Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse)

In der Kfz-Versicherung gibt es auf Schadenfreiheit Rabatt

Silke Kursawe
& Co-Autoren
Stand: 04. Oktober 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Ihre Kfz-Versicherung belohnt Sie über eine hohe Schadenfreiheitsklasse, wenn Sie sie aus Schäden raushalten. 
  • Mit den Jahren fahren Sie immer mehr Rabatt ein. Und zahlen so weniger für Ihre Autoversicherung. Selbst Fahrten mit dem Dienstwagen können Sie anrechnen lassen.
  • Melden Sie einen Schaden, stuft die Versicherung die Schadenfreiheitsklasse herunter.
  • Es ist möglich, diese Rückstufung rückgängig zu machen oder den Schaden direkt selbst zu bezahlen.
So gehen Sie vor
  • Wenn Sie zum ersten Mal ein Auto versichern, sollten Sie versuchen, eine höhere Einstufung als Klasse 0 zu bekommen.
  • Übernehmen Sie Schadenfreiheitsklassen von Verwandten, aktivieren Sie alte Rabatte oder nutzen Sie die Sondereinstufung beim Zweitwagen. Als Fahranfänger können Sie Ihr Auto über die Eltern versichern.
  • Nach einem Unfall kann es sich lohnen, den Schaden selbst zu zahlen. So vermeiden Sie die Rückstufung.
  • Fahren Sie einen Dienstwagen, klären Sie mit Ihrem Chef, dass Sie die Schadenfreiheitsklasse später auch privat nutzen dürfen.

Die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) ist eines der Merkmale in der Kfz-Versicherung, das die Höhe des Beitrags maßgeblich beeinflusst. Je länger Sie als Fahrer unterwegs sind, ohne Ihren Anbieter in Anspruch zu nehmen, desto mehr belohnt die Versicherung Sie mit einem Rabatt.

Höhe des Rabatts unterscheidet sich je nach Versicherung

Solange die Versicherung keinen Schaden regulieren musste, entspricht die SF-Klasse der Zahl der Jahre ohne Beschädigungen: nach acht Jahren also zum Beispiel „SF 8“. Der Beitragssatz sinkt entsprechend, wie die unten stehende Grafik am Beispiel der Rabattstaffel in der Kfz-Haftpflichtversicherung der Huk-Coburg illustriert.

Wie hoch genau der Nachlass in welcher Klasse ausfällt, unterscheidet sich je nach Versicherungsgesellschaft. SF-Klassen gibt es sowohl in der Haftpflicht- als auch in der Vollkaskoversicherung. Die SF-Klassen können in den beiden Versicherungen unterschiedlich sein, wenn Sie zum Beispiel nur einen Schaden in der Vollkaskoversicherung gemeldet haben, nicht aber in der Haftpflicht.

Mit welcher Schadenfreiheitsklasse können Sie starten?

Wenn Sie als Führerschein-Neuling zum ersten Mal ein Auto versichern, müssen Sie wohl oder übel in der Klasse 0 der Rabattstaffel beginnen. Der Beitragssatz beträgt dann 100 Prozent. Nach einem Jahr ohne Unfall stuft die Versicherung Sie dann in die Schadenfreiheitsklasse 1 hoch. Bei der Huk-Coburg zahlen Sie dann nur noch 65 Prozent. Als Fahranfänger können Sie etwas sparen, wenn Sie Ihr eigenes Auto als Zweitwagen der Eltern versichern.

Falls Sie können, warten Sie doch mit dem ersten Auto, bis Ihr Führerschein mindestens drei Jahre alt ist. Sofern Sie in der Zeit das Auto Ihrer Eltern fahren, müssen Sie sich dort in der Regel in den Fahrerkreis eintragen lassen. Das verteuert den Beitrag oft deutlich, wie eine Finanztip-Studie belegt.

Falls Sie Ihren Führerschein bereits mindestens drei Jahre haben, wenn Sie Ihr erstes Auto versichern, können Sie mit der Schadenfreiheitsklasse ½ starten und erhalten so einen kleinen Vorschuss-Rabatt. Zurück zum Beispiel der Huk-Coburg: dort zahlen Sie dann 80 Prozent für die Kraftfahrzeughaftpflicht und 55 Prozent für die Vollkasko. Für diese Führerscheinregelung werden auch Führerscheine von Mofa oder Moped angerechnet.

Auch wer einen Zweitwagen angemeldet hat, der mindestens SF-Klasse ½ hat, kommt in mindestens diese SF-Klasse. Dahinter steht die Annahme der Versicherer: wer bisher unfallfrei ein Auto gefahren hat, wäre auch mit einem zweiten ohne Schaden unterwegs gewesen. Rabatt gibt es auch, falls der Lebenspartner ein Auto mit mindestens SF-Klasse ½ versichert hat. Einige Versicherungen sind bei der Zweitwagenregel kulanter und stufen noch höher ein.

Wie sichern Sie sich möglichst hohe Schadenfreiheitsklassen?

Melden Sie Ihr Auto in der ersten Jahreshälfte an, werden Sie schon vor Ablauf der ersten zwölf Monate in die nächste SF-Klasse hochgestuft. Wenn ein Vertrag mindestens sechs Monate bestand, steigt die SF-Klasse 0 auf ½, die Klasse ½ wird zu 1 und die SF-Klasse 2 zu 3.

Gibt ein naher Verwandter sein Auto auf, kann das ein wahrer Glücksfall für jüngere Fahrer in der Familie sein. Denn dessen SF-Klassen müssen nicht verfallen, ein anderer Fahrer kann diese übernehmen. Warum also nicht Sie? Allerdings sind die Bedingungen für die Übertragung streng. Einzelheiten dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber Schadenfreiheitsrabatt übertragen.

Einfacher ist es, eigene Schadenfreiheitsrabatte aus alten Zeiten zu reaktivieren. Sofern Sie für einige Jahre Ihr Auto abgemeldet hatten, können Sie mit einem neuen Auto wieder an den alten Schadensverlauf und Rabatt anschließen. Die Versicherungen gehen mit der Wiederbelebung der SF-Klassen unterschiedlich um und setzen verschiedene zeitliche Grenzen. Rufen Sie am besten Ihre alte Versicherung an und fragen Sie, ob Sie da noch einen alten Schadenfreiheitsrabatt haben und wie viele schadenfreien Jahre Sie also für den neuen Vertrag angeben können. Im besten Fall bekommen Sie das schriftlich, wenn nicht, sollten Sie sich den Namen des Mitarbeiters merken.

Wie funktionieren Rückstufungstabellen?

Wenn Sie Ihrer Versicherung einen Schaden melden, werden Sie im kommenden Versicherungsjahr zurückgestuft, bekommen also in den meisten Fällen einen Teil der Rabatte gestrichen. Falls Sie in einem Jahr gleich mehrere Unfälle haben, werden Sie auch mehrfach zurückgestuft. Genauso wie bei den Rabatten hat jeder Anbieter auch seine eigene Rückstufungstabelle. Wie viele SF-Klassen genau nach einem Schaden verloren gehen, lässt sich in den jeweiligen Versicherungsbedingungen nachlesen.

Ein Beispiel der Huk-Coburg: Nachdem der Versicherer nach einem Unfall an den Unfallgegner gezahlt hat, stuft er Sie zurück: Waren Sie vorher in der Haftpflichtversicherung in der SF-Klasse 7, fallen Sie im nächsten Jahr auf SF 1 zurück, im Basistarif fallen Sie sogar in die Schadenklasse S. Dann sind statt 43 Prozent des Grundbeitrags im kommenden Jahr 65 oder gar 95 Prozent fällig.

Die höchste Beitragsklasse, die auf Unfallfahrer zukommen kann, ist die Malusklasse M. Die Huk-Coburg beispielsweise erhebt dann 134 Prozent Beitrag. Das droht allen, die noch nicht höher als bis zur SF-Klasse 5 gekommen waren und zwei oder mehr Schäden in einem Jahr melden müssen. Allen Neulingen in der Schadenfreiheitsklasse ½ steht das bereits beim ersten Schaden bevor.

Wie lässt sich die Rückstufung vermeiden?

Die meisten Unfälle enden nur mit Blechschäden, die nicht allzu teuer sind. Gerade dann sollten Sie nachrechnen, ob es sich lohnt, den Schaden von der Versicherung begleichen zu lassen. Besonders wenn Sie noch keine allzu hohe SF-Klasse erreicht haben, ist es bei solchen kleineren Schäden häufig günstiger, die Reparatur aus eigener Tasche zu bezahlen.

Denn die Rückstufung in der SF-Klasse führt meist gleich für mehrere Jahre zu höheren Beiträgen, die sich zu einem stattlichen Betrag summieren können. Grob kann man sagen, dass es zehn Jahre dauert, bis Sie den finanziellen Nachteil wieder aufgeholt haben. Deshalb sollten Sie Kleinschäden bis 500 oder 1.000 Euro besser selbst bezahlen. Im Zweifel gibt Ihnen Ihr Versicherer Auskunft darüber, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu übernehmen.

Diese Entscheidung müssen Sie nicht sofort treffen. Sie haben grundsätzlich nach jedem Schaden mindestens sechs Monate Zeit, den Schaden von der Versicherung zurückzukaufen und damit zu verhindern, dass Sie zurückgestuft werden.

Verursachen Sie in einem Kalenderjahr mehrere Schäden, können Sie zum Beispiel nur den teuersten durch das Versicherungsunternehmen begleichen lassen – und die restlichen Schadensfälle selbst bezahlen. Wenn Sie sich so noch in den Bereich oberhalb von SF-Klasse 2 retten können, lohnt sich das.

Wenn Ihr Schadenfreiheitsrabatt arg in Mitleidenschaft gezogen und völlig im Keller ist, können Sie fürs erste den Wagen auch auf Ihren Ehe- oder Lebenspartner versichern lassen. Sie dürfen den Wagen auch gegen einen symbolischen Wert verkaufen. Melden Sie den Wagen dann einfach auf Ihre bessere Hälfte um. Dieser Aufwand zahlt sich aus, wenn Sie dadurch Versicherungsprämie sparen können. Erst wenn Sie selbst wieder einen Vertrag haben wollen, müssen Sie Ihren schlechten Schadenfreiheitsrabatt angeben.

Für Fahrer, die häufiger einen Unfall haben, lohnt es sich oft, im Vertrag einen Rabattschutz zu vereinbaren. Durch ihn sinkt die SF-Klasse nach einem Unfall nicht.

Was müssen Sie bei einem Wechsel nach einem Unfall beachten?

Durch die unterschiedlichen Rückstufungstabellen kann es nach einem Unfall manchmal unübersichtlich werden, welche Schadenfreiheitsklasse Sie angeben müssen, wenn Sie Ihre Versicherung wechseln möchten.

Fragen Sie daher am besten bei der neuen Versicherung vor Vertragsabschluss nach, mit welcher Schadenfreiheitsklasse Ihr Vertrag dort beginnt. Dann erleben Sie keine unangenehme Überraschung und müssen nichts nachzahlen, wenn der neue Anbieter sich bei Ihrem alten nach der SF-Klasse erkundigt hat. Die Versicherer bestätigen sich untereinander immer nur die Anzahl der Jahre, sie tauschen keine Beitragssätze aus.

Falls Sie bei Ihrem neuen Anbieter niemanden für diese Frage erreichen, nehmen Sie fürs Erste die SF-Klasse, in die Ihr aktueller Versicherer Sie nach dem Schaden einstufen würde. Diese Angabe finden Sie in den Versicherungsbedingungen in der Rückstufungstabelle. Wichtig: Geben Sie bitte nicht Ihre aktuelle SF-Klasse an – dann besteht die Gefahr, dass Sie einen großen Betrag beim neuen Versicherer nachzahlen müssen.

Ärger wegen falscher Angaben dürften Sie aber nicht bekommen. Denn der Beitragssatz steht immer unter dem Vorbehalt, dass Ihr aktueller Versicherer von Ihrem Vorversicherer erfährt, ob Ihre Angaben zu den schadenfreien Jahren stimmt. Außerdem fragt er immer nach, wer den Vertrag beendet hat.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleichen Sie jeden Herbst, ob Ihre Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter: Verivox, Check24, Huk24

Zum Ratgeber 

Wie bekommen Sie die Dienstwagen-Schadenfreiheitsklasse?

Die meisten Angestellten freuen sich, wenn der Chef einen Firmenwagen zur Verfügung stellt. Steuerliche Vorteile für Dienstwagen machen das Modell attraktiv. Doch für Ihren privaten Schadenfreiheitsrabatt kann es ein Desaster sein, wenn Sie nur noch Ihren Dienstwagen fahren. Falls Sie keine Vorkehrungen treffen, sind diese Jahre versicherungstechnisch verlorene Jahre. Schließlich sammeln Sie durch unfallfreies Fahren Schadenfreiheitsrabatte für Ihren Arbeitgeber.

Wenn Sie irgendwann wieder ein eigenes Auto versichern möchten, stellt sich die Frage, mit welchem Schadenfreiheitsrabatt Sie anfangen können. Prüfen Sie als erstes, ob Ihre alten eigenen SF-Klassen verfallen sind, falls Sie zuvor welche gesammelt haben.

Wenn an dieser Stelle nichts zu holen ist, können Sie vielleicht die Schadenfreiheitsklasse Ihres Dienstwagens übernehmen – spätestens wenn der Dienstwagen-Vertrag endet oder Sie das Unternehmen verlassen. Klären Sie beizeiten mit Ihrem Chef, ob die Übernahme eine Option ist. Wenn Ihr Chef Ihnen diesen Schadenfreiheitsrabatt zur Verfügung stellen möchte, können Sie sich die erfahrenen schadenfreien Jahre übertragen lassen. Das wird dann Ihr Schadenfreiheitsrabatt.

Sie sollten weiterhin klären, ob Sie Ihre (alte) Schadenfreiheitsklasse in den Vertrag für den Dienstwagen einbringen und dort mitlaufen lassen. Das spart Beitrag, und Ihr persönlicher Schadenfreiheitsrabatt bleibt aktiviert. Allerdings muss er dann auch für Unfälle herhalten, die Sie mit dem Dienstwagen bauen.

Handelt es sich bei dem Dienstwagen um ein Fahrzeug aus einem Fahrzeugpool, das auch andere Kollegen nutzen dürfen, lassen Sie sich die Nutzungszeiten am besten vom Chef bestätigen. Ähnlich wie bei Carsharing-Nutzern sind einige Versicherer sehr kulant, diese Zeiten auf Ihren Schadenfreiheitsrabatt anzurechnen. Dazu lassen Sie sich von Ihrem Chef entweder die gefahrenen Tage oder Kilometer bestätigen.

Bevor Sie eine neue Versicherung abschließen, sollten Sie bei verschiedenen Versicherern nachfragen, wie diese Sie einstufen und welche Angaben Sie machen beziehungsweise welche Unterlagen Sie einreichen müssen.

Autor
Silke Kursawe
& Co-Autoren
Kathrin Gotthold , Annika Krempel

Stand: 04. Oktober 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und anzeigenfrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.