Krankmeldung

Das müssen Arbeitnehmer beachten, wenn sie krank sind

Pauline Faust Stand: 02. Oktober 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Angestellte dürfen zu Hause bleiben, wenn sie krank sind. Sie müssen aber ihren Arbeitgeber umgehend informieren.
  • Der Arbeitgeber kann ein ärztliches Attest (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) verlangen.
  • Wer nicht rechtzeitig ein Attest vorlegt, hat keinen Anspruch auf Weiterzahlung des Gehalts und riskiert im schlimmsten Fall die Kündigung. 
  • Nach sechs Wochen haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf Krankengeld. Privatversicherte können Krankentagegeld erhalten.
So gehen Sie vor
  • Melden Sie sich so schnell wie möglich bei der Personalabteilung Ihres Arbeitgebers oder Ihrem direkten Vorgesetzten.
  • Sie sollten erklären, dass Sie arbeitsunfähig sind und wie lange das voraussichtlich dauern wird. Was Sie haben, müssen Sie in der Regel nicht mitteilen.
  • Vergewissern Sie sich unbedingt im Arbeits- oder Tarifvertrag, wann Sie das Attest einreichen müssen.
  • Als gesetzlich Versicherter schicken Sie eine Ausfertigung des Attests an Ihren Arbeitgeber, die andere an Ihre Krankenkasse. Privatversicherte melden sich bei ihrer Versicherung, wenn sie Anspruch auf Krankentagegeld haben.

Wer nicht fit genug für die Arbeit ist, darf zu Hause bleiben. Damit Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt weiterzahlt, sollten Sie sich richtig krankmelden. Die Spielregeln für Angestellte und Arbeitgeber sind meist im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt. Steht dazu nichts im Vertrag, gilt das Entgeltfortzahlungsgesetz.

Ich bin krank – was mache ich jetzt?

Wenn Sie krank sind, dürfen Sie zu Hause bleiben. Ihrem Arbeitgeber müssen Sie Ihr Fehlen und die voraussichtliche Dauer unverzüglich mitteilen (§ 5 Abs. 1 EntgFG). Wichtig ist, dass die Nachricht den Arbeitgeber schnell erreicht. Auf welchem Weg Sie sich am besten krankmelden, sollten Sie einmal mit Ihrem Chef klären. Ein Anruf ist der schnellste und üblichste Weg. Wenn Sie Ihre Krankmeldung per E-Mail verschicken, haben Sie einen Beleg, dass Sie rechtzeitig in der Firma Bescheid gegeben haben. Es ist auch möglich, dass ein Dritter den Arbeitgeber informiert – etwa jemand aus der Familie oder Ihr Lebenspartner. Ihr Arbeitgeber kann verlangen, dass Sie bereits am ersten Krankheitstag ein Attest vorlegen – mehr dazu im nächsten Abschnitt. 

An was genau Sie leiden, müssen Sie dem Arbeitgeber nicht erklären. Eine vertragliche Meldepflicht kann bestehen, wenn Ihr Arbeitsplatz mit besonderen Ansteckungsgefahren verbunden ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie in einer Klinik, der Pharmaproduktion oder in der Gastronomie arbeiten. Auch falls die Erkrankung infolge betrieblicher Abläufe aufgetreten ist, müssen Sie zum Schutz der übrigen Belegschaft darauf hinweisen.

Wann muss ich mich krankmelden?

Ab wann Sie ein Attest vorlegen müssen, hängt von Ihrem Arbeitsvertrag ab. Ist darin nichts anderes geregelt, gilt: Wenn Sie länger als drei Kalendertage nicht arbeiten können, müssen Sie am darauffolgenden Arbeitstag ein Attest vorlegen – also meist am vierten Tag der Krankheit. So ist es im Gesetz geregelt (§ 5 Abs. 1 EntgFG). 

Sind Sie seit Montag krank, müssen Sie die Bescheinigung also am Donnerstag vorlegen; sind Sie seit Donnerstag krank, wäre der vierte Tag der Sonntag. Wenn Sie Sonntag normalerweise nicht arbeiten, dann reicht es nach dem Gesetz, das Attest am Montag vorzulegen, denn der nächste Arbeitstag ist entscheidend.

Ihr Arbeitgeber kann von Ihnen jedoch auch verlangen, früher ein Attest einzureichen. Das kann er vom Einzelfall abhängig machen oder schon im Vertrag festhalten. Halten Sie sich nicht an die Absprache, muss Ihr Arbeitgeber das Gehalt für die Krankheitszeit nicht zahlen (§ 7 EntFG), kann Sie abmahnen und unter Umständen sogar entlassen. Schauen Sie also sicherheitshalber in Ihren Vertrag. Hier ein Beispiel für eine Klausel, wonach der Arbeitnehmer bereits am dritten Krankheitstag ein Attest vorlegen muss:

„Im Falle der Arbeitsunfähigkeit infolge einer Erkrankung ist der Mitarbeiter verpflichtet, spätestens vor Ablauf des dritten Kalendertages nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer vorzulegen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, so ist der Mitarbeiter verpflichtet, die Firma gemäß Absatz 1 von der Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit zu unterrichten und unverzüglich eine Anschlussbescheinigung vorzulegen. Die Firma ist berechtigt, die Frist nach Satz 1 auf einen Tag zu verkürzen. Die Pflicht zur Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung besteht ungeachtet der Verpflichtung zur Entgeltfortzahlung.“

Was mache ich mit dem ärztlichen Attest?

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), oft auch „gelber Schein“ oder Krankschreibung genannt, stellt Ihnen ein Hausarzt, Facharzt oder Zahnarzt aus. 

Das Attest legen Sie der Personalabteilung Ihres Arbeitgebers vor. Sie holen es spätestens an dem Tag, an dem Sie es vorlegen müssen. Eine Bescheinigung rückwirkend zu erhalten, ist schwierig, da der Arzt auf Ihren Gesundheitszustand in der Vergangenheit schließen muss. Krankschreiben soll der Mediziner Sie höchstens für drei Tage in der Vergangenheit, so wollen es die gesetzlichen Kassen (§ 5 Abs. 3 AU-RL). 

Gesetzlich Versicherte bekommen das Attest als „gelben Schein“ in drei Ausfertigungen

  • Eine ist für die Krankenkasse; sie enthält neben der voraussichtlichen Krankheitsdauer die Diagnose. Diese Ausfertigung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung müssen Sie innerhalb einer Woche der Krankenkasse vorlegen. So sichern Sie Ihren Anspruch auf Krankengeld (§ 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V).
  • Die zweite trägt den Hinweis „Ausfertigung zur Vorlage beim Arbeitgeber“. Diese Bescheinigung erhält die Personalabteilung Ihres Arbeitgebers. Auf ihr ist keine Diagnose vermerkt.
  • Die letzte Ausfertigung behalten Sie. 

Privatversicherte müssen auch ein Attest beim Arbeitgeber vorlegen. Viele Ärzte verwenden hier ebenfalls den Gelben Schein. Das ist allerdings nicht verpflichtend, es würde eine Bescheinigung des Arztes ausreichen. Wenn die Krankschreibung für den Anspruch auf Krankentagegeld irrelevant ist, müssen Privatversicherte ihre Versicherung gar nicht informieren. Dennoch sind auch Privatversicherte, insbesondere Freiberufler, gut beraten, Arbeitsunfähigkeit möglichst frühzeitig ärztlich attestieren zu lassen – für den Fall, dass die Krankheit länger andauert und damit doch ein Anspruch auf Krankentagegeld entsteht. 

Ein Beispiel: Der Arzt schreibt Sie zunächst für eine Woche krank, Anspruch auf Krankentagegeld haben Sie laut Krankenversicherungsvertrag aber erst ab dem elften Krankheitstag – dann müssen Sie dieses erste Attest nicht unmittelbar einreichen, sondern gegebenenfalls erst zusammen mit der Folge-Krankschreibung.

Künftig soll die Krankmeldung digital funktionieren

Die Bundesregierung plant im Rahmen des Bürokratieentlastungsgesetzes eine digitale Krankmeldung einzuführen. Gesetzlich Versicherte sollen ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf Papier an Krankenkasse und Arbeitgeber schicken müssen. Der Arzt soll die Bescheinigung auf elektronischem Weg an die jeweilige Krankenkasse übermitteln. Diese soll die notwendigen Daten dann an den Arbeitgeber weitergeben. 

Das heißt: Es gibt weniger Arbeit für die kranken Arbeitnehmer. Das elektronische Verfahren ersetzt allerdings nicht die Pflicht der Ärzte, dem Patienten eine schriftliche Bescheinigung auszustellen – den „gelben Schein“ können Sie dann immer noch verlangen. Für die private Krankenversicherung ist keine vergleichbare Regelung geplant. Ob sie auch eine ähnliche Vereinfachung für Arbeitnehmer einführen wird, bleibt abzuwarten.

Was ist bei längeren Krankheiten?

In den ersten sechs Wochen, in denen Angestellte wegen einer Krankheit entschuldigt sind, zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter (Entgeltfortzahlung). Sind Sie gesetzlich krankenversichert, können Sie danach Krankengeld bekommen. Das ist allerdings weniger als Ihr Gehalt. Als privat Krankenversicherter können Sie, wenn Sie es mitversichert haben, Krankentagegeld erhalten.

Was ist, wenn ich im Urlaub krank werde?

Falls Sie im Urlaub krank werden, können Sie Ihre Urlaubstage retten. Dazu müssen Sie Ihrem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegen – und zwar ab dem ersten Tag. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Krank im Urlaub.

Was darf ich während der Krankschreibung machen?

Sie können alles tun, was sich nicht negativ auf den Heilungsprozess auswirkt. Einkaufen, spazieren und ein Kinobesuch sind erlaubt. Strikt verboten ist es allerdings, anderen entgeltlichen Nebentätigkeiten nachzugehen. Dafür kann es eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die Kündigung geben.

Sie können auch verreisen. Bei Bronchitis und Asthma kann ein Trip ans Meer sogar förderlich sein. Sie müssen darüber grundsätzlich weder Ihren Chef noch die Krankenkasse informieren. Um möglichen Ärger mit dem Chef zu vermeiden, können Sie sicherheitshalber Ihren Arzt fragen und sich die Reise von ihm genehmigen lassen. Eine Ausnahme ist ein Auslandsaufenthalt, während Sie Krankengeld erhalten – hier brauchen Sie die Zustimmung der Kasse, um das Geld weiter zu erhalten. 

Arbeiten ist trotz Krankschreibung möglich. Ihr Krankenschein ist kein „Arbeitsverbot“, sondern eine Art Prognose für die Krankheitsdauer. Grundsätzlich entscheiden Sie selbst, ob Sie arbeitsfähig sind. Ihr Arbeitgeber kann Sie jedoch nach Hause schicken, um seiner Fürsorgepflicht gegenüber Ihnen und Ihren Kollegen gerecht zu werden.

Autor
Pauline Faust

Stand: 02. Oktober 2019


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