Energieversorger

So funktioniert der Strom- und Gasmarkt

Das Wichtigste in Kürze

  • Per Gesetz hat jeder Verbraucher ein Recht auf die Versorgung mit Strom und Gas, sofern eine öffentliche Leitung in der Nähe der Wohnung liegt.
  • Die Netzbetreiber gewährleisten, dass möglichst störungsfrei Strom und Gas aus den Leitungen kommen.
  • Energieversorger haben dagegen die Aufgabe, Energie einzukaufen, an die Kunden zu liefern und korrekt abzurechnen.
  • Seit 1998 können Verbraucher ihren Lieferanten frei wählen. Trotzdem dominieren immer noch wenige Unternehmen den Strommarkt und den Gasmarkt. Manche Versorger bieten Strom und Gas als Kombitarif.
  • Über das Strom- oder Gasnetz gelieferte Energie hat eine einheitliche Qualität. Strom- und Gasversorger unterscheiden sich vor allem beim Preis, Kundenservice und ökologischem Anspruch.
  • Der Einfluss der Energielieferanten auf den Strompreis ist klein. Beim Gaspreis ist der Spielraum der Unternehmen ein wenig größer.

So gehen Sie vor

  • Auch wenn der Einfluss der Versorger auf die Preise eher klein ist: Ein Vergleich von Tarifen kann sich lohnen. Nutzen Sie dazu unsere Vergleichsrechner für Strom und Gas .
  • Wenn Sie umziehen und sich über höhere oder niedrigere Strom- und Gaspreise am neuen Wohnort wundern: Das liegt zumeist an den regionalen Netzentgelten, die Energielieferanten in der Regel direkt an die Kunden weitergeben.
  • Welche Pflichten Energieanbieter gegenüber Verbrauchern haben, ist gesetzlich detailliert geregelt. Hält Ihr Versorger die Regeln nicht ein, dann fordern Sie ihn dazu auf.
  • Reagiert er auf eine Beschwerde nicht, können Sie sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Sie vermittelt zwischen Verbrauchern und Versorgern.
  • Die Bundesnetzagentur können Sie dagegen benachrichtigen, wenn Ihr Lieferant Sie nicht zuverlässig versorgt.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu aktuellen Stromanbieter-Empfehlungen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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In Deutschland hat jeder das Recht, Strom und Gas zu beziehen. Einzige Voraussetzung: eine Verbindung zum Stromnetz oder Gasnetz. Nur wenn der Netzbetreiber den Netzanschluss nicht herstellen kann oder er unverhältnismäßig teuer wäre – beispielsweise bei einer Hütte in den Bergen –, muss sich der Hauseigentümer eine eigene Lösung überlegen.

Verankert ist das Recht auf Versorgung im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Sein Zweck ist, dass Sie über das öffentliche Strom- und Gasnetz Energie möglichst sicher, preisgünstig, verbraucherfreundlich, effizient und umweltverträglich beziehen können. Zudem regelt es, welche Pflichten Energielieferanten Ihnen gegenüber haben und wie sich die Energieunternehmen untereinander zu verhalten haben.

Wie sicher ist die Energieversorgung?

Es lässt sich darüber streiten, ob die Energieversorgung hierzulande preisgünstig und umweltverträglich ist. Schließlich zahlen Verbraucher in Deutschland die höchsten Strompreise in Europa; und der Anteil erneuerbarer Energien am Strom- und Wärmeverbrauch beträgt nur knapp 20 Prozent. Unstrittig ist aber, dass die Versorgung mit Strom und Gas über öffentliche Netze sehr sicher ist.

Im globalen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern mit dem geringsten Stromausfall. Rund 15 Minuten waren es 2017 nach Daten der Bundesnetzagentur. Davon entfielen auf das Niederspannungsnetz, an das Wohnhäuser angeschlossen sind, rund 143.000 Unterbrechungen – mit einer Dauer von insgesamt 2 Minuten und 22 Sekunden. Das heißt, die meisten Unterbrechungen sind so kurz, dass Sie sie vermutlich nicht einmal bemerken. Im Gasnetz ist der Ausfall noch geringer: Auf 58 Sekunden summierten sich die Unterbrechungen für Verbraucher am Niederdrucknetz im Jahr 2017 im Mittel.

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Wer für die Sicherheit zuständig ist

Für diese Sicherheit sind die Betreiber der Netze verantwortlich. Sie sorgen dafür, dass so viel Strom und Gas in ihre Netze fließen, wie Verbraucher entnehmen – 24 Stunden am Tag. Zur Not gleichen sie die Mengen auch aus, wenn zum Beispiel mehr Ökostrom ins Netz fließt als benötigt oder wenn ein Energieversorger nicht genügend Strom eingekauft hat, um seine Kunden zu beliefern.

Eine Besonderheit des deutschen Energiemarkts ist dabei, dass es sehr viele Netzbetreiber gibt, deren Leitungen alle zusammen einen Netzverbund bilden. 730 Unternehmen betreiben das öffentliche Gasnetz, rund 900 Unternehmen das öffentliche Stromnetz. Die Unternehmen haben daneben zumeist noch eine zweite Funktion: Sie betreiben auch die Strom- und Gaszähler, die bei Ihnen zu Hause installiert sind.

Es gibt zwischen den Funktionen aber einen entscheidenden Unterschied: Je nach Wohnort ist ein bestimmter Netzbetreiber zuständig – Sie können sich diesen nicht aussuchen. Den Betreiber Ihres Strom- oder Gaszählers, den sogenannten Messstellenbetreiber, können Sie dagegen frei wählen, es muss nicht Ihr Netzbetreiber sein.

Den Messstellenbetreiber zu wechseln, kann sich auszahlen. Sie können Ihre Wahl aber auch von technischen Aspekten abhängig machen: Ein anderer Betreiber kann Geräte bieten, die Ihren Verbrauch intelligent aufschlüsseln oder verständlicher anzeigen als der bisherige Zähler.

Wie viele Energieversorger gibt es in Deutschland?

Seit 1998 können Sie Ihren Strom -und Gasversorger selbst bestimmen. Rund 800 Stromversorger und rund 700 Gasversorger sind heute in Deutschland aktiv. In beiden Sparten bieten die Versorger jeweils mehr als 1.000 Tarife an. Nur die wenigsten Unternehmen sind aber nahezu bundesweit tätig: im Strommarkt rund 70, im Gasmarkt nur rund 40. Die meisten Energieanbieter beschränken ihr Versorgungsgebiet stärker.

Trotzdem können fast 90 Prozent aller Verbraucher zwischen mindestens 50 Stromlieferanten wählen. Es gibt aber immer noch mindestens ein Netzgebiet, in dem Verbraucher keine Chance haben, den Energielieferanten zu wechseln. Dort beliefert nur der Grundversorger das Stromnetz – genauso wie vor der Liberalisierung des Energiemarktes 1998.

Im Gasmarkt können rund 80 Prozent aller Haushaltskunden zwischen mehr als 50 Versorgern wählen. In einigen Regionen konkurrieren nur wenige Versorger um die Gaskunden.

Wie Sie günstige Strom- und Gasanbieter finden und wie Sie am besten einen neuen Liefervertrag abschließen, erfahren Sie in unseren Ratgebern zum Stromanbieterwechsel und Gasanbieterwechsel. Einen Überblick über Angebote in Ihrer Region bekommen Sie mit Vergleichsrechnern.

Finanztip bietet für den Vergleich einen eigenen Stromrechner: 

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oder kWh/Jahr:
Hinweis: Bei Auswahl der Option „Jedes Jahr“ empfehlen wir Ihnen auch Tarife mit Neukundenbonus, die im zweiten Vertragsjahr deutlich teurer werden können. Wechseln Sie rechtzeitig erneut den Anbieter, sonst ist Ihre Ersparnis wahrscheinlich dahin.

Die Vielfalt an Energieanbietern darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer noch eine überschaubare Zahl von Unternehmen den Strommarkt dominiert: Die 86 größten Stromversorger beliefern rund drei Viertel aller Haushalte und Gewerbebetriebe mit elektrischer Energie. Manche dieser Unternehmen gehören dabei zu einem Konzern, beispielsweise Eprimo, Süwag und Innogy zu RWE. Das restliche Viertel des Marktes teilen mehr als 1.000 Unternehmen unter sich auf. Das hat die Bundesnetzagentur in ihrem jährlichen Monitoringbericht festgestellt.

Im Gasmarkt sieht es ähnlich aus: Die 26 größten Unternehmen versorgen beinahe die Hälfte der Kunden. Um die andere Hälfte kümmern sich mehr als 900 Firmen.

Manche Versorger bieten auch Kombitarife für Strom und Gas an. Das heißt, wenn Sie sowohl Strom als auch Gas von einem Lieferanten beziehen, bedankt er sich mit einem Preisrabatt oder einer längeren Preisgarantie bei Ihnen. Ob Sie mit einem Kombitarif günstiger fahren, als mit zwei Verträgen bei unterschiedlichen Anbietern, sollten Sie vor einem Abschluss aber prüfen – trotz Rabatt können die Kosten höher sein als in zwei günstigen Einzelverträgen zusammen. Wie Kombitarife aussehen, erfahren Sie nur direkt beim jeweiligen Versorger. Vergleichsportale führen die Angebote nicht auf.

Wie wird ein Unternehmen ein Strom- oder Gasversorger?

Will ein Unternehmen Energieversorger werden, ist dazu nicht viel notwendig: Es braucht Software, um neue Verträge zu schließen und Abrechnungen zu erstellen. Mitarbeiter kaufen Strom und Gas an der Börse oder bei Erzeugern ein. Sie müssen darauf achten, dass die eingekaufte Menge den Öko- und Klimawünschen der Kunden entspricht und melden diese Daten den Netzbetreibern, an deren Netz die Kunden hängen. Schließlich sollten sich weitere Mitarbeiter noch um Kundenanfragen kümmern und Tarifangebote aktuell halten.

Dass die Versorgung sicher ist, stellen dabei die Netzbetreiber sicher. Die Herausforderung für einen Energieversorger ist damit vor allem administrativer und bilanzieller Natur. Mit etwas Startkapital kann jede Firma Energielieferant werden und Haushalte versorgen. Die einzige Pflicht besteht darin, sich bei der Bundesnetzagentur zu registrieren und dabei die Leistungsfähigkeit darzulegen (§ 5 EnWG). Die Behörde kann ein Unternehmen auch ausschließen, wenn die „personelle, technische oder wirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder Zuverlässigkeit nicht gewährleistet ist“.

Wie unterscheiden sich Stromversorger voneinander?

In drei Punkten können sich Versorger voneinander unterscheiden: in der Service-Qualität, beim Stromeinkauf und in der Höhe der Preise, zu denen der Kunde die Energie abnimmt. 

Ob Sie Ihren Anbieter telefonisch gut erreichen, ob er schnell reagiert, wenn Sie eine Frage haben und ob er zuverlässig seine Vertragspflichten erfüllt – all das macht einen guten Service aus. An den Tarifdetails können Sie die Service-Qualität aber nicht ablesen. Einen Eindruck, wie umgänglich ein Unternehmen ist, vermitteln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB): Gibt es dort beispielsweise viele Klauseln, die den Kunden von einer Leistung ausschließen, sind Konflikte absehbar.

Unser Tipp: Lesen Sie sich eher die negativen Bewertungen zur Firma auf Vergleichsportalen wie Verivox und Check24 durch und die Einträge auf der Beschwerdeseite reclabox.de. Wiederholen sich die Kritikpunkte, sollten Sie sie ernst nehmen und einen anderen Energielieferanten wählen. Neben konventionellem Strom bieten Versorger auch Ökostrom oder Regionalstrom an. Bei letzterem handelt es sich um Energie aus Kraftwerken in der Nähe des Verbrauchers. Physikalisch gibt es keinen Unterschied zwischen den unterschiedlichen Stromarten, ökologisch aber sehr wohl.

Wenn Sie die Stromerzeugung aus Windkraft oder Photovoltaik gutheißen, können Sie sich für Ökostrom entscheiden. Wenn Sie Stromerzeuger in Ihrer Region unterstützen möchten, können Sie einen Regionaltarif wählen. Der Finanztip-Stromrechner zeigt neben konventionellen Tarifen auch solche für Ökostrom und Regionalstrom. Ökostrom ist als solcher im Rechner gekennzeichnet, Regionalstrom bislang nicht.

Manche Versorger betreiben zusätzlich Umweltschutz- oder Sozialprojekte, die Sie als Kunde dann ebenfalls fördern können. Unter Umständen kostet ein solcher Tarif dann etwas mehr.

Welchen Einfluss haben Versorger auf die Strompreise?

Ein Stromversorger beeinflusst den Preis der Energie nur wenig, die er liefert: Rund 80 Prozent des Strompreises bestimmen Kosten, die der Versorger berechnen muss, ohne selbst etwas davon zu haben. Dazu gehören Steuern, Umlagen oder Netzentgelte, die das Unternehmen an den Staat oder die Netzbetreiber weiterreicht.

Trotzdem gehen die Strompreise bundesweit stark auseinander. Das liegt daran, dass Versorger unterschiedlich viel zahlen müssen, je nachdem welches Verteilernetz sie nutzen. So kommt es, dass beispielsweise Verbraucher in Brandenburg oder Schleswig-Holstein im Schnitt deutlich höhere Preise zahlen als Verbraucher in Köln oder Bremen. Das ist wichtig zu wissen, wenn Sie umziehen und sich am neuen Ort über deutlich andere Strompreise wundern sollten. Im Schnitt liegen die Netzentgelte in ländlichen Regionen über denen in Großstädten, im Osten und Norden der Republik sind sie höher als im Westen und Süden.

Es gibt wenige Unternehmen, die Verbrauchern einheitlich hohe Tarife berechnen und die Gesamtkosten für die Netznutzung aller Kunden mitteln. Zumeist berücksichtigen Versorger aber die regional unterschiedlichen Entgelte für Netznutzung und Messstellenbetrieb (also den Betrieb der Strom- und Gaszähler) in ihren Tarifen. Ein Energieanbieter kann also nur rund ein Fünftel des Strompreises selbst gestalten. Je nachdem, wie günstig er Strom einkauft, wie effizient er arbeitet und welche Marge er sich berechnet, kann ein Tarif höher oder niedriger ausfallen.

Die Konkurrenz beim Einkauf preislich abzuhängen, ist schwer. Es gibt einen zentralen Handelsplatz für Strom in Deutschland, die Strombörse EEX. An den Preisen dort orientieren sich auch die Kraftwerksbetreiber, die ihren Strom direkt an einen Versorger verkaufen. Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern wie Dänemark oder Schweden gibt es an der Strombörse bislang auch nur eine Preiszone. Es macht damit keinen Unterschied, ob Strom im Norden oder Süden verbraucht wird. Die Preise selbst schwanken moderat: meist um rund 1 Cent pro Kilowattstunde innerhalb eines Jahres.

Will ein Anbieter Strom günstig anbieten, hat er den größten Spielraum deshalb bei den eigenen Kosten und seiner Gewinnspanne. 3 bis 4 Cent pro Kilowattstunde berechnet ein Versorger im Schnitt für seine eigene Arbeit, inklusive Gewinn. Ein Versorger kommt aber auch mit geringeren Beträgen aus, um rentabel zu arbeiten – wenn der Vertrieb effizient und stark automatisiert läuft.

Das Sparpotenzial für Verbraucher ist dennoch überschaubar: Berechnet der Anbieter 1 Cent pro Kilowattstunde netto weniger als ein Konkurrent, zahlen Sie bei einem Verbrauch von 3.000 Kilowattstunden im Jahr rund 36 Euro weniger. Rund 3.000 Kilowattstunden verbrauchen Haushalte in Deutschland im Schnitt im Jahr.

Wie unterscheiden sich Gasversorger voneinander?

Ebenso wie die Stromversorger kann sich ein Gasversorger in drei Punkten von seinen Konkurrenten abheben: durch guten Service, nachhaltiges Wirtschaften und durch günstige Preise.

Die Qualität des Service lässt sich vor Abschluss eines Liefervertrags bedingt einschätzen. Aufschluss können auch in diesem Fall die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Versorgers geben, wenn diese viele Klauseln beinhalten, die dem Verbraucher Leistungen absprechen. Auch ein Blick auf reclabox.de oder in die negativen Bewertungen auf den Vergleichsseiten von Check24 und Verivox kann sich lohnen, wenn Sie nicht an ein Unternehmen mit miesem Service geraten wollen.

Beim Gas gibt es ökologische Alternativen zu fossilem Erdgas: Biogas aus Biogasanlagen, Wasserstoff oder synthetisch erzeugtes Erdgas. Allerdings strömen über das öffentliche Netz weniger als zwei Prozent Ökogas – viel zu wenig, um einen Kunden nur mit grünem Gas zu versorgen. So besteht ein entsprechender Tarif zumeist nur zu einem Teil aus Ökogas und zum anderen aus konventionellem Erdgas. Der Finanztip-Gasrechner zeigt auch Öko-Tarife an.

Daneben verkaufen Anbieter auch sogenanntes Klimagas. Dabei liefern sie fossiles Erdgas, unterstützen aber im Gegenzug Klimaschutzprojekte wie das Aufforsten von Wäldern. Egal, ob Öko- oder Klimagas bei Ihnen ankommt – für beides zahlen Sie im Schnitt mehr als für konventionelles Erdgas.

Welchen Einfluss haben Energieversorger auf Gaspreise?

Bei der Preisgestaltung unterliegen die Gasversorger ähnlichen Regeln wie die Stromversorger – aber ihr Spielraum ist größer. Rund die Hälfte des Gaspreises bestimmen die Versorger. Denn auf den Gaspreis fallen „nur“ zwei Steuern und eine Abgabe an. Hinzukommen die Kosten für den Gaszähler und um das Netz zu nutzen – eine Umlage zur Umstellung des Gasnetzes auf Gas mit höherem Brennwert ist darin bereits enthalten.

Rund 3 Cent pro Kilowattstunde berechnete ein Versorger 2017 im Schnitt, um das Gas zu beschaffen und für seine Dienstleistung, inklusive Gewinnspanne. Für den Einkauf gab er vermutlich mindestens die Hälfte dieser 3 Cent pro Kilowattstunde aus. Aufgrund der hohen Abnahme von Gas genügt aber auch 1 Cent pro Kilowattstunde, damit ein Unternehmen gewinnbringend arbeiten kann. Im Schnitt beziehen Haushalte 20.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Die Netzentgelte haben ein ähnliches Gewicht wie die Kosten, um das Gas zu beschaffen und es zu vertreiben. Auch der Gasmarkt unterscheidet sich regional: In Mecklenburg-Vorpommern sind die Kosten am höchsten – teilweise doppelt so teuer wie in Berlin, Hamburg oder Bremen.

Absolut geht es um Preisunterschiede von bis zu 3 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet: In manchen Regionen kostet es mehr, den Brennstoff zu transportieren, als ihn einzukaufen. Dieses regionale Ungleichgewicht kann kein Versorger durch eine niedrigere Gewinnspanne oder geringere Lieferkosten ausgleichen.

Welche Pflichten haben Energieanbieter gegenüber Kunden?

Ein Energieversorger muss das Energierecht einhalten. Kaum ein anderer Markt ist in Deutschland so stark durch Gesetze bestimmt wie jener für Strom und Gas. Um Haushalte zu beliefern, gelten nochmals besondere Bestimmungen – Zweck des Gesetzes ist schließlich auch, dass die Versorgung mit Strom und Gas verbraucherfreundlich geschieht.

Die gesetzlichen Pflichten gegenüber Verbrauchern beginnen bei Vertragsschluss (§ 41 EnWG):

  • Der Versorger muss ihnen mehrere Bezahlmöglichkeiten für die gelieferte Energie anbieten.
  • Er darf keinen Abschlag kassieren, bevor er nicht geliefert hat.
  • Er muss eine Abschlagszahlung am bisherigen Verbrauch bemessen.

Spätestens nach zwölf Monaten ist der Energielieferant verpflichtet, eine Abrechnung zu erstellen und Ihnen binnen sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums zuzustellen (§ 40 EnWG). Die Abrechnung soll einfach und verständlich sein. Sie muss neben den Kosten auch Informationen enthalten, wie viel Sie im Vergleich mit anderen Kunden verbrauchen.

Den Vertrag ändern kann der Anbieter nicht, ohne Sie zu informieren. Will er beispielsweise die Preise erhöhen, muss er das mitteilen und Sie auf Ihr Sonderkündigungsrecht hinweisen (§ 41 Abs. 3 EnWG). Sie dürfen dann den Anbieter wechseln. Hält ein Versorger diese Pflichten nicht ein, erfahren Sie in unseren Ratgebern zum Stromanbieterwechsel und zum Gasanbieterwechsel, was Sie tun können.

Neben dem Energierecht sind weitere Gesetze einzuhalten. Verstöße registrierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen 2017 mehrfach gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) wegen des Abschlusses von Versorgungsverträgen am Telefon. Bei zwei Klagen erhielten die Verbraucherschützer bereits Recht.

Das Landgericht München I stellte in beiden Verfahren fest, dass der Abschluss von Strom- und Gaslieferverträgen am Telefon nicht gültig ist, wenn der Kunde dem Werbeanruf vorher nicht ausdrücklich zugestimmt haben (Az. 37 O 5551/17 und Az. 33 O 5550/17). In einem der beiden Verfahren erfolgten nicht nur Werbeanrufe, sondern schlossen Verbraucher nach Darstellung des Versorgers PST Europe Sales auch Lieferverträge am Telefon ab.

In einem solchen Fall müssen Kunden trotzdem schriftlich genehmigen, dass der neue Versorger ihren bestehenden Liefervertrag kündigen darf, urteilten die Richter. Das Urteil gegen PST Europe Sales ist noch nicht rechtskräftig.

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Wer beaufsichtigt Versorger, dass sie Gesetze einhalten?

Die Bundesnetzagentur ist die Aufsichtsbehörde für Energieversorger, Messstellenbetreiber und Netzbetreiber. Das Augenmerk der Behörde liegt darauf, dass kein Netzbetreiber einen Verbraucher mutwillig von der Energieversorgung ausschließt und dass kein Netzbetreiber einen Strom- oder Gasversorger benachteiligt, sondern alle Lieferanten gleichbehandelt.

Bei den Energieversorgern achtet die Behörde darauf, dass sie zuverlässig arbeiten. Lässt ein Unternehmen Kunden beispielsweise in die sogenannte Ersatzversorgung fallen, behindert es den Wechsel seiner Kunden zu einem anderen Versorger.

Auch wenn ein Versorger einem Netzbetreiber nicht ordnungsgemäß Daten und Zahlungsbeträge übermittelt, kann die Behörde einschreiten. Möglich ist, dass dann ein Aufsichtsverfahren beginnt, an dessen Ende die Bundesnetzagentur dem Versorgungsunternehmen ein bestimmtes Verhalten verbietet. Solche Verfahren sind eher selten. Geführt hat die Behörde ein Aufsichtsverfahren zum Beispiel gegen die Care Energy AG, die Anfang 2017 Insolvenz anmeldete.

Die Schlichtungsstelle Energie

Ob ein Unternehmen den Liefervertrag mit Kunden einhält, indem es beispielsweise einen Bonus überweist oder ein Guthaben zurückzahlt, ist eine Frage für die Schlichtungsstelle Energie. Ehe Sie sich an diese wenden, müssen Sie aber Ihren Versorger mit Ihrer Kritik konfrontiert haben. Innerhalb von vier Wochen muss Ihr Energielieferant auf einen Beschwerdebrief reagieren. Bleibt das aus, sollten Sie sich an die Schlichtungsstelle wenden. Das Schlichtungsverfahren ist kostenfrei.

Ärgern Sie sich über das Verhalten eines Versorgers, aber sind sich unsicher, ob dem Unternehmen ein Vorwurf zu machen ist, können Sie auch Finanztip benachrichtigen oder sich an eine Verbraucherzentrale wenden.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.