Coronavirus und Veranstaltungen

Was Sie jetzt beachten müssen

Max Mergenbaum Stand: 15. Mai 2020

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen werden derzeit viele Veranstaltungen abgesagt: Fußball- oder Eishockeyspiele, aber auch Theatervorführungen und Konzerte. Viele fragen sich, ob sie nun ihr Geld zurückbekommen.

Bisher galt: Wenn ein Veranstalter eine zugesicherte Leistung nicht erbrachte, dann musste er den Eintrittspreis erstatten. Grundlage dafür war das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 326 Abs. 1 BGB). Dabei war es egal, ob der Veranstalter aus Vorsicht selbst absagte oder örtliche Behörden dies angeordnet hatten. Schloss ein Veranstalter in seinen AGB eine Erstattung des Ticketpreises aus, war das nach unserer Einschätzung ungültig.

Wann Sie Gutscheine statt Geld akzeptieren müssen

Die Ausbreitung des Coronavirus hat Tourismus- und Freizeitangebote so sehr zum Erliegen gebracht, dass viele Veranstalter aufgrund der Vielzahl an Rückzahlungen pleitegehen könnten. Um zu verhindern, dass Veranstalter in die Knie gehen, hat die Bundesregierung Anfang April eine Einschränkung der Verbraucherrechte beschlossen: Kunden sollen Gutscheine akzeptieren müssen.

Am 14. Mai hat der Bundestag ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Es soll rückwirkend für alle Veranstaltungstickets gelten, die vor dem 8. März gebucht wurden. Dazu gehören Veranstaltungen aus dem Bereich Kultur, Sport und Freizeit. Auch Monats- oder Jahreskarten für Schwimmbäder, Museen und Fitnessstudios fallen darunter. Folgende Regelungen gelten:

  1. Für vor dem 8. März gebuchte Tickets erhalten Sie Gutscheine statt Geld. 
  2. Der Gutschein muss den vollen Eintrittspreis inklusive eventuell angefallener Vorverkaufsgebühren umfassen.
  3. Sie können selbst entscheiden, ob Sie den Gutschein für eine Nachholveranstaltung oder eine andere Veranstaltung desselben Anbieters einlösen. Eine Beschränkung durch den Anbieter ist nicht zulässig.
  4. Falls Sie Ihr Ticket dazu berechtigt, mehrere Veranstaltungen zu besuchen, haben Sie Anspruch auf einen Gutschein in Höhe des Wertes, der bislang ausgefallenen Veranstaltungen.
  5. Die Gutscheine sind bis Ende 2021 gültig. Haben Sie bis dahin Ihren Gutschein nicht eingelöst, sollen Sie doch Ihr Geld (inklusive Vorverkaufsgebühren) zurückerhalten. 
  6. Es gibt Ausnahmen: Sind Sie etwa ohne die Rückzahlung nicht in der Lage, Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten oder notwendige Kosten wie Miete oder Energierechnungen zu bezahlen, können Sie auf einer Auszahlung bestehen und müssen keinen Gutschein akzeptieren. Diese Härtefallklausel gilt auch, wenn Sie eine Veranstaltung im Rahmen einer Urlaubsreise geplant hatten und der Nachholtermin für Sie mit hohen Kosten verbunden wäre.

Wenn der Veranstalter das Event irgendwann nachholen will, Sie aber am Nachholtermin keine Zeit haben, können Sie auf einen Gutschein bestehen. Ansprechpartner für die Rückabwicklung ist in aller Regel der Veranstalter (die Adresse steht meist auf dem Ticket). Manchmal ist auch die Vorverkaufsstelle zuständig, bei der Sie die Karte gekauft haben.

Kann ich die Kosten für Hotel und Anreise zurückfordern?

Die vollen Kosten für Hotel und Anreise zurückzubekommen, ist schwieriger. Denn bei der Absage einer Veranstaltung durch die Behörden trifft den Veranstalter keine Schuld. So kann er auch nicht für die Übernahme der Kosten in Anspruch genommen werden.

Sie können hier nur auf die Kulanz des Hoteliers oder des Unterkunftanbieters hoffen. Dasselbe gilt für das Transportunternehmen, das Sie zum Veranstaltungsort bringen sollte. Was Sie bei Bahn und Flugreisen beachten müssen, finden Sie in unserem Reiseratgeber zum Thema Corona.

Übrigens: Die Bundesregierung hat der EU-Kommission vorgeschlagen, die europäischen Regelungen für Flüge und Pauschalreisen anzupassen, um auch hier eine Gutscheinlösung zu ermöglichen. Die EU-Kommission hat aber beide Vorschläge abgelehnt. Nach wie vor können Flug- und Pauschalreisende auf eine Erstattung Ihrer Reisekosten bestehen. Was genau gilt, können Sie in unserem Reiseratgeber nachlesen.

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Autor
Max Mergenbaum

Stand: 15. Mai 2020


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