Fluggastrechte-Portale

Lassen Sie bei Ärger mit der Airline andere für sich arbeiten

Dr. Britta Beate Schön Stand: 04. Dezember 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Ihnen stehen bei Flugverspätung oder Flugabsage bis zu 600 Euro Entschädigung zu.
  • Wollen Sie sich nicht selbst mit der Airline herumärgern, können Sie sich an ein Fluggasthelfer-Portal wenden. Wir erklären Ihnen wie das geht.
  • Es gibt zwei Modelle bei den Fluggasthelfern: Inkasso-Unternehmen und Sofortentschädiger.
  • Ein Inkasso-Dienstleister fordert das Geld für Sie ein und behält bei Erfolg rund 30 Prozent davon. Es kann bis zu sechs Monate dauern, bis Sie etwas auf dem Konto haben – bei einem Gerichtsverfahren auch länger.
  • Ein Sofortentschädiger kauft Ihnen Ihre Entschädigungsforderung ab und zahlt innerhalb von zwei Tagen Geld aus. Als Honorar behält er jedoch oft einen größeren Anteil.
So gehen Sie vor
  • Entscheiden Sie sich, ob Sie ein Inkasso-Unternehmen oder einen Sofortentschädiger beauftragen. Brauchen Sie noch eine Einschätzung, ob und in welcher Höhe Ihnen eine Entschädigung zusteht? Nutzen Sie unseren Rechner.

Zum Rechner

  • Wer einen Inkasso-Dienstleister beauftragen will, dem empfehlen wir besonders den Anbieter flug-verspaetet.de.  Auch bei SOS Flugverspätung, EUClaim und Claim Flights sind Sie in guten Händen.
  • Wer sich für die Geld-sofort-Variante entscheidet, dem empfehlen wir  EUFlight. Der Anbieter behält je nach Risikoeinschätzung zwischen 30,9 und 42,8 Prozent der Entschädigung. Sie können sich auch an Compensation2go wenden. Die bieten einen einheitlichen, günstigen Preis für alle Kunden (34,5 Prozent).

Ihr Flug hat sich verspätet oder ist ganz ausgefallen? Flugverspätung und Annullierung sind ärgerlich. Immerhin können Sie als Passagier oft einen finanziellen Ausgleich von bis zu 600 Euro erhalten. Sobald Sie wieder zu Hause sind, sollten Sie deshalb prüfen, ob Ihnen eine Entschädigung zusteht. Das beste: dafür müssen Sie sich nicht mal weiter mit der Airline auseinandersetzen. Denn es gibt auf Fluggastrechte spezialisierte Unternehmen, die Sie dabei unterstützen, Ihr Geld zu bekommen.

Was sind Fluggasthelfer?

Es gibt rund 30 Unternehmen, die als Fluggasthelfer ihre Dienste anbieten. Sie gehören zur großen Gruppe der Legal-Tech-Anbieter. Der Begriff Legal Tech beschreibt eine Digitalisierung der Rechtsberatung – Software oder Algorithmen erledigen Aufgaben, die sonst ein Anwalt übernommen hätte. Darunter gibt es Firmen, die schon lange am Markt sind, aber auch junge Start-ups. Viele mit ganz unterschiedlichen Modellen und Preisen. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie buhlen um die Gunst der Fluggäste. Einige halten wir für empfehlenswert.

Überlegen Sie sich, ob Sie lieber den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach haben wollen: Bei Sofortentschädigern gibt es sofort Geld, allerdings weniger. Bei Inkasso-Dienstleistern hingegen müssen Sie sich gedulden, bekommen jedoch bei Erfolg mehr Geld raus.

Wie arbeiten die Sofortentschädiger?

Wenn Sie Ihre Entschädigung so schnell wie möglich haben wollen, können Sie sich an einen Sofortentschädiger wenden. Solche Unternehmen prüfen in einem ersten Schritt Ihre Erfolgsaussichten, eine Entschädigung zu bekommen. Kommen sie zu einem positiven Ergebnis, macht das Unternehmen Ihnen als gestrandetem Fluggast ein Angebot: Sie bekommen Geld für Ihre Forderung.

Wenn Sie dieses Angebot annehmen, verkaufen Sie Ihre Entschädigungsforderung an den Anbieter. Sie treten die Forderung ab und haben innerhalb von zwei Bankarbeitstagen das angebotene Geld auf Ihrem Konto. Damit ist die Angelegenheit für Sie als Fluggast erledigt. Es kann Ihnen egal sein, ob das Unternehmen die Forderung erfolgreich durchsetzt oder nicht. Sie können das Geld, das Sie bekommen haben, in jedem Fall behalten.

Gerade für den Fall, dass eine Fluggesellschaft Insolvenz anmeldet, wie das bei Air Berlin im August 2017 der Fall war, sind Fluggäste bei einem Sofortentschädiger auf der sicheren Seite. Denn es ist allein das Risiko des Sofortentschädigers, ob er die Forderung auch durchsetzen kann. Kunden dieser Unternehmen haben ihr Geld schon in der Tasche, während andere Fluggäste, die einen Inkasso-Dienstleister beauftragt haben, im Insolvenzfall oft leer ausgehen.

Diese Sofortentschädiger sind empfehlenswert

Wir haben acht Unternehmen angeschrieben, die nach diesem Modell arbeiten, und die Antworten ausgewertet. Fünf bieten sowohl Inkasso als auch Sofortentschädigung an. Dabei blieb unklar, in welchen Fällen sie den Kunden tatsächlich ein Angebot auf eine sofortige Auszahlung machen. Haben Sie als Fluggast sich für eine Sofortentschädigung entschieden, raten wir davon ab, einen Anbieter zu wählen, der gegebenenfalls trotzdem ein Inkasso anbieten. Hingegen raten wir für die Sofortentschädigung nur zu Anbietern, die ausschließlich dieses Modell verfolgen. Wir haben drei solche ausschließlichen Sofortentschädiger ausmachen können.

Wichtige Kriterien bei der Sofortentschädigung sind der Preis, die Preistransparenz, aber auch die Erfahrung. Wie wir bei unserer Analyse genau vorgegangen sind, lesen Sie am Ende des Artikels.

Finanztip-Empfehlung ist EUFlight. Das Unternehmen ist sehr erfahren. Im Jahr 2018 haben mehr als 28.700 Kunden ihre Entschädigung von EUFlight erhalten. Das Unternehmen behält zwischen 26 und 36 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer, also bis zu 42,8 Prozent, als Honorar ein. Die Höhe des Honorars richtet sich danach, wie der Anbieter das Risiko einschätzt, den Fall zu gewinnen. Das ist nicht wenig, aber aus unserer Sicht ein faires Angebot.

Als positiv betrachten wir, dass EUFlight nicht nur die rechtlich eindeutigen Fälle übernimmt. Das Unternehmen hat auch Fälle entschädigt, in denen die Rechtslage sehr umstritten war. Davon profitieren alle Fluggäste, da die Urteile zu mehr Rechtssicherheit führen.

EUFlight
Sofortentschädiger EUFlight.de GmbH, Hamburg
  • Honorar zwischen 30,9 und 42,8 % der Entschädigung inklusive Mehrwertsteuer
  • viel Erfahrung (rund 28.700 Entschädigungen in 2018)

Sie können sich auch an den Anbieter Compensation2go wenden. Der hat vor Kurzem sein Geschäftsmodell umgestellt und bietet mittlerweile nur noch Sofortentschädigungen an. Das jedoch nahezu zu einem Preis wie ein Inkasso-Dienstleister. Wie viel es kostet, erfahren Sie transparent auf dessen Website. Diese günstige Option kann durchaus interessant sein, wenn der Anbieter Ihren Fall annimmt.

Compensation2go
Sofortentschädiger Compensation2go GmbH, Bochum
  • Honorar von 34,5 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • Transparenzanforderungen der EU-Kommission beachtet

Wie arbeiten die Inkasso-Dienstleister?

Die meisten Fluggasthelfer-Portale setzen die Entschädigungsansprüche nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung im Inkasso-Modell durch. Wir haben zwölf Unternehmen unter die Lupe genommen, vier davon sind Finanztip-Empfehlung. Mehr zu unserem Vorgehen lesen Sie am Ende des Artikels.

Der Ablauf ist bei allen untersuchten Portalen ähnlich: Als Passagier eines verspäteten oder ausgefallenen Fluges geben Sie zunächst Ihre Flugdaten auf der Website des Anbieters ein. Dann stellen Sie dem Unternehmen eine Vollmacht aus oder treten Ihre Forderung ab, damit es in Ihrem Namen tätig werden darf. Dazu übermitteln Sie Ihre Flugunterlagen, in der Regel, indem Sie sie einscannen oder fotografieren.

Das Fluggastrechte-Portal prüft Ihre Ansprüche anhand von Rechtsprechung, Wetterdaten und Informationen der Flughäfen. Hat der Fall Aussicht auf Erfolg, bekommen Sie ein Angebot.

Die meisten Portale handeln wie Inkasso-Dienste: Sie machen den Anspruch ihrer Kunden also zunächst außergerichtlich geltend. Zahlt die Fluggesellschaft nicht, schalten die Fluggasthelfer einen Anwalt ein. Der erstreitet notfalls den Anspruch auch vor Gericht.

Nach Angaben der zwölf von uns befragten Unternehmen dauert es unterschiedlich lange, bis ein Fall entschieden ist: Mal sind es wenige Wochen, manchmal bis zu acht Monate. Geht der Fall vor Gericht, kann es auch schon mal bis zu zwei Jahre dauern.

Erst wenn der Flugrechte-Dienst Ihren Fall erfolgreich abschließen kann, müssen Sie für dessen Arbeit zahlen. Rechnen Sie mit 26 bis 35 Prozent der Entschädigung, die der Dienst für Sie erstreitet – egal, ob der Fall vor Gericht geht oder nicht. Wenn der Fluggasthelfer die Entschädigung von der Airline erhält, zieht er seine Erfolgsprovision ab und überweist Ihnen den Rest.

Geht die Fluggsellschaft pleite, bevor Sie die Entschädigung bekommen haben, können Sie Ihre Ausgleichszahlung abschreiben. Das mussten einige Reisende bei den Insolvenzen von Air Berlin, Germania oder auch BMI leider feststellen.

Diese Inkasso-Dienstleister sind empfehlenswert

Von den untersuchten zwölf Unternehmen überzeugte uns der Anbieter flug-verspaetet.de besonders. Die Unternehmensgruppe, die 2010 in Amsterdam gegründet wurde, hat viel Erfahrung. Zusätzlich zur Ausgleichszahlung fordert der Anbieter für die Passagiere auch weitere Schadenspositionen ein, wie etwa Ersatz der Ticketkosten bei einer Annullierung. Das machen nicht viele Portale. Der Anbieter bietet seine Dienstleistung zu einem einheitlichen Preis für alle Fluggäste an, der mit 29,75 Prozent angemessen ist.

Auch SOS Flugverspätung, EUClaim und Claim Flights sind geeignete Adressen für Fluggäste. Die Kosten sind für Verbraucher bei diesen Anbietern transparent. Zudem haben sie die meisten unserer Kriterien sehr gut erfüllt.

flug-verspaetet.de
Inkassodienstleister Flug-verspaetet.de GmbH, Frankfurt
  • Honorar von 29,75 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • sehr viel Erfahrung (rund 6.000 Entschädigungen in 2018 in Deutschland ausgezahlt)
  • fordert auch weitere Ansprüche wie Ticketkosten, Hotelkosten etc.
  • Keine Abtretung
SOS Flugverspätung
Inkassodienstleister SOS Flugverspätung GmbH, Berlin
  • Honorar von 23,74 % inklusive MwSt.
  • viel Erfahrung (rund 2.700 Entschädigungen in 2018 ausgezahlt)
  • fordert auch weitere Ansprüche wie Ticketkosten, Hotelkosten etc.
  • Abtretung
EUClaim
Inkassodienstleister EUClaim Deutschland GmbH, Duisburg
  • Honorar von 30,94 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • sehr viel Erfahrung (rund 12.600 Entschädigungen in 2018 in Deutschland)
  • keine Abtretung
  • fordert keine weiteren Ansprüche wie Ticketkosten etc.
Claim Flights
Inkassodienstleister Claim Flights GmbH, Konstanz
  • Honorar von 26,78 % der Entschädigung inklusive MwSt.
  • sehr viel Erfahrung (rund 15.000 Entschädigungen in 2018)
  • fordert auch weitere Ansprüche wie Ticketkosten, Hotelkosten etc.
  • Abtretung
Nur beim Anbieter abschließbar

Diese Aspekte waren uns besonders wichtig

Auf einige Aspekte haben wir in der Untersuchung besonderen Wert gelegt.

Preistransparenz - Auf ihren Websites werben die Portale oft mit einer Netto-Provision. Sie müssen also noch die Mehrwertsteuer addieren, um die tatsächlichen Gebühren zu erhalten. Die Europäische Kommission hat allerdings im März 2017 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Anbieter den Gesamtpreis einschließlich der Mehrwertsteuer gut sichtbar auf der Website ausweisen müssen. In der folgenden Tabelle finden Sie die Kosten inklusive Mehrwertsteuer der empfehlenswerten Portale.

Preisvergleich der vier Finanztip-Empfehlungen
Anbieter
 

Kosten mit
MwSt.

Kosten im Beispielfall1

 

flug-verspaetet.de29,75 %74,37 €
SOS Flugverspätung23,74 %59,35 €
EUClaim30,94 %77,35 €
Claim Flights26,78 %66,95 €

1 Bei dem Beispielfall geht es um eine Entschädigung von 250 Euro für einen verspäteten Flug außerhalb Deutschlands.
Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Juli 2019)

weitere Ansprüche – Die meisten Anbieter fordern ausschließlich die Entschädigung nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung ein (Art. 7 Verordnung (EG) Nr. 261/2004). Reisende haben aber mitunter weitere Ansprüche: Bei einer Flugannullierung kann sich der Fluggast zum Beispiel zusätzlich den Ticketpreis erstatten lassen, wenn er keinen Ersatzflug genommen hat. Fordert in diesem Fall das Portal nur die Ausgleichszahlung, lässt sich der Reisende einiges an Geld entgehen. Besonders positiv bewertet haben wir deshalb die Anbieter, die auch weitere Ansprüche neben den Ausgleichszahlungen prüfen und geltend machen.

Kundenbewertungen – Neben dem Preis ist für Verbraucher oft wichtig, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Unternehmen gemacht haben. Diesen Aspekt haben wir deshalb auch berücksichtigt. Dazu haben wir uns die Bewertungen der Fluggast-Portale bei Trustpilot und ausgezeichnet.org angeschaut und bewertet – auch wenn uns durchaus bewusst ist, dass Manipulationen bei den Bewertungsportalen nicht auszuschließen sind.

Was wir bei Anbietern bemängeln

Die gesamte Branche ist sehr lebendig. Es gibt neue Unternehmen am Markt, andere verändern ihr Geschäftsmodell, erhöhen die Preise oder entscheiden sich für ein neues Preismodell.

Einige Unternehmen sind dazu übergegangen, jedem Fluggast einen individuellen Preis anzubieten – je nachdem, wie aussichtsreich der Fall ist. Auf der Website selbst finden sich dann Preisspannen. Da wir nicht wissen, wie viele Fluggäste tatsächlich ein Angebot zu dem günstigsten Preis bekommen und welche Kriterien die Preisfindung beeinflussen, überzeugt uns dieses Preismodell nicht. Es bleibt das Risiko, dass der Anbieter auf diesem Weg einfach seine Preise erhöht. Klarer finden wir einen einheitlichen Preis.

Einige Inkasso-Anbieter haben in den vergangenen Jahren ihre Praxis verändert und lassen sich die Forderungen nunmehr grundsätzlich, in Einzelfällen oder nach ihrem Belieben abtreten. Mit einer Bevollmächtigung kann ein Portal die Ansprüche ebenfalls effektiv durchsetzen, denn auch ein Rechtsanwalt lässt sich regelmäßig nur bevollmächtigen. Der Kunde verliert durch die Abtretung seinen „Vermögenswert“, er kann dem Portal nicht mehr so leicht kündigen und hat zudem das Insolvenzrisiko des Anbieters. Hat er seine Forderung abgetreten, würde diese im Fall der Insolvenz des Portals in die Insolvenzmasse fallen. Der Fluggast hätte seinen Anspruch auf Entschädigung verloren.

Entschädigungsrechner und Musterschreiben

Nutzen Sie unseren eigens entwickelten Rechner, um einschätzen zu können, was Ihnen bei einer Flugverspätung zusteht. Am Ende bekommen Sie einen Überblick, welche Ansprüche Sie wahrscheinlich haben. Sie können sich ein PDF-Dokument mit dem ausführlichen Ergebnis und einem angepassten Musterschreiben herunterladen.

So haben wir getestet

Fluggasthelfer-Test 2019

Wir haben zwei Arten von Anbietern im Zeitraum vom 21. Mai bis zum 4. September 2019 untersucht: Sofortentschädiger und Inkasso-Dienstleister.

Dabei haben wir uns auf die Unternehmen beschränkt, die bei einer Google-Suche am 21. Mai 2019 jeweils auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Flugverspätung Entschädigung“, „Flugannullierung Entschädigung“, „Fluggastrechte EU-Verordnung“, „Fluggasthelfer“ und „Fluggastrechte Portale“ angezeigt wurden.

Einige Rechtsanwaltskanzleien tauchten bei unserer Google-Suche auf, die sich auf Fluggastrechte spezialisiert haben. Selbstverständlich können sich Fluggäste auch an einen Rechtsanwalt wenden und sich bei Erfolg die Provision der Portale sparen. Das kann eine sehr gute Alternative zu den Fluggast-Portalen sein. Deshalb haben wir einigen auch einen Fragebogen zukommen lassen. In diesem Test haben wir uns allerdings auf die sogenannten Legal-Tech-Unternehmen beschränkt, um den Umfang des Tests nicht zu sehr auszuweiten. Rechtsanwaltskanzleien, Schlichtungsstellen und Verbraucherzentralen waren deshalb nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Sofortentschädiger

Bei den Sofortentschädigern haben wir drei Unternehmen berücksichtigt, die Kunden Entschädigungsforderungen abkaufen. Dazu gehören: Compensation2go, EUFlight, sowie Ersatz-Pilot. Diese Unternehmen bieten kein Inkasso-Modell an – auch nicht in Kooperation mit einem anderen Unternehmen. Sie haben sich ausschließlich auf Sofortentschädigung spezialisiert.

Hat sich ein Fluggast für die Sofortentschädigung entschieden, wollen wir ihm keinen Anbieter empfehlen, der dann im Ergebnis das Inkasso-Modell anbietet. Deshalb halten wir bei den Sofortentschädigern nur Unternehmen für empfehlenswert, die ausschließlich nach diesem Modell arbeiten.

Wir haben den Anbietern Fragen zu folgenden Themen gestellt: zum Unternehmen, zur Anzahl der im Jahr 2018 ausgezahlten Entschädigungen, zu erstrittenen Urteilen sowie zu den Kosten. Zudem baten wir die Unternehmen, drei Beispielsfälle zu beurteilen, die auf realen Sachverhalten beruhten. Wir wollten jeweils wissen, ob das Unternehmen den Fall übernehmen würde und welche Summe es an den Fluggast zahlen würde. Alle drei Anbieter haben den Fragebogen vollständig beantwortet.

Wichtige Kriterien bei der Sofortentschädigung sind der Preis, die Preistransparenz, die Erfahrung, aber auch die Frage, ob sich das Unternehmen nur die Rosinen herauspickt oder auch Fälle mit kalkuliertem Risiko übernimmt. Diese Aspekte haben wir deshalb berücksichtigt und mit Punkten bewertet:

Erfahrung - Wir haben uns nach der Anzahl der im Jahr 2018 ausgezahlten Entschädigungen erkundigt. Wir haben es positiv bewertet, wenn ein Unternehmen mehr als 1.000 Entschädigungen ausgezahlt hat, da die Anzahl auf hinreichende Erfahrung schließen lässt (10 Punkte).

klarer Preis - Einige Unternehmen bieten einen Kaufpreis an, der ab dem 91. Tag nach dem Abflug günstiger wird beziehungsweise deren Kaufpreis von der Länge der Flugstrecke abhängt. Diese Differenzierung macht es für den Verbraucher unnötig kompliziert. Deshalb bewerten wir es positiv, wenn das Unternehmen einen einheitlichen Preis für alle Fluggäste anbietet (5 Punkte). Seit dem 1. November 2019 bietet der Anbieter EUflight unterschiedliche Preise an in einer Spanne zwischen 30,9 bis 42,8 Prozent brutto.

Preistransparenz auf der Website - Die Kosten müssen für den Verbraucher transparent auf der ersten Seite des Internetauftritts zu finden sein (5 Punkte). Nach der Mitteilung der EU-Kommission soll das Unternehmen das Honorar inklusive Mehrwertsteuer angeben (5 Punkte). Gut finden wir, wenn das Unternehmen anhand von Beispielen ausrechnet und in einem Euro-Betrag angibt, was die Dienstleistung für den Verbraucher tatsächlich kostet (5 Punkte).

Kundenbewertungen - Nach dem Preis sind die Bewertungen durch andere Kunden oft das zweitwichtigste Kriterium für Verbraucher bei der Entscheidung für ein Unternehmen oder eine Dienstleistung. Auch wenn bei Bewertungsportalen Manipulationen nie ganz auszuschließen sind, möchten wir Kundenbewertungen bei unserer Empfehlungen berücksichtigen. Als positiv haben wir bewertet, wenn ein Anbieter mehr als 250 Bewertungen bei Trustpilot oder ausgezeichnet.org verzeichnen konnte (5 Punkte).

Fallbeispiele - Wir ließen die Anbieter drei realistische Fälle beurteilen, die auf den Angaben unserer Leser beruhten. Davon versprechen wir uns zumindest einen Hinweis auf die Annahmequote. Die Ausführungen haben wir mit den Erfahrungen der Fluggäste verglichen und bewertet (je maximal 10 Punkte).

Der Anbieter EUFlight hatte zum Zeitpunkt unserer Untersuchung mit Abstand unsere Kriterien am besten erfüllt (45 Punkte) und war damit unsere Hauptempfehlung. Compensation2go bekam weniger Punkte (25 Punkte), war aber aufgrund des günstigen Preises ebenfalls eine Empfehlung.
Nach unserer Untersuchung hat der Anbieter EUflight sein Preismodell geändert. Seit dem 1. November 2019 bietet er nunmehr unterschiedliche Preise an zwischen 30,9 bis 42,8 Prozent brutto. Damit ist er unter Umständen sogar günstiger als Compensation2go, bietet aber keinen einheitlichen Preis für alle Kunden mehr an. Nach unseren Bewertungskriterien erzielt er damit 40 Punkte (Stand: 1. November 2019). An unseren Empfehlungen ändert sich dadurch nichts.

Inkasso-Dienstleister

Von den Inkasso-Dienstleistern haben wir 15 Unternehmen angeschrieben. Drei Anbieter haben nicht geantwortet. Alle anderen Dienstleister haben wir in unsere Untersuchung einbezogen: Captain Frank, Claim Flights, EUClaim, Fairplane, Flightcomp, Flightright, flug-verspaetet.de , Myflyright, Refund.me, Trustfly, SOS Flugverspätung und Wirkaufendeinenflug.de.

Wir stellten den Anbietern Fragen zu folgenden Themen: zum Unternehmen, zur Anzahl der im Jahr 2018 angenommenen Fälle, zur Anzahl der 2018 ausgezahlten Entschädigungen, zu erstrittenen Urteilen, zum Umgang mit Verzugszinsen und Vergleichen, ob der Fluggast den Vertrag auch wieder beenden kann sowie zu den Kosten. Schließlich haben wir die Unternehmen ebenfalls gebeten, drei Beispielsfälle zu beurteilen, die auf realen Sachverhalten beruhten. Wir wollten jeweils wissen, ob das Unternehmen den Fall übernehmen würde, was sie einfordern würden und welche Summe sie auszahlen würden.

Wir haben die folgenden zehn Kriterien mit einzelnen Punkten bewertet und empfehlen anhand der erreichten Gesamtpunktzahl die besten vier Inkasso-Portale. Hat ein Anbieter alle Kriterien erfüllt, hätte er eine Gesamtpunktzahl von 80 Punkten erzielen können. Bei gleicher Punktzahl listen wir das Unternehmen mit dem geringeren Preis zuerst.

Erfahrung - Es gibt viele neue Anbieter unter den Fluggasthelfern. Wir haben uns nach der Anzahl der im Jahr 2018 ausgezahlten Entschädigungen erkundigt. Wir haben es positiv bewertet, wenn ein Unternehmen mehr als 1.000 Entschädigungen ausgezahlt hat, da die Anzahl auf hinreichende Erfahrung schließen lässt (10 Punkte).

klarer Preis - Einige Unternehmen bieten ihre Inkasso-Leistungen zu unterschiedlichen Preisen an – der variiert nach interner Risikoeinschätzung. Auf der Website finden sich nur Preisspannen. Zu welchem Preis der Anbieter den Fall übernimmt, erfährt der Fluggast erst, nachdem das Unternehmen den Sachverhalt vorgeprüft hat. Der Verbraucher kann nicht erkennen, nach welchen Kriterien sich der Preis bemisst. Deshalb haben wir es positiv bewertet, wenn das Unternehmen einen einheitlichen Preis für alle Fluggäste anbietet (5 Punkte).

Preistransparenz auf der Website - Die Kosten müssen für den Verbraucher transparent auf der ersten Seite des Internetauftritts zu finden sein (5 Punkte). Nach der Mitteilung der EU-Kommission soll das Unternehmen das Honorar inklusive Mehrwertsteuer angeben (5 Punkte). Besonders transparent ist es aus unserer Sicht, wenn das Unternehmen anhand von Beispielen ausrechnet und in einem Euro-Betrag angibt, was die Dienstleistung für den Verbraucher tatsächlich kostet (5 Punkte).

Allgemeine Geschäftsbedingungen - Wir haben uns auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter angesehen. Sind die AGB klar, verbraucherfreundlich und transparent, ohne Überraschungen wie Schadensersatzpauschalen oder Zusatzkosten, haben wir das positiv bewertet. Hat ein Unternehmen sich die Forderung abtreten lassen, sollte beim Widerruf oder bei der Kündigung auch etwas zur Rückübertragung der Forderung stehen. Für den Verbraucher von Vorteil ist es auch, wenn sich das Unternehmen bereit erklärt, an einer Streitschlichtung teilzunehmen (5 Punkte).

Kundenbewertungen - Nahezu alle untersuchten Inkasso-Dienstleister arbeiten mit dem Bewertungsportal Trustpilot zusammen, einige mit ausgezeichnet.org. Als positiv haben wir bewertet, wenn ein Anbieter mehr als 250 Bewertungen bei Trustpilot oder ausgezeichnet.org verzeichnen konnte (5 Punkte). Ebenfalls positiv ist, falls die Kunden das Unternehmen mit einer durchschnittlichen Note oder dem sogenannten Trust-Score von mehr als 9,0 beziehungsweise 4,5 bei ausgezeichnet.org bewertet haben (5 Punkte). Stichtag der Betrachtung war der 10. Juli 2019.

Fallprüfungen - Wir haben den Unternehmen drei Fallbeispiele vorgelegt, die wir anhand von realen Flügen nachgebildet haben. Wir fragten den Dienstleister, ob er den Fall übernehmen und welchen Betrag er einfordern würde, und mit welcher Auszahlung der Fluggast rechnen kann. Die Ausführungen haben wir mit den Erfahrungen der Fluggäste verglichen und bewertet (je 5 Punkte).

keine Abtretung im Inkasso-Modell - Einige Inkasso-Dienstleister lassen sich mittlerweile wie die Sofortentschädiger die Entschädigungsforderung abtreten. Wir finden es besser, wenn der Fluggast Inhaber seiner Forderung bleibt. Es gibt aus unserer Sicht keinen nachvollziehbaren Grund, warum der Fluggast im Inkasso-Modell seine Forderung gegen die Airline abtreten und damit gewissermaßen in Vorleistung gehen sollte.

Mit einer Bevollmächtigung kann ein Portal die Ansprüche ebenfalls effektiv durchsetzen, denn auch ein Rechtsanwalt lässt sich regelmäßig nur bevollmächtigen. Der Kunde verliert durch die Abtretung seinen „Vermögenswert“, er kann dem Portal nicht mehr so leicht kündigen. Zudem wird es dem Fluggast oft gar nicht klar, dass er nach der Beauftragung eines Fluggastrechte-Portals nicht mehr Inhaber seiner Forderung ist. Positiv bewertet haben wir deshalb, wenn ein Anbieter sich die Ansprüche nicht abtreten lässt (5 Punkte).

weitere Ansprüche - Viele Portale haben sich ausschließlich auf die Durchsetzung der Ausgleichszahlungen konzentriert. Wir haben es positiv bewertet, wenn der Anbieter über die Entschädigung hinaus auch weitere Ansprüche geltend macht, die dem Fluggast zustehen. Das können zum Beispiel Ticket- oder Übernachtungskosten sein (10 Punkte).

Zinsen als Zusatzprovision - Einige Anbieter fordern zwar Zinsen auf die Entschädigungssumme, behalten diese aber als eine Art Zusatz-Provision. Auch das halten wir nicht für verbraucherfreundlich. Wer die Zinsen an den Kunden weitergibt, den haben wir positiv bewertet (5 Punkte).

Zählt man alle möglichen Punkte zusammen, ergibt das eine mögliche Höchstpunktzahl bei den Inkasso-Dienstleistern von 80 Punkten. Unsere Hauptempfehlung Flug-verspaetet.de hat eine Gesamtpunktzahl von 70 Punkten erreicht und hat uns besonders überzeugt. Auch EUClaim und SOS Flugverspätung haben sehr gute 60 Punkte erzielt. Claim Flights schneidet nur wenig schlechter ab.

Die Untersuchung dieser Kriterien ist eine Momentaufnahme vom Juli 2019. Im Folgenden die Ergebnisse unserer Empfehlungen im Überblick:

Test der Portale für Fluggastrechte – Die Finanztip-Empfehlungen

 

flug-verspaetet.de

SOS Flugverspätung

EUClaim           

Claim Flights
> 1.000 Auszahlungen110 Punkte (6.000)10 Punkte (2.700)10 Punkte (12.000)10 Punkte (15.000)
einheitlicher Preis5 Punkte (29,75 %)

5 Punkte

(23,74 %)

5 Punkte

(30,94 %)

5 Punkte (26,78 %)

Preistransparenz

10 Punkte

15 Punkte

15 Punkte

5 Punkte
AGB5 Punkte0 Punkte

5 Punkte

0 Punkte
>250 Kunden-Bewertungen

5 Punkte

5 Punkte

5 Punkte

5 Punkte
Trustscore >9,0 bzw. 4,52

5 Punkte

(9,5)

5 Punkte

(4,93)

5 Punkte (9,7)5 Punkte (9,6)
Fallbewertungen10 Punkte5 Punkte5 Punkte10 Punkte
keine Abtretung

5 Punkte

0 Punkte5 Punkte0 Punkte
weitere Ansprüche

10 Punkte

10 Punkte

0 Punkte

10 Punkte
Zinsen5 Punkte5 Punkte5 Punkte5 Punkte
Gesamtpunktzahl70 Punkte60 Punkte60 Punkte55 Punkte

1 Auszahlungen in Deutschland im Jahr 2018
2 Trustpilot hat zum Zeitpunkte der Abfrage einen Trustscore von maximal 10 Punkten ausgwiesen, ausgezeichnet.org hat einen Trustscore von höchstens 5 Punkten ausgewiesen.
Quelle: Finanztip-Recherche, AGB der Anbieter (Stand: 9. September 2019)

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 04. Dezember 2019


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