Schulgeld

So setzen Sie Kosten für Privatschulen von der Steuer ab

Udo Reuß Stand: 21. August 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Falls Sie für Ihr Kind Schulgeld an eine Privatschule zahlen, können Sie einen Teil davon steuerlich absetzen.
  • Sie dürfen 30 Prozent des Schulgelds, höchstens aber 5.000 Euro je Kind im Jahr als Sonderausgaben geltend machen.
  • Die Schule muss sich nicht in Deutschland befinden: Auch Zahlungen an Schulen in EU- und EWR-Staaten sowie an deutsche Schulen weltweit können Sie absetzen.
  • Der Abschluss an einer ausländischen Schule muss von deutschen Behörden als gleichwertig anerkannt werden.
So gehen Sie vor
  • Voraussetzung für die Absetzbarkeit von Schulgeld ist, dass Sie Kindergeld erhalten oder Kinderfreibeträge geltend machen können.
  • Das Schulgeld tragen Sie in Ihrer Steuererklärung in der Anlage Kind in den Zeilen 61 bis 63 ein.
  • Für jedes Kind müssen Sie eine eigene Anlage ausfüllen.
  • Bei einer Schule im EU-Ausland müssen Sie nachweisen können, dass der Besuch zu einem allgemein- oder berufsbildenden Abschluss führt.

Zu den öffentlichen Schulen gibt es Alternativen wie Internat, christliche Schule oder Waldorfschule. In vielen Fällen verlangen diese eine Gebühr für die Ausbildung. Besucht Ihr Kind eine Privatschule oder eine Schule in freier Trägerschaft, können Sie 30 Prozent des Schulgeldes, höchstens aber 5.000 Euro jährlich von der Steuer absetzen. Insofern ist das absetzbare Schulgeld bei 16.667 Euro im Jahr gedeckelt.

Welche Voraussetzungen müssen Sie beachten?

Zum Schulgeld gehören Ihre Zahlungen, die dem normalen Schulbetrieb dienen. Schulgeld ist abzugsfähig bei den Sonderausgaben. Sie machen es in Ihrer Steuererklärung geltend, und zwar auf der dritten Seite der Anlage Kind in den Zeilen 61 bis 63. Für jedes Kind benötigen Sie eine eigene Anlage.

Investitions- und Ergänzungsausgaben sowie ähnlich bezeichnete Aufwendungen für die Kosten des laufenden Schulbetriebs können Sie ebenfalls als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Darunter fallen beispielsweise Beiträge zu Renovierungsarbeiten der Schule (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 Einkommensteuergesetz). 

Nicht absetzbar sind die Aufwendungen für Zusatzkurse, Schulkleidung, Unterkunft, Verpflegung und Betreuung. Diese Kosten müssen Sie daher abziehen. Möglicherweise können Sie die Aufwendungen für die Betreuung Ihres Kindes bis 14 Jahre als Kinderbetreuungskosten absetzen.

Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag

Um das Schulgeld als Sonderausgabe geltend machen zu können, müssen Sie Anspruch auf einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld haben. Bei Familien mit mehreren Kindern gilt der Höchstbetrag von 5.000 Euro für jedes Kind und je Elternpaar einmal.

Weiterhin ist es wichtig, dass die Schule einen anerkannten Abschluss vermittelt, also einen allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schul-, Jahrgangs- oder Berufsabschluss – nicht aber einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Studiengebühren zählen daher nicht.

Führt die privat finanzierte Schule oder Schule in freier Trägerschaft nicht zu einem anerkannten Schul- oder Berufsabschluss, sondern bereitet nur darauf vor, sollten sich Steuerpflichtige bei der Schulbehörde einen Nachweis über eine ordnungsgemäße Vorbereitung auf den Abschluss besorgen. So hat es das Bundesfinanzministerium in einem Schreiben vom 9. März 2009 festgelegt.

Der Bundesfinanzhof (BFH) sieht aber in dieser Forderung nach einem Grundlagenbescheid einer Schulbehörde keine gesetzliche Grundlage. Das Finanzamt selbst könne prüfen, ob die Privatschule ordnungsgemäß auf einen anerkannten Abschluss vorbereite (BFH, Urteil vom 20. Juni 2017, Az. X R 26/15).

Auf jeden Fall dürfe es nicht den Abzug von Sonderausgaben versagen, nur weil der Steuerpflichtige keinen Anerkennungsbescheid der Schulbehörde vorgelegt hat, die anderen Voraussetzungen aber erfüllt hat. Verweigert das Finanzamt Ihnen den Abzug in solch einem Fall trotzdem, sollten Sie unter Hinweis auf das BFH-Urteil Einspruch einlegen.

Wie setzen Sie Schulgeld an Schulen im Ausland ab?

Besucht Ihr Kind eine Schule in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union, können Sie die Schulgeldzahlungen auch von der Steuer absetzen. Das gilt ebenso für Schulen in Ländern, die zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gehören, also in Norwegen, Island oder Liechtenstein. Ebenfalls begünstigt werden die Schulgeldkosten für deutsche Schulen im Ausland – auch außerhalb Europas.

Bedingung ist jedoch, dass Sie nachweisen können, dass die Schule zu einem gleichwertig anerkannten allgemein- oder berufsbildenden Abschluss führt. Eine in Deutschland zuständige Stelle muss dies bestätigen. Dazu können Sie sich wenden an:

  • das jeweilige Bildungs- und Kultusministerium eines Bundeslandes,
  • die Kultusministerkonferenz der Bundesländer,
  • eine Zeugnisanerkennungsstelle oder
  • an eine Schulbehörde.

Nachweise liefern

Das Finanzamt kann auch Belege über die Höhe des Schulgeldes verlangen, zusätzlich zu einer Bestätigung über die Anerkennung des Abschlusses von einer der oben genannten zuständigen Behörde. Dazu sollten Sie eine Bescheinigung der Schule beim Finanzamt vorlegen.

Zahlen Sie das Schulgeld an einen Förderverein, der das Schulgeld an die Schule weiterleitet, dürfen Sie diese Zahlung ebenfalls als Schulgeld absetzen. Zusätzliche freiwillige Zahlungen an Förderverein oder Schule können Sie eventuell als Spenden gelten machen. Dafür benötigen Sie dann Zuwendungsbestätigungen.

 

Autor
Udo Reuß

Stand: 21. August 2019


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren unabhängig recherchierten Empfehlungen möglichst viele Menschen erreichen und ihnen mehr finanzielle Freiheit ermöglichen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos und anzeigenfrei im Internet verfügbar. Unsere aufwendige redaktionelle Arbeit finanzieren wir so:

Unsere unabhängigen Experten untersuchen regelmäßig Produkte und Dienstleister. Nur wenn sie dann ein besonders verbraucherfreundliches Angebot empfehlen, kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Solche Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*). Geld erhalten wir, wenn Sie diesen Link z.B. klicken oder beim Anbieter dann einen Vertrag abschließen. Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Ihnen unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Sie als Verbraucher ist.

Mehr zu unserer Arbeitsweise lesen Sie hier.