Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung

Lohnt sich der Schutz fürs Reisegepäck?

Max Mergenbaum
Finanztip-Experte für Reise
21. April 2022
Das Wichtigste in Kürze
  • Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung­en sind meist teuer und leisten wenig.
  • Anbieter kürzen ihre Zahlung häufig mit dem Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit.
  • Während des Fluges ist die Fluggesellschaft verantwortlich, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter.
  • Bahn-, Schifffahrts- und Busunternehmen haften nur in seltenen Fällen für das Gepäck.
So gehst Du vor
  • Erstelle Kopien von wichtigen amtlichen Dokumenten, sodass Du im Notfall schnell Ersatz besorgen kannst. Beachte auch unsere Reisetipps.
  • Prüfe, ob Gepäck schon in Deiner Hausratversicherung abgedeckt ist.
  • Melde Verlust oder Beschädigung des Gepäcks sofort schriftlich. Je nachdem wie und wo der Schaden zustande gekommen ist, ist die Hausratversicherung, der Reiseveranstalter oder die Airline zuständig.

Vollkommene Entspannung im Urlaub. Damit sich dieses Gefühl einstellt, wollen viele Urlauber auf Nummer sicher gehen und schließen eine Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung ab. Diese soll das Hab und Gut am Urlaubsort schützen. Doch lohnt sich eine solche Versicherung überhaupt? Wir haben uns die spezielle Reiseversicherung einmal genauer angesehen.

Wann zahlt die Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung?

Die Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung zahlt, wenn Dein Gepäck auf Reisen beschädigt wird, etwa bei einem Unfall oder bei Schäden durch Feuer, Überschwemmung oder Sturm. Außerdem leistet die Versicherung, wenn Dein Gepäck gestohlen oder geraubt wird. Ersetzt wird Dir in der Regel aber nicht der Neuwert Deiner Sachen, sondern der sogenannte Zeitwert – also der Gebrauchtpreis unter Berücksichtigung des Alters und Zustandes Deines Eigentums. Oft leistet die Versicherung aber nur bis zu einer vorher festgelegten Höchstgrenze bei der Schadenssumme

Wann die Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung leistet

standardmäßig
versichert

oft nicht oder nur

eingeschränkt versichert

Schäden durch Unfall,
Feuer, Überschwemmung
und Sturm
Bargeld und Wertpapiere
Verlust durch Diebstahl
oder Raub
Fahrkarten und Flugtickets
 amtliche Dokumente
(Personalausweis etc.)
 Schmuck
 

elektronische Geräte (Mobiltelefon,

Laptop,Tablet inkl. Zubehör)

 Sportausrüstung
(zum Beispiel Segelsurfgeräte)
 Fotoausrüstung inkl. Zubehör
 Hilfsmittel
(Brille, Kontaktlinsen, Hörgeräte)
 Geschenke und Reiseandenken
 Prothesen
 Fahrrad
 Kosten für Ersatzkäufe,
falls Gepäck verspätet geliefert wird
 Verlust durch Stehenlassen
oder Verlieren

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: April 2022). 

Versichert ist das übliche Reisegepäck, dass Du mit Dir führst. Allerdings ist die Liste der Ausschlüsse und Einschränkungen in den Bedingungen recht lang.

Verschwinden Bargeld, Kreditkarten oder Flugtickets und Fahrkarten, zahlt die Versicherung in der Regel nichts. Fotoapparate, Wertsachen und Laptops ersetzen die Anbieter (wenn überhaupt) nur bis zu einer bestimmten Höchstgrenze. Das gleiche gilt für Fahrräder und Sportgeräte wie Surfbrett oder Tauchausrüstung. Schau also genau in die Ausschlüsse bei den Ver­si­che­rungs­be­din­gungen, falls Du überlegst, Dein Gepäck zu versichern. 

Sofern Du Deine wertvolle Kamera oder anderes Gepäck auf Deiner Reise irgendwo stehenlässt oder verlierst, zahlt auch nicht jede Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung. Und selbst wenn die Versicherung auch den Verlust von Reisegepäck übernimmt, kann sie sich auf grobe Fahrlässigkeit berufen und die Leistung kürzen, zum Beispiel falls sie feststellt, dass Dein Gepäck unbeaufsichtigt war. Versicherungen gehen häufig so vor. Bei einem Koffer gilt es mitunter schon als grob fahrlässig, wenn Du ihn nicht zwischen den Beinen einklemmst oder immer in der Hand hältst (OLG Karlsruhe, Urteil vom 7. Februar 1983 Az. II ZR 20/82). Weitere Fälle, in denen die Versicherung in der Vergangenheit nicht zahlen musste: Eine Reisende stellte ihren Koffer neben den Sitzen ab und nickte kurz ein (AG München, Urteil vom 29.04.2004, Az.: 155C / 12509 / 04); ein Reisender stellte seinen Laptop in einer Tasche direkt neben sich ab, hatte ihn aber nicht dauerhaft im Blick (AG Berlin, Urteil vom 23. November 2004, Az. 7 C 68/04). 

Fazit: In den meisten Fällen ist eine Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung überflüssig. Über eine Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung brauchst Du nur nachdenken, wenn Du unbedingt mit besonders teuren Gegenständen reisen musst. Dann solltest Du aber darauf achten, dass diese nicht vom Ver­si­che­rungs­schutz ausgenommen sind. Manchmal zahlt auch die Hausratversicherung oder das Reise- oder Transportunternehmen. Ein paar Tipps, wie Du Dein Gepäck auch ohne Versicherung schützen kannst, findest Du am Ende dieses Ratgebers

Was kostet eine Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung?

Der Preis einer Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung hängt vor allem von der Reisedauer und dem Wert Deines Reisegepäcks ab. Für manche Versicherungen ist noch relevant, wie alt Du bist und in welches Land oder Reiseregion Du reisen willst, zum Beispiel innerhalb oder außerhalb der EU.
 
In der folgenden Tabelle haben wir Durchschnittswerte für verschiedene Ver­si­che­rungs­sum­men und Reisedauern zusammengestellt, damit Du eine ungefähre Vorstellung bekommst, was an Kosten auf Dich zukommen kann. Dafür haben wir die Preise bei drei Anbietern abgefragt, die über einen Online-Rechner verfügen. Die Angaben sind natürlich nicht repräsentativ für den gesamten Versicherungsmarkt.

Durchschnittliche Kosten Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung für eine Person

Ver­si­che­rungs­sum­me

 

 

Reisedauer
7 Tage14 Tage21 Tage
1500 €29 €43 €53 €
3000 €78 €52 €80 €
4500 €90 €110 €130 €

Quelle: Preisangaben gerundet. Preisangaben von drei Versicherungen mit Onlinerechner: Travelsecure, Hansemerkur und Barmenia (Stand: April 2022).

Zahlt die Hausratversicherung auch im Urlaub?

Wer sich im Urlaub nicht ständig an seinen Koffer binden möchte, sollte daher einen Blick in seine Hausratversicherung werfen. Die Außenversicherung, die seit 1992 in der Regel Bestandteil der Bedingungen ist, schließt auch Gepäck im Urlaub ein. Allerdings greift sie nicht bei einem Taschendiebstahl auf der Straße. Denn eine Hausratversicherung ersetzt den Schaden nur bei Einbruch, Vandalismus oder Schäden durch Feuer, Leitungswasser oder Sturm. Wird also die teure Kamera aus dem Hotelzimmer entwendet, ist das ein Fall für die Hausratpolice. Oft gilt außerdem eine Beschränkung auf Urlaubsreisen, die nicht länger als drei Monate dauern

Fährst Du mit dem Auto in den Urlaub, ist das Gepäck versichert, wenn der Wagen in einem geschlossenen Gebäude steht, also in einer Garage oder einem Parkhaus mit Schranke – egal ob es der eigene Wagen oder ein Mietwagen ist. Allerdings solltest Du das Gepäck im Kofferraum verstauen und nicht sichtbar im Innenraum Deines Wagens ablegen – sonst kannst Du auch den Ver­si­che­rungs­schutz verlieren (OLG Köln, Urteil vom 1. Juni 1999, Az.: 9 U 141/98).

Mehr dazu im Ratgeber Hausratversicherung

  • Diese Versicherung solltest Du haben, wenn Du Deine Einrichtung nach Brand oder Einbruch nicht auf eigene Kosten ersetzen kannst.
  • Von uns empfohlenes Portal: Mr-Money

Zum Ratgeber

Wann haften Airline oder Reiseveranstalter?

Fliegst Du dagegen mit einem Flugzeug in den Urlaub, ist das Gepäck über die Fluggesellschaft oder den Reiseveranstalter versichert. Dann brauchst Du Dir also erst recht keine Sorgen zu machen.

Hast Du eine Pauschalreise gebucht, solltest Du unbedingt den Reiseveranstalter informieren, falls Deine Sachen beschädigt am Urlaubsort ankommen oder gar nicht auftauchen. Denn das gilt als Reisemangel. Kommt das Gepäck gar nicht oder mit großer Verspätung am Urlaubsort an, kannst Du den Reisepreis mindern. 

Für Flüge gilt: Kommt Dein Aufgabe­gepäck abhanden, wird beschädigt oder zerstört, haftet die Airline unabhängig davon, ob sie für den Schaden oder den Verlust verantwortlich ist oder nicht. Beim Hand­gepäck haftet die Fluggesellschaft dagegen nur, wenn sie für Schaden und Verlust verantwortlich ist. Allerdings ist dies im Einzelfall nicht so einfach nachzuweisen. 

In beiden Fällen sieht das Montrealer Abkommen vor, dass die Airline pro Person nur bis zu einer Höchstgrenze von 1432 Euro haften muss (Stand: 1. April 2022). Musst Du Kleidung und andere Sachen nachkaufen, weil der Koffer länger weg ist, darfst Du die Neuanschaffungen der Airline in Rechnung stellen. 

Wertgegenstände solltest Du übrigens im Hand­gepäck mit Dir führen, sofern Größe und Gewicht es erlauben. Ein gewisses Risiko, dass Aufgabe­gepäck verloren geht, besteht nämlich immer. Hast Du Wertgegenstände im aufgegebenen Koffer verstaut und geht dieser verloren, kann sich die Airline darauf berufen, dass Du unvorsichtig gehandelt hast. 

Wichtig: Die Fluggesellschaft haftet nur so lange, wie sich Dein Reisegepäck in ihrer Obhut befindet. 

Übrigens: Auch Bahn-, Schifffahrts- und Busunternehmen haften, falls diese Dein Gepäck verlieren oder beschädigen. Allerdings unterscheiden sich die Regelungen je nach Transportart. Details kannst Du beim Bundesministerium für Justiz nachlesen.

Weigert sich ein Verkehrsunternehmen zu zahlen, kannst Du die Schlichtungsstelle des öffentlichen Personenverkehrs (SÖP) um Hilfe bitten. Sie arbeitet wie jede Schlichtungsstelle kostenlos.

Was tun im Schadensfall?

Falls Du bei der Ankunft am Reiseort feststellst, dass Dein Gepäck verschwunden, beschädigt oder zerstört ist, wende Dich umgehend an den Reiseveranstalter, die Fluggesellschaft oder das Transportunternehmen. Beschreibe die Schäden möglichst genau und fertige Beweisfotos an. Lass Dir die Verlust- oder Schadensmeldung schriftlich bestätigen. Hebe außerdem Dein Ticket und Deinen Gepäckschein gut auf. 

Falls Dein Gepäck gestohlen wird, solltest Du dies umgehend bei der Polizei melden. Eine Anzeige ist auch notwendig, damit Du bei den Behörden in Deutschland neue Ausweisdokumente beantragen kannst. Nach der Anzeige bei der Polizei solltest Du ebenfalls sofort Deine Versicherung benachrichtigen. Nach Deiner Rückkehr solltest Du eine Liste der gestohlenen Gegenstände erstellen und wenn möglich Quittungen und Belege im Original beilegen. 

Wie schützt Du Dein Gepäck auf Reisen?

Aufgrund der vielen Ausschlüsse oder Einschränkungen solltest Du Dir gut überlegen, ob Du eine Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung wirklich brauchst. In den meisten Fällen reicht es, wenn Du nicht unvorbereitet auf Reisen gehst und folgende Tipps beachtest:

  1. Erstelle von wichtigen amtlichen Dokumenten wie Personalausweis und Reisepass Kopien – am besten digital als Scan. Speichere diese Dateien doppelt ab, zum Beispiel einmal lokal auf Deinem Computer und einmal auf einer externen Festplatte. So kann Dir auch ein Datenverlust auf einem Datenträger nichts ausmachen. Idealerweise hast Du eine digitale Kopie auf Reisen griffbereit, zum Beispiel auf dem Handy. Oder Du nutzt einen Clouddienst, sodass Du im Urlaub von verschiedenen Geräten Zugriff auf Deine wichtigen Dokumente hast. Mit Ausweiskopien bekommst Du auch leichter Ersatzdokumente bei den deutschen Auslandsvertretungen.
  2. Trage Wertgegenstände am besten eng am Körper. So empfiehlt die Bundespolizei Innen- statt Außentaschen zu nutzen. Eine Möglichkeit sind zum Beispiel sogenannte Moneybelts, also Bauch- oder Brusttaschen, die Du unter der Kleidung tragen kannst. Dort kannst Du Kreditkarten, Pass und eine Bargeldreserve sicher verwahren, während Du in Deiner Brieftasche lediglich Dein Bargeld-Budget für den Tag mit Dir führst. Alternativ kannst Du Deine Geldbörse auch an Deinem Gürtel befestigen.
  3. Hand­gepäck wie einen Rucksack solltest Du in dichtem Gedränge vor dem Körper tragen und nicht auf dem Rücken.
  4. Nimm nur so viel Bargeld mit, wie Du unbedingt brauchst. In vielen Reiseländern kannst Du im Gegensatz zu Deutschland meist mit Karte zahlen. Achte aber auf die Gebühren beim Bezahlen im Ausland.
  5. Lass Dein Gepäck nie unbeaufsichtigt. Stelle es in Körpernähe ab, wenn Du die Hände frei haben musst. Klemm Dir also die Reistasche zwischen die Beine, wenn Du am Automaten Geld abhebst.
  6. Falls Deine Koffer oder Taschen bei der Gepäckabfertigung verloren gehen, helfen Namensschilder dabei, Dir Deine Sachen nachträglich wieder zuzuordnen. 
  7. Damit Dein Gepäck beim Abholen nicht verwechselt wird, solltest Du es mit Markierungen, zum Beispiel einem Aufkleber oder bunten Gepäckbändern markieren.
  8. Speichere Dir wichtige Notfallnummern in Deinem Handy ab, zum Beispiel den Sperrdienst für Deine Geldkarten (die Nummer lautet 116 116) und die Servicehotlines für Deine Versicherungen. So kannst Du einen Schadensfall umgehend melden.
  9. Ein trauriger Klassiker beim Strandurlaub: Du springst nur mal schnell ins Wasser, trotzdem sind bei der Rückkehr Deine Wertgegenstände weg. Bei Reisen mit Gruppen oder der Familie ist es natürlich am einfachsten, dass immer jemand bei den Sachen bleibt. Für Alleinreisende sind sogenannte „Drybags“ eine Option. Dabei handelt es sich um wasserfeste Taschen, in denen Du Handy, Geldbörse und Schlüssel sicher ins Wasser nehmen kannst. 
     

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