Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse)

In der Kfz-Versicherung gibt es auf Schadenfreiheit Rabatt

Kathrin Gotthold
Expertin für Versicherungen
14. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Fährst Du unfallfrei, belohnt Deine Kfz-Versicherung das über eine hohe Schadenfreiheitsklasse. 
  • Mit den Jahren fährst Du immer mehr Rabatt ein. Und Du zahlst so weniger für Deine Autoversicherung. 
  • Es ist möglich, Schadenrückstufungen rückgängig zu machen oder einen Schaden direkt selbst zu bezahlen.
So gehst Du vor
  • Wenn Du zum ersten Mal ein Auto versicherst, solltest Du versuchen, eine höhere Einstufung als Klasse 0 zu bekommen.
  • Übernimm Schadenfreiheitsklassen von Verwandten, aktiviere alte Rabatte oder nutze die Sondereinstufung beim Zweitwagen. Als Fahranfänger kannst Du Dein Auto über die Eltern versichern.
  • Nach einem Unfall kann es sich lohnen, den Schaden selbst zu zahlen. So vermeidest Du die Rückstufung.
  • Fährst Du einen Dienstwagen, kläre mit Deinem Chef, dass Du die Schadenfreiheitsklasse später auch privat nutzen darfst.

Die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) ist eines der Merkmale in der Kfz-Versicherung, das die Höhe des Beitrags maßgeblich beeinflusst. Je länger Du als Fahrer unterwegs bist, ohne Deinen Anbieter in Anspruch zu nehmen, desto mehr belohnt die Versicherung Dich mit einem Rabatt.

Bist Du im Zuge der Corona-Pandemie deutlich weniger Auto gefahren, als gedacht? Gerade für Pendler, die jetzt im Homeoffice arbeiten, kann sich dieser Tipp lohnen:

Melde Deiner Autoversicherung, dass sich Deine Kilometerleistung für das aktuelle Versicherungsjahr verringert hat. Ist der Unterschied groß genug, wird Dir Deine Versicherung einen Teil Deines Beitrags erstatten. Du solltest das möglichst schnell machen, denn einige Unternehmen passen die Prämie erst ab dem Datum Deiner Meldung an. Wie genau Du vorgehen solltest und welche Versicherungen rückwirkend erstatten (sowie welche nicht), halten wir für Dich in unserem Blogbeitrag aktuell.

Höhe des Rabatts unterscheidet sich je nach Versicherung

Solange die Versicherung keinen Schaden regulieren musste, entspricht die SF-Klasse der Zahl der Jahre ohne Beschädigungen: nach acht Jahren also zum Beispiel „SF 8“. Der Beitragssatz sinkt entsprechend, wie die unten stehende Grafik am Beispiel der Rabattstaffel in der Kfz-Haftpflichtversicherung der Huk-Coburg illustriert.

Wie hoch genau der Nachlass in welcher Klasse ausfällt, unterscheidet sich je nach Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft. SF-Klassen gibt es sowohl in der Haftpflicht- als auch in der Vollkaskoversicherung. Die SF-Klassen können in den beiden Versicherungen unterschiedlich sein, wenn Du zum Beispiel nur einen Schaden in der Vollkaskoversicherung gemeldet hast, nicht aber in der Haftpflicht.

Mit welcher Schadenfreiheitsklasse kannst Du starten?

Wenn Du als Führerschein-Neuling zum ersten Mal ein Auto versicherst, musst Du wohl oder übel in der Klasse 0 der Rabattstaffel beginnen. Der Beitragssatz beträgt dann 100 Prozent. Nach einem Jahr ohne Unfall stuft die Versicherung Dich dann in die Schadenfreiheitsklasse 1 hoch. Bei der Huk-Coburg zahlst Du dann nur noch 65 Prozent. Als Fahranfänger kannst Du etwas sparen, wenn Du Dein eigenes Auto als Zweitwagen der Eltern versicherst.

Falls Du kannst, warte doch mit dem ersten Auto, bis Dein Führerschein mindestens drei Jahre alt ist. Sofern Du in der Zeit das Auto Deiner Eltern fährst, musst Du Dich dort in der Regel in den Fahrerkreis eintragen lassen. Das verteuert den Beitrag oft deutlich, wie eine Finanztip-Studie belegt.

Falls Du Deinen Führerschein bereits mindestens drei Jahre hast, wenn Du Dein erstes Auto versicherst, kannst Du mit der Schadenfreiheitsklasse ½ starten und erhältst so einen kleinen Vorschuss-Rabatt. Zurück zum Beispiel der Huk-Coburg: dort zahlst Du dann 80 Prozent für die Kraftfahrzeughaftpflicht und 55 Prozent für die Vollkasko. Für diese Führerscheinregelung werden auch Führerscheine von Mofa oder Moped angerechnet.

Auch wer einen Zweitwagen angemeldet hat, der mindestens SF-Klasse ½ hat, kommt in mindestens diese SF-Klasse. Dahinter steht die Annahme der Versicherer: wer bisher unfallfrei ein Auto gefahren hat, wäre auch mit einem zweiten ohne Schaden unterwegs gewesen. Rabatt gibt es auch, falls der Lebenspartner ein Auto mit mindestens SF-Klasse ½ versichert hat. Einige Versicherungen sind bei der Zweitwagenregel kulanter und stufen noch höher ein.

Wie sicherst Du Dir möglichst hohe Schadenfreiheitsklassen?

Meldest Du Dein Auto in der ersten Jahreshälfte an, wirst Du schon vor Ablauf der ersten zwölf Monate in die nächste SF-Klasse hochgestuft. Wenn ein Vertrag mindestens sechs Monate bestand, steigt die SF-Klasse 0 auf ½, die Klasse ½ wird zu 1 und die SF-Klasse 2 zu 3.

Gibt ein naher Verwandter sein Auto auf, kann das ein wahrer Glücksfall für jüngere Fahrer in der Familie sein. Denn dessen SF-Klassen müssen nicht verfallen, ein anderer Fahrer kann diese übernehmen. Warum also nicht Du? Allerdings sind die Bedingungen für die Übertragung streng. Einzelheiten dazu erfährst Du in unserem Ratgeber Schadenfreiheitsrabatt übertragen.

Einfacher ist es, eigene Schadenfreiheitsrabatte aus alten Zeiten zu reaktivieren. Sofern Du für einige Jahre Dein Auto abgemeldet hattest, kannst Du mit einem neuen Auto wieder an den alten Schadensverlauf und Rabatt anschließen. Die Versicherungen gehen mit der Wiederbelebung der SF-Klassen unterschiedlich um und setzen verschiedene zeitliche Grenzen. Rufe am besten Deine alte Versicherung an und frage, ob Du da noch einen alten Schadenfreiheitsrabatt hast und wie viele schadenfreie Jahre Du also für den neuen Vertrag angeben kannst. Im besten Fall bekommst Du das schriftlich, wenn nicht, solltest Du Dir den Namen des Mitarbeiters merken.

Wie funktionieren Rückstufungstabellen?

Wenn Du Deiner Versicherung einen Schaden meldest, wirst Du im kommenden Versicherungsjahr zurückgestuft, bekommst also in den meisten Fällen einen Teil der Rabatte gestrichen. Falls Du in einem Jahr gleich mehrere Unfälle hast, wirst Du auch mehrfach zurückgestuft. Genauso wie bei den Rabatten hat jeder Anbieter auch seine eigene Rückstufungstabelle. Wie viele SF-Klassen genau nach einem Schaden verloren gehen, lässt sich in den jeweiligen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen nachlesen.

Ein Beispiel der Huk-Coburg: Nachdem der Versicherer nach einem Unfall an den Unfallgegner gezahlt hat, stuft er Dich zurück: Warst Du vorher in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung in der SF-Klasse 7, fällst Du im nächsten Jahr auf SF 1 zurück, im Basistarif fällst Du sogar in die Schadenklasse S. Dann sind statt 43 Prozent des Grundbeitrags im kommenden Jahr 65 oder gar 95 Prozent fällig.

Die höchste Beitragsklasse, die auf Unfallfahrer zukommen kann, ist die Malusklasse M. Die Huk-Coburg beispielsweise erhebt dann 134 Prozent Beitrag. Das droht allen, die noch nicht höher als bis zur SF-Klasse 5 gekommen waren und zwei oder mehr Schäden in einem Jahr melden müssen. Allen Neulingen in der Schadenfreiheitsklasse ½ steht das bereits beim ersten Schaden bevor.

Wie lässt sich die Rückstufung vermeiden?

Die meisten Unfälle enden nur mit Blechschäden, die nicht allzu teuer sind. Gerade dann solltest Du nachrechnen, ob es sich lohnt, den Schaden von der Versicherung begleichen zu lassen. Besonders wenn Du noch keine allzu hohe SF-Klasse erreicht hast, ist es bei solchen kleineren Schäden häufig günstiger, die Reparatur aus eigener Tasche zu bezahlen.

Denn die Rückstufung in der SF-Klasse führt meist gleich für mehrere Jahre zu höheren Beiträgen, die sich zu einem stattlichen Betrag summieren können. Grob kann man sagen, dass es zehn Jahre dauert, bis Du den finanziellen Nachteil wieder aufgeholt hast. Deshalb solltest Du Kleinschäden bis 500 oder 1.000 Euro besser selbst bezahlen. Im Zweifel gibt Dir Dein Versicherer Auskunft darüber, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu übernehmen.

Diese Entscheidung musst Du nicht sofort treffen. Du hast grundsätzlich nach jedem Schaden mindestens sechs Monate Zeit, den Schaden von der Versicherung zurückzukaufen und damit zu verhindern, dass Du zurückgestuft wirst.

Verursachst Du in einem Kalenderjahr mehrere Schäden, könntest Du zum Beispiel nur den teuersten durch das Versicherungsunternehmen begleichen lassen – und die restlichen Schadensfälle selbst bezahlen. Wenn Du Dich so noch in den Bereich oberhalb von SF-Klasse 2 retten kannst, lohnt sich das.

Wenn Dein Schadenfreiheitsrabatt arg in Mitleidenschaft gezogen und völlig im Keller ist, kannst Du fürs erste den Wagen auch auf Deinen Ehe- oder Lebenspartner versichern lassen. Du darfst den Wagen auch gegen einen symbolischen Wert verkaufen. Melde den Wagen dann einfach auf Deine bessere Hälfte um. Dieser Aufwand zahlt sich aus, wenn Du dadurch Versicherungsprämie sparen kannst. Erst wenn Du selbst wieder einen Vertrag haben willst, musst Du Deinen schlechten Schadenfreiheitsrabatt angeben.

Für Fahrer, die häufiger einen Unfall haben, lohnt es sich oft, im Vertrag einen Rabattschutz zu vereinbaren. Durch ihn sinkt die SF-Klasse nach einem Unfall nicht.

Was musst Du bei einem Wechsel nach einem Unfall beachten?

Durch die unterschiedlichen Rückstufungstabellen kann es nach einem Unfall manchmal unübersichtlich werden, welche Schadenfreiheitsklasse Du angeben musst, wenn Du Deine Versicherung wechseln möchtest.

Frage daher am besten bei der neuen Versicherung vor Vertragsabschluss nach, mit welcher Schadenfreiheitsklasse Dein Vertrag dort beginnt. Dann erlebst Du keine unangenehme Überraschung und musst nichts nachzahlen, wenn der neue Anbieter sich bei Deinem alten nach der SF-Klasse erkundigt hat. Die Versicherer bestätigen sich untereinander immer nur die Anzahl der Jahre, sie tauschen keine Beitragssätze aus.

Falls Du bei Deinem neuen Anbieter niemanden für diese Frage erreichst, nimmt fürs Erste die SF-Klasse, in die Dein aktueller Versicherer Dich nach dem Schaden einstufen würde. Diese Angabe findest Du in den Ver­si­che­rungs­be­din­gungen in der Rückstufungstabelle. Wichtig: Gib bitte nicht Deine aktuelle SF-Klasse an – dann besteht die Gefahr, dass Du einen großen Betrag beim neuen Versicherer nachzahlen musst.

Ärger wegen falscher Angaben dürftest Du aber nicht bekommen. Denn der Beitragssatz steht immer unter dem Vorbehalt, dass Dein aktueller Versicherer von Deinem Vorversicherer erfährt, ob Deine Angaben zu den schadenfreien Jahren stimmen. Außerdem fragt er immer nach, wer den Vertrag beendet hat.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

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Zum Ratgeber 

Wie bekommst Du die Dienstwagen-Schadenfreiheitsklasse?

Die meisten Angestellten freuen sich, wenn der Chef einen Firmenwagen zur Verfügung stellt. Steuerliche Vorteile für Dienstwagen machen das Modell attraktiv. Doch für Deinen privaten Schadenfreiheitsrabatt kann es ein Desaster sein, wenn Du nur noch Deinen Dienstwagen fährst. Falls Du keine Vorkehrungen triffst, sind diese Jahre versicherungstechnisch verlorene Jahre. Schließlich sammelst Du durch unfallfreies Fahren Schadenfreiheitsrabatte für Deinen Arbeitgeber.

Wenn Du irgendwann wieder ein eigenes Auto versichern möchtest, stellt sich die Frage, mit welchem Schadenfreiheitsrabatt Du anfangen kannst. Prüfe als erstes, ob Deine alten eigenen SF-Klassen verfallen sind, falls Du zuvor welche gesammelt hast.

Wenn an dieser Stelle nichts zu holen ist, kannst Du vielleicht die Schadenfreiheitsklasse Deines Dienstwagens übernehmen – spätestens wenn der Dienstwagen-Vertrag endet oder Du das Unternehmen verlässt. Kläre beizeiten mit Deinem Chef, ob die Übernahme eine Option ist. Wenn Dein Chef Dir diesen Schadenfreiheitsrabatt zur Verfügung stellen möchte, kannst Du Dir die erfahrenen schadenfreien Jahre übertragen lassen. Das wird dann Dein Schadenfreiheitsrabatt.

Du solltest weiterhin klären, ob Du Deine (alte) Schadenfreiheitsklasse in den Vertrag für den Dienstwagen einbringst und dort mitlaufen lässt. Das spart Beitrag, und Dein persönlicher Schadenfreiheitsrabatt bleibt aktiviert. Allerdings muss er dann auch für Unfälle herhalten, die Du mit dem Dienstwagen baust.

Handelt es sich bei dem Dienstwagen um ein Fahrzeug aus einem Fahrzeugpool, das auch andere Kollegen nutzen dürfen, lasse Dir die Nutzungszeiten am besten vom Chef bestätigen. Ähnlich wie bei Carsharing-Nutzern sind einige Versicherer sehr kulant, diese Zeiten auf Deinen Schadenfreiheitsrabatt anzurechnen. Dazu lasse Dir von Deinem Chef entweder die gefahrenen Tage oder Kilometer bestätigen.

Bevor Du eine neue Versicherung abschließt, solltest Du bei verschiedenen Versicherern nachfragen, wie diese Dich einstufen und welche Angaben Du machen beziehungsweise welche Unterlagen Du einreichen musst.

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