Auskunfteien & Bonitätsinformationen

Wie Schufa und Co. mit unseren Daten handeln

Josefine Lietzau
Finanztip-Expertin für Bank und Kredit
05. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Auskunfteien speichern Daten, um vorherzusagen, ob Kunden ihre Rechnungen zahlen werden.

  • Die bekannteste Auskunftei ist die Schufa. Daneben gibt es weitere Auskunfteien, darunter Crif, Creditreform Boniversum und Arvato Infoscore.

So gehst Du vor
  • Fordere von allen Auskunfteien eine kostenlose Selbstauskunft an und prüfe, ob alle Daten korrekt sind. Das lohnt sich vor allem, wenn Du einen Kredit aufnehmen willst oder vielleicht gerade eine Wohnung suchst.

  • Lass Fehler unbedingt korrigieren. Sonst kann es für Dich schwierig werden, einen günstigen Kredit zu bekommen oder auf Rechnung zu bestellen.

Beim Online-Shopping wird Dir immer der Kauf auf Rechnung verweigert? Du bekommst keine günstigen Konditionen für einen Kredit oder eine Baufinanzierung? Das kann an einem negativen Eintrag bei der Schufa liegen. Muss es aber nicht. Denn neben der Schufa gibt es weitere Auskunfteien, die Daten über Dich sammeln.

Was sagt der Score über Dich aus?

Auskunfteien sammeln Daten. Aus diesen berechnen sie, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein bestimmter Kunde seine Rechnungen bezahlen kann. Das sind die Score-Werte. Diese geben die Auskunfteien dann an ihre eigenen Kunden weiter, zum Beispiel Banken, Versicherungen oder Händler.

Dabei bewerten sie die betreffende Person nicht individuell, sondern ordnen sie mit statistischen Verfahren einer Vergleichsgruppe mit ähnlichen Merkmalen zu. Die Zahlungsmoral, die diese Vergleichsgruppe in der Vergangenheit gezeigt hat, wird dann auch für die jeweilige Person angenommen. Wie die Unternehmen im Detail beim Scoring vorgehen, müssen sie allerdings nicht offenlegen, denn das gilt nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs als Geschäftsgeheimnis (BGH, Urteil vom 28. Januar 2014, Az. VI ZR 156/13).

Wie viele Menschen sind erfasst?

Es ist davon auszugehen, dass die allermeisten erwachsenen Bundesbürger inzwischen von irgendeiner Auskunftei erfasst sind. Hier der Überblick über die wichtigsten Auskunfteien und ihre Einträge:

Schufa - Der Marktführer aus Wiesbaden arbeitet derzeit mit Daten von etwa 68 Millionen Menschen.

Crif - Das Unternehmen erfasst Einträge von ungefähr 62 Millionen Personen.

Arvato Infoscore/Experian - Das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Unternehmen hat Daten von rund 55 Millionen Menschen gespeichert.

Creditreform Boniversum - Das Unternehmen hat einen Datenbestand von knapp 120 Millionen personenbezogenen Informationen sowie 42 Millionen Zahlungsinformationen.

Welche Daten sammeln die Firmen?

Alle Auskunfteien sammeln persönliche Daten wie Name, Alter, Geschlecht sowie die aktuelle und frühere Adressen. So können sie Verbraucher nicht nur identifizieren, sondern auch Rückschlüsse über deren Wohnumfeld ziehen und darüber, wie lange sie an einem Ort gewohnt haben. Informationen über Familienstand, Arbeitgeber, Einkommen, Sparguthaben und Wertpapierdepots dürfen sie nicht speichern.

Die wichtigste Grundlage für die Bonitätsprüfungen der Auskunfteien sind jedoch Angaben zu Zahlungsverhalten von Verbrauchern, insbesondere wenn es um Zahlungsausfälle geht. Das können Daten aus Mahn- und Inkassoverfahren sein, aber auch öffentlich verfügbare Informationen über Insolvenzen, eidesstattliche Versicherungen und Haftanordnungen.

Auskunfteien errechnen unter Umständen auch dann einen Score, wenn keine Daten zum Zahlungsverhalten der betreffenden Person vorliegen. In Ermangelung aussagekräftigerer Daten nutzen sie dann Informationen wie Alter und Geschlecht, die Häufigkeit von Umzügen und womöglich die Anschriften. Allerdings muss eine Mindestanzahl an Merkmalen vorliegen.

Wenn sie keine Daten zu einer Person haben, können sie auch dies an ihren Kunden weitergeben. Das muss aber von den Banken, Versicherungen oder Händlern nicht unbedingt als positiv gewertet werden.

Es könnte also passieren, dass bei gut verdienenden und schuldenfreien Menschen trotzdem eine schlechte Zahlungsmoral angegeben wird. Und das nur weil sie jung sind und in einer Gegend wohnen, in der andere Menschen in der Vergangenheit ihre Rechnungen nicht bezahlt haben.

Woher stammen die Daten?

Schufa - Den Großteil der Daten, den die Schufa für Bonitätsprüfungen verwendet, erhält sie von ihren 9.500 Vertragspartnern aus dem Handel sowie dem Banken- und Telekommunikationswesen. Wie die anderen Auskunfteien nutzt die Wiesbadener Firma zusätzlich öffentliche Verzeichnisse, um Informationen zu gewinnen.

Crif - Das Unternehmen arbeitet mit öffentlich einsehbaren Daten, zum Beispiel aus Handelsregistern und Insolvenzverzeichnissen. Auf Anfrage recherchiert das Unternehmen individuell nach.

Arvato Infoscore/Experian - Die gespeicherten Informationen stammen einerseits aus Registern, beispielsweise Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte oder Veröffentlichungen zu Insolvenzverfahren. Zum anderen verarbeitet Arvato die Daten, die Geschäftspartner wie Banken, Versandhändler oder Inkassounternehmen übermitteln.

Creditreform Boniversum - Grundlage des Datenpools bilden öffentliche Quellen wie zum Beispiel Gerichtsdaten. Außerdem sammelt Creditreform Boniversum Daten von Inkassounternehmen und aus den eigenen Mahn- und Inkassoverfahren. 

Wer darf Bonitätsinformationen abfragen?

Unternehmen dürfen Daten bei Auskunfteien nur abfragen, wenn sie ein sogenanntes berechtigtes Interesse haben. Das fordert das Bundesdatenschutzgesetz. Ein solches Interesse besteht etwa, wenn es ein finanzielles Ausfallrisiko gibt, beispielsweise bei einer Lieferung auf Rechnung oder einem Kreditantrag. Gegenüber der Auskunftei muss der Abfragende angeben, welches Interesse er an der Abfrage hat, nachweisen muss er jedoch nichts.

Wie bekommst Du eine Selbstauskunft?

Fehler bei Auskunfteien und deren Informationslieferanten kommen vor. So werden vielleicht beendete Verträge zu Handy, Girokonto oder Kredit nicht rechtzeitig gelöscht oder die Adresse ist falsch.

Angesichts der Folgen, die negative Bewertungen von Auskunfteien haben können, solltest Du deshalb regelmäßig überprüfen, welche Daten über Dich gespeichert sind. So fallen Dir Ungereimtheiten nicht erst auf, wenn Du bereits einen Kredit beantragst oder einen neuen Mietvertrag abschließen willst.

Fordere dazu regelmäßig von allen großen Auskunfteien eine Datenkopie (früher: Selbstauskunft) an. Diese müssen die Auskunfteien Dir kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Datenkopie kannst Du online über die Website der jeweiligen Auskunftei bestellen.

Datenkopie bestellen

Auskunftei

 Link zur Datenkopie

Schufa

 

Website

Crif

Website

Creditreform

Boniversum

Website
Arvato InfoscoreWebsite

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 3. Mai 2022)

Was tun gegen falsche Einträge?

Falls die Datenkopie ergibt, dass falsche oder bestrittene Daten gespeichert sind, kannst Du deren Löschung, Sperrung oder Berichtigung verlangen. Lässt sich nicht abschließend klären, ob die Informationen richtig oder falsch sind, muss die Auskunftei die Daten gemäß Paragraf 31 Absatz 2 des neuen Bundesdatenschutzgesetzes sperren. Gesperrte Daten und die Tatsache, dass Daten gesperrt sind, dürfen nicht an Dritte übermittelt werden.

Über Fehler in Deinen persönlichen Daten oder unrichtige Forderungen informierst Du die Auskunftei am besten direkt. Findest Du bereits erledigte Forderungen in der Selbstauskunft, ist es sinnvoll, sich an das angegebene Unternehmen zu wenden. Bitte um einen sogenannten Erledigungsvermerk. Mehr darüber, wie Du gegen falsche Einträge vorgehst, erfährst Du im Ratgeber zum Thema Schufa-Daten korrigieren.

Wenn es Dir nicht gelingt, Deine Ansprüche durchzusetzen, kannst Du Dich auch an den Datenschutzbeauftragen des Bundeslandes wenden, in dem die Auskunftei ihren Sitz hat.

Kontaktadressen der Auskunfteien

Auskunftei

 Kontakt

Schufa

 

Schufa
Postfach 10 3441
50474 Köln

Crif

Crif Bürgel
Team Selbstauskunft
Friesenweg 4, Haus 13
22763 Hamburg

 

Creditreform

Boniversum

Creditreform Boniversum

Hammfelddamm 13
41460 Neuss

 

Arvato Infoscore

Infoscore Consumer Data
Abteilung Datenschutz
Rheinstraße 99
76532 Baden-Baden

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 3. Mai 2022)

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.