Einlagensicherung bei Banken

So sind Sparer bei einer Bankenpleite geschützt

Dirk Eilinghoff
& Co-Autor
Stand: 06. April 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Bankeinlagen sind innerhalb der Europäischen Union (EU) bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt. Jedes Land hat jedoch eigene Sicherungssysteme für den Fall einer Bankenpleite.
  • Die Einlagensicherung gilt für Tagesgeld-, Festgeld- und Girokonten sowie für Sparguthaben und Sparbriefe.
  • In Deutschland gibt es neben der gesetzlichen Einlagensicherung zusätzlich freiwillige Sicherungssysteme, die gewährleisten sollen, dass bei einer Bankenpleite Kundengelder in Millionenhöhe oder sogar vollständig zurückgezahlt werden können.
  • Bei einer Systemkrise, die den gesamten Bankensektor erfasst, dürfte die Einlagensicherung in jedem EU-Land allerdings an ihre Grenzen stoßen.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass die gesetzliche Einlagensicherung in einem EU-Staat nicht funktioniert, ist umso höher, je schlechter die Kreditwürdigkeit des jeweiligen Landes ist.

Die Bundesbürger sind Sparweltmeister: Etwa 2000 Milliarden Euro haben sie auf Konten bei unterschiedlichsten Banken gebunkert. Dort sollte es sicher sein. Doch was passiert, wenn ein Institut plötzlich zahlungsunfähig ist? Sehen die Kunden ihr Geld dann überhaupt wieder?

Die EU-Einlagensicherung ist national organisiert

Grundsätzlich gilt: Geht eine Bank innerhalb der Europäischen Union (EU) pleite, sind Einlagen wie Guthaben auf dem Girokonto, Tages- und Festgeld bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert. Bei Gemeinschaftskonten, zum Beispiel von Eheleuten, erhöht sich der Schutz auf 200.000 Euro.

Die garantierte Summe kann sich auf bis zu 500.000 Euro erhöhen. Das ist dann der Fall, wenn besondere Lebensumstände viel Geld auf dem Konto liegt – etwa beim Verkauf einer selbstgenutzten Immobilie, bei Scheidung, Renteneintritt, Kündigung oder Invalidität. Der erhöhte Schutzumfang gilt aber nur für sechs Monate. Die garantierte Summe beinhaltet auch die Ansprüche auf Zinszahlungen.

Anders als viele Verbraucher vermuten, gibt es in der Europäischen Union bislang kein gemeinsames europäisches Einlagensicherungssystem, aus dem Sparer im Falle einer Bankenpleite entschädigt werden. Die Einlagensicherung liegt vielmehr in der Hand der einzelnen Mitgliedsstaaten. Allerdings hat die EU für die nationalen Sicherungssysteme einheitliche Regeln festgelegt.

Die EU-Richtlinie zur Einlagensicherung aus dem Jahr 2014 verpflichtet die einzelnen Länder, nationale Einlagensicherungsfonds aufzubauen und diese bis zum Jahr 2024 mit einem Mindestvermögen auszustatten. In der Vergangenheit mussten die Sicherungssysteme in vielen EU-Ländern selbst kein Kapital bereithalten, um die Anleger im Falle der Fälle zu entschädigen.

Eine weitere Vorgabe der EU ist die schnellere Auszahlung der Guthaben bei einer Bankeninsolvenz: Galt zunächst eine Frist von 20 Tagen, sind die Mitgliedstaaten mittlerweile verpflichtet, spätestens ab dem Jahr 2024 eine Auszahlung innerhalb von sieben Tagen sicherzustellen.

Eine ebenfalls wichtige Regel betrifft die Information der Kunden über die Einlagensicherung: Alle Kreditinstitute sind gesetzlich verpflichtet, ihren Kunden mitzuteilen, welcher Sicherungseinrichtung sie angehören.

Ob und in welcher Form es zukünftig eine einheitliche europäische Einlagensicherung geben wird, ist bisher noch offen. Im November 2015 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für ein Europäisches Einlagensicherungssystem (EDIS) vorgelegt, das auf den nationalen Sicherungssystemen beruht und schrittweise eingeführt werden soll.

Die Entwicklungen bei der Einlagensicherung sind ein Teil der Europäischen Bankenunion, mit der seit 2014 allmählich nationale Regeln von einheitlichen europäischen Regelungen zum Bankensektor abgelöst werden sollen. Dazu gehört auch eine verbesserte Bankenaufsicht: Große und grenzüberschreitend tätige Banken in der Eurozone sollen damit besser beaufsichtigt und im Falle einer Bankenpleite einheitlich behandelt werden.

Außerdem sind einheitliche Instrumente vorgesehen für den Fall, dass eine Bank ihren Betrieb einstellen muss. Dazu zählt etwa die Regel, dass Anteilseigner und Gläubiger von Pleitebanken sich an den Kosten der Abwicklung beteiligen sollen. Gesetzlich gesicherte Einlagen auf Giro- und Sparkonten sind davon aber ausgenommen – die Guthaben also geschützt. Kleinere Geldhäuser werden weiterhin von den nationalen Behörden abgewickelt.

Einlagensicherung in Deutschland

In Deutschland ist die gesetzliche Einlagesicherung so unübersichtlich wie in keinem anderen EU-Land. Ursache ist das komplizierte Bankensystem: Es gibt private Banken wie die Deutsche Bank und die ING-Diba. Hinzu kommen die öffentlichen Banken, zu denen etwa die Deutsche Kreditbank AG (DKB) und die Investitionsbanken der Bundesländer zählen. Dann gibt es noch die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken. Zu letzteren gehören alle Volks- und Raiff­eisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Jede dieser Gruppen hat ein eigenes Einlagensicherungssystem.

Entschädigungseinrichtung bei den privaten Banken

Für private Banken ist die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) zuständig. Sie übernimmt im Auftrag des Bundesfinanzministeriums die gesetzliche Einlagensicherung und Anlegerentschädigung für die privaten Banken in Deutschland. Doch nicht alle Institute, die in Deutschland Tages- und Festgeldkonten anbieten, unterliegen auch der hiesigen Einlagensicherung. Für manche ist die Einlagensicherung des Landes zuständig, in dem die Bank ihren Sitz hat. Die Consorsbank beispielweise ist eine Niederlassung der BNP Paribas und daher Mitglied im französischen Einlagensicherungsfonds.

Die EdB finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, die als sogenanntes unselbständiges Sondervermögen des Bundes verwaltet werden. Das bedeutet, dass nicht der Bund, sondern die einzelnen Banken untereinander die Einlagen garantieren. Die EdB gibt weder Auskunft über die Höhe ihrer Mittel noch über den Teil der Spareinlagen, der dadurch tatsächlich abgesichert ist.

Nach eigenen Angaben ist die EdB allerdings nicht für eine schwere Krise des gesamten Bankensektors ausgelegt. Wie sicher die Einlagen im Fall einer schweren Systemkrise wären, kann deshalb niemand mit Sicherheit vorhersagen. Bei systemrelevanten Banken, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten, würde aber wahrscheinlich der Staat in die Bresche springen, damit es gar nicht erst zu einer Pleite kommt. Eine gesetzliche Garantie dafür gibt es aber nicht.

Zusätzlich zur gesetzlichen Einlagensicherung sind viele private Banken noch Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Dadurch sind pro Kunde Guthaben oberhalb der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu einer Höhe von maximal 20 Prozent des Eigenkapitals einer Bank abgedeckt. Diese Grenze wird allerdings bis 2025 schrittweise auf 8,75 Prozent gesenkt.

Die Höhe des maßgebenden Eigenkapitals wird durch die zuletzt veröffentlichte Bilanz bestimmt. Börsennotierte Unternehmen legen ihre Bilanzen viermal im Jahr vor. Wir gehen davon aus, dass sich das Eigenkapital einer Bank bereits deutlich reduziert hat, bevor es zum tatsächlichen Zahlungsausfall kommt. Das bedeutet, dass sich die Summe, für die die freiwillige Einlagensicherung tatsächlich garantiert, stark verringert, und niemand sagen kann, wie hoch eine Entschädigung ausfällt. Die Untergrenze beträgt bei kleinen Banken derzeit 1 Million Euro. Darüber hinaus haben Bankkunden im Gegensatz zur gesetzlichen Einlagensicherung keinen rechtlichen Anspruch auf die Entschädigung.

Öffentliche Banken mit eigenen Fonds

Die öffentlichen Banken, die im Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) organisiert sind, unterhalten ihre eigene gesetzliche Einlagensicherung. Zuständig ist die Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (EdÖ).

Darüber hinaus sind viele öffentliche Banken zusätzlich Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des VÖB. Über die Höhe der Absicherung macht der Verband keine Angaben. Auf dessen Website heißt es lediglich: „Leistungen des Einlagensicherungsfonds e. V. erfolgen auf freiwilliger Basis nach der Leistungsfähigkeit des Fonds, das heißt, im Rahmen des vorhandenen Fondsvermögens.“ Wie bei den privaten Banken besteht auch beim VÖB-Fonds kein Rechtsanspruch auf Zahlungen in einem Schadensfall.

Die Bank mit den größten Spareinlagen in diesem Verband ist die Deutsche Kreditbank (DKB), eine Tochter der Bayerischen Landesbank.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit Institutssicherung

Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen und Genossenschaftsbanken sind nicht Mitglied in den gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen. Sie stützen sich stattdessen auf eine sogenannte Institutssicherung. Nach dem Motto „Alle für einen“ springen die Mitglieder ein, falls eine Bank aus dem Verbund in Schwierigkeiten gerät. Auf diese Weise soll ausgeschlossen werden, dass es überhaupt zu einer Insolvenz und damit zu einem Entschädigungsfall kommen kann. Demnach sind die Einlagen der Kunden auf dem Papier in unbegrenzter Höhe abgesichert.

Die Sparkassen-Finanzgruppe hat ein eigenes Sicherungssystem. Gerät eines der Mitgliedsinstitute in wirtschaftliche Schieflage, sichern die anderen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die Zahlungsfähigkeit der betroffenen Sparkasse. Die Genossenschaftsbanken sind in der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) organisiert.

Gesetzliche Einlagensicherung bei Banken aus dem EU-Ausland

Die Angebote mit den höchsten Zinsen für Tagesgeld und Festgeld stammen meist von Banken, die ihre Lizenz nicht aus Deutschland haben, sondern aus einem anderen Staat der EU. Am deutschen Markt sind vor allem Banken mit niederländischer, französischer oder österreichischer Zulassung vertreten.

Die Abwicklung von Schadensfällen ist seit Anfang Juli 2015 deutlich vereinfacht. Sparer müssen sich bei einer Pleite nicht mehr mit der jeweiligen Entschädigungseinrichtung im Ausland auseinandersetzen. Entschädigungszahlungen laufen automatisch über das deutsche Einlagensicherungssystem im Auftrag der ausländischen Einrichtung. Auch die Zahlungsfrist hat sich verkürzt: Seit dem 1. Juni 2016 muss die Entschädigungseinrichtung spätestens nach sieben Tagen zahlen. Bisher dahin hatte die Frist 20 Tage betragen.

Finanztip-Empfehlung zur Einlagensicherung

Auch wenn die zunehmende europäische Integration der Banken das Finanzsystem als Ganzes stärkt, so ist das doch keine Garantie dafür, dass die Sicherungssysteme im Entschädigungsfall funktionieren. Kommt es zu einer schweren Systemkrise im Bankensektor, dürften die zur Verfügung stehenden Mittel kaum ausreichen, um mehrere Großbanken zu retten.

Die einzelnen Staaten müssen demnach auch in Zukunft als letzter Rettungsanker herhalten und für die Einlagen von Sparern garantieren. Deshalb empfehlen wir nur Banken, die aus einem Land mit hoher Finanzkraft stammen. Diese Staaten wären im Krisenfall viel eher in der Lage, für die Spareinlagen zu bürgen.

Auf der anderen Seite ist natürlich denkbar, dass die anderen EU-Länder einem Mitgliedstaat zu Hilfe eilen, sollte dieser bei einer Bankenkrise die Einlagen der Kunden nicht mehr garantieren können. Doch ohne langwierige politische Verhandlungen dürfte das nicht über die Bühne gehen. Ein Hinweis auf die Finanzkraft eines Landes ist dessen sogenanntes Rating. Dabei handelt es sich um Bonitätsnoten, die die führenden Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch vergeben. Ein sogenanntes Triple-A-Rating (AAA) entspricht der höchsten Kreditwürdigkeit. Eine Übersicht über die Bonität einiger EU-Länder gibt die folgende Tabelle.

Bonität von EU-Ländern mit Sparangebot von Banken in Deutschland

LandRating S&PRating Moody’sRating Fitch
BulgarienBB+Baa2BBB-
DeutschlandAAAAaaAAA
EstlandAA-A1A+
FrankreichAAAa2AA
GroßbritannienAAAa1AA
ItalienBBB-Baa2BBB+
KroatienBB-Ba2BB
NiederlandeAAAAaaAAA
MaltaA-A3A
ÖsterreichAA+Aa1AA+
PolenBBB+A2A-
PortugalBB+Ba1BB+
SchwedenAAAAaaAAA

Quelle: Finanztip-Recherche bei S&P, Moody's, Fitch (Stand: 6. Februar 2017)

Tages- und Festgeld-Angebote mit besonders hohen Zinsen bieten oftmals Banken an, die ihren Sitz in Ländern mit niedriger Bonität haben. Anleger sollten sich bewusst machen, dass sie bei solchen Offerten möglicherweise ein höheres Risiko eingehen. Letztlich setzen sie darauf, dass in einer schweren Finanzkrise die Europäische Union zusammensteht und dass die finanzstarken Länder den schwächeren Staaten aus der Patsche helfen.

Mehr dazu im Ratgeber Tagesgeld

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Autor
Dirk Eilinghoff
& Co-Autor
Dr. Manuel Kayl

Stand: 06. April 2017


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