Flug stornieren

So bekommen Sie Ihr Geld zurück, wenn Sie nicht fliegen können

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer einen Flug bucht, kann diesen vor Reisebeginn jederzeit kündigen.
  • Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug darf der Kunde sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen, auch wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Airline etwas anderes steht.
  • Die Fluggesellschaft darf laut Bundesgerichtshof (BGH) keine pauschale Gebühr dafür verlangen, dass sie die Stornierung bearbeitet.
  • Den Ticketpreis kann ein Fluggast laut BGH nicht zurück verlangen, wenn die Fluggesellschaft die Kündigung ausgeschlossen hat – auch wenn sie den Platz noch an einen anderen Passagier verkaufen konnte (Az. X ZR 25/17).

So gehen Sie vor

  • Stornieren Sie Ihren Flug so früh wie möglich oder versuchen Sie, den Flug umzubuchen.
  • Fordern Sie mit unserem Musterschreiben die Fluggesellschaft auf, Steuern und Gebühren zu erstatten.
  • Wenn Sie sich nicht mit der Airline herumärgern wollen, können Sie sich an den Rechtsdienstleister geld-fuer-flug.de wenden. Gerade bei ausländischen Fluggesellschaften und Billigfliegern ist das eine gute Alternative.
  • Sie können auch einen auf Reiserecht spezialisierten Anwalt beauftragen, der Ihre Forderung notfalls einklagt.
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Der Flug ist schon lange gebucht, und dann kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen – Sie können den Flug nicht antreten. Sei es, weil Sie unerwartet krank geworden sind oder weil Sie den Flug schlicht verpasst haben. Wenn Sie den Flug nicht umbuchen, bekommen Sie zumindest einen Teil des Flugpreises zurück. Dabei spielt es keine Rolle, warum Sie nicht geflogen sind.

Gibt es eine Erstattung, wenn ich den Flug storniere?

Wer einen Flug bucht, schließt mit der Airline einen sogenannten Flugbeförderungsvertrag. Dabei handelt es sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) um einen Werkvertrag und nicht um einen Reisevertrag (Urteil vom 16. Februar 2016, Az. X ZR 97/14). Der Fluggast kann einen solchen Vertrag deshalb nach den gesetzlichen Regelungen zum Werkvertrag jederzeit kündigen (§ 648 BGB).

Einige Fluggesellschaften weisen den Fluggast allerdings darauf hin, dass sie das Kündigungsrecht in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausschließen. Das ist grundsätzlich möglich, es gibt aber Grenzen. Die konkreten Regelungen zur Stornierung eines Fluges können den Fluggast nämlich unter Umständen unangemessen benachteiligen.

Steuern und Flughafengebühren

Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug können Sie sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen. Diese Abgaben muss die Fluggesellschaft erst zahlen, wenn ein Passagier den Flug angetreten hat. Fliegt der Gast nicht mit, spart sich die Airline diese Abgaben und muss sie dem Kunden erstatten (§ 648 Satz 2 BGB). Viele Fluggesellschaften zahlen diese Posten nach Aufforderung freiwillig zurück.

Manche Airlines wie Easyjet haben sich bisher geweigert und auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen verwiesen. Das Landgericht Frankfurt hat die entsprechende Vertragsklausel mittlerweile für unwirksam erklärt (Urteil vom 14. Dezember 2017, Az. 2-24 O 8/17). Damit muss auch Easyjet Steuern und Flughafengebühren erstatten, falls Sie Ihren Flug stornieren.

Bei der Angabe des Flugpreises muss die Airline die einzelnen Posten genau aufschlüsseln in Flughafengebühren, Steuern, Zuschläge, Entgelte sowie den Ticketpreis (EuGH, Urteil vom 6. Juli 2017, Rs. C-290/16). So wissen Sie genau, wieviel Sie zurückfordern können. Die Flughafengebühren und Steuern machen einen erheblichen Anteil vom Gesamtticketpreis aus. Nutzen Sie dazu unser Musterschreiben.

Beispiel: Bei einem Flug von München nach Tokio im Jahr 2017 belief sich der Basistarif auf rund 220 Euro. Hinzukamen rund 390 Euro an Steuern, Flughafengebühren und anderen Gebühren, das waren über 60 Prozent des Gesamtbetrags.

Treibstoffzuschlag

Viele Airlines erstatten die Kerosin- oder Treibstoffzuschläge nicht, wenn der Fluggast die Reise nicht antritt. Anders als die Steuern und die Flughafengebühr erhebt die Airline den Kerosinzuschlag nicht für Dritte. Die Zuschläge sind meist Preisbestandteile, die sich aus den jeweiligen Geschäftsbedingungen ergeben. Trotzdem können Sie auch solche Zuschläge zurückverlangen, wenn Sie nicht fliegen. Schließlich verbrauchen Sie dann auch keinen Treibstoff.

Kann ich auch den Ticketpreis zurückfordern?

Die reinen Flugkosten werden oft nicht erstattet, nämlich dann nicht, wenn die Fluggesellschaft in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Kündigung ausgeschlossen hat. Aber in einigen Fällen können Sie bis zu 95 Prozent des Ticketpreises zurückverlangen. Hat die Airline Ihren Sitzplatz noch anderweitig vergeben, muss sie sich diese Erlöse anrechnen lassen, da sie wirtschaftlich keinen Schaden erlitten hat. Allerdings müssen Kunden oft hart um dieses Geld kämpfen; und das klappt auch nicht bei allen Tarifen.

Das Amtsgericht Köln hat zum Beispiel eine Fluggesellschaft verurteilt, 95 Prozent des Ticketpreises zu erstatten. Dabei handelte es sich bei einem geplanten Familienflug nach Amerika um immerhin knapp 3.500 Euro (AG Köln, Urteil vom 19. September 2016, Az. 142 C 222/16).

Die Airline muss nachweisen, ob und wenn ja zu welchem Preis sie die stornierten Flugtickets an Dritte weiterverkaufen konnte. Legt die Fluggesellschaft keine Abrechnung vor, muss sie den Ticketpreis erstatten. Dann ist davon auszugehen, dass das Unternehmen nach der Stornierung das Flugticket weiterverkaufen konnte (LG Frankfurt/Main, Urteil vom 6. Juni 2014, Az. 2-24 S 152/13, 24 S 152/13).

Erklärt die Fluggesellschaft nur, der Flug sei nicht ausgebucht gewesen und legt dazu die Buchungszahlen beim Abflug vor, muss sie bis zu 95 Prozent des Ticketpreises erstatten (§ 648 Satz 3 BGB). Denn das reicht als Beweis nicht aus. Sie muss nach einem Urteil des Amtsgerichts Köln vielmehr darlegen, wie sich der Buchungsstand zwischen Stornierung und Flug entwickelt hat (19. September 2016, Az. 142 C 222/16).

Keine Erstattung bei nicht stornierbaren Tickets

Oft bieten Airlines verschiedene Tarife für einen Flug an – einen Tarif, den die Kunden stornieren können, und einen günstigeren Tarif, den die Kunden nicht stornieren können. Das Landgericht Köln hatte folgenden Fall zu beurteilen: Zwei Fluggäste hatten sich aus verschiedenen Angeboten für einen nicht stornierbaren und deshalb besonders günstigen Flug entschieden. Dann stornierten sie den Flug.

Die Richter lehnten eine Erstattung des Ticketpreises ab, weil die Fluggäste durch ihre Buchung zum Ausdruck gebracht hatten, dass sie auf das Kündigungsrecht verzichten und somit der Reisepreis nicht erstattet wird, wenn sie stornieren (LG Köln, Urteil vom 14. März 2017, Az. 11 S 263/16; Urteil vom 7. Februar 2017, Az. 11 S 15/16).

Die Kläger wollten das Urteil nicht akzeptieren und hatten es dem Bundesgerichtshof vorgelegt. Der hat der Fluggesellschaft Recht gegeben. Sie musste den Ticketpreis nicht erstatten, da sie wirksam die Kündigungsmöglichkeit ausgeschlossen habe (BGH, Urteil vom 20. März 2018, Az. X ZR 25/17).

Sind Stornobearbeitungsgebühren zulässig?

Viele Fluggesellschaften berechnen eine Gebühr dafür, dass sie das Storno bearbeiten. Ryanair beispielsweise verlangt eine Verwaltungsgebühr von 20 Euro. Bei der ungarischen Airline Wizz Air gibt es Stornierungsgebühren von 60 Euro oder 80 Euro. Die Höhe der Gebühr hängt vom Zeitpunkt der Stornierung ab (Stand: November 2018). Solche Gebühren sind allerdings aus unserer Sicht nicht zulässig, da die Fluggesellschaft damit allgemeine Betriebskosten auf den Fluggast abwälzt, der das Ticket nicht genutzt hat.

Denn damit benachteiligt die jeweilige Airline den Verbraucher unangemessen, der mit der Kündigung seine gesetzlichen Rechte wahrnimmt. So urteilte das Kammergericht Berlin zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der inzwischen insolventen Fluggesellschaft Air Berlin; und dieses Urteil lässt sich auch auf andere Airlines anwenden (Urteil vom 12. August 2014, Az. 5 U 2/12).

Der BGH hält die Stornobearbeitungsgebühr ebenfalls für unzulässig (Beschluss vom 21. April 2016, Az. I ZR 220/14), legte den Fall aber dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor. Der hat geklärt, dass diese Auslegung nicht gegen europäisches Recht verstößt (Urteil vom 6. Juli 2017, Az. C-290/16). Das Verfahren ging dann zurück an die BGH-Richter nach Karlsruhe, die dann endgültig entscheiden und die Antwort des EuGH dabei berücksichtigen.

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Wie bekomme ich mein Geld zurück?

Keine Airline erstattet von sich aus den Ticketpreis, wenn ein Kunde seinen Flug storniert oder nicht antritt. Einige Airlines, etwa die Lufthansa, bieten die Möglichkeit, online die Erstattung zu beantragen.

Musterschreiben verwenden

Wenn Sie die Erstattung nicht online beantragen, sollten Sie die Airline schriftlich auffordern, Ihnen die Gebühren und Zuschläge zurückzuzahlen. Sie können dazu unser Musterschreiben Flugstornierung verwenden. Versenden Sie es am besten als Einschreiben mit Rückschein, um einen Nachweis zu haben, dass es tatsächlich angekommen ist.

Auch wenn Sie das Ticket über einen Vermittler gebucht haben, sollten Sie sich mit Ihrer Erstattungsforderung direkt an die Fluggesellschaft wenden. Bei einigen Fluggesellschaften klappt das ohne Schwierigkeiten, bei anderen müssen Sie hartnäckig sein.

Rechtsdienstleister einschalten

Wollen Sie sich nicht selbst mit der Airline herumstreiten und am liebsten das Geld sofort bekommen, können Sie Ihre Erstattungsforderung verkaufen. Dazu empfehlen wir den Rechtsdienstleister geld-fuer-flug.de.

Sie geben auf der Website des Stornodienstleisters Ihre Flugdaten ein, beantworten ein paar Fragen und laden Ihre Buchungsunterlagen hoch. Der Anbieter unterbreitet Ihnen dann ein Angebot zum Kauf Ihrer Forderung. Nehmen Sie das Angebot an, erhalten Sie innerhalb von 24 Stunden das Geld. Die Angelegenheit ist für Sie damit erledigt.

Gerade bei Billig-Airlines, die sich oft weigern, die Gebühren und Steuern zu erstatten, ist der Anbieter hilfreich, da er das Risiko der Rechtsdurchsetzung übernimmt. Er trägt auch das sogenannte Insolvenzrisiko. Sollte die Fluggesellschaft Insolvenz anmelden müssen und noch nichts erstattet haben, haben Reisende normalerweise das Nachsehen. Wer sein Geld schon von geld-fuer-flug.de bekommen hat, den muss es nicht mehr interessieren, ob die Airline tatsächlich zahlt oder in die Insolvenz geht.

Das Unternehmen bearbeitet besonders viele Fälle von Ryanair, Easyjet und Eurowings. Im Durchschnitt bekommen Kunden zwischen 80 und 90 Euro zurück, wobei es immer auf den Einzelfall und die tatsächlich erhobenen Gebühren ankommt. Der Anbieter berechnet zwischen 20 und 30 Prozent der in Rechnung gestellten Steuern und Gebühren als Vergütung.

geld-fuer-flug.de
Rechtsdienstleister

  • für Tickets aller Fluggesellschaften und Tarife, wenn die Flüge in Deutschland oder Österreich starten oder landen
  • Honorar wird im Einzelfall berechnet, Preisspanne von 20 bis 30 % des Rückforderungsanspruchs
  • viel Erfahrung (etwa 6.800 Auszahlungen im Jahr 2017) – viele Fälle von Ryanair, Easyjet und Eurowings
  • Auszahlung innerhalb von 24 Stunden

Rechtsanwalt einschalten

Sie können Ihr Geld auch mithilfe eines Rechtsanwalts einfordern und notfalls vor Gericht einklagen. Wählen Sie dafür am besten einen Anwalt mit Schwerpunkt Reiserecht. Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Kosten dafür normalerweise ab. Wenn Sie tatsächlich klagen müssen und den Prozess gewinnen, muss die Fluggesellschaft die Prozess- und Ihre Anwaltskosten übernehmen.

Verjährung in drei Jahren

Sie können Ihre Ansprüche auch rückwirkend für die vergangenen drei Jahre einfordern. Wenn Sie zum Beispiel 2015 einen Flug gebucht, bezahlt und später dann storniert haben, können Sie noch bis zum 31. Dezember 2018 Geld zurückverlangen.

Wenn Sie eine Reiserücktrittsversicherung haben

Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt nur unter bestimmten Bedingungen, etwa wenn der Reisende oder ein naher Angehöriger erkrankt. Entscheidend sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen, die sich von Versicherung zu Versicherung unterscheiden können. Stellt sich die Fluggesellschaft quer, erhalten Sie möglicherweise von der Versicherung relativ problemlos die Stornokosten ersetzt.

So haben wir ausgewählt

Wir haben im Zeitraum vom 20. September bis zum 16. Oktober 2018 Unternehmen untersucht, die Unterstützung bei der Durchsetzung von Verbraucherrechten bei Flugstornierungen anbieten.

Dabei haben wir uns auf die Anbieter beschränkt, die bei einer Google-Suche am 20. September 2018 jeweils auf den ersten fünf Ergebnisseiten zu den Begriffen „Flugstornierung“, „Geld zurück Flugstorno“, „Kündigung Flug" angezeigt wurden.

Drei Unternehmen haben wir ausfindig gemacht (geld-fuer-flug.de, Ticketrefund, Claimflights). Der Anbieter Ticketrefund hat seinen Service nach dem verbraucherunfreundlichen BGH-Urteil vom März 2018 mittlerweile eingestellt. Wir können ihn deshalb nicht mehr empfehlen.

Angeschrieben haben wir zwei Unternehmen. Wir haben einen umfangreichen Fragebogen erstellt, nach Erfahrungen, nach der Kostenstruktur und nach Urteilen gefragt. Der hier empfohlene Anbieter hat umfassend Auskunft gegeben und uns gute Gründe für eine Empfehlung geliefert: Er verfügt über ausreichende Erfahrung, verwendet verbraucherfreundliche Allgemeine Geschäftsbedingungen und bietet einen guten Service für alle Fluggäste, die stornieren mussten.

Der Anbieter berechnet den Preis für die Erstattungsforderung in jedem Einzelfall. Er liegt zwischen 20 bis 30 Prozent je Flugstornierung. Das halten wir für fair.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Ein Rechtsstreit kann teuer werden

  • Rechtsschutz ist sinnvoll, aber kein Muss.
  • Viele Fälle, etwa rund um Hausbau oder Scheidung, sind nicht versichert.
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.