Messstellenbetreiber wechseln

So beeinflusst Du Deine Kosten für moderne Stromzähler

Ines Rutschmann Stand: 11. August 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du Strom ins öffentliche Netz speist oder aus diesem entnimmst, besitzt Du auch einen Stromzähler. Für diesen hast Du einen Messstellenvertrag abgeschlossen.
  • Hast Du den Betreiber des Zählers nicht bewusst gewählt, ist der sogenannte grundzuständige Messstellenbetreiber Dein Vertragspartner. Das ist in der Regel Dein Netzbetreiber.
  • Du kannst einen anderen Zählerbetreiber wählen – weil er günstigere Preise oder einen Zähler mit mehr Funktionen anbietet. 
  • Aus finanziellen Gründen lohnt sich ein Wechsel eher nicht, es sei denn, Du verbrauchst mehr als 10.000 Kilowattstunden Strom oder speist Strom ins Netz.
So gehst Du vor
  • Wenn Du mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbrauchst, erhältst Du ab 2020 ein intelligentes Messsystem.
  • Der Betreiber darf dafür 100 Euro oder mehr im Jahr berechnen. Ist Dir das zu viel, kann sich der Wechsel des Messstellenbetreibers lohnen.
  • Auch für steuerbare Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen und für Photovoltaik-Anlagen mit mehr als 7 Kilowatt Leistung ist ein intelligentes Messsystem festgeschrieben. Der Pflicht-Einbau hat aber noch nicht begonnen.
  • So lange können sich noch einen intelligenten Zähler einbauen lassen. Er ist günstiger und hat dann bis zu acht Jahre Bestandsschutz.
  • Es gibt eine Handvoll wettbewerblicher Messstellenbetreiber, zu denen Du wechseln kannst. Dem bisherigen Anbieter kündigst Du schriftlich oder der neue Betreiber übernimmt das für Dich.

Er hängt in jedem Gebäude und zählt die Kilowattstunden, die aus dem Stromnetz ins Haus oder auch vom Haus ins Stromnetz fließen: der Stromzähler. Wem er gehört, was er kostet und wer für ihn zahlt, wissen viele Nutzer aber nicht. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert. Denn Stromzähler können heute mehr als Kilowattstunden zählen. Welches Gerät bei Dir installiert ist, kannst Du selbst bestimmen – und damit auch, was Du für den Zähler zahlst.

Was ist ein Messstellenbetreiber?

Der Stromzähler gehört stets dem sogenannten Messstellenbetreiber. Das ist das Unternehmen, das den Zähler eingebaut hat und ihn betreibt. Dazu zählt das Ablesen des Zählers und die Übermittlung der Daten an Stromlieferant und Netzbetreiber. In manchen Fällen schätzen die Messstellenbetreiber den Zählerstand auch nur. Daher ist es immer besser, wenn Du selbst Deinen Stromzähler abliest und den Wert dem Unternehmen meldest.

Seit Ende 2008 ist es möglich, dass Du Deinen Messstellenbetreiber selbst wählst. Zuvor erledigte automatisch der Netzbetreiber die Aufgaben, die mit dem Stromzähler-Betrieb verbunden sind. Hast Du kein anderes Unternehmen mit dem Betrieb beauftragt, kümmert sich weiterhin Dein Netzbetreiber um den Stromzähler. Denn die Netzbetreiber übernehmen bislang die Funktion der grundzuständigen Messstellenbetreiber: Diesen fällt die Aufgabe des Betriebs aller Stromzähler in einem bestimmten Netzgebiet in Deutschland zu.

Was Du für den Zähler jedes Jahr zahlst, ist in Deiner Stromrechnung aufgeführt. Je nach Netzbetreiber belaufen sich die Kosten für einen einfachen analogen Zähler zumeist auf 8 bis 17 Euro im Jahr, unabhängig vom Verbrauch. Für einen Zweitarifzähler, also ein Gerät mit zwei Zählscheiben, wie das für den Bezug von Heizstrom für Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung üblich ist, kannst Du auch locker mehr als 20 Euro im Jahr zahlen.

Über das Entgelt finanziert der Messstellenbetreiber die Anschaffungskosten für den Zähler, dessen Installation und Betrieb. Der Ausbau des alten Geräts zum Ende der Eichfrist oder weil Du den Betreiber wechselst, wird über das Messstellenentgelt für das neue Gerät abgegolten.

Beschäftigst Du Dich nicht mit dem Thema, kann es passieren, dass der Netzbetreiber einen neuen digitalen Zähler für Dich auswählt und bei Dir einbaut. Die Kosten dafür trägst Du.

Welche Stromzähler gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Rund 51 Millionen Stromzähler sind nach Angaben der Bundesnetzagentur in Deutschland in Haushalten und Gewerbetrieben installiert. Bei den meisten davon – nämlich rund 40 Millionen – handelt es sich um sogenannte Ferraris-Zähler. Die Zählscheibe in diesen dreht sich, wenn Strom aus dem Netz fließt. Wie viel Strom Du an einem Tag verbraucht hast, erfährst Du nur, wenn Du den Zähler zwei Tage infolge abliest. Willst Du wissen, wie sich ein bestimmtes Elektrogerät auf Deinen Verbrauch auswirkt, müsstest Du den Zähler beobachten, wenn dieses Gerät läuft.

Das geht auch einfacher: mit digitalen Zählern. Du zählst nicht einfach fortlaufend den Stromverbrauch, sondern zeichnest ihn über den Tag auf. Die Informationen lassen sich auch noch Wochen später abrufen – für jeden Tag einzeln. Du kannst daran ablesen, an welchen Tagen und Wochen Du besonders viel oder auch wenig Strom verbrauchst und auf die entsprechenden Stromfresser in Deinem Haushalt schließen.

Zeichnet der Zähler den Verbrauch für jede Viertelstunde eines Tages auf und lässt sich aus der Ferne auslesen, handelt es sich um einen intelligenten Zähler. Bei Finanztip ist ein solcher Smart Meter im August 2017 eingezogen.  

Seit rund zehn Jahren bieten Hersteller digitale und intelligente Stromzähler an. In rund elf Millionen Haushalten und Gewerbetrieben gibt es sie bislang. Entweder haben sich die Nutzer – wie Finanztip – freiwillig für sie entschieden. Oder es gab eine Einbaupflicht für ein modernes Gerät.

Intelligente Geräte schlüsseln nicht nur den Verbrauch genau auf. Sie öffnen auch das Tor zu variablen Tarifen. Das sind solche, bei denen sich der Strompreis innerhalb eines Tages ändern kann. Er kann beispielsweise fallen, wenn gerade geringe Stromnachfrage herrscht und bei hoher Nachfrage steigen. Oder der Strompreis ist in einem variablen Tarif in bestimmten Stunden niedriger als während des Rest des Tages. Befristet hatten Unternehmen wie Yello schon variable Stromtarife für Haushalte angeboten. Neukunden können in diese aber nicht mehr einsteigen. Seit Anfang 2019 gibt es neue variable Tarife, die Verbraucher abschließen können.

Wie kommt ein Messstellenvertrag zustande und was enthält er?

Stromnutzer besitzen nicht nur einen Vertrag mit ihrem Stromversorger, sondern auch mit Deinem Netzbetreiber. Auch wenn es Dir nicht bewusst ist: Als Du in Deiner Wohnung erstmals Strom aus dem öffentlichen Netz entnommen hast, kam ein Netznutzungsvertrag zustande. Dieser regelt auch den Messstellenbetrieb, wenn ein konventioneller analoger Stromzähler bei Dir installiert ist. Den Vertrag für Netznutzung und Messstellenbetrieb hat dann zumeist Dein Stromversorger mit Deinem Netzbetreiber geschlossen. Der Netzbetreiber ist zugleich Dein grundzuständiger Messstellenbetreiber.

Besitzt Du bereit einen digitalen Stromzähler – egal ob einen einfachen elektronischen oder einen intelligenten –, bist Du einen separaten Messstellenvertrag eingegangen (§ 9 Abs. 3 MsbG). Dieser ist zustande gekommen, als Du den neuen Stromzähler eingebaut bekamst oder als Du in Deiner Wohnung erstmals Strom nutztest. Dein Messstellenbetreiber ist das Unternehmen, das den Zähler eingebaut hat. Hast Du dieses nicht selbst gewählt, ist es der grundzuständige Messstellenbetreiber und damit der Netzbetreiber.

Was der Messstellenbetreiber für den Zähler in Rechnung stellt, kannst Du auf Deiner Stromrechnung von Deinem Stromversorger nachlesen oder auf der Internetseite des Netzbetreibers. Die Entgelte für analoge Zähler führen die Unternehmen bei den Netznutzungsentgelten auf. Jene für die gesetzlich vorgeschriebenen digitalen Zähler finden sich in separaten Dokumenten, zumeist unter den Begriffen „Preisblatt mMe und iMS“.

Wo steht die Kündigungsfrist?

Deine Kündigungsfrist richtet sich danach, wie der Messstellenbetrieb vertraglich geregelt ist. Bei konventionellen Zählern kann die Kündigungsfrist im Vertrag mit Deinem Stromversorger stehen. Wenn dort nichts geregelt sein sollte, lass Dich nicht verunsichern: Am einfachsten ist es dann, die Kündigung beim alten Betreiber dem neuen Anbieter zu überlassen.

Hast Du selbst einen Vertrag zur Netznutzung mit dem Netzbetreiber geschlossen, ist dort auch der Betrieb konventioneller Stromzähler geregelt. Die Kündigungsfrist beträgt dann in der Regel einen Monat. Das hat die Bundesnetzagentur über einen Rahmenliefervertrag festgelegt.

Hat Dir Dein grundzuständiger Messstellenbetreiber bereits einen modernen Zähler eingebaut, ist die Kündigungsfrist im Messstellenvertrag festgelegt. Sollte Dir dieser nicht vorliegen, findest Du den Rahmenvertrag auch im Internet: Diesen muss jeder grundzuständige Messstellenbetreiber auf seiner Seite veröffentlichen und Verträge nach den dort aufgeführten Bedingungen abschließen.

Grundsätzlich muss jeder Messstellenvertrag die Laufzeit, die Kündigungsfristen und die Entgelte enthalten. Dabei darf die Laufzeit für einen Vertrag höchstens zwei Jahre betragen und die Kündigungsfrist höchstens drei Monate. Vor Vertragsschluss musst Du die Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten zu wählen. Aber: Diese Fristen gelten nicht, wenn Du Dich als Unternehmer an einen Messstellenbetreiber wendest und Dir beispielsweise einen neuen Einspeisezähler für Deine Photovoltaik-Anlage setzen lässt.

Es gibt eine dritte Möglichkeit, wie die Details des Betriebs eines modernen Zählers bei Dir geregelt sind: War der Einbau eines intelligenten Zählers mit dem Abschluss eines bestimmten Stromtarifs verknüpft, kann auch der Stromliefervertrag die Details zum Messstellenbetrieb regeln.

Was kosten neue Stromzähler und wer baut sie ein?

Seit 2010 muss in Neubauten oder nach größeren Renovierungen ein elektronischer Zähler eingebaut werden. Diese Pflicht hat der Gesetzgeber 2017 ausgedehnt – bis 2032 sollen fast überall in Deutschland nur noch elektronische Zähler installiert sein. Das ist im Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) festgelegt. Es regelt auch, wer für den Austausch der alten Stromzähler verantwortlich ist und was das kosten darf.

Preisobergrenzen für den Pflichteinbau neuer Stromzähler

Kundengruppejährliche Preisobergrenze
Stromverbrauch
≤ 6.000 kWh/Jahr
20 Euro
Stromverbrauch
> 6.000 ≤ 10.000 kWh/Jahr
100 Euro
Stromverbrauch
> 10.000 ≤ 20.000 kWh/Jahr
130 Euro
Betreiber einer
Erzeugungsanlage ≤ 7 kW
20 Euro
Betreiber einer
Erzeugungsanlage > 7 ≤ 15 kW
100 Euro
Betreiber einer
Erzeugungsanlage > 15 ≤ 30 kW
130 Euro
Betreiber einer steuerbaren
Wärmepumpe / Nachtspeicherheizung
100 Euro

Es gibt weitere Kundengruppen, die hier nicht aufgeführt sind. Darüber hinaus gibt es Preisobergrenzen für neue Messgeräte, deren Einbau dem grundzuständigen Messstellenbetreiber freigestellt ist. Eine Übersicht zu den Preisen bei der optionalen Ausstattung gibt es hier.
Quelle: §31 und §32 MsbG (Stand: 2019)

Notwendig ist der Austausch der Stromzähler im Zuge der Energiewende, begründet der Gesetzgeber die Vorschriften: Wenn die Stromversorgung immer stärker auf Sonnen- und Windstrom aufbaut, muss das gesamte Versorgungssystem flexibler und müssen die tatsächlichen Stromverbräuche von allen Stromnutzern bekannt sein.

Den aktuellen Verbrauch kennen Netzbetreiber nur von größeren Unternehmen, die entweder viel Strom über das Netz beziehen oder viel Strom ins Netz abgeben. Für Haushalte und Gewerbebetriebe nutzen sie dagegen Standardwerte, um Ein- und Ausspeisung von Strom im Lot zu halten.

Erst für die Stromabrechnung ermittelt der Netzbetreiber, was Du genau verbraucht hast. Betreibst Du eine kleine Photovoltaik-Anlage oder ein Blockheizkraftwerk und speist Strom ins Netz, sieht es genauso aus: Einmal im Jahr verlangt der Netzbetreiber nach dem Wert, den Dein Einspeisezähler anzeigt, um die Vergütung nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) berechnen zu können.

Mit einem elektronischen Zähler, der jede Viertelstunde den Strombezug aber auch die Stromeinspeisung anzeigt, können die Netzbetreiber schneller Engpässe oder Überkapazitäten vorhersehen und darauf reagieren.

Was bedeuten die digitalen Zähler für Dich?

Zwei Typen von Stromzählern sieht das MsbG als Ersatz für die analogen Zähler vor: moderne Messeinrichtungen (mMe) und intelligente Messsysteme (iMS).

Gemeinsam haben beide Zählertypen, dass sie den Stromverbrauch digital erfassen, mindestens für jeden Tag einzeln aufschlüsseln und die Daten mindestens zwei Jahre lang speichern. Das intelligente Messsystem zeichnet aber den Stromverbrauch sogar für jede einzelne Viertelstunde eines Tages auf und lässt sich aus der Ferne auslesen. Es muss darüber hinaus in eine sogenannte Kommunikationsstruktur eingebunden sein: Du kannst dann über den Zähler mit Deinem Netzbetreiber, dem Versorger oder einem anderen Energieunternehmen kommunizieren. Auch die Steuerung einzelner Anlagen in Deinem Haus ist über das intelligente Messsystem möglich – beispielsweise Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen oder Photovoltaik-Anlagen. Die Kosten der Steuerbox sind nicht über das Messstellentgelt abgedeckt. Preisobergrenzen gibt es für die Steuerbox nicht. 

Darüber hinaus unterscheiden sich beide Zählertypen im Preis, den Messstellenbetreiber bei einem Pflichteinbau eines Geräts erheben dürfen: Eine moderne Messeinrichtung darf 20 Euro im Jahr kosten (§ 32 MsbG). Für das intelligente Messsystem darf der Betreiber unterschiedlich hohe Entgelte berechnen – von 23 bis zu 200 Euro pro Jahr (§ 31 MsbG). Der grundzuständige Messstellenbetreiber darf dabei in vielen Fällen auch selbst entscheiden, dass Du ein intelligentes Messsystem erhältst. Wann solch ein optionaler Einbau möglich ist, erfährst Du in unserem Ratgeber Stromzähler.

Moderne Messeinrichtungen installieren die Betreiber seit 2017. Rund 2,5 Millionen Geräte sind bislang eingebaut. Der Startschuss zum Pflichteinbau von intelligenten Messsystemen ist Anfang Februar 2020 gefallen. Verbrauchst Du mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr, kann Dir nun jederzeit der Einbau des Geräts angekündigt werden.

Dagegen erhalten Betreiber von Erzeugungsanlagen auf Basis erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplung und Betreiber von steuerbarenWärmepumpen und Nachtspeicherheizungen die neuen Stromzähler noch nicht. Zuerst will die Politik noch Gesetze ändern und beschließen. So ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Steuerung von Anlagen zwischen mehr als 7 und 30 Kilowatt Leistung nicht zwingend vorgeschrieben; im Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) gibt es zur Steuerbarkeit der Anlagen gar keine Vorschrift. Die finanziellen Anreize für Betreiber zur Steuerung ihrer Wärmepumpen und Speicherheizungen durch den Netzbetreiber sind bislang nicht geregelt. Bis 30. Oktober 2020 soll der Pflichteinbau auch bei Erzeugungsanlagen und steuerbaren Verbrauchsgeräten voraussichtlich aber greifen

Du kannst Dir auch auf eigenen Wunsch ein intelligentes Messsystem von Deinem Messstellenbetreiber installieren lassen, beispielsweise um den Einbau zu beschleunigen oder um das Gerät zu nutzen, auch wenn Du nicht zu Gruppen gehörst, die es von oben verordnet bekommen. Umgedreht ist es schon passiert, dass Verbrauchern eine moderne Messeinrichtung eingebaut wurde, obwohl sie ein intelligentes Messsystem bekommen sollten - weil wenn die Eichfrist für Deinen bisherigen Zähler abgelaufen ist, aber der Pflichteinbau der teureren Geräte noch nicht festgeschrieben war.

In der Regel bedeutet der Pflichteinbau der neuen Geräte, dass Deine Kosten für den Messstellenbetrieb steigen.

Wann kann sich ein Betreiberwechsel auszahlen und wann nicht?

Was Du für den Messstellenbetrieb zahlst, kannst Du Deiner Stromrechnung entnehmen. Dort muss der Posten „Messstellenbetrieb“ oder „Messung/Betrieb“ aufgeführt sein. Es handelt sich um einen verbrauchsunabhängigen Wert, den Du jährlich zahlst. Die Kosten für die vorwiegend installierten analogen Zähler unterscheiden sich bundesweit nicht stark. Das kann sich ändern, wenn die digitalen Geräte Einzug halten.

Die Pflicht zum Einbau der neuen Zähler liegt bei den sogenannten grundzuständigen Messstellenbetreibern. Das sind bislang ausschließlich die Stromnetzbetreiber in Deutschland. Manche beauftragen allerdings Dritte, die Dienstleistung auszuführen. 

Auf ihren Internetseiten veröffentlichen die Messstellenbetreiber die Preise, die sie für moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsystem nehmen. In der Regel halten sie sich dabei an die gesetzlichen Preisobergrenzen, wie sie weiter oben in der Tabelle zu finden sind. Findest Du einen Messstellenbetreiber, der weniger verlangt, kann sich ein Wechsel zu diesem lohnen.

Für eine moderne Messeinrichtung ist es schwierig, einen Anbieter zu finden, der weniger als 20 Euro im Jahr berechnet. Damit sich die Kosten für das Gerät und seinen Einbau amortisieren, sollte der Zähler mindestens sechs Jahre installiert sein. Die Eichfrist läuft dabei für elektronische Zähler bereits nach acht Jahren ab (Anlage 7 MessEV) – dann fallen beim Gerätetausch wieder Handwerkerkosten für den Messstellenbetreiber an.

Das bedeutet: Viel verdienen kann kein Messstellenbetreiber mit der einfachen Variante der neuen Stromzähler bislang. Deshalb halten sich die Unternehmen mit Angeboten für moderne Messeinrichtungen zurück.

Wechsel des Messstellenbetreibers bei intelligenten Messsystemen

Lohnen kann sich der Wechsel des Messstellenbetreibers, wenn Du ein intelligentes Messsystem eingebaut bekommen musst. Mindestens drei Monate vor Einbau des neuen Zählers muss Dir der grundzuständige Messstellenbetreiber mitteilen, wann er den Zähler installieren will, was er kostet und Dich darauf hinweisen, dass Du einen anderen Messstellenbetreiber wählen kannst. Erhältst Du ein solches Schreiben, solltest Du sofort prüfen, ob Du einen günstigeren Anbieter findest.

Das ist Anfang 2020 noch schwierig: Die Preise der wettbewerblichen Anbieter unterscheiden sich nur geringfügig von denen der grundzuständigen Messstellenbetreiber. Aber: Der Wettbewerb um Kunden beginnt gerade erst. Die Branche erwartet, dass die Kosten für die Geräte sinken und davon Verbraucher profitieren können.

Anders sieht es aus, wenn eine steuerbare Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung betreiben oder wenn Deine Photovoltaik-Anlage oder Dein Blockheizkraftwerk mehr als sieben Kilowatt Leistung haben. Gehörst Du zu einer dieser Gruppen, dann kann sich der Wechsel des Messstellenbetreibers lohnen: Da der Pflicht-Rollout der teuren Zähler für Dich noch nicht begonnen hat, kannst Du den Einbau des intelligenten Messsystems aufschieben – um bis zu acht Jahre. Das Zeitfenster ist nicht groß - sobald das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Startschuss für den Pflichteinbau gibt, schließt es sich. Spätestens Ende Oktober 2020 soll es so weit sein.

Optionaler Einbau eines intelligenten Messsystems

Es gibt weitere Situationen, in denen Du ein intelligentes Messsystem erhalten kannst: etwa wenn Du mehr als 4.000 bis maximal 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr beziehst oder eine Erzeugungsanlage mit einer Leistung von mehr als einem bis sieben Kilowatt betreibst. Dann kann der grundzuständige Messstellenbetreiber entscheiden, dass Du ein intelligentes Messsystem bekommst und nicht einfach nur eine moderne Messeinrichtung. Für die genannten Verbrauchergruppen darf er 60 Euro im Jahr berechnen.

Wie findest Du einen neuen Messstellenbetreiber?

Um Unternehmen als Kunden werben Messstellenbetreiber eifrig. Aber es gibt nur wenige Anbieter, die sich auch um Haushalte kümmern. Wir haben daher eine Übersicht mit Unternehmen erstellt, an die Du Dich wenden kannst, wenn Du zu einem neuen Messstellenbetreiber wechseln willst.

Einen analogen Stromzähler installiert Dir dabei keines der Unternehmen mehr. Auch eine einfache moderne Messeinrichtung haben die Anbieter nicht im Portfolio. Sie bieten intelligente Zähler und intelligente Messsysteme an.

Wettbewerbliche Anbieter für intelligente Zähler

AnbieterEntgelt
pro Jahr

einmalige Kosten

Installation

Kundengruppe
Commetering119 Euro bei Bafa-Förderung;
199 Euro für den 1. Zähler ohne Bafa-Förderung;
79 Euro für den 2. Zähler ohne Bafa-Förderung
84 Euro für den ersten, 49 Euro für jeden weiteren ZählerBetreiber von Stromerzeugungsanlagen und von steuerbaren Wärmepumpen und Nachtspeicherheizungen
Discovergy200 Euroinklusive2Betreiber von PV-Anlagen und Blockheizkraftwerken
Discovergy100 Euroinklusive2Strombezieher ab 1.500 Kilowattstunden pro Jahr
Solandeonach VereinbarunginklusiveBetreiber von Stromerzeugungs-anlagen4

1Bei Commetering handelt es sich nicht um einen Messstellenbetreiber, sondern die Firma organisiert den Messstellenbetrieb für Betreiber von Photovoltaik-Anlagen. Der Messstellenbetreiber ist die Firma Discovergy. Mit steigender Zahl gewonnener Kunden, können sich die Preise verringern. Wer im Vorjahr zwischen 1.500 und 100.000 Kilowattstunden Strom verbrauchte, kann am Förderprogramm "Einsparzähler" teilnehmen - dann liegen die Installationskosten pro Zähler bei 19 Euro.
2Die Einbaukosten betragen Null, wenn der Kunde am Programm "Einsparzähler" teilnimmt, welches vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. 
3Solandeo bedient Betreiber von Photovoltaik-Anlagen, wenn sie sich als Unternehmer an die Firma wenden.
Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 11. August 2020). Die Firmen sind nach ihrem Namen alphabetisch geordnet.

Wettbewerbliche Anbieter für intelligente Messsysteme

AnbieterEntgelt pro JahrKundengruppe
Discovergy99,96 EuroHaushalte und Gewerbe

Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 11. August 2020)

Wie läuft der Wechsel ab?

Der Wechsel des Messstellenbetreibers ist ähnlich dem Wechsel des Stromanbieters oder dem Wechsel des Gasanbieters. Es steht Dir frei, einen anderen Vertragspartner zu wählen (§ 5 MsbG). Der bisherige Messstellenbetreiber darf das nicht blockieren, sondern muss dem neuen Anbieter erforderliche Daten zur Verfügung stellen. Der Wechselprozess darf Dich nichts kosten.

Achtung: Das Recht, einen Messstellenbetreiber selbst zu wählen, steht Mietern nur bis Ende 2020 uneingeschränkt zu. Ab 2021 dürfen auch die Hauseigentümer einen Dienstleister bestimmen. In diesem Fall rüstet das Unternehmen alle Messstellen der Liegenschaft mit intelligenten Messsystemen aus. Ein Mieter darf dann nur noch ein Unternehmen selbst beauftragen, wenn der Hauseigentümer zustimmt.

Hast Du einen anderen Anbieter gefunden, musst Du zunächst Deinen bisherigen Vertrag beenden. Diesen löst Du wieder, indem Du dem Netzbetreiber Deinen beabsichtigten Wechsel schriftlich mitteilst. Dazu musst Du Deine Anschrift, Deine Zählernummer und den neuen Anbieter nennen sowie zu welchem Zeitpunkt der Wechsel erfolgen soll (§ 14 MsbG). Gängig ist bereits, dass Dein gewählter Messstellenbetreiber diese Formalie für Dich erledigt – so wie das in der Strom- und Gasbranche üblich ist.

Ist der Wechsel vereinbart, teilt Dir der neue Messstellenbetreiber den Tag der Installation des neuen Zählers mit. Das ist zugleich auch der Tag, an dem der neue Messstellenvertrag anläuft. Zum vereinbarten Termin kommt ein Elektriker, baut den alten Zähler aus und den neuen Zähler ein. Das dauert zwischen 10 und 15 Minuten. Für diese Zeit muss der Elektriker die Stromversorgung unterbrechen. Den alten Zähler nimmt der Handwerker mit und übergibt ihn Deinem alten Messstellenbetreiber.

Üblich ist im Vorfeld des Zählertauschs, dass der neue Messstellenbetreiber Dich nach einem Foto des Zählerschranks fragt. Dann erkennt er, wie er einen Zähler befestigen kann und wählt ein entsprechendes Modell aus. Entspricht Dein Zählerschrank nicht dem Stand der Technik, kann der Installateur ihn auch umrüsten. Das geht aber mit zusätzlichen Kosten einher, die der Hauseigentümer zu zahlen hat – nicht der Stromnutzer. Wohnst Du zur Miete und hast keinen Zugang zu Deinem Stromzähler, solltest Du im Vorfeld eines Wechsels klären, wer Dir den Zugang verschafft.

Was bedeutet ein neuer Zähler für Deinen Stromliefervertrag?

Ein moderner Stromzähler kostet in der Regel mehr als ein alter Ferraris-Zähler. Das schlägt sich auf Deiner Stromrechnung nieder: Denn zumeist zahlst Du das Messstellenentgelt über den Strompreis an Deinen Stromversorger, der dieses dann an den Messstellenbetreiber weiterreicht. Es ist auch möglich, dass der Messstellenbetreiber Dir sein Entgelt direkt in Rechnung stellt – weil er das so möchte oder weil Dein Stromversorger das Entgelt nicht mehr kassieren und an ihn weiterreichen will. Dies ist dann im Vertrag mit dem Messstellenbetreiber festgeschrieben.

Hast Du vor dem Zählertausch das Entgelt für den Stromzähler an Deinen Versorger gezahlt und sollst es nach dem Zählertausch plötzlich an den Messstellenbetreiber zahlen, musst Du achtsam sein: Die im Stromtarif versteckten Kosten für den Zähler sollte Dir der Versorger über die Jahresrechnung zurückerstattenoder gleich den Strompreis um das Messstellenentgelt verringern. Informiert Dein Versorger Dich nicht von selbst, dann solltest Du nachhaken.

Willst Du nach dem Einbau eines neuen Zählers den Stromanbieter wechseln, musst Du Folgendes bedenken: In die Strompreise für Neukunden ist das höhere Entgelt für jedweden digitalen Zähler bislang noch nicht eingerechnet – weder, wenn Du einen Tarif beim Versorger selbst abfragst noch in den Vergleichsportalen. Dass Du selbst angeben kannst, welcher Zählertyp bei Dir hängt, ist bislang in keinem Vergleichsportal möglich. Auch im Vergleichsrechner von Finanztip sind nur die Messentgelte inbegriffen, die zu einem analogen Zähler mit einer Zählscheibe gehören. Frage den neu gewählten Versorger daher am besten direkt, wie er mit dem Messstellenentgelt für einen modernen Zähler umgeht: Er kann Dich das Entgelt selbst an den Messstellenbetreiber zahlen lassen, sollte dann die Kosten für den Messstellenbetrieb aus dem Strompreis herausrechnen. Oder er kassiert das Entgelt über den Strompreis von Dir und reicht es weiter.

Für digitale Stromzähler gilt eine kürzere Eichfrist als für analoge Geräte: Statt 16 Jahre darf ein modernes Gerät nur bis zu acht Jahre bei Dir hängen. Dann ersetzt es der Messstellenbetreiber durch ein frisch geeichtes. Wenn es so weit ist, schreibt er Dich an und nennt Dir einen Termin zum Austausch. Das kostet Dich nichts, aber Du musst natürlich zu Hause sein und den Elektriker hereinlassen.

Läuft die Eichfrist für einen Zähler ab, kann das bedeuten, dass Dir der grundzuständige Messstellenbetreiber eine moderne Messeinrichtung einbauen will – obwohl Du ein intelligentes Messsystem erhalten solltest. So lange aber noch keine drei Geräte unterschiedlicher Hersteller zertifiziert sind, darf Dich das Unternehmen mit einem intelligenten System nicht zwangsbeglücken. Eine moderne Messeinrichtung lässt sich zu einem späteren Zeitpunkt zum intelligenten Messsystem hochrüsten, indem ein Smart Meter Gateway hinzugefügt wird.

Welche Rechte hast Du bei Vertragsänderungen?

Du hast gegenüber Deinem Messstellenbetreiber dieselben Rechte, und das Unternehmen unterliegt denselben Pflichten wie dies zwischen Stromkunden und Stromversorgern der Fall ist. So muss Dir der Messstellenbetreiber eine Preiserhöhung vor Ablauf des Rechnungsjahres mitteilen und Dich auf Dein Sonderkündigungsrecht hinweisen (§ 10 Abs. 1 MsbG i. V. m. § 41 Abs. 3 EnWG). Willst Du die Preiserhöhung oder eine andere Vertragsänderung nicht mittragen, kannst Du den Vertrag kündigen, ohne die Kündigungsfrist einhalten zu müssen.

Bei grundzuständigen Messstellenbetreibern ist derzeit allerdings sehr unwahrscheinlich, dass sie die Preise für moderne Messeinrichtungen oder intelligente Messsysteme erhöhen – in der Regel verlangen die Unternehmen ohnehin die gesetzlich festgelegten Höchstpreise.

Wettbewerbliche Anbieter, die weniger nehmen, können dagegen die Preise erhöhen. Das ist aber ebenfalls wenig wahrscheinlich, da kein Unternehmen Kunden vor Ablauf der Eichfrist verlieren will. Denn die höchsten Kosten entstehen beim Messstellenbetrieb durch die Installation des Zählers.

Mehr dazu im Ratgeber Stromanbieterwechsel

  • Den Stromanbieter zu wechseln, zahlt sich häufig aus.
  • Wie Sie vorgehen sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Zum Ratgeber

Autor
Ines Rutschmann

Stand: 11. August 2020


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