Reisestornierung

Wann Sie eine gebuchte Reise kostenlos stornieren können

Julia Rieder Stand: 24. März 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Urlauber können eine gebuchte Reise nur bei höherer Gewalt kostenlos stornieren.
  • Unter höhere Gewalt fallen Kriege, politische Unruhen oder Naturkatastrophen.
  • Ein Terroranschlag in Ihrem Reiseland ist meist kein ausreichender Grund für einen kostenlosen Rücktritt.
  • Viele Reiseveranstalter zeigen sich kulant und ermöglichen es Kunden, kostenfrei umzubuchen oder zu stornieren.

Anschläge in Paris, Selbstmordattentate in Istanbul und Ankara oder Bomben in Brüssel: Immer wieder erschüttern Terrorakte beliebte Urlaubsziele. Viele Touristen fühlen sich verunsichert und überlegen, ob sie geplante Reisen umbuchen können oder erst gar nicht antreten sollen. Doch den Urlaub kostenfrei zu stornieren, ist nur selten möglich.

Wann können Urlauber ihre Reise kostenlos stornieren?

Urlauber können nur dann kostenlos von ihrer Pauschalreise zurücktreten, wenn höhere Gewalt die Reise erheblich gefährdet oder beeinträchtigt und dies zum Zeitpunkt der Buchung nicht vorhersehbar war (§ 651h Abs. 3 BGB). Als höhere Gewalt gelten zum Beispiel Naturkatastrophen, aber auch politische Unruhen und Krieg. Übrigens hat in solchen Fällen auch der Reiseveranstalter das Recht, einen Pauschalreisevertrag zu kündigen.

Einzelne Terroranschläge werden hingegen meist als allgemeines Lebensrisiko gewertet; es sei denn, das Auswärtige Amt gibt eine Reisewarnung für das Urlaubsziel heraus.

Häufig sind die Reiseveranstalter jedoch kulant und bieten Kunden, die unmittelbar nach einem Anschlag in die betroffene Region reisen sollten, eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung an. Wer sich unsicher ist, ob er die Reise noch antreten möchte, sollte sich zügig an seinen Reiseveranstalter wenden und nach Alternativen fragen. Denn bei vielen Anbieter dürfen Kunden nur innerhalb einer kurzen Frist umbuchen oder stornieren.

Kein Geld von der Reiserücktrittsversicherung

Die Reiserücktrittsversicherung zahlt bei Terror und Kriegen in der Regel nicht. Die Verträge enthalten meist entsprechende Ausschlussklauseln.

Was gilt, wenn es Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes gibt?

Da der Begriff „höhere Gewalt“ nicht klar definiert ist, muss im Streitfall ein Gericht klären, ob es einen ausreichenden Grund für eine kostenfreie Stornierung gibt. Um zu klären, inwiefern die Situation für Reisende tatsächlich gefährlich ist, stützen sich die Richter dabei meist auf die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes. Diese sind in drei Kategorien unterteilt:

Reisehinweise - Unter diesem Punkt werden Informationen zu Besonderheiten des Landes, Einreisebestimmungen, Zollvorschriften und medizinische Hinweise zusammengefasst.

Sicherheitshinweise - In dieser Rubrik macht das Auswärtige Amt auf besondere Risiken für Reisende aufmerksam, etwa eine terroristische Gefährdung. Gegebenenfalls rät das Ministerium von nicht zwingend erforderlichen Reisen in bestimmte Gebiete ab und empfiehlt, öffentliche Plätze und Menschenansammlungen zu meiden.

Reisewarnungen - Gilt für ein Land eine Reisewarnung, geht das Auswärtige Amt davon aus, dass jedem dorthin Reisenden eine Gefahr für Leib und Leben droht. Urlauber werden dringend vor Reisen in dieses Land oder eine bestimmte Region gewarnt, dort lebende Deutsche zur Ausreise aufgefordert. In diesem Fall gehen Reiseveranstalter meist davon aus, dass die Umstände kostenfreies Stornieren rechtfertigen. Solche ausdrücklichen Reisewarnungen spricht das Auswärtige Amt allerdings nur selten aus. Auf seiner Website waren am 22. März 2016 Reise- oder Teilreisewarnungen für 25 Länder gelistet, darunter für den Norden der Sinai-Halbinsel in Ägypten und den Osten der Ukraine.

Touristen sind aber nicht nur dann erheblich gefährdet, wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung herausgegeben hat. Auch eine Epidemie, beispielsweise die Lungenkrankheit SARS, kann einen kostenlosen Rücktritt erlauben (Amtsgericht Augsburg, Urteil vom 9. November 2004, Az. 14 C 4608/03). Das für Schwangere gefährliche Zika-Virus in Südamerika könnte ebenfalls ein Grund sein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Reisewarnungen für Gebiete heraus, in denen eine hohe Gesundheitsgefährdung besteht. Solche Hinweise bieten zwar einen Anhaltspunkt für die Einschätzung höherer Gewalt, letztlich bewerten Gerichte aber den konkreten Einzelfall.

Ist ein Reiserücktritt bei Naturkatastrophen möglich?

Hurrikans, Erdbeben oder Überschwemmungen können ebenfalls ein ausreichender Grund für ein Storno der Reise sein. Das hängt allerdings davon ab, wie stark das jeweilige Reiseziel von der Naturkatastrophe betroffen ist. Ist der Urlaubsort aufgrund von Verwüstungen nicht zu erreichen oder würden die Aufräumarbeiten den Urlaub stark beeinträchtigen, können Touristen kostenfrei von der Reise zurücktreten.

Das Oberlandesgericht München erklärte zum Beispiel die Kündigung einer Reise nach Sri Lanka wegen einer Unwetterwarnung des Auswärtigen Amts vor dauerhaften, starken Regenfällen für gerechtfertigt (Urteil vom 8. Oktober 2012, Az. 21 U 519/12). Auch der Rücktritt von einer Kreuzfahrt, die die Region um das Atomkraftwerk Fukushima durchqueren sollte, war wegen der möglichen Gesundheitsgefahren berechtigt (Oberlandesgericht Bremen, Urteil vom 9. November 2012 , Az. 2 U 41/12).

Sie können den Reisevertrag übrigens auch noch wegen höherer Gewalt kündigen, wenn Sie schon im Reiseland unterwegs sind. Urlauber zahlen dann die bis dahin erbrachten Reiseleistungen anteilig. Entstehen für die Rückreise zusätzliche Kosten, müssen Reisende und Reiseveranstalter sie je zur Hälfte tragen. Haben Sie eine Reiseabbruchversicherung, kommt diese dafür auf.  

Wie kann ich meine Reisebuchung stornieren?

Sie müssen nicht per Brief kündigen, es reicht auch eine E-Mail an den Veranstalter. Um sicherzustellen, dass die Kündigung auch zugeht, empfehlen wir Ihnen aber, eine schriftliche Kündigung per Post als Einschreiben zu schicken. Dann kann sich der Veranstalter nicht herausreden, er habe Ihr Schreiben nie bekommen.

Schreiben Sie, dass Sie Ihren Reisevertrag wegen höherer Gewalt kündigen und fordern Sie den Reisepreis zurück. Setzen Sie dem Veranstalter außerdem eine Frist von drei Wochen für die Rückzahlung. Sie müssen die Kündigung zwar nicht begründen, es schadet aber auch nicht, wenn Sie Ihre Gründe kurz darlegen.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Julia Rieder

Stand: 24. März 2016


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