Reisegepäckversicherung

Schutz fürs Reisegepäck ist zu teuer und lückenhaft

Julia Rieder
& Co-Autor
Stand: 12. Juli 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Reisegepäckversicherungen sind meist teuer und leisten wenig.
  • Anbieter kürzen ihre Zahlung häufig mit dem Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit.
  • In der Hausratpolice ist Gepäck meist mitversichert.
  • Während des Fluges ist die Fluggesellschaft verantwortlich, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter.
  • Bahn-, Schifffahrts- und Busunternehmen haften nur in seltenen Fällen für das Gepäck.
So gehst Du vor
  • Prüfe, ob Gepäck in Deiner Hausratpolice über eine Außenversicherung abgedeckt ist.
  • Melde Verlust oder Beschädigung des Gepäcks sofort schriftlich. Je nachdem wie und wo der Schaden zustande gekommen ist, ist die Hausratversicherung, der Reiseveranstalter oder die Airline zuständig.

Vollkommene Entspannung im Urlaub. Damit sich dieses Gefühl einstellt, wollen viele Urlauber auf Nummer sicher gehen und schließen eine Reisegepäckversicherung ab. Diese soll das Hab und Gut am Urlaubsort schützen. Doch eine solche Police lohnt sich kaum – für einen hohen Preis bietet sie wenig Leistung.

Viele Ausschlüsse und Einschränkungen

Die Reisegepäckversicherung zahlt bei Diebstahl oder Raub und Schäden durch Feuer, Überschwemmung oder Sturm. Auch wenn das Gepäck bei einem Unfall oder während der Reise beschädigt wird, ist das ein Fall für die Versicherung. Sie ersetzt meist den sogenannten Zeitwert Deiner Sachen, also den Gebrauchtpreis unter Berücksichtigung des Alters und Zustandes. Einige Anbieter erstatten aber auch den Neuwert. Für die Schadensabwicklung müssen Du Deiner Versicherung in der Regel Quittungen und Belege im Original vorlegen.

Die Liste der Ausschlüsse und Einschränkungen in den Bedingungen ist allerdings lang. Verschwinden Bargeld, Kreditkarten oder Flugtickets und Fahrkarten zahlt die Versicherung in der Regel nichts. Fotoapparate, Wertsachen und Laptops ersetzen die Anbieter meist nur bis zu einem bestimmten Betrag. Was genau ausgeschlossen ist, steht in den Versicherungsbedingungen.

Verliert oder vergisst ein Urlauber seine wertvolle Kamera irgendwo, bekommt er vom Anbieter nichts. Sobald die Versicherung feststellt, dass das Gepäck unbeaufsichtigt war, kann sie sich auf grobe Fahrlässigkeit berufen und die Leistung kürzen. Das tun Versicherungen häufig. Bei einem Koffer gilt es mitunter schon als grob fahrlässig, wenn der Reisende ihn nicht zwischen den Beinen einklemmt oder immer in der Hand hält (OLG Karlsruhe VersR. 1983 / 479).

Die Hausratversicherung zahlt auch im Urlaub

Wer sich im Urlaub nicht ständig an seinen Koffer binden möchte, sollte daher einen Blick in seine Hausratversicherung werfen. Die Außenversicherung, die seit 1992 in der Regel Bestandteil der Bedingungen ist, schließt auch Gepäck im Urlaub ein. Allerdings greift sie bei Diebstahl nicht: Eine Hausratversicherung ersetzt den Schaden nur bei Einbruch oder Raub. Wird also die teure Kamera aus dem Hotelzimmer entwendet oder Du auf der Straße ausgeraubt, ist das ein Fall für die Hausratpolice.

Fährst Du mit dem Auto in den Urlaub, ist das Gepäck versichert, wenn der Wagen in einem geschlossenen Gebäude steht, also in einer Garage oder einem Parkhaus mit Schranke – egal ob es der eigene Wagen oder ein Mietwagen ist.

Mehr dazu im Ratgeber Hausratversicherung

  • Diese Versicherung sollten Sie haben, wenn Sie Ihre Einrichtung nach Brand oder Einbruch nicht auf eigene Kosten ersetzen können.
  • Von uns empfohlenes Portal: Mr-Money

Zum Ratgeber

Airline haftet beim Flug

Fliegst Du dagegen mit einem Flugzeug in den Urlaub, ist das Gepäck über die Fluggesellschaft oder den Reiseveranstalter versichert. Dann brauchst Du Dir also erst recht keine Sorgen zu machen. Verliert die Gesellschaft Dein Gepäck, haben Passagiere maximal Anspruch auf bis rund 1.400 Euro Entschädigung (Stand: Juli 2017). Wie viel es genau ist, regelt das Montrealer Abkommen. Musst Du Sachen nachkaufen, weil der Koffer länger weg ist, darfst Du die Neuanschaffungen der Airline in Rechnung stellen.

Schlichtungsstelle

Weigert sich ein Verkehrsunternehmen zu zahlen, kannst Du die Schlichtungsstelle des öffentlichen Personenverkehrs (SÖP) um Hilfe bitten. Sie arbeitet wie jede Schlichtungsstelle kostenlos.

Auch Bahn-, Schifffahrts- und Busunternehmen haften, falls diese Dein Gepäck verlieren oder beschädigen. Allerdings musst Du in solchen Fällen nachweisen, dass das Unternehmen oder seine Mitarbeiter den Verlust oder die Beschädigung verschuldet haben. Und das ist in der Regel schwierig. Eine Ausnahme gilt, sofern das Gepäck durch einen Unfall beschädigt wurde. Dann zahlt das Verkehrsunternehmen in jedem Fall.

Hast Du eine Pauschalreise gebucht, solltest Du unbedingt den Reiseveranstalter informieren, falls Deine Sachen beschädigt am Urlaubsort ankommen oder gar nicht auftauchen. Denn das gilt als Reisemangel. Kommt das Gepäck gar nicht oder mit großer Verspätung am Urlaubsort an, kannst Du den Reisepreis mindern.   

Autor
Julia Rieder
& Co-Autor
Annika Krempel

Stand: 12. Juli 2017


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