Pilotenstreik

Was Dir bei einem Streik bei der Fluggesellschaft zusteht

Dr. Britta Beate Schön 25. März 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Fällt Dein Flug aus, weil Pilot oder Flugbegleiter streiken, hast Du Anspruch auf einen Ersatzflug oder ein Bahnticket.
  • Gestrandeten Fluggästen steht bei Streik oft eine Ausgleichszahlung von 250 bis 600 Euro zu.
So gehst Du vor
  • Klär mit dem Kundencenter der Airline, wie Du trotz Streik an Dein Ziel kommst.
  • Hast Du eine Pauschalreise gebucht, wende Dich an den Reiseveranstalter.
  • Fordere mit unserem Fluggastrechte-Tool Deine Ausgleichszahlung.

Zum Rechner

Falls Deine Reise von einem Pilotenstreik oder einem Streik der Flugbegleiter betroffen sein könnte, prüf auf der Website der Airline den Status Deines Flugs. Du hast verschiedene Rechte – möglicherweise sogar einen Anspruch auf Ausgleichszahlung.

Worauf haben Fluggäste bei Streik grundsätzlich Anspruch?

Streicht die Fluggesellschaft Deinen Flug wegen eines Streiks, steht Dir eine alternative Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu – so regelt es die europäische Fluggastrechte-Verordnung. Besprich die Möglichkeiten eines Ersatzflugs oder einer anderen Beförderung am besten direkt mit Deiner Fluggesellschaft.

Hast Du Deinen Flug über einen Veranstalter im Rahmen einer Pauschalreise oder über ein Reisebüro gebucht, musst Du Dich für eine Umbuchung oder Stornierung an Deinen Anbieter wenden. Mehr dazu liest Du weiter unten.

Anspruch auf ein Bahnticket

Falls Du innerhalb von Deutschland fliegen wolltest und keine Pauschalreise gebucht hast, kannst Du ohne weitere Kosten die Bahn nutzen. Dafür solltest Du über die Buchungsseite der Fluggesellschaft das Flugticket in eine Fahrkarte umwandeln. Du erhältst die Bahnfahrkarte auch am Ticketschalter der Airline.

Wenn Du Dir kurz entschlossen selbst ein Bahnticket kaufst, kannst Du später versuchen, es Dir erstatten zu lassen. Es kann aber sein, dass Du nur den Preis für Dein Flugticket zurückbekommst. Sollte die Bahnfahrt teurer sein, musst Du die Differenz zum Flugticket unter Umständen selbst zahlen. Tausch Dein Flugticket daher besser vor der Fahrt in eine Bahnfahrkarte um.

Mietwagen ist Verhandlungssache

Erkundige Dich bei der Airline, ob sie auch andere Verkehrsmittel erstattet – zum Beispiel die Kosten für einen Mietwagen. Was möglich ist, ist letztlich Verhandlungssache. Lass Dir Zusagen unbedingt per E-Mail bestätigen oder am Schalter gegenzeichnen.

Wann steht Dir Essen und Unterkunft zu?

Bist Du bereits am Flughafen und erfährst dort, dass Dein Flug wegen eines Streiks ausfällt, dann muss die Airline Dich verpflegen. Üblicherweise gibt es Getränke, Snacks oder Gutscheine. Wenn nichts angeboten wird, kannst Du Dir selbst Essen und Getränke kaufen und Dir die Verpflegung später von der Fluggesellschaft erstatten lassen. Dabei solltest Du nicht übertreiben, denn die Kosten sollten in einem angemessenen Verhältnis zu Deiner Wartezeit stehen.

Bist Du am Urlaubsort gestrandet, weil der Ersatzflug erst am nächsten Tag geht, dann muss die Airline Übernachtung und Transfer ins Hotel zahlen. Besprich die Details am besten telefonisch mit dem Kundendienst. Möglicherweise hat die Fluggesellschaft die Übernachtung bereits für Dich organisiert. Buch ein Hotel auf eigene Faust nur dann, wenn Du eine schriftliche Zusage hast, dass die Airline auch die Kosten erstattet.

Welche weiteren Rechte haben Pauschalreisende bei Streik?

Falls Dein Flug Teil einer Pauschalreise ist, kannst Du den Reisepreis mindern, falls wegen des Streiks Dein Urlaub erst später beginnt. Falls Dein Urlaub erheblich beeinträchtigt würde, kannst Du die Reise auch kostenfrei stornieren – zum Beispiel, wenn Du Deinen einwöchigen Urlaub erst vier Tage später antreten kannst. Falls der Rückflug ausfällt, muss der Veranstalter für Deine Unterkunft am Urlaubsort sorgen.

Haben Fluggäste bei Streik einen Anspruch auf Entschädigung?

Die Frage, ob Verbraucher bei Flugausfällen wegen Streiks einen Anspruch auf Ausgleichszahlung haben, ist umstritten. Es kommt auf den Einzelfall an.

Fluggesellschaften müssen nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung bei großer Verspätung oder Annullierung des Fluges grundsätzlich Entschädigungen von bis zu 600 Euro zahlen. Es gibt allerdings Ausnahmen. Immer dann, wenn die Airline schuldlos ist und sogenannte außergewöhnliche Umstände vorliegen, wird keine Ausgleichszahlung fällig (Art. 5 Abs. 3 FluggastrechteVO).

Was genau darunter zu verstehen ist, ergibt sich aus den Gründen der Verordnung. Außergewöhnliche Umstände können demnach insbesondere eintreten bei politischer Instabilität, bei schlechtem Wetter sowie bei „den Betrieb eines ausführenden Luftfahrtunternehmens beeinträchtigenden Streiks“ (Erwägungsgrund 14).

Rechtsprechung des EuGH

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass ein Streik die Fluggesellschaft nicht unbedingt und automatisch von der Ausgleichspflicht befreit (Urteil vom 17. April 2018, Az. C-195/17). Ganz im Gegenteil – die Gerichte müssen im Einzelfall beurteilen, ob der Streik seine Ursache in der normalen Geschäftstätigkeit der Fluggesellschaft hat.

Ein von einer Gewerkschaft von Beschäftigten einer Airline organisierter Streik, mit dem die Arbeitnehmer höheres Gehalt oder bessere Arbeitszeiten durchsetzen wollen, ist kein außergewöhnlicher Umstand, urteilte der EuGH zu einem Pilotenstreik bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS (23. März 2021, Az. C-28/20). Die Fluggesellschaft muss deshalb bei einem Streik, der die rechtlichen Vorgaben beachtet, auch Entschädigungen zahlen, wenn Flüge deshalb ausfallen oder sich verspäten.

Bei einem Fluglotsenstreik oder einem Streik der Gepäckarbeiter am Flughafen ist die Fluglinie in der Regel außen vor – dafür trägt sie keine Verantwortung. Anders kann es dann sein, wenn die eigenen Mitarbeiter streiken.

Achtung: Weil es auf den Einzelfall ankommt, solltest Du auch bei einer Verspätung oder Annullierung wegen eines Streiks immer Deine Ansprüche auf Entschädigung einfordern. Du brauchst dabei wahrscheinlich Unterstützung. Du kannst Dich zum Beispiel an Fluggast-Portale wenden.

Krankheitswelle oder wilder Streik

Auch wenn die Fluggesellschaft Flüge annulliert, weil zu viele Crew-Mitglieder erkrankt sind, muss sie unter Umständen Entschädigungen zahlen. So war es im Herbst 2016 bei Tuifly. Die Airline wollte nicht zahlen, weil die Krankmeldungen mit einem Streik vergleichbar seien.

Das sahen zahlreiche Passagiere anders und klagten auf Entschädigung. Im Februar 2017 gab es die ersten Urteile – mit sehr unterschiedlichem Ausgang: mal zugunsten von Tuifly und mal zugunsten der Fluggäste.

Zwei deutsche Amtsgerichte wollten Klarheit und legten die Frage dem EuGH vor. Das Gericht hat am 17. April 2018 entschieden, dass sich Tuifly nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen darf. Der „wilde Streik“ folgte auf eine überraschende Ankündigung des Managements, dass es umstrukturieren wolle. Die betriebswirtschaftlichen Risiken, die sich aus solchen Umstrukturierungen und den damit einhergehenden sozialen Problemen für Arbeitnehmer ergeben, sind Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit der Fluggesellschaft, urteilten die Richter in Luxemburg (Az. C-195/17 u.a.) – also keine außergewöhnlichen Umstände.

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