Schadenfreiheitsrabatt übertragen

So bleibt die Schadenfreiheitsklasse in der Familie

Silke Kursawe
& Co-Autor
Stand: 10. Oktober 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Familienmitglieder können sich Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen) meist problemlos gegenseitig übertragen.
  • Der Empfänger einer SF-Klasse erhält immer nur so viele Jahre Rabatt, wie er auch bereits einen Führerschein hat. Der Abgebende verliert den Schadenfreiheitsrabatt endgültig.
  • Die SF-Klasse lässt sich auch bei einem Wechsel des Versicherers übertragen.
  • Wer zwei Autos besitzt, kann den Rabatt für ein Auto abgeben und den Rabatt auf das andere Auto behalten.
  • Wer mehrere Jahre einen Dienstwagen gefahren hat, kann unter gewissen Voraussetzungen diesen Schadenfreiheitsrabatt anschließend für sein Privatauto nutzen.
So gehen Sie vor
  • Fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach, an wen Sie Ihre SF-Klassen übertragen können. Bei Kindern und Ehepartnern geht das meist problemlos.
  • Prüfen Sie bei dieser Gelegenheit auch gleich, ob sich ein Wechsel der Kfz-Versicherung lohnt.
  • Jüngere Fahrer sollten sich den Schadenfreiheitsrabatt erst übertragen lassen, wenn sie bereits einige Jahre Fahrpraxis haben.
  • Sparen Sie mit einer Kombination aus Vergleichsportal und Direktversicherer. Berechnen Sie zunächst die günstigste passende Kfz-Versicherung auf Check24 oder Verivox. Berechnen Sie dann ein Angebot bei der Huk24.
  • Fordern Sie beim Antrag ­auch die Unterlagen für die Rabattübertragung beim Versicherer an.

Wer eine hohe Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) hat, spart in der Kfz-Versicherung viel Geld. Die meisten Fahranfänger versichern ihr Auto daher erstmal über ihre Eltern, weil sie sonst in die niedrigste SF-Klasse eingestuft würden. Hat der Nachwuchs jedoch einige Jahre Fahrpraxis gesammelt, bietet es sich an, die SF-Klassen des Vertrags auf den nun erfahrenen Fahrer zu übertragen.

Wann ist es sinnvoll, den Schadenfreiheitsrabatt zu übertragen?

Wenn Sie den Schadenfreiheitsrabatt für ein Auto abgeben, verlieren Sie diesen Rabatt unwiderruflich. Daher ist das nur sinnvoll, wenn Sie selbst wirklich darauf verzichten können. Das ist insbesondere der Fall, wenn Ihr Nachwuchs nicht den Erstwagen, sondern Ihr Zweitauto fährt. Geben Sie Ihrem Kind nach einiger Zeit Auto und Schadenfreiheitsklasse, verlieren Sie nur die SF-Klasse für dieses Fahrzeug. Der Versicherungsvertrag für den anderen Wagen bleibt davon unberührt.

Häufig geben Eltern oder Großeltern ihren Schadenfreiheitsrabatt auch aus Altersgründen auf, wenn sie selbst nicht mehr Auto fahren möchten. Dieser freie Rabatt kann meistens noch innerhalb von zwölf Monaten auf einen nahestehenden Menschen übertragen werden, nachdem der Vertrag mit der Versicherung gekündigt wurde. Das ist auch dann möglich, wenn der bisherige Versicherungsnehmer verstorben ist und die Kinder beispielsweise das Auto erben.

Die Rabattübertragung kommt nur für die Kfz-Haftpflichtversicherung und für die Vollkaskoversicherung in Betracht. In der Teilkaskoversicherung gibt es keine SF-Klassen.

Wer kann die SF-Klasse übernehmen?

Das Übertragen von SF-Klassen ist an Voraussetzungen geknüpft. Fast immer möglich ist es, die SF-Klasse auf die eigenen Kinder, den Ehepartner oder auf die Eltern zu übertragen. Viele Versicherer lassen aber auch den Lebensgefährten, nicht-leibliche Kinder oder Enkel zu.

Weitere Bedingung für einen Rabattübertrag ist häufig – aber nicht immer –, dass der Empfänger regelmäßig mit dem Auto gefahren ist, dessen Schadenfreiheitsrabatt übertragen werden soll. Einige Anbieter verlangen zusätzlich, dass der Empfänger als Hauptfahrer gemeldet war. Planen Sie, später die SF-Klassen zu übertragen, sollten Sie vor einem Abschluss bei Ihrem Anbieter einfach nachfragen, wie er das handhabt.

Der Empfänger des Rabatts kann nur so viele SF-Klassen übernehmen, wie er selbst hätte erreichen können, seit er seinen Führerschein besitzt. Hat ein Fahrer zum Beispiel erst seit drei Jahren eine Fahrerlaubnis, kann er höchstens einen Schadenfreiheitsrabatt für drei Jahre übernehmen. Daher lohnt es sich nicht, einem Anfänger Rabatte zu übertragen. Die überschüssigen SF-Klassen verfallen. Stattdessen sollte der Empfänger am besten bereits einige Jahre den Führerschein besitzen.

Sonderfall Carsharing

Wenn Sie als junger Fahrer Ihre Fahrpraxis ausschließlich mit Carsharing erlangt haben, können Sie diese Jahre für sich nutzen, wenn Sie nun doch ein eigenes Auto haben müssen. Lassen Sie sich vom Carsharing-Anbieter die Nutzungszeiten bestätigen, dann können Sie bei Ihrem eigenen Vertrag deutlich besser einsteigen als mit der üblichen SF-Klasse 1/2 über die Führerscheinregelung. Das ist oftmals die einzige Möglichkeit, wenn Fahranfänger nicht auf den Zweitwagen der Eltern zurückgreifen können oder aus der Familie einen Schadenfreiheitsrabatt erhalten können.

Ist auch ein Versicherungswechsel mit fremden Rabatten möglich?

Nicht nur die bisherige Versicherung erkennt übertragene SF-Klassen an. Auch wer seinen Anbieter wechselt, kann dort fremde Schadenfreiheitsrabatte geltend machen. Daher sollten Sie auf einem Vergleichsportal prüfen, ob Sie durch einen Wechsel der Versicherung Geld sparen können. Sehen Sie dazu in den Detailinformationen auf der jeweiligen Website nach, ob es möglich ist, die SF-Klasse auf den gewünschten Empfänger zu übertragen.

Beachten Sie, dass viele Vergleichsportale nicht die aktuelle SF-Klasse abfragen, sondern die zum Start der Laufzeit des neuen Vertrags. Geben Sie an dieser Stelle die SF-Klasse an, die Sie übertragen möchten. Lassen Sie sich im Zweifel die Möglichkeit der Übertragung und den neuen Beitrag nochmal von der Versicherung bestätigen. Worauf Sie sonst bei der Auswahl einer Autoversicherung achten sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber Kfz-Versicherung.

Nach der Tarifauswahl fordern Sie bei der alten Versicherung den Antrag zur Rabattübertragung an. Manche Anbieter stellen das Formular auch zum Download bereit. Nun fragt der neue Versicherer die SF-Klasse vom Vorversicherer ab und überträgt diese auf den neuen Vertrag.

Denken Sie aber daran: Übertragen wird immer nur die Schadenfreiheitsklasse (zum Beispiel SF 12), nicht aber der Rabatt (zum Beispiel 30 Prozent), der von der Höhe der SF-Klasse abhängt und bei jeder Versicherung anders ausfällt. Auch Sonderrabatte beim Vorversicherer können so verloren gehen.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleichen Sie jeden Herbst, ob Ihre Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter: Verivox, Check24, Huk24

Zum Ratgeber 

So übertragen Sie die SF-Klasse Ihres Firmenwagens

Wer sich nicht nur von seinem Arbeitgeber, sondern auch von seinem Dienstwagen verabschiedet, steht mitunter danach ohne Auto da. Wollen Sie dann ein neues Auto versichern, ist der Beitrag oft recht hoch. Denn obwohl Dienstwagen-Fahrer jahrelang Fahrpraxis sammeln und möglicherweise in der Zeit nicht einen Unfall gebaut haben, bringt ihnen das für den Privatwagen erstmal nichts. Dort müssen sie mit den SF-Klassen wieder von vorne anfangen.

Allerdings lässt sich das umgehen, wenn Sie mit dem Chef von vornherein eine Vereinbarung treffen, dass Sie die SF-Klassen Ihres Dienstwagens später mitnehmen dürfen. Dem muss auch die Versicherung des Firmenwagens zustimmen, weil sie dann Ihre individuellen Daten pflegen muss.

Manchmal ist es sogar möglich, als Angestellter die privaten Schadenfreiheitsrabatte zuerst auf den Dienstwagen zu übertragen und später dann wieder für das eigene Auto zu nutzen. Doch Vorsicht: Dann wird Ihr Schadenfreiheitsrabatt natürlich auch herabgestuft, sobald Sie einen Unfall verursachen. Vielleicht ist es dann günstiger, Sie lassen Ihren Schadenfreiheitsrabatt ruhen und reaktivieren ihn erst dann, wenn Sie keinen Dienstwagen mehr fahren.

Sollte bei Ihnen keine dieser Varianten möglich sein, finden Sie im Ratgeber Schadenfreiheitsklassen noch Alternativen.

Autor
Silke Kursawe
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 10. Oktober 2018


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