Bildungsurlaub

Zusätzliche Urlaubstage für Deine Weiterbildung

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
06. Januar 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • In den meisten Bundesländern haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Bildungsurlaub von fünf Tagen pro Jahr oder zehn Tagen innerhalb von zwei Jahren – nur in Bayern und Sachsen gibt es das nicht.
  • Der Arbeitgeber zahlt Dir während des Sonderurlaubs weiter das Gehalt. Die Kursgebühren zahlst Du in der Regel selbst.
So gehst Du vor
  • Nutze Deinen Anspruch auf Bildungsurlaub, indem Du Dir einen anerkannten Kurs oder ein Seminar aussuchst.
  • Du solltest den Bildungsurlaub mindestens zwei Monate vor Beginn der Veranstaltung bei Deinem Arbeitgeber beantragen. Dafür kannst Du unser Mus­ter­schrei­ben nutzen.

Zum Musterantrag

  • Die Kosten für eine berufliche Weiterbildung kannst Du als Werbungskosten in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung angeben.

Hast Du schon mal Bildungsurlaub genommen? Ein Sprachkurs in Spanien, ein Seminar zur Stressbewältigung oder eine Woche Yoga – die Angebote sind vielfältig. Und dafür gibt es in den meisten Bundesländern eine Woche Extraurlaub. Den solltest Du Dir nicht entgehen lassen.

Wer hat Anspruch auf Bildungsurlaub?

Das Thema Bildungsurlaub ist in Deutschland Ländersache. Es gibt deshalb kein einheitliches Bundesgesetz, sondern unterschiedliche Regelungen in den Ländern. Wenn Du in Bayern oder Sachsen arbeitest, hast Du Pech. In den Freistaaten gibt es zwar mehr Feiertage als in anderen Ländern, aber weder Bildungsurlaub noch Bildungszeit und auch keine Bildungsfreistellung.

In allen anderen Bundesländern hast Du als Arbeitnehmer Anspruch auf Bildungsurlaub. Das bedeutet: Dein Arbeitgeber stellt Dich für eine Weiterbildungsveranstaltung von der Arbeit frei und zahlt das Gehalt weiter.

Auch Auszubildende dürfen Bildungsurlaub nehmen – es gibt allerdings in einigen Ländern dazu besondere Regelungen. Darin ist zum Beispiel festgelegt, dass Auszubildende Sonderurlaub nur für Veranstaltungen zur politischen Bildung nehmen können. In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen haben Auszubildende nur Anspruch auf fünf Tage während der gesamten Ausbildung, in Rheinland-Pfalz stehen ihnen nur drei Tage zu.

Beamte können in einigen Bundesländern keinen Bildungsurlaub nehmen, in anderen hingegen schon. Was gilt, findet sich in dem entsprechenden Landesgesetz.

Welches Gesetz gilt, hängt davon ab, in welchem Bundesland sich Dein Arbeitsplatz befindet. Es kommt also nicht darauf an, wo Du wohnst.

Oft erwerben Arbeitnehmer den Anspruch auf Bildungszeit erstmals nach zwölf Monaten oder sechs Monaten Tätigkeit beim Arbeitgeber.

Wie viele Urlaubtage für Weiterbildung stehen Dir zu?

Es hängt von Deinem Bundesland ab, wie viele Tage Bildungsurlaub Dir pro Jahr zustehen. In den meisten Bundesländern können Arbeitnehmer fünf Tage pro Jahr nehmen, wenn sie auch an fünf Tagen in der Woche arbeiten.

Viele Bundesländer bieten an, die Urlaubstage von zwei Jahren zusammenzufassen. Dann kannst Du zehn Tage Bildungsurlaub nehmen. Im Saarland sind sechs Tage pro Jahr möglich, allerdings muss der Arbeitnehmer ab dem dritten Tag die Hälfte der Tage zum Beispiel durch Überstunden ausgleichen.

Gesetzliche Grundlagen für Bildungsurlaub in den Bundesländern

Bundesland

gesetzliche Vorschrift

Dauer

Baden-Württemberg

Bildungszeitgesetz Baden-Württemberg

5 Tage pro Jahr

Bayern

keine Regelung

kein Bildungsurlaub

Berlin

Berliner Bildungszeitgesetz

10 Tage in 2 Jahren

Brandenburg

Brandenburgisches Weiterbildungsgesetz

10 Tage in 2 Jahren

Bremen

Bremisches Bildungszeitgesetz

10 Tage in 2 Jahren

Hamburg

Hamburgisches Bildungsurlaubsgesetz

10 Tage in 2 Jahren

Hessen

Hessisches Bildungsurlaubsgesetz

5 Tage pro Jahr

Mecklenburg-Vorpommern

Bildungsfreistellungsgesetz M-V

5 Tage pro Jahr

Niedersachsen

Niedersächsisches Bildungsurlaubsgesetz

5 Tage pro Jahr

Nordrhein-Westfalen

Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW

10 Tage in 2 Jahren

Rheinland-Pfalz

Bildungsfreistellungsgesetz

10 Tage in 2 Jahren

Saarland

Saarländisches Bildungsfreistellungsgesetz

6 Tage pro Jahr (ab dem 3. Tag die Hälfte Eigenanteil)

Sachsen

keine gesetzliche Regelung

kein Bildungsurlaub

Sachsen-Anhalt

Bildungsfreistellungsgesetz

10 Tage in 2 Jahren

Schleswig-Holstein

Weiterbildungsgesetz Schleswig-Holstein

10 Tage in 2 Jahren

Thüringen

Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz

5 Tage pro Jahr

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Januar 2022)

Übertragen von Bildungsurlaub

Hast Du in einem Jahr keinen Bildungsurlaub genommen, kannst Du in vielen Bundesländern Deine Urlaubstage in das neue Jahr mitnehmen. Dazu schreibst Du bis zum 31. Dezember Deinem Arbeitgeber, dass Du Deine Bildungsurlaubstage auf das kommende Jahr übertragen möchtest. Ablehnen darf der Arbeitgeber nicht, sofern in Deinem Bundesland eine Übertragung möglich ist. Du kannst unser Muster verwenden, um Deine Bildungsurlaubstage zu übertragen.

Mus­ter­schrei­ben Bildungsurlaubstage

Hier kannst Du Dir unser Musterschreiben für die Übertragung von Bil­dungs­ur­laubs­ta­gen herunterladen:

Zum Download

Du kannst auch Resttage in das neue Jahr übertragen, falls Du zum Beispiel nur drei der fünf Tage genutzt hast. So stehen Dir dann im nächsten Jahr sieben Tage zur Verfügung. Aber Du kannst in der Regel Deine Bildungszeit immer nur einmal übertragen lassen, so dass Du keinen Bildungsurlaub über mehrere Jahre ansammeln kannst.

In Baden-Württemberg können Beschäftigte den verbleibenden Anspruch nicht auf das folgende Kalenderjahr übertragen (§ 3 Abs. 5 BzG BW).

Was fällt alles unter Bildungsurlaub?

Es gibt viele unterschiedliche Kurse und Angebote, die Du als Arbeitnehmer buchen kannst. Die Anbieter sind sehr kreativ. Lass Dich überraschen, was Du alles machen kannst.

Aufgrund der Corona-Situation haben viele Bundesländer die Durchführung von Online-Bildungsurlaub-Kursen zumindest zeitlich begrenzt ermöglicht. Bildungsurlaub im Ausland ist weiter möglich. Du solltest Dich allerdings über die Einreiseregelungen informieren. Erkundige Dich dazu bei dem Anbieter des Kurses.

Aber die Weiterbildung muss einem beruflichen oder politischen Zweck dienen. Bei einigen Angeboten ist das völlig eindeutig, bei anderen lässt sich darüber streiten.

Nach der Rechtsprechung des Bundes­arbeits­gerichts dienen Veranstaltungen dann der beruflichen Weiterbildung, wenn sie Kenntnisse für den ausgeübten Beruf vermitteln oder jedenfalls Kenntnisse vermitteln, die im erlernten oder ausgeübten Beruf verwendet werden können (Urteil vom 15. März 2005, Az. 9 AZR 104/04).

Der Anspruch besteht nicht nur für rein fachliche Veranstaltungen, sondern auch für solche, die einen mittelbaren Bezug zur Arbeit haben, zum Beispiel Rhetorik- oder Stressbewältigungskurse. Und zur Stressbewältigung kann auch ein Yogakurs sinnvoll sein, wie das Landesarbeitsgericht Berlin entschieden hat (Urteil vom 11. April 2019, Az. 10 Sa 2076/18).

In Niedersachsen können Arbeitnehmer auch Veranstaltungen als Bildungsurlaub beantragen, die der allgemeinen kulturellen Bildung dienen. Danach können sie zum Beispiel auch Schwedisch lernen, ohne dass sie in ihrem Job einen Bezug zu Schweden haben (vgl. BAG, Urteil vom 15. März 2005, Az. 9 AZR 104/04).

In den meisten Ländern existieren eigene Bildungsdatenbanken oder Listen anerkannter Seminare, zum Beispiel in Berlin oder Hamburg. Dort finden sich mehr als 3.000 in Hamburg anerkannte Kurse und Veranstaltungen. Darunter sind Buchhaltungskurse, Sprachkurse zu fast allen Sprachen und Levels, aber auch Digitalfotografie im Beruf oder professionelle Videos in Dreh, Schnitt und Ton. Typische Anbieter sind zum Beispiel Volkshochschulen (VHS), Gewerkschaften, Industrie- und Handelskammern, aber auch zahlreiche Erwachsenenbildungseinrichtungen.

Eine Auswahl an Seminaren findest Du auch auf Websites wie bildungsurlauber.de, bildungsurlaub.de oder kursfinder.de.

Grob einteilen lassen sich die Angebote nach diesen Themen:

  • Gesundheit, Erholung und Stressbewältigung
  • Sprachkurse und Sprachreisen
  • Kaufmännisches, Recht und Finanzen
  • EDV-Kurse
  • Führungskräfteschulungen
  • Rhetorik, Kommunikation, Social Media
  • Natur, Ökologie und Umwelt
  • Kreativität (Musik, Fotografie, Malen)
  • Politik und Gesellschaft

Wenn Du Dich ehrenamtlich engagieren willst, kannst Du einen Kurs zur Qualifizierung besuchen und Dich unter Umständen von Deinem Arbeitgeber dafür freistellen lassen. Darunter fällt zum Beispiel eine Ausbildung zum Übungsleiter im Breitensport, aber auch Weiterbildungen im Katastrophenschutz sowie Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe.

Unser Podcast zum Thema

Wie beantragst Du Bildungsurlaub?

Damit es mit Deinem Bildungsurlaub auch klappt, musst Du ihn richtig beantragen. Oft musst Du den Antrag mit allen Unterlagen so früh wie möglich einreichen. In den Ländergesetzen finden sich unterschiedliche Fristen, bis wann Du spätestens alles abgegeben haben musst. Üblich sind Fristen von sechs Wochen vor der Veranstaltung, in Baden-Württemberg sind es neun Wochen vor Kursbeginn.

Lege Deinem Arbeitgeber die Anmeldebestätigung des Veranstalters vor und schicke auch den groben Ablaufplan der Weiterbildungsmaßnahme mit. Zudem reichst Du die Bestätigung ein, dass die Veranstaltung grundsätzlich als Bildungsurlaub nach den gesetzlichen Vorgaben anerkannt ist.

Eine bestimmte Form ist nicht vorgeschrieben. Du kannst den Antrag auch mit einer E-Mail an die Personalabteilung oder Deine Vorgesetzten schicken. Für Dein Schreiben kannst Du unseren Musterantrag Bildungsurlaub verwenden.

Mus­ter­schrei­ben Bildungsurlaub

Hier kannst Du Dir unser Musterschreiben für den Antrag auf Bildungsurlaub herunterladen:

Zum Download

Darf der Arbeitgeber den Bildungsurlaub ablehnen?

Nicht jeder Arbeitgeber ist erfreut, wenn Du Bildungsurlaub einreichst. Vielleicht hat er damit bisher auch noch keine Erfahrungen gemacht. Aber ablehnen kann er ihn nur, wenn dringende betriebliche Belange oder Urlaubsansprüche der Kollegen dagegensprechen.

Arbeitest Du in einem sehr kleinen Unternehmen, kann es sein, dass Du weniger Tage Bildungsurlaub nehmen kannst. Wie das in Deinem Bundesland geregelt ist, findest Du im entsprechenden Bildungsurlaubsgesetz, siehe dazu die Tabelle weiter oben.

Dein Arbeitgeber darf Deinen Antrag auch ablehnen, wenn er der Meinung ist, dass die Veranstaltung weder beruflichen noch politischen Zwecken dient. Zu dieser Frage gibt es immer wieder auch Klagen vor den Arbeitsgerichten, die dann klären, ob die Veranstaltung den Zielen des jeweiligen Weiterbildungsgesetzes entspricht. Besonders viel Ärger gibt es bei Sprachkursen oder Reisen, die aus Sicht des Arbeitgebers den Fokus doch mehr auf Urlaub als auf Bildung legen. Eine kleine Auswahl von Urteilen zum Bildungsurlaub haben wir für Dich in der folgenden Tabelle zusammengestellt.

Interessante Urteile zum Bildungsurlaub

Gericht, Aktenzeichen

Kursbezeichnung

abgelehnt oder anerkannt?

LAG Berlin-Brandenburg, 11.4.2019,

Az. 10 Sa 2076/18

„Yoga I – erfolgreich und entspannt im Beruf mit Yoga und Meditation“

anerkannt

LAG Baden-Württemberg, 9.8.2017, Az. 2 Sa 4/17

„Arbeitnehmer(innen) in Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft“

anerkannt

VG Karlsruhe, 24.9.2018, Az. 1 K 4029/16„Wanderungen im Siebengebirge – Natur- und Kulturlandschaft zwischen Schutz und Nutzung“anerkannt

BAG, 18.11.2008,

Az. 9 AZR 815/07

„Spanisch für Anfänger I und II“ für einen Flugbegleiter

anerkannt als berufliche Weiterbildung

BAG, 16.5.2000,

Az. 9 AZR 241/99

Seminar in Kuba „Zur aktuellen politischen und sozialen Situation auf Kuba“

nicht anerkannt

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: Januar 2022)

Dein Arbeitgeber darf sich nicht besonders viel Zeit lassen, um Deinen Antrag zu prüfen. Meist muss er spätestens vier Wochen vor Beginn der Bildungsveranstaltung schriftlich reagieren. Eine Ablehnung des Antrags muss er begründen.

Bekommst Du keine Reaktion von Deinem Chef innerhalb der genannten Frist, kannst Du an der Veranstaltung teilnehmen. Sie gilt dann als genehmigt.

Wer trägt die Kosten für den Bildungsurlaub?

Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer während des Bildungsurlaubs freistellen und das Gehalt weiterzahlen.

Die Kosten für den Kurs selbst muss der Arbeitgeber nicht übernehmen. Einige Arbeitgeber übernehmen aber die Kursgebühren oder zahlen einen Zuschuss, da sie das lebenslange Lernen unterstützen und dadurch auch ihre Mitarbeiter binden.

Hast Du Dir einen Kurs ausgesucht, der einen engen Zusammenhang zu Deiner beruflichen Tätigkeit hat, kannst Du die Kosten in voller Höhe als Werbungskosten bei der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung angeben. Aufwendungen für einen Spanisch-Sprachkurs in Mexiko können durchaus abzugsfähige Werbungskosten sein, urteilte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Urteil vom 23. November 2009, Az. 2 K 1025/08). Mehr dazu erklären wir im Ratgeber Werbungskosten.

Bildungsprämie von bis zu 500 Euro

Mit der Bildungsprämie unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung Erwerbstätige, die ein Bildungsurlaub-Seminar besuchen wollten. Kernpunkt des Programms war die Förderung von Weiterbildungsveranstaltungen mit 50 Prozent der Kosten – maximal 500 Euro jährlich. Dieses Programm ist zum 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Ein Nachfolgeprogramm ist derzeit nicht geplant.

Arbeitest Du in Nordrhein-Westfalen, kannst Du eventuell einen individuellen Bildungsscheck bekommen. Das Bundesland bietet eine finanzielle Unterstützung für die Ausgaben einer beruflichen Weiterbildung. Die Höhe der Förderung beträgt 50 Prozent der Gesamtausgaben der Weiterbildungsmaßnahme, höchstens 500 Euro je Bildungsscheck. Weitere Infos dazu findest Du auf der Website des Ministeriums.

Zuschuss von Deiner Kran­ken­kas­se

Eventuell kannst Du Dir einen Teil der Kosten für den Bildungsurlaub von Deiner Kran­ken­kas­se erstatten lassen, falls Du gesetzlich versichert bist. Je nach Kran­ken­kas­se gibt es bis zu 75 Euro für einen Bildungsurlaub. Du benötigst dafür kein Rezept, keine Verordnung und auch keine Erlaubnis durch Deine Kran­ken­kas­se. Gefördert werden Gesundheitskurse zur Ernährung, Stressbewältigung und Entspannung. Informiere Dich direkt auf der Website Deiner Kran­ken­kas­se.