Visa oder Mastercard

Darum zählen allein die Gebühren

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit
13. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Ob Deine Kreditkarte von Mastercard oder Visa kommt, ist nicht entscheidend.
  • Sowohl eine Mastercard als auch eine Visa gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, zum Beispiel als Classic-, Gold- oder Platinum-Karte.
  • Was eine Mastercard oder Visa letztlich kann und was sie kostet, entscheidet die Bank, bei der Du die Karte beantragst.
So gehst Du vor
  • Wenn Du besonders günstig mit Mastercard oder Visa zahlen möchtest, solltest Du eine kostenlose Kreditkarte ohne Zusatzleistungen beantragen.
  • Gold- und Platinum-Karten von Mastercard oder Visa, die Versicherungen und andere Leistungen enthalten, lohnen sich meist nicht
  • Bei den kostenlosen Karten liegst Du richtig mit: DKB Visa, Genialcard der Hanseatic Bank (Visa), Barclaycard Visa, Payback Visa Flex und Nuri Visa.
  • Suchst Du eine Karte für Minderjährige oder eine Kreditkarte ohne Schufa-Abfrage, dann sind Prepaid-Kreditkarten und deren Alternativen die richtige Wahl: DKB Visa, Nuri Visa, Vivid Money Visa, Insha Visa und die Payback Visa auf Guthabenbasis.

Online-Shopping oder Reisen – vieles davon ist mit einer Kreditkarte leichter. Deshalb solltest Du eine Karte finden, die zu Dir passt. Doch macht es dabei eigentlich einen Unterschied, ob die Karte von Mastercard oder von Visa kommt?

Visa oder Mastercard?

Visa und Mastercard sind in Europa die Platzhirsche, wenn es um Kreditkarten geht. American Express und Diners Club sind weniger vertreten. Und von der großen chinesischen Konkurrenz Unionpay haben viele europäischen Verbraucher noch nie gehört. Wenn Du eine Kreditkarte suchst, wirst Du also vermutlich bei den beiden großen Anbietern landen.

Dabei wirst Du Dich aber nicht zwischen Mastercard oder Visa entscheiden, sondern zwischen Banken, die Kreditkarten anbieten. Sie entscheiden, mit wem sie zusammenarbeiten wollen. Sie treffen aber auch die für Dich weitaus wichtigeren zwei Entscheidungen: Was kostet Deine Karte und was kann sie.

Für Dich bedeutet das: Bei der Visa-Karte einer Bank fallen beim Abheben und Bezahlen ganz andere Gebühren an als bei der Visa eines anderen Anbieters. Auch die Grundgebühren können sich stark unterscheiden. Selbst wie das Geld abgebucht wird, kann voneinander abweichen. Auch bei den zusätzlichen Leistungen entscheidet die Bank oder das Unternehmen, zum Beispiel welche Versicherungen zur Karte gehören oder aber, ob die Kunden mit der Karte kontaktlos bezahlen können.

Visa und Mastercard sind dabei nur für den Rahmen verantwortlich: Welche Regeln gelten beim Bezahlen und Abheben mit Karte? Was müssen Händler tun, wenn sie die Karten akzeptieren wollen? Mit welcher Technik werden Zahlungsdaten übertragen?

Es gibt aber auch Gegenbeispiele: American Express und Diners Club geben selbst Kreditkarten aus. Sie sind also auch verantwortlich für Konditionen und Extraleistungen.

Welche Karte ist die passende?

Es ist in den meisten Fällen egal, ob Du eine Kreditkarte von Mastercard oder Visa nimmst. Achte stattdessen darauf, Dich für die passende Kreditkarten-Sorte zu entscheiden:

  • Kostenlose Kreditkarten: Für eine Gratis-Kreditkarte musst Du keine Jahresgebühr zahlen. Bei guten Kreditkarten verlangen die Banken dennoch nur geringe Gebühren fürs Bezahlen oder Geldabheben, egal ob in Deutschland oder im Ausland. Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Bonusprogramme sind in der Regel nicht enthalten.
  • Prepaid-Kreditkarte: Bei solchen Kreditkarten zahlst Du erst Geld auf ein Kartenkonto ein, bevor Du die Karte nutzen kannst. Die Karten sind häufig teuer, die Gebühren kompliziert. Daher solltest Du nur auf eine Prepaid-Kreditkarte ausweichen, wenn Du keine kostenlose „normale“ Variante bekommst – beispielsweise, wenn Du eine schlechte Bewertung durch die Schufa hast oder noch minderjährig bist.
  • Gold- und Platin-Karten: Diese Kreditkarten bieten die meisten Zusatzleistungen. Von Ver­si­che­rungs­schutz, Rabattsystemen oder Zugang zu Flughafen-Lounges erhältst Du einen Service über das bloße Bezahlen hinaus. Dafür verlangt die Bank jedoch hohe Gebühren. Prüfe im Vorfeld genau, ob Du die Zusatzleistungen wirklich benötigst und ob Du sie oft genug nutzt, um einen Großteil der Gebühren wieder auszugleichen.

Zudem unterscheiden sich kostenlose Kreditkarten und goldene Kreditkarten bei den Abbuchungsmöglichkeiten.

  • Debitkarten: Bei Debitkarten geht das Geld zeitnah vom Konto ab, also so wie bei der Girocard (Früher: EC-Karte). Das kann Dir helfen, Deine Finanzen besser im Blick zu behalten, kann aber auch zum Problem werden: Mietwagen und Hotelzimmer kannst Du mit solchen Karten womöglich nicht buchen.

  • Charge-Karten: Bei diesen Karten geht das „verbrauchte“ Geld einmal gesammelt vom Kartenkonto ab, meist passiert das monatlich. Die Bank gibt Dir also für jeden Abrechnungszeitraum einen kostenlosen Kredit.

  • Revolving-Karten: Bei diesen Karten kannst Du Deine Schulden auch in Raten zurückzahlen, Du schiebst dabei einen Teil immer in den nächsten Abrechnungszeitraum. Dafür verlangen die Banken allerdings hohe Zinsen.

Wo kannst Du mit Visa und Mastercard bezahlen?

Händler in 200 Ländern akzeptieren Visa und Mastercard nach Angaben der Unternehmen. Visa verweist auf ungefähr 40 Millionen Akzeptanzstellen fürs Bezahlen, Mastercard auf rund 36 Millionen. Das Abheben soll bei etwa zwei Millionen Geld­au­to­ma­ten weltweit klappen. Für Deutschland nennen die Unternehmen keine genauen Zahlen.

Für Dich heißt das: Kreditkarten von unterschiedlichen Anbietern zu haben, lohnt sich in erster Linie für Reisen in exotische Gebiete. Nicht überall werden sowohl Mastercard als auch Visa akzeptiert. Informiere Dich vor Deiner Reise, welche Marke häufiger akzeptiert wird. Oft findest Du die passenden Informationen in Reiseforen im Internet.

Außerdem kann es passieren, dass entweder Visa oder Mastercard bei einer Währung einen besseren Kurs hat als der andere Anbieter. Dann wäre die Karte einen Zacken preiswerter, auch wenn die Gebühren der Banken dieselben sind.

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Mit vielen Karten von Visa und Mastercard kannst Du inzwischen kontaktlos bezahlen – und zwar mittels der Nahfunktechnik Near Field Communication (NFC). Dabei hältst Du die Kreditkarte an das Kassengerät. Da die Karte nicht ins Lesegerät gesteckt werden muss, ist das Bezahlen per NFC etwas schneller und bequemer. Bis zu einem Einkaufswert von 50 Euro musst Du weder unterschreiben noch eine Pin eingeben. Ob Du kontaktlos bezahlen kannst, erkennst Du am Funksymbol (siehe Abbildung) auf Deiner Karte und an der Kasse.

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert aber nicht nur mit der Karte selbst. Du kannst die Karten auch in einer App hinterlegen und dann kontaktlos mit dem Handy bezahlen. Dies ermöglichen die Banken auf unterschiedliche Arten, zum Beispiel indem sie Google und Apple Pay anbieten oder ihre eigenen Apps entwickeln.

Wie sicher sind die Karten von Visa und Mastercard?

Geht die Kreditkarte verloren oder wurde sie gestohlen, musst Du die Karte sperren. Am einfachsten geht das per Telefon über die Notfall-Nummer 116 116. Diese Nummer ist sowohl für Visa als auch für Mastercard gültig und im Inland kostenlos. Allerdings muss die jeweilige Bank auch bei der Notfall-Nummer eingetragen sein, nicht alle Banken machen mit. In diesem Fall musst Du Deine eigene Bank anrufen, wenn Du die Karte verlierst. Schau am besten nach und speichre die Nummer in Deinem Handy ab.

Bis Du den Verlust gemeldet hast, haftest Du für die finanziellen Verluste, maximal allerdings mit 50 Euro. Einige Banken verzichten ganz auf die Haftung des Kunden. Auch Visa und Mastercard unterstützen das. Die sogenannte „Zero Liability Protection“ garantiert, dass Du als Kunde bei einem Kreditkartenbetrug für den Verlust nicht aufkommen musst. Allerdings darfst Du dafür nicht fahrlässig mit der Kreditkarte umgehen. Sollte Deine Bank trotzdem von Dir verlangen, für einen entsprechenden Verlust selbst aufzukommen, weise sie auf die Vorgaben von Mastercard und Visa hin.

Um für größere Sicherheit beim Einkaufen im Internet zu sorgen, setzen beide Kreditkartenunternehmen auf das „3D Secure“-Sicherheitsverfahren: Neben den Karteninformationen müssen Online-Shopper sich noch einmal ausweisen, zum Beispiel über den Fingerabdruck oder eine TAN.

Sollte trotzdem etwas beim Bezahlen schiefgehen – die Zahlung wird zum Beispiel doppelt abgebucht oder der bezahlte Händler geht insolvent, bevor er liefert – kannst Du Dir das Geld über das sogenannte Chargeback-Verfahren zurückholen.

Welche Kreditkarten empfiehlt Finanztip?

Als kostenlose Kreditkarten eignen sich besonders folgende Angebote:

Deutsche Kreditbank (DKB)
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte (Charge)
  • keine Jahresgebühr
  • monatliche Abrechnung
  • bessere Konditionen im ersten Jahr und ab 700 Euro Geldeingang im Monat (Aktivkunden)
  • kostenlos Bargeld abheben in der Eurozone (Aktivkunden: weltweit)
  • 2,2 Prozent Fremd­wäh­rungs­ge­bühr beim Bezahlen und Abheben (Aktivkunden: keine Gebühr)
  • Bargeldabhebungen erst ab 50 Euro
Hanseatic Bank
Genialcard / Visa (Revolving)
  • keine Jahresgebühr
  • komplettes, automatisches Abbuchen des offenen Betrages möglich
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Kartenkonto kann nicht im Plus geführt werden
Barclaycard
Barclaycard Visa (Revolving)
  • keine Jahresgebühr
  • komplettes, automatisches Abbuchen des offenen Betrages möglich
  • weltweit gebührenfrei Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
Payback
Visa Flex (Revolving)
  • keine Jahresgebühr
  • komplettes, automatisches Abbuchen des offenen Betrages möglich
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • Daten werden durch Payback gesammelt
  • Abschalten der Ratenzahlung nur durch Kontakt mit Support möglich
Nuri (früher: Bitwala)
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte (Debit)
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • mögliche Probleme bei Hotels und Mietwagen
  • starker Fokus auf dem Handel mit Kryptowährung

Falls Minderjährige, Selbstständige und Menschen mit schlechter Schufa-Bewertung eine Kreditkarte brauchen, empfehlen wir folgende Angebote:

DKB
DKB Cash U18
  • keine Jahresgebühr für Konto und Karte
  • ab Geburt des Kindes erhältlich
  • weltweit kostenlos abheben
  • keine Fremd­wäh­rungs­ge­bühr beim Bezahlen oder Abheben in einer anderen Währung
  • ein gesetzlicher Vertreter muss ein DKB-Girokonto haben
Payback
Visa auf Guthabenbasis
  • kostenloses Abheben in der Eurozone
  • 29 Euro jährlich als Grundgebühr
  • Daten werden durch Payback gesammelt
  • mögliche Probleme bei Hotels und Mietwagen
Nur beim Anbieter abschließbar
Nuri (früher: Bitwala)
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos Bargeld abheben
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • mögliche Probleme bei Hotels und Mietwagen
  • starker Fokus auf dem Handel mit Kryptowährung
Vivid Money
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • weltweit kostenlos bezahlen
  • mögliche Probleme bei Hotels und Mietwagen
  • nur maximal 200 Euro pro Monat kostenlos abheben
  • Konto-App notwendig
Insha
Kombination von Girokonto mit Visa-Karte
  • keine Jahresgebühr
  • mögliche Probleme bei Hotels und Mietwagen
  • eingeschränktes kostenloses Abheben
  • 1,2 Prozent Fremd­wäh­rungs­ge­bühr beim Bezahlen
  • Konto-App notwendig
Nur beim Anbieter abschließbar

Abhängig vom jeweiligen Verhalten kann sich auch eine Gold- oder Platin-Karte lohnen. Schaue Dir die Zusatzleistungen genau an und entscheide, ob diese für Dich passen.

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