Pflegezusatzversicherung Vergleich

Die Pflege-Lücke mit einer privaten Zusatzversicherung schließen

Julia Rieder Stand: 12. April 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt im Pflegefall meist nicht alle Kosten. Diese Finanzierungslücke sollten Sie schließen.

  • Eine private Pflegezusatzversicherung ist eine Möglichkeit, für den Pflegefall vorzusorgen. Nachteil gegenüber dem privaten Ansparen: Das Geld, das Sie in die Versicherung eingezahlt haben, ist weg, falls Sie keine Pflege benötigen.

  • Den privaten Zusatzschutz gibt es in drei Modellen: als Pflegetagegeld-Versicherung, Pflegekosten-Versicherung und Pflege-Rentenversicherung.

  • Der Staat fördert den Abschluss einiger Pflegetagegeld-Verträge mit dem „Pflege-Bahr“. Die Förderung beträgt 5 Euro pro Monat. Trotz der Förderung rechnet sich diese Variante kaum. 

So gehen Sie vor
  • Eine Pflegezusatzversicherung ist nur für Sie geeignet, wenn Sie sich die relativ hohen Beiträge langfristig leisten können. Denn falls Sie wegen Geldmangels kündigen müssen, sind alle gezahlten Beiträge weg.
  • Sie können auch selbst Geld für mögliche Pflegekosten zur Seite legen und versuchen, Ihre Wohnsituation so zu gestalten, dass Sie möglichst lange selbstständig Ihren Alltag bewältigen können.
  • Falls Sie sich für eine Zusatzversicherung entscheiden, empfehlen wir eine Pflegetagegeld-Versicherung. Diese bietet die flexibelste Absicherung, denn sie zahlt bei Pflege zuhause und im Heim. Außerdem können Sie das Geld frei verwenden.
  • Auf welche Punkte Sie im Vertrag achten sollten, erklären wir weiter unten in diesem Ratgeber.

Immer mehr Menschen sind im Alter auf professionelle Pflege angewiesen. Doch eine angemessene Versorgung ist teuer, egal, ob zuhause oder im Heim. Die gesetzliche Pflegeversicherung hilft dabei, die wichtigsten Maßnahmen zu finanzieren. Als eine Art Teilkaskoversicherung übernimmt sie jedoch nie die gesamten Kosten. Die Differenz – oft mehrere Hundert Euro – müssen Pflegebedürftige aus eigener Tasche bezahlen. Wollen Sie ausreichend für den Pflegefall vorsorgen, sollten Sie daher überlegen, wie Sie die Finanzierungslücke schließen.

Wie groß ist der Eigenanteil bei der Pflege?

Das Wichtigste zuerst: In Deutschland muss niemand Angst haben, im Pflegefall ganz ohne Versorgung dazustehen. Seit 1995 muss jeder Krankenversicherte auch pflegeversichert sein. Privatversicherte zahlen in die private Pflegepflichtversicherung ein, gesetzlich Versicherte in die soziale Pflegeversicherung.

Mit den Beiträgen werden verschiedene Leistungen für Pflegebedürftige finanziert. Sie sind im Sozialgesetzbuch XI festgelegt und für Mitglieder der privaten und sozialen Pflegepflichtversicherung identisch. Wie hoch die Leistungen der Pflegeversicherung ausfallen, hängt davon ab, wie viel Unterstützung Sie als Pflegebedürftiger brauchen und davon, ob Sie von Angehörigen, einem ambulanten Pflegedienst oder im Pflegeheim betreut werden. Welche Leistungen es bei welchem Pflegegrad gibt, erklären wir in unserem Ratgeber zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Das gesetzlich vorgeschriebene Sicherungsnetz bietet jedoch nur eine Grundversorgung. Meist decken die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten ab. Den restlichen Betrag müssen Sie aus eigener Tasche aufbringen. Können Sie das nicht, springt das Sozialamt ein und zahlt „Hilfe zur Pflege“. Haben Sie Kinder, können diese verpflichtet sein, im Rahmen des Elternunterhalts Kosten für Ihre Pflege zu übernehmen. Es gibt jedoch relativ hohe Freibeträge, die vor Unterhaltszahlungen geschützt sind.

Unterschiedlicher Eigenanteil nach Wohnort und Pflegeform

Für die Betreuung in einem Pflegeheim zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung einen Zuschuss zwischen 770 Euro (Pflegegrad 2) und 2.005 Euro (Pflegegrad 5). Das deckt allerdings nicht die gesamten Kosten. Für die pflegerische Versorgung bleibt in der Regel ein Eigenteil, auch für Unterkunft und Verpflegung im Heim sowie Investitionskosten müssen Sie als Pflegebedürftiger selbst aufkommen.

Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (VDEK) mussten Heimbewohner 2018 durchschnittlich Kosten in Höhe von 1.830 Euro im Monat selbst tragen. Die Kosten für einen Pflegeplatz variieren jedoch enorm, abhängig davon, wo Sie wohnen. Damit schwankt auch der Eigenanteil für die stationäre Pflege, denn der Zuschuss der Pflegeversicherung ist bundesweit einheitlich hoch. In Sachsen-Anhalt war der Eigenanteil laut VDEK mit 1.218 Euro am niedrigsten, in Nordrhein-Westfalen mussten Pflegebedürftige mit 2.252 Euro im Monat am meisten selbst zahlen. Unterschiede bei den Pflegekosten gibt es auch zwischen Stadt und Land.

Monatlicher Eigenanteil bei stationärer Pflege

Bundeslanddurchschnittlicher Eigenanteil
Sachsen-Anhalt

1.218 €

Sachsen1.279 €

Thüringen

1.322 €

Mecklenburg-Vorpommern

1.368 €

Brandenburg

1.486 €

Niedersachsen

1.504 €

Schleswig-Holstein

1.584 €
Hessen1.761 €
Bremen1.771 €
Berlin1.848 €
Bayern1.869 €
Hamburg1.915 €
Rheinland-Pfalz1.969 €
Baden-Württemberg2.123 €
Saarland2.217 €
Nordrhein-Westfalen

2.252 €

Durchschnittliche finanzielle Belastung ohne Ausbildungsumlage bzw. individuelle Ausbildungskosten
Quelle: VDEK (Stand: 1. Januar 2019)

Wie hoch der Eigenanteil bei der ambulanten Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst ist, lässt sich schwer verallgemeinern. Die Kosten hängen davon ab, welchen Pflegegrad Sie haben und wie viel Unterstützung Sie brauchen. Für die ambulante Versorgung durch einen Pflegedienst zahlen die Pflegekassen zwischen 125 Euro (Pflegegrad 1) und 1.995 Euro (Pflegegrad 5). Ausgaben, die darüber hinausgehen, müssen Sie alleine tragen.

Für wen ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

Immer mehr Menschen benötigen im Alter Pflege. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, wie Sie leben möchten, wenn Ihre Fitness nachlässt und wie sich das organisieren und finanzieren lässt. Eine Möglichkeit, für potenzielle Pflegekosten vorzusorgen, ist die Pflegezusatzversicherung. Je nach Modell decken die Verträge ganz oder teilweise Kosten ab, die die Pflichtversicherung nicht übernimmt.

Ob eine Zusatzversicherung für Sie sinnvoll ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Was Sie sonst noch tun können, um für die Pflege vorzusorgen, erklären wir weiter unten in diesem Text.

Folgende zwei grundsätzliche Fragen sollten Sie sich stellen, bevor Sie eine Pflegezusatzversicherung abschließen:

1. Könnte ich anders vorsorgen?

Zunächst sollten Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, wie viel Geld Sie im Alter voraussichtlich zur Verfügung haben werden. Wie hoch sind Ihre Rentenansprüche? Besitzen Sie Vermögen in Aktien, Festgeld oder eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung? Haben Sie Mieteinnahmen? Werden Sie eine größere Summe erben? Wohnen Sie in der eigenen Immobilie? Wie viel legen Sie jeden Monat für die Altersvorsorge zurück? Könnten Sie diesen Betrag noch etwas erhöhen, um ein Geldpolster für den Pflegefall anzusparen?

Wenn Sie den Eigenanteil an Pflegekosten aus Ihrem Vermögen stemmen können und auch bereit sind, dies zu tun, benötigen Sie keine Pflegezusatzversicherung. Dabei sollten Sie auch bedenken, dass 2017 nur ein Viertel der Pflegebedürftigen in einem Heim versorgt wurde. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Der Großteil älterer Menschen wird zuhause gepflegt – in der Regel also zu niedrigeren Kosten als im Heim.

Die Statistik zeigt auch, dass das Risiko für Pflegebedürftigkeit erst im hohen Alter stark ansteigt. 2017 war jeder Sechste in der Altersgruppe zwischen 75 und 85 Jahren auf Pflege angewiesen. Von den 85- bis 90-Jährigen waren 45 Prozent pflegebedürftig. Erst ab einem Alter von 90 Jahren musste eine große Mehrheit der Senioren gepflegt werden (71 Prozent).

Statistiken sagen natürlich wenig über Ihre individuelle Wahrscheinlichkeit aus, pflegebedürftig zu werden. Wie lange Sie gegebenenfalls gepflegt werden müssen, lässt sich ebenfalls schwer prognostizieren. Die durchschnittliche Pflegedauer schwankt zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren je nach Art der Erkrankung, wegen der Sie pflegebedürftig wurden.

Die Tatsache, dass der Pflegefall meist erst spät im Leben eintritt, verschafft Ihnen jedoch Zeit, dieses Thema auf andere Weise als über eine private Pflegezusatzversicherung zu regeln: Die Beiträge, die Sie für die Versicherung zahlen müssten, können Sie auch selbst ansparen. 50 Euro pro Monat, angelegt zu 4 Prozent, ergeben in 40 Jahren einen Betrag von über 58.000 Euro.

Wenn Sie mit 40 Jahren beginnen, auf diese Weise vorzusorgen und im Alter von 80 Jahren pflegebedürftig werden, haben Sie also erst einmal ein finanzielles Polster. Voraussetzung für diesen Plan ist natürlich, dass Sie das Geld nicht zwischenzeitlich aufbrauchen.

Bleiben Sie von der Pflegebedürftigkeit verschont, können Sie das Geld selbst nutzen oder vererben. Die private Pflegezusatzversicherung hingegen ist eine reine Risikoabsicherung für den Pflegefall. Das bedeutet: Es gibt kein Geld zurück, wenn Sie nicht pflegebedürftig werden.

2. Kann ich mir die Zusatzversicherung langfristig leisten?

Pflegezusatzversicherungen gehören zu den eher kostspieligen Verträgen. Ein Kunde, der mit 55 Jahren einen Pflegetagegeld-Vertrag abschließt, zahlt laut Stiftung Warentest rund 90 Euro im Monat. Bei einigen Anbietern müssen Sie die Versicherungsbeiträge auch dann weiter zahlen, wenn Sie pflegebedürftig sind. Eine Pause bei Zahlungsschwierigkeiten gewähren die Versicherer oft nur für eine begrenzte Zeit, zum Beispiel wenn Sie vorübergehend arbeitslos sind. Die fehlenden Beiträge müssen Sie dann unter Umständen später auf einen Schlag nachzahlen.

Überlegen Sie deshalb gut, ob Sie sich den Beitrag für die nächsten 30 oder 40 Jahre leisten können – auch im Rentenalter. Berücksichtigen Sie dabei auch, dass die Beiträge im Laufe der Zeit noch steigen können. Wer die Versicherung kündigen muss, weil sie zu teuer geworden ist, verliert nicht nur den Versicherungsschutz, sondern auch alle bereits gezahlten Beiträge.

Wichtig zu beachten: Der Beitrag, den Sie bei Vertragsabschluss zahlen, ist nicht in Stein gemeißelt. Er wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich steigen. Das liegt unter anderem daran, dass Pflege teurer wird, etwa durch steigende Löhne oder eine bessere Versorgung. Auch politische Reformen können dafür sorgen, dass Versicherte umfassendere Pflegeleistungen erhalten. Daraus resultierende Kostensteigerungen können die Anbieter von Pflegezusatzversicherungen an die Kunden weitergeben und den Beitrag erhöhen.

Genau das ist Anfang 2017 passiert. Der Gesetzgeber hat die Einstufung der Pflegebedürftigkeit vollständig überarbeitet und die bisherigen drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade überführt. Eine Finanztip-Umfrage unter 19 großen Versicherern hat gezeigt, dass die Unternehmen ihre Verträge an den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff angepasst haben. Im Zuge der Umstellung haben aber auch alle von Finanztip befragten Anbieter die Beiträge erhöht, in einigen Fällen um bis zu 20 Prozent. Wie sich die Beiträge in den kommenden Jahrzehnten weiter entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen.

Deshalb sollten Sie sich zunächst um alle wirklich wichtigen Versicherungen kümmern, wie Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- oder Wohngebäudeversicherung (falls Sie eine Immobilie besitzen). Auch die Altersvorsorge hat Vorrang. Denn über Ihre Altersvorsoge können Sie im Rentenalter frei verfügen, unabhängig davon, ob Sie pflegebedürftig werden oder nicht. Und das Ersparte können Sie beliebig verwenden, für Pflegekosten oder auch für andere Ausgaben.

Wenn Sie keinen finanziellen Spielraum haben, um Geld für mögliche Pflegekosten zurückzulegen oder eine Pflegezusatzversicherung zu zahlen, gibt es andere Möglichkeiten für das Leben im Alter vorzusorgen. So lassen sich etwa Pflegekosten reduzieren, indem Sie sich frühzeitig mit altersgerechtem Wohnen beschäftigen und Ihren Alltag so organisieren, dass Sie möglichst wenig auf die Hilfe von Pflegekräften angewiesen sind. Mehr dazu lesen Sie am Ende unseres Ratgebers.

Welche Varianten der Pflegezusatzversicherung gibt es?

Wenn Sie sich für eine Pflegezusatzversicherung interessieren, können Sie zwischen drei verschiedenen Modellen wählen: der Pflegekosten-Versicherung, der Pflege-Rentenversicherung und der Pflegetagegeld-Versicherung.

Allen Modellen ist gemein: Wie viel die Versicherung kostet, hängt von Ihrem Alter und Ihrer Gesundheit beim Vertragsschluss ab und davon, wie hoch die Zahlungen der Versicherung sein sollen. Je später Sie die Versicherung abschließen, desto höher sind die Beiträge. Haben Sie bereits Erkrankungen, verlangt die Versicherung in der Regel einen Risikozuschlag. Schließen Sie hingegen in jungen Jahren einen Vertrag ab, zahlen Sie oft jahrzehntelang umsonst Beiträge.

Neben den drei genannten Modellen, gibt es noch eine Sonderform: den sogenannten Pflege-Bahr. Mit dieser Variante fördert der Staat unter bestimmten Bedingungen den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung, ähnlich wie bei der Riester-Rentenversicherung.

Die Wahl des passenden Modells ist wichtig. Privater Pflegeschutz wird in vier Varianten angeboten:

1. Pflegetagegeld

Bei einer Pflegetagegeld-Versicherung vereinbaren Sie mit der Versicherung eine feste Summe pro Tag, die Ihnen bei Pflegebedürftigkeit ausgezahlt wird. Die Höhe des Tagegelds hängt vom Pflegegrad ab. Das bedeutet, die Pflegebedürftigkeit muss bei Ihnen offiziell festgestellt worden sein. Bei einem niedrigen Pflegegrad bekommen Sie meist nur einen Teil der vereinbarten Summe, den vollen Tagessatz gibt es erst bei schwerer Pflegebedürftigkeit.

Der Vorteil an solchen Tarifen: Das Geld von der Versicherung können Sie frei verwenden. Sie können es nutzen, um die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst oder ein Pflegeheim zu finanzieren. Sie können damit aber auch eine Haushaltshilfe oder einen Menü-Bringdienst bezahlen oder Freunde und Familie für Ihre Unterstützung honorieren.

Das Pflegetagegeld erhalten Sie unabhängig von den tatsächlich angefallenen Kosten. Sie müssen also keine Rechnungen bei der Versicherung einreichen. Und falls am Ende des Monats noch ein Teil des Tagegelds übrig ist, können Sie den Betrag ansparen.

Aufgrund der flexiblen Einsatzmöglichkeiten halten wir das Pflegetagegeld für die sinnvollste Variante der Pflegezusatzversicherungen.

2. Pflegekosten-Versicherung

Pflegekosten-Versicherungen gibt es in unterschiedlichen Formen. Einige Tarife verdoppeln die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Werden Sie allerdings zuhause von einem Verwandten gepflegt, kürzt die Versicherung die Zahlung häufig deutlich. Bei solchen Angeboten müssen Sie meist keine Belege für Ihre Pflegekosten einreichen. Die Versicherung zahlt pauschal das, was Ihnen für Ihren Pflegegrad auch von der Pflegepflichtversicherung zusteht.

Anders ist das bei der zweiten Variante der Pflegekosten-Versicherung: Hier müssen Sie alle Pflegekosten nachweisen. Denn die Zusatzversicherung übernimmt nur den Teil der Rechnung, den die gesetzliche Pflegeversicherung nicht zahlt. Das bedeutet gleichzeitig: Die Pflegekosten-Versicherung beteiligt sich nur an Pflegeleistungen, die auch im Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegeversicherung enthalten sind. Sie können das Geld von der Versicherung also nicht beliebig einsetzen. Außerdem gibt es meist eine Höchstgrenze für die Zahlung. Übernehmen Angehörige die Pflege, zahlt die Versicherung oft einen bestimmten Betrag als Pflegegeld.

Die Erstattungssummen bei der Pflege durch Angehörige sind bei den Pflegekosten-Versicherungen in der Regel deutlich niedriger als bei Pflegetagegeld-Versicherungen. Pflegekosten-Tarife eignen sich daher nur, wenn Sie sich im Pflegefall von einem professionellen Pflegedienst oder im Heim betreuen lassen wollen. Pflegekosten-Versicherungen sind meist etwas günstiger als gute Pflegetagegeld-Tarife.

3. Pflege-Rentenversicherung

Eine Pflege-Rentenversicherung funktioniert etwas anders als die bisher vorgestellten Varianten. Während bei Pflegetagegeld- und Pflegekosten-Versicherungen die Beiträge mit der Zeit steigen können, ist der Beitrag bei Pflege-Rentenversicherungen für die gesamte Laufzeit festgelegt. Dafür sind diese Tarife jedoch von Anfang an deutlich teurer.

Von der Pflege-Rentenversicherung erhalten Sie eine monatliche Rente, wenn bei Ihnen Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Allerdings gibt es bei Pflegegrad 1 und teilweise sogar Pflegegrad 2 oft noch kein Geld. Das ist ungünstig, denn 2017 hatten laut Angaben des statistischen Bundesamts fast die Hälfte aller Pflegebedürftigen Pflegegrad 1 oder 2.

Die Zahlungen der Pflege-Rentenversicherung sind meist nach dem Pflegegrad gestaffelt. Die volle Rente gibt es unter Umständen erst bei Pflegegrad 5. Bei einigen Anbietern können Sie selbst festlegen, welchen Prozentsatz der versicherten Rentensumme Sie bei welchem Pflegegrad erhalten möchten. Über das Geld von der Versicherung können Sie frei verfügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie im Heim oder zuhause gepflegt werden. Aufgrund der hohen Kosten raten wir von Pflege-Rentenversicherungen jedoch eher ab.

4. Pflege-Bahr: Staatlich geförderter Zusatzschutz

Der Staat fördert mit dem „Pflege-Bahr“ ausschließlich Pflegetagegeld-Versicherungen. Eine Bedingung für die Förderung ist, dass niemand abgelehnt werden darf. Der Versicherer führt also keine Gesundheitsprüfung durch. Außerdem muss Versicherten mit Pflegegrad 5 mindestens ein Pflegegeld von 600 Euro im Monat gezahlt werden. Die Leistungen für die Pflegegrade 1 bis 4 sind gestaffelt.

Sind alle Kriterien erfüllt, haben Sie einen Anspruch auf Förderung von 5 Euro im Monat, sofern Sie selbst mindestens 10 Euro monatlich in die Pflege-Zusatzversicherung einzahlen. Sie müssen sich nicht selbst um die Förderung kümmern. Die Versicherung kalkuliert den Zuschuss ein und beantragt die monatliche Zulage von 5 Euro bei der Zulagenstelle.

Das Tagegeld aus dem Pflege-Bahr reicht im Pflegefall oft nicht aus. Viele Versicherer bieten daher auch Kombi-Tarife an, mit einem geförderten und einem nicht geförderten Teil. Ein weiteres Problem beim Pflege-Bahr: Weil die Anbieter niemanden ablehnen dürfen, verlangen Sie einen höheren Beitrag. Denn es ist damit zu rechnen, dass vor allem Menschen mit Vorerkrankungen dieses Angebot nutzen. Die Versicherer versuchen mit den hohen Beiträgen vorzusorgen für den Fall, dass sie deshalb besonders häufig Leistungen zahlen müssen.

Die geringen Leistungen und relativ hohen Beiträge verstärken diesen Effekt noch – für Gesunde ist der Pflege-Bahr nicht attraktiv. Es ist damit zu rechnen, dass die Beiträge für Pflege-Bahr-Tarife in den kommenden Jahren steigen werden. Auch wenn Sie pflegebedürftig sind, müssen Sie die Versicherung weiter zahlen. Im schlechtesten Fall übersteigt der Beitrag irgendwann die Leistungen, die Sie von der Versicherung bekommen. Wir halten diese Variante der Pflegezusatzversicherung deshalb für nicht empfehlenswert.

Welche Punkte sind bei Pflegezusatzversicherungen wichtig?

Wichtigstes Auswahlkriterium für eine Pflegezusatzversicherung ist, dass das Angebot Ihre finanzielle Lücke im Pflegefall abdeckt und für Sie auch langfristig bezahlbar ist. Um zu bestimmen, wie hoch die Absicherung sein muss, sollten Sie versuchen, grob abzuschätzen, wie viel Geld Sie im Ruhestand übrig haben werden. Dazu brauchen Sie einen Überblick über Ihr zu erwartendes Einkommen (Rentenansprüche, Kapitalerträge, Mieteinnahmen) und Ihre Fixkosten.

Demgegenüber steht der Eigenanteil, den Sie voraussichtlich für die Pflege zahlen müssen. Zur Orientierung können Sie die Angaben der Stiftung Warentest nutzen. Diese geht für die Pflege im Heim von einer Finanzierungslücke von 1.500 Euro aus, unabhängig vom Pflegegrad. Für die ambulante Pflege trifft die Stiftung Warentest folgende Annahmen:

Finanzierungslücke bei Pflege zu Hause

Pflegegrad 1

125 Euro

Pflegegrad 2

500 Euro

Pflegegrad 3

1.100 Euro

Pflegegrad 4

2.200 Euro

Pflegegrad 5

2.200 Euro

Quelle: Finanztest (Stand: November 2017)

Achten Sie auf diese Merkmale im Vertrag

Neben der passenden Höhe der Absicherung gibt es noch weitere Kriterien, die gute Tarife aus unserer Sicht erfüllen sollten:

Zahlt unabhängig von Art der Pflege und Pflegegrad - Sie sollten sowohl bei häuslicher als auch bei stationärer Pflege Leistungen bekommen. Außerdem sollte die Versicherung bei allen fünf Pflegegraden zahlen, nicht nur bei besonders starker Pflegebedürftigkeit.

Gleiches Geld für Profi- und Laienpflege - In der ambulanten Pflege sollte der Vertrag gleich hohe Leistungen vorsehen, egal ob Sie ein Angehöriger oder ein professioneller Pflegedienst versorgt oder beide.

Orientierung am gesetzlichen System - Um Mittel aus einer privaten Pflegezusatzversicherung zu erhalten, müssen Sie nachweisen, dass sie pflegebedürftig sind. Am einfachsten ist das, wenn sich der private Anbieter an den Pflegegraden der gesetzlichen Pflegeversicherung orientiert. Auf eine Untersuchung durch eigene Ärzte sollte der Anbieter verzichten, wenn die Pflegepflichtversicherung Sie als pflegebedürftig einstuft.

Verzicht auf Wartezeit - Der Vertrag sollte keine Wartezeit vorsehen, bevor Sie Leistungen beantragen können. Dann zahlt die Versicherung auch, falls Sie schon in den ersten Monaten oder Jahren nach Vertragsabschluss pflegebedürftig werden.

Rückwirkende Leistung - Grundsätzlich zahlt die Versicherung erst ab dem Zeitpunkt, an dem Sie Leistungen beantragen. Vorteilhafter ist es, wenn Ihr Anbieter rückwirkend ab dem Tag zahlt, an dem die Pflegebedürftigkeit offiziell festgestellt wurde. So bekommen Sie für den gesamten Zeitraum der Pflegebedürftigkeit Geld, auch wenn Sie den Versicherungsfall erst etwas später gemeldet haben.

Kostenlos im Pflegefall - Bei einigen Angeboten müssen Sie die Versicherungsbeiträge immer weiter zahlen, selbst dann, wenn Sie schon Leistungen von der Pflegezusatzversicherung bekommen. Um die finanzielle Belastung im Pflegefall so niedrig wie möglich zu halten, sollten spätestens ab Pflegegrad 2 keine Beiträge mehr anfallen.

Beitragspause möglich - Bei Zahlungsschwierigkeiten ist es gut, wenn Sie eine Beitragspause mit Ihrer Versicherung vereinbaren können. Oft ist das an bestimmte Bedingungen wie Arbeitslosigkeit geknüpft. Je mehr Anlässe ein Anbieter als Grund für eine Beitragspause akzeptiert und je weniger Unterlagen und Nachweise er dafür fordert, desto besser. Achten Sie außerdem darauf, ob Sie während der Pause weiterhin Versicherungsschutz haben und ob Sie die fehlenden Beiträge später nachzahlen müssen.

Erhöhungsoptionen - Die Inflation und Veränderungen Ihrer Lebenssituation können dafür sorgen, dass die Leistungen, die Sie ursprünglich im Vertrag vereinbart haben, im Alter nicht mehr reichen. Deshalb ist es nützlich, wenn ein Tarif die Möglichkeit bietet, Leistungen ohne eine erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Manchmal können Sie die versicherten Summen zu bestimmten Anlässen hochsetzen, etwa wenn der Partner stirbt, der Sie hätte pflegen sollen. Viele Versicherer bieten auch eine sogenannte Leistungsdynamik an. Das bedeutet, wenn Sie tatsächlich pflegebedürftig sind, werden die Leistungen des Tarifs regelmäßig erhöht. Achten Sie aber darauf, ob es ein Höchstalter für die Erhöhungen gibt und ob mit den besseren Leistungen auch der Beitrag steigt.

Vorerkrankungen bei Abschluss richtig angeben

Wenn Sie eine Pflege-Zusatzversicherung abschließen, prüft die Versicherung zunächst Ihren Gesundheitszustand. Die Anbieter sind nämlich nicht verpflichtet, jeden zu versichern. Trotzdem sollten Sie alle Fragen zur Gesundheit vollständig und wahrheitsgemäß beantworten.

Vorerkrankungen, nach denen im Antrag gefragt wird, dürfen Sie dem Versicherer auf keinen Fall verschweigen. Zwar droht dann gegebenenfalls ein Risikozuschlag auf den Beitrag. Doch wenn falsche oder fehlende Angaben später ans Tageslicht kommen, kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Versicherung Ihren Vertrag kündigt und Sie keine Leistungen im Pflegefall erhalten.

Falls Sie gesundheitliche Einschränkungen haben, ist eine sogenannte anonyme Risikovoranfrage sinnvoll. Ein Versicherungsmakler oder -berater fragt dann bei verschiedenen Anbietern nach, ob und zu welchen Konditionen diese Sie versichern würden. Das Besondere dabei ist, dass persönliche Angaben wie Name, Anschrift und Geburtsdatum in dieser Anfrage geschwärzt sind. So bekommen Sie ein realistisches Bild davon, welches Angebot für Sie am besten geeignet ist, ohne zu riskieren, dass ein Versicherer Sie ablehnt. Denn dann kann es schwierig werden, überhaupt einen Vertrag zu bekommen.

Welche Alternativen zur Pflegezusatzversicherung gibt es?

Falls Sie sich keine Pflegezusatzversicherung leisten können oder wollen, gibt es weitere Möglichkeiten, für den Pflegefall vorzusorgen. Eine solide Altersvorsorge und Geldanlage sind eine gute Basis, um zusätzliche Kosten im Alter abzufedern.

Außerdem ist es sinnvoll, sich frühzeitig altersgerechte vier Wände zu suchen. Ein Zuhause, in dem Sie nicht mit langen Treppen oder einer hohen Badewanne kämpfen müssen, kann im Alter helfen, möglichst lange selbstbestimmt zu leben. Das ist nicht nur angenehmer, sondern spart auch Kosten. Denn solange Sie sich selbstständig versorgen können, müssen Sie keine Pflegekraft bezahlen.

Sind Sie bereits pflegebedürftig, zahlt die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro für Umbauten, die Ihre Wohnung pflegegerechter machen. Da das aber nicht immer ausreicht, ist es sinnvoll, bei jeder ohnehin anstehenden Modernisierung zu überlegen, ob sich das Zuhause barrierefreier gestalten lässt. Dazu können Sie sich beraten lassen. Einen Überblick über die bundesweiten Beratungsangebote finden Sie zum Beispiel bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. Zudem gibt es Zuschüsse und Förderangebote für altersgerechte Umbauten, etwa die KfW-Programme 455 und 159.

Auch andere Formen des Wohnens können das Leben im Alter erleichtern. In vielen Orten gibt es Mehrgenerationen-Projekte, die das Zusammenleben von Menschen verschiedenen Alters fördern. Die Bewohner helfen sich gegenseitig bei der Bewältigung Ihres Alltags und planen gemeinsame Freizeitaktivitäten. Ein anderes Konzept ist Wohnen für Hilfe. Dabei stellen Senioren Studenten ein Zimmer zur Verfügung. Die Studenten zahlen Nebenkosten, aber keine Miete und helfen den Gastgebern dafür im Alltag, zum Beispiel bei Haus- und Gartenarbeit oder täglichen Erledigungen.

Auch Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige sind eine Möglichkeit, benötigte Hilfe kostengünstiger zu organisieren. Die Bewohner können Betreuungs- und Unterstützungsangebote gemeinsam nutzen und sich die Kosten dafür teilen. Eine Pflege- Wohngemeinschaft können Sie selbst organisieren, es gibt jedoch auch Anbieter, die entsprechende Projekte leiten. Auf dem Serviceportal Zuhause im Alter des Bundesfamilienministeriums finden Sie zahlreiche Informationen zu Wohnmodellen für Senioren, Hilfsangeboten und Beratungsstellen.

Hilfe zur Pflege

Sollte es soweit kommen, dass Sie den Eigenanteil der Pflegekosten nicht alleine stemmen können, können Sie beim Sozialamt „Hilfe zur Pflege“ beantragen. Diese Unterstützung nahmen nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen 2017 immerhin 11 Prozent der Pflegebedürftigen in Anspruch. Bevor Sie Hilfe zur Pflege bekommen, müssen Sie Ihr Vermögen aufbrauchen – 5.000 Euro (Stand 2019) dürfen Sie aber als Schonvermögen behalten.

Sofern Sie Kinder haben, kann es jedoch sein, dass das Sozialamt das Geld von Ihren Kindern zurückfordert. Denn Kinder sind gesetzlich verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für den Unterhalt der Eltern zu sorgen. Es gibt jedoch Freibeträge in Bezug auf Einkommen und Vermögen, die nicht angetastet werden dürfen. Details dazu lesen Sie in unseren Ratgebern zum Elternunterhalt und dem sogenannten Schonvermögen beim Elternunterhalt.

Autor
Julia Rieder

Stand: 12. April 2019


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