Umzugskosten

So setzen Sie Ihre Kosten für den beruflichen Umzug ab

Udo Reuß Stand: 04. Oktober 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Wechseln Sie aus beruflichen Gründen den Wohnort, können Sie die Ausgaben für den Umzug als Werbungskosten geltend machen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie durch einen neuen Arbeitsweg insgesamt mindestens eine Stunde Fahrzeit einsparen.
  • Kosten für einen Umzug aus privaten Gründen können Sie als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen. Das kann im Jahr eine maximale Steuerermäßigung von 4.000 Euro bringen.
So gehen Sie vor
  • Die Umzugskosten machen Sie in Ihrer Steuererklärung geltend: bei Werbungskosten in der Anlage N, bei haushaltsnahen Dienstleistungen im Mantelbogen.
  • Müssen Sie aus gesundheitlichen Gründen umziehen, können Sie die Kosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen.
  • Die meisten Umzugskosten müssen Sie belegen können. Für bestimmte Kosten können Sie eine Umzugskostenpauschale ansetzen.

Ob neuer Job, Familiennachwuchs oder der Wunsch nach Veränderung: Es gibt viele Gründe für einen Wohnortwechsel – und meistens geht der Umzug ins Geld. Gut, dass das Finanzamt Teile der Kosten übernimmt. Sie können die Ausgaben als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung ansetzen. Gesetzliche Grundlage hierfür ist das Bundesumzugskostengesetz.

Welche Voraussetzungen muss der Umzug erfüllen?

Wenn Sie aus beruflichen Gründen den Wohnort wechseln, können Sie die anfallenden Kosten in der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen. Das gilt in folgenden Fällen:

Verkürzter Arbeitsweg - Nach dem Umzug benötigen Sie für die Wege zur Arbeit und zurück jeweils mindestens eine halbe Stunde weniger. Es kommt nicht auf die Länge des Weges an, sondern auf die Zeitersparnis. Für den Nachweis einer Zeitersparnis beim Pendeln zum Job ist es nicht nötig, den Wohnort zu wechseln – auch innerhalb einer Stadt oder Gemeinde gilt der verkürzte Arbeitsweg. Dies betrifft vor allem Umzüge innerhalb von Großstädten wie beispielsweise Hamburg oder Berlin. Als Fahrzeit geben Sie einen durchschnittlichen Wert an, den zum Beispiel ein Routenplaner im Internet ermittelt.

Ehepartner, die beide berufstätig sind, betrachten jeweils einzeln ihre Arbeitswege. Gibt es einen gemeinsamen Arbeitsweg, ist es nicht möglich, die jeweils eingesparte Zeit zusammenzurechnen, um so auf einen Wert von insgesamt einer Stunde zu kommen.

Wechsel des Arbeitsplatzes - Beruflich veranlasst ist Ihr Umzug auch dann, wenn Sie Ihre erste Stelle in einer anderen Stadt antreten oder für Ihren Job den Wohnort wechseln, weil beispielsweise die Firma umzieht.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen - In Einzelfällen erkennt das Finanzamt verbesserte Arbeitsbedingungen als berufsbedingten Grund für einen Umzug an. So gab der Bundesfinanzhof beispielsweise einem Krankenhausarzt recht, der aus freien Stücken in die Nähe des Krankenhauses zog, um stationär aufgenommene Patienten leichter betreuen zu können.

Rückkehr aus dem Ausland - Wenn Sie im Ausland gelebt haben und für eine neue Stelle zurück nach Deutschland ziehen, können Sie die anfallenden Umzugskosten ebenfalls steuerlich geltend machen.

Welche Kosten können Sie absetzen?

Die meisten Posten Ihrer Umzugsrechnung müssen Sie belegen. Weitere Kosten werden von einer Pauschale erfasst, die Sie von Ihrem zu versteuernden Einkommen abziehen dürfen. Grundsätzlich können Sie geltend machen:

  • 30 Cent pro Kilometer für Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen,
  • Maklergebühren für Mietimmobilien, aber nicht für Eigentum – diese Kosten zählen wie beispielsweise die Grunderwerbsteuer zu den Anschaffungskosten und müssen über die gewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden,
  • doppelte Mietzahlungen für bis zu sechs Monate, falls Sie Ihre alte Wohnung nicht sofort kündigen können oder wollen,
  • maximal drei Monatsmieten für die neue Wohnung, die noch nicht genutzt werden kann,
  • Kosten für den Transport des Hausrats,
  • Kosten für einen Kochherd bis zu 230 Euro sowie für Öfen bis zu 164 Euro und
  • Reparaturen von Transportschäden.

Möbel sind nicht absetzbar

Die Einrichtung Ihres neuen Heims gilt als Privatsache. Sie können daher nicht bei den Umzugskosten steuerlich abgesetzt werden. Sind Renovierungsmaßnahmen erforderlich, können Sie unter Umständen 20 Prozent der Lohnaufwendungen und der Fahrtkosten als Handwerkerkosten in Form einer Steuererstattung zurückholen.

Müssen Sie zwischenzeitlich Ihre Möbel einlagern und dafür Miete zahlen, können Sie diese Kosten steuerlich nicht geltend machen.

Belege von privaten Helfern

Sie müssen für Ihren Umzug nicht zwingend eine Spedition beauftragen, um die Kosten steuerlich absetzen zu können. Dies geht auch, wenn Sie Ihren Umzug mit privaten Helfern organisieren und die Zahlungen nachweisen – idealerweise durch Überweisungen und eventuell auch Rechnungen.

Verpflegungspauschale

Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung können Sie für Ihren Umzug auch die Pauschale für Verpflegungsmehraufwendungen ansetzen. Das sind 24 Euro pro Tag, die Sie für maximal drei Monate abrechnen können.

Müssen alle Umzugskosten nachweisbar sein?

Für sonstige Umzugskosten können Sie zusätzlich einen Pauschalbetrag ansetzen, ohne Einzelnachweise erbringen zu müssen. Die Umzugskostenpauschalen erhöht das Bundesfinanzministerium (BMF) regelmäßig (zuletzt per BMF-Schreiben vom 21. September 2018, Az. IV C 5-S 2353/16/10005).

Zu den sonstigen Umzugskosten zählen:

  • Renovierung der alten Wohnung,
  • Trinkgelder und Verpflegung für Umzugshelfer,
  • Ändern von Vorhängen,
  • fachgerechtes Anbringen von Lampen,
  • Einbau von Küche und anderen elektrischen Geräten,
  • Umschreiben des Personalausweises,
  • Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung,
  • Ummelden des Pkw und die
  • Änderung des Telefonanschlusses.

Höhere Pauschale

Haben Sie innerhalb von fünf Jahren bereits ihren zweiten beruflich veranlassten Umzug hinter sich gebracht, erhöht sich die Umzugspauschale für sonstige Umzugsauslagen um 50 Prozent. Dies gilt immer dann, wenn Sie vorher und nachher eine eigene Wohnung hatten beziehungsweise haben.

Falls Sie höhere Aufwendungen als die Pauschale für sonstige Umzugsauslagen hatten, können Sie auf die Pauschale verzichten und stattdessen Ihre höheren Kosten mit entsprechenden Quittungen belegen. Einen Einzelnachweis verlangt das Finanzamt üblicherweise bei

  • einem Umzug, durch den eine doppelte Haushaltsführung anfängt, endet oder gewechselt wird, oder
  • wenn ein Arbeitnehmer seine doppelte Haushaltsführung beendet, indem er ins Ausland zieht, wo er zuvor schon einmal gelebt hat.

Für den Umzug können Sie allerdings nur die Kosten angeben, die Sie tatsächlich tragen. Bezahlt Ihr Arbeitgeber zum Beispiel das Umzugsunternehmen, können Sie diese Ausgaben nicht absetzen.

Tipp: Wechseln Sie wegen eines neuen Jobs Ihren Wohnort, sollten Sie bei den Vertragsverhandlungen bei Ihrem Arbeitgeber nachfragen, ob er die Umzugskosten übernimmt; denn er kann die gesamten steuerlich absetzbaren Kosten lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei erstatten. Für die Firma sind das Betriebsausgaben. Wenn Sie keine Aufwendungen zu tragen haben, entstehen für Sie natürlich keine Werbungskosten.

Umzugskostenpauschalen

Ende des UmzugsVerheiratete
oder
Alleinerziehende
Ledige

Zuschlag für jede

weitere Person
im Haushalt

bis 28. Februar 20141.390 €695 €306 €
ab 1. März 20141.429 €715 €315 €
ab 1. März 20151.460 €730 €322 €
ab 1. März 20161.493 €746 €329 €
ab 1. Februar 20171.528 €764 €337 €
ab 1. März 20181.573 €787 €347 €
ab 1. April 20191.622 €811 €357 €
ab 1. März 20201.639 €820 €361 €

Quelle: BMF-Schreiben vom 21. September 2018

Kosten für Nachhilfeunterricht zusätzlich absetzbar

Oftmals müssen Kinder, die in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland umziehen, Unterrichtsstoff nachholen. An den Kosten für die Nachhilfe beteiligt sich das Finanzamt, wenn die Behörde den Umzug als berufsbedingt anerkennt.

Als Nachweis gelten beispielsweise der Arbeitsvertrag oder eine Bestätigung Ihres Arbeitgebers. Wenn Sie die Rechnungen für den Unterricht einreichen, können Sie die Kosten bis zu den folgenden Höchstbeträgen geltend machen:

Höchstbeträge für Nachhilfekosten

Ende des UmzugsUnterrichtskosten
bis 28. Februar 20141.752 €
ab 1. März 20141.802 €
ab 1. März 20151.841 €
ab 1. März 20161.882 €
ab 1. Februar 20171.926 €
ab 1. März 20181.984 €
ab 1. April 20192.045 €
ab 1. März 20202.066 €

Quelle: BMF-Schreiben vom 21. September 2018

Erstattungsfähig ist die Hälfte des in der Tabelle genannten Höchstbetrags der umzugsbedingten zusätzlichen Unterrichtskosten für ein Kind. Falls die Unterrichtskosten diesen erstattungsfähigen Betrag übersteigen, sind bis zu 75 Prozent des Höchstbetrags steuerlich absetzbar.

Beispiel Umzug zwischen Februar 2017 und Februar 2018:

PostenAusgabe 
Nachhilfekosten3.000 € 
davon abzugsfähig bis 50 %
von 1.926 € (Höchstbetrag)
963 €963 €
Restbetrag2.037 € 
davon abzugsfähig bis 75 %1.527,75 €1.527,75 €
höchstens jedoch bis zu
1.926 € (Höchstbetrag)
  
= abzugsfähige Unterrichtskosten 1.527,75 €

Was gilt bei einem Umzug aus privaten Gründen?

Selbst wenn Sie aus rein privaten Gründen umziehen, können Sie die Arbeits- und Fahrtkosten dafür steuerlich geltend machen. Im Rahmen der haushaltsnahen Dienstleistungen können Sie pro Jahr höchstens 20.000 Euro geltend machen. 20 Prozent der abzugsfähigen Ausgaben, maximal 4.000 Euro, erhalten Sie dann als Steuerermäßigung. Ihre Aufwendungen tragen Sie im Mantelbogen der Steuererklärung ein.

Ziehen Sie aus gesundheitlichen Gründen um, zum Beispiel nach einem Unfall oder wegen einer Behinderung, erkennt das Finanzamt die Kosten als außergewöhnliche Belastungen an, soweit sie einen zumutbaren Eigenanteil übersteigen. In diesem Fall brauchen Sie als Nachweis für das Finanzamt ein ärztliches Attest.

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Autor
Udo Reuß

Stand: 04. Oktober 2018


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