Pressemitteilung Undurchsichtige Preispolitik der Autoversicherer: Unfallrisiko wird zur Nebensache

Berlin, 10.02.2023 – Das Unfallrisiko ist für die Höhe des Beitrags in der Kfz-Versicherung unwichtiger, als viele Verbraucher denken. Vielmehr jonglieren Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men mit den Preisen. Anbieter ändern in der Wechselsaison den Preis für denselben Ver­si­che­rungsvertrag teils mehrfach binnen weniger Tage, zeigt eine aktuelle Untersuchung des Geldratgebers Finanztip.

Finanztip konnte bei den Anbietern deutliche Unterschiede der Beiträge innerhalb von 24 Stunden nachweisen – für den identischen Tarif und die identische Person. „Dabei geht es zunehmend zu wie an der Tankstelle”, sagt Kathrin Gotthold, Ver­si­che­rungsexpertin beim Geldratgeber Finanztip. „Die Preissprünge in unserer Untersuchung zeigen ganz deutlich, dass es neben den – adäquaten – Risikopreisen auch einen Verkaufspreis gibt, der stark schwanken kann.“

Finanztip stellte zum Beispiel bei einem Musterkunden Preisstürze und -sprünge um bis zu 160 Euro fest. Der Jahresbeitrag für die Absicherung von Haftpflicht und Vollkasko verteuerte sich bei seinem Tarif von einem Tag auf den anderen von 496 Euro auf 661 Euro – also um rund ein Drittel (siehe Grafik).

Kfz-Versicherer haben Preisoptimierung entdeckt

Für Verbraucher sind solche Verkaufspreise und deren entsprechende Schwankungen nur schwer nachzuvollziehen. „Bei Flügen, Elektronikartikeln oder auch Benzin wissen wir, dass sich die Preise täglich ändern können und halten die Augen offen“, sagt Gotthold. Bei Ver­si­che­rungen gingen die meisten bisher wohl davon aus, dass sich der Beitrag im Wesentlichen aus dem Risiko ergibt, einen Schaden zu verursachen. Zu Unrecht, wie die aktuelle Finanztip-Untersuchung zeigt.  

„Das Risiko in der Autoversicherung hängt von vielen unterschiedlichen Merkmalen ab“, sagt Gotthold. „Dass sich dieses Risiko täglich ändert – und damit auch schlagartig der Preis für die angebotene Ver­si­che­rungsleistung – ist recht unplausibel.“ Die aktuelle Finanztip-Untersuchung zeigt jedoch, dass Autoversicherer die Preise für ihre Produkte vor allem in der Wechselsaison vor Jahresende mitunter häufig variieren. Das ist nicht auf eine Anpassung an sich ändernde Risiken zurückzuführen.  

Vergleich bei schwankenden Preisen umso wichtiger

Finanztip hat von Ende Oktober bis Mitte Dezember 2022 exemplarisch auf einem Ver­si­che­rungsvergleichsportal Hunderte Tarife abgefragt. Die Untersuchung zeigt deutliche Preisänderungen für einzelne Kfz-Versicherungstarife im Herbst. Verbraucher können teils täglich neue Konditionen vorfinden. Die Grafik zeigt die Veränderung des Beitragssatzes ausgewählter Tarife für einen Musterkunden.

Das Auf und Ab der Beiträge macht es für Kunden, die ihre Ver­si­che­rung wechseln und einen günstigen Anbieter finden wollen, noch wichtiger, Tarife richtig und regelmäßig zu vergleichen. Zusätzlich sollten Versicherte ihren Vertrag optimieren, um zu sparen. Denn einige preisrelevante Merkmale können Verbraucher selbst beeinflussen – vor allem, indem sie den Beitrag jährlich zahlen, ihre Fahrleistung realistisch aber defensiv angeben und sinnvoll eingrenzen, wer hinters Steuer darf.

Inflation treibt Kreativität der Versicherer weiter

„Es ist davon auszugehen, dass Versicherer in der kommenden Abwerberunde noch tiefer in die Trickkiste greifen werden”, sagt Gotthold. Die Kfz-Versicherung ist neben der Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung wie kaum eine andere Ver­si­che­rungssparte von Preissteigerungen betroffen. Steigende Kosten für Reparaturen beispielsweise spüren auch Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men.

Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat zuletzt die deutschen Autoversicherer ermahnt, sich inflationssicher aufzustellen. Auch der Gesamtverband der deutschen Ver­si­che­rungswirtschaft (GDV) geht von steigenden Beiträgen in der Kfz-Versicherung aus.

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