Neue Pfändungstabelle (2021)

Diese Freigrenzen gelten bei Pfändungen von Lohn und Gehalt

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
28. Juni 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Um verschuldeten Menschen das Existenzminimum zu sichern, hat der Gesetzgeber sogenannte Pfän­dungs­frei­gren­zen festgelegt. Dieser Teil des Einkommens darf nicht gepfändet werden.
  • Aktuell sind monatlich knapp 1.179 Euro nicht pfändbar, sofern Du keine Unterhaltsverpflichtungen hast. Musst Du Unterhalt zahlen, erhöht sich die Grenze. Zum 1. Juli 2021 steigt der unpfändbare Betrag auf 1.253 Euro.
  • Vom Verdienst, der über die Pfän­dungs­frei­gren­zen hinausgeht, verbleibt Dir nicht alles, aber zumindest ein Teil.
  • Alle Beträge, die über 3.613 Euro hinausgehen, sind voll pfändbar; ab 1. Juli 2021 liegt die Grenze bei 3.840 Euro.

Wer in eine private Insolvenz gerät, ist darauf angewiesen, dass der Staat ihm ausreichend Geld zum Leben lässt. Deshalb gibt es Freibeträge, die den Schuldner gegen drohende Zwangsvollstreckungen schützen.

Wen betreffen die Pfän­dungs­frei­gren­zen?

Die gesetzlichen Pfän­dungs­frei­gren­zen für Arbeitseinkommen werden regelmäßig an die Entwicklung des steuerlichen Freibetrags für das Existenzminimum angepasst (§ 850c Abs. 4 Satz 2 ZPO). Die nächste Anpassung erfolgt zum 1. Juli 2021 und gilt bis zum 30. Juni 2022.

Arbeitnehmer, die ihre Schulden nicht zahlen, riskieren, dass Gläubiger sich an den Arbeitgeber wenden und das Gehalt pfänden lassen. Es gibt allerdings bestimmte formelle Voraussetzungen wie den sogenannten Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Zudem können die Gläubiger nicht das gesamte Arbeitseinkommen pfänden, da es Freigrenzen gibt. Das Lohnbüro darf nur einen Teil des Lohns an den Mitarbeiter überweisen – den unpfändbaren Teil. Der Rest geht an die Gläubiger des Arbeitnehmers.

Wie viel vom Einkommen darf gepfändet werden?

Der Pfändungsschutz für Dein laufendes Arbeitseinkommen besteht aus drei Elementen:

  1. Grundfreibetrag (§ 850c Abs. 1 ZPO),
  2. Erhöhung des Freibetrags, wenn Du für andere Personen unterhaltspflichtig bist (§ 850c Abs. 2 ZPO),
  3. Voll­stre­ckungs­be­schrän­kung­en, falls Du mehr verdienst als durch die Freibeträge geschützt ist (§ 850c Abs. 3 ZPO).

Das zählt zum Nettoeinkommen

Pfändbar ist Dein Nettoeinkommen. Dazu zählen Lohn, Gehalt, Altersrente, Ar­beits­lo­sen­geld I und II. Davon sind alle Sozialversicherungsabgaben und Steuern abzuziehen.

Nicht pfändbar sind einige Zulagen des Arbeitgebers, wie vermögenswirksame Leistungen, tarifliche oder betriebliche Zusatzversorgungen, Urlaubsgeld oder Mehrarbeitsvergütungen für Überstunden.

Beziehst Du als Schuldner mehrere Einkommen, werden sie zusammengerechnet. In der sogenannten Pfändungstabelle kannst Du nachsehen, wie viel Dir bleibt. Die Tabelle erfasst alle Arbeitseinkommen und Sozialleistungen.

Das ist der Grundfreibetrag bei Pfändungen

Bis zum 30. Juni 2021 beläuft sich der Grundfreibetrag auf 1.178,59 Euro. Er gilt für alle Schuldner, die keine Unterhaltsverpflichtungen erfüllen müssen. Ab dem 1. Juli 2021 erhöht sich der Freibetrag auf 1.252,64 Euro.

Erhöhung bei Unterhaltsverpflichtungen

Der Grundfreibetrag erhöht sich, wenn Du als Schuldner für unterhaltsberechtigte Personen aufkommen musst (§ 850c Abs. 2 ZPO). Dazu gehören zum Beispiel leibliche Kinder, Ehepartner ohne Einkommen oder geschiedene Ehepartner, an die Du Unterhalt zahlst.

Der Arbeitgeber darf bei der Gehaltsabrechnung aber nur die Unterhaltspflichten berücksichtigen, die Du auch tatsächlich zahlst, zum Beispiel für ein Kind. Das musst Du dem Arbeitgeber nachweisen.

Je nachdem, wie vielen Menschen ein Schuldner Unterhalt zahlen muss, erhöht sich die Pfändungsfreigrenze. Sie liegt zum Beispiel für einen Schuldner mit Unterhaltspflicht gegenüber einer Person ab dem 1. Juli 2021 gerundet bei 1.729,99 Euro und mit Unterhaltspflicht gegenüber zwei Personen bei 1.989,99 Euro.

Pfän­dungs­frei­gren­zen

Anzahl der Personen
 
Pfändungsfreigrenze
bis 30. Juni 2021
Pfändungsfreigrenze
ab 1. Juli 2021
keine Unterhaltszahlung1.179,99 €1.259,99 €
1 Unterhaltsberechtigter1.629,99 €1.729,99 €
2 Unterhaltsberechtigte1.869,99 €1.989,99 €
3 Unterhaltsberechtigte2.119,99 €2.249,99 €
4 Unterhaltsberechtigte2.369,99 €2.519,99 €
5 Unterhaltsberechtigte2.619,99 €2.779,99 €

Quelle: Pfän­dungs­frei­gren­zenbekanntmachung 2019 und 2021

Voll­stre­ckungs­be­schrän­kung­en für den Mehrverdienst

Verdienst Du als Arbeitnehmer mehr als die für Dich relevante Pfändungsfreigrenze, darfst Du davon einen Teil behalten. Derjenige, der Schulden hat und arbeitet, soll mehr zum Leben haben, als der derjenige mit Schulden, der Ar­beits­lo­sen­geld I oder II bekommt. Auch dabei gilt: Je höher die Zahl der Unterhaltsberechtigten, desto mehr bleibt pfändungsfrei.

Übersteigt Dein Arbeitseinkommen den Grundfreibetrag, so sind drei Zehntel des darüber hinausgehenden Nettogehalts unpfändbar (§ 850c Abs. 3 ZPO). Zahlst Du als Schuldner Unterhalt, so sind für die erste Person weitere zwei Zehntel unpfändbar und für die zweite bis fünfte Person jeweils ein weiteres Zehntel.

In der folgenden Tabelle kannst Du das Ergebnis dieser Berechnung ablesen. Du findest dort die Angabe, wieviel von 10 Euro Mehrverdienst pfändungsfrei bleiben – abhängig von der Anzahl der Personen, für die Du Unterhalt zahlst.

Erhöhung der Pfändungsfreigrenze bei Mehrverdienst

Unterhalts-
berechtigte

pfändungsfrei bleiben
bis 30. Juni 2021

pfändungsfrei bleiben
ab 1. Juli 2021

 

von den 
ersten 10 €

von allen 

weiteren 10 €

von den 

ersten 10 €

von allen
weiteren 10 €
09,01 €3 €4,85 €3 €
16,08 €5 €7.04 €5 €
29,71 €6 €8,69 €6 €
38,92 €7 €9,81 €7 €
48,70 €8 €8,41 €8 €
59,06 €9 €9,47 €9 €

Quelle: Pfän­dungs­frei­gren­zenbekanntmachung 2019 und 2021

Bis zum 30. Juni 2021 sind alle Beträge über 3.613,08 Euro voll pfändbar. Die Grenze erhöht sich zum 1. Juli 2021 auf 3.840,08 Euro.

Wie kannst Du die Pfändungstabelle lesen?

Die Pfändungstabellen sind auf den ersten Blick verwirrend. Es gibt nämlich in der offiziellen Bekanntmachung drei Tabellen, die zeigen, wieviel Euro gepfändet werden darf. Die wichtigste Tabelle zeigt Dir die pfändbaren Beträge für den Fall, dass Du Dein Gehalt monatlich ausgezahlt bekommst. Die anderen beiden Übersichten zeigen die pfändbaren Beträge bei einer Auszahlung des Gehalts nach Wochen oder Tagen.

In der Tabelle selbst kannst Du in der ersten Spalte Deinen monatlichen Nettolohn suchen; er beginnt bei 1.259,99 Euro und erhöht sich in den nachfolgenden Zeilen um jeweils 10 Euro bis zu einem Betrag von 3.840,08 Euro. Hast Du Dich bei Deinem Nettogehalt in der richtigen Zeile eingeordnet, kannst Du in der Zeile ablesen, welcher Betrag gepfändet werden darf. Das hängt von den Personen ab, für die Du unterhaltspflichtig bist.

Beispiel: Du verdienst 2.200 Euro netto und bist für zwei Personen unterhaltspflichtig

Pfändbarer Betrag entsprechend der Anzahl von Unterhaltspflichten

Nettolohn
monatlich
012345 und
mehr
2.200,00 € -
2.209,99 €
663,15 €237,96 €85,31 €(-)(-)(-)

Quelle: Pfän­dungs­frei­gren­zenbekanntmachung 2021

Von Deinem Nettolohn sind nach der Pfändungstabelle 85,31 Euro pfändbar. Wärst Du für drei Personen unterhaltspflichtig, dürfte von Deinem Nettogehalt nichts mehr gepfändet werden.

Was darf nie gepfändet werden?

Bestimmte Einkommensbestandteile sind unpfändbar, beispielsweise Aufwandsentschädigungen, Gefahrenzulagen, Erziehungsgelder und Studienbeihilfen (§ 850a ZPO). Andere Bezüge, wie Renten- und Unterstützungsleistungen, sind nur bedingt pfändbar (§ 850b ZPO). In unserem Artikel zur Lohnpfändung kannst Du lesen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Gläubiger Dein Gehalt beim Arbeitgeber vollstrecken darf.

Wie verhält sich das Pfän­dungs­schutz­kon­to zur Pfändungstabelle?

Jeder Schuldner hat das Recht, ohne ein gerichtliches Verfahren Pfändungsschutz für ein Girokonto zu bekommen, in Form eines sogenannten P-Kontos (§ 850k ZPO). Der Schutzbetrag auf dem Pfän­dungs­schutz­kon­to gewährt zunächst einmal nur einen statischen Grundfreibetrag, der unabhängig von der Höhe des Einkommens für alle Betroffenen gleich hoch ist. Die geschützte Summe beträgt bis zum 30. Juni 2021 monatlich 1.178,59 Euro; ab 1. Juli 2021 steigt der Freibetrag auf 1.259,99 Euro.

Es kann sein, dass der Pfändungsschutz bei Arbeitseinkommen höher ist als der Basispfändungsschutz durch das Pfän­dungs­schutz­kon­to, etwa weil der Kontoinhaber mehr verdient und sich der Pfändungsfreibetrag dadurch erhöht.

Dadurch kann ein bereits gepfändeter Lohn durch eine zusätzliche Kontopfändung nochmals der Pfändung unterzogen werden. Um das volle unpfändbare Einkommen zu sichern, kannst Du einen Antrag auf Aufstockung des Pfändungsfreibetrages stellen (§ 850k ZPO Abs. 4 ZPO).

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