Auskunfteien & Bonitätsinformationen

Wie Schufa und Co. mit unseren Daten handeln

Josefine Lietzau
& Co-Autor
Stand: 04. Juni 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Auskunfteien sammeln und speichern eine Reihe von Daten mit dem Ziel, vorherzusagen, ob Kunden ihre Rechnungen zahlen werden.
  • Die bekannteste Auskunftei ist die Schufa. Daneben gibt es drei weitere große Auskunfteien: Crif  Bürgel, Creditreform Boniversum und Infoscore Consumer Data.
  • Diese Unternehmen speichern persönliche Daten wie Name und Alter, aber auch Informationen zu Zahlungsverhalten und Verträgen von Verbrauchern.
  • Aus den Daten errechnen die Auskunfteien einen sogenannten Score, der helfen soll, die Zahlungsmoral eines Kunden einzuschätzen. Diesen Score dürfen Unternehmen in verschiedenen Situationen abfragen, etwa bevor sie einem Kauf auf Rechnung zustimmen.
So gehen Sie vor
  • Fordern Sie mindestens einmal im Jahr von allen Auskunfteien eine kostenlose Selbstauskunft an und prüfen Sie, ob alle Daten korrekt sind.
  • Lassen Sie Fehler unbedingt korrigieren. Sonst kann es für Sie schwierig werden, einen günstigen Kredit zu bekommen oder auf Rechnung zu bestellen.
  • Die kostenlose Selbstauskunft, auch Datenkopie genannt, fordern Sie postalisch an oder über die Websites der Auskunfteien.

Beim Online-Shopping wird Ihnen immer der Kauf auf Rechnung verweigert? Sie bekommen keine günstigen Konditionen für einen Kredit oder eine Baufinanzierung? Das kann an einem negativen Eintrag bei der Schufa liegen. Muss es aber nicht. Denn neben der Schufa gibt es noch weitere Firmen, die Daten über das Zahlungsverhalten von Privatpersonen sammeln, die sogenannten Auskunfteien. Die drei größten nach der Schufa sind Crif Bürgel, Creditreform Boniversum und Infoscore Consumer Data.

Was ist der Score?

Auskunfteien handeln mit Daten. Ihren Kunden verkaufen sie allerdings nicht einfach die zusammengetragenen Datensätze, sondern berechnen sogenannte Score-Werte. Diese drücken aus, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Mensch nach Einschätzung der Auskunftei seine Rechnungen bezahlen wird.

Dabei bewerten sie die betreffende Person nicht individuell, sondern ordnen sie mit statistischen Verfahren einer Vergleichsgruppe mit ähnlichen Merkmalen zu. Die Zahlungsmoral, die diese Vergleichsgruppe in der Vergangenheit gezeigt hat, wird dann auch für die jeweilige Person angenommen. Wie die Unternehmen im Detail beim Scoring vorgehen, müssen sie allerdings nicht offenlegen, denn das gilt nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs als Geschäftsgeheimnis (BGH, Urteil vom 28. Januar 2014, Az. VI ZR 156/13).

Wie viele Menschen sind erfasst?

Man kann davon ausgehen, dass fast alle erwachsenen Bundesbürger inzwischen von irgendeiner Auskunftei erfasst sind. Vor allem Crif Bürgel und eben die Schufa haben inzwischen umfassende Datenmengen gesammelt. Ein Überblick: 

Schufa - Der Marktführer aus Wiesbaden arbeitet derzeit mit Daten von etwa 66 Millionen Menschen.

Crif Bürgel - Das Unternehmen erfasst Einträge von ungefähr 56 Millionen Personen.

Infoscore Consumer Data - Das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Unternehmen hat über 40 Millionen Datenpunkte von rund 8 Millionen Menschen gespeichert.

Creditreform Boniversum - Das Unternehmen hat einen Datenbestand von knapp 120 Millionen personenbezogenen Information sowie 90 Millionen Zahlungsinformationen.

Welche Daten sammeln die Firmen?

Alle Auskunfteien sammeln persönliche Daten wie Name, Alter, Geschlecht sowie die aktuelle und frühere Adressen. So können sie Verbraucher nicht nur identifizieren, sondern auch Rückschlüsse über deren Wohnumfeld ziehen und darüber, wie lange sie an einem Ort gewohnt haben. Informationen über Familienstand, Arbeitgeber, Einkommen, Sparguthaben und Wertpapierdepots dürfen hingegen nicht gespeichert werden.

Die wichtigste Grundlage für die Bonitätsprüfungen der Auskunfteien sind jedoch Angaben zu schlechtem Zahlungsverhalten von Verbrauchern. Das können Daten aus Mahn- und Inkassoverfahren sein, aber auch öffentlich verfügbare Informationen über Insolvenzen, eidesstattliche Versicherungen und Haftanordnungen.

Auskunfteien errechnen auch dann einen Score, wenn keine Daten zum Zahlungsverhalten der betreffenden Person vorliegen. In Ermangelung aussagekräftigerer Daten nutzen sie dann Informationen wie Alter und Geschlecht, die Häufigkeit von Umzügen und womöglich die Anschriftendaten. Allerdings muss eine Mindestanzahl an Merkmalen vorliegen.

Es könnte also passieren, dass einem gut verdienenden und schuldenfreien Menschen eine ungünstige Zahlungsmoral unterstellt wird, nur weil er jung ist und in einer Gegend wohnt, in der andere in der Vergangenheit ihre Rechnungen nicht bezahlt haben.

Woher stammen die Daten?

Schufa - Den Großteil der Daten, den die Schufa für Bonitätsprüfungen verwendet, erhält sie von ihren 9.000 Vertragspartnern aus dem Handel sowie Banken- und Telekommunikationswesen. Wie die anderen Auskunfteien nutzt die Wiesbadener Firma zusätzlich öffentliche Verzeichnisse, um Informationen zu gewinnen.

Crif Bürgel - Das Unternehmen arbeitet mit öffentlich einsehbaren Daten, zum Beispiel aus Handelsregistern und Insolvenzverzeichnissen. Auf Anfrage recherchiert das Unternehmen individuell nach.

Infoscore Consumer Data - Die gespeicherten Informationen stammen einerseits aus Registern, beispielsweise Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte, oder Veröffentlichungen zu Insolvenzverfahren. Zum anderen verarbeitet Infoscore Daten, die Geschäftspartner wie Banken, Versandhändler oder Inkassounternehmen übermitteln.

Creditreform Boniversum - Grundlage des Datenpools bilden öffentliche Quellen wie zum Beispiel Gerichtsdaten. Außerdem sammelt Creditreform Boniversum Daten von Inkassounternehmen und aus den eigenen Mahn- und Inkassoverfahren. 

Wer darf Bonitätsinformationen abfragen?

Unternehmen dürfen Daten bei Auskunfteien nur abfragen, wenn sie ein sogenanntes berechtigtes Interesse haben. Das fordert das Bundesdatenschutzgesetz. Ein solches Interesse besteht etwa, wenn sie ein finanzielles Ausfallrisiko haben, beispielsweise bei einer Lieferung auf Rechnung oder einem Kreditantrag. Gegenüber der Auskunftei muss der Abfragende angeben, welches Interesse er an der Abfrage hat, er muss es aber nicht nachweisen.

Wie bekommen Sie eine Selbstauskunft?

Fehler bei Auskunfteien und deren Informationslieferanten kommen vor. Hin und wieder werden zum Beispiel beendete Handyverträge nicht gelöscht oder Schreibfehler in den Adressdaten der Unternehmen als zusätzliche Anschrift gespeichert, wie ein Nutzer in unserer Community berichtet.

Angesichts der gravierenden Folgen, die negative Bewertungen von Auskunfteien haben können, sollten Sie deshalb regelmäßig überprüfen, welche Daten über Sie gespeichert sind. So fallen Ihnen Ungereimtheiten nicht erst auf, wenn Sie bereits einen Kredit beantragen oder einen neuen Mietvertrag abschließen wollen.

Fordern Sie dazu regelmäßig von allen großen Auskunfteien eine Datenkopie (früher: Selbstauskunft) an. Diese müssen die Auskunfteien Ihnen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Datenkopie können Sie online über die Website der jeweiligen Auskunftei bestellen.

Was tun gegen falsche Einträge?

Falls die Datenkopie ergibt, dass unrichtige oder bestrittene Daten gespeichert sind, können Sie deren Löschung, Sperrung oder Berichtigung verlangen. Lässt sich nicht abschließend klären, ob die Informationen richtig oder falsch sind, muss die Auskunftei die Daten gemäß Paragraf 31 Absatz 2 des neuen Bundesdatenschutzgesetzes sperren. Gesperrte Daten und die Tatsache, dass Daten gesperrt sind, dürfen nicht an Dritte übermittelt werden.

Über Fehler in Ihren persönlichen Daten oder unrichtige Forderungen informieren Sie die Auskunftei am besten direkt. Finden Sie bereits erledigte Forderungen in der Selbstauskunft, ist es sinnvoll, sich an das angegebene Unternehmen zu wenden. Bitten Sie um einen sogenannten Erledigungsvermerk. Mehr darüber, wie Sie gegen falsche Einträge vorgehen, erfahren Sie im Ratgeber zum Thema Schufa-Daten korrigieren.

Wenn es Ihnen nicht gelingt, Ihre Ansprüche durchzusetzen, können Sie sich auch an den Datenschutzbeauftragen des Bundeslandes wenden, in dem die Auskunftei ihren Sitz hat.

Kontaktadressen der Auskunfteien

 

 Kontakt für Selbstauskunft

Schufa             

 

SCHUFA Holding AG
Postfach 10 25 66
44725 Bochum

Crif Bürgel

CRIF Bürgel GmbH
Team Selbstauskunft
Friesenweg 4, Haus 12
22763 Hamburg

Creditreform Boniversum

Creditreform Boniversum GmbH
Consumer Service
Hellersbergstraße 11
41460 Neuss

Infoscore Consumer Data

Infoscore Consumer Data GmbH
Abteilung Datenschutz
Rheinstraße 99
76532 Baden-Baden

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 20. Mai 2019)

Autor
Josefine Lietzau
& Co-Autor
Julia Rieder

Stand: 04. Juni 2019


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