Pilotenstreik

Was Ihnen bei einem Streik bei der Fluggesellschaft zusteht

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Piloten oder Flugbegleiter streiken, haben betroffene Fluggäste Anspruch auf einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
  • Alternativ muss die Airline die Fahrt mit der Bahn bezahlen.
  • Kosten für andere Verkehrsmittel wie einen Mietwagen übernimmt die Fluggesellschaft eventuell auf Nachfrage.
  • Eine Entschädigung erhalten Kunden bei einem Streik in aller Regel nicht.
  • Eine möglicherweise abgesprochene Krankheitswelle unter den Mitarbeitern einer Airline kann aber nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zu einer Entschädigung der Passagiere führen.

So gehen Sie vor

  • Erkundigen Sie sich rechtzeitig auf der Website der Fluggesellschaft, ob sich Ihr Flug verschiebt oder entfällt.
  • Klären Sie mit dem Kundencenter der Airline, wie Sie trotz Streik an Ihr Ziel kommen.
  • Haben Sie eine Pauschalreise gebucht, wenden Sie sich an den Reiseveranstalter.
  • Wenn Sie schon am Flughafen sind, können Sie kostenlose Getränke und Snacks fordern.
  • Ist der Grund für die Verspätung oder Annullierung ein wilder Streik oder ähnliches, sollten Sie eine Ausgleichszahlung verlangen.
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Streiks gibt es bei Fluggesellschaften immer wieder. Falls Ihre Reise von einem Pilotenstreik oder einem Streik der Flugbegleiter betroffen sein könnte, prüfen Sie auf der Website der Airline den Status Ihres Flugs. Sie haben verschiedene Rechte – möglicherweise sogar zusätzlich einen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.

Worauf haben Fluggäste bei Streik grundsätzlich Anspruch?

Streicht die Fluggesellschaft Ihren Flug wegen Streiks, steht Ihnen eine alternative Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu – so regelt es die europäische Fluggastrechte-Verordnung. Besprechen Sie die Möglichkeiten eines Ersatzflugs oder einer anderen Beförderung am besten direkt mit Ihrer Fluggesellschaft.

Haben Sie Ihren Flug über einen Veranstalter im Rahmen einer Pauschalreise oder über ein Reisebüro gebucht, müssen Sie sich für eine Umbuchung oder Stornierung an Ihren Anbieter wenden. Dazu dazu lesen Sie weiter unten.

Anspruch auf ein Bahnticket

Falls Sie innerhalb von Deutschland fliegen wollten und keine Pauschalreise gebucht haben, können Sie ohne weitere Kosten die Bahn nutzen. Dafür sollten Sie über die Buchungsseite der Fluggesellschaft das Flugticket in eine Fahrkarte umwandeln. Sie erhalten die Bahnfahrkarte auch am Ticketschalter der Airline.

Wenn Sie sich kurz entschlossen selbst ein Bahnticket kaufen, können Sie später versuchen, es sich erstatten zu lassen. Es kann aber sein, dass Sie nur den Preis für Ihr Flugticket zurückbekommen. Sollte die Bahnfahrt teurer sein, müssen Sie die Differenz zum Flugticket unter Umständen selbst zahlen. Tauschen Sie Ihr Flugticket daher besser vor der Fahrt bei der Airline in eine Bahnfahrkarte um.

Mietwagen ist Verhandlungssache

Erkundigen Sie bei der Airline, ob sie auch andere Verkehrsmittel erstattet – zum Beispiel die Kosten für einen Mietwagen. Was möglich ist, ist letztlich Verhandlungssache. Lassen Sie sich Zusagen unbedingt per E-Mail bestätigen oder am Schalter gegenzeichnen.

Wann können Fluggäste Essen und Unterkunft verlangen?

Sind Sie bereits am Flughafen und erfahren dort, dass Ihr Flug wegen eines Streiks ausfallen wird, dann muss die Airline Sie verpflegen. Üblicherweise gibt es Getränke, Snacks oder Gutscheine. Wenn nichts angeboten wird, können Sie sich selbst Essen und Getränke kaufen und sich die Verpflegung später von der Fluggesellschaft erstatten lassen. Aber Achtung: Menge und Art muss in einem angemessenen Verhältnis zu Ihrer Wartezeit stehen.

Sind Sie am Urlaubsort gestrandet und der Ersatzflug geht erst am nächsten Tag, dann muss die Airline Übernachtung und Transfer ins Hotel zahlen. Besprechen Sie die Details am besten telefonisch mit dem Kundendienst. Möglicherweise hat die Fluggesellschaft die Übernachtung bereits für Sie organisiert. Buchen Sie ein Hotel auf eigene Faust nur dann, wenn Sie eine schriftliche Zusage haben, dass die Airline auch die Kosten erstattet.

Welche weiteren Rechte haben Pauschalreisende bei Streik?

Falls Ihr Flug Teil einer Pauschalreise ist, können Sie den Reisepreis mindern, falls wegen des Streiks Ihr Urlaub erst später beginnt. Falls Ihr Urlaub erheblich beeinträchtigt würde, können Sie die Reise auch kostenfrei stornieren – zum Beispiel, wenn Sie Ihren einwöchigen Urlaub erst vier Tage später antreten können. Falls der Rückflug ausfällt, muss der Veranstalter für Ihre Unterkunft am Urlaubsort sorgen.

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Haben Fluggäste bei Streik einen Anspruch auf Entschädigung?

Fluggesellschaften müssen nach der europäischen Fluggastrechte-Verordnung bei großer Verspätung oder Annullierung des Fluges grundsätzlich Entschädigungen von bis zu 600 Euro zahlen. Es gibt allerdings Ausnahmen. Immer dann, wenn die Airline nichts dafür kann und sogenannte außergewöhnliche Umstände vorliegen, muss sie auch nicht zahlen (Art. 5 Abs. 3 EU-Verordnung 261/2004).

Was genau darunter zu verstehen ist, ergibt sich aus den Gründen der Verordnung. Außergewöhnliche Umstände können danach insbesondere eintreten bei politischer Instabilität, bei schlechtem Wetter sowie bei „den Betrieb eines ausführenden Luftfahrtunternehmens beeinträchtigenden Streiks“ (Erwägungsgrund 14).

Fluggesellschaften verweisen bei Streiks bisher immer auf die Begründung der Verordnung und lehnen jegliche Zahlung ab. Aber ganz so einfach ist das nicht.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat darauf hingewiesen, dass ein Streik die Fluggesellschaft nicht unbedingt und automatisch von der Ausgleichspflicht befreit (Urteil vom 17. April 2018, Az. C-195/17). Ganz im Gegenteil – die Gerichte müssen in jedem Einzelfall beurteilen, ob der Streik nicht seine Ursache in der normalen Geschäftstätigkeit der Fluggesellschaft hat und ob dieser tatsächlich nicht beherrschbar gewesen wäre.

Achtung: Weil es auf den Einzelfall ankommt, sollten Sie auch bei einer Verspätung oder Annullierung wegen eines Streiks immer Ihre Ansprüche auf Entschädigung einfordern. Sie brauchen dabei wahrscheinlich Unterstützung. Sie können sich zum Beispiel an Fluggast-Portale wenden.

Krankheitswelle oder wilder Streik

Auch wenn die Fluggesellschaft Flüge annulliert, weil zu viele Crew-Mitglieder erkrankt sind, muss sie unter Umständen Entschädigungen zahlen. So war es im Herbst 2016 bei Tuifly. Die Airline wollte wie bei einem Streik üblich nicht zahlen, weil die Krankmeldungen mit einem Streik vergleichbar seien.

Das sahen zahlreiche Passagiere anders und klagten auf Entschädigung. Viele haben sich an Portale für Fluggastrechte gewandt. Fairplane* hatte in knapp 50 Fällen Klage eingereicht, der Sofortentschädiger EUFlight* führte 44 Klagen. Im Februar 2017 gab es die ersten Urteile – mit sehr unterschiedlichem Ausgang: mal zugunsten von Tuifly und mal zugunsten der Fluggäste.

Zwei deutsche Amtsgerichte wollten Klarheit und legten die Frage dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Klärung vor. Das Gericht hat am 17. April 2018 entschieden, dass sich Tuifly nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen darf. Der „wilde Streik“ folgte auf eine überraschende Ankündigung des Managements, dass es umstrukturieren wolle. Die betriebswirtschaftlichen Risiken, die sich aus solchen Umstrukturierungen und den damit einhergehenden sozialen Problemen für Arbeitnehmer ergeben, sind Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit der Fluggesellschaft, urteilten die Richter in Luxemburg (Az. C-195/17 u.a.) – also keine außergewöhnlichen Umstände.

Mehr dazu im Ratgeber Fluggasthelfer

Dr. Britta Schön
Finanztip-Rechtsexpertin

Fluggastrechte nach EU-Verordnung

  • Bei Flugverspätung von mehr als 3 Stunden können Sie Entschädigung verlangen.
  • Bis zu 600 Euro sind möglich.
  • Fluggasthelfer-Portale setzen Ihre Rechte durch.

» Zum Ratgeber

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Daniel Pöhler

Finanztip-Redakteur

Daniel Pöhler arbeitet hauptsächlich am Finanztip-Newsletter und wirkt als stellvertretender Textchef an der sprachlichen Qualität aller Finanztip-Texte mit. Seine redaktionellen Schwerpunkte sind Mobilität und Digitales. In seinem Volontariat bei der Fachzeitung Telecom Handel hat er gelernt, wie die Telekommunikations-Branche und der Handel ticken. Daniel hat ein Diplom in Betriebswirtschaft von der Universität Bayreuth.

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.