Scha­den­frei­heits­klas­se (SF-Klasse)

In der Kfz-Versicherung gibt es auf Schadenfreiheit Rabatt

Kathrin Gotthold
Finanztip-Expertin für Versicherungen
22. Oktober 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Fährst Du unfallfrei, belohnt Deine Kfz-Versicherung das über eine hohe Scha­den­frei­heits­klas­se. 
  • Mit den Jahren fährst Du immer mehr Rabatt ein. Und Du zahlst so weniger für Deine Autoversicherung. 
  • Es ist möglich, Schadenrückstufungen rückgängig zu machen oder einen Schaden direkt selbst zu bezahlen.
So gehst Du vor
  • Wenn Du zum ersten Mal ein Auto versicherst, solltest Du versuchen, eine höhere Einstufung als Klasse 0 zu bekommen. Wie das geht, erfährst Du weiter unten. 
  • Nach einem Unfall kann es sich lohnen, den Schaden selbst zu zahlen. So vermeidest Du die Rückstufung.
  • Bei  einer Rückstufung kann sich der Wechsel in eine günstigere Versicherung lohnen.
  • Finanztip empfiehlt für den Preisvergleich die Kombination von Vergleichsportal und Direktversicherer. Wenn Du im laufenden Jahr einen Schaden hast regulieren lassen, solltest Du über das Vergleichsportal Check24 gehen und Dir dann ein Angebot bei der Huk24 einholen.  

Die Scha­den­frei­heits­klas­se (SF-Klasse) beeinflusst maßgeblich die Höhe Deines Versicherungsbeitrags. Je länger Du als Fahrer unterwegs bist, ohne Deine Versicherung in Anspruch zu nehmen, desto mehr belohnt die Versicherung Dich mit einem Rabatt. Bezahlt Deine Versicherung einen Schaden, stuft sie Dich in der SF-Klasse zurück. Das bedeutet für Dich: Höhere Beiträge im kommenden Jahr. Dann ist es Zeit, die Versicherung zu wechseln und den besten Preis zu finden. 

Höhe des Rabatts unterscheidet sich je nach Versicherung

Solange die Versicherung keinen Schaden regulieren musste, entspricht die SF-Klasse der Zahl der Jahre ohne Beschädigungen: nach acht Jahren also zum Beispiel „SF 8“. Der Beitragssatz sinkt entsprechend, wie die unten stehende Grafik am Beispiel der Rabattstaffel in der Kfz-Haftpflichtversicherung der Huk24 illustriert.

Wie hoch genau der Nachlass in welcher Klasse ausfällt, unterscheidet sich je nach Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft. SF-Klassen gibt es sowohl in der Haftpflicht- als auch in der Vollkaskoversicherung. Die SF-Klassen können in den beiden Versicherungen unterschiedlich sein, wenn Du zum Beispiel nur einen Schaden in der Vollkaskoversicherung gemeldet hast, nicht aber in der Haftpflicht.

Mit welcher Scha­den­frei­heits­klas­se kannst Du starten?

Wenn Du als Führerschein-Neuling zum ersten Mal ein Auto versicherst, musst Du wohl oder übel in der Klasse 0 der Rabattstaffel beginnen. Der Beitragssatz beträgt dann 90 bis 100 Prozent. Nach einem Jahr ohne Unfall stuft die Versicherung Dich dann in die Scha­den­frei­heits­klas­se 1 hoch. Bei der Huk24 zahlst Du dann nur noch 53 Prozent. Als Fahranfänger kannst Du etwas sparen, wenn Du Dein eigenes Auto als Zweitwagen der Eltern versicherst.

Falls Du kannst, warte doch mit dem ersten Auto, bis Dein Führerschein mindestens drei Jahre alt ist. Sofern Du in der Zeit das Auto Deiner Eltern fährst, musst Du Dich dort in der Regel in den Fahrerkreis eintragen lassen. Das verteuert den Beitrag oft deutlich, wie eine Finanztip-Studie belegt.

Falls Du Deinen Führerschein bereits mindestens drei Jahre hast, wenn Du Dein erstes Auto versicherst, kannst Du mit der Scha­den­frei­heits­klas­se ½ starten und erhältst so einen kleinen Vorschuss-Rabatt. Zurück zum Beispiel der Huk24: dort zahlst Du dann 66 Prozent für die Kraftfahrzeughaftpflicht und 49 Prozent für die Vollkasko. Für diese Führerscheinregelung werden auch Führerscheine von Mofa oder Moped angerechnet.

Auch wer einen Zweitwagen angemeldet hat, der mindestens SF-Klasse ½ hat, kommt mindestens in diese SF-Klasse. Dahinter steht die Annahme der Versicherer: Wer bisher unfallfrei ein Auto gefahren hat, wäre auch mit einem zweiten ohne Schaden unterwegs gewesen. Rabatt gibt es auch, falls der Lebenspartner ein Auto mit mindestens SF-Klasse ½ versichert hat. Einige Versicherungen sind bei der Zweitwagenregel kulanter und stufen noch höher ein.

Wie sicherst Du Dir möglichst hohe Scha­den­frei­heits­klas­sen?

Meldest Du Dein Auto in der ersten Jahreshälfte an, wirst Du schon vor Ablauf der ersten zwölf Monate in die nächste SF-Klasse hochgestuft. Wenn ein Vertrag seit mindestens sechs Monaten besteht, steigt die SF-Klasse 0 auf ½, die Klasse ½ wird zu 1 und die SF-Klasse 2 zu 3.

Gibt ein naher Verwandter sein Auto auf, kann das ein wahrer Glücksfall für jüngere Fahrer in der Familie sein. Denn dessen SF-Klassen müssen nicht verfallen, ein anderer Fahrer kann diese übernehmen. Warum also nicht Du? Allerdings sind die Bedingungen für die Übertragung streng. Einzelheiten dazu erfährst Du in unserem Ratgeber Schadenfreiheitsrabatt übertragen.

Einfacher ist es, eigene Schadenfreiheitsrabatte aus alten Zeiten zu reaktivieren. Sofern Du für einige Jahre Dein Auto abgemeldet hattest, kannst Du mit einem neuen Auto wieder an den alten Schadensverlauf und Rabatt anschließen. Die Versicherungen gehen mit der Wiederbelebung der SF-Klassen unterschiedlich um und setzen verschiedene zeitliche Grenzen. Du solltest am besten Deine alte Versicherung anrufen und fragen, ob Du da noch einen alten Schadenfreiheitsrabatt hast und wie viele schadenfreie Jahre Du also für den neuen Vertrag angeben kannst. Im besten Fall bekommst Du das schriftlich, wenn nicht, solltest Du Dir den Namen des Mitarbeiters merken.

Wie funktionieren Rückstufungstabellen?

Wenn Du Deiner Versicherung einen Schaden meldest, wirst Du im kommenden Versicherungsjahr zurückgestuft, bekommst also in den meisten Fällen einen Teil der Rabatte gestrichen. Falls Du in einem Jahr gleich mehrere Unfälle hast, wirst Du auch mehrfach zurückgestuft. Genauso wie bei den Rabatten hat jeder Anbieter auch seine eigene Rückstufungstabelle. Wie viele SF-Klassen genau nach einem Schaden verloren gehen, lässt sich in den jeweiligen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen nachlesen.

Ein Beispiel der Huk24 im Classic-Tarif: Nachdem der Versicherer nach einem Unfall an den Unfallgegner gezahlt hat, stuft er Dich zurück: Warst Du vorher in der Haft­pflicht­ver­si­che­rung in der SF-Klasse 8, fällst Du im nächsten Jahr auf SF 2 zurück, im Basistarif fällst Du sogar in die Schadenklasse ½. Dann sind statt 36 Prozent des Grundbeitrags im kommenden Jahr 49 oder gar 66 Prozent fällig.

Die höchste Beitragsklasse, die auf Unfallfahrer zukommen kann, ist die Malusklasse M. Die Huk24 beispielsweise erhebt dann 100 Prozent Beitrag. Im Classic-Tarif droht das allen, die noch nicht höher als bis zur SF-Klasse 3 gekommen sind und zwei oder mehr Schäden in einem Jahr melden müssen. Bei SF-Klasse 0 steht das bereits beim ersten Schaden bevor. Im Basis-Tarif wirst Du bei zwei oder mehr Schäden im Jahr von SF-Klasse 13 auf M heruntergestuft. Und in der SF-Klasse 4 landest Du sofort in M, wenn Du einen Schaden gemeldet hast. 

Wie lässt sich die Rückstufung vermeiden?

Die meisten Unfälle enden nur mit Blechschäden, die nicht allzu teuer sind. Gerade dann solltest Du nachrechnen, ob es sich wirklich lohnt, den Schaden von der Versicherung begleichen zu lassen. Denn die Rückstufung in der SF-Klasse führt meist gleich für mehrere Jahre zu höheren Beiträgen, die sich zu einem stattlichen Betrag summieren können. Bis Du Deine bisherige SF-Klasse wieder erreicht hast, musst Du wieder viele Jahre unfallfrei fahren.   Wenn Du bei der Huk24 im Classic-Tarif in SF-Klasse 30 mehrere Unfälle in einem Jahr meldest, landest Du auf SF-Klasse 15 und musst Dann wieder 15 Jahre unfallfrei fahren, bis Du wieder auf den alten Rabatt kommst. 

Im Zweifel gibt Dir Dein Versicherer Auskunft darüber, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu übernehmen. Darauf allein solltest Du Dich aber nicht verlassen. Wir haben für Dich eine Daumenregel entwickelt, wann es lohnt, einen Schaden selbst zu zahlen. 

Die Entscheidung, ob Du den Schaden selbst zahlst, musst Du nicht sofort treffen. Du hast grundsätzlich nach jedem Schaden mindestens sechs Monate Zeit, den Schaden von der Versicherung zurückzukaufen und damit zu verhindern, dass Du zurückgestuft wirst.

Verursachst Du in einem Kalenderjahr mehrere Schäden, könntest Du zum Beispiel nur den teuersten durch das Versicherungsunternehmen begleichen lassen – und die restlichen Schadensfälle selbst bezahlen. Wenn Du Dich so noch in den Bereich oberhalb von SF-Klasse 2 retten kannst, lohnt sich das.

Wenn Dein Schadenfreiheitsrabatt arg in Mitleidenschaft gezogen und völlig im Keller ist, kannst Du fürs erste den Wagen auch auf Deinen Ehe- oder Lebenspartner versichern lassen. Du darfst den Wagen auch gegen einen symbolischen Wert verkaufen. Melde den Wagen dann einfach auf Deine bessere Hälfte um. Dieser Aufwand zahlt sich aus, wenn Du dadurch Versicherungsprämie sparen kannst. Erst wenn Du selbst wieder einen Vertrag haben willst, musst Du Deinen schlechten Schadenfreiheitsrabatt angeben.

Für Fahrer, die häufiger einen Unfall haben, kann es sich lohnen, im Vertrag einen Rabattschutz zu vereinbaren. Durch ihn sinkt die SF-Klasse nach einem Unfall nicht.

Wie wechselst Du die Versicherung nach einem Unfall?

Nach einem Schaden kann es sich lohnen, die Versicherung zu wechseln. Deine alte Versicherung kannst Du regulär zum 30. November kündigen oder Du beziehst Dich bei der Kündigung auf Dein Son­der­kün­di­gungs­recht. Beim Versicherungsvergleich gehst Du so vor:

Die günstigste Autoversicherung findest Du, wenn Du mehrere Anbieter vergleichst. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Du am besten mindestens zwei Vergleiche kombinierst. Denn nicht alle Versicherer sind auch auf allen Vergleichsportalen vertreten.

Hattest Du einen Schaden im laufenden Jahr, empfehlen wir Dir, die Kombination Check24 und Huk24 zu wählen.

Bei der Abfrage auf Check24 musst Du Deine Scha­den­frei­heits­klas­se (SF-Klasse) angeben. Hattest Du im aktuellen Jahr einen Schaden, den Dein Versicherer reguliert hat, ist das gar nicht so einfach – denn Versicherer stufen unterschiedlich zurück. Jede Versicherung hat ihre eigenen Rückstufungstabellen, nach denen sie vorgeht.

Bei Check24 reicht es, dass Du Deine aktuelle SF-Klasse angibst. Das Umrechnen auf die neue Stufe und somit das richtige Vergleichen übernimmt der Rechner für Dich. Du musst also nicht wissen, wohin Du von einem künftigen Versicherer gestuft wirst – das Portal greift selbst auf die jeweiligen Stufungstabellen der Versicherungen zu.

Im Vergleichsrechner bei Check24 ist zudem hinterlegt, in welche SF-Klasse Dich ein neuer Versicherer nach einem – und nach Angaben des Portals auch mehreren – Schäden einstufen wird. Wenn Du also ein Auto mit Schaden im laufenden Jahr im Check24-Kfz-Versicherungsvergleich eingibst, dann wird dort im Hintergrund für jeden Versicherer und Tarif die exakte Rückstufung berechnet. Du erhältst dann den darauf basierenden, richtigen Preis.

Sobald Du bei Check24 angibst, dass Du im laufenden Jahr einen Schaden hattest, fragt Check24 Dich auf der Berechnungsstrecke (vor der Ergebnisseite) nach der SF-Klasse des aktuellen Jahres und nicht, wie sonst, für das nächste Jahr. Die SF-Klasse des aktuellen Jahres bildet dann die Basis für die korrekte, versicherungsindividuelle SF-Klassen-Rückstufung.

Berechne dann ein Angebot bei der Huk24. Dafür benötigst Du zuerst Deine jetzige SF-Klasse. Die findest Du auf Deiner letzten Beitragsrechnung. Dann schaust Du in die Rückstufungstabellen der Huk24 und suchst dort den richtigen Tarif (Classic-Tarif oder Basis-Tarif) und Deine aktuelle SF-Klasse. Dort siehst Du, in welche SF-Klasse Dich die Huk24 im nächsten Jahr einstufen wird. Die neue SF-Klasse gibst Du dann in den Rechner der Huk24 ein. Schließe den Vertrag beim günstigsten Anbieter. Wie Du auf einem Vergleichsportal die passende Kfz-Versicherung findest, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wechsel der Kfz-Versicherung.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleiche jeden Herbst, ob Deine Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlener Weg zum günstigsten Tarif: Erst bei Verivox oder Check24 vergleichen, dann Angebot bei der Huk24 einholen.

Zum Ratgeber 

Wie bekommst Du die Dienstwagen-Schadenfreiheitsklasse?

Die meisten Angestellten freuen sich, wenn der Chef einen Firmenwagen zur Verfügung stellt. Steuerliche Vorteile für Dienstwagen machen das Modell attraktiv. Doch für Deinen privaten Schadenfreiheitsrabatt kann es ein Desaster sein, wenn Du nur noch Deinen Dienstwagen fährst. Falls Du keine Vorkehrungen triffst, sind diese Jahre versicherungstechnisch verlorene Jahre. Schließlich sammelst Du durch unfallfreies Fahren Schadenfreiheitsrabatte für Deinen Arbeitgeber.

Wenn Du irgendwann wieder ein eigenes Auto versichern möchtest, stellt sich die Frage, mit welchem Schadenfreiheitsrabatt Du anfangen kannst. Prüfe als erstes, ob Deine alten eigenen SF-Klassen verfallen sind, falls Du zuvor welche gesammelt hast.

Wenn an dieser Stelle nichts zu holen ist, kannst Du vielleicht die Scha­den­frei­heits­klas­se Deines Dienstwagens übernehmen – spätestens wenn der Dienstwagen-Vertrag endet oder Du das Unternehmen verlässt. Kläre beizeiten mit Deinem Chef, ob die Übernahme eine Option ist. Wenn Dein Chef Dir diesen Schadenfreiheitsrabatt zur Verfügung stellen möchte, kannst Du Dir die erfahrenen schadenfreien Jahre übertragen lassen. Das wird dann Dein Schadenfreiheitsrabatt.

Du solltest weiterhin klären, ob Du Deine (alte) Scha­den­frei­heits­klas­se in den Vertrag für den Dienstwagen einbringst und dort mitlaufen lässt. Das spart Beitrag, und Dein persönlicher Schadenfreiheitsrabatt bleibt aktiviert. Allerdings muss er dann auch für Unfälle herhalten, die Du mit dem Dienstwagen baust.

Handelt es sich bei dem Dienstwagen um ein Fahrzeug aus einem Fahrzeugpool, das auch andere Kollegen nutzen dürfen, lasse Dir die Nutzungszeiten am besten vom Chef bestätigen. Ähnlich wie bei Carsharing-Nutzern sind einige Versicherer sehr kulant, diese Zeiten auf Deinen Schadenfreiheitsrabatt anzurechnen. Lasse Dir dazu von Deinem Chef entweder die gefahrenen Tage oder Kilometer bestätigen.

Bevor Du eine neue Versicherung abschließt, solltest Du bei verschiedenen Versicherern nachfragen, wie diese Dich einstufen und welche Angaben Du machen beziehungsweise welche Unterlagen Du einreichen musst.

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