Schlichtungsstelle

Schnell, einfach und günstig einen Streit beilegen

Anja Ciechowski
& Co-Autor
Stand: 15. Juli 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Seit 2016 gibt es die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle in Deutschland. Sie hilft Verbrauchern bei all den Beschwerden, für die bisher noch keine branchenspezifische Schlichtung existiert.
  • Schlichtungsstellen arbeiten immer kostenlos für den Verbraucher. 
  • Die Empfehlungen der Schlichtungsstellen sind selten bindend für Unternehmen. Ist der Verbraucher mit einer Empfehlung nicht einverstanden, bleibt für ihn immer noch der Gang vor ein Gericht.
So gehen Sie vor
  • Bevor Sie einen Antrag auf Schlichtung stellen, müssen Sie sich mit Ihrem Problem vorab an das jeweilige Unternehmen gewandt haben. Erst wenn es keine Einigung gab, können Sie die Schlichtungsstelle anrufen.
  • Den Antrag auf Schlichtung können Sie online stellen oder per Fax sowie auf dem Postweg samt allen notwendigen Unterlagen.
  • Die Stelle prüft, ob sie zuständig ist, die Unterlagen vollständig sind und ob ein Verfahren eröffnet werden kann. Ist alles gegeben, kommt es zur eigentlichen Schlichtung.
     

Eine nicht ausgezahlte Lebensversicherung, eine unverhältnismäßig hohe Handyrechnung oder eine verweigerte Entschädigung für eine Flugverspätung: Können Sie sich mit Ihrem Versicherer, Mobilfunkanbieter oder der Airline nicht einigen, bleibt oft nur der Gang vor Gericht. Doch das ist langwierig, teuer und mit ungewissem Ausgang.

Eine preiswertere und unkompliziertere Alternative bieten Schlichtungsstellen. Als neutrale und sachkundige Dritte vermitteln sie bei Konflikten zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Der Vorteil: Mit dem Schlichtungsverfahren bieten sie eine leicht zugängliche, kostengünstige und vergleichsweise schnelle Lösung, um den Streit beizulegen. Aktuell existieren in Deutschland 27 anerkannte Schlichtungsstellen.

Welche Vor- und Nachteile haben Schlichtungsstellen?

Streiten Sie sich mit einem Dienstleister oder Händler, gibt es gute Gründe für eine außergerichtliche Streitbeilegung. Der wohl größte Vorteil: Ein Schlichtungsverfahren kostet Sie nichts. Prozess-, Gerichts- oder Anwaltskosten spielen keine Rolle – besonders hilfreich, falls Sie keine Rechtsschutzversicherung besitzen. Sie tragen lediglich die anfallenden Kosten für Porto, Kopien oder Telefonate.

Schlichtungsverfahren sind weniger komplex und zeitintensiv als Gerichtsverhandlungen. Den Antrag auf Streitbeilegung können Sie ganz einfach online bei der zuständigen Stelle einreichen.

Für die gesamte Dauer des Verfahrens bleibt die Schlichtungsstelle mit Ihnen in Kontakt und informiert Sie über den Verlauf. Der Schlichtungsprozess ist nach durchschnittlich 90 Tagen beendet und erstreckt sich nicht über mehrere Jahre wie Gerichtsverfahren. Bei sehr komplexen Fällen kann es jedoch länger als drei Monate dauern.

Ein weiterer Pluspunkt von Schlichtungsverfahren ist ihre verjährungshemmende Wirkung. Ihre Ansprüche gegenüber Unternehmen oder Dienstleistern verfallen nicht einfach. Stattdessen wird die Verjährungsfrist eingefroren, sobald die Schlichtungsstelle das Schlichtungsverfahren eröffnet hat, und läuft erst sechs Monate nach beendeter Schlichtung weiter – unabhängig von ihrem Ausgang (§ 204 BGB).

Der alternativen Streitbeilegung sind aber auch Grenzen gesetzt. Beispielsweise ist das Verfahren für beide Parteien freiwillig. Ist ein Unternehmen nicht daran interessiert, einen Konflikt außergerichtlich zu lösen, kann die Schlichtungsstelle das Unternehmen nicht zur Teilnahme verpflichten.

Auch der Ausgang des Verfahrens ist nicht bindend. Antragsteller und Antragsgegner entscheiden selbst, ob sie den Vorschlag des Streitmittlers annehmen oder nicht.

Doch es gibt auch Ausnahmen: Wenn Versicherungen oder Banken am Schlichtungsverfahren teilnehmen, müssen sie sich auch an den unterbreiteten Vorschlag des Versicherungsombudsmanns beziehungsweise Bankenombudsmannes halten, sofern ein bestimmter Streitwert nicht überschritten wird. Sollten Sie hingegen mit dem ausgearbeiteten Schlichtungsvorschlag in diesem Fall unzufrieden sein, steht Ihnen der Rechtsweg weiterhin offen.

Wie läuft ein Schlichtungsverfahren ab?

Bevor Sie sich an eine Schlichtungsstelle wenden können, müssen Sie vorab versucht haben, das Problem direkt mit dem Unternehmen zu lösen. Konnten Sie sich nicht einigen, steht Ihnen der Weg zur Schlichtungsstelle offen. Den Antrag finden Sie online auf der jeweiligen Internetseite der entsprechenden Stelle. Sie können das Beschwerdeformular aber auch per Brief, Fax oder E-Mail versenden.

Achten Sie darauf, dass Sie den Antrag vollständig ausgefüllt haben. Neben Ihrem Namen und der Anschrift sollten Sie den Sachverhalt so detailliert wie möglich schildern. Senden Sie auch gleich alle notwendigen Unterlagen mit – Verträge, Rechnungen oder den bisherigen E-Mail-Verkehr mit dem Unternehmen.

Nach Eingang der Unterlagen überprüft die Schlichtungsstelle, ob sie überhaupt zuständig und die Beschwerde zulässig ist. Außerdem kontrolliert sie die Unterlagen auf Vollständigkeit. Sind alle drei Aspekte erfüllt, leitet die Stelle den Antrag weiter an den Antragsgegner mit der Bitte um Stellungnahme.

Ist das Unternehmen an einer gütlichen Einigung interessiert, erfolgt die Eröffnung des eigentlichen Schlichtungsverfahrens. Die Schlichtungsstelle prüft den Sachverhalt. Sie als Antragsteller sowie Ihr Gegner bekommen Gelegenheit, sich schriftlich zu äußern.

Auf Grundlage gesetzlicher Bestimmungen erlässt ein fachkundiger Ombudsmann einen Schlichtungsspruch, den er den Beteiligten unverzüglich mitteilt. Diese haben dann sechs Wochen Zeit, Stellung zu beziehen. Nach Ablauf der Frist teilt die Geschäftsstelle beiden Parteien mit, ob eine Einigung erzielt werden konnte oder nicht. 

Welche Schlichtungsstellen gibt es?

Die Allgemeine Schlichtungsstelle

In vielen Fällen ist die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung in Kehl (Baden-Württemberg) der richtige Ansprechpartner, um Streitigkeiten außergerichtlich beizulegen. Von der Bundesregierung im Zuge des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes gegründet, ergänzt sie bereits seit April 2016 die branchenspezifischen Schlichtungsstellen.

Verbraucher können diesen neutralen Vermittler immer dann kontaktieren, wenn keine spezielle Stelle zuständig ist. Antragsberechtigt sind alle EU-Bürger sowie Bürger aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Der EWR umfasst dabei die 28 Mitgliedsländer der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Antragsgegner sind Unternehmen oder Firmen mit Sitz in Deutschland. Hat die Gegenpartei ihren Standort andernorts, kann die Allgemeine Schlichtungsstelle nicht tätig werden.

Und es gibt weitere Einschränkungen: Der Streitwert darf nicht unter 10 Euro liegen, 50.000 Euro aber auch nicht übersteigen. Wird die Grenze gerissen, bleibt Verbrauchern nur der Gang vor Gericht.

2018 sind 2.125 Anträge bei der Allgemeinen Schlichtungsstelle eingegangen. Knapp 69 Prozent blieben ergebnislos. In 221 Fällen konnte die Schlichtungsstelle hingegen eine Einigung zwischen Antragsteller und -gegner erzielen. In den übrigen 396 Fällen lehnten de Streitschlichter die Erföffnung des Verfahrens ab. Die durchschnittliche Verfahrensdauer von acht Wochen wurde halbiert, die Dauer der Streitbeilegung sogar um knapp zwei Drittel reduziert. Spätestens nach 90 Tagen liegt beiden Parteien ein ausgearbeiteter Schlichtungsvorschlag vor.

Sollte die Allgemeine Schlichtungsstelle für einen eingereichten Fall nicht zuständig sein, teilt sie Ihnen das mit und verweist Sie an die entsprechende Einrichtung. Künftig sind Kooperationen zwischen der Allgemeinen Stelle und den branchenspezifischen Schlichtungsstellen geplant, um fälschlich eingereichte Anträge direkt weiterzuleiten – Ihr Einverständnis vorausgesetzt.

Weitere Informationen bezüglich geltender Voraussetzungen, wie ein Schlichtungsantrag richtig eingereicht wird oder welche Dokumente mitgeschickt werden sollten, finden Sie auf der Website der Schlichtungsstelle. Auf dem Postweg ist der Verein erreichbar unter: Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung e.V., Straßburger Straße 8, 77694 Kehl am Rhein.

Für Kunden von Banken, Versicherungen oder Energieversorgern existieren spezielle Verbraucherschlichtungsstellen. Sie bringen das entsprechende Fachwissen aus der jeweiligen Branche mit, um eine gütliche Lösung zu erzielen.

Versicherungsombudsmann

Ob eine nicht gewährte Versicherungsleistung, ein unrechtmäßig in Rechnung gestelltes Entgelt oder eine falsche Kfz-Schadenfreiheitsklasse – der Versicherungsombudsmann vermittelt bei Streitigkeiten zwischen Versicherten und Versicherungsunternehmen aus dem Bereich der Privatversicherungen. Dazu gehören unter anderem die Lebensversicherung, die Hausratversicherung und die Kfz-Versicherung. Für Beschwerden aus dem Bereich der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung ist der Versicherungsombudsmann hingegen nicht zuständig. 

Damit sich der Ombudsmann um Ihr Anliegen kümmern kann, muss die Versicherung Mitglied beim Versicherungsombudsmann e.V. sein. Ist sie das nicht, bleibt Ihnen nur ein Gerichtsverfahren.

Der Schlichter kann Versicherer bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro zur Leistung verpflichten. Darüber hinaus gibt er lediglich Empfehlungen ab. Versicherungsvermittler wie Makler oder Vertreter müssen sich nicht an das Urteil des Ombudsmannes halten. Auch für Sie als Verbraucher bleibt die Entscheidung stets unverbindlich.

Im Jahr 2018 gingen insgesamt rund 14.000 zulässige Anträge beim Versicherungsombudsmann ein. Der häufigste Streitgegenstand betraf die Rechtsschutzversicherungen, dicht gefolgt von der Lebensversicherung und der Kfz-Haftpflichtversicherung. In rund 8.000 Fällen konnte der Ombudsmann eine Entscheidung fällen oder eine Empfehlung aussprechen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Versicherungsombudsmanns. Dort finden Sie auch alle Tätigkeitsberichte. Die Postadresse lautet: Versicherungsombudsmann e. V., Postfach 08 06 32, 10006 Berlin.

Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung

Sind Sie sich mit Ihrer privaten Kranken - oder Pflegeversicherung uneinig über die Höhe des Versicherungsbeitrags oder streiten Sie um die Erstattung medizinischer Behandlungsmaßnahmen, können Sie sich an den entsprechenden Ombudsmann wenden. Er vermittelt bei Konflikten zwischen Versicherten und privaten Krankenversicherungen sowie Versicherungsvermittlern oder -beratern.

2018 gingen rund 7.300 Anträge ein, wovon im selben Jahr knapp 4.100 abgeschlossen wurden. Auch wenn die Teilnahme am Verfahren nicht verpflichtend und die Entscheidung des Streitschlichters nicht bindend ist, konnte er in 1.000 Fällen erfolgreich schlichten.

Welche Versicherungsunternehmen Mitglied beim Ombudsmann sind, können Sie der nachfolgenden Liste entnehmen. Weitere Informationen zur Schlichtung finden Sie auf der Website des PKV-Ombudsmanns. Ihre Unterlagen können Sie an diese Adresse senden: Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung, Postfach 06 02 22, 10052 Berlin.

Für gesetzlich Krankenversicherte ist der Ombudsmann für private Kranken- und Pflegeversicherung nicht der richtige Ansprechpartner – dafür aber das Bundesversicherungsamt. Allerdings wird die Behörde nicht bei jedem Sozialversicherungsträger aktiv. Welcher Fälle sie sich annimmt, können Sie auf der Homepage des Bundesversicherungsamtes nachlesen. 

Weigert sich Ihre gesetzliche Krankenkasse, bestimmte Leistungen wie eine Kur oder eine Prothese zu bezahlen, müssen Sie das nicht einfach hinnehmen. Widersprechen Sie binnen vier Wochen der Entscheidung mit unserem Musterschreiben. Begründen Sie so genau wie möglich, warum Sie die beantragte Leistung benötigen.

Nutzen Sie für den Widerspruch Ihres Ablehnungsbescheids der Krankenkasse unser Musterschreiben.

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Am besten lassen Sie sich dabei von Ihrem Arzt helfen. Den Brief schicken Sie per Einschreiben an Ihre Versicherung. Bei der gesetzlichen Kasse befasst sich dann ein Widerspruchsausschuss mit Ihrem Fall. Dort sind Patienten- und Arbeitgebervertreter an der Entscheidung beteiligt. Lehnt der Ausschuss die Leistung ab, bleibt noch der Gang vor das Sozialgericht. Das Verfahren ist kostenlos. Allerdings müssen Sie möglicherweise einen Anwalt bezahlen.

Bankenombudsmann

Wenn Ihnen Ihre Bank einen Dispokredit verweigert, zu hohe Kontoführungsgebühren berechnet oder Sie in Anlagefragen falsch beraten hat, ist der Bankenombudsmann der richtige Ansprechpartner. Der Ombudsmann der privaten Banken schlichtet bereits seit mehr als 25 Jahren zwischen Bankkunden und privaten Bankinstituten. Für genossenschaftliche und öffentliche Banken existieren gesonderte Schlichtungsstellen, ebenso für Sparkassen.

Im Jahr 2018 wandten sich rund 4.000 Verbraucher an den Bankenombudsmann. Dabei beschwerten sie sich vorrangig über zu hohe oder ungerechtfertigte Entgelte im Zahlungsverkehr. Streitigkeiten bezüglich des Wertpapiergeschäftes, etwa eine zu spät ausgelöste Verkaufsorder, traten bei 34 Prozent der Anträge auf. In etwa 1.700 Fällen konnten die Streitmittler das Verfahren durch einen Schlichtungsvorschlag beenden. Jedoch nahmen lediglich knapp 20 Prozent der streitenden Parteien die Empfehlungen an.

Die Entscheidungen des Ombudsmannes sind bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro bindend für Banken. Darüber hinaus spricht er lediglich Empfehlungen aus. Als Antragsteller müssen Sie sich nie an den Schlichtungsspruch halten. Sollten Sie unzufrieden sein mit dem Ausgang des Verfahrens, können Sie daher immer noch juristisch gegen die Bank vorgehen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Bankenombudsmanns. Die Adresse lautet: Kundenbeschwerdestelle beim Bundesverband deutscher Banken, Postfach 04 03 07, 10062 Berlin.

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP)

Auch bei Ärger mit bestimmten Verkehrsmitteln können Sie sich an eine Schlichtungsstelle wenden. Dazu ein Beispiel: Der Jahresurlaub in der Südsee steht kurz bevor. Doch am Check-in-Schalter teilt Ihnen das Bodenpersonal mit, dass der Flug überbucht ist und Sie nicht mitfliegen können. Sofern Sie nicht gerichtlich gegen die Fluggesellschaft vorgehen wollen, können Sie sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden

Die SÖP schlichtet bei allen Streitigkeiten rund um Bus, Bahn, Flugzeug und Schiff. Damit die Schlichtungsstelle auch in Ihrem Fall tätig werden kann, muss das Verkehrsunternehmen Mitglied im Trägerverein der SÖP sein. Eine Auflistung aller 370 Mitglieder finden Sie auf der Homepage der Schlichtungsstelle. 

2018 gingen bei der SÖP rund 30.000 Anträge ein – doppelt so viele wie im Vorjahr. Der deutliche Anstieg an Beschwerden geht mit einer längeren Verfahrensdauer einher. Häufigster Beschwerdegrund bleibt, wie bereits 2017, die Verspätung von Bus, Bahn oder Fluggesellschaft.

Besonders erfreulich für die Antragsteller dürfte die Streitbeilegungsquote sein. In 90 Prozent aller Fälle ließ sich eine außergerichtliche Einigung erzielen. Stimmen die Parteien der SÖP-Schlichtungsempfehlung zu, ist das Ergebnis für beide bindend.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der SÖP. Die Adresse lautet: Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V., Fasanenstraße 81, 10623 Berlin.

Schlichtungsstelle der Bundesärztekammer

Treten beispielsweise nach einer Operation am Kniegelenk Komplikationen auf, fragt sich der Patient unweigerlich, ob ein Behandlungsfehler dafür ursächlich ist. Bei der Klärung dieser Frage helfen die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern.

Wenn Sie sich für eine Schlichtung entscheiden, müssen Sie mit einer längeren Verfahrensdauer rechnen. Eine alternative Streitbeilegung dauert im Schnitt 15 Monate – was nicht zuletzt den komplexen medizinischen Sachverhalten geschuldet ist.

2018 kontaktierten rund 11.000 Patienten die Ärztekammern und deren Gutachterkommissionen. In 1.500 der rund 6.0000 bearbeiteten Fälle konnten sie einen Behandlungsfehler nachweisen, der einen Anspruch des Patienten auf Schadensersatz begründet. Die Gutachten entfalten allerdings keine rechtsverbindliche Wirkung, sondern sind lediglich als Empfehlung zu betrachten.

Je nach Region oder Bundesland ist eine andere Ärztekammer beziehungsweise Gutachterkommission zuständig. An wen genau Sie sich wenden müssen, ist der Internetseite der Bundeärztekammer zu entnehmen. Per Post ist die Bundesärztekammer wie folgt erreichbar: Bundesärztekammer Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern, Postfach 120 864, 10598 Berlin.

Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft

Haben Sie sich vor Gericht anwaltlich vertreten lassen, befürchten aber, dass der Anwalt Ihnen eine zu hohe Summe in Rechnung gestellt hat, sind Sie bei der Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft richtig. Diese wird beispielsweise bei Gebührenstreitigkeiten aktiv und versuchen zwischen Rechtsanwälten und ehemaligen Mandanten zu vermitteln.

2018 sind bei der Schlichtungsstelle etwa 1.000 Anträge eingegangen. In 60 Fällen einigten sich beide im Vorhinein; in 200 Fällen nahmen sie den Vorschlag der Stelle an.

Die Teilnahme am Verfahren ist freiwillig. Damit es eröffnet werden kann, müssen Sie und Ihr Anwalt diesem vorab zustimmen. Außerdem ist der Vorschlag der Schlichtungsstelle nicht bindend.

Nähere Informationen finden Sie auf der Website der Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft. Über den Postweg ist die Stelle so zu erreichen: Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft, Rauchstraße 26, 10787 Berlin.

Schlichtungsstelle der Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur schlichtet in zwei verschiedenen Sparten, in der Telekommunikation und im Postwesen.

Telekommunikation - Diese spezielle Stelle schlichtet Streite zwischen Verbrauchern sowie Mobilfunk- und Festnetz-Anbietern. Wenn Ihre Handyrechnung viel zu hoch ist, Sie Probleme beim Anbieterwechsel haben oder Ihr Telefonanschluss ohne vorherige Ankündigung gesperrt wird, können Sie sich an die Bundesnetzagentur wenden.

2018 konnte die Agentur knapp 2.000 Verfahren beenden. Dabei führte die Nichteinhaltung von vertraglich zugesicherten Leistungen am häufigsten dazu, dass Verbraucher einen Antrag bei der Netzagentur einreichten. In einem Drittel der Fälle ließ sich eine Einigung erzielen. Unternehmen sind nicht verpflichtet, am Schlichtungsverfahren teilzunehmen. Auch das Ergebnis ist nicht bindend.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Bundesnetzagentur. Per Post können Sie die Stelle wie folgt erreichen: Bundesnetzagentur, Verbraucherschlichtungsstelle Telekommunikation, Referat 216, Postfach 80 01, 53105 Bonn.

Postwesen - Ist ein Päckchen auf dem Versandweg verloren gegangen oder wurde eine Postsendung beschädigt, versucht die Schlichtungsstelle Post der Bundesnetzagentur zu schlichten. Sie nimmt die Beschwerden entgegen, bearbeitet die Anliegen der Verbraucher und bittet die beteiligten Postdienstleister um eine Stellungnahme, sofern sie am Schlichtungsverfahren teilnehmen. Denn die außergerichtliche Streitbeilegung ist freiwillig.

Hat der Streitmittler einen Lösungsvorschlag erarbeitet, sind beide Seiten nicht verpflichtet, diesen anzunehmen. Als Verbraucher steht Ihnen immer noch der Klageweg offen.

2018 konnte die Bundesnetzagentur einen merklichen Anstieg an eingegangenen Anträgen verzeichnen. Waren es 2016 lediglich 235, sind es zwei Jahre später rund  1.000 Anträge, die die Schlichtungsstelle zu bearbeiten hatte. Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt momentan vier Monate.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bundesnetzagentur. Unter dieser Adresse erreichen Sie die Schlichtungsstelle: Bundesnetzagentur, Schlichtungsstelle Post, Referat 318, Tulpenfeld 4, 53113 Bonn.

Schlichtungsstelle Energie

Die Schlichtungsstelle Energie wird gemeinsam getragen vom Verbraucherzentrale Bundesverband und den Verbänden der Energiewirtschaft. Sie kann bei Streitigkeiten zwischen privaten Verbrauchern und  Strom- oder Gasunternehmen helfen. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen sind die Energieversorger, Messstellenbetreiber und Messdienstleister verpflichtet, an dem Verfahren teilzunehmen. Die Schlichtungsempfehlung ist allerdings nur bindend, wenn die Beteiligten sie annehmen.

2018 sind bei der Stelle etwa 7.5000 Fälle eingegangen. Häufige Beschwerdegründe waren nicht oder nur teilweise gezahlte Boni und Guthaben, zu hohe Abschläge sowie fehlerhafte Abrechnungen. In 80 Prozent der Verfahren gab es eine gütliche Einigung.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Schlichtungsstelle Energie. Die Postadresse lautet: Schlichtungsstelle Energie e.V., Friedrichstraße 133, 10117 Berlin.

Die Online-Schlichter

Auch Shoppen im Internet birgt Streitpotenzial. Wer online kauft und auf einen Fake-Shop hereinfällt oder ungewollt ein Probeabo abschließt, findet Hilfe beim Online-Schlichter. Allerdings werden die Schlichter lediglich in einigen Bundesländern aktiv.

Sie oder das jeweilige Unternehmen müssen entweder aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein stammen. In allen anderen Fällen kontaktieren Sie am besten die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle.

Im Jahr 2018 bearbeiteten die Online-Schlichter 900 Fälle, bei einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von etwas mehr als einem Monat. Für die beteiligten Parteien ist die Empfehlung der Online-Schlichter nicht bindend. Weitere Informationen finden Sie auf der  Website des Onlines-Schlichters.

Autor
Anja Ciechowski
& Co-Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 15. Juli 2019


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