Kinderkrankengeld

Wann Eltern Geld fürs kranke Kind bekommen

Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
29. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Sie erhalten von Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung Kinderkrankengeld, falls Ihr Sohn oder Ihre Tochter krank ist, betreut werden muss und Sie deswegen nicht zur Arbeit gehen können. Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld.
  • Wie viel Geld die Kasse pro Arbeitstag zahlt, richtet sich nach Ihrem Einkommen. Es ist aber deutlich weniger als Ihr reguläres Gehalt.
  • Pro Kalenderjahr und pro Kind gibt es für höchstens zehn Arbeitstage Kinderkrankengeld. Bei mehr als zwei Kindern sind es höchstens 25 Tage. Wegen der Corona-Pandemie gibt es im Jahr 2020 jeweils fünf weitere Tage pro Elternteil (Alleinerziehende: weitere zehn Tage).
So gehen Sie vor
  • Prüfen Sie, ob Ihr Tarifvertrag die Fortzahlung Ihres Gehaltes vorsieht, wenn Sie sich um Ihr krankes Kind kümmern müssen.
  • Lassen Sie sich vom Arzt bescheinigen, dass Sie wegen der Krankheit Ihres Kindes nicht arbeiten konnten. Schicken Sie das Attest gemeinsam mit dem Antrag auf Kinderkrankengeld an Ihre Krankenkasse und Ihren Arbeitgeber. 
  • Legen Sie Ihrer Krankenkasse außerdem eine Verdienstbescheinigung Ihres Arbeitgebers vor.

Keine Frage: Kranke Kinder müssen betreut und versorgt werden. Aber wenn beide Elternteile arbeiten, kann das zum Problem werden. Meist bleibt dann einer zu Hause – was auch sein gutes Recht ist. Niemand muss Urlaubstage oder Überstunden opfern, wenn der Nachwuchs hustet und schnieft. Eltern sind dann laut Gesetz von der Arbeit freigestellt. Aber wie sieht es finanziell aus? Wenn Sie Glück haben, zahlt Ihnen Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt weiter. Ansonsten bekommen gesetzlich Versicherte das sogenannte Kinderkrankengeld.

Wann erhalte ich von meinem Arbeitgeber weiterhin Gehalt?

Wenn Sie aus persönlichen Gründen nicht arbeiten können, zum Beispiel weil Sie sich um Ihr krankes Kind kümmern müssen, sieht das Gesetz vor, dass Sie in dieser Zeit weiter von Ihrem Arbeitgeber bezahlt werden (§ 616 BGB). Nach der Rechtsprechung müsste ein Betrieb in so einer Situation das Gehalt für bis zu fünf Arbeitstage fortzahlen (BAG, Urteil vom 19. April 1978, Az. 5 AZR 834/76).

Dafür müssen Sie Ihrem Arbeitgeber aber ein ärztliches Attest vorlegen. Oft schließt der Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag diese Möglichkeit aus. Eine typische Klausel, mit der Unternehmen die bezahlte Freistellung ausschließen, lautet: „Bei sonstiger Dienstverhinderung aufgrund eines in seiner Person liegenden Grundes besteht kein Anspruch des Mitarbeiters auf Fortzahlung der Vergütung. § 616 BGB findet keine Anwendung.“

Haben Sie eine solche Klausel in Ihrem Arbeitsvertrag, sind Sie zwar freigestellt – aber unbezahlt. Das ist heutzutage die Regel. Aber an dieser Stelle springt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) mit dem Kinderkrankengeld ein (§ 45 SGB V).

Wer hat Anspruch auf Kinderkrankengeld?

Sie können Kinderkrankengeld bekommen, falls

  1. Sie als Arbeitnehmer gesetzlich krankenversichert sind;
  2. Ihr Kind so krank ist, dass es nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen kann;
  3. ein Arzt attestiert hat, dass Sie Ihr Kind betreuen müssen und
  4. Sie deswegen nicht arbeiten können.

Diese Regelung gilt aber nur, wenn Ihr krankes Kind in Ihrem Haushalt lebt und nicht älter als zwölf Jahre ist. Die Altersgrenze entfällt, wenn es sich um ein behindertes Kind handelt.

Wichtig ist, dass nicht nur Sie gesetzlich krankenversichert sind, sondern auch der kränkelnde Nachwuchs. Meistens handelt es sich dabei um eine Familienversicherung. Ist Ihr Kind privat krankenversichert, stehen Ihnen keine Leistungen zu, auch wenn Sie selbst in der GKV sind. Außerdem darf niemand anders im Haushalt zur Verfügung stehen, der das Kind betreuen könnte. Lebt zum Beispiel die Großmutter mit Ihnen unter einem Dach, kann sie möglicherweise ihren Enkel gesund pflegen.

Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II gibt es bei Pflege eines erkrankten Kindes weiterhin. Sie müssen der Agentur für Arbeit die ärztliche Bestätigung vorlegen, dass es erforderlich ist, dass Sie Ihr Kind beaufsichtigen und betreuen müssen und deswegen nicht dem Amt zur Verfügung stehen. An Ihre Krankenkasse brauchen Sie sich nicht zu wenden. Arbeitslosen steht dieselbe Anzahl an Kinderpflegetagen wie Berufstätigen zu. Allerdings verlängert sich die Bezugsdauer des Arbeitslosengelds dadurch nicht.

Kein Kinderkrankengeld für Privatversicherte 

Private Krankenversicherungen (PKV) sehen grundsätzlich keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld vor. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Versicherung und informieren Sie sich über spezielle Kinderkrankentagegeld-Tarife, wenn Ihnen das wichtig ist.

Was brauche ich für die Auszahlung?

Für die Auszahlung von Kinderkrankengeld durch die Krankenkasse sind lediglich zwei einfache Bescheinigungen nötig.

Ärztliches Attest und Antrag - Sie brauchen vom betreuenden Arzt eine Bescheinigung, dass Sie aufgrund der Pflege Ihres kranken Kindes nicht arbeiten können. Dazu gibt es einen Vordruck, der auch gleich den Antrag auf Kinderkrankengeld enthält. Dort müssen Sie Ihre Bankverbindung angeben und erklären, ob Sie von Ihrem Arbeitgeber in dieser Zeit Gehalt bekommen oder nicht. Die Bescheinigung und den unterschriebenen Antrag schicken Sie an Ihren Arbeitgeber und Ihre Krankenkasse. Ein Muster für ein solches Formular finden Sie hier.

Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers - Um das Krankengeld berechnen zu können, benötigt Ihre Krankenkasse außerdem eine Bescheinigung über Ihren Verdienst.

Liegen der Krankenkasse beide Nachweise vor, berechnet sie Ihren Leistungsanspruch und überweist das Kinderkrankengeld auf Ihr Konto. Steht in der Bescheinigung, dass Sie das Kind infolge eines Unfalls betreuen müssen, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung das Krankengeld. Das gilt jedoch nur, wenn sich der Unfall im Kindergarten, im Hort, in der Schule oder auf dem Weg dorthin oder nach Hause ereignet hat.

Wie hoch ist das Krankengeld für die Pflege meines Kindes?

Die Höhe des Kinderkrankengelds ist gesetzlich festgelegt (§ 45 Abs. 2 SGB V). Genau wie beim normalen Krankengeld erhalten Sie 90 Prozent Ihres ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Gleichzeitig darf die Zahlung aber 70 Prozent der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze nicht überschreiten. Der Tageshöchstsatz beläuft sich nach dieser Berechnung im Jahr 2020 auf rund 109 Euro.

Wie lange erhalte ich Kinderkrankengeld?

In jedem Kalenderjahr und für jedes Kind bekommt jedes Elternteil maximal für zehn Arbeitstage Krankengeld, sofern beide berufstätig sind. Insgesamt gibt es pro Kind demnach 20 Tage. Alleinerziehende Versicherte mit einem Kind haben alleine Anspruch auf höchstens 20 Arbeitstage. Haben Sie mehrere Kinder, kann jeder Elternteil insgesamt 25 Arbeitstage pro Jahr Kinderkrankengeld beziehen. Bei Alleinerziehenden mit mehr als zwei Kindern sind es maximal 50 Tage.

Neu: Angesichts der Corona-Pandemie haben sich Bund und Länder mit dem Krankenhauszukunftsgesetz darauf verständigt, die Anspruchsdauer aufzustocken: Bis Ende Dezember 2020 stehen gesetzlich versicherten Elternpaaren für jedes Kind fünf zusätzliche Tage Kinderkrankengeld zu. Das macht bei einem Kind also insgesamt 30 Tage. Alleinerziehende erhalten bis Jahresende zehn weitere Tage (§ 45 Abs. 2a SGB V). Der Anspruch steht Versicherten insgesamt für nicht mehr als 35 Arbeitstage zu, auch wenn sie mehrere kranke Kinder betreuen müssen (Alleinerziehende: nicht mehr als 70 Arbeitstage). Weitere Informationen für Eltern findest Du in unserem Ratgeber zur Kinderbetreuung in der Corona-Krise.

Falls ein Elternteil aus persönlichen oder beruflichen Gründen die Betreuung am Krankenbett nicht übernehmen kann, lässt sich der Anspruch auf Kinderkrankengeld unter bestimmten Bedingungen auch auf den anderen Elternteil übertragen. Das geht jedoch nur, wenn beide berufstätige Eltern gesetzlich versichert sind und der Arbeitgeber dem zustimmt.

Eltern von schwerstkranken Kindern, die nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben haben, können zeitlich unbegrenzt Krankengeld bekommen. In diesem Fall muss das Kind auch nicht zwingend im Haushalt des Versicherten wohnen und dort betreut werden. Es kann auch in einem Krankenhaus oder Hospiz untergebracht sein.

Autor
Dr. Britta Beate Schön
& Co-Autor
Max Mergenbaum

29. Oktober 2020


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