Flug stornieren

So bekommst Du Dein Geld zurück, wenn Du nicht fliegen kannst

Dr. Britta Beate Schön
Finanztip-Expertin für Recht
01. April 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug kannst Du sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen, auch wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline etwas anderes steht.

  • Pauschale Gebühren für die Bearbeitung einer Stornierung sind unzulässig.

  • Den Ticketpreis muss die Airline laut Bundesgerichtshof nicht erstatten, auch wenn sie Deinen Sitzplatz noch an einen anderen Passagier verkaufen konnte.

So gehst Du vor
  • Storniere Deinen Flug so früh wie möglich oder versuche, den Flug umzubuchen.
  • Fordere mit unserem Mus­ter­schrei­ben die Fluggesellschaft auf, Steuern und Gebühren zu erstatten. Dazu hast Du drei Jahre Zeit.

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Konntest Du wegen der Corona-Pandemie nicht fliegen, hast Du Anspruch auf Erstattung der Ticketkosten. Das gilt auch für Tickets, die nicht stornierbar waren. Mehr dazu liest Du im Ratgeber zu Flugticket-Erstattung wegen Corona.

Hast Du Deinen Flug selbst storniert, verpasst und nicht umgebucht, kannst Du auf jeden Fall Steuern und Gebühren zurückverlangen – das macht oft einige Hundert Euro aus.

Gibt es eine Erstattung, wenn Du den Flug stornierst?

Wer einen Flug bucht, schließt mit der Airline einen sogenannten Flugbeförderungsvertrag ab. Das ist genaugenommen ein Werkvertrag und kein Reisevertrag (BGH, Urteil vom 16. Februar 2016, Az. X ZR 97/14). Als Fluggast kannst Du einen solchen Vertrag deshalb jederzeit kündigen (§ 648 BGB). Aber einige Fluggesellschaften schreiben in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), dass ein Kündigungsrecht ausgeschlossen ist. Das ist erlaubt.

Steuern und Flughafengebühren

Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug kannst Du sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen. Die muss die Fluggesellschaft nämlich selbst erst zahlen, wenn der Passagier den Flug angetreten hat. Fliegt der Gast nicht mit, spart sich die Airline die Abgaben; Sie muss sie deshalb dem Kunden erstatten, aber nicht automatisch, sondern erst, wenn der sie einfordert (§ 648 Satz 2 BGB).

Bei der Angabe des Flugpreises muss die Airline den Preis genau aufschlüsseln in Flughafengebühren, Steuern, Zuschläge, Entgelte sowie den Ticketpreis (EuGH, Urteil vom 6. Juli 2017, Rs. C-290/16). So weißt Du genau, wie viel Du zurückfordern kannst. Die Flughafengebühren und Steuern machen einen erheblichen Anteil vom Gesamtticketpreis aus. Nutze dazu unser Mus­ter­schrei­ben.

Beispiel: Bei einem Flug von München nach Perth in Australien im Jahr 2020 belief sich der Basistarif auf rund 420 Euro. Hinzukamen rund 620 Euro an Steuern, Flughafen- und anderen Gebühren, also weit mehr als die Hälfte des Gesamtbetrags.

Manche Airlines weigern sich, Steuern und Gebühren zu erstatten. Ob das zulässig ist, bewerten die Gerichte nicht einheitlich. Easyjet hat zum Beispiel in seinen AGB erklärt, dass für alle Passagiere englisches Recht gelten soll: Demnach müssen Fluggesellschaften keine Gebühren und Steuern zurückzahlen, wenn der Fluggast den Flug nicht antritt. Eine solche Rechtswahl ist zulässig, urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt (13. Dezember 2018, Az. 16 U 15/18).

Das Amtsgericht Nürnberg hat die Frage, wann die Rechtswahl einer Fluggesellschaft gegenüber einem Verbraucher zulässig ist, dem Europäischen Gerichtshof zur Klärung vorgelegt (Beschluss vom 14. September 2020, Az. 240 C 2134/20).

Treibstoffzuschlag

Viele Airlines erstatten die Kerosin- oder Treibstoffzuschläge nicht, wenn der Fluggast die Reise nicht antritt. Eine Erstattung ist meist im Kleingedruckten ausgeschlossen. Das muss aber nicht wirksam sein (AG Erding, Urteil vom 11. Oktober 2018, Az. 4 C 2612/18). Deshalb kannst Du auch solche Zuschläge aus unserer Sicht zurückverlangen, wenn Du nicht fliegst.

Wann hast Du Anspruch auf den Ticketpreis?

Die reinen Flugkosten werden oft nicht erstattet, nämlich dann nicht, wenn die Fluggesellschaft in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Kündigung ausgeschlossen hat. Aber in einigen Fällen kannst Du bis zu 95 Prozent des Ticketpreises zurückverlangen. Hat die Airline Deinen Sitzplatz noch anderweitig vergeben, muss sie sich diese Erlöse anrechnen lassen, da sie wirtschaftlich keinen Schaden erlitten hat. Allerdings müssen Kunden oft hart um dieses Geld kämpfen. Und das klappt auch nicht bei allen Tarifen.

Das Amtsgericht Köln hat zum Beispiel eine Fluggesellschaft verurteilt, 95 Prozent des Ticketpreises zu erstatten. Dabei handelte es sich bei einem geplanten Familienflug nach Amerika um immerhin knapp 3.500 Euro (AG Köln, Urteil vom 19. September 2016, Az. 142 C 222/16).

Die Airline muss nachweisen, ob und – wenn ja – zu welchem Preis sie die stornierten Flugtickets an Dritte weiterverkaufen konnte. Legt die Fluggesellschaft keine Abrechnung vor, muss sie den Ticketpreis erstatten. Dann ist davon auszugehen, dass das Unternehmen nach der Stornierung das Flugticket weiterverkaufen konnte (LG Frankfurt/Main, Urteil vom 6. Juni 2014, Az. 2-24 S 152/13).

Erklärt die Fluggesellschaft nur, der Flug sei nicht ausgebucht gewesen und legt dazu die Buchungszahlen beim Abflug vor, muss sie bis zu 95 Prozent des Ticketpreises erstatten (§ 648 Satz 3 BGB). Denn das reicht als Beweis nicht aus. Sie muss nach einem Urteil des Amtsgerichts Köln vielmehr darlegen, wie sich der Buchungsstand zwischen Stornierung und Flug entwickelt hat (19. September 2016, Az. 142 C 222/16).

Keine Erstattung bei nicht stornierbaren Tickets

Oft bieten Airlines verschiedene Tarife für einen Flug an – einen Tarif, den die Kunden stornieren können, und einen günstigeren Tarif, den die Kunden nicht stornieren können. Das Landgericht Köln hatte folgenden Fall zu beurteilen: Zwei Fluggäste hatten sich aus verschiedenen Angeboten für einen nicht stornierbaren und deshalb besonders günstigen Flug entschieden. Dann stornierten sie den Flug.

Die Richter lehnten eine Erstattung des Ticketpreises ab, weil die Fluggäste durch ihre Buchung zum Ausdruck gebracht hatten, dass sie auf das Kündigungsrecht verzichten und somit der Reisepreis nicht erstattet wird, wenn sie stornieren (LG Köln, Urteil vom 14. März 2017, Az. 11 S 263/16; Urteil vom 7. Februar 2017, Az. 11 S 15/16).

Die Kläger wollten das Urteil nicht akzeptieren und hatten es dem Bundesgerichtshof vorgelegt. Die Richter haben der Fluggesellschaft Recht gegeben. Sie musste den Ticketpreis nicht erstatten, da sie laut BGH wirksam die Kündigungsmöglichkeit ausgeschlossen habe (Urteil vom 20. März 2018, Az. X ZR 25/17).

Wie bekommst Du Dein Geld zurück?

Keine Airline erstattet von sich aus Steuern und Gebühren, wenn ein Kunde seinen Flug storniert oder nicht antritt. Einige Airlines, etwa die Lufthansa, bieten die Möglichkeit, online die Erstattung zu beantragen.

Mus­ter­schrei­ben verwenden

Wenn Du die Erstattung nicht online beantragst, solltest Du die Airline schriftlich auffordern, Dir die Gebühren und Zuschläge zurückzuzahlen. Du kannst dazu unser Mus­ter­schrei­ben Flug­stornierung verwenden. Versende es am besten als Einschreiben mit Rückschein, um einen Nachweis zu haben, dass es tatsächlich angekommen ist.

Mus­ter­schrei­ben Flug­stornierung

Hier kannst Du Dir unser Mus­ter­schrei­ben für die Erstattung bei Flug­stornierung herunterladen:

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Auch wenn Du das Ticket über einen Vermittler gebucht hast, solltest Du Dich mit Deiner Erstattungsforderung direkt an die Fluggesellschaft wenden. Bei einigen Fluggesellschaften klappt das ohne Schwierigkeiten, bei anderen musst Du hartnäckig sein.

Rechtsanwalt einschalten

Du kannst Dein Geld auch mithilfe eines Rechtsanwalts einfordern und notfalls vor Gericht einklagen. Wähle dafür am besten einen Anwalt mit Schwerpunkt Reiserecht. Eine Rechts­schutz­ver­si­che­rung deckt die Kosten dafür normalerweise ab. Wenn Du tatsächlich klagen musst und den Prozess gewinnst, muss die Fluggesellschaft die Prozess- und Deine Anwaltskosten übernehmen.

Verjährung in drei Jahren

Du kannst Deine Ansprüche auch rückwirkend für die vergangenen drei Jahre einfordern. Wenn Du zum Beispiel 2018 einen Flug gebucht, bezahlt und später dann storniert hast, kannst Du noch bis zum 31. Dezember 2021 Geld zurückverlangen.

Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung

Eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung zahlt nur unter bestimmten Bedingungen, etwa wenn der Reisende oder ein naher Angehöriger erkrankt. Entscheidend sind die jeweiligen Ver­si­che­rungs­be­din­gungen, die sich von Versicherung zu Versicherung unterscheiden können. Stellt sich die Fluggesellschaft quer, erhältst Du möglicherweise von der Versicherung relativ problemlos die Stornokosten ersetzt.

Rechtsdienstleister pausiert während der Corona-Pandemie

Wir hatten nach unserer Untersuchung im Zeitraum vom 20. September bis zum 16. Oktober 2018 als Rechtsdienstleister den Service geld-fuer-flug.de von der Rightnow GmbH empfohlen. Während der Corona-Pandemie pausiert der Rechtsdienstleister aber wegen des geringen Flugaufkommens.

Sind Storno­be­arbeitungs­ge­bühren zulässig?

Viele Fluggesellschaften berechnen eine Gebühr dafür, dass sie das Storno bearbeiten. Ryanair beispielsweise verlangt eine Verwaltungsgebühr von 20 Euro. Bei der ungarischen Airline Wizz Air gibt es Stornierungsgebühren von 60 Euro (Stand: März 2020). Solche Gebühren sind allerdings aus unserer Sicht nicht zulässig, da die Fluggesellschaft damit allgemeine Betriebskosten auf den Fluggast abwälzt, der das Ticket nicht genutzt hat.

Denn damit benachteiligt die jeweilige Airline den Verbraucher unangemessen, der mit der Kündigung seine gesetzlichen Rechte wahrnimmt. So urteilte das Kammergericht Berlin zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der inzwischen insolventen Fluggesellschaft Air Berlin; und dieses Urteil lässt sich auch auf andere Airlines anwenden (Urteil vom 12. August 2014, Az. 5 U 2/12).

Der BGH hält die Storno­be­arbeitungs­ge­bühr ebenfalls für unzulässig (Beschluss vom 21. April 2016, Az. I ZR 220/14), legte den Fall aber dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor. Der hat entschieden, dass Storno­be­arbeitungs­ge­bühren nach deutschem Recht unzulässig sein können (Urteil vom 6. Juli 2017, Az. C-290/16).

Empfehlungen aus dem Ratgeber Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Eine passende Rechts­schutz­ver­si­che­rung findest Du am besten über ein Vergleichsportal. Von Mai bis Juli 2021 haben wir diese untersucht. Unsere Empfehlungen aus diesem Test sind:

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