Treppenlift

So findest Du den passenden Treppenlift

Henriette Neubert
Finanztip-Expertin für Versicherungen
26. Januar 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Treppenlift unterstützt Dich, wenn Du die Treppen nicht mehr hochkommst.
  • Treppenlifte werden individuell an Treppen angepasst. Die Kosten hängen also stark von der Einbausituation ab.
  • Es gibt mehrere Zuschüsse, die Du beantragen kannst, um Deine Ausgaben für einen Treppenlift zu senken.
So gehst Du vor
  • Überlege Dir genau, was für einen Treppenlift Du brauchst. Nutze dafür auch unsere

Checkliste Treppenlift

  • Beantrage frühzeitig Zuschüsse bei Pflegekasse, der KfW oder Unfall­ver­sicherungen. 
  • Achtung bei der KfW: derzeit kannst Du keine Zuschüsse beantragen, da der Haushalt für 2022 noch nicht beschlossen wurde. Wir informieren Dich, wenn es neue Fördermittel gibt. Kredite kannst Du bei der KfW aber weiter erhalten.
  • Hole mehrere Angebote von Liftanbietern ein und vergleiche sie.
  • Prüfe auch, ob ein gemieteter oder gebrauchter Treppenlift für Dich infrage kommt.

Durch einen Unfall, eine Krankheit oder zunehmendes Alter sinkt die Mobilität, da können schon ein paar Stufen im Haus oder in der Wohnung zum Problem werden. Damit Betroffene nicht umziehen müssen oder ihre Wohnung auch mal verlassen können, gibt es Treppenlifte. Ohne eigene Kraftanstrengung können so Treppen bewältigt werden. Dafür gibt es oft sogar finanzielle Unterstützung.

Welche Arten von Treppenliften gibt es?

Treppen können innerhalb einer Wohnung sehr unterschiedlich gebaut worden sein: gerade oder mit Kurven, steiler oder flacher. Je nach Art und Form der Treppe muss die Grundkonstruktion des Treppenlifts also individuell für die zu überwindende Treppe erstellt werden. Die Hersteller haben oft unterschiedliche Modelle für den Sitz oder die Plattform und die Führungsschiene mit Motor zur Auswahl.

Zunächst musst Du oder Dein Angehöriger entscheiden, welcher Treppenlift geeignet ist: Was soll er können und wo soll er hin?

Bauliche Regelungen musst Du übrigens in der eigenen Wohnung nicht beachten, sie sind nur für öffentlich zugängliche Treppen relevant, weshalb wir diese hier nicht näher betrachten.

Je nach Deinen Anforderungen und den räumlichen Voraussetzungen kannst Du zwischen verschiedenen Treppenliftarten auswählen:

Innen- oder Außenbereich - Die verschiedenen Liftarten gibt es für den Innen- und den Außenbereich. Soll der Lift außen installiert werden, müssen sämtliche Materialien robuster sein und vor allem wasserfest. Dies gilt ganz besonders für die Elektrik.

Sitzlift - Der Sitz ist auf Schienen montiert, die individuell an die Treppe angepasst sind. So kannst Du den Sitzlift auch an Wendeltreppen, kurvigen Treppen oder über mehrere Etagen einbauen lassen. Das Schienensystem, auf dem der Lift sitzt, wird dabei an den Stufen oder an der Wand montiert. Je länger und aufwendiger die Treppe ist, desto teurer wird auch der Lift. Für schmale Treppen gibt es Modelle mit einklappbarer Sitzfläche.

Plattformlift - Benötigst Du oder Dein Angehöriger eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl, eignet sich ein Plattformlift besser. Statt eines Stuhls hat der Lift eine Ebene, die befahrbar ist. Dieser Rollstuhllift benötigt mehr Platz als ein Sitzlift und kann nicht in jedem Haus eingebaut werden. Auch diese Lifte gibt es ausklappbar, um Platz zu sparen.

Hebelift (Hublift) - Sie sind noch größer als Plattformlifte und eher für öffentliche Gebäude oder den Außenbereich geeignet. Diese Rollstuhllifte folgen nicht dem Treppenverlauf, sondern heben Dich mit oder ohne Rollstuhl oder Rollator über eine kurze Treppe oder andere Barriere wie in einem Aufzug nach oben. Sie eignen sich je nach Bauart nur für Höhenunterschiede bis zu drei Metern.

Was musst Du vor dem Treppenliftkauf beachten?

Bevor Du einen Treppenlift kaufst, musst Du zunächst einige wichtige Punkte klären:

  1. Wie ist die Wohnsituation? 
    Bist Du Eigentümer oder Mieter der Wohnung oder des Hauses? Mieter müssen vor der Montage den Vermieter um Erlaubnis bitten. Auch für spätere finanzielle Zuschüsse kann diese Frage wichtig sein. Willst Du den Lift an einer öffentlich zugänglichen Treppe (zum Beispiel im Mehrfamilienhaus) anbringen lassen, wäre eine Baugenehmigung erforderlich und es müssen bei der Treppenbreite gesetzliche Vorschriften eingehalten werden.
  2. Wie ist die Treppe gebaut? 
    Soll der Treppenlift an eine gerade Treppe oder eine mit Kurven? Ebenfalls wichtig ist die Breite der Treppe und die Etagenanzahl, über die der Lift reichen soll. Liegt die Treppe innen oder außen? Das bestimmt die Wahl des Materials. Die genauen Maße nimmt der Profi, um ein Angebot zu erstellen. Dennoch solltest Du frühzeitig überlegen, welcher Lift für Dich infrage kommen kann.
  3. Persönliche Situation 
    Welche gesundheitlichen Einschränkungen hast Du oder die Person, die den Treppenlift in Zukunft nutzt? Bestehen nur Probleme beim Treppensteigen oder ist eine Gehhilfe oder ein Rollstuhl zur Fortbewegung notwendig? Davon hängt ab, ob ein Sitzlift ausreicht. Um den richtigen Lift zu bekommen, ist außerdem das Körpergewicht der nutzenden Person relevant sowie alle Sonderwünsche, die bestehen. Ist die Einschränkung dauerhaft oder nur temporär? Ist absehbar, dass der Lift nur kurze Zeit benötigt wird, kann eine Miete infrage kommen. Auch für eventuelle finanzielle Fördermöglichkeiten ist diese Frage wichtig.
  4. Anschaffung und Finanzierung 
    Vor der Anschaffung solltest Du Dir überlegen, ob eine Treppenliftmiete infrage kommt oder ob Du lieber einen kaufen möchtest? Gibt es gebrauchte Treppenlifte, die Deinen Ansprüchen genügen? Diese Fragen beeinflussen auch den Preis des Lifts. Mehr dazu findest Du im nächsten Abschnitt.

Zudem solltest Du frühzeitig prüfen, welche Fördermöglichkeiten bestehen. So ist es wichtig, ob beispielsweise ein Pflegegrad besteht oder ob dieser beantragt werden kann. Denn einige Anträge zur Förderung müssen vor Baubeginn gestellt werden.

Außerdem solltest Du wissen, wie viel Geld Du ausgeben kannst, bevor Du Dich für einen Treppenlift entscheidest. Fragen rund um die Finanzierung und Fördermöglichkeiten beantwortet dieser Ratgeber ausführlich weiter unten.

Was kostet ein Treppenlift?

Sobald Du die wichtigsten Fragen geklärt hast, solltest Du bei verschiedenen Firmen um einen Kostenvoranschlag bitten. Dieser sollte kostenlos sein und nach genauer Bemessung Deiner Treppe erfolgen. Zudem sollten Dich die Firmen bei der Auswahl des Liftes beraten, im besten Fall kannst Du eine Probefahrt machen. Die verschiedenen Angebote kannst Du nun miteinander vergleichen.

Beim Preisvergleich solltest Du die Kosten des Treppenlifts inklusive der Montage betrachten. Der Gesamtpreis hängt vom Modell und von den baulichen Voraussetzungen ab. Ein Sitzlift an einer geraden Treppe ohne Podest im Haus ist günstigster als über eine Wendeltreppe oder an einer Außentreppe. Die Kosten für mehrere Stockwerke sind höher als über eine Etage. Ein Plattformlift ist immer teurer als ein Sitzlift. Hinzu kommen Sonderwünsche und Komfort.

Treppenliftkosten mit Einbau

Was ein Treppenlift kostet, hängt von den individuellen Voraussetzungen und Wünschen ab. Dennoch konnten wir durch unsere Recherche ungefähre Kosten für die am häufigsten verbauten Treppenlifte finden. Die meisten Kunden haben einen Sitzlift im Haus, der über eine Etage und kurvig verläuft, also der klassische Treppenverlauf in einem Einfamilienhaus. In unserer Tabelle ist das die zweite Zeile.

Kosten eines Treppenlifts mit Montage für eine Etage

LifttypTreppenformBereichPreise/Kosten
Sitzliftgeradeinnen2.000 bis 8.000 Euro
Sitzliftkurviginnen9.000 bis 15.000 Euro
Sitzliftgeradeaußenab 3.000 Euro
Plattformliftgeradeinnenab 9.000 Euro
Plattformliftgeradeaußenab 9.000 Euro

Die Preise beziehen sich auf neue Treppenlifte inklusive Montage.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 5. Januar 2022)

Wie unsere Umfrage vom Herbst 2021 ergab, kosten die meisten Treppenlifte insgesamt zwischen 10.000 und 12.000 Euro, selten unter 8.000 Euro oder über 15.000 Euro. Das bestätigten uns auch verschiedene Anbieter.

Diese Kosten sollten Dich nicht zurückschrecken lassen, denn Du musst sie nicht alleine übernehmen. Es gibt von verschiedenen Stellen Zuschüsse für Treppenlifte. Die wichtigste Anlaufstelle ist die Pflegekasse. Die Einzelheiten dazu findest Du im Abschnitt 6

Treppenliftkosten mit Zuschüssen

Wenn ein Pflegegrad vorliegt, erhältst Du bis zu 4.000 Euro Zuschuss von der Pflegekasse. Außerdem kannst Du 10 Prozent der Kosten – ebenfalls als Zuschuss – von der KfW erhalten. Bei einem Treppenlift, der 10.000 Euro kostet, sind das noch einmal 1.000 Euro. Damit hast Du für den Treppenlift noch folgende Nettokosten:

Kosten Treppenlift                 10.000 Euro
Zuschuss Pflegekasse              4.000 Euro
Zuschuss KfW (10 Prozent)     1.000 Euro
Eigenanteil                                 5.000 Euro

Quelle: Finanztip-Berechnungen (Stand: 6. Januar 2022)

Von der KfW kannst Du außerdem einen zinsgünstigen Kredit erhalten, um das Vorhaben zu finanzieren. Je nachdem, aus welchen Gründen Du einen Treppenlift benötigst und wie Deine finanzielle Situation ist, kommen noch weitere Fördermöglichkeiten infrage. Diese erläutern wir ausführlich in Abschnitt 7.

Die laufenden Kosten eines Treppenliftes

Neben diesen Anschaffungskosten musst Du mit laufenden Kosten rechnen, zum Beispiel für die Wartung oder weitere Zusatzservices des Anbieters. Achte also beim Vergleich der Angebote auch auf diese Faktoren und frage gegebenenfalls nach, welche Regelungen die einzelnen Anbieter haben:

  • Wie ist die Wartung geregelt? Gibt es einen Wartungsvertrag, was kostet dieser (200 bis 300 Euro pro Jahr) und was kosten Wartungen ohne Vertrag?
  • Was ist mit Garantien? Wie lang gilt die Garantie (mindestens zwei Jahre) und was sind Garantieleistungen?
  • Gibt es einen Notfallservice, falls der Lift ausfällt? Ist dieser kostenlos oder gebührenpflichtig und ist er 24 Stunden am Tag erreichbar?
  • Gibt es weitere Kosten?

Ein weiterer Kostenpunkt ist der Rückbau des Treppenliftes. Wird der Treppenlift nicht mehr benötigt, muss er wieder ausgebaut werden. Dies übernimmt in der Regel die Firma, die ihn eingebaut hat. Die Kosten dafür (Anfahrt, Demontage und Wiederherstellung des Zustandes der Treppe) sind im Kaufpreis aber nicht enthalten. Lass Dir trotzdem vor dem Kauf schon erklären, was Du machen kannst, wenn Du den Lift nicht mehr brauchst. Ist der Lift noch gut erhalten, kannst Du ihn zum Beispiel durch die Liftfirma zurückkaufen lassen. Die Kosten für den Rückbau kannst Du dann mit dem Rückkaufswert verrechnen lassen.

Lieber einen Treppenlift gebraucht kaufen?

Wem ein neuer Lift zu teuer ist, der kann auch auf gebrauchte Modelle zurückgreifen. Diese sind im Schnitt 20 bis 30 Prozent günstiger, wenn Du sie beim Hersteller selbst kaufst oder bei einem verifizierten Händler. Der Kauf läuft dann so ab wie bei einem neuen Treppenlift.

Der Vorteil: Der gebrauchte Treppenlift ist vom Hersteller ausgebaut worden, wurde überholt und ist in einem sehr guten Zustand. Wie bei einem neuen montiert die Firma den gebrauchten Treppenlift fachgerecht ein. Meist ist auch dieser Kauf mit einer Garantie versehen (darauf solltest Du achten).

Wer noch günstiger kaufen möchte, kann einen gebrauchten Treppenlift bei einem privaten Anbieter suchen. Die Montage ist in diesem Preis meist nicht mit enthalten. Du musst den Lift dann selbst einbauen oder eine Firma beauftragen. Hat Deine Treppe nicht dieselben Abmessungen wie die, an welcher der Lift vorher montiert war, funktioniert der Einbau nicht ohne weiteres. Die Anpassungen verringern dann schnell die Ersparnis durch den günstigen Kaufpreis des Lifts.

Bei einem privat gekauften Lift gibt es zudem keine Garantie oder Gewährleistung darauf, dass der Lift in einem einwandfreien und funktionstüchtigen Zustand ist. Auch auf Zusatzleistungen wie den Notruf musst Du dann verzichten oder diese Leistungen extra suchen und bezahlen. Wenn Du all dies nicht benötigst, bekommst Du einen Gebrauchten von einem Privatverkauf bereits für unter 1.000 Euro (ohne Montage), bis 3.000 Euro zahlst Du mit Montage, aber ohne Garantie.

Was kostet ein Treppenlift zur Miete?

Einen Treppenlift zu mieten, kann Geld sparen, aber nur, wenn Du den Lift für eine kurze Zeit benötigst. Die Mietangebote haben eine Maximallaufzeit. Zudem lohnt sich die Miete finanziell nicht mehr, wenn Du ihn länger brauchst.

Wie lang die Mindest- und die Maximallaufzeit eines Mietvertrages ist, hängt vom Anbieter ab. Es gibt Angebote ab drei, für sechs, zwölf bis 36 Monate. Die Kosten liegen zwischen 50 bis 150 Euro pro Monat.

Hinzu kommt eine Einmalzahlung, die bis 3.000 Euro hoch sein kann und bei bis zu 50 Prozent des Kaufpreises liegt. Das sind die Kosten für die Montage des Schienensystems, denn dieses muss auch bei einem Mietmodell individuell auf die Treppe angepasst werden. Die Kosten für den Ausbau nach Ende der Mietzeit sind darin jedoch meist auch enthalten. Wie Serviceleistungen und Wartung geregelt sind und ob dies extra kostet, musst Du konkret prüfen. Diese Punkte sollten klar im Mietvertrag geregelt sein.

Nachteile: Du vereinbarst die Mindestlaufzeit zu Beginn. Brauchst Du den Lift nicht so lange wie vertraglich vereinbart, musst Du dennoch die gesamte Zeit zahlen. Allerdings kannst Du die Mietzeit meist nachträglich verlängern. Spätestens ab dem vierten Jahr lohnt sich die Miete aber nicht mehr. Hast Du eine sehr kurvige Treppe, ist die Montage sehr teuer. Auch dann lohnt sich eine Miete nicht mehr, möglicherweise bekommst Du in diesem Fall nicht mal ein Mietangebot.

Vorteil: Benötigst Du einen Treppenlift für ein bis zwei Jahre und hast eine gerade Standardtreppe, kannst Du mit einem Treppenlift zur Miete Geld sparen. Für einen Miettreppenlift kannst Du, wie für neue oder gebrauchte Treppenlifte, Förderung beantragen und Geld sparen.

Wann zahlt die Kran­ken­kas­se einen Treppenlift?

Wenn eine Person im Haus einen Pflegegrad hat, kannst Du einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen beantragen. Der Betrag liegt bei einmalig maximal 4.000 Euro pro Person. Du kannst ihn auch für Mietlifte nutzen.

Ist bereits ein Pflegegrad vorhanden, beantrage den Zuschuss für den behindertengerechten Wohnungsumbau vor Beginn der Umbaumaßnahmen. Dann weißt Du genau, mit welchem Geld Du rechnen kannst. Gibt es noch keinen Pflegegrad, musst Du diesen zunächst beantragen. Von der Bewilligung des Pflegegrads bis zum Treppenliftzuschuss kann einige Zeit vergehen. In diesem Fall kannst Du auch schon mit dem Bau des Treppenliftes beginnen, bevor das Geld genehmigt ist. Du weißt dann nur nicht, wie viel Geld Du erhältst. Denke daran, alle Quittungen aufzuheben.

Den Antrag kannst Du telefonisch bei der zuständigen Pflegekasse stellen (die Kran­ken­kas­se, bei der Du oder die zu pflegende Person versichert ist). Neben einigen persönlichen Daten musst Du die Baumaßnahme beschreiben und Gründe für den Umbau anbringen. Weiterhin verlangt die Pflegekasse einen Kostenvoranschlag und die Auskunft, ob bereits wohnumfeldverbessernde Maßnahmen durchgeführt wurden.

Der Zuschuss gilt pro Person und Maßnahme. Das heißt, das Geld kann für jede pflegebedürftige Person im Haushalt (bis maximal vier) beantragt werden. Wenn Du bereits 4.000 Euro für eine Umbaumaßnahme erhalten hast und sich der Pflegegrad ändert, kannst Du noch einmal Geld beantragen.

Wird der Antrag abgelehnt, muss dies begründet werden. Du kannst dagegen Einspruch einlegen, solltest Dir dabei aber Unterstützung suchen. Pflegeberatungsstellen können Dir in diesem Fall weiterhelfen.

Wie wird ein Treppenlift außerdem bezuschusst?

Außer der Pflegekasse gibt es weitere Möglichkeiten, Geld für den Treppenlift zu erhalten. Einige Förderungen kannst Du parallel beantragen. Es gibt aber auch Instanzen, die erst zuständig sind, wenn alle anderen Stellen Deine Anträge abgelehnt haben. 

Zuschuss oder Kredit von der KfW

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gewährt auf Antrag Zuschüsse für den Abbau von Barrieren im Wohnumfeld. Diesen Zuschuss kannst Du einmalig und altersunabhängig beantragen. Voraussetzung ist, dass die Umbaumaßnahme mindestens 2.000 Euro bis maximal 50.000 Euro kostet. Davon übernimmt die KfW 10 Prozent, wenn es sich um eine Einzelmaßnahme wie einen Treppenlift handelt. Bei umfangreicherem barrierefreiem Umbau gibt es 12,5 Prozent von den Gesamtkosten als Zuschuss.

Anders als bei der Pflegekasse muss dieser Antrag zwingend vor Baubeginn genehmigt werden. Erst danach darfst Du eine Firma beauftragen. Sind die Arbeiten beendet, erhältst Du den Zuschuss von der KfW. Dafür musst Du die entsprechenden Rechnungen einreichen.

Du kannst das Geld auch mit den Fördermöglichkeiten anderer Träger kombinieren, also zum Beispiel mit dem der Pflegekasse. Allerdings darf der weitere Zuschuss die förderfähigen Kosten nicht übersteigen. Wenn Dein Treppenlift zum Beispiel 8.000 Euro kostet, kannst Du den Zuschuss von der KfW also nur beantragen, solange andere Förderzusagen nicht höher als 6.000 Euro sind und von den Kosten wenigstens 2.000 Euro übrig blieben.

Die KfW zahlt ihre Zuschüsse jährlich aus einem Topf festgelegter Bundesmittel. Sind diese für das Jahr ausgeschöpft, kann die KfW keine weiteren Zuschüsse in diesem Jahr gewähren. Im Jahr 2021 waren die Mittel bereits nach sechs Monaten ausgeschöpft. Wenn Du also planst, Dir demnächst einen Treppenlift anzuschaffen, solltest Du bereits am Anfang eines Kalenderjahres Zuschüsse bei der KfW beantragen.

Für das Jahr 2022 wurde noch kein Bundeshaushalt verabschiedet. Daher gab es für Programme wie die der KfW bisher keine Fördermittel. Du kannst also derzeit keine Zuschüsse für einen Treppenlift beantragen. Voraussichtlich im April 2022 verfügt die KfW wieder über Mittel für Zuschüsse. Die Kreditvergabe ist davon unberührt. 

Neben dem Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, gibt es bei der KfW noch die Möglichkeit einen zinsgünstigen Kredit für altersgerechten Umbau zu erhalten. Diesen kannst Du jedoch nicht mit dem Zuschuss kombinieren. Die Bedingungen für einen Kredit sind dieselben wie für den Zuschuss. Die Höchstsumme liegt bei 50.000 Euro, und der effektive Jahreszins beträgt 0,78 Prozent.

Geld von der Berufsgenossenschaft

Bist Du aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit nicht mehr mobil genug, um Treppen zu steigen, kannst Du auch Geld von der Berufsgenossenschaft beziehungsweise der gesetzlichen Unfall­ver­sicherung beantragen. Laut Richtlinien der Berufsgenossenschaft sind sie auch verpflichtet, bei einer dauerhaften Beeinträchtigung den entsprechenden Umbau der Wohnung finanziell zu unterstützen.

Die größte Hürde ist hierbei die Anerkennung der Beeinträchtigung als Arbeitsunfall oder Berufskrankheit. Ist diese genommen, übernimmt die Berufsgenossenschaft in der Regel die Gesamtkosten für einen barrierefreien Umbau. Allerdings gibt es auch hier einige Voraussetzungen. Dazu zählt bei einer Mietwohnung ein Mietvertrag, der auf lange Dauer angelegt ist (er muss ein Mindestalter haben). Außerdem sind die Kosten für einen Rückbau ausgeschlossen. Gezahlt wird nur die günstigste Ausführung eines Treppenliftes.

Wenn Du eine private Unfall­ver­sicherung hast

Wenn Du oder die Person, für die der Treppenlift angeschafft wird, durch einen Unfall eine Behinderung hat und eine private Unfall­ver­sicherung vorhanden ist, dann zahlt auch diese. Wie viel, ist vom Vertrag abhängig. Einige Versicherer zahlen eine feste Summe für Umbaumaßnahmen, andere einen bestimmten Prozentsatz bis zu einer Höchstsumme. Voraussetzung ist ein bestimmter Grad an Behinderung, der dauerhaft ist.

Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung bei Fremdverschulden

Benötigst Du den Treppenlift aufgrund eines Unfalls, den eine andere Person verschuldet hat, muss deren Haft­pflicht­ver­si­che­rung für den Lift und alle Umbaumaßnahmen in Deiner Wohnung aufkommen. Hat der Unfallverursachende keine entsprechende Versicherung und kann den Schaden auch nicht aus eigener Tasche bezahlen, kommt Deine Haftpflicht dafür auf, wenn Du diesen Forderungsausfall mitversichert hast.

Wenn sonst niemand zahlt: Kommune oder Sozialamt

Je nach Bundesland gibt es verschiedene Ämter (zum Beispiel das Amt für Familien und Soziales), die Zuschüsse bewilligen, wenn es sonst kein Geld gibt. Hier lohnt es sich, entsprechend am Wohnort nachzufragen.

Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und kein eigenes Geld vorhanden ist, sind die Sozialämter die letzte Anlaufstelle. Dafür wird im Vorfeld die gesamte finanzielle Situation geprüft und danach entsprechend entschieden. Zudem wird abgeschätzt, ob der Treppenlift absehbar langfristig gebraucht wird. Ist davon auszugehen, dass Du nach zwei Jahren wieder vollständig mobil bist, wird das Vorhaben nicht finanziert. Stimmt das Sozialamt dem Einbau zu, dann nur für das günstigste Angebot.

Hol Dir Geld vom Finanzamt zurück

Eine weitere Möglichkeit, Geld zu sparen, ist die Steu­er­er­klä­rung. Hast Du Dir einen Treppenlift zugelegt, solltest Du unbedingt sämtliche Belege für die kommende Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung aufbewahren. Ist der Lift medizinisch notwendig, kannst Du Deine Ausgaben (Zuschüsse sind keine Ausgaben) als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen.

Wie findest Du den besten Treppenlift?

Die Frage nach dem besten Treppenlift ist nicht pauschal zu beantworten, da dies von sehr vielen individuellen Faktoren abhängt: bauliche Voraussetzungen, körperliche Beeinträchtigung, Wünsche an die Funktion oder auch Budget. Grundsätzlich wichtig ist, dass der Lift eine CS-Zertifizierung und ein Tüv-Siegel hat.

Wir haben im Oktober 2021 in unserem Newsletter nach Erfahrungen bei der Anschaffung eines Treppenliftes gefragt. Mehr als 80 Leser haben unsere 17 Fragen beantwortet und wichtige Anregungen gegeben. Anhand dieser Antworten haben wir fünf Tipps zusammengestellt, die Du beim Treppenliftkauf beachten solltest.

1. Beginne möglichst früh zu planen

Von der Auftragserteilung bis zum eingebauten Treppenlift dauert es meist vier bis acht Wochen. Noch bevor Du Deinen Auftrag erteilst, musst Du Angebote einholen und das Geld bei den zuständigen Stellen beantragen. Das gesamte Prozedere dauert also wenigstens drei Monate. Sich früher zu informieren, war in unserer Umfrage die häufigste Antwort auf die Frage „Was würdest Du heute anders machen?“

Beginne also so früh wie möglich, Dir Gedanken zum Thema zu machen. Benötigst Du vielleicht irgendwann einen Lift? Wenn ja, könntest Du ihn selbst finanzieren oder möchtest Du Zuschüsse beantragen? Wo gibt es die passenden Formulare dafür? Auch wenn Du jetzt noch keine gesundheitlichen Probleme hast und keinen Anspruch auf Fördermittel, weil der Pflegegrad fehlt, kannst Du schon passende Anbieter recherchieren und Dir vielleicht sogar erste Preisangebote erstellen lassen. So hast Du im Fall der Fälle bereits einen wichtigen Schritt getan.

2. Kontaktiere mehrere Anbieter

Um am Ende nicht den falschen Treppenlift zu kaufen, solltest Du mehrere Anbieter kontaktieren. Im Idealfall sollten es wenigstens drei sein. Eine Möglichkeit, Kontakt zu einem Anbieter zu bekommen, ist es, Deinen Arzt anzusprechen. Auch in Sanitätshäusern findest Du häufig Ansprechpartner zu diesem Thema. Das Problem ist hier, dass dieser Erstkontakt später nicht mehr als Ansprechpartner bei Problemen oder Rückfragen zur Verfügung steht.

Du kannst auch direkt bei Herstellern von Treppenliften anfragen. Das geht ganz einfach online oder telefonisch. Einige, wie Lifta oder Hiro, ermöglichen den Kontakt direkt über ihre Website. Bei anderen, wie zum Beispiel ThyssenKrupp Homesolutions, findest Du auf der Website einen Vertriebspartner aus Deiner Region.

Außerdem gibt es verschiedene Online-Portale, die Dir den Kontakt zu Treppenliftanbietern vermitteln. Dafür musst Du einige Angaben machen: zu Dir beziehungsweise der Person, für die der Lift ist, und zu den räumlichen Gegebenheiten. Das geht über ein Formular auf der Internetseite oder telefonisch. In jedem Fall erhältst Du ein telefonisches Beratungsgespräch. Danach nehmen Unternehmen aus Deiner Nähe Kontakt zu Dir auf – oder Du mit ihnen. Das können Betriebe sein, die sich auf den Einbau von Treppenliften spezialisiert haben oder Treppenlifthersteller, die auch die Montage übernehmen.

Die Firmen übernehmen dann den gesamten Prozess, von der Begutachtung, Planung, Angebotserstellung bis zum Einbau, wenn Du sie beauftragst. Wenn Du über ein Portal gehst, kannst Du gleich mehrere Angebote von verschiedenen Unternehmen erhalten und musst nicht selbst mehrere Angebote einholen. Der Nachteil: Im Zweifel erhältst Du nur Angebote von Firmen, die mit dem entsprechenden Portal zusammenarbeiten. Das kannst Du aber umgehen, indem Du bei zwei Portalen anfragst. Mit den Kontakten machst Du dann Termine für einen kostenlosen Hausbesuch und die Beratung. Wenn Du den Termin vereinbarst, frag außerdem nach einer Probefahrt.

3. Bereite Dich auf die Gespräche bei Dir zuhause vor

Um gut vorbereitet ins Gespräch zu gehen, nutze unseren Ratgeber und die Checkliste. Überlege Dir genau, was Du wissen möchtest. Wichtige Fragen, die Du stellen solltest:

  • Was genau ist in den Kosten enthalten?
  • Was beinhaltet die Garantie und über welchen Zeitraum (mindestens 24 Monate) gilt sie?
  • Wie ist die Wartung geregelt? Welche Extra­kosten können entstehen?
  • Gibt es einen 24-Stunden-Notdienst, wenn der Treppenlift Probleme macht? Kostet dies extra, wenn ja, wie viel?
  • Wie sind Rückbau oder Rückkauf geregelt?

Lass alles schriftlich festhalten. Denn am Ende zählt nur, was unterschrieben ist, nicht was Dir versprochen wurde.

4. Geh nicht allein ins Gespräch

Hol Dir für die Termine mit den Treppenliftberatern außerdem jemanden an die Seite, dem Du vertraust. Vier Ohren hören mehr als zwei. Deine Vertrauensperson bekommt vielleicht Dinge mit, die Dir entgehen oder stellt eine Frage, die Du gar nicht im Blick hattest. Bei Detailfragen zu Technik oder Vertragsformulierungen kann eine weitere Person hilfreich sein. Auch dem Berater gegenüber bist Du dadurch im Vorteil. Unter Umständen wollen Berater unbedingt im Termin zum Abschluss kommen und drängen Dich, etwas zu unterschreiben. Mit jemandem an Deiner Seite ist diese Gefahr geringer.

5. Lass Dir mehrere Angebote machen und vergleiche sie in Ruhe

Lass Dir anhand der Beratungsgespräche konkrete Angebote machen und vergleiche diese dann in Ruhe miteinander. Nutze dafür gern ​​​unsere Tabelle und nimm Deine Vertrauensperson mit. In Ruhe und mit allen Fakten nebeneinander kannst Du die beste Entscheidung treffen.

Weiterhin wichtig für Deine Entscheidung: Wie gut ist der Service, haben sich Anbieter nach Deiner ersten Anfrage schnell zurückgemeldet? Wann können sie einen Einbau durchführen? Wurdest Du freundlich und umfassend beraten? Dazu gehört auch die Beratung rund um die Finanzierung. Wenn Du kein gutes Gefühl hast und alles zu lange dauert, solltest Du Abstand nehmen.

Diese Fragen sind nicht nur bei einem Neukauf wichtig, sondern auch bei Gebrauchten und bei der Miete.

Treppenlift vergleichen

Falsch entschieden? Nutze Dein Widerrufsrecht

Solltest Du doch etwas unterschrieben haben, was Dir im Nachhinein nicht mehr gefällt, hast Du ein Wi­der­spruchs­recht. Für Verträge, die Du online, am Telefon oder bei Dir zuhause abgeschlossen hast, gilt die 14-tägige Widerspruchsfrist, um voreilig getroffene Kaufentscheidungen rückgängig machen zu können. Ausgenommen davon sind Waren, die nicht vorgefertigt sind, sondern individuell auf den Kunden zugeschnitten wurden. Ein Treppenlifthersteller verwährte einem Kunden dieses Recht, mit der Begründung, dass sie die Schienen extra auf die Treppe des Kunden anpassen.

Der BGH entschied anders: Auch beim Kauf eines Treppenliftes steht Dir ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu. Das heißt, Du kannst bis 14 Tage nach Unterschrift des Vertrages ohne Angabe von Gründen von diesem zurücktreten. Der BGH begründete sein Urteil vom 20. Oktober 2021 (Az. I ZR 96/20) damit, dass der Kunde einen Vertrag über einen funktionsfähig eingebauten Treppenlift abschließt. Die Schritte bis zur endgültigen Fertigstellung (zum Beispiel individuell anzufertigende Schienen) sind nicht Mittelpunkt des Vertrages.

Wichtig ist dieses Urteil auch für alle, die kürzlich einen Treppenlift gekauft haben, ohne Hinweis auf ihr Widerrufsrecht. Fehlt dieser Hinweis, verlängert sich die Frist auf ein Jahr und 14 Tage. Wenn der Vertrag für Deinen Treppenlift also in diesen Zeitraum fällt, kannst Du noch widerrufen und sogar Schadensersatz einfordern. Die Verbraucherzentrale bietet dafür Mus­ter­schrei­ben an.