Visa oder Mastercard

Darum zählen allein die Gebühren

Josefine Lietzau
& Co-Autor
Stand: 04. Februar 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Ob Ihre Kreditkarte von Mastercard oder Visa kommt, ist nicht entscheidend.
  • Es kommt allein darauf an, was die Karte kann und wie viel sie kostet.
  • Die Leistungen und Preise legen aber nicht Mastercard oder Visa fest. Sondern Bank oder Unternehmen, von der Sie die Kreditkarte bekommen.
  • Für Verlust oder Missbrauch: Merken Sie sich die Kreditkarten-Sperr-Nummer 116 116.
So gehen Sie vor
  • Am besten fahren Sie mit kostenlosen Kreditkarten ohne Zusatzleistungen.
  • Wir empfehlen:  DKB Visacard (Visa), Genialcard der Hanseatic Bank, Barclaycard Visa (Achtung: Teilzahlung fest eingestellt), Payback Visa Flex, Consorsbank Visa Card.
  • Für Minderjährige und bei schlechter Schufa sind Prepaid-Kreditkarten und deren Alternativen die richtige Wahl: DKB Visa-Card, Volkswagen Bank, Commerzbank, Transferwise.

Mehr als 90 Prozent aller Kreditkartenumsätze in Europa laufen über die Anbieter Visa oder Mastercard. Im niedrigen einstelligen Prozentbereich folgt Amex. Verbraucher kommen also kaum um einen der beiden Platzhirsche herum. Doch macht es dabei eigentlich einen Unterschied, ob die Karte von Mastercard oder von Visa kommt?

Visa oder Mastercard?

Beim Bezahlen und Geldabheben liegt der Unterschied nicht darin, ob Sie mit Mastercard oder Visa bezahlen. Denn die Kreditkartenfirmen haben nichts mit dem wirklich wichtigen Punkt zu tun: den Gebühren. Stattdessen sind Visa und Mastercard für den Rahmen verantwortlich: Welche Regeln gelten beim Bezahlen und Abheben mit Karte, was müssen Händler tun, wenn sie die Karten akzeptieren wollen, mit welcher Technik werden Zahlungsdaten übertragen.

Die für Verbraucher meist wichtigeren Unterschiede liegen in den Konditionen, zu denen Verbraucher die Kreditkarte nutzen können: Die Gebühren variieren teils erheblich. Allerdings legen die Banken und Unternehmen, von denen Sie die Karte erhalten haben, diese Gebühren fest. Die Preise für die verschiedenen Leistungen der Karte sind also  unabhängig davon, ob der Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard heißt. Auch bei den zusätzlichen Leistungen entscheidet die Bank oder das Unternehmen, zum Beispiel welche Versicherungen zur Karte gehören oder aber ob die Kunden mit der Karte kontaktlos bezahlen können.

Im Gegensatz zu Visa und Mastercard geben die Anbieter American Express und Diners Club auch selber Kreditkarten aus.

Welche Karte ist die passende?

Es ist egal, ob Sie eine Kreditkarte von Mastercard oder Visa nehmen. Achten Sie stattdessen darauf, sich für die passende Kreditkarten-Sorte zu entscheiden:

  • Kostenlose Kreditkarten:  Für eine Gratis-Kreditkarte müssen Sie keine Jahresgebühr zahlen. Bei guten Kreditkarten verlangen die Banken dennoch nur geringe Gebühren fürs Bezahlen oder Geldabheben, egal ob in Deutschland oder im Ausland. Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Bonusprogramme sind in der Regel nicht enthalten.
  • Prepaid-Kreditkarte: Bei solchen Kreditkarten zahlen Sie erst Geld auf ein Kartenkonto ein, bevor Sie die Karte nutzen können. Die Karten sind häufig teuer, die Gebühren kompliziert. Daher sollten Sie nur auf eine Prepaid-Kreditkarte ausweichen, wenn Sie keine kostenlose „normale“ Variante bekommen – beispielsweise, wenn Sie eine schlechte Bewertung durch die Schufa haben oder noch minderjährig sind.
  • Gold- und Platinkarten: Diese Kreditkarten bieten die meisten Zusatzleistungen. Vom Versicherungsschutz, Rabattsysteme oder Zugang zu Flughafen-Lounges erhalten Sie einen Service über das bloße Bezahlen hinaus. Dafür verlangt die Bank jedoch hohe Gebühren. Prüfen Sie im Vorfeld genau, ob Sie die Zusatzleistungen wirklich benötigen und ob Sie sie oft genug nutzen, um einen Großteil der Gebühren wieder auszugleichen.

Wo kann man mit Visa und Mastercard bezahlen?

Banken haben oft unterschiedliche Kreditkarten im Programm; einige bieten ihren Kunden sowohl Mastercard als auch Visa an. Bei manchen Banken erhalten Kunden sogar beide Kreditkarten gleichzeitig. Kreditkarten von unterschiedlichen Anbietern zu haben, lohnt sich in erster Linie für Reisen in exotische Gebiete. Nicht überall werden sowohl Mastercard als auch Visa akzeptiert.

Händler in 200 Ländern akzeptieren Visa und Mastercard nach Angaben der Unternehmen. Visa verweist auf ungefähr 40 Millionen Akzeptanzstellen fürs Bezahlen, Mastercard auf rund 36 Millionen. Das Abheben soll bei etwa zwei Millionen Geldautomaten weltweit klappen. Für Deutschland nennen die Unternehmen keine genauen Zahlen.

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Mit vielen Karten von Visa und Mastercard können Kunden inzwischen kontaktlos bezahlen – und zwar mittels der Nahfunktechnik Near Field Communication (NFC). (NFC). Dabei halten Kunden die Kreditkarte an das Kassengerät. Da die Karte nicht ins Lesegerät gesteckt werden muss, ist das Bezahlen per NFC etwas schneller und bequemer. Bis zu einem Einkaufswert von 25 Euro (Mastercard) oder 50 Euro (Visa) müssen Kunden weder unterschreiben noch eine Pin eingeben. Ob Verbraucher kontaktlos bezahlen können, erkennen sie am Funksymbol (siehe Abbildung) auf der eigenen Karte und an der Kasse.

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert aber nicht nur mit der Karte selbst. Sie können die Karten auch in einer App hinterlegen und dann kontaktlos mit dem Handy bezahlen. Dies ermöglichen die Banken auf unterschiedliche Arten, zum Beispiel indem Sie Google und Apple Pay anbieten oder ihre eigenen Apps entwickeln.

NFC-Logo auf Kreditkarten

Wie sicher sind die Karten von Visa und Mastercard?

Geht die Kreditkarte verloren oder wurde sie gestohlen, muss der Kunde die Karte sperren. Am einfachsten geht das per Telefon über die Notfall-Nummer 116 116. Diese Nummer ist sowohl für Visa als auch für Mastercard gültig und im Inland kostenlos. Bis der Kartenbesitzer den Verlust gemeldet hat, haftet er für die finanziellen Verluste, maximal allerdings 50 Euro. Einige Banken verzichten ganz auf die Haftung des Kunden.

Auch Visa und Mastercard unterstützen Verbraucher in solchen Fällen. Die sogenannte „Zero Liability Protection“ garantiert dem Kunden, dass er bei einem Kreditkartenbetrug für den Verlust nicht aufkommen muss. Allerdings darf der Inhaber dafür nicht fahrlässig mit der Kreditkarte umgehen. Sollte Ihre Bank trotzdem von Ihnen verlangen, für einen entsprechenden Verlust selbst aufzukommen, weisen Sie sie auf die Vorgaben von Mastercard und Visa hin – die Bank darf sich nicht darüber hinwegsetzen.

Um für größere Sicherheit beim Einkaufen im Internet zu sorgen, setzen beide Kreditkartenunternehmen auf das „3D Secure“-Sicherheitsverfahren: Neben den Karteninformationen müssen Online-Shopper sich noch einmal ausweisen, zum Beispiel über den Fingerabdruck oder eine TAN.

Sollte trotzdem etwas beim Bezahlen schiefgehen – die Zahlung wird doppelt abgebucht, zum Beispiel, oder der bezahlte Händler geht insolvent bevor er liefert – können Sie sich das Geld über das sogenannte Chargeback-Verfahren zurückholen.

Welche Kreditkarten empfiehlt Finanztip?

Als kostenlose Kreditkarten eignen sich besonders folgende Angebote:

Deutsche Kreditbank (DKB)
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • monatliche Abrechnung
  • bessere Konditionen im ersten Jahr und ab 700 Euro Geldeingang im Monat (Aktivkunden)
  • kostenlos Bargeld abheben in der Eurozone (Aktivkunden: weltweit)
  • 1,75 Prozent Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen und Abheben (Aktivkunden: keine Gebühr)
  • Bargeldabhebungen erst ab 50 Euro
  • keine Jahresgebühr
  • komplettes, automatisches Abbuchen des offenen Betrages möglich
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Kartenkonto kann nicht im Plus geführt werden
Barclaycard
Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Bank bucht offenen Betrag in Raten ab
  • Kunden müssen ganzen Betrag manuell überweisen, um Zinsen zu vermeiden
Payback
Visa Flex
  • keine Jahresgebühr
  • komplettes, automatisches Abbuchen des offenen Betrags möglich
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Daten werden durch Payback gesammelt
Nur beim Anbieter abschließbar
Consorsbank
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • kostenloses Abheben in der Eurozone
  • 1,75 Prozent Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen und Abheben
  • Bargeldabhebungen unter 50 Euro nicht kostenlos
  • mögliche Probleme bei Hotels und Mietwagen
Nur beim Anbieter abschließbar

Falls Minderjährige, Selbstständige und Menschen mit schlechter Schufa-Bewertung eine Kreditkarte brauchen, empfehlen wir folgende Angebote:

Volkswagen Bank/Audi Bank
My First Giro
  • keine Jahresgebühr für Konto und Kreditkarte
  • für Kinder ab 10 Jahre erhältlich
  • weltweit kostenlos abheben
  • keine Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen oder Abheben in einer anderen Währung
  • nur für Minderjährige
Nur beim Anbieter abschließbar
DKB
DKB Cash U18
  • keine Jahresgebühr für Konto und Karte
  • ab Geburt des Kindes erhältlich
  • weltweit kostenlos abheben
  • keine Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen oder Abheben in einer anderen Währung
  • ein gesetzlicher Vertreter muss ein DKB-Girokonto haben
Commerzbank
Prepaid-Karte für Minderjährige
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos abheben
  • keine Fremdwährungsgebühr beim Bezahlen oder Abheben in einer anderen Währung
  • erst für Kinder ab 14 Jahren erhältlich
  • ab 18 Jahren Jahresgebühren von 39,90 €
  • nur in der Filiale abschließbar
Nur beim Anbieter abschließbar
Transferwise
Multi-Währungs-Konto
  • keine Jahresgebühr
  • für Menschen mit schlechter Bonität erhältlich
  • nur bis zu 200 Britische Pfund kostenlos abheben im Monat
  • Komplizierte Angabe zu den Freiabhebungen
  • Smartphone-Konto

Abhängig vom jeweiligen Verhalten kann sich auch eine Gold- oder Platinkarte lohnen. Schauen Sie sich die Zusatzleistungen genau an und entscheiden Sie, ob diese für Sie passen.

Autor
Josefine Lietzau
& Co-Autor
Arne Düsterhöft

Stand: 04. Februar 2020


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