Umzugskosten

So setzt Du Deine Kosten für den beruflichen Umzug ab

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
27. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wechselst Du aus beruflichen Gründen den Wohnort, kannst Du die Ausgaben für den Umzug als Werbungskosten geltend machen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Du durch einen neuen Arbeitsweg insgesamt mindestens eine Stunde Fahrzeit einsparst.
  • Kosten für einen Umzug aus privaten Gründen kannst Du als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen. Das kann im Jahr eine maximale Steuerermäßigung von 4.000 Euro bringen.
So gehst Du vor
  • Die Umzugskosten machst Du in Deiner Steu­er­er­klä­rung geltend: bei Werbungskosten in der Anlage N, bei haushaltsnahen Dienstleistungen in der Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen.
  • Musst Du aus gesundheitlichen Gründen umziehen, kannst Du die Kosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen.
  • Die meisten Umzugskosten musst Du belegen können. Für bestimmte Kosten kannst Du eine Umzugskostenpauschale ansetzen.

Ob neuer Job, Familiennachwuchs oder der Wunsch nach Veränderung: Es gibt viele Gründe für einen Wohnortwechsel – und meistens geht der Umzug ins Geld. Gut, dass das Finanzamt Teile der Kosten übernimmt. Du kannst die Ausgaben als Werbungskosten in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung ansetzen. Gesetzliche Grundlage hierfür ist das Bundesumzugskostengesetz.

Welche Voraussetzungen muss der Umzug erfüllen?

Wenn Du aus beruflichen Gründen den Wohnort wechselst, kannst Du die anfallenden Kosten in der Steu­er­er­klä­rung als Werbungskosten geltend machen. Das gilt in folgenden Fällen:

Verkürzter Arbeitsweg - Nach dem Umzug benötigst Du für die Wege zur Arbeit und zurück jeweils mindestens eine halbe Stunde weniger. Es kommt nicht auf die Länge des Weges an, sondern auf die Zeitersparnis. Für den Nachweis einer Zeitersparnis beim Pendeln zum Job ist es nicht nötig, den Wohnort zu wechseln – auch innerhalb einer Stadt oder Gemeinde gilt der verkürzte Arbeitsweg. Dies betrifft vor allem Umzüge innerhalb von Großstädten wie beispielsweise Hamburg oder Berlin. Als Fahrzeit gibst Du einen durchschnittlichen Wert an, den zum Beispiel ein Routenplaner im Internet ermittelt.

Ehepartner, die beide berufstätig sind, betrachten jeweils einzeln ihre Arbeitswege. Gibt es einen gemeinsamen Arbeitsweg, ist es nicht möglich, die jeweils eingesparte Zeit zusammenzurechnen, um so auf einen Wert von insgesamt einer Stunde zu kommen.

Wechsel des Arbeitsplatzes - Beruflich veranlasst ist Dein Umzug auch dann, wenn Du Deine erste Stelle in einer anderen Stadt antrittst oder für Deinen Job den Wohnort wechselst, weil beispielsweise die Firma umzieht.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen - In Einzelfällen erkennt das Finanzamt verbesserte Arbeitsbedingungen als berufsbedingten Grund für einen Umzug an. So gab der Bundesfinanzhof beispielsweise einem Krankenhausarzt recht, der aus freien Stücken in die Nähe des Krankenhauses zog, um stationär aufgenommene Patienten leichter betreuen zu können.

Rückkehr aus dem Ausland - Wenn Du im Ausland gelebt hast und für eine neue Stelle zurück nach Deutschland ziehst, kannst Du die anfallenden Umzugskosten ebenfalls steuerlich geltend machen.

Welche Kosten kannst Du absetzen?

Die meisten Posten Deiner Umzugsrechnung musst Du belegen. Weitere Kosten werden von einer Pauschale erfasst, die Du von Deinem zu versteuernden Einkommen abziehen darfst. Grundsätzlich kannst Du geltend machen:

  • 30 Cent pro Kilometer für Fahrten zu Woh­nungs­be­sich­ti­gung­en,
  • Maklergebühren für Mietimmobilien, aber nicht für Eigentum – diese Kosten zählen wie beispielsweise die Grunderwerbsteuer zu den Anschaffungskosten und müssen über die gewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden,
  • doppelte Mietzahlungen für bis zu sechs Monate, falls Du Deine alte Wohnung nicht sofort kündigen kannst oder willst,
  • maximal drei Monatsmieten für die neue Wohnung, die noch nicht genutzt werden kann,
  • Kosten für den Transport des Hausrats,
  • Kosten für einen Kochherd bis zu 230 Euro sowie für Öfen bis zu 164 Euro und
  • Reparaturen von Transportschäden.

Möbel sind nicht absetzbar

Die Einrichtung Deines neuen Heims gilt als Privatsache. Sie kann daher nicht bei den Umzugskosten steuerlich abgesetzt werden. Sind Renovierungsmaßnahmen erforderlich, kannst Du unter Umständen 20 Prozent der Lohnaufwendungen und der Fahrtkosten als Handwerkerkosten in Form einer Steuererstattung zurückholen.

Musst Du zwischenzeitlich Deine Möbel einlagern und dafür Miete zahlen, kannst Du diese Kosten steuerlich nicht geltend machen.

Belege von privaten Helfern

Du musst für Deinen Umzug nicht zwingend eine Spedition beauftragen, um die Kosten steuerlich absetzen zu können. Dies geht auch, wenn Du Deinen Umzug mit privaten Helfern organisierst und die Zahlungen nachweist – idealerweise durch Überweisungen und eventuell auch Rechnungen.

Verpflegungspauschale

Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung kannst Du für Deinen Umzug auch die Pauschale für Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dung­en ansetzen. Das sind 28 Euro (bis 2019: 24 Euro) pro Tag, die Du für maximal drei Monate abrechnen kannst.

Müssen alle Umzugskosten nachweisbar sein?

Für sonstige Umzugskosten kannst Du zusätzlich einen Pauschalbetrag ansetzen, ohne Einzelnachweise erbringen zu müssen. Die Umzugskostenpauschalen erhöht das Bundesfinanzministerium (BMF) regelmäßig (zuletzt per BMF-Schreiben vom 21. September 2018, Az. IV C 5-S 2353/16/10005 und vom 20. Mai 2020, Az. IV C 5 - S 2353/20/10004).

Zu den sonstigen Umzugskosten zählen:

  • Renovierung der alten Wohnung,
  • Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung,
  • Trinkgelder und Verpflegung für Umzugshelfer,
  • Ändern von Vorhängen,
  • fachgerechtes Anbringen von Lampen,
  • Einbau von Küche und anderen elektrischen Geräten,
  • Umschreiben des Personalausweises,
  • Ummelden des Pkw und die
  • Änderung des Telefonanschlusses.

Höhere Pauschale

Hast Du innerhalb von fünf Jahren bereits Deinen zweiten beruflich veranlassten Umzug hinter Dich gebracht, erhöht sich die Umzugspauschale für sonstige Umzugsauslagen um 50 Prozent. Dies gilt immer dann, wenn Du vorher und nachher eine eigene Wohnung hattest beziehungsweise hast.

Falls Du höhere Aufwendungen als die Pauschale für sonstige Umzugsauslagen hattest, kannst Du auf die Pauschale verzichten und stattdessen Deine höheren Kosten mit entsprechenden Quittungen belegen. Einen Einzelnachweis verlangt das Finanzamt üblicherweise bei

  • einem Umzug, durch den eine doppelte Haushaltsführung anfängt, endet oder gewechselt wird, oder
  • wenn ein Arbeitnehmer seine doppelte Haushaltsführung beendet, indem er ins Ausland zieht, wo er zuvor schon einmal gelebt hat.

Für den Umzug kannst Du allerdings nur die Kosten angeben, die Du tatsächlich trägst. Bezahlt Dein Arbeitgeber zum Beispiel das Umzugsunternehmen, kannst Du diese Ausgaben nicht absetzen.

Tipp: Wechselst Du wegen eines neuen Jobs Deinen Wohnort, solltest Du bei den Vertragsverhandlungen bei Deinem Arbeitgeber nachfragen, ob er die Umzugskosten übernimmt; denn er kann die gesamten steuerlich absetzbaren Kosten lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei erstatten. Für die Firma sind das Betriebsausgaben. Wenn Du keine Aufwendungen zu tragen hast, entstehen für Dich natürlich keine Werbungskosten.

Umzugskostenpauschalen

Ende des UmzugsVerheiratete
oder
Alleinerziehende
Ledige

Zuschlag für jede

weitere Person
im Haushalt

bis 28. Februar 20141.390 €695 €306 €
ab 1. März 20141.429 €715 €315 €
ab 1. März 20151.460 €730 €322 €
ab 1. März 20161.493 €746 €329 €
ab 1. Februar 20171.528 €764 €337 €
ab 1. März 20181.573 €787 €347 €
ab 1. April 20191.622 €811 €357 €
ab 1. März 20201.639 €820 €361 €

Quellen: mehrere BMF-Schreiben

Den Zuschlag gibt es für Kinder und andere Personen, die zur häuslichen Gemeinschaft gehören (zum Beispiel Verwandte und Hausangestellte). 

Neue Berechnung der Pauschalen seit Juni 2020

Das BMF-Schreiben vom 20. Mai 2020 ändert nicht nur die Höhe der Umzugskostenpauschalen, sondern auch deren Berechnung. Für Umzüge ab Juni 2020 gelten die neuen Regeln. Genau genommen ist für die Pauschale der Tag vor dem Einladen des Umzugsguts maßgebend. Im BMF-Schreiben vom 21. Juli 2021 wurden die Pauschalen ab April 2021 und April 2022 erhöht.

Bei einem beruflichen Umzug ab Juni 2020 kann ein Berechtigter 860 Euro ansetzen, ab dem 1. April 2021 sind es 870 Euro und ab dem 1. April 2022 dann 886 Euro. Für jede andere Person kommen 573 Euro hinzu; ab April 2021: 580 Euro, ab April 2022: 590 Euro. Als andere Personen zählen:

  • der Ehepartner,
  • der Lebenspartner,
  • die ledigen Kinder sowie
  • Stief- und Pflegekinder, die auch nach dem Umzug mit dem Berechtigten in häuslicher Gemeinschaft leben.

Mit der Neuregelung werden Ehe- und Lebenspartner genauso behandelt wie Kinder. Unterm Strich erhöht sich dadurch die Pauschale für ein Kind, während sie sich für ein verheiratetes Paar verringert.  

Neu ist eine Pauschale für Berechtigte, die vor oder nach dem Umzug keine eigene Wohnung eingerichtet haben. Das gilt beispielsweise, wenn Du aus dem Elternhaus ausziehst und erstmals eine eigene Wohnung beziehst. Dafür gibt es ab dem 1. Juni 2020 einen Pauschbetrag von 172 Euro, ab 1. April 2021: 174 Euro, ab April 2022: 177 Euro.

Kosten für Nachhilfeunterricht zusätzlich absetzbar

Oftmals müssen Kinder, die in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland umziehen, Unterrichtsstoff nachholen. An den Kosten für die Nachhilfe beteiligt sich das Finanzamt, wenn die Behörde den Umzug als berufsbedingt anerkennt.

Als Nachweis gelten beispielsweise der Arbeits­vertrag oder eine Bestätigung Deines Arbeitgebers. Wenn Du die Rechnungen für den Unterricht einreichst, kannst Du die Kosten bis zu den folgenden Höchstbeträgen geltend machen:

Höchstbeträge für Nachhilfekosten

Ende des UmzugsUnterrichtskosten
bis 28. Februar 20141.752 €
ab 1. März 20141.802 €
ab 1. März 20151.841 €
ab 1. März 20161.882 €
ab 1. Februar 20171.926 €
ab 1. März 20181.984 €
ab 1. April 20192.045 €
ab 1. März 2020

2.066 €

ab 1. Juni 2020

1.146 €

ab 1. April 20211.160 €
ab 1. April 20221.181 €

Quellen: BMF-Schreiben vom 21. September 2018, vom 20. Mai 2020 und vom 21. Juli 2021

Erstattungsfähig ist die Hälfte des in der Tabelle genannten Höchstbetrags der umzugsbedingten zusätzlichen Unterrichtskosten für ein Kind. Falls die Unterrichtskosten diesen erstattungsfähigen Betrag übersteigen, sind bis zu 75 Prozent des Höchstbetrags steuerlich absetzbar.

Beispiel Umzug zwischen Februar 2017 und Februar 2018:

PostenAusgabe 
Nachhilfekosten3.000 € 
davon abzugsfähig bis 50 %
von 1.926 € (Höchstbetrag)
963 €963 €
Restbetrag2.037 € 
davon abzugsfähig bis 75 %1.527,75 €1.527,75 €
höchstens jedoch bis zu
1.926 € (Höchstbetrag)
  
= abzugsfähige Unterrichtskosten 1.527,75 €

Was gilt bei einem Umzug aus privaten Gründen?

Selbst wenn Du aus rein privaten Gründen umziehst, kannst Du beispielsweise die Arbeits- und Fahrtkosten für eine beauftragte Spedition steuerlich geltend machen. Im Rahmen der haushaltsnahen Dienstleistungen kannst Du pro Jahr höchstens 20.000 Euro an Dienstleisterkosten geltend machen. 20 Prozent der abzugsfähigen Ausgaben, maximal 4.000 Euro, erhältst Du dann als Steuerermäßigung. Deine Aufwendungen trägst Du in der Anlage Haushaltsnahe Aufwendungen in der Steu­er­er­klä­rung ein.

Ziehst Du aus gesundheitlichen Gründen um, zum Beispiel nach einem Unfall oder wegen einer Behinderung, erkennt das Finanzamt die Kosten als außergewöhnliche Belastungen an, soweit sie einen zumutbaren Eigenanteil übersteigen. In diesem Fall brauchst Du als Nachweis für das Finanzamt ein ärztliches Attest.

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