Pfändungstabelle 2023

Diese Freigrenzen gelten bei Pfändungen von Lohn und Gehalt

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht

Das Wichtigste in Kürze

  • Um verschuldeten Menschen das Existenzminimum zu sichern, hat der Gesetzgeber sogenannte Pfän­dungs­frei­gren­zen festgelegt. Dieser Teil des Einkommens darf nicht gepfändet werden.
  • Seit 1. Juli 2022 sind monatlich 1.330 Euro nicht pfändbar, sofern Du keine Unterhaltsverpflichtungen hast.
  • Vom Verdienst, der über die Pfän­dungs­frei­gren­zen hinausgeht, verbleibt Dir nicht alles, aber zumindest ein Teil. Alle Beträge, die über 4.078 Euro hinausgehen, sind voll pfändbar.

So gehst Du vor

  • Du kannst selbst überprüfen, wieviel Gehalt Dir Dein Arbeitgeber trotz Pfändung überweisen muss.
  • Suche dazu Dein Gehalt in der Tabelle und die Anzahl der Personen, für die Du Unterhalt zahlen musst. So kannst Du ablesen, wieviel Dir mindestens bleiben muss. Hilfreich ist auch der Pfän­dungs­frei­gren­zen-Rechner.
  • Hast Du jeden Monat hohe Fahrtkosten, kannst Du eine Erhöhung des Pfändungsfreibetrags bei Gericht beantragen.

Wer in eine private Insolvenz gerät, ist darauf angewiesen, dass der Staat ihm ausreichend Geld zum Leben lässt. Deshalb gibt es Freibeträge, die Dich als Schuldner gegen drohende Zwangsvollstreckungen schützen und Dir das Existenzminimum belassen.

Wen betreffen die Pfän­dungs­frei­gren­zen?

Die gesetzlichen Pfän­dungs­frei­gren­zen für Arbeitseinkommen werden regelmäßig an die Entwicklung des steuerlichen Freibetrags für das Existenzminimum angepasst (§ 850c Abs. 4 Satz 2 ZPO). Zum 1. Juli 2022 wurden die Freigrenzen erhöht.

Arbeitnehmer, die ihre Schulden nicht zahlen, riskieren, dass Gläubiger sich an den Arbeitgeber wenden und das Gehalt pfänden lassen. Es gibt allerdings bestimmte formelle Voraussetzungen wie den sogenannten Pfändungs- und Überweisungsbeschluss. Zudem können die Gläubiger nicht das gesamte Arbeitseinkommen pfänden, da es Freigrenzen gibt. Das Lohnbüro darf nur einen Teil des Lohns an den Mitarbeiter überweisen – den unpfändbaren Teil. Der Rest geht an die Gläubiger des Arbeitnehmers.

Wie viel vom Einkommen darf gepfändet werden?

Der Pfändungsschutz für Dein laufendes Arbeitseinkommen besteht aus drei Elementen:

  1. Grundfreibetrag (§ 850c Abs. 1 ZPO)
  2. Erhöhung des Freibetrags, wenn Du für andere Personen unterhaltspflichtig bist (§ 850c Abs. 2 ZPO)
  3. Voll­stre­ckungs­be­schrän­kung­en, falls Du mehr verdienst als durch die Freibeträge geschützt ist (§ 850c Abs. 3 ZPO)

Das zählt zum Nettoeinkommen

Pfändbar ist Dein Nettoeinkommen. Dazu zählen Lohn, Gehalt, Altersrente, Ar­beits­lo­sen­geld I und II. Davon sind alle Sozialversicherungsabgaben und Steuern abzuziehen.

Nicht pfändbar sind einige Zulagen des Arbeitgebers, wie vermögenswirksame Leistungen, tarifliche oder betriebliche Zusatzversorgungen, Urlaubsgeld oder Mehrarbeitsvergütungen für Überstunden.

Beziehst Du als Schuldner mehrere Einkommen, werden sie zusammengerechnet. In der sogenannten Pfändungstabelle kannst Du nachsehen, wie viel Dir bleibt. Die Tabelle erfasst alle Arbeitseinkommen und Sozialleistungen.

Das ist der Grundfreibetrag bei Pfändungen

Seit 1. Juli 2022 beläuft sich der Grundfreibetrag auf 1.330,16 Euro. Er gilt für alle Schuldner, die keine Unterhaltsverpflichtungen erfüllen müssen.

Erhöhung bei Unterhaltsverpflichtungen

Der Grundfreibetrag erhöht sich, wenn Du als Schuldner für unterhaltsberechtigte Personen aufkommen musst (§ 850c Abs. 2 ZPO). Dazu gehören zum Beispiel leibliche Kinder, Ehepartner ohne Einkommen oder geschiedene Ehepartner, an die Du Unterhalt zahlst.

Der Arbeitgeber darf bei der Gehaltsabrechnung aber nur die Unterhaltspflichten berücksichtigen, die Du auch tatsächlich zahlst, zum Beispiel für ein Kind. Das musst Du dem Arbeitgeber nachweisen.

Je nachdem, ob Du mehreren Menschen Unterhalt zahlen musst, erhöht sich die Pfändungsfreigrenze. Sie liegt zum Beispiel für einen Schuldner mit Unterhaltspflicht gegenüber einer Person seit 1. Juli 2022 bei 1.839,99 Euro und mit Unterhaltspflicht gegenüber zwei Personen bei 2.109,99 Euro.

Pfän­dungs­frei­gren­zen

Anzahl der
Unterhaltsberechtigten

Pfändungsfreigrenze
seit 1. Juli 2022

keine Unterhaltszahlung1.339,99 €
1 Unterhaltsberechtigter1.839,99 €
2 Unterhaltsberechtigte2.109,99 €
3 Unterhaltsberechtigte2.389,99 €
4 Unterhaltsberechtigte2.669,99 €
5 Unterhaltsberechtigte2.949,99 €

Quelle: Pfän­dungs­frei­gren­zenbekanntmachung 2022 (Stand: November 2022)

Tipp: Hilfreich ist der vom Bundesland NRW entwickelte Pfändunsgfreigrenzen-Rechner.

Voll­stre­ckungs­be­schrän­kung­en für den Mehrverdienst

Verdienst Du als Arbeitnehmer mehr als die für Dich relevante Pfändungsfreigrenze, darfst Du davon einen Teil behalten. Derjenige, der Schulden hat und arbeitet, soll mehr Geld zum Leben behalten, als derjenige mit Schulden, der Ar­beits­lo­sen­geld I oder II bekommt. Auch dabei gilt: Je höher die Zahl der Unterhaltsberechtigten, desto mehr bleibt pfändungsfrei.

Übersteigt Dein Arbeitseinkommen den Grundfreibetrag, so sind drei Zehntel des darüber hinausgehenden Nettogehalts unpfändbar (§ 850c Abs. 3 ZPO). Zahlst Du als Schuldner Unterhalt, so sind für die erste Person weitere zwei Zehntel unpfändbar und für die zweite bis fünfte Person jeweils ein weiteres Zehntel.

In der folgenden Tabelle kannst Du das Ergebnis dieser Berechnung ablesen. Du findest dort die Angabe, wie viel von 10 Euro Mehrverdienst pfändungsfrei bleiben – abhängig von der Anzahl der Personen, für die Du Unterhalt zahlst.

Erhöhung der Pfändungsfreigrenze bei Mehrverdienst

Anzahl der
Unterhaltsberechtigten

pfändungsfrei bleiben
seit 1. Juli 2022
 

von den 

ersten 10 €

von allen
weiteren 10 €
keine Unterhaltszahlung3,11 €3 €
1 Unterhaltsberechtigter5,39 €5 €
2 Unterhaltsberechtigte9,87 €6 €
3 Unterhaltsberechtigte9,57 €7 €
4 Unterhaltsberechtigte9,50 €8 €
5 Unterhaltsberechtigte9,64 €9 €

Quelle: Pfän­dungs­frei­gren­zenbekanntmachung 2022 (Stand: November 2022)

Seit 1. Juli 2022 sind alle Beträge über 4.077,72 Euro voll pfändbar.

Wie kannst Du die Pfändungstabelle lesen?

Die Pfändungstabellen sind auf den ersten Blick verwirrend. Es gibt nämlich in der offiziellen Bekanntmachung drei Tabellen, die zeigen, wie viel Euro gepfändet werden darf. Die wichtigste Tabelle zeigt Dir die pfändbaren Beträge für den Fall, dass Du Dein Gehalt monatlich ausgezahlt bekommst. Die anderen beiden Übersichten zeigen die pfändbaren Beträge bei einer Auszahlung des Gehalts nach Wochen oder Tagen.

In der Tabelle selbst kannst Du in der ersten Spalte Deinen monatlichen Nettolohn suchen; er beginnt bei 1.339,99 Euro und erhöht sich in den nachfolgenden Zeilen um jeweils 10 Euro bis zu einem Betrag von 4.077,72 Euro Euro. Hast Du Dich bei Deinem Nettogehalt in der richtigen Zeile eingeordnet, kannst Du in der Zeile ablesen, welcher Betrag gepfändet werden darf. Das hängt von den Personen ab, für die Du unterhaltspflichtig bist.

Beispiel: Du verdienst 2.200 Euro netto und bist für zwei Personen unterhaltspflichtig

Pfändbarer Betrag nach der Anzahl von Unterhaltspflichten (2022)

Nettolohn
monatlich
012345 und
mehr
2.200,00 € -
2.209,99 €
608,89 €184,61 €36,13 €(-)(-)(-)

Quelle: Pfän­dungs­frei­gren­zenbekanntmachung 2022 (Stand: November 2022)

Von Deinem Nettolohn sind seit 1. Juli 2022 nach der Pfändungstabelle 36,13 Euro pfändbar. Wärst Du für drei Personen unterhaltspflichtig, dürfte von Deinem Nettogehalt nichts mehr gepfändet werden.

Was darf nie gepfändet werden?

Bestimmte Einkommensbestandteile sind unpfändbar, beispielsweise Aufwandsentschädigungen, Gefahrenzulagen, Erziehungsgelder und Studienbeihilfen (§ 850a ZPO). Andere Bezüge, wie Renten- und Unterstützungsleistungen, sind nur bedingt pfändbar (§ 850b ZPO). In unserem Artikel zur Lohnpfändung kannst Du lesen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Gläubiger Dein Gehalt beim Arbeitgeber vollstrecken darf.

Zusätzlich ein Pfän­dungs­schutz­kon­to?

Jeder Schuldner hat das Recht, ohne ein gerichtliches Verfahren Pfändungsschutz für ein Girokonto zu bekommen, in Form eines sogenannten P-Kontos (§ 850k ZPO). Der Schutzbetrag auf dem Pfän­dungs­schutz­kon­to gewährt zunächst einmal nur einen statischen Grundfreibetrag, der unabhängig von der Höhe des Einkommens für alle Betroffenen gleich hoch ist. Die geschützte Summe beträgt seit 1. Juli 2022 monatlich 1.339,99 Euro.

Es kann sein, dass der Pfändungsschutz bei Arbeitseinkommen höher ist als der Basispfändungsschutz durch das Pfän­dungs­schutz­kon­to, etwa weil der Kontoinhaber mehr verdient und sich der Pfändungsfreibetrag dadurch erhöht.

Dadurch kann ein bereits gepfändeter Lohn durch eine zusätzliche Kontopfändung nochmals der Pfändung unterzogen werden. Um das volle unpfändbare Einkommen zu sichern, kannst Du einen Antrag auf Aufstockung des Pfändungsfreibetrages stellen (§ 850k ZPO Abs. 4 ZPO).

Autor
Dr. Britta Beate Schön