Schadenfreiheitsrabatt übertragen

So sparst Du mit dem Rabatt eines Verwandten

Annika Krempel
& Co-Autor
28. September 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Fährst Du bislang ohne eigene Autoversicherung, baust Du auch keinen eigenen Schadenfreiheitsrabatt auf.
  • Um bei Abschluss eines eigenen Vertrags dennoch nicht bei Null zu starten, kannst Du Dir die Schadensfreiheitsklasse eines Verwandten übertragen lassen. Dadurch zahlst Du weniger für Deine Kfz-Versicherung.
So gehst Du vor
  • Prüfe zuerst, ob sich ein Wechsel der Kfz-Versicherung lohnt.
  • Bekommst Du beim Versicherer Deines Verwandten einen günstigen Tarif: Frag dort nach, ob Du die Schadensfreiheitsklasse Deines Verwandten übertragen bekommen kannst.
  • Hat ein anderer Versicherer ein besseres Angebot: Frag beim diesem Versicherer nach, was die Bedingungen für eine Rabattübertragung sind.
  • Finanztip-Empfehlung bei der Suche nach einer guten Autoversicherung: Am meisten kannst Du sparen, indem Du Vergleichsportal und Direktversicherer kombinierst. Berechne zunächst die günstigste Kfz-Versicherung auf Verivox oder Check24. Und lass Dir dann ein Angebot von der Huk24 machen.

In der Kfz-Versicherung dreht sich alles um Schäden. Und wer selbst wenige Schäden verursacht, der wird in einer hohen Schadensfreiheitsklasse mit einem Rabatt belohnt. Jahr für Jahr, das Du ohne Schaden fährst, baust Du diese SF-Klasse auf. Allerdings nur, wenn Du einen eigenen Versicherungsvertrag hast.

Viele Fahranfänger versichern ihr Auto aber erstmal über die Eltern. In der niedrigsten SF-Klasse müssten sie sonst einen hohen Beitrag zahlen. Damit bauen sie keinen eigenen Schadenfreiheitsrabatt auf. Es gibt jedoch die Möglichkeit, die Schadensfreiheitsklasse eines Verwandten zu übernehmen und so einen Rabatt zu bekommen. Das kann sich für Dich lohnen, wenn Du schon ein paar Jahre einen Führerschein hast.

Wann ist die Übertragung eines Schadenfreiheitsrabatts sinnvoll?

Dein Verwandter sollte Dir seine Schadenfreiheitsklasse nur übertragen, wenn er ihn selbst definitiv nicht mehr braucht. Denn er verliert den damit verbundenen Rabatt endgültig.

Ein typischer Fall dafür: Du bist bisher den Zweitwagen Deiner Eltern gefahren und sie brauchen die Schadenfreiheitsklasse für das Auto nicht mehr. Der Vorteil für Dich liegt auf der Hand. Du zahlst weniger, als würde der Wagen neu eingestuft. Zudem baust Du Deinen eigenen Rabatt aus, sofern Du schadenfrei unterwegs bist. Deine Eltern hingegen verlieren nur die SF-Klasse für den Zweitwagen. Der Versicherungsvertrag für den Erstwagen bleibt davon unberührt.

Häufig geben Eltern oder Großeltern ihren Schadenfreiheitsrabatt auch aus Altersgründen auf, wenn sie selbst nicht mehr Auto fahren möchten. Diese Schadensfreiheitsklasse kann meistens noch innerhalb von zwölf Monaten auf eine Person aus der Familie übertragen werden, nachdem der Vertrag gekündigt wurde. Das ist auch dann möglich, wenn der bisherige Besitzer der SF-Klasse verstorben ist und die Kinder beispielsweise das Auto erben.

Die Rabattübertragung kommt nur für die Kfz-Haftpflichtversicherung und für die Vollkaskoversicherung in Betracht. In der Teilkaskoversicherung gibt es keine SF-Klassen.

Welche Voraussetzungen musst Du erfüllen?

SF-Klassen lassen sich in der Regel nur innerhalb der Familie weitergeben. Fast immer ist es möglich, die SF-Klasse auf die eigenen Kinder, den Ehepartner oder auf die Eltern zu übertragen. Viele Versicherer lassen zudem den Lebensgefährten, nicht-leibliche Kinder oder Enkel zu.

Weitere Bedingung für einen Rabattübertrag ist häufig – aber nicht immer –, dass der Empfänger vorher regelmäßig mit dem Auto gefahren ist. Einige Anbieter verlangen zusätzlich, dass der Empfänger als Hauptfahrer gemeldet war.

Die Grenze: Du kannst nur so viele SF-Klassen übernehmen, wie Du selbst seit Führerscheinbesitz hättest erreichen können. Hast Du zum Beispiel erst seit drei Jahren Deine Fahrerlaubnis, kannst Du maximal einen Schadenfreiheitsrabatt für drei Jahre übernehmen. Daher lohnt es sich als Anfänger nicht, Rabatte zu übernehmen. Die überschüssigen SF-Klassen verfallen. Stattdessen solltest Du am besten bereits einige Jahre den Führerschein besitzen.

Sonderfall Carsharing

Wenn Du Deine Fahrpraxis ausschließlich mit Carsharing erlangt hast, kannst Du diese Jahre für Dich nutzen, wenn Du nun doch ein eigenes Auto brauchst. Lass Dir vom Carsharing-Anbieter die Nutzungszeiten bestätigen, dann kannst Du bei Deinem eigenen Vertrag unter Umständen deutlich besser einsteigen als mit der üblichen SF-Klasse 1/2 über die Führerscheinregelung. Das ist oftmals die einzige Möglichkeit, wenn Fahranfänger nicht auf den Zweitwagen der Eltern zurückgreifen können oder aus der Familie einen Schadenfreiheitsrabatt erhalten können.

Lässt sich die SF-Klasse zu einem neuen Versicherer übertragen?

Nicht nur die bisherige Versicherung erkennt übertragene SF-Klassen an. Auch wenn Du den Anbieter wechselst, kannst Du fremde Schadenfreiheitsrabatte nutzen. Daher solltest Du auf einem Vergleichsportal prüfen, ob Du durch einen Wechsel der Versicherung Geld sparen kannst. Sieh dazu auf der Website des potenziellen Versicherers nach, ob es auch möglich ist, dass Du eine fremde SF-Klasse zum neuen Versicherer mitbringst.

Wichtig: Auf vielen Vergleichsportalen musst Du die SF-Klasse angeben, die zum Start der Laufzeit des neuen Vertrags gilt. Wenn Du zu Jahresbeginn einen neuen Vertrag abschließt, gibst Du in der Regel also eine höhere oder niedrigere SF-Klasse an – je nach dem, ob das aktuelle Jahr schadenfrei verlaufen ist oder nicht.

Lass Dir im Zweifel vom Versicherer bestätigen, dass Du die SF-Klasse mitbringen darfst. Worauf Du sonst bei der Auswahl einer Autoversicherung achten musst, erfährst Du in unserem Ratgeber Kfz-Versicherung.

Nach der Tarifauswahl forderst Du von der alten Versicherung den Antrag zur Rabattübertragung. Manche Anbieter stellen das Formular auch zum Download bereit. Der neue Versicherer fragt die SF-Klasse vom Vorversicherer ab und überträgt diese auf Deinen neuen Vertrag.

Denk aber daran: Übertragen wird immer nur die Schadenfreiheitsklasse (zum Beispiel SF 12), nicht aber der eigentliche Rabatt (zum Beispiel 30 Prozent). Der hängt von der Höhe der SF-Klasse ab und fällt bei jeder Versicherung anders aus. Auch Sonderrabatte beim Vorversicherer können so verloren gehen.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

  • Vergleiche jeden Herbst, ob Deine Kfz-Versicherung noch die günstigste ist.
  • Empfohlener Weg zum günstigsten Tarif: Erst bei Verivox oder Check24 vergleichen, dann Angebot bei der Huk24 einholen.

Zum Ratgeber 

Kannst Du die SF-Klasse Deines Firmenwagens übernehmen?

Wer sich nicht nur von seinem Arbeitgeber, sondern auch vom Dienstwagen verabschiedet, steht mitunter danach ohne Auto und ohne eigene SF-Klasse da. Ein neues Auto zu versichern, ist dann oft recht teuer. Denn trotz jahrelanger Fahrpraxis und Schadenfreiheit müssen Dienstwagenfahrer mit den SF-Klassen wieder von vorne anfangen, da sie auf den Rabatt der Firma gefahren sind.

Allerdings kannst Du das umgehen, wenn Du mit Deinem Chef von vornherein eine Vereinbarung triffst, dass Du die SF-Klasse Deines Dienstwagens später mitnehmen darfst. Dem muss auch die Versicherung des Firmenwagens zustimmen, weil sie dann Deine individuellen Daten pflegen muss.

Manchmal ist es sogar möglich, die privaten Schadenfreiheitsrabatte zuerst auf den Dienstwagen zu übertragen und später dann wieder für das eigene Auto zu nutzen. Doch Vorsicht: Dann wird Dein Schadenfreiheitsrabatt natürlich auch herabgestuft, sobald Du einen Unfall verursachst. Vielleicht ist es dann günstiger, Du lässt Deinen Schadenfreiheitsrabatt ruhen und reaktivierst ihn erst dann, wenn Du keinen Dienstwagen mehr fährst.

Sollte bei Dir keine dieser Varianten möglich sein, findest Du im Ratgeber Schadenfreiheitsklassen noch Alternativen.

Autor
Annika Krempel
& Co-Autor
Nicolas Heronymus

28. September 2020


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