Förderung für Vermögensbildung

So fördert der Staat die Vermögensbildung

Dr. Manuel Kayl Stand: 24. November 2015
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Staat fördert den Vermögensaufbau von Arbeitnehmern mit relativ geringen Einkommen über die Arbeitnehmersparzulage und die Wohnungsbauprämie.
  • Um staatliche Förderung zu erhalten, müssen Sie einen Sparvertrag mit einer Mindestlaufzeit von sieben Jahren abschließen.
  • Über die Arbeitnehmersparzulage werden Bausparverträge, Sparpläne für Aktienfonds und die Tilgung von Baufinanzierungen gefördert.
  • Die Wohnungsbauprämie erhalten Sie nur für Bausparverträge. Das angesparte Geld muss in diesem Fall für Kauf, Bau oder Modernisierung einer Immobilie aufgewendet werden.
  • Die Arbeitnehmersparzulage beantragen Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung. Die Wohnungsbauprämie beantragt Ihre Bausparkasse für Sie.

Dieser Artikel ist für Sie, wenn Sie wissen wollen, welche staatliche Förderung zum Vermögensaufbau Sie erhalten können und wie Sie diese beantragen. Welcher Sparvertrag sich am besten für Sie eignet, lesen Sie unserem Ratgeber vermögenswirksame Leistungen.

Wen der Staat fördert

Der Staat unterstützt Arbeitnehmer mit relativ geringen Einkommen beim Vermögensaufbau. Sie können staatliche Förderung über die Arbeitnehmersparzulage und über die Wohnungsbauprämie erhalten. Um Prämien vom Staat zu kassieren, müssen Sie zwei Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie schließen einen Sparvertrag mit einer Mindestlaufzeit von sieben Jahren ab. Die Arbeitnehmersparzulage gibt es für Sparpläne auf Aktienfonds und Bausparverträge. Mit der Wohnungsbauprämie werden nur Bausparverträge gefördert.
  • Ihr Einkommen übersteigt nicht gewisse Höchstgrenzen. Ausschlaggebend ist Ihr zu versteuernde Einkommen, das meist deutlich niedriger als Ihr Bruttogehalt ist.

So kassieren Sie die Prämien vom Staat

Wir haben für Sie die Förderbeträge und Einkommensgrenzen in einer Tabelle zusammengestellt.

Staatliche Förderung für die Vermögensbildung

AnlageformStaatliche Förderung

Maximales zu
versteuerndes

Einkommen,
alleinstehend /

verheiratet

Höhe der

Förderung
im Jahr,

alleinstehend
/ verheiratet

BausparvertragArbeitnehmersparzulage17.900 € / 35.800 €9 % der eingezahlten Summe, höchstens 43 € / 86 €
 Wohnungsbauprämie25.600 € / 51.200 €8,8 % der eingezahlten Summe, höchstens 45 € / 90 €
Tilgung eines BaukreditsArbeitnehmersparzulage17.900 € / 35.800 €9 % der eingezahlten Summe, höchstens 43 € / 86 €
AktienfondssparplanArbeitnehmersparzulage20.000 € / 40.000 €20 % der eingezahlten Summe, maximal 80 € / 160 €

 

Sobald Sie die Arbeitnehmersparzulage vom Staat erhalten, sind Sie an eine Mindestlaufzeit von sechs Jahren plus ein Jahr Ruhezeit für Ihren Sparvertrag gebunden. Das Geld vom Staat erhalten Sie nach Vertragsende. Sie können für jeden abgeschlossenen Sparvertrag staatliche Förderung beantragen.

Das folgende Rechenbeispiel zeigt, wie Sie sogar dreifach Prämien vom Staat erhalten können. Wenn Ihr Einkommen unter den jeweiligen Grenzen liegt, können Sie dreifache Förderung vom Staat erhalten:

  • Sie schließen einen Aktienfondssparplan über 400 Euro im Jahr ab und erhalten 80 Euro Arbeitnehmersparzulage.
  • Zusätzlich schließen Sie einen Bausparvertrag ab und kassieren 43 Euro im Jahr bei einem eingezahlten Betrag von 470 Euro.
  • Sie zahlen weitere 512 Euro im Jahr in den Bausparvertrag ein und erhalten die Wohnungsbauprämie in Höhe von 45 Euro im Jahr.

In unserem Beispiel erhalten Sie staatliche Leistungen in Höhe von 12,1 Prozent der einbezahlten Sparbeiträge.

Zu versteuerndes Einkommen

Ihr zu versteuerndes Einkommen entscheidet darüber, ob Sie Anspruch auf staatliche Förderung haben. Es berechnet sich aus Ihrem Bruttogehalt abzüglich Freibeträgen, Pauschalen und steuerlich absetzbarer Ausgaben. Meist ist es deutlich niedriger als Ihr Bruttogehalt. Ihr zu versteuerndes Einkommen finden Sie auch auf der zweiten Seite Ihres Bescheids über die Einkommenssteuer unter Besteuerungsgrundlagen „Berechnung des zu versteuernden Einkommens“.  

So erhalten Sie die Sparzulage für Arbeitnehmer

Die Arbeitnehmersparzulage ist eine staatliche Förderung von vermögenswirksamen Leistungen (VL)für Geringverdiener. Im Gegensatz zu den vermögenswirksamen Leistungen ist die Arbeitnehmersparzulage steuer- und sozialversicherungsfrei. Sie können die Zulage unabhängig davon beantragen, ob Sie oder Ihr Arbeitgeber das VL-Sparen bezahlen.

Die Arbeitnehmersparzulage müssen Sie jährlich mit der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt beantragen. Dafür haben Sie vier Jahre Zeit. Vergessen Sie es einmal, haben Sie also in den drei Folgejahren Gelegenheit, den Antrag nachzuholen.

Sie müssen die Zulage über Ihre Steuererklärung beantragen. Ihre Bank stellt Ihnen dazu die Anlage VL in Papierform aus, die Sie Ihrer Steuererklärung beifügen. Die Anlage VL ist eine Bescheinigung Ihrer Bank, Bausparkasse oder Fondsgesellschaft zur Sparsumme oder dem Depotbestand. Am Ende der Laufzeit überweist der Staat die bewilligten Sparzulagen.

So erhalten Sie die Wohnungsbauprämie

Als Bausparer können Sie zusätzlich die Wohnungsbauprämie erhalten. Dafür müssen Sie folgende Bedingungen erfüllen:

  • Sie sind ledig und Ihr zu versteuerndes Einkommen überschreitet nicht die Grenze von 25.600 Euro.
  • Sie sind verheiratet und Ihr zu versteuerndes Gemeinschaftseinkommen liegt unterhalb der Grenze von 51.200 Euro.

Das so angesparte Geld muss für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden. Das bedeutet, dass Sie eine Immobilie bauen oder kaufen oder das Bausparguthaben in die Sanierung einer Immobilie investieren müssen. Gefördert werden maximal 512 Euro im Jahr für Singles und 1.024 Euro für Verheiratete. Sie müssen die Beiträge aus Ihrer eigenen Tasche bezahlen. Im Gegensatz zur Arbeitnehmersparzulage werden vermögenswirksame Leistungen gefördert. Die Prämie beträgt 8,8 Prozent der eingezahlten Beträge, höchstens also 45 Euro für Singles und 90 Euro für Ehepaare.

Im Gegensatz zur Arbeitnehmersparzulage müssen Sie die Wohnungsbauprämie nicht in Ihrer Steuererklärung beantragen. Ihre Bausparkasse erledigt das für Sie. Die Prämie erhalten Sie am Ende der Laufzeit, sobald Sie die Verwendung des Geldes für eine Immobilie nachgewiesen haben.

Autor
Dr. Manuel Kayl

Stand: 24. November 2015


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