Homeoffice und Arbeitsrecht

So klappt es mit dem Homeoffice

Nicolas Heronymus Stand: 11. August 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Einen Anspruch auf Homeoffice haben Sie nur, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine entsprechende Vereinbarung treffen.
  • Die Abmachung kann Teil des Arbeitsvertrags sein. Die Bedingungen fürs Arbeiten von zuhause sollten möglichst genau festgelegt sein.
So gehen Sie vor
  • Entscheiden Sie, wie häufig Sie gerne von zuhause arbeiten würden.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Chef, unter welchen Bedingungen Arbeit im Homeoffice möglich ist.
  • Lassen Sie sich im Arbeitsvertrag oder als Zusatzvereinbarung zusichern, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang Sie im Homeoffice arbeiten dürfen.

Etwa jeder dritte Beschäftigte arbeitete im Frühjahr 2020 in Deutschland im Homeoffice – mehr als doppelt so viele wie vor der Corona-Pandemie. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Gehören Sie auch dazu? Dann hat es Ihnen womöglich gefallen, dass Sie sich den täglichen Arbeitsweg gespart haben und sich zu Hause besser konzentrieren konnten. Wenn Sie auch in Zukunft ein, zwei Tage zu Hause arbeiten wollen, sollten Sie mit Ihrem Chef die Bedingungen dafür vereinbaren. Was Sie dabei beachten müssen und welche Kosten Sie von der Steuer absetzen können, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Wer hat Anspruch auf Homeoffice?

Einen Anspruch auf Homeoffice haben Sie nur, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung darüber getroffen haben. Gesetzlich verpflichtet ist Ihr Arbeitgeber bisher nicht, Ihnen die Arbeit von zuhause zu erlauben. Dies könnte sich allerdings bald ändern: Der Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil (SPD) will bis zum Herbst 2020 ein Gesetz vorlegen, das vielen Arbeitnehmern einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice garantieren soll – unter der Voraussetzung, dass die Tätigkeit dies zulässt.

In den Diskussionen um ein Recht auf Homeoffice verweisen viele auf die Niederlande. Will ein Arbeitnehmer in den Niederlanden im Homeoffice arbeiten, ist der Arbeitgeber allerdings nur dazu verpflichtet, das Anliegen ernsthaft zu prüfen und sich mit dem Arbeitnehmer zu beraten. Einen gesetzlichen Anspruch gibt es auch dort nicht.

So sichern Sie sich Ihr Recht auf Homeoffice

Sie sollten mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass Sie im Homeoffice arbeiten dürfen – bestenfalls in Ihrem Arbeitsvertrag. Zwar können auch Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge entsprechende Regelungen zum mobilen Arbeiten enthalten, diese geben aber meist nur den Rahmen vor. Sie sollten immer versuchen, eine individuelle Absprache zu treffen, um Zweifelsfälle und Missverständnisse soweit wie möglich auszuschließen.

Was sind die Vor- und Nachteile des Homeoffice?

Für jeden hat es andere Vor- und Nachteile, von zuhause zu arbeiten. Im Folgenden haben wir für Sie die häufig diskutierten Vor- und Nachteile zusammengefasst:

Zeit und Geld - Wer von zuhause arbeitet, spart sich den Weg zur Arbeit und die Kosten für das Monatsticket oder die Tankfüllung. Das bringt mehr Zeit für die Familie oder persönliche Projekte. Und mehr Geld für andere Dinge, denn auch das Mittagessen in der Firmenkantine oder beim Imbiss sparen sich viele, die im Homeoffice arbeiten. Allerdings stellt mehr Zeit in der eigenen Wohnung viele auch vor die Herausforderung, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren – gerade, wenn Kinder ebenfalls Aufmerksamkeit fordern.

Ruhe - Ohne die Geräuschkulisse des Großraumbüros können wahrscheinlich die meisten konzentrierter arbeiten. Dafür gibt es allerdings weniger Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Wer Anregungen haben will, muss sich verabreden. Und auch Feedback zu Ihrer Arbeit müssen Sie vielleicht aktiver einholen.

Arbeitszeiten - Wer im Homeoffice arbeitet, geht zwischendurch eher mal kurz zum Supermarkt, um noch etwas einzukaufen oder zum nahegelegenen Arzt, der nach Feierabend immer schon geschlossen hat. Denn die Arbeitszeiten lassen sich oft flexibler einteilen als im Büro. Das bedeutet aber auch, dass die Grenze zwischen Arbeit und Privatem verschwimmen kann. Einige beantworten nach dem Abendessen noch E-Mails oder schließen eine dringende Aufgabe ab. Anderen fehlt die räumliche Trennung von Arbeit und Privatleben oder die Fahrt mit U-Bahn, Fahrrad oder Auto und das Gefühl nach Hause zu kommen – kurz der Feierabend.

Gesundheit - Während der Corona-Pandemie, aber auch in normalen Grippe- und Erkältungszeiten ist es wahrscheinlicher, sich im Büro oder auf dem Weg dorthin anzustecken. Diejenigen, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, trifft es noch eher. Im Homeoffice ist die Ansteckungsgefahr meist geringer.

Was sollte der Arbeitsvertrag regeln?

Im Arbeitsvertrag oder einer Zusatzvereinbarung sollten Sie und Ihr Arbeitgeber möglichst genau festlegen, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang Sie zuhause arbeiten dürfen. Insbesondere die folgenden Punkte sind dabei wichtig:

1. Wann Sie im Homeoffice arbeiten dürfen

Die Abmachung sollte klar bestimmen, an wie vielen Tagen pro Woche Sie Ihre Arbeit im Homeoffice erledigen dürfen. Sie können mit Ihrem Chef eine flexible Gestaltung vereinbaren oder sich auf feste Tage einigen. Außerdem könnten Sie festhalten, wann Sie auf jeden Fall im Büro sein müssen – etwa bei Kundenterminen oder zu bestimmten regelmäßigen Besprechungen. 

2. Welche Arbeitszeiten für Sie im Homeoffice gelten

Sie sollten absprechen, welche Arbeitszeiten für Sie im Homeoffice gelten. Sie können beispielsweise eine Kernarbeitszeit vereinbaren, in der Sie immer erreichbar sind. Gleichzeitig sollten Sie regeln, in welcher Form Sie oder Ihr Arbeitgeber die Arbeitszeit dokumentieren.

3. Mit welcher Ausstattung Sie im Homeoffice arbeiten

Sie sollten klären, ob Ihr Arbeitgeber sich um die Einrichtung eines festen Arbeitsplatzes bei Ihnen zuhause kümmert oder ob Sie beispielsweise einen Laptop zur flexiblen Arbeit zuhause nutzen. Mehr dazu lesen Sie weiter unten.

4. Wer die höheren Fixkosten zahlt

Sie könnten sich mit Ihrem Chef auch über einen Kostenausgleich einigen. Dies bietet sich an, wenn Sie höhere Fixkosten haben, weil Sie zum Beispiel mehr Strom verbrauchen und Ihr Arbeitgeber spart, weil er weniger Bürofläche braucht.

5. Wer für Schäden an Arbeitsgeräten haftet

Als Arbeitnehmer haben Sie ein Haftungsprivileg, das heißt, Sie müssen in der Regel nicht für Schäden aufkommen, die Sie Ihrem Arbeitgeber leicht fahrlässig zufügen. Ein Beispiel: Wenn Sie während der Arbeit am Laptop ein Glas Apfelsaft umstoßen und dieser dadurch nicht mehr funktioniert, müssen Sie den Schaden wahrscheinlich nicht zahlen. Leben Sie mit anderen Personen zusammen, sollten Sie vereinbaren, dass diese auch nur begrenzt haften. Damit ersparen Sie sich im Zweifel rechtliche Streitigkeiten.

Wie läuft die Arbeitszeiterfassung im Homeoffice?

Es gibt einige Dinge, die Sie bei der Zeiterfassung im Homeoffice beachten müssen.

Auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz

Sie dürfen als Arbeitnehmer grundsätzlich nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeiten. Pro Woche sind höchstens 48 Stunden erlaubt, denn auch der Samstag gilt als Werktag. Was alles als Arbeitszeit gilt und ob auch der Bereitschaftsdienst dazu gehört, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Arbeitszeitgesetz.

In besonderen Ausnahmefällen darf der Arbeitgeber Arbeitstage vorübergehend auf bis zu zehn Stunden pro Tag und maximal 60 Stunden pro Woche verlängern. Die längere Arbeitszeit muss der Arbeitgeber ausgleichen, sodass Sie innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen auf einen Schnitt von acht Stunden pro Tag kommen.

Arbeiten Sie länger als erlaubt, muss der Arbeitgeber dies dokumentieren, damit die Behörden nachvollziehen können, ob Sie Ihre Arbeitszeit auch ausgeglichen haben.

Im Homeoffice die gesamte Arbeitszeit erfassen

Im Mai 2019 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Arbeitgeber künftig die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch erfassen müssen. Diese Aufgabe können Arbeitgeber auch an den Arbeitnehmer delegieren. Aktuell gilt die Verpflichtung noch nicht, da die Bundesregierung das Arbeitsrecht erst anpassen muss. Die Erfassung der Arbeitszeit ist deswegen derzeit noch freiwillig, solange Sie nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeiten. Welche Folgen das Urteil für flexibles Arbeiten hat, lesen Sie im Ratgeber Arbeitszeitmodelle.

Im Homeoffice empfiehlt es sich, die gesamte Arbeitszeit zu erfassen. Damit haben Sie immer im Blick, wie viele Stunden Sie arbeiten und können dies auch belegen. So können Sie rechtzeitig Ausgleich schaffen und vermeiden Streitigkeiten.

Am besten regeln Sie in der Homeoffice-Vereinbarung, wie Sie Ihre Arbeitszeit erfassen. Klären Sie dazu, ob Sie auf ein elektronisches Zeiterfassungssystem Ihres Unternehmens zugreifen können oder selbst Ihre Arbeitszeit aufzeichnen sollen. Für die persönlichen Aufzeichnungen eignen sich Zettel und Stift, eine Excel-Tabelle oder spezielle Apps.

Feiertage und Homeoffice

Liegen Ihr Homeoffice und der Sitz Ihres Arbeitgebers in unterschiedlichen Bundesländern, gilt in Bezug auf Feiertage das Recht des Arbeitsortes – in diesem Fall ist das Ihr Wohnort. Fällt also der Homeoffice-Tag auf einen Feiertag, der nur in Ihrem Bundesland gilt nicht aber am Firmensitz, dann müssen Sie nicht arbeiten. 

Ein Beispiel: Sie wohnen in Brandenburg, das Büro Ihres Arbeitgebers ist in Berlin. Dann haben Sie am Reformationstag frei, auch wenn die Kollegen in Berlin arbeiten müssen. Umgekehrt müssen Sie am 8. März im Homeoffice arbeiten, während die Berliner Kollegen den internationalen Frauentag feiern.

Wer kümmert sich um die Büroausstattung?

Ob Ihr Arbeitgeber bei Ihnen zuhause einen festen Arbeitsplatz einrichtet oder Ihnen zum Beispiel einen Laptop zur flexiblen Arbeit zur Verfügung stellt, hängt davon ab, was Sie mit ihm vereinbaren. Danach richtet sich auch, welche Pflichten Ihr Arbeitgeber hat, dafür zu sorgen, dass Ihr Heimarbeitsplatz die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) erfüllt.

Bei einem festen Arbeitsplatz (Telearbeit) muss Ihr Arbeitgeber eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung vornehmen, wenn Ihr Arbeitsplatz zuhause erstmals fertig eingerichtet ist. Das bedeutet, der Arbeitgeber muss einschätzen, welche Gesundheitsrisiken es an dem Arbeitsplatz gibt und wie sich negative Folgen der Heimarbeit für die Gesundheit vermeiden lassen. In der Praxis sparen sich das allerdings viele Arbeitgeber. 

Arbeiten Sie mit einem Laptop flexibel mobil, sollten Sie sich selbst darum kümmern, dass Ihr Arbeitsplatz zuhause nicht gesundheitsgefährdend ist. Ein guter Bürostuhl und ein zusätzlicher Monitor sind notwendig, wenn Sie regelmäßig mehrere Tage in der Woche zuhause arbeiten.

Der Unterschied zwischen Telearbeit und mobilem Arbeiten

Was lässt sich von der Steuer absetzen?

Kaufen Sie sich einen neuen Schreibtisch, den Sie auch für die Arbeit von zuhause nutzen, können Sie einen Teil der Ausgaben als Werbungskosten von der Steuer absetzen – also Ihr zu versteuerndes Einkommen senken. Weitere typische Arbeitsmittel sind Computer, Smartphones oder Drucker. Von der Steuer absetzen können Sie Gegenstände, die Sie mindestens zu 10 Prozent beruflich nutzen. Verwenden Sie das Arbeitsmittel zu mehr als 90 Prozent beruflich, können Sie die Kosten vollständig absetzen – sonst nur anteilig. Was Sie sonst beachten sollten, lesen Sie im Ratgeber Arbeitsmittel.

Die Kosten für ein Arbeitszimmer können Sie nur ausnahmsweise und unter strengen Voraussetzungen von der Steuer absetzen. Das Arbeitszimmer muss ein separater, büromäßig eingerichteter Raum in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus sein, den Sie nahezu ausschließlich beruflich nutzen. Haben Sie in dem Raum außer Ihrem Schreibtisch beispielsweise noch ein Gästesofa, einen Fernseher und ein Regal mit privaten Unterlagen, verwehrt Ihnen das Finanzamt wahrscheinlich den Abzug. Eine private Mitbenutzung ist nämlich nur zu höchstens 10 Prozent erlaubt. Nutzen Sie den Raum mehr als 10 Prozent privat, können Sie überhaupt nichts absetzen – nicht einmal anteilig.

Pro Jahr können Sie maximal 1.250 Euro für Ihr häusliches Arbeitszimmer absetzen, wenn es für Sie keinen zumutbaren Arbeitsplatz in Ihrem Unternehmen gibt. Typische Berufsgruppen, die keinen anderen Arbeitsplatz haben, sind etwa Lehrer oder Außendienstmitarbeiter.

Wenn Sie nur ein oder zwei von fünf Arbeitstagen die Woche im Homeoffice arbeiten und im Büro weiterhin einen Arbeitsplatz haben, können Sie die Kosten für Ihr Arbeitszimmer nicht geltend machen.

Anders könnte es sein, falls Sie drei Tage oder mehr pro Woche von zuhause arbeiten. In diesem Fall liegt unter Umständen der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit im heimischen Arbeitszimmer. Dann wäre sogar ein unbeschränkter Abzug der Kosten möglich. Allerdings besteht noch Rechtsunsicherheit darüber, ab wann der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit von Angestellten zuhause liegt. Da immer mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, könnten Steuergerichte in den nächsten Jahren Klarheit schaffen. Vielleicht reagiert auch der Gesetzgeber. Wenn Sie überwiegend von zuhause arbeiten, sollten Sie deshalb versuchen, die Kosten für Ihr Arbeitszimmer abzusetzen.

Was außerdem wichtig ist, lesen Sie in unserem Ratgeber zum häuslichen Arbeitszimmer.

Hat Ihr Arbeitgeber während der Corona-Pandemie Homeoffice angeordnet, haben Sie gute Chancen, die Kosten für Ihr Arbeitszimmer für diese Zeit von der Steuer abzusetzen. Wichtig ist, dass Sie sich von Ihrem Arbeitgeber bescheinigen lassen, für welchen Zeitraum und wie viele Tage pro Woche Sie von zuhause arbeiten mussten. Außerdem sollten Sie Fotos Ihres Arbeitszimmers bereithalten, falls das Finanzamt zusätzliche Nachweise dafür verlangt, dass der Raum alle Voraussetzungen erfüllt.

Haben Sie wegen Corona freiwillig im Homeoffice gearbeitet, können Sie wahrscheinlich Ihr Arbeitszimmer nicht von der Steuer absetzen. In jedem Fall geltend machen können Sie Ausgaben für Arbeitsmittel wie einen für berufliche Zwecke gekauften Computer, Druckpapier oder Patronen. Daher sollten Sie alle entsprechenden Belege aufbewahren.

Wie sind Sie im Homeoffice versichert?

Wenn Sie als Arbeitnehmer am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin einen Unfall haben, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung. Das Gleiche gilt, wenn Sie von zuhause arbeiten. Maßgeblich für den Schutz ist, dass der Unfall in engem Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit steht. Ob es einen solchen Zusammenhang gibt, ist bei Unfällen auf dem Weg zur Arbeit oder von dort nach Hause aber oft umstritten. Regelmäßig entscheiden dann Gerichte.

Machen Sie beispielsweise auf dem Weg ins Firmenbüro einen Umweg, um Ihr Kind in der Kindertagesstätte abzusetzen, sind Sie versichert (§ 8 SGB VII). Fahren Sie danach allerdings wieder nach Hause, um im Homeoffice zu arbeiten, haben Sie auf dem Weg laut Bundessozialgericht keinen Versicherungsschutz (BSG, Az. B 2 U 19/18 R).

Ähnlich ist es, wenn Sie zum Beispiel auf dem Weg in die Küche stürzen, um sich eine Wasserflasche zu holen, während Sie von zuhause arbeiten. Im Firmenbüro sind Sie auf diesen Wegen versichert. Wenn ein solcher Unfall allerdings im eigenen Haus passiert, leistet die gesetzliche Unfallversicherung nicht (BSG, Az. B 2 U 5/15 R).

Was müssen Freiberufler beachten?

Als Journalist, Künstler oder Existenzgründer dürfen Sie Ihre Wohnung auch nutzen, um dort Ihrem Beruf nachzugehen – genauso wie Angestellte, die von zuhause arbeiten. Wenn Sie aber beispielsweise als Immobilienmakler oder Rechtsanwalt daheim arbeiten, müssen Sie unter Umständen Ihren Vermieter um Erlaubnis bitten.

Treten Sie nämlich mit Ihrer Tätigkeit nach außen in Erscheinung, etwa durch Nutzung Ihrer Wohnadresse als Geschäftsadresse, fällt Ihre berufliche Tätigkeit nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht mehr unter den Begriff des Wohnens. Sie müssen dann gegebenenfalls Ihren Vermieter um Erlaubnis für eine teilgewerbliche Nutzung bitten. Dieser könnte dem BGH zufolge verpflichtet sein, Ihnen diese auch zu erteilen, sofern Sie keine Mitarbeiter und kaum Kundenverkehr haben (BGH, Urteil vom 14. Juli 2009, Az. VIII ZR 165/08). Im konkreten Fall ging es um einen Immobilienmakler, der in seiner Wohnung arbeitete.

Anders argumentierte das Landgericht Berlin im Fall eines Versicherungsmaklers, der seine Wohnadresse nur für die Gewerbeanmeldung und Eintragung in einige Online-Register nutzte: Seine Tätigkeit fiel nach Ansicht des Gerichts noch unter den Begriff des Wohnens (LG Berlin, Urteil vom 6. März 2015, Az. 65 S 366/14). Dieser Fall landete nicht vor dem Bundesgerichtshof, die Beispiele zeigen allerdings, wie schmal der Grad zur teilgewerblichen Nutzung ist. Sprechen Sie daher vorsichtshalber mit Ihrem Vermieter, wenn Sie Ihre Wohnung für eine Tätigkeit nutzen wollen, die möglicherweise seiner Erlaubnis bedarf.

Autor
Nicolas Heronymus

Stand: 11. August 2020


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