Krank im Urlaub

Den Urlaubsanspruch per Attest sichern

Dr. Britta Beate Schön Stand: 18. Juli 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Arbeitnehmer, die im Urlaub krank werden, können ihre Urlaubstage retten. Dazu müssen sie dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegen – und zwar ab dem ersten Tag.
  • Tage, an denen Sie zwar Urlaub hatten, aber krank waren, muss der Arbeitgeber dem Urlaubskonto wieder gutschreiben.
  • Schließen Sie eine Reisekrankenversicherung ab für den Fall, dass Sie im Urlaub krank werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Behandlungskosten im Ausland nur eingeschränkt und Rücktransporte gar nicht.
So gehen Sie vor
  • Sie müssen Ihrem Arbeitgeber aus dem Urlaub umgehend mitteilen, dass Sie krank sind.
  • Gehen Sie direkt am ersten Tag zum Arzt – auch wenn laut Arbeitsvertrag der dritte Tag genügt.
  • Werden Sie im Ausland krank, müssen Sie als gesetzlich Versicherter auch Ihre Krankenkasse sofort informieren. Klären Sie, welche Behandlungskosten die Kasse übernimmt.
  • Sind Sie wieder gesund, lassen Sie sich die Tage wieder gutschreiben, an denen Sie im Urlaub krank waren.

Endlich Urlaub. Der Stress lässt nach, Sie beginnen die ersten freien Tage zu genießen – und prompt werden Sie krank. Das Phänomen heißt „leisure sickness“, zu Deutsch: Freizeitkrankheit, und tritt immer häufiger auf. Mit dem Urlaub ist es dann zwar vorbei, aber Sie sollten nicht auch noch Ihre Urlaubstage verschenken. Denn wenn Sie krankgeschrieben sind, bleibt Ihr Urlaubsanspruch erhalten.

Was ist, wenn ich im Urlaub krank werde?

Viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass sie ihre Urlaubstage erhalten können. Oder es ist ihnen zu mühsam, im Urlaub zum Arzt zu gehen. Aber nur wer dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegt, kann seine Urlaubstage retten. Die Tage, an denen Sie nachweislich arbeitsunfähig waren, werden nicht als Urlaubstage auf Ihren Jahresurlaub angerechnet. Der Urlaub soll schließlich Ihrer Gesundheit und dem Erhalt Ihrer Arbeitsfähigkeit dienen. Wenn Sie krank sind, tut er das natürlich nicht, und Sie können ihn nachholen.

Sie müssen während Ihres Urlaubs allerdings schon für den ersten Tag der Krankheit ein Attest vorlegen, auch wenn Sie ansonsten laut Vertrag erst am dritten Krankheitstag Ihrem Arbeitgeber den Nachweis vorlegen müssten (§ 9 BUrlG). Auch wer vor Beginn des Urlaubs krank wird und diesen nicht antreten kann, kann den Urlaub mit seinem Arbeitgeber neu festlegen. Der Urlaub gilt als nicht verbraucht.

Es gibt zwei Ausnahmen von dieser Krankheitsregel im Urlaub: falls Sie nämlich während eines Freizeitausgleichs krank werden oder falls Ihre Kinder krank sind.

Krank, während man Überstunden abbaut - Freizeitausgleich

Falls Sie Überstunden abbummeln und krank werden, entfällt Ihr Anspruch, auch wenn Sie dem Arbeitgeber ein Attest vorlegen. Sie können für die Zeit der Erkrankung keinen zusätzlichen Freizeitausgleich verlangen (BAG, Urteil vom 31. Mai 1989, Az. 5 AZR 344/88).

Im Urlaub wird das Kind krank

Sie können Ihren Urlaubsanspruch auch nicht retten, falls Ihr Kind krank wird. An normalen Arbeitstagen gibt es für Eltern die Möglichkeit, bezahlt freie Tage zu bekommen, falls sie sich um ihr krankes Kind kümmern müssen. Entweder zahlt der Arbeitgeber den Lohn weiter oder es besteht Anspruch auf Kinderkrankengeld. Wird das Kind allerdings im Urlaub krank und muss gepflegt werden, verfällt der Urlaubsanspruch – auch wenn Sie sich nicht erholen konnten und ein Attest vorlegen (ArbG Berlin, Urteil vom 17. Juni 2010, Az. 2 Ca 1648/10).

Wann muss ich meinen Arbeitgeber informieren?

Wer im Urlaub krank wird, muss handeln und seinen Arbeitgeber schnellstmöglich informieren. Das ist wichtig, um die Fortzahlung des Lohns zu sichern (§ 5 Abs. 1 EntgFG). Sie sollten beim Arbeitgeber entweder anrufen oder eine E-Mail schicken. Die Personalabteilung oder der disziplinarische Vorgesetzte ist der richtige Ansprechpartner für die Krankmeldung. Es reicht nicht, den Arbeitskollegen eine Nachricht zu schicken, damit diese dann den Chef informieren.

Verbringen Sie Ihren Urlaub im Ausland und werden krank, müssen Sie außerdem Ihre Kontaktdaten hinterlassen, wo Sie am Urlaubsort oder im Krankenhaus erreichbar sind (§ 5 Abs. 2 EntgFG). Sie können auch eine Person damit beauftragen, das zu erledigen. Falls Sie Ihrem Arbeitgeber Ihre Krankheit und die Kontaktdaten nicht mitteilen, kann er Ihnen unter Umständen die Entgeltfortzahlung verweigern (§ 7 EntgFG).

Wie weise ich die Krankheit richtig nach?

Konnten Sie Ihren Urlaub gar nicht erst antreten, weil Sie krank geworden sind, lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Diese leiten Sie dann an Ihren Arbeitgeber weiter, und Ihre Urlaubstage werden wieder gutgeschrieben.

Befinden Sie sich allerdings im Ausland, müssen Sie sich dort vom behandelnden Arzt ein Attest schreiben lassen. Der ausländische Arzt muss zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterscheiden – und damit eine den Begriffen des deutschen Arbeits- und Sozialversicherungsrechts entsprechende Beurteilung vornehmen, so das Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 1. Oktober 1997, 5 Az. AZR 499/96). Er muss Ihnen also konkret bescheinigen, dass Sie nicht arbeiten können.

Muss ich die Krankenkasse benachrichtigen?

Als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sollten Sie sich auch aus dem Ausland mit ihr in Verbindung setzen. Denn Sie sind verpflichtet, auch der Kasse die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzuzeigen (§ 5 EntgFG). Sonst bleiben Sie womöglich auf den Behandlungskosten sitzen.  

Die Kasse erstattet nur die Leistungen, die ein gesetzlich Versicherter im jeweiligen Urlaubsland bezahlt bekäme. Das ist oft deutlich weniger als in Deutschland, weil in anderen Ländern höhere Selbstbehalte gelten und auch einige Bereiche (etwa Zahnbehandlungen) komplett vom gesetzlichen Versicherungsschutz ausgeschlossen sein können.

Deshalb ist eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll – auch wenn Sie Ihren Urlaub nur innerhalb von Europa verbringen. Die Mehrkosten, die die gesetzliche Krankenkasse für notwendige Behandlungen im Ausland nicht übernimmt, deckt diese Versicherung ab.

Wesentlicher Vorteil bei guten Tarifen: Auch einen medizinisch sinnvollen Rücktransport nach Deutschland zahlt die Versicherung. Wie Sie eine gute Police finden, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Auslandsreisekrankenversicherung.

Mehr dazu im Ratgeber Auslandsreise-Krankenversicherung

  • Wer ins Ausland reist, bekommt schon für unter 10 Euro im Jahr den notwendigen Krankenversicherungsschutz.
  • Von uns empfohlene Tarife: DKV (Reise Med Tarif RD) für Einzelreisende und Familien, Debeka (Tarif AR) für Senioren und Reisen bis 70 Tage.

Zum Ratgeber

Kann ich in den Urlaub, obwohl ich Krankengeld bekomme?

Auch wer längere Zeit krankgeschrieben ist und bereits Krankengeld bekommt, kann in den Urlaub fahren. Falls Sie in Deutschland Urlaub machen, sind Sie nicht verpflichtet, die Kasse zu informieren. Sie sollten allerdings erreichbar bleiben und jemanden bitten, regelmäßig Ihre Post zu öffnen, damit Sie auf Schreiben der Krankenversicherung reagieren können.

Komplizierter wird es, wenn Sie ins Ausland reisen wollen. Dann brauchen Sie die Zustimmung Ihrer Versicherung, damit Sie weiter Anspruch auf Krankengeld haben (§ 16 Abs. 4 SGB V).

Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über Ihre Reisepläne und lassen Sie sich bescheinigen, dass die Reise Ihre Genesung nicht beeinträchtigt. Achten Sie darauf, dass Ihre Krankschreibung für den gesamten Urlaub gilt. Das Attest schicken Sie zusammen mit einem formlosen Antrag auf Zustimmung zur Krankenkasse.

Fast immer zustimmen muss die Kasse, wenn Sie innerhalb der EU bleiben. Das hat das Bundessozialgericht klargestellt (Az. B 3 KR 23/18 R). Denn nach europäischen Regelungen können Sie ohnehin auch dann Geldleistungen bei Krankheit beziehen, wenn sie sich in einem anderen EU-Staat aufhalten. Die Kasse hat keinen Ermessensspielraum, sondern muss der Reise zustimmen, wenn der Versicherte für den Zeitraum der Reise krankgeschrieben ist.

Falls die Krankenkasse sich weigert, Ihrer Reise zuzustimmen, legen Sie Widerspruch ein. Hilft das nicht, können Sie vor dem Sozialgericht klagen.

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 18. Juli 2019


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