mehr als 1.700 Online-Seiten, darunter auch die Gebrauchtwagenbörsen der Hersteller. Für Deutschland zeigt das Portal mehr als 1,2 Millionen Ergebnisse an.

Autouncle und Autoscout24 haben eine Preisbewertung entwickelt, die ähnlich einer Ampel funktioniert. Ist das Angebot nach Einschätzung der Portale entweder sehr günstig, fair oder zu teuer, zeigen Markierungen von grün nach rot eine Bewertung an. Diese Preisbewertungen ermöglichen Ihnen eine erste Orientierung.

Doch gänzlich darauf verlassen sollten Sie sich nicht. Denn die Portale vergleichen das Angebot nur mit dem aktuellen Marktpreis. Der individuelle Zustand des Autos fließt nicht in diese Wertung mit ein, genauso wenig wie eventuell teure Sonderausstattung oder Umbauten. Achten Sie in der Beschreibung der Angebote und später bei der Besichtigung deshalb auf jeden Fall auf Mängel und die Ausstattung.

So ermitteln Sie einen angemessenen Preis

Sind Sie jemand, der/die sich nicht besonders gut mit Autos auskennt? Haben Sie die Sorge, beim Gebrauchtwagenkauf über den Tisch gezogen zu werden? Dagegen hilft nur die Unterstützung durch einen kundigen Bekannten – oder eine ausführliche Recherche.

Einen ersten Eindruck, welche Preise für ein bestimmtes Modell und dessen Zustand aufgerufen werden, können Sie sich auf den Online-Portalen verschaffen. Sehr hilfreich für einen schnellen Marktüberblick ist auch das Gebrauchtwagenheft der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“.

Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, ein Auto bewerten zu lassen. So bietet die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) ein Bewertungstool online und gratis an. Bei Schwacke kostet eine solche Bewertung 7,90 Euro. ADAC-Mitglieder erhalten diesen Service auf der Internetseite des Automobilclubs unentgeltlich. Diese Bewertungen erfolgen aber nur anhand der wichtigsten Eckdaten des Autos. Der genaue Zustand des jeweiligen Fahrzeugs kann so nicht erfasst werden.

Beim Dekra-Siegel für Gebrauchtwagen ist das anders. Dort wird das jeweilige Auto technisch geprüft. Außerdem bietet die Dekra eine Wertermittlung an. Beide Untersuchungen kosten jeweils ab etwa 125 Euro. Beide Dienstleistungen nehmen häufiger Verkäufer in Anspruch und bezahlen sie. In einigen Fällen teilen sich aber auch Kaufinteressent und Verkäufer die Kosten. Falls Sie ein Dekra-Gutachten wünschen, verhandeln Sie mit dem Verkäufer darüber.

Prüfung und Probefahrt unerlässlich

Sobald ein Kauf-Kandidat feststeht, ist eine Probefahrt samt genauer Prüfung des Autos Pflicht. Wenn Sie selbst kein Autoexperte sind, nehmen Sie sich eine sachkundige Begleitung mit. Außerdem bieten Dekra und der ADAC Checklisten an, worauf Sie dabei achten sollten. Untersuchen Sie beispielsweise die Karosserie auf Lackschäden oder Rost. Checken Sie im Motorraum, ob die Leitungen dicht sind und achten Sie beim Fahren auf ungewöhnliche Geräusche. Unbedingt sollten Sie außerdem das Serviceheft und TÜV-Berichte genau anschauen. 

Kleine Mängel des Wagens, die für Sie akzeptabel sind, können Sie beim Aushandeln des Kaufpreises nutzen. Die im Netz angegebenen Preise sind nicht in Stein gemeißelt.

Manipulierte Tachos

Immer wieder werden Gebrauchtwagen angeboten, deren Tachometer mechanisch oder elektronisch zurückgedreht wurden. Diese „Dienstleistung“ wird im Internet für wenig Geld angeboten; betrügerische Verkäufer nutzen sie gern. Dagegen können Sie sich schützen: Vergleichen Sie die Einträge im Serviceheft und der Hauptuntersuchung mit den entsprechenden Daten und Kilometerständen auf Plausibilität.

Auch sollten Verschleiß und allgemeiner Zustand des Autos zum Tachostand passen. Im Zweifelsfall lässt sich oft auch der Kilometerstand aus dem Motorsteuergerät auslesen.

Was spricht für den Kauf beim Autohändler?

Nach einer Auswertung des ADAC über mehrere Jahre sind Gebrauchtwagen von privat im Durchschnitt etwa 8 Prozent günstiger als Autos vom Händler. Dafür gibt es beim Profi allerdings mehr Sicherheit: Anders als ein privater Verkäufer muss der Händler für Sachmängel haften. Deshalb unterziehen insbesondere Händler, die das Kfz-Meisterschild als Innungsbetrieb haben, Autos einer genauen Prüfung, bevor sie die Wagen zum Verkauf anbieten.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass gewerbliche Verkäufer zwei Jahre für Sachmängel haften. Diese Frist kann im Kaufvertrag auf ein Jahr verkürzt werden. Darauf sollten Sie sich nicht einlassen.

Sachmängel sind Fehler, die das Auto schon bei der Übergabe hatte. In den ersten sechs Monaten liegt die Beweislast beim Verkäufer. Ist zum Beispiel der Katalysator defekt, muss der Händler nachweisen, dass dies bei der Übergabe des Autos noch nicht der Fall war.

Für Schäden, die nicht von der Sachmängelhaftung abgedeckt sind, bieten viele Händler zusätzlich eine Gebrauchtwagengarantie. Oft ist sie schon im Kaufpreis enthalten. Der Umfang dieser Garantie ist aber sehr unterschiedlich. Achten Sie im Vertrag auf Einschränkungen und Ausschlusskriterien. Insbesondere wenn die Garantie einen Aufpreis kostet, müssen Sie abwägen, ob sich das lohnt.

Bei Ärger mit dem Autokauf hilft eine gute Verkehrs-Rechtsschutzversicherung.

Wie läuft der Gebrauchtwagen-Kauf ab?

Haben Sie sich für ein Auto entschieden und den besten Preis herausgehandelt, geht es an den Kaufvertrag. Die meisten Händler verwenden Standardverträge.

Vergleichen Sie diesen mit dem Finanztip-Mustervertrag.

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Der Verkäufer sollte den Vertrag unbedingt vollständig ausfüllen. Mängel des Fahrzeugs müssen in einer Mängelliste im Vertrag festgehalten werden. Auch die Unfallfreiheit muss schriftlich bestätigt werden.

Wie ein Gebrauchtwagen überführt und zugelassen wird

Ist das Auto bei der Übergabe noch auf den Verkäufer angemeldet, können Sie mit dem Wagen problemlos nach Hause fahren und es dort ummelden. Die Versicherung des Verkäufers gilt noch so lange für das Auto, bis Sie eine eigene abgeschlossen und der Zulassungsstelle gemeldet haben.

Ist das Auto schon abgemeldet, können Sie es mit einem Anhänger abholen. Einfacher ist es allerdings, sich ein Kurzzeit-Kennzeichen für die Überführung zu holen. Das bekommen Sie bei Ihrer Zulassungsstelle, wenn Sie Ausweis, Versicherungsnachweis und die Zulassungsbescheinigungen I und II vorlegen (Fahrzeugschein und -brief). Dieses Kennzeichen ist für fünf Tage und nur für Probe- und Überführungsfahrten gültig.

Für die endgültige Zulassung des Gebrauchten sind zusätzlich noch der Bericht über die Hauptuntersuchung (zum Beispiel durch den TÜV), eine Einzugsermächtigung für die Kfz-Steuer und die Kennzeichen notwendig.

Wie Sie die beste und preisgünstigste Kfz-Versicherung für Ihren Gebrauchtwagen finden, erfahren Sie in unserem Ratgeber zur Kfz-Versicherung.

Autokredite für Ihren Gebrauchtwagen

Auch Gebrauchtwagen können Sie grundsätzlich auf Kredit kaufen. Weil das Auto dabei als Sicherheit dient, ist das Darlehen in der Regel günstiger als ein normaler Ratenkredit. Die Portale mobile.de und Autoscout24 verweisen in ihren Ergebnislisten mit den einzelnen Autos direkt auf die Kreditangebote auf dem Vergleichsportal Check24.

Wir empfehlen allerdings, dass Sie Angebote auf mindestens zwei Kreditportalen miteinander vergleichen. Außerdem ist es sinnvoll, vorher mit dem Finanztip-Kreditrechner zu ermitteln, wie hoch die Kreditsumme sein darf, damit Sie sie stemmen können, und welche Rate Sie monatlich aufbringen müssen.

Mehr dazu im Ratgeber Autokredit

Zum Ratgeber

Ergebnisse früherer Finanztip-Untersuchungen

Autor
Annika Krempel
& Co-Autor
Jens Tartler

Stand: 24. Juli 2019


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