Pressemitteilung Härtefallhilfen starten: Berliner kassieren bei Heizkosten mehr als alle anderen

Berlin, 02.05.2023 – Berliner sind bei den Härtefallhilfen für hohe Heizkosten aus dem vergangenen Jahr deutlich bessergestellt als die Bewohner aller anderen Bundesländer. Das hat der Geldratgeber Finanztip durch eine Analyse der verschiedenen Länderbeschlüsse festgestellt. Dieser Tage schalten 15 Bundesländer die Antragsportale für die Härtefallhilfe für Öl-, Pellet-, Kohle- und Flüssiggas-Heizungen frei, während Berlin bereits früher einen Sonderweg gegangen ist.

„In Berlin bekommt man einen Zuschuss, wenn der Brennstoff fürs Heizen im Jahr 2022 um mehr als 70% teurer war als noch 2021”, erklärt Energieexperte Benjamin Weigl von Finanztip. Die übrigen Länder halten sich dagegen an den vom Bund vorgegebenen Rahmen, wonach Verbraucher eine Verdopplung der Preise, also eine Preissteigerung von bis zu 100%, selbst stemmen müssen. Erst bei einer noch höheren Verteuerung können sie die Härtefallhilfe bekommen.

Hunderte Euro Differenz zwischen Berlin und anderen Bundesländern

Wer beispielsweise Anfang Oktober 2.000 Liter Heizöl bestellt hat, musste rund 1,70 Euro pro Liter bezahlen. „Berliner bekommen dafür eine Härtefallhilfe von 788,80 Euro ausbezahlt, während in allen anderen Bundesländern nur ein Zuschuss von 448,00 Euro gewährt wird”, rechnet Weigl vor. Der Bund stellt den Ländern für die Finanzierung der Härtefallhilfen insgesamt 1,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Die zusätzlichen Kosten für die besseren Konditionen in Berlin bezahlt die Hauptstadt aus eigener Kasse.

Eine extreme Differenz zwischen Berlin und den übrigen Bundesländern gibt es laut Finanztip bei Kohleheizungen. In Berlin (rund 1.900 Kohleheizungen) wird die Heizkostenhilfe bereits ab einem Preis von über 17 Cent/kg (inkl. MwSt.) Kohle gezahlt, im übrigen Bundesgebiet (knapp 200.000 Kohleheizungen) dagegen erst ab 72 Cent/kg. Während der Bund den Referenzpreis für Kohle anhand der Endverbraucherpreise ermittelte, habe Berlin „antragstellerfreundlich” den durchschnittlichen Großmarktpreis herangezogen, bestätigte die Senatsverwaltung gegenüber Finanztip. „Wer für seine Heizung vier Tonnen Kohle für 60 Cent das Kilo bestellt hat - ein derzeit üblicher Preis - bekommt in Berlin satte 1.376 Euro Heizkostenhilfe", rechnet Weigl vor. „In allen anderen Bundesländern bekommen Verbraucherinnen keinen Cent.”

Antrag auf Härtefallhilfe ab Anfang Mai möglich

Die Härtefallhilfen können alle Privathaushalte beantragen, die mit nicht leitungsgebundenen Energieträgern heizen (u.a. Heizöl, Flüssiggas, Kohle/Koks, Holzpellets). In den meisten Bundesländern muss die Lieferung zwischen dem 1. Januar und 1. Dezember 2022 erfolgt sein. Einzelne Länder akzeptieren, wenn die Bestellung in diesem Zeitraum erfolgte und die Lieferung erst später. Für den 2. Mai haben Bremen und Hamburg die Freischaltung das Online-Antragsportal angekündigt, am 4. Mai sollen Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein folgen, am 8. Mai Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen. Bayern möchte am 15. Mai nachziehen, Nordrhein-Westfalen will ebenfalls ab der Monatsmitte das eigene Antragsportal online bringen.  

In Berlin kann der Antrag bereits seit Ende Januar gestellt werden. Laut Senatsverwaltung wurden 75 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt extra dafür eingeplant, bisher seien Anträge im Volumen von rund 16,8 Millionen Euro eingegangen. Ausbezahlt wurden die Härtefallhilfen noch nicht, auch die Antragsstellung ist aktuell pausiert. Laut Angaben der Senatsverwaltung gegenüber Finanztip muss zunächst die Bundesförderung ins Landesprogramm integriert werden.  

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