Messstellenbetreiber wechseln

So mindern Sie die Kosten für moderne Stromzähler

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Sie Strom ins öffentliche Netz speisen oder aus diesem entnehmen, besitzen Sie auch einen Stromzähler. Für diesen haben Sie einen Messstellenvertrag abgeschlossen.
  • Haben Sie den Betreiber des Zählers nicht eigens gewählt, ist der sogenannte grundzuständige Messstellenbetreiber Ihr Vertragspartner. Das ist in der Regel Ihr Netzbetreiber.
  • Sie können einen anderen Zählerbetreiber wählen – weil er günstigere Preise oder einen Zähler mit mehr Funktionen anbietet.
  • Aus finanziellen Gründen lohnt sich ein Wechsel nicht, wenn Sie nicht mit Strom heizen, keinen Strom einspeisen oder höchstens 6.000 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen.
  • Andere Verbrauchergruppen bekommen in den kommenden Jahren ein intelligentes Messsystem eingebaut. Das sind digitale Stromzähler, deren Einbau gesetzlich festgeschrieben ist. Die Branche erwartet, dass der Einbau Anfang 2019 beginnen kann.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie eine steuerbare Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung besitzen, eine Photovoltaik-Anlage mit mehr als sieben Kilowatt Leistung betreiben oder mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbrauchen, erhalten Sie in absehbarer Zeit ein intelligentes Messsystem.
  • Der Betreiber darf dafür 100 Euro oder mehr im Jahr berechnen. Ist Ihnen das zu viel, lohnt sich der Wechsel des Messstellenbetreibers.
  • Sie können den Messstellenbetreiber auch sofort wechseln. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um den Einbau des intelligenten Geräts hinauszuschieben. Ein neu installierter Zähler genießt bis zu acht Jahre Bestandsschutz.
  • Es gibt eine Handvoll wettbewerblicher Messstellenbetreiber, zu denen Sie wechseln können. Dem bisherigen Anbieter kündigen Sie schriftlich oder der neue Betreiber übernimmt das für Sie.
  • Ihre Kündigungsfrist können Sie Ihrem Stromliefervertrag oder Ihrem Netznutzungsvertrag entnehmen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie rund um das Thema Strom und Energie immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Er hängt in jedem Gebäude und zählt die Kilowattstunden, die aus dem Stromnetz ins Haus oder auch vom Haus ins Stromnetz fließen. Wem der Stromzähler gehört, was er kostet und wer für ihn zahlt, wissen viele Nutzer aber nicht.

Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert. Denn Stromzähler können heute mehr als Kilowattstunden zählen. Welches Gerät bei Ihnen installiert ist, können Sie selbst bestimmen – und damit auch, was Sie für den Zähler zahlen.

Beschäftigen Sie sich dagegen nicht mit dem Thema, kann es passieren, dass der Netzbetreiber einen neuen digitalen Zähler für Sie auswählt und bei Ihnen einbaut. Die Kosten dafür tragen Sie.

Was ist ein Messstellenbetreiber?

Der Stromzähler gehört stets dem sogenannten Messstellenbetreiber. Das ist das Unternehmen, das den Zähler eingebaut hat und ihn betreibt. Dazu zählt das Ablesen des Zählers und die Übermittlung der Daten an Stromversorger und Netzbetreiber. In manchen Fällen schätzen die Messstellenbetreiber den Zählerstand auch nur. Daher ist es immer besser, wenn Sie selbst Ihren Stromzähler ablesen und den Wert dem Unternehmen melden.

Seit Ende 2008 ist es möglich, dass Sie Ihren Messstellenbetreiber selbst wählen. Zuvor erledigte automatisch der Netzbetreiber die Aufgaben, die mit dem Stromzähler-Betrieb verbunden sind. Haben Sie kein anderes Unternehmen mit dem Betrieb beauftragt, kümmert sich weiterhin Ihr Netzbetreiber um den Stromzähler. Denn die Netzbetreiber übernehmen bislang die Funktion der grundzuständigen Messstellenbetreiber: Diesen fällt die Aufgabe des Betriebs aller Stromzähler in einem bestimmten Netzgebiet in Deutschland zu.

Was Sie für den Zähler jedes Jahr zahlen, ist in Ihrer Stromrechnung aufgeführt. Je nach Netzbetreiber belaufen sich die Kosten für einen einfachen analogen Zähler zumeist auf 8 bis 17 Euro im Jahr, unabhängig vom Verbrauch. Für einen Zweitarifzähler, also ein Gerät mit zwei Zählscheiben, wie das für den Bezug von Heizstrom für Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung üblich ist, können Sie auch locker mehr als 20 Euro im Jahr zahlen.

Über das Entgelt finanziert der Messstellenbetreiber die Anschaffungskosten für den Zähler, dessen Installation und Betrieb. Der Ausbau des alten Geräts zum Ende der Eichfrist oder weil Sie den Betreiber wechseln, wird über das Messstellenentgelt für das neue Gerät abgegolten.

Welche Stromzähler gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Rund 51 Millionen Stromzähler sind nach Angaben der Bundesnetzagentur in Deutschland in Haushalten und Gewerbetrieben installiert. Bei den meisten davon – nämlich 43 Millionen – handelt es sich um sogenannte Ferraris-Zähler. Die Zählscheibe in diesen dreht sich, wenn Strom aus dem Netz fließt. Wie viel Strom Sie an einem Tag verbraucht haben, erfahren Sie nur, wenn Sie den Zähler zwei Tage infolge ablesen. Wollen Sie wissen, wie sich ein bestimmtes Elektrogerät auf Ihren Verbrauch auswirkt, müssten Sie den Zähler beobachten, wenn dieses Gerät läuft.

Das geht auch einfacher: mit digitalen Zählern. Sie zählen nicht einfach fortlaufend den Stromverbrauch, sondern zeichnen ihn über den Tag auf. Die Informationen lassen sich auch noch Wochen später abrufen – für jeden Tag einzeln. Sie können daran ablesen, an welchen Tagen und Wochen Sie besonders viel oder auch wenig Strom verbrauchen und auf die entsprechenden Stromfresser in Ihrem Haushalt schließen.

Zeichnet der Zähler den Verbrauch für jede Viertelstunde eines Tages auf und lässt sich aus der Ferne auslesen, handelt es sich um einen intelligenten Zähler. Bei Finanztip ist ein solcher Smart Meter im August 2017 eingezogen.

Seit rund zehn Jahren bieten Hersteller digitale und intelligente Stromzähler an. In rund acht Millionen Haushalten und Gewerbetrieben gibt es sie bislang. Entweder haben sich die Nutzer – wie Finanztip – freiwillig für sie entschieden. Oder es gab eine Einbaupflicht für ein modernes Gerät.

Intelligente Geräte schlüsseln nicht nur den Verbrauch genau auf. Sie öffnen auch das Tor zu variablen Tarifen. Das sind solche, bei denen sich der Strompreis innerhalb eines Tages ändern kann. Er kann beispielsweise fallen, wenn gerade geringe Stromnachfrage herrscht und bei hoher Nachfrage steigen. Oder der Strompreis ist in einem variablen Tarif in bestimmten Stunden niedriger als während des Rest des Tages. Befristet hatten Unternehmen wie Yello schon variable Stromtarife für Haushalte angeboten. Neukunden können in diese aber nicht mehr einsteigen.

Wie kommt ein Messstellenvertrag zustande und was enthält er?

Stromnutzer besitzen nicht nur einen Vertrag mit ihrem Stromversorger, sondern auch mit Ihrem Netzbetreiber. Auch wenn es Ihnen nicht bewusst ist: Als Sie in Ihrer Wohnung erstmals Strom aus dem öffentlichen Netz entnommen haben, kam ein Netznutzungsvertrag zustande. Dieser regelt auch den Messstellenbetrieb, wenn ein konventioneller analoger Stromzähler bei Ihnen installiert ist. Den Vertrag für Netznutzung und Messstellenbetrieb hat dann zumeist Ihr Stromversorger mit Ihrem Netzbetreiber geschlossen. Der Netzbetreiber ist zugleich Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber.

Besitzen Sie bereit einen digitalen Stromzähler – egal ob einen einfachen elektronischen oder einen intelligenten –, sind Sie einen separaten Messstellenvertrag eingegangen. Dieser ist zustande gekommen, als Sie den neuen Stromzähler eingebaut bekamen oder als Sie in Ihrer Wohnung erstmals Strom nutzten. Ihr Messstellenbetreiber ist das Unternehmen, das den Zähler eingebaut hat. Haben Sie dieses nicht selbst gewählt, ist es der grundzuständige Messstellenbetreiber und damit der Netzbetreiber.

Was der Messstellenbetreiber für den Zähler in Rechnung stellt, können Sie auf Ihrer Stromrechnung von Ihrem Stromversorger nachlesen oder auf der Internetseite des Netzbetreibers. Die Entgelte für analoge Zähler führen die Unternehmen bei den Netznutzungsentgelten auf. Jene für die gesetzlich vorgeschriebenen digitalen Zähler finden sich in separaten Dokumenten, zumeist unter den Begriffen „Preisblatt mMe und iMS“.

Wo steht die Kündigungsfrist?

Ihre Kündigungsfrist richtet sich danach, wie der Messstellenbetrieb vertraglich geregelt ist.

Bei konventionellen Zählern kann die Kündigungsfrist im Vertrag mit Ihrem Stromversorger stehen. Wenn dort nichts geregelt sein sollte, lassen Sie sich nicht verunsichern: Am einfachsten ist es dann, die Kündigung beim alten Betreiber dem neuen Anbieter zu überlassen.

Haben Sie selbst einen Vertrag zur Netznutzung mit dem Netzbetreiber geschlossen, ist dort auch der Betrieb konventioneller Stromzähler geregelt. Die Kündigungsfrist beträgt dann in der Regel einen Monat. Das hat die Bundesnetzagentur über einen Rahmenliefervertrag festgelegt.

Hat Ihnen Ihr grundzuständiger Messstellenbetreiber bereits einen modernen Zähler eingebaut, ist die Kündigungsfrist im Messstellenvertrag festgelegt. Sollte Ihnen dieser nicht vorliegen, finden Sie den Rahmenvertrag auch im Internet: Diesen muss jeder grundzuständige Messstellenbetreiber auf seiner Seite veröffentlichen und Verträge nach den dort aufgeführten Bedingungen abschließen.

Grundsätzlich muss jeder Messstellenvertrag die Laufzeit, die Kündigungsfristen und die Entgelte enthalten. Dabei darf die Laufzeit für einen Vertrag höchstens zwei Jahre betragen und die Kündigungsfrist höchstens drei Monate. Vor Vertragsschluss müssen Sie die Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten zu wählen. Aber: Diese Fristen gelten nicht, wenn Sie sich als Unternehmer an einen Messstellenbetreiber wenden und sich beispielsweise einen neuen Einspeisezähler für Ihre Photovoltaik-Anlage setzen lassen.

Es gibt eine dritte Möglichkeit, wie die Details des Betriebs eines modernen Zählers bei Ihnen geregelt sind: War der Einbau eines intelligenten Zählers mit dem Abschluss eines bestimmten Stromtarifs verknüpft, kann auch der Stromliefervertrag die Details zum Messstellenbetrieb regeln.

Unser Tipp: Bleiben Sie rund um das Thema Strom und Energie immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Was kosten neue Stromzähler und wer baut sie ein?

Seit 2010 muss in Neubauten oder nach größeren Renovierungen ein elektronischer Zähler eingebaut werden. Diese Pflicht hat der Gesetzgeber 2017 ausgedehnt – bis 2032 sollen fast überall in Deutschland nur noch elektronische Zähler installiert sein. Das ist im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) festgelegt. Es regelt auch, wer für den Austausch der alten Stromzähler verantwortlich ist und was das kosten darf.

Preisobergrenzen für den Pflichteinbau neuer Stromzähler
KundengruppeJährliche Preisobergrenze
Stromverbrauch ≤ 6.000 kWh/Jahr20 Euro
Stromverbrauch > 6.000 ≤ 10.000 kWh/Jahr100 Euro
Stromverbrauch > 10.000 ≤ 20.000 kWh/Jahr130 Euro
Betreiber einer Erzeugungsanlage ≤ 7 kW20 Euro
Betreiber einer Erzeugungsanlage > 7 ≤ 15 kW100 Euro
Betreiber einer Erzeugungsanlage > 15 ≤ 30 kW130 Euro
Betreiber einer steuerbaren Wärmepumpe/Nachtspeicherheizung100 Euro

Es gibt weitere Kundengruppen, die hier nicht aufgeführt sind. Darüber hinaus gibt es Preisobergrenzen für neue Messgeräte, deren Einbau dem grundzuständigen Messstellenbetreiber freigestellt ist. Eine Übersicht zu den Preisen bei der optionalen Ausstattung gibt es hier.

Quelle: §31 und §32 MsbG

Notwendig ist der Austausch der Stromzähler im Zuge der Energiewende, begründet der Gesetzgeber die Vorschriften: Wenn die Stromversorgung immer stärker auf Sonnen- und Windstrom aufbaut, muss das gesamte Versorgungssystem flexibler und müssen die tatsächlichen Stromverbräuche von allen Stromnutzern bekannt sein.

Den aktuellen Verbrauch kennen Netzbetreiber nur von größeren Unternehmen, die entweder viel Strom über das Netz beziehen oder viel Strom ins Netz abgeben. Für Haushalte und Gewerbebetriebe nutzen sie dagegen Standardwerte, um Ein- und Ausspeisung von Strom im Lot zu halten.

Erst für die Stromabrechnung ermittelt der Netzbetreiber, was Sie genau verbraucht haben. Betreiben Sie eine kleine Photovoltaik-Anlage oder ein Blockheizkraftwerk und speisen Strom ins Netz, sieht es genauso aus: Einmal im Jahr verlangt der Netzbetreiber nach dem Wert, den Ihr Einspeisezähler anzeigt, um die Vergütung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) berechnen zu können.

Mit einem elektronischen Zähler, der jede Viertelstunde den Strombezug aber auch die Stromeinspeisung anzeigt, können die Netzbetreiber schneller Engpässe oder Überkapazitäten vorhersehen und darauf reagieren.

Was bedeuten die digitalen Zähler für Sie?

Zwei Typen von Stromzählern sieht das MsbG als Ersatz für die analogen Zähler vor: moderne Messeinrichtungen (mMe) und intelligente Messsysteme (iMS). Moderne Messeinrichtungen installieren die Betreiber seit 2017. Intelligente Messsysteme gibt es noch nicht am Markt. Anfang 2019 rechnet die Energiebranche mit den ersten zertifizierten Geräten.

Gemeinsam haben beide Zählertypen, dass sie den Stromverbrauch digital erfassen, mindestens für jeden Tag einzeln aufschlüsseln und die Daten mindestens zwei Jahre lang speichern. Das intelligente Messsystem zeichnet den Stromverbrauch sogar für jede einzelne Viertelstunde eines Tages auf und lässt sich aus der Ferne auslesen. Es muss in eine sogenannte Kommunikationsstruktur eingebunden sein: Sie können dann über den Zähler mit Ihrem Netzbetreiber, dem Versorger oder einem anderen Energieunternehmen kommunizieren. Auch die Steuerung einzelner Anlagen in Ihrem Haus ist über das intelligente Messsystem möglich – beispielsweise Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen oder Photovoltaik-Anlagen.

Darüber hinaus unterscheiden sich beide Zählertypen im Preis, den Messstellenbetreiber bei einem Pflichteinbau eines Geräts erheben dürfen: Eine moderne Messeinrichtung darf 20 Euro im Jahr kosten (§ 32 MsbG). Für das intelligente Messsystem darf der Betreiber unterschiedlich hohe Entgelte berechnen – von 23 bis zu 200 Euro pro Jahr (§ 31 MsbG). Der grundzuständige Messstellenbetreiber darf dabei in vielen Fällen auch selbst festlegen, dass Sie ein intelligentes Messsystem erhalten, obwohl es das Gesetz nicht vorschreibt.

In der Regel bedeutet der Pflichteinbau der neuen Geräte, dass Ihre Kosten für den Messstellenbetrieb steigen. Wie stark, das hängt von Ihrem Stromverbrauch ab, ob Sie eine steuerbare Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung betreiben oder wie viel Leistung Ihre Photovoltaik-Anlage hat. Prüfen Sie über unseren Ratgeber Stromzähler, welcher Zählertyp bei Ihnen einzubauen ist oder eingebaut werden darf und welcher Höchstpreis entsprechend für Sie gilt. Denn davon hängt wiederum ab, ob sich der Wechsel zu einem anderen Messstellenbetreiber lohnt.

Wann kann sich ein Betreiberwechsel auszahlen und wann nicht?

Was Sie für den Messstellenbetrieb zahlen, können Sie Ihrer Stromrechnung entnehmen. Dort muss der Posten „Messstellenbetrieb“ oder „Messung/Betrieb“ aufgeführt sein. Es handelt sich um einen verbrauchsunabhängigen Wert, den Sie jährlich zahlen. Die Kosten für die vorwiegend installierten analogen Zähler unterscheiden sich bundesweit nicht stark. Das kann sich ändern, wenn die digitalen Geräte Einzug halten.

Die Pflicht zum Einbau der neuen Zähler liegt bei den sogenannten grundzuständigen Messstellenbetreibern. Das sind bislang ausschließlich die Stromnetzbetreiber in Deutschland. Auf ihren Internetseiten veröffentlichen sie die Preise, die sie für moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsystem nehmen. In der Regel halten sie sich dabei an die gesetzlichen Preisobergrenzen, wie sie weiter oben in der Tabelle zu finden sind. Finden Sie einen Messstellenbetreiber, der weniger verlangt, kann sich ein Wechsel zu diesem lohnen.

Für eine moderne Messeinrichtung ist es im Jahr 2018 allerdings schwierig, einen Anbieter zu finden, der weniger als 20 Euro im Jahr berechnet. Damit sich die Kosten für das Gerät und seinen Einbau amortisieren, sollte der Zähler mindestens sechs Jahre installiert sein. Die Eichfrist läuft dabei für elektronische Zähler bereits nach acht Jahren ab (Anlage 7 MessEV) – dann fallen beim Gerätetausch wieder Handwerkerkosten für den Messstellenbetreiber an.

Das bedeutet: Viel verdienen kann kein Messstellenbetreiber mit der einfachen Variante der neuen Stromzähler bislang. Deshalb halten sich die Unternehmen mit Angeboten für moderne Messeinrichtungen zurück.

Optionaler Einbau eines intelligenten Messsystems

Es gibt weitere Situationen, in denen Sie ein intelligentes Messsystem erhalten können: etwa wenn Sie mehr als 4.000 bis maximal 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr beziehen oder eine Erzeugungsanlage mit einer Leistung von mehr als einem bis sieben Kilowatt betreiben. Dann kann der grundzuständige Messstellenbetreiber entscheiden, dass Sie ein intelligentes Messsystem bekommen und nicht einfach nur eine moderne Messeinrichtung. Für die genannten Verbrauchergruppen darf er 60 Euro im Jahr berechnen.

Auch in einem solchen Fall kann sich der Wechsel des Messstellenbetreibers lohnen. Dazu müssen Sie aber wissen, was Ihr zuständiger Messstellenbetreiber plant. Mindestens drei Monate vor Einbau des neuen Zählers muss er Ihnen mitteilen, welche Kosten auf Sie zukommen und auch darauf hinweisen, dass Sie einen anderen Messstellenbetreiber wählen können. Erhalten Sie ein solches Schreiben, sollten Sie sofort prüfen, ob Sie einen günstigeren Anbieter finden.

Wie finden Sie einen neuen Messstellenbetreiber?

Um Unternehmen als Kunden werben Messstellenbetreiber eifrig. Aber es gibt nur wenige Anbieter, die sich auch um Haushalte kümmern. Wir haben daher eine Übersicht mit Unternehmen erstellt, an die Sie sich wenden können, wenn Sie zu einem neuen Messstellenbetreiber wechseln wollen.

Einen analogen Stromzähler installiert Ihnen dabei keines der Unternehmen mehr. Auch eine einfache moderne Messeinrichtung haben die Anbieter nicht im Portfolio. Sie bieten intelligente Zähler und intelligente Messsysteme an.

Da letztere noch nicht am Markt verfügbar sind, können Sie sich noch einen intelligenten Zähler einbauen lassen, auch wenn das Gesetz bei Ihnen ein intelligentes Messsystem vorsieht. Der Vorteil: Der intelligente Zähler ist deutlich günstiger als ein intelligentes Messsystem und genießt bis zu acht Jahre Bestandsschutz.

Wettbewerbliche Anbieter für intelligente Zähler
AnbieterEntgelt pro Jahreinmalige Kosten InstallationKundengruppe
Commetering¹60 Euro für den ersten Zähler, 35 Euro für den zweiten Zähler69 Euro für den ersten, 40 Euro für den zweiten ZählerBetreiber von Stromerzeugungsanlagen und von steuerbaren Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen
Discovergy60 Euro69 Euro²alle Stromverbraucher und Betreiber von Erzeugungsanlagen bis 100 kW
Fresh Energy³etwa 8 bis 17 Euro (Entgelt konventioneller Zähler je nach grundzuständigem Messstellenbetreiber)inklusiveprivate Stromverbraucher
Solandeonach VereinbarunginklusiveBetreiber von Stromerzeugungsanlagen&sup4;

¹ Bei Commetering handelt es sich nicht um einen Messstellenbetreiber, sondern die Firma organisiert den Messstellenbetrieb für Betreiber von Photovoltaik-Anlagen. Der Messstellenbetreiber ist dann die Firma Discovergy. Mit steigender Zahl gewonnener Kunden, können sich die Preise verringern.

² Die Einbaukosten verringern sich auf Null, wenn der Kunde am Programm "Einsparzähler" teilnimmt, welches vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird.

³ Der Einbau des intelligenten Zählers ist an den Abschluss eines Stromliefervertrags mit Fresh Energy gekoppelt. Fresh Energy selbst ist nicht der Messstellenbetreiber, sondern die Firma Discovergy. Der Stromtarif ist für alle Kunden gleich, unabhängig davon, ob Haushaltsstrom oder Heizstrom bezogen wird.

⁴ Solandeo bedient Betreiber von Photovoltaik-Anlagen, wenn sie sich als Unternehmer an die Firma wenden.

Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 19. Juli 2018). Die Firmen sind alphabetisch geordnet.

Wie läuft der Wechsel ab?

Der Wechsel des Messstellenbetreibers ist ähnlich dem Wechsel des Stromanbieters oder dem Wechsel des Gasanbieters. Es steht Ihnen frei, einen anderen Vertragspartner zu wählen (§ 5 MsbG). Der bisherige Messstellenbetreiber darf das nicht blockieren, sondern muss dem neuen Anbieter erforderliche Daten zur Verfügung stellen. Der Wechselprozess darf Sie nichts kosten.

Achtung: Das Recht, einen Messstellenbetreiber selbst zu wählen, steht Mietern nur bis Ende 2020 uneingeschränkt zu. Ab 2021 dürfen auch die Hauseigentümer einen Dienstleister bestimmen. In diesem Fall rüstet das Unternehmen alle Messstellen der Liegenschaft mit intelligenten Messsystemen aus. Ein Mieter darf dann nur noch ein Unternehmen selbst beauftragen, wenn der Hauseigentümer zustimmt.

Haben Sie einen anderen Anbieter gefunden, müssen Sie zunächst Ihren bisherigen Vertrag beenden. Diesen lösen Sie wieder, indem Sie dem Netzbetreiber Ihren beabsichtigten Wechsel schriftlich mitteilen. Dazu müssen Sie Ihre Anschrift, Ihre Zählernummer und den neuen Anbieter nennen sowie zu welchem Zeitpunkt der Wechsel erfolgen soll (§ 14 MsbG). Gängig ist bereits, dass Ihr gewählter Messstellenbetreiber diese Formalie für Sie erledigt – so wie das in der Strom- und Gasbranche üblich ist.

Ist der Wechsel vereinbart, teilt Ihnen der neue Messstellenbetreiber den Tag der Installation des neuen Zählers mit. Das ist zugleich auch der Tag, an dem der neue Messstellenvertrag anläuft. Zum vereinbarten Termin kommt ein Elektriker, baut den alten Zähler aus und den neuen Zähler ein. Das dauert zwischen 10 und 15 Minuten. Für diese Zeit muss der Elektriker die Stromversorgung unterbrechen. Den alten Zähler nimmt der Handwerker mit und übergibt ihn Ihrem alten Messstellenbetreiber.

Üblich ist im Vorfeld des Zählertauschs, dass der neue Messstellenbetreiber Sie nach einem Foto des Zählerschranks fragt. Dann erkennt er, wie er einen Zähler befestigen kann und wählt ein entsprechendes Modell aus. Entspricht Ihr Zählerschrank nicht dem Stand der Technik, kann der Installateur ihn auch umrüsten. Das geht aber mit zusätzlichen Kosten einher, die der Hauseigentümer zu zahlen hat – nicht der Stromnutzer. Wohnen Sie zur Miete und haben keinen Zugang zu Ihrem Stromzähler, sollten Sie im Vorfeld eines Wechsels klären, wer Ihnen den Zugang verschafft.

Was bedeutet ein neuer Zähler für Ihren Stromliefervertrag?

Ein moderner Stromzähler kostet in der Regel mehr als ein alter Ferraris-Zähler. Das schlägt sich auf Ihrer Stromrechnung nieder: Denn zumeist zahlen Sie das Messstellenentgelt über den Strompreis an Ihren Stromversorger, der dieses dann an den Messstellenbetreiber weiterreicht. Es ist auch möglich, dass der Messstellenbetreiber Ihnen sein Entgelt direkt in Rechnung stellt. Dies ist dann entsprechend im Vertrag festgeschrieben.

Wollen Sie nach dem Einbau eines neuen Zählers den Stromanbieter wechseln, müssen Sie Folgendes bedenken: In die Strompreise für Neukunden ist das höhere Entgelt für jedweden digitalen Zähler bislang noch nicht eingerechnet – weder, wenn Sie einen Tarif beim Versorger selbst abfragen noch in den Vergleichsportalen. Dass Sie selbst angeben können, welcher Zählertyp bei Ihnen hängt, ist bislang in keinem Vergleichsportal möglich. Auch im Vergleichsrechner von Finanztip sind nur die Messentgelte inbegriffen, die zu einem analogen Zähler mit einer Zählscheibe gehören.

Für digitale Stromzähler gilt eine kürzere Eichfrist als für analoge Geräte: Statt 16 Jahre darf ein modernes Gerät nur bis zu acht Jahre bei Ihnen hängen. Dann ersetzt es der Messstellenbetreiber durch ein frisch geeichtes. Wenn es so weit ist, schreibt er Sie an und nennt Ihnen einen Termin zum Austausch. Das kostet Sie nichts, aber Sie müssen natürlich zu Hause sein und den Elektriker hereinlassen.

Welche Rechte haben Sie bei Vertragsänderungen?

Sie haben gegenüber Ihrem Messstellenbetreiber dieselben Rechte, und das Unternehmen unterliegt denselben Pflichten wie dies zwischen Stromkunden und Stromversorgern der Fall ist. So muss Ihnen der Messstellenbetreiber eine Preiserhöhung vor Ablauf des Rechnungsjahres mitteilen und Sie auf Ihr Sonderkündigungsrecht hinweisen (§ 10 Abs. 1 MsbG i. V. m. § 41 Abs. 3 EnWG). Wollen Sie die Preiserhöhung oder eine andere Vertragsänderung nicht mittragen, können Sie den Vertrag kündigen, ohne die Kündigungsfrist einhalten zu müssen.

Bei grundzuständigen Messstellenbetreibern ist derzeit allerdings sehr unwahrscheinlich, dass sie die Preise für moderne Messeinrichtungen oder intelligente Messsysteme erhöhen – in der Regel verlangen die Unternehmen ohnehin die gesetzlich festgelegten Höchstpreise.

Wettbewerbliche Anbieter, die weniger nehmen, können dagegen die Preise erhöhen. Das ist aber ebenfalls wenig wahrscheinlich, da kein Unternehmen Kunden vor Ablauf der Eichfrist verlieren will. Denn die höchsten Kosten entstehen beim Messstellenbetrieb durch die Installation des Zählers.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

Finanztip-Redaktion

Schnell raus aus dem teuren Grundtarif

  • Verlassen Sie den teuren Grundtarif.
  • Der Wechsel des Stromanbieters ist sicher und am einfachsten mit unserem Vergleichsrechner.
  • Sie beziehen den gleichen Strom, nur günstiger.

» Zum Ratgeber

Unsere Empfehlung:

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.