Pflegezusatzversicherung Vergleich

Die Pflege-Lücke mit einer privaten Zusatzversicherung schließen

Julia Rieder 02. November 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nicht alle Kosten für die Pflege ab. Deshalb solltest Du zusätzlich privat vorsorgen.
  • Eine private Pflegezusatzversicherung ist eine Möglichkeit. Der Der Nachteil dabei: Das Geld, das Du in die Versicherung eingezahlt hast, ist weg, falls Du keine Pflege benötigst.
  • Beim privaten Zusatzschutz gibt es drei Modelle: die Pflegetagegeld-Versicherung, die Pflegekosten-Versicherung und die Pflege-Rentenversicherung.
  • Der Staat fördert den Abschluss einiger Pflegetagegeld-Verträge mit dem „Pflege-Bahr“. Die Förderung beträgt 5 Euro pro Monat, sie rechnet sich jedoch kaum.
So gehst Du vor
  • Eine Pflegezusatzversicherung ist nur für Dich geeignet, wenn Du Dir die relativ hohen Beiträge langfristig leisten kannst. Denn falls Du wegen Geldmangels kündigen musst, sind alle gezahlten Beiträge weg.
  • Alternativ kannst Du selbst das Geld für die Pflege ansparen und Deine Wohnsituation so gestalten, dass Du möglichst lange selbstständig Deinen Alltag bewältigen kannst.
  • Falls Du Dich für eine Zusatzversicherung entscheidest, empfehlen wir eine Pflegetagegeld-Versicherung. Auf welche Punkte Du im Vertrag achten solltest, erklären wir Dir weiter unten in diesem Ratgeber.

Immer mehr Menschen sind im Alter auf professionelle Pflege angewiesen. Doch eine angemessene Versorgung ist teuer, egal, ob zuhause oder im Heim. Die gesetzliche Pflegeversicherung hilft dabei, die wichtigsten Maßnahmen zu finanzieren. Als eine Art Teilkaskoversicherung übernimmt sie jedoch nie die gesamten Kosten. Die Differenz – oft mehrere Hundert Euro – müssen Pflegebedürftige aus eigener Tasche bezahlen. Willst Du ausreichend für den Pflegefall vorsorgen, solltest Du daher überlegen, wie Du die Finanzierungslücke schließt.

Wie groß ist der Eigenanteil bei der Pflege?

Das Wichtigste zuerst: In Deutschland muss niemand Angst haben, im Pflegefall ganz ohne Versorgung dazustehen. Seit 1995 muss jeder Krankenversicherte auch pflegeversichert sein. Privatversicherte zahlen in die private Pflegepflichtversicherung ein, gesetzlich Versicherte in die soziale Pflegeversicherung.

Mit den Beiträgen werden verschiedene Leistungen für Pflegebedürftige finanziert. Sie sind im Sozialgesetzbuch XI festgelegt und für Mitglieder der privaten und sozialen Pflegepflichtversicherung identisch. Wie hoch die Leistungen der Pflegeversicherung ausfallen, hängt davon ab, wie viel Unterstützung Du als Pflegebedürftiger brauchst und davon, ob Du von Angehörigen, einem ambulanten Pflegedienst oder im Pflegeheim betreut wirst. Welche Leistungen es bei welchem Pflegegrad gibt, erklären wir in unserem Ratgeber zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Das gesetzlich vorgeschriebene Sicherungsnetz bietet jedoch nur eine Grundversorgung. Meist decken die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten ab. Den Rest musst Du aus eigener Tasche aufbringen. Kannst Du das nicht, springt das Sozialamt ein und zahlt „Hilfe zur Pflege“. Hast Du Kinder, können diese verpflichtet sein, im Rahmen des Elternunterhalts Kosten für Deine Pflege zu übernehmen. Es gibt jedoch relativ hohe Freibeträge, die vor Unterhaltszahlungen geschützt sind.

Unterschiedlicher Eigenanteil nach Wohnort und Pflegeform

Für die Betreuung in einem Pflegeheim zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung einen Zuschuss zwischen 770 Euro (Pflegegrad 2) und 2.005 Euro (Pflegegrad 5). Das deckt allerdings nicht die gesamten Kosten. Für die pflegerische Versorgung bleibt in der Regel ein Eigenanteil, auch für Unterkunft und Verpflegung im Heim sowie Investitionskosten musst Du als Pflegebedürftiger selbst aufkommen.

Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) mussten Heimbewohner 2018 durchschnittlich Kosten in Höhe von 2.015 Euro im Monat selbst tragen. Die Kosten für einen Pflegeplatz variieren jedoch enorm, abhängig davon, wo Du wohnst. Damit schwankt auch der Eigenanteil für die stationäre Pflege, denn der Zuschuss der Pflegeversicherung ist bundesweit einheitlich hoch. In Sachsen-Anhalt war der Eigenanteil laut VDEK mit 1.436 Euro am niedrigsten, in Nordrhein-Westfalen mussten Pflegebedürftige mit 2.405 Euro im Monat am meisten selbst zahlen. Unterschiede bei den Pflegekosten gibt es auch zwischen Stadt und Land.

Monatlicher Eigenanteil bei stationärer Pflege

Bundeslanddurchschnittlicher Eigenanteil
Sachsen-Anhalt1.436 €
Mecklenburg-Vorpommern1.540 €

Thüringen

1.564 €

Sachsen

1.621 €

Brandenburg

1.697 €

Niedersachsen

1.704 €

Schleswig-Holstein

1.841 €
Bremen1.959 €
Hessen1.965 €
Berlin1.990 €
Bayern2.018 €
Hamburg2.032 €
Rheinland-Pfalz2.119 €
Saarland2.341 €
Baden-Württemberg2.354 €
Nordrhein-Westfalen2.405 €

Durchschnittliche finanzielle Belastung ohne Ausbildungsumlage beziehungsweise individuelle Ausbildungskosten
Quelle: VDEK (Stand: 1. Juli 2020)

Wie hoch der Eigenanteil bei der ambulanten Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst ist, lässt sich schwer verallgemeinern. Die Kosten hängen davon ab, welchen Pflegegrad Du hast und wie viel Unterstützung Du brauchst. Für die ambulante Versorgung durch einen Pflegedienst zahlen die Pflegekassen zwischen 125 Euro (Pflegegrad 1) und 1.995 Euro (Pflegegrad 5). Ausgaben, die darüber hinausgehen, musst Du alleine tragen.

Für wen ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

Immer mehr Menschen benötigen im Alter Pflege. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, wie Du leben möchtest, wenn Deine Fitness nachlässt und wie sich das organisieren und finanzieren lässt. Eine Möglichkeit, für potenzielle Pflegekosten vorzusorgen, ist die Pflegezusatzversicherung. Je nach Modell decken die Verträge ganz oder teilweise Kosten ab, die die Pflichtversicherung nicht übernimmt.

Ob eine Zusatzversicherung für Dich sinnvoll ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Was Du sonst noch tun kannst, um für die Pflege vorzusorgen, erklären wir weiter unten in diesem Text.

Folgende zwei grundsätzliche Fragen solltest Du Dir stellen, bevor Du eine Pflegezusatzversicherung abschließt:

1. Könnte ich anders vorsorgen?

Zunächst solltest Du Dir einen Überblick darüber verschaffen, wie viel Geld Du im Alter voraussichtlich zur Verfügung haben wirst. Wie hoch sind Deine Rentenansprüche? Besitzt Du Vermögen in Aktien, Festgeld oder eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung? Hast Du Mieteinnahmen? Wirst Du eine größere Summe erben? Wohnst Du in der eigenen Immobilie? Wie viel legst Du jeden Monat für die Altersvorsorge zurück? Könntest Du diesen Betrag noch etwas erhöhen, um ein Geldpolster für den Pflegefall anzusparen?

Wenn Du den Eigenanteil an Pflegekosten aus Deinem Vermögen stemmen kannst und auch bereit bist, dies zu tun, benötigst Du keine Pflegezusatzversicherung. Dabei solltest Du auch bedenken, dass 2017 nur ein Viertel der Pflegebedürftigen in einem Heim versorgt wurde. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Der Großteil älterer Menschen wird zuhause gepflegt – in der Regel also zu niedrigeren Kosten als im Heim.

Die Statistik zeigt auch, dass das Risiko für Pflegebedürftigkeit erst im hohen Alter stark ansteigt. 2017 war jeder Sechste in der Altersgruppe zwischen 75 und 85 Jahren auf Pflege angewiesen. Von den 85- bis 90-Jährigen waren 45 Prozent pflegebedürftig. Erst ab einem Alter von 90 Jahren musste eine große Mehrheit der Senioren gepflegt werden (71 Prozent).

Statistiken sagen natürlich wenig über Deine individuelle Wahrscheinlichkeit aus, pflegebedürftig zu werden. Wie lange Du gegebenenfalls gepflegt werden musst, lässt sich ebenfalls schwer prognostizieren. Die durchschnittliche Pflegedauer schwankt zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren je nach Art der Erkrankung, wegen der jemand pflegebedürftig wird.

Die Tatsache, dass der Pflegefall meist erst spät im Leben eintritt, verschafft Dir jedoch Zeit, dieses Thema auf andere Weise als über eine private Pflegezusatzversicherung zu regeln: Die Beiträge, die Du für die Versicherung zahlen musst, kannst Du auch selbst ansparen. 50 Euro pro Monat, angelegt zu 4 Prozent, ergeben in 40 Jahren einen Betrag von über 58.000 Euro. Mit einem ETF-Sparplan an der Börse ist das durchaus realistisch. 

Wenn Du mit 40 Jahren beginnst, auf diese Weise vorzusorgen und im Alter von 80 Jahren pflegebedürftig wirst, hast Du also erst einmal ein finanzielles Polster. Voraussetzung für diesen Plan ist natürlich, dass Du das Geld nicht zwischenzeitlich aufbrauchst.

Bleibst Du von der Pflegebedürftigkeit verschont, kannst Du das Geld selbst nutzen oder vererben. Geld, das Du in eine Pflegezusatzversicherung eingezahlt hast, bekommst Du hingegen nicht zurück, wenn Du nicht pflegebedürftig wirst.

2. Kann ich mir die Zusatzversicherung langfristig leisten?

Pflegezusatzversicherungen gehören zu den eher kostspieligen Verträgen. Ein Kunde, der mit 55 Jahren einen Pflegetagegeld-Vertrag abschließt, zahlt laut Stiftung Warentest rund 90 Euro im Monat. Bei einigen Anbietern musst Du die Versicherungsbeiträge auch dann weiterzahlen, wenn Du pflegebedürftig bist. Eine Pause bei Zahlungsschwierigkeiten gewähren die Versicherer oft nur für eine begrenzte Zeit, zum Beispiel wenn Du vorübergehend arbeitslos bist. Die fehlenden Beiträge musst Du dann unter Umständen später auf einen Schlag nachzahlen.

Überlege Dir deshalb gut, ob Du Dir den Beitrag für die nächsten 30 oder 40 Jahre leisten kannst – auch im Rentenalter. Berücksichtige dabei auch, dass die Beiträge im Laufe der Zeit steigen können. In den vergangenen Jahren haben viele Pflegeversicherer ihre Beiträge deutlich erhöht. Ein Leser berichtete uns sogar, dass die Pflegeversicherung seines Vaters den Beitrag im Mai 2020 mehr als verdoppelt hat. Derartige Preissteigerungen solltest Du verkraften können. Denn wenn Du die Versicherung kündigen musst, weil sie zu teuer geworden ist, verlierst Du nicht nur den Versicherungsschutz, sondern auch alle bereits gezahlten Beiträge.

Bedenke also: Der Beitrag, den Du bei Vertragsabschluss zahlst, ist nicht in Stein gemeißelt. Er wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich steigen. Das liegt unter anderem daran, dass Pflege teurer wird, etwa durch steigende Löhne oder eine bessere Versorgung. Auch politische Reformen können dafür sorgen, dass Versicherte umfassendere Pflegeleistungen erhalten. Daraus resultierende Kostensteigerungen können die Anbieter von Pflegezusatzversicherungen an die Kunden weitergeben und den Beitrag erhöhen.

Genau das ist Anfang 2017 passiert. Der Gesetzgeber hat die Einstufung der Pflegebedürftigkeit vollständig überarbeitet und die bisherigen drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade überführt. Eine Finanztip-Umfrage unter 19 großen Versicherern hat gezeigt, dass die Unternehmen ihre Verträge an den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff angepasst haben. Im Zuge der Umstellung haben aber auch alle von Finanztip befragten Anbieter die Beiträge erhöht, in einigen Fällen um bis zu 20 Prozent. Wie sich die Beiträge in den kommenden Jahrzehnten weiter entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen.

Deshalb solltest Du Dich zunächst um alle wirklich wichtigen Versicherungen kümmern, wie Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- oder Wohngebäudeversicherung (falls Du eine Immobilie besitzt). Auch die Altersvorsorge hat Vorrang. Denn über Deine Altersvorsoge kannst Du im Rentenalter frei verfügen, unabhängig davon, ob Du pflegebedürftig wirst oder nicht. Und das Ersparte kannst Du beliebig verwenden, für Pflegekosten oder auch für andere Ausgaben.

Wenn Du keinen finanziellen Spielraum hast, um Geld für mögliche Pflegekosten zurückzulegen oder eine Pflegezusatzversicherung zu zahlen, gibt es andere Möglichkeiten für das Leben im Alter vorzusorgen. So lassen sich etwa Pflegekosten reduzieren, indem Du Dich frühzeitig mit altersgerechtem Wohnen beschäftigst und Deinen Alltag so organisierst, dass Du möglichst wenig auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen bist. Mehr dazu liest Du am Ende unseres Ratgebers.

Welche Varianten der Pflegezusatzversicherung gibt es?

Wenn Du Dich für eine Pflegezusatzversicherung interessierst, kannst Du zwischen drei verschiedenen Modellen wählen: der Pflegekosten-Versicherung, der Pflege-Rentenversicherung und der Pflegetagegeld-Versicherung.

Allen Modellen ist gemein: Wie viel die Versicherung kostet, hängt von Deinem Alter und Deiner Gesundheit beim Vertragsschluss ab und davon, wie hoch die Zahlungen der Versicherung sein sollen. Je später Du die Versicherung abschließt, desto höher sind die Beiträge. Hast Du bereits Erkrankungen, verlangt die Versicherung in der Regel einen Risikozuschlag. Schließt Du hingegen in jungen Jahren einen Vertrag ab, zahlst Du oft jahrzehntelang umsonst Beiträge.

Neben den drei genannten Modellen gibt es noch eine Sonderform: den sogenannten Pflege-Bahr. Mit dieser Variante fördert der Staat unter bestimmten Bedingungen den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung, ähnlich wie bei der Riester-Rentenversicherung.

Ein kurzer Überblick über die vier Varianten des privaten Pflegeschutzeses:

1. Pflegetagegeld

Bei einer Pflegetagegeld-Versicherung vereinbarst Du mit der Versicherung eine feste Summe pro Tag, die Dir bei Pflegebedürftigkeit ausgezahlt wird. Die Höhe des Tagegelds hängt vom Pflegegrad ab. Das bedeutet, die Pflegebedürftigkeit muss bei Dir offiziell festgestellt worden sein. Bei einem niedrigen Pflegegrad bekommst Du meist nur einen Teil der vereinbarten Summe, den vollen Tagessatz gibt es erst bei schwerer Pflegebedürftigkeit.

Der Vorteil an solchen Tarifen: Das Geld von der Versicherung kannst Du frei verwenden. Du kannst es nutzen, um die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst oder ein Pflegeheim zu finanzieren. Du kannst damit aber auch eine Haushaltshilfe oder einen Menü-Bringdienst bezahlen oder Freunde und Familie für ihre Unterstützung honorieren.

Das Pflegetagegeld erhältst Du unabhängig von den tatsächlich angefallenen Kosten. Du musst also keine Rechnungen bei der Versicherung einreichen. Und falls am Ende des Monats noch ein Teil des Tagegelds übrig ist, kannst Du den Betrag ansparen.

Aufgrund der flexiblen Einsatzmöglichkeiten halten wir das Pflegetagegeld für die sinnvollste Variante der Pflegezusatzversicherungen.

2. Pflegekosten-Versicherung

Pflegekosten-Versicherungen gibt es in unterschiedlichen Formen. Einige Tarife verdoppeln die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Wirst Du allerdings zuhause von einem Verwandten gepflegt, kürzt die Versicherung die Zahlung häufig deutlich. Bei solchen Angeboten musst Du meist keine Belege für Deine Pflegekosten einreichen. Die Versicherung zahlt pauschal das, was Dir für Deinen Pflegegrad auch von der Pflegepflichtversicherung zusteht.

Anders ist das bei der zweiten Variante der Pflegekosten-Versicherung: Hier musst Du alle Pflegekosten nachweisen. Denn die Zusatzversicherung übernimmt nur den Teil der Rechnung, den die gesetzliche Pflegeversicherung nicht zahlt. Das bedeutet gleichzeitig: Die Pflegekosten-Versicherung beteiligt sich nur an Pflegeleistungen, die auch im Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegeversicherung enthalten sind. Du kannst das Geld von der Versicherung also nicht beliebig einsetzen. Außerdem gibt es meist eine Höchstgrenze für die Zahlung. Übernehmen Angehörige die Pflege, zahlt die Versicherung oft einen bestimmten Betrag als Pflegegeld.

Die Erstattungssummen bei der Pflege durch Angehörige sind bei den Pflegekosten-Versicherungen in der Regel deutlich niedriger als bei Pflegetagegeld-Versicherungen. Pflegekosten-Tarife eignen sich daher nur, wenn Du Dich im Pflegefall von einem professionellen Pflegedienst oder im Heim betreuen lassen willst. Pflegekosten-Versicherungen sind meist etwas günstiger als gute Pflegetagegeld-Tarife.

3. Pflege-Rentenversicherung

Eine Pflege-Rentenversicherung funktioniert etwas anders als die bisher vorgestellten Varianten. Während bei Pflegetagegeld- und Pflegekosten-Versicherungen die Beiträge mit der Zeit steigen können, ist der Beitrag bei Pflege-Rentenversicherungen für die gesamte Laufzeit festgelegt. Dafür sind diese Tarife jedoch von Anfang an deutlich teurer.

Von der Pflege-Rentenversicherung erhältst Du eine monatliche Rente, wenn bei Dir Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Allerdings gibt es bei Pflegegrad 1 und teilweise sogar Pflegegrad 2 oft noch kein Geld. Das ist ungünstig, denn 2017 hatten laut Angaben des Statistischen Bundesamtes fast die Hälfte aller Pflegebedürftigen Pflegegrad 1 oder 2.

Die Zahlungen der Pflege-Rentenversicherung sind meist nach dem Pflegegrad gestaffelt. Die volle Rente gibt es unter Umständen erst bei Pflegegrad 5. Bei einigen Anbietern kannst Du selbst festlegen, welchen Prozentsatz der versicherten Rentensumme Du bei welchem Pflegegrad erhalten möchtest. Über das Geld von der Versicherung kannst Du frei verfügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du im Heim oder zuhause gepflegt wirst. Aufgrund der hohen Kosten raten wir von Pflege-Rentenversicherungen jedoch eher ab.

4. Pflege-Bahr: Staatlich geförderter Zusatzschutz

Der Staat fördert mit dem „Pflege-Bahr“ ausschließlich Pflegetagegeld-Versicherungen. Eine Bedingung für die Förderung ist, dass niemand abgelehnt werden darf. Der Versicherer führt also keine Gesundheitsprüfung durch. Außerdem muss Versicherten mit Pflegegrad 5 mindestens ein Pflegegeld von 600 Euro im Monat gezahlt werden. Die Leistungen für die Pflegegrade 1 bis 4 sind gestaffelt.

Sind alle Kriterien erfüllt, hast Du einen Anspruch auf Förderung von 5 Euro im Monat, sofern Du selbst mindestens 10 Euro monatlich in die Pflege-Zusatzversicherung einzahlst. Du musst Dich nicht selbst um die Förderung kümmern. Die Versicherung kalkuliert den Zuschuss ein und beantragt die monatliche Zulage von 5 Euro bei der Zulagenstelle.

Das Tagegeld aus dem Pflege-Bahr reicht im Pflegefall oft nicht aus. Viele Versicherer bieten daher auch Kombi-Tarife an, mit einem geförderten und einem nicht geförderten Teil. Ein weiteres Problem beim Pflege-Bahr: Weil die Anbieter niemanden ablehnen dürfen, verlangen sie einen höheren Beitrag. Denn es ist damit zu rechnen, dass vor allem Menschen mit Vorerkrankungen dieses Angebot nutzen. Die Versicherer versuchen mit den hohen Beiträgen vorzusorgen für den Fall, dass sie deshalb besonders häufig Leistungen zahlen müssen.

Die geringen Leistungen und relativ hohen Beiträge verstärken diesen Effekt noch – für Gesunde ist der Pflege-Bahr nicht attraktiv. Es ist damit zu rechnen, dass die Beiträge für Pflege-Bahr-Tarife in den kommenden Jahren steigen werden. Auch wenn Du pflegebedürftig bist, musst Du die Versicherung weiterzahlen. Im schlechtesten Fall übersteigt der Beitrag irgendwann die Leistungen, die Du von der Versicherung bekommst. Wir halten diese Variante der Pflegezusatzversicherung deshalb für nicht empfehlenswert.

Welche Punkte sind bei Pflegezusatzversicherungen wichtig?

Wichtigstes Auswahlkriterium für eine Pflegezusatzversicherung ist, dass das Angebot Deine finanzielle Lücke im Pflegefall abdeckt und für Dich auch langfristig bezahlbar ist. Um zu bestimmen, wie hoch die Absicherung sein muss, solltest Du versuchen, grob abzuschätzen, wie viel Geld Du im Ruhestand übrig haben wirst. Dazu brauchst Du einen Überblick über Dein zu erwartendes Einkommen (Rentenansprüche, Kapitalerträge, Mieteinnahmen) und Deine Fixkosten.

Demgegenüber steht der Eigenanteil, den Du voraussichtlich für die Pflege zahlen musst. Zur Orientierung kannst Du die Angaben der Stiftung Warentest nutzen. Diese geht für die Pflege im Heim von einer Finanzierungslücke von 1.500 Euro aus, unabhängig vom Pflegegrad. Für die ambulante Pflege trifft die Stiftung Warentest folgende Annahmen:

Finanzierungslücke bei Pflege zuhause

Pflegegrad 1

125 Euro

Pflegegrad 2

500 Euro

Pflegegrad 3

1.100 Euro

Pflegegrad 4

2.200 Euro

Pflegegrad 5

2.200 Euro

Quelle: Finanztest (Stand: Februar 2020)

Auf diese Merkmale im Vertrag solltest Du achten

Neben der passenden Höhe der Absicherung gibt es noch weitere Kriterien, die gute Tarife aus unserer Sicht erfüllen sollten:

Zahlt unabhängig von Art der Pflege und Pflegegrad - Du solltest sowohl bei häuslicher als auch bei stationärer Pflege Leistungen bekommen. Außerdem sollte die Versicherung bei allen fünf Pflegegraden zahlen, nicht nur bei besonders starker Pflegebedürftigkeit.

Gleiches Geld für Profi- und Laienpflege - In der ambulanten Pflege sollte der Vertrag gleich hohe Leistungen vorsehen, egal ob Dich ein Angehöriger oder ein professioneller Pflegedienst versorgt oder beide.

Orientierung am gesetzlichen System - Um Mittel aus einer privaten Pflegezusatzversicherung zu erhalten, musst Du nachweisen, dass Du pflegebedürftig bist. Am einfachsten ist das, wenn sich der private Anbieter an den Pflegegraden der gesetzlichen Pflegeversicherung orientiert. Auf eine Untersuchung durch eigene Ärzte sollte der Anbieter verzichten, wenn die Pflegepflichtversicherung Dich als pflegebedürftig einstuft.

Verzicht auf Wartezeit - Der Vertrag sollte keine Wartezeit vorsehen, bevor Du Leistungen beantragen kannst. Dann zahlt die Versicherung auch, falls Du schon in den ersten Monaten oder Jahren nach Vertragsabschluss pflegebedürftig wirst.

Rückwirkende Leistung - Grundsätzlich zahlt die Versicherung erst ab dem Zeitpunkt, an dem Du Leistungen beantragst. Vorteilhafter ist es, wenn Dein Anbieter rückwirkend ab dem Tag zahlt, an dem die Pflegebedürftigkeit offiziell festgestellt wurde. So bekommst Du für den gesamten Zeitraum der Pflegebedürftigkeit Geld, auch wenn Du den Versicherungsfall erst etwas später gemeldet hast.

Kostenlos im Pflegefall - Bei einigen Angeboten musst Du die Versicherungsbeiträge immer weiterzahlen, selbst dann, wenn Du schon Leistungen von der Pflegezusatzversicherung bekommst. Um die finanzielle Belastung im Pflegefall so niedrig wie möglich zu halten, sollten spätestens ab Pflegegrad 2 keine Beiträge mehr anfallen.

Beitragspause möglich - Bei Zahlungsschwierigkeiten ist es gut, wenn Du eine Beitragspause mit Deiner Versicherung vereinbaren kannst. Oft ist das an bestimmte Bedingungen wie Arbeitslosigkeit geknüpft. Je mehr Anlässe ein Anbieter als Grund für eine Beitragspause akzeptiert und je weniger Unterlagen und Nachweise er dafür fordert, desto besser. Achte außerdem darauf, ob Du während der Pause weiterhin Versicherungsschutz hast und ob Du die fehlenden Beiträge später nachzahlen musst.

Erhöhungsoptionen - Die Inflation und Veränderungen Deiner Lebenssituation können dafür sorgen, dass die Leistungen, die Du ursprünglich im Vertrag vereinbart hast, im Alter nicht mehr reichen. Deshalb ist es nützlich, wenn ein Tarif die Möglichkeit bietet, Leistungen ohne eine erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Manchmal kannst Du die versicherten Summen zu bestimmten Anlässen hochsetzen, etwa wenn der Partner stirbt, der Dich hätte pflegen sollen. Viele Versicherer bieten auch eine sogenannte Leistungsdynamik an. Das bedeutet, wenn Du tatsächlich pflegebedürftig bist, werden die Leistungen des Tarifs regelmäßig erhöht. Achte aber darauf, ob es ein Höchstalter für die Erhöhungen gibt und ob mit den besseren Leistungen auch der Beitrag steigt.

Vorerkrankungen bei Abschluss richtig angeben

Wenn Du eine Pflege-Zusatzversicherung abschließt, prüft die Versicherung zunächst Deinen Gesundheitszustand. Die Anbieter sind nämlich nicht verpflichtet, jeden zu versichern. Trotzdem solltest Du alle Fragen zur Gesundheit vollständig und wahrheitsgemäß beantworten.

Vorerkrankungen, nach denen im Antrag gefragt wird, darfst Du dem Versicherer auf keinen Fall verschweigen. Zwar droht dann gegebenenfalls ein Risikozuschlag auf den Beitrag. Doch wenn falsche oder fehlende Angaben später ans Tageslicht kommen, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Versicherung Deinen Vertrag kündigt und Du keine Leistungen im Pflegefall erhältst.

Falls Du gesundheitliche Einschränkungen hast, ist eine sogenannte anonyme Risikovoranfrage sinnvoll. Ein Versicherungsmakler oder -berater fragt dann bei verschiedenen Anbietern nach, ob und zu welchen Konditionen diese Dich versichern würden. Das Besondere dabei ist, dass persönliche Angaben wie Name, Anschrift und Geburtsdatum in dieser Anfrage geschwärzt sind. So bekommst Du ein realistisches Bild davon, welches Angebot für Dich am besten geeignet ist, ohne zu riskieren, dass ein Versicherer Dich ablehnt. Denn dann kann es schwierig werden, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.

Welche Alternativen zur Pflegezusatzversicherung gibt es?

Falls Du Dir keine Pflegezusatzversicherung leisten kannst oder willst, gibt es weitere Möglichkeiten, für den Pflegefall vorzusorgen. Eine solide Altersvorsorge und Geldanlage sind eine gute Basis, um zusätzliche Kosten im Alter abzufedern.

Außerdem ist es sinnvoll, sich frühzeitig altersgerechte vier Wände zu suchen. Ein Zuhause, in dem Du nicht mit langen Treppen oder einer hohen Badewanne kämpfen musst, kann im Alter helfen, möglichst lange selbstbestimmt zu leben. Das ist nicht nur angenehmer, sondern spart auch Kosten. Denn solange Du Dich selbstständig versorgen kannst, musst Du keine Pflegekraft bezahlen.

Bist Du bereits pflegebedürftig, zahlt die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro für Umbauten, die Deine Wohnung pflegegerechter machen. Da das aber nicht immer ausreicht, ist es sinnvoll, bei jeder ohnehin anstehenden Modernisierung zu überlegen, ob sich das Zuhause barrierefreier gestalten lässt. Dazu kannst Du Dich beraten lassen. Einen Überblick über die bundesweiten Beratungsangebote findest Du zum Beispiel bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. Zudem gibt es Zuschüsse und Förderangebote für altersgerechte Umbauten, etwa die KfW-Programme 455 und 159.

Auch andere Formen des Wohnens können das Leben im Alter erleichtern. In vielen Orten gibt es Mehrgenerationen-Projekte, die das Zusammenleben von Menschen verschiedenen Alters fördern. Die Bewohner helfen sich gegenseitig bei der Bewältigung ihres Alltags und planen gemeinsame Freizeitaktivitäten. Ein anderes Konzept ist Wohnen für Hilfe. Dabei stellen Senioren Studenten ein Zimmer zur Verfügung. Die Studenten zahlen Nebenkosten, aber keine Miete und helfen den Gastgebern dafür im Alltag, zum Beispiel bei Haus- und Gartenarbeit oder täglichen Erledigungen.

Auch Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige sind eine Möglichkeit, benötigte Hilfe kostengünstiger zu organisieren. Die Bewohner können Betreuungs- und Unterstützungsangebote gemeinsam nutzen und sich die Kosten dafür teilen. Eine Pflege- Wohngemeinschaft kannst Du selbst organisieren, es gibt jedoch auch Anbieter, die entsprechende Projekte leiten. Auf dem Serviceportal Zuhause im Alter des Bundesfamilienministeriums findest Du zahlreiche Informationen zu Wohnmodellen für Senioren, Hilfsangeboten und Beratungsstellen.

Hilfe zur Pflege

Sollte es soweit kommen, dass Du den Eigenanteil der Pflegekosten nicht alleine stemmen kannst, kannst Du beim Sozialamt „Hilfe zur Pflege“ beantragen. Diese Unterstützung nahmen nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen 2017 immerhin 11 Prozent der Pflegebedürftigen in Anspruch. Bevor Du Hilfe zur Pflege bekommst, musst Du jedoch Dein Vermögen aufbrauchen – 5.000 Euro (Stand 2020) darfst Du aber als Schonvermögen behalten.

Sofern Du Kinder hast, kann es sein, dass das Sozialamt das Geld von Deinen Kindern zurückfordert. Denn Kinder sind gesetzlich verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für den Unterhalt der Eltern zu sorgen. Seit Januar 2020 werden Kinder aber erst in die Pflicht genommen, wenn sie mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen. Details dazu liest Du in unseren Ratgebern zum Elternunterhalt und dem sogenannten Schonvermögen beim Elternunterhalt.

Autor
Julia Rieder

02. November 2020


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