Kundengeschenke

So versteuern Sie Geschenke an Geschäftspartner und Mitarbeiter

Udo Reuß Stand: 12. September 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Unternehmer können Geschenke an Kunden oder Geschäftspartner bis 35 Euro pro Person und Jahr als Betriebsausgaben absetzen.
  • Fällt das Geschenk teurer aus, dann sind die kompletten Ausgaben nicht abziehbar.
  • Ein Geschenk an einen Mitarbeiter lässt sich immer als Betriebsausgabe geltend machen. Für den Mitarbeiter ist das Geschenk steuerfrei, solange der Wert weniger als 60 Euro beträgt.
So gehen Sie vor
  • Das Unternehmen kann das Geschenk pauschal mit 30 Prozent des Wertes versteuern. Falls der Unternehmer das Geschenk nicht versteuert hat, muss es der Beschenkte versteuern: mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz als Einnahme beziehungsweise Arbeitslohn.
  • Zusätzlich muss der Schenker neben der pauschalen Einkommensteuer auch noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bezahlen.
  • Achtung: Falls der Geber das Geschenk versteuert, sieht das Finanzamt die Steuern als weiteres Geschenk an den Empfänger an. Als schenkender Unternehmer, der die Wertgrenze von 35 Euro einhalten will, sollten Sie nur Geschenke wählen, die deutlich unter 35 Euro wert sind, damit die Gesamtsumme aus Geschenk und „Steuergeschenk“ als Betriebsausgabe abzugsfähig ist.

Ein Fläschchen Wein zu Weihnachten, ein Kalender fürs neue Jahr oder eine schöne Schachtel Pralinen – kleine Geschenke erhalten nicht nur die Freundschaft. Auch im beruflichen Bereich zeigen Firmen und Kunden sich gerne mit einem kleinen Präsent die gegenseitige Wertschätzung.

Häufig lassen sich diese Ausgaben steuerlich geltend machen. Der Fiskus unterscheidet jedoch, wem Sie als Unternehmen etwas schenken: einem Geschäftsfreund oder einem Mitarbeiter.

Das sollten Sie zu Geschenken an Geschäftspartner wissen

Wenn Sie als Inhaber einer Firma Ihrem Geschäftspartner etwas schenken, dann können Sie die Kosten dafür als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Wichtig ist jedoch, dass Sie das Geschenk aus betrieblichen Gründen machen und keine Gegenleistung damit verbunden ist.

Absetzen können Sie den Kaufpreis aber nur, solange er bei weniger als 35 Euro pro beschenkter Person und Jahr liegt. Sobald der Preis dieses Limit übersteigt, können Sie den Betrag nicht mehr als Betriebsausgabe verbuchen, nicht einmal den Anteil unter 35 Euro. Dann handelt es sich einfach um eine nicht abzugsfähige Betriebsausgabe. Sie müssen diese wie eine private Ausgabe behandeln, als sogenannte Entnahme aus dem Betriebsvermögen. Das bedeutet: Die Ausgaben für das Geschenk müssen Sie als Gewinn versteuern (§ 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG).

In der Buchhaltung muss das Unternehmen zu jedem Geschenk mit einem Wert ab zehn Euro die Ausgaben, den Begünstigten und den Anlass festhalten, um sie als Betriebsausgaben zu verrechnen. Der Beleg für das Geschenk muss dem Beschenkten eindeutig zuordenbar sein.

Tipp: Wenn Sie im Namen Ihrer Firma einem Geschäftspartner etwas schenken, das er nur im Betrieb nutzen kann, entfällt die 35-Euro-Freigrenze. Schenken Sie einem Kunden beispielsweise ein teures Computerprogramm, das er nur für seine berufliche Tätigkeit nutzen kann, dann darf dieses auch mehr kosten als 35 Euro.

Ob für die 35-Euro-Freigrenze die Umsatzsteuer eingerechnet werden muss, hängt davon ab, ob das schenkende Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Falls ja, dann zählt der Nettowarenwert, andernfalls muss die Umsatzsteuer draufgeschlagen werden.

Geschenke lassen sich pauschal versteuern

Der Beschenkte muss das Geschenk wie eine Einnahme behandeln: Er muss den Wert verbuchen und versteuern. Wer seinen Geschäftspartner nicht durch diese erzwungene Ausgabe verärgern will, kann das Präsent vorab pauschal mit 30 Prozent des Kaufpreises versteuern – Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer kommen noch dazu. 

Achtung: Diese übernommenen Steuern zählen als weiteres Geschenk. Sie werden steuerlich so behandelt wie das Geschenk selbst. Bleibt der Gesamtbetrag – also inklusive des „Steuergeschenks“ – innerhalb der 35-Euro-Freigrenze, ist der Betrag als Betriebsausgabe abzugsfähig; andernfalls zählen die gesamten Kosten als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben. Dies hat der Bundesfinanzhof entschieden (Urteil vom 30. März 2017, Az. IV R 13/14).

Damit könnte der Schenker das Geschenk nicht bei der Steuer absetzen, wenn die Wertgrenze erst aufgrund der übernommenen Steuern überschritten wird. Liegt der Wert des Geschenks knapp darunter, könnte es passieren, dass die übernommene Steuer dazu führt, dass die Gesamtsumme aus Geschenk und „Steuergeschenk“ nicht abzugsfähig ist. 

Erfreulicherweise zeigt sich die Finanzverwaltung pragmatisch und großzügiger: Erst wenn das Geschenk selbst mehr als 35 Euro wert ist, entfällt der Abzug als Betriebsausgabe. Allein durch die übernommene Pauschalsteuer wird die Wertgrenze nicht überschritten. Bei Geschenken bis 35 Euro ist die übernommene Steuer ebenfalls als Betriebsausgabe abzugsfähig.

Dennoch sollte ein Unternehmer sehr genau rechnen, sonst kostet ihn das Geschenk sehr viel mehr als der Wert, der beim Geschäftspartner tatsächlich ankommt. Bemessungsgrundlage für die Pauschalsteuer sind die Bruttoaufwendungen, also inklusive Mehrwertsteuer.

Beschenkter muss bei Steuerübernahme nichts mehr zahlen

Der Beschenkte muss für das Präsent dann keine Steuern mehr zahlen. Am besten weisen Sie Ihren Geschäftsfreund darauf hin, dass Sie das Geschenk bereits versteuert haben, damit er die Steuer nicht auch noch zahlt. Laut Einkommensteuergesetz sind Sie sogar verpflichtet, ihm dies mitzuteilen (§ 37b EStG).

Achtung: Wer ein Geschenk pauschal versteuert, muss das für alle Kunden und alle Geschenke machen – ohne Ausnahme. Die pauschale Besteuerung ist an eine Höchstgrenze gebunden, die allerdings sehr großzügig bemessen ist: Pro Person und Jahr dürfen Sie maximal Geschenke mit einem Wert bis 10.000 Euro pauschal versteuern, dieser Höchstbetrag gilt auch für einzelne Geschenke.

Steuerfreie Streuartikel - Für kleinere Präsente wie Kugelschreiber oder USB-Sticks mit einem Wert von weniger als 10 Euro wird keine Steuer fällig, weder vom Schenkenden noch vom Beschenkten. Diese sogenannten Streuartikel gelten nicht als geldwerter Vorteil.

Das müssen Sie bei Geschenken an Mitarbeiter beachten

Wenn Sie einem Ihrer Mitarbeiter zur Geburt eines Kindes, zu einem Jubiläum oder zur Hochzeit eine Flasche Wein, Blumen oder einen Präsentkorb schenken, dann können Sie diese Aufmerksamkeit immer als Betriebsausgaben abziehen. Der Wert ist egal. Es muss sich aber um eine reine Sachleistung handeln.

Für den Mitarbeiter ist das Geschenk allerdings nur steuerfrei, solange der Kaufpreis inklusive Mehrwertsteuer unterhalb einer Grenze von 60 Euro (bis 31.12.2014: 40 Euro) bleibt. Wenn der Chef ihm ein Präsent mit einem Wert von mehr als 60 Euro überreicht, muss er es komplett als Arbeitslohn versteuern, inklusive der Sozialversicherungsbeiträge. Geldgeschenke sind unabhängig vom Betrag immer steuerpflichtig.

Zu versteuernde Sachbezüge sind im Bruttoarbeitslohn in Zeile 3 der Lohnsteuerbescheinigung enthalten, dieser Wert kommt in Zeile 6 der Anlage N der Einkommensteuererklärung. Natürlich können Sie als Chef auch hier die Steuer pauschal übernehmen, dann müssen Ihre Mitarbeiter nichts versteuern.

Tipp für Angestellte: Steuerfreier Sachbezug bis 44 Euro monatlich

Mitarbeiter dürfen jeden Monat von ihrem Chef eine steuer- und sozialversicherungsfreie Sachzuwendung im Wert von 44 Euro annehmen. Das kann auch ein Gutschein sein. Es kann sich also lohnen, eine besondere Gehaltserhöhung herauszuhandeln und sich die Fahrt zur Arbeit monatlich über einen Tankgutschein oder einen Zuschuss zur Fahrkarte vom Chef sponsern zu lassen (Kleine Sachbezugsfreigrenze, § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Wichtig: Es darf kein Geldschein sein, nur Sachzuwendungen fördert der Fiskus.

Autor
Udo Reuß

Stand: 12. September 2017


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